Zechten im Turngau Hessen (O. T.)
Die Ausscheidungskämpfe der Allmannen.
In Friedberg trafen sich am Sonntag im Heime der Turngemeinde die Altmannen des Turngaues Hessen zu den Ausscheidungskämp- fen in Florett und Säbel. Unter der Leitung des Kampfgerichts, das sich aus den bekannten Fechtern Mahl und Dippel (Frankfurt am Main), N i e tz s ch (Bad-Nauheim), G r o o s (Marburg) und Kühn (Friedberg) zusammensetzte, wickelten sich die Kämpfe flott ab. Im allgemeinen standen die Leistungen nicht auf besonders hoher Stufe: lediglich in der Endrunde wurden verschiedene schöne und spannende Waffengänge gezeigt. In zwei Vorrunden wurden die sechs Teilnehmer der Endrunde ermittelt. Diese ergab im Florett nachstehende Rangfolge: 1. K. Mulch, Tv. Wetzlar, 5 Siege: 2. K. Hahn, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 3 Siege: 3. H. Berlich, To. 1860 Bad-Nauheim, 3 Siege 4, P. Pfeffer, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 2 Siege; 5. Eg. Schuchhardt, T. u. Spo. Marburg, 2 Siege; 6. K. Hövels, Tv. Wetzlar, 0 Siege.
Im Säbel, wozu 10 Fechter antraten, wurde in einer Runde folgende Sieger festgestellt, nachdem zwischen Mulch und Hahn, die beide acht Siege hatten, ein Stichkampf ausgetragen worden war. 1 K. Hahn, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 8 Siege; 2. K. Mulch, Tv. Wetzlar, 8 Siege; 3. H. Berlich, Tv. 1860 Bad-Nauh«m, 7 Siege: 4. L. Gerhardt, Tv. 1846 Gießen, 7 Siege: 5. E. Lemke, Tgm. Friedberg, 4 Siege; 6. K. Franken- bc.gcr, Tgm. Friedberg, 4 Siege.
Die vier e r st e n Sieger jeder Klasse sind berechtigt, an den Ausscheidungskämpfen für die K r e i s s o n d e r k l a s s e des Mittelrheinkreises teilzunehmen.
Den Wettkämpfen, die sich bis in die Nachmittagsstunden ausdehnten, folgte eine Tagung der Gaufcchterschaft. Zu deren Beginn wurde der auf dein diesjährigen Gauturntaa in G i e ß e n ge- wählte Gaufechtwart Karl Kühn (Friedberg) in sein Amt eingeführt. Brack (Friedberg) wurde als Schriftwart bestimmt. Außerdem wurde beschlossen, den Rückkampf mit dem Gau Frankfurt am Main — der Vorkampf in Bad-Nauheim endete unentschieden — an Himmelfahrt im Frankfurter Stadion auszutragen.
Handball 2. Kampfs. Z. K
Polizeisporkverein Butzbach — 2. Komp. 6:4.
2. Komp. — Mlv. Gießen 2:4.
Die 1. Mannschaft der 2. Komp, spielte gegen die Liga-Mannschaft des Polizeisportvereins Butzbach auf dortigem Platze und verlor nach schönem abwechslungsreichen Spiel 4:6. Halbzeit 3:2 für 2. Komp.
Auch dem Mto. unterlag die 2. Komp, am Sonntag nach gleichwertigem Kampf 2:4. Halbzeit 2:1 für 2 Komp.
In beiden Spielen machte die Militärmannschaft einen etwas überspielten Eindruck. Obwohl sie bei beiden Spielen in Führung lag, mußte sie bis Schlußpfiff knappe Niederlagen einstecken.
Handball Tv. 1899 Großen-Buseck.
Erste — To. hüttengesätz I 5:1 (3:0).
Zweite — To. Treis l 1:2 (1:0).
Völlig überraschend kommt der sichere Sieg der Schwarzweißen über den Kinziggaumeister. Das gleiche Resultat, das der Offenbacher Meister in Offenbach erst im Endkampf erringen konnte, wurde von Grohen-Bcheck in Hüttengeläß erzielt. Von Anfang an war Großen-Buseck leicht überlegen und batte nach zehn Minuten bereits zwei Tore Vorsprung. Dann verteilte sich das Spiel. Huttengesäß führte eine Reihe gut durchdachter Angriffe durch, die vom Gäste-Tormann zum Teil aanz glänzend pariert wurden. In der zweiten Halbzeit war die Busecker Stürmerreihe durch den ungewohnten, zähen, nassen Lehmboden sichtlich ermüdet, während die Verteidigung jetzt auf der nicht ganz so gründ-
Roman einer Nacht
Don Paul Nosenhayn.
4. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Aeber manche der Fragen werden Ihnen am besten die Zeugen Auskunft geben können."
„Hat der Herr Staatsanwalt besondere Wünsche?" wandte sich der Vorsitzende zur Rechten.
Ein blonder, glattrasierter jüngerer Herr, der aus den ersten Blick den Eindruck einer gewissen lächelnden Donhomie erweckte, stand auf. Sein unbefangenes Gesicht veränderte, seltsam genug, auf der Stelle den Ausdruck: es wurde sozusagen konzentriert; ein paarscharfe Falten legten sich zwischen Rase und Mund, ein glimmendes Licht trat in seine Augen.
„B. R.“
„Ich möchte bitten," sagte er mit einer Stimme, deren merkwürdige Tonlosigkeit vielleicht darauf berechnet war. den Laien über Wichtigkeit und Anwichtigkeit im unklaren zu lassen, „ich möchte den Herrn Präfekten bitten, sich mit feinen zweifellos sehr interessanten Ausführungen noch eine kurze Zeit gedulden zu wollen."
„Ich habe nichts dagegen, Herr Staatsanwalt", sagte der Vorsitzende.
..... und an erster Stelle die Zeugen au vernehmen, die uns über die Vorgeschichte Näheres erzählen können.
„Leider ist die Vorgeschichte kaum festzustellen gewesen, Herr Staatsanwalt."
„Mit Vorgeschichte meine ich, richtiger ausgedrückt: die Konstellation der Dinge, aus der heraus sich d?r Mord ergeben hat. Vielleicht wird uns diese Stellung der Menschen und der Tatsachen zueinander, wenn wir sie im lebendigen Zusammenhang hören, ein Stück weiter- bringen."
„Der Herr Staatsanwalt hat recht", entschied der Präsident. „Ich darf Sie bitten. Herr Präfekt, solange im Saal zu bleiben?"
„Ich beantrage." begann der Staatsanwalt von neuem, „die Vernehmung des Herrn A^el Poulsen."
„Wer ist das?"
„Der Direktor des Grand Hotel."
„Herr Direktor PoulsenI"
Der Gerichtsdiener öffnete die Tür; der Aufruf hallte durch den Korridor; ein Herr im Cutaway, von hoher, repräsentabler Erscheinung, glattrasiert, mehr Engländer als Däne, trat ein.
„Herr Poulsen," sagte der Vorsitzende, „ich brauche Sie kaum mit den Dingen bekannt zu machen, über die Sie uns hier informieren sollen. Immerhin will ich kurz rekapitulieren: wir möchten von Ihnen wissen, was Ihnen von
Turneriagung des Gaues Hessen D.T. in Gießen.
Am Sonntag fand in der Turnhalle des Tv. 1846 die Gauoorturnerstunde des Gaues Hessen statt, zu der 13 Turnausschußmitglieder, 40 erste, 38 zweite Turnwarte, sowie 33 Vorturner aus über 80 Gauvereinen sich eingefunden hatten, eine stattliche Zahl mit 124 Turnern, die sich unter Leitung von Gauoberturnwart W. Will (Gießen) mit dem für 1929 bestimmten Turnstosf vertraut machten, um ihn in treuer Kleinarbeit in ihren Vereinen fruchtbringend zu durcharbeiten. — In erster Linie wurden die für das
Gauturnfest
bestimmten allgemeinen Freiübungen einer gründlichen Durchnahme unterzogen, so daß sie, am Schlüsse nach Musik durchgeturnt, ein wohlgelungenes Bild ergaben, das mit Recht die Hoffnung auf eine eindrucksvolle Kundgebung turnerischen Lebens in Alsfeld beim Gaufest keimen läßt. Im zweiten Teil fanden die Pflichtübungen, die der Turnausschuß für die einzelnen Stufen (Ober-, Mittelund Unterstufe) vorschreibt, in praktischer Betätigung unter Leitung der Bezirksturnwarte eingehende Bearbeitung. Auch die für den Zwö.lfkampf vorgesehenen Volkstümlichen Hebungen wurden bekanntgegeben, und das Hangeln, das nach langer Zeit wieder auf dem Plan erscheint, kräftig geübt. Auf diesem Gebiet sah man den neugewählten Volksturnwart Klimm er (Haina) erstmalig für den Gau tätig. Eine Aenderung bezüglich der Bewertung des Hangelns wurde insofern vorgenommen, als festgesetzt wurde, daß die Leistungen von 7 bis 15 Sekunden auf 7 bis 17 Sekunden als bemertbar erkannt wurde, eine Maßnahme, die sicher von allen Turnern freudig aufgenommen werden wird.
Am Nachmittag trafen sich die Teilnehmer zu einer Besprechung, die ob ihres Inhaltes zum mindesten mit der praktischen Arbeit am Vormittag gleichzustellen ist.
Als erster Punkt stand zur Aussprache Unfall und haftpflichi.
Hier aufklärend zu wirken, war der Zweck der Beratung, der wohl auch erfüllt wurde. Im Anschluß hieran wurde das von dem früheren Oberturnwart der DT., Arno Kunath, verfaßte Buch über „Unfallverhütung" verteilt. Diese Verteilung geschah im Auftrage des Vorstandes der DT., der kostenlos diese wertvolle Abhandlung den Vereinen überweisen ließ in der Annahme, daß durch diese weitschauende Maßnahme die Zahl der Unfälle in der DT. auf ein erträgliches Mindestmaß zurückgeschraubt wird. — Als nächster Punkt stand die
Göh-Wanderung des Gaues Hessen
zur Besprechung. Sie findet am zweiten Pfingstfeier- tag statt und führt nach Kloster Haina. Einer recht zahlreichen Beteiligung dürfte sich diese Wanderung erfreuen, zumal der Tv. Haina in großzügiger Weise den Hesfenturnern Vorteile der verschiedensten Art (Verpflegung, Unterbringung u. dgl.) bietet.
Der dritte Punkt führte zu einer tiefgehenden Aus- spräche über das
losen Platzhälfte spielte. Sie konnte, immer sicherer werdend, von dem mehr aufkommenden Platzbesitzer nur zu feinem Ehrentreffer überrumpelt werden. Die Verteidigung Grohen-Busecks leistete wesentlich sicherere Arbeit. Der Mittelläufer, der diesmal einen der schwächeren gegnerischen Stürmer vor sich hatte, konnte einen großen Teil feiner Energie dem Angriff widmen, was viel zu den Er- folgen auf dem ungewohnten Boden beitrug. Die tärkste Waffe des Gegners, die Außenstürmer, mar ien Gästeaußenläufern, die wieder eine vorzügliche Leistung boten, nicht gewachsen.
Die zum ersten Male in dieser Zusammenstellung antretende Zweite erlitt in Treis eine unverdiente
der Angelegenheit Marfa Grmoliefs bekannt ist. Fräulein Marfa Ermolieff ist, das ist baS traurige Resultat dieser seltsamen Vorgänge, unter bie schwerste Anklage gestellt worben, die das Gesetzbuch kennt: unter die Beschuldigung des Mordes. Was wissen Sie uns darüber zu sagen?"
Direktor Poulsen warf einen fragenden Blick hinüber zu der jungen Angeklagten, die ihn aufmerksam, mit einem seltsam mitleidigen Gesichtsausdruck, betrachtete. Sein frisches Epi- kuräeraesicht leuchtete bei ihrem Anblick unmerklich auf.
„Ich begreife noch immer nicht, Herr Präfi- dent, wie Fräulein Ermolieff... um bie Wahrheit zu sagen: ich kann beim besten Willen nicht glauben, daß sie eines Morbes ..."
Der Staatsanwalt unterbrach ihn. „Ich darf den Herrn Zeugen darauf aufmerksam machen, daß ein solches Werturteil unangebracht ist."
„In der Tat, Herr Direktor," sagte der Vorsitzende, „auch ich muß Sie bitten, nur zu sa- Sen, was Sie wissen — nicht was Sie glau» en. And vor allem: keine Schlußfolgerungen zu ziehen."
„Gewiß, Herr Präsident", eine leise Indignation klang aus bet Stimme bes Zeugen.
Marfa Ermolieff lächelte.
„Es war vor etwa sechs Wochen, als eines Abends — es war zwischen neun und zehn Ahr — ein Gast vor unserem Hotel vorgefahren kam und ein Appartement verlangte?
„Damit wir unS auch in unwichtigen Dingen recht verstehen: ein Appartement ist..."
„Ein Appartement besteht auS Wohnzimmer, Schlafzimmer und Badezimmer."
„An diesem Gast fiel Ihnen irgend etwas auf?“
„Ja. Verschiedenes. Das erste, was uns auffiel, war bie Zeit, zu der er kam. weder kommt um diese Zeit ein Eisenbahnzug in Kopenhagen an, noch war ein Schiff eingetroffen.“
„Vielleicht hatte er bie Reife im Auto gemacht?"
„Rein. Er kam in einer MietSbroschke."
„Haben Sie sich eine Meinung barüber ge- bilbet, woher er tarn?“
„2ch hatte fast ben Eindruck, als ob er aus einem anberen Hotel kam."
„Rus einem anberen Hotel.. . warum sollte er bas getan haben?"
Der Direktor machte eine nachdenkliche Hand- bewegung. „In unserem Beruf erlangt man eine gewisse Menschenkenntnis. Es wäre nicht unmöglich, baß er auf biefe Weise vielleicht feine Spur verwischen wollte."
„Hm. Wäre es nicht denkbar, daß er etwa im vorigen Hotel Schulden gemacht hätte?"
„Den Eindruck hatte ich nicht. Zufällig sah ich, daß er einen großen Barbetrag mit sich führte."
Gaulumfest in Alsfeld, so daß wohl erwartet werden darf, daß es — rein turnerisch betrachtet — als eine werbende Veranstal- tung sich auswirken wird. Zu begrüßen ist, daß durch Einbeziehung der Gaumeisterschaften im Schwimmen, Fechten und Volksturnen das Gaufest eine wesentliche Bereicherung erfährt, bie geeignet ist, das Turnen in allen seinen Zweigen zu zeigen. Als Wettkämpfe des Volkssonderturnens sind bestimmt worden: Läufe über 100, 200, 400, 800 und 1500 Meter; Weitsprung und Stabhochsprung; Kugelstoßen; Specr- und Diskuswurf: für Turnerinnen: 100-Meter-Lauf, Hoch- und Weitsprung, Kugelstoßen, Ballweit- und Speerwurf. Als Mehrkampf (je ein Dreikampf); für Turner: 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen; für Turnerinnen: 75-Meter-Lauf, Kugelstoßen, Weitsprung: für Altersturner l, (Jahrgänge 1894 bis 1885): 100-Meter-Lauf, Kugelstoßen, Weitsprung mit Anlauf; für Altersturner II, (Jahrgänge 1885 und früher): 75-Meter-Lauf, Steinstoßen, Weitsprung aus dem Stand. Als Staffeln find nur eine 4X100-Meter-Pendelstaffel für Turner und eine 4X75-Meter-Pendelftaffel für Turnerinnen vorgesehen. Jeder Volksturner kann sich nur an vier Wettkämpfen beteiligen und muß im Besitz der vom Mittelrheinkreis ausgehändigten Wettkampfkarte fein.
Die Wettkämpfe des Schwimmens finden in der üblichen Weife statt und kommen demnächst zur Bekanntgabe. Auch das Fechten findet in der seitherigen Form seine Erledigung.
Die Kampfrichterfrage löste eine lange Aussprache aus. Die Ausbildung bleibt, wie bisher, den Bezirken übertragen, jedoch soll vor dem Gauturnfest eine Zusammenkunft aller Kampfrichter des Gaues unter Leitung des Gauoberturnwartes stattfinden.
Zwischen dem Gau Frankfurt und dem Gau Hessen soll am 30. Juni in Gießen (Volkshalle) ein Mannfchaftskampf im kunstgerälelurnen vor sich gehen. Je eine Mannschaft aus acht Turnern turnt an Reck, Barren, Pferd (feit und längs) und zeigt eine Kürfreiübung. Di» geübteren Turner des Hesfengaues wurden zur prakttfchen Arbeit zufam- mengenommen. Es kann angenommen werden, daß der Gau mit feiner Mannschaft, der u. a. Reuter (Gießen), Sinnwell (Bad-Nauheim), G a e t s ch und F r n k (Marburg), Sehrt (Großen-Linden), angehören werden, auch gegen den turnstarken Gau Frankfurt ehrenvoll bestehen wird, lieber die einzelnen Ausführungsbestimmungen wird noch verhandelt.
Zum Schlüsse konnte der Gauoberturnwart die Siegerurkunden vom 14. Deutschen T u r n s e st überreichen. Geschmackvolle Urkunden werden den 27 Siegern und Siegerinnen ein dauerndes Erinnerungszeichen fein. Dem Gau Hessen wird dadurch erneut bestätigt, daß er beim deutschen Turnen auf allen Gebieten, in allen Stufen und Altersklassen bei Turnerinnen und Turnern in gleichem Maße Erfolge zu verzeichnen hat.
Niederlage. Die zum Teil noch jugendlichen Grohen- Busecker machten ihrem Verein alle Ehre, indem sie fast während des ganzen Sviels tonangebend waren, doch an dem Torkreis scheiterten. Ein Unentschieden wäre durchaus gerechtfertigt gewesen.
Landballabieilrmg -es Turnvereins Großen-Linden.
To. Großen-Linden (3ugenb) — T. u. Spo. Buhbach (Jugend) 4:3.
Mit einem knappen, aber verdienten Siege kehrte Großen-Linden von Butzbach zurück. Großen-Linden war der Platzmannschaft wäh-
„Vei welcher Gelegenheit bemerkten Sie das?"
„Gr öffnete die Brieftasche, als er dem Portier den Gepäckschein gab."
„Lieh sich aus der Herkunft des Gepäcks nichts Näheres ermitteln?"
„Nein. Das ist es eben: das Gepäck war in Kopenhagen aufgegeben worden. Als Handgepäck. And zwar eine halbe Stunde vorher. Der Bahnbeamte schüttelte den Kopf, so verwundert war er darüber."
„Woher wissen Sie das alles? Ich vermute, daß Sie das Gepäck nicht selbst geholt haben, Herr Direktor."
Herr Poulsen lächelte. „Der Ankömmling war auch dem Personal auf gefallen; der betreffende Hausdiener fühlte sich verpflichtet, mir davon zu erzählen."
„Das sieht in der Tat aus, als ob Herr..."
„Bruno Riedinger..."
... als ob Herr Bruno Riedinger ben Wunsch gehabt hätte...“ ber Vorsitzende warf einen Blick in bie Akten. „Wie waren bie Initialen, die in der Wäsche des Toten gefunden wurden?"
„B. R“, sagte Poulsen.
Jemand flüsterte im Zubörerraum:
„Der Präsident scheint die Akten nicht gelesen zu haben."
Hinter der vorgehaltenen Hand wisperte fein Nebenmann:
„Absicht. Er stellt sich dumm."
„Hier ist die Meinung aufgetaucht," fuhr der Dorfitzende fort, „daß Ihr Gast unter falschem Namen gereift fei. Die Initialen in der Wäsche scheinen aber zu bestätigen, daß er tatsächlich Bruno Riedinger geheißen hat."
„Darf ich ein offenes Wort sprechen?"
„Ditte."
„Ich bin überzeugt, daß der Name Bruno Riedinaer falsch war. Trotz der Initialen."
„Rieoinger ist ein deutscher Name. Machte Ihr Gast ben Einbruck eines Deutschen?"
„Nein. Er hatte einen ausgesprochen slawischen Akzent.“
„Was geschah also weiter, nachbem bieser Gast, der sich Bruno Riedinger nannte, bei Ihnen Wohnung genommen hatte?"
„Er verlangte Zimmer mit Ausblick auf den Kongens Nytorv."
„Also ein anspruchsvoller Herr."
,, Auch uns schien es zunächst so. Eines Tages machten wir indessen die Entdeckung, daß er aus einem ganz anderen Grunde die Appartements mit Ausblick auf den Kongens Nytorv gewählt hatte."
„Nämlich?"
„Eines Morgens ging er über den Korridor. Das Zimmer 15 war eben frei geworden. Die Fenster standen offen: das Zimmer mündet auf eine kleine, enge Seitenstraße: vom Fenster des Hotelzimmers blickt man in die Fenster eines ge-
rend des ganzen Spieles überlegen, jedoch pfiff der vom Plahverein gestellte Schiedsrichter das Spiel bei den schönsten Torgelegenheiten ab,
Gpielvereimgung 1900 Gießen.
Liga — S. S. Wetzlar - Niedergirmes Liga 3:0 (0:0).
Zweite — S. E. Wetzlar-Niedergirmes II 7:0 (2:0).
Dritte — Teutonia Steinberg I 2:1 (0: 0).
o. Sämtliche Spiele fanden auf dem 1900-Sport- Plah an der Liebigshöhe statt und brachten für den Plahverein drei schöne Siege. Der Sieg der Ligamannschaft ist, gemessen an der großen Feldüberlegenheit, entschieden zu knapp ausgefallen. Die Gäste leisteten wenig. Hätte der Platzverein einen durchschlagskrästigen, schußsicheren Sturm zur Stelle gehabt, so wären die Gäste zweistellig geschlagen nach Hause gegangen. Das Spiel wurde dirigiert von der einheimische^ Läuferreihe, in der besonders der Mittelläufer durch sein Spiel überragte. Niedergirmes hatte im ganzen Treffen kaum eine einzige Torchance. 1900 lag fast fortgesetzt im Angriff, versagte aber vollkommen vor dem Tore. Die Tore fielen erst gegen Spielende durch Mittelstürmer, Halbrechts und Mittelläufer, das letzte, das schönste Tor des Tages, durch famosen Kopfball des Mittelläufers. Bei den Gästen überragte der Torhüter, der sein Tor in glänzender Art verteidigte. Schiedsrichter Busch, Butzbach, leitete zur beiderseitigen Zufriedenheit: er wurde vor keine allzugroße Aufgabe gestellt, da das Treffen recht anständig durchgeführt wurde.
1900’6 zweite Elf errang über die zweite Mannschaft Niedergirmes' einen Bombensieg, ber aber noch weit höher hätte sein können, ba selbst bie blauweihe Verteidigung sich am Torschießen beteiligte. Allerdings hatten die Gaste nur acht Spieler im Feld, die sich fast ausschließlich auf die Verteidigung verlegten. Bei dem Plahverein zeigte sich, trotz der sieben Tore, eine auffallende Schuhschwäche des Sturms, genau wie im Spiel der Ligamannschaften. Schiri D e i n e ck e, Aßlar, stand jederzeit über den Parteien.
Die dritte Mannschaft der Spislvereinigung hatte die erste Elf der Teutonia Steinberg zu einem Gesellschaftsspiel verpflichtet, die sich ein spannendes, wechselvottes Spiel lieferten. Nach torlosem Seitenwechsel ging zunächst Steinberg in Führung. 1900 glich gegen Schluß aber aus und konnte anschließend noch ben Führungstreffer erzielen, ber zugleich auch ber Siegestreffer sein sollte. Für ben ausgebliebenen SchieoSrichter leitete 1900’6 Vereinsvorsitzender.
V. f. B.
Die Lig am annschaf t mußte wider Erwarten bie Fahrt nach Marburg mit zwei Mann Ersah antreten. Es waren bet Halbrechte und bet rechte Läufer ersetzt, deren Fehlen sich stark bemerkbar machte. Die eingestellten Ersatzleute taten zwar ihr Bestes, konnten sich jeboch nicht so recht in bie Mannschaft einfügen. Zweifellos war dies mit die Arsache ihres zusammenhanglosen Spiels. Hinzu kam noch, daß sie durch tne beiden AeberraschungStore Marburgs, von denen das erste bereits gleich zu Anfang, das zweite nur wenig später fiel, etwas auS dem Gleichgewicht gekommen waren. Immerhin kann damit keineswegs die Niederlage ber Gif restlos entschuldigt werden, da sie trotz allem ein wesentlich besseres Spiel hätte zeigen müssen. Nicht allein, daß es ihr an Zusammenhang und ihren Aktionen an Einheitlichkeit fehlte, auch die Leistungen des Einzelnen, mit Ausnahme einiger Wenigen, blieben hinter den bisher gezeigten weit zurück. Daß wirklich beachtenswertes Können in der V.f.V.-Mannschaft steckt, daS ausreicht, eine De- zirksligamannschaft von der Qualität des Gastgebers zu schlagen, bewies sie in der zweiten Spielhälfte, in Der sie diesen einige Zeit vollkommen in seine Hälfte einschnürte und besten KombinationSfußbatt demonstrierte, um dann ober
genüberliegenden Pensionats. An diesem Morgen nun wurde eben, als Herr Riedinger an dem Zimmer Nr. 15 vorüberging, die Tür geöffnet; das Zimmermädchen wollte den Teppich kehren. Dadurch war einen Moment lang ein Durchblick — sagen wir schon ganz offen — von den Zimmern des gegenüberliegenden Pensionats auf ben Korribor geschaffen, ben gerade Herr Riedinger passierte. Im Moment nun, da Herr Riedinger das bemerkte — ba er also sah, daß man ihn von drüben leben konnte —, sprang er mit einem Sah zurück, hinter die Tür."
„Daraus schlossen Sie...?"
„... daß Herr Riedinger Grund hatte, sich verborgen zu halten: daß er den Ausblick auf den großen, freien Platz nur gewählt hatte, damit man ihn nicht beobachten könne."
„Er schien also Verfolger zu fürchten."
„Den Eindruck hatten wir alle.“
„Erhielt Herr Riedinger Besuch?“
„Ja. Den Besuch eines Herrn, der uns gleichfalls auffiel."
„Was fiel Ihnen an ihm auf? Seine Kleidung? Sein Benehmen?"
„Nein, Herr Präsident. Weder seine Kleidung, noch sein Benehmen. Lediglich sein Blick."
„Ein unheimlicher Blick?"
„Nicht eigentlich. Eher der Blick eines Fanatikers."
„Konnten Sie erfahren, was dieser Besucher mit Herrn Riedinger zu besprechen hatte?"
„Man hat es versucht, Herr Präsident. Sobald jemand in die Nähe kam, hörten die beiden auf zu sprechen."
„Haben Sie sich irgendeine Meinung gebildet, was der fremde Besucher wohl von Herrn Rie- binger wollte?"
„Wir haben uns auch barüber den Kopf zerbrochen; das Interesse für den seltsamen Gast war nun einmal geweckt. Wir hatten den Eindruck, daß jener fremde Besucher von Herrn Riedinger etwas haben wollte. Etwas sehr Wertvolles. Vielleicht eine große Summe Geldes."
„Woraus schlossen Sie das?"
„Der Fremde bemühte sich auffällig um Riedinger; er behandelte ihn mit großer Auszeichnung, so wie man jemand behandelt, den man in gute Stimmung versetzen will."
„Schien es, als ob das Geschäft — um irgendein Wort dafür zu prägen — zwischen Herrn Riedinger und jenem Fremden zustande gekommen sei?"
„Nein, Herr Präsident. Ich glaube, daß bie Chancen bes fremben Besuchers gut stanben: da kam etwas Anerwartetes dazwischen!"
„Fräulein Ermolieff?"
„Ja, Herr Präsident. Fräulein Marfa Ermolieff."
„Erzählen Sie."
(Fortsetzung folgt.)


