Samstag, 16. März 1929
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)
Nr. 64 Zweites Blatt
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IenfettS der Karawanken und Karmischen OH- pen, wildem Kalk, beginnt schon fremdes Land: Königreich der Serben, Kroaten. Slowenen und Königreich Italien. QIn den Grenzen des kleinen Landes Kärnten endet das grobe Vaterland Deutschland. Dies muh dem deutschen Bewußtsein ganz nahe gerückt werden. Der Frciheitskampf der Kärntner nach dem Weltkriege, der erst mit der Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 sein glückliche- Ende fand, war nicht nur die Episode einer begrenzten Landschaft. Er war zu einer Zeit in der die ganze Station in schwerem Fieber lag.'ein Manifest für die Gewalt deS deutschen Geistes, für die geheimnisvolle Kraft der deutschen Seele. Daß das Schicksal des gröberen Vaterlandes damals gerade in dem äußersten südlichen Winkel ein Beispiel schuf und von dort unten einen Strahl neuer Hoffnung sandte. daS darf dem kleinen, schönen, deutschen I Lande Kärnten nicht vergessen werden.
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Federmann war auf der Jagd.
^Erfolg gehabt?" fragen die anderen.
„ilnb ob", sagt Federmann. „Sitzt da z. B. ein Hase, macht Wännchen. 3d) — mein Gewehr an die Dacke — und schieße. Der Hase rührt sich nicht. 3ch schieße wieder. Der Hase rührt sich nicht. Ich schieße zum dritten Mal. mit grobem Schrot. Da hättet ihr mal sehen sollen, tote das Viech davongelaulen ist!"
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DaS neue Dienstmädchen melde! sich.
„Wie heißen Sie denn'?" fragt Zedermann.
..Mm ... Mmm ... Mmmm... Mmathilde." - „Schön," lagt Federmann, „ich werde Sie einfach Mathilde nennen.“
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Der Reichstag hat sich in der letzten Woche wieder einmal mit dem Schicksal der älteren Angestellten befaßt. Er hat ein Gesetz zur Aende- rung des Vers i ch erungsgeseheS für Angestellte beschlossen, durch das den über 60 Iahre alten und über ein Iahr lang stellenlosen Angestellten eine wertvolle Erleichterung geboten wird. An die Wurzel des Uebels reicht aber dieses Gesetz nicht heran. Ein Gesetz, das diese traurige Erscheinung von Grund aus bekämpft, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Wohl kann ich mir vorstellen, daß weitere gesetzliche Maßnahmen möglich sind, durch die vielen geholfen wird, aber das Entscheidende ist, ob das deutsche Unternehmer tum selbst, von sich aus. eine moralische Verpflichtung gegenüber dem Unglück Zehntausender dem Untergang verfallender älterer Angestellter emp- findet oder nicht. Ist diese Frage zu verneinen, dann allerdings wird die Gesetzgebung nicht Halt machen können vor Forderungen, die zu so tiefen Eingriffen in das Wirtschaftsleben führen, wie ich sie für unerwünscht, aber sd)ließlich für unentbehrlich halte, wenn die Arbeitgeberverbande nicht die Kraft aufbringen, diese Frage im Be- nehmen mit den Verufsgewerkschaften der Angestellten selbst beherzt anzupacken.
Wo liegen die Ursachen, welches sind die Möglichkeiten zur Velänrpfung der Notlage der älteren Angestellten? Die verheerenden Um- wälzungen des Krieges, der Inflation, der ganzen Umstellungen auf dem Weltmärkte und der Druck der Tributlasten auf unseren Wirtschafts- körpec haben unzählige Unternehm, ngen in unserer Wirtschaft zerstört oder in fremde Hande gebracht, die seit Iahrzchnten Angestellte be- s(hastigen, die ihre Zukunft in den nun zerstörten Unternehmungen beim normalen Ablauf der Dinge als gesichert ansehen durften. Sie hatten mit jenem starken Geschäftsinteresse, das in diesem Ausmaß den deutschen Privatangestellten vor den meisten ausländischen Kollegen auszeichnet. ihre volle Arbeitskraft auf ihren Betrieb konzentriert und waren vielfach dabei in einem engen Dezirk selbständige und wertvolle Mitarbeiter für das Unternehmen geworden, aber xum Teil dabei auch einer gewissen Einseitigkeit zum Opfer gefallen. Aber das trifft bei weitem nicht so oft zu. wie vielfach vermutet wird. Ungemein groß ist die Zahl der älteren stellenlosen Angestellten, die durchaus vielseitige Kenntnisse und Fähigkeiten und auch noch eine ausreichende Anpassungsfähigkeit aufweifen, trotzdem aber feine Stellung erlangen können, obwohl sie sich selbst und die Stellenvermittlungen der Verufsverbände wie auch der öffentliche Arbeitsnachweis systematisch um ihre Unterbringung bemühen.
s orscht man nach den tieferen Ursachen der Ergebnislosigkeit all dieser Bemühungen, dann gewinnt man oft den Eindruck, daß das eine Unternehmen sich darauf verläßt, daß das andere ^greifen möge; aber selbst will man sich in dieser
Das Neueste von Jedermann.
Don Lanü Riebau.
Federmann ist in der Gemäldegalerie. ^Entsetzlich!" sagt er zu einem Herrn und zeigt auf einen lebensgroßen männlichen Akt.
„Das Bild ist von mir“, lächelt der Herr.
„O, Verzeihung, ich meine natürlich nicht das Bild, sondern den Kerl, den Sie da gemalt haben."
,Cs ist ein Selbstporträt", sagt der Herr.
Federmann besieht daS Bilder-Album. Wit Frau Mücke zusammen. .Das ist ein Bild aus Ihrer Jugendzeit? Fabelhaft! Ganz fabelhaft!"
„Finden Sie?" lächelt Frau Mücke.
„3a.“ sagt Federmann, „ich habe gar nicht gewußt, daß man damals schon photographieren mntc.“
„Ich bin," erzählt jemand, „in Magdeburg geboren und habe die Leibnizschule in Berlin besucht."
„Da haben Sie aber,“ sag! Federmann, .einen weiten Schulweg gehabt."
Federmann spielt mit Mücke Karten. 3m Cafe.
Mücke verliert 8 Mark. Zieht die Brieftasche. »Ich habe kein Geld", sagt er.
„Was?" wirb Federmann wütend. „Du gehst ins Cafe, ohne Geld mitzunehmen? Wie soll ich denn da meine Zeche bezahlen?"
Kärnten, deutscher Süden.
Don Josef Friedrich pertonig.
Kämten, am südlichen Bande des geschlossenen deutschen Sprachgebietes gelegen, vor dem Kriege kaum gekannt, weil es eingefeilt liegt zwischen Ländern, die se n.n Ru^m b.fchattct.n, war immer ein stilles Land. Hohe, rauhe, unwegsame Gebirge umfrieden eS, und nur durch ganz wenige enge Tore bricht das gewalttätige Leben herein. Seine Abgeschlossenheit, Segen und Fluch zugleich wird zu einer gewissen Einsamfeit und So: rstellung; es scheint, als schritte die Zeit hier langsamer, als fei ihr Laus in die Znkunll hinein bedächtiger; sie ist noch irgendwie groß- väterisch sie hat eine glückliche Defchwertheit der alpenländischen Provinz. Klimatisch abgeschäht, ist das Land oft eine „Wetterinsel" geheißen worden, nicht he'.mgefucht von schwer lichen Uebcr- raschurgen. die am Himmel ihren Ursprung haben. 3a, es hat den Bus eines windarmen Landes. Damit ist auch sinnbildlich angedeutet, wie spärlich das äußere Gesd)ehen der Vergangenheit war. Wohl tlang immer wieder einiger Kriegslärm in den stillen Landschaften; die Türken sengten hier, Dauern standen wider die Herren auf, und Vapoleon geisterte mit seinen Soldaten durch das Land. Aber es waren doch immer nur die letzten, verebbenden Wellen von großen Bewegungen der fernen Welt, die eine köstliche Entlegenheit streiften. Es war zu wenig, um viel davon reden zu tonnen, und doch genug, als daß es vergessen hätte werden dürfen. Cs war eine Geschichte, gerade genügend für das Land selbst.
Das Leben der Menschen in diesem herben, schönen Bauernlande ging seit jeher unter dem Bauschen unermeßlicher Wälder dahin, die, nun nicht mehr paradiesisch geschont wie etnft, unter den Gierten einer betrüblichen Erwerbsgier hin- sinken. So hat sich das Antlitz mancher Täler gctoanbeÜ, bis auf Hunderte tiefe ferne Gräben und entlegene Dergwinkel, wohin diese allzu gegenwärtige Welt noch nicht reicht, wo mit dem dunklen Wald der ilrgeift und die graue Zeit haust, in der die Geschöpfe der Sage eine gläubigere Erde bevölkerlen. Dort, in den abseitigen Dörfern und bei einschichtigen Weilern, wo der uralte Glaube und Glberglaube noch an die Fenster klopft, belebt ein seltsames, schönes, tiefgründiges Brauchtum, das seine Wurzeln in fast undeutbare Vergangenheit senkt, das ftrenge. karge Dasein schweigsamer Menschen. Was hier Sprache und Sitte erweisen, bezeugen an anderen Orten Pfahlbautenreste. Gräberfunde, verschüttete Städte und die Hcberltefcrung. Berg-, Fluß- und Flurnamen, wie: Tauern, Karawanken. Gail. Glan, Wöll, Gurk, Drau, führen in die keltische Zeit, oder nodj weiter zu einem unbekannten ilrbeginn zurück. Tie Bömer, von dem Golde, Eisen und Blei der nordischen Berge an- gelockt. brechen in das Land, bauen und siedeln, roden die finsteren Wälder, schichten Steine zu Straßen, die bis heute nicht zerfallen konnten, und wcrdcn von dem Smrm der Tö'kcrwanderung hinweggefegt. Die Stille des Landes bleibt, nachdem Europa zum ersten Wale in sich zufammen- geftürzt war, bewohnt von germanischen Stämmen, die neueste Forschung wies sogar eigenartige und noch nicht geklärte Zusammenhänge mit der skandinavischen Kultur nach. 3n vielen Jahrhunderten mengen sich die Blutströmungen von bajuvarischerr, fränkischen, norditalienischen Einwanderern zu den verschiedensten Mischungen, schließlich mündet in diese bunte Vielfalt noch das Slawentum ein und verursacht seltsame Wandlungen der Volksart. So bedient sich eine lange Zeit der mannigsaltigsten Mittel, um einen Menschen zu schassen, der, gleich dem Damast- stahl, auS vielen Einzelheiten ineinandergedreht, endlich zu einer Einheit erstarrte. Ueberall aber wirken Ürsprung und Ahnenschaft noch nach und icbcn vernehmlich zu dem Wissenden. Böhmer-' straßen ziehen an Dörfern vorüber. Keltengräber werden geöffnet, fränkische Bauernhöfe, baju- varische Mundart sind Zeugen der Vergangenheit. Der köstlich leichte Sinn, die fröhliche Hingabe an Musik, Gesang, Liebe und Tanz, der Kult mit irdischem Gut. alles das ist em ebenso schönes wie gefährliches Erbgut jener weitläufigen
Zeit, in der ja jeder Kaufmann und 3ndustrielle den' Kopf voll genug. hat mit unmittelbaren eigenen Sorgen des Geschäfts, nicht mit solchen sozialen Problemen belasten. Aber auch noch andere Schwierigkeiten stehen der Unterbringung der älteren Angestellten im Wege. Die fortschreitende Betriebstechnik und die zunehmende Vergesellschaftung der ttnrt- schastlichen Unternehmungen hat vielfach dazu geführt, die Betriebe stark zu burcautratifieren. Wo früher gut durchgebildete, weitgehend selbständig arbeitend Angestellte in großer Zahl nebeneinander reibungslos und individuell die Geschäftsvorfälle erledigten, findet man heute oft eine Maschinerie am Werk, die die Entfaltung seloständiger berufserfahrener Persönlichkeiten anscheinend nicht mehr zuläßt. Oft werden stark theoretisch vorgebildete (Handelshochschulen), dafür praktisch weniger erfahrene Ableilungsleller angestellt, die geradezu Wert darauf legen, nur junges, völlig willenloses, ohne eigene 3nitiative und ohne eigenes Urteil ein bestimmtes Tages- Pensum schaffendes Personal zu beschäftigen. In großen Trusts und Monopolbetrieben, die unbekümmert durch die Bachteile einer solchen bureaukratischen Betriebsarbeit bestehen können, ist daher nicht damit zu rechnen, daß freiwillig bei noch so großem Personalbedarf ältere Angestellte eingestellt werden.
Die Folgen dieser Zustände sind verheerend. Sowohl für das Schicksal der Betroffenen, als auch schließlich für die ganze Wirtschaft. Der stellenlose Kaufmann, der ein Iahr und länger trotz aller Bemühungen keine Stellung gefunden hat, kommt physisch herunter, leidet in seinem ganzen Aeußeren derart, daß künftig seine Unterbringung nur noch möglich erscheint, wenn man ihn zunächst einmal gesundheitlich wieder her- ftellt, ihn neu einkleidet und ihm für einige Zeit seine Sorgen abnimmt. Wo aber sind die Stellen. die diese Leistungen vollbringen könnten?!
Die Arbeitslosenversicherung ist trotz unseres Widerstandes so konstruiert, daß sie besonderen, im praktischen Leben auftretenden Tatsachen mißachtend gegenüber tritt und nach dem sozialpolllischen Schema möglichst eine weit- gehenbe Bivellierung durchführen will. So verschwendet sie riesige Geldbeträge für Unterstützungen bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit vielfach an solche Personen, die durch diese Unterstützungen in ihrem Arbeitswillen gelähmt werden, während andererseits Botstände wie die oben geschilderten keine ausreichende Berücksichtigung finden können. Die Derufslaufbahn des Angestellten verläuft anders als die des Arbeiters. In jungen Iahren ist Stellenlosigkeit bei der Mehrzahl der Angestellten überhaupt ausgeschlossen. Wenn sie aber cintritt, dann dauert sie im allgemeinen länger, und zur Erlangung einer neuen Stellung sind ganz andere Anstrengungen erforderlich, als das bei der Arbeiterschaft bet Fall ist. Mit zunehmendem Alter wird die Dauer der eingetretenen Stellenlosigkeit bei den An-
MolliaS 8 übt
Gießener Orchester-Verein.
HL volkstümliches Symphonie-Konzert.
Mit seinem dritten S Y m p h o n i e k o n z e r t hatte der Gießener Orchester-Verein sich in den Dienst der Dolksmusikpflege gestellt, rndem er Werke unserer größten Meister vielen Hörern, die nicht alle imstande find, die hochbedeutsamen Ausführungen des Konzertvereins zu besuchen, zugänglich machte.
Musikhören ist eine Sache der Uebung und der Erziehung. Bicht umsonst sucht der moderne Schulunterricht in seinem Bereich die Musik als breites Auswirkungsseld im Kunstunterricht zu erschließen und so mit dem früheren. Dielleiqjt etwas einseitigen Gesangunterrrcht zu brechen. Musik als Lebensnotwendigkeit zu erleben und als Lebensgrund zu erfassen, ist incht zuletzt das Ziel unserer musikalischen Iugendverbande; und auf dem Gebiet der polyphonen Gesangsmusik ist da doch schon sehr Achtbares erreicht worden. Die Heranwachsenden künftigen Generationen werden infolge der Schulwirlfamke t dem Musikerleben naher stehen als die bereits «wachfene Generation. Bei dieser gilt es. für bxe Sache der Kunst zu werben, ihr die Werke unferer deutschen Meister nahe zu bringen 1«,. die Musik auch für sie zu einem Lebensbedürfnis werden zu lassen.
Daß eine gewisse leichtfertige Musikproduktron wie die teilweise oberflächliche Operettenmache bei vielen in unserem Volke Anhänger f'^den konnte, liegt letzten Endes vielleicht daran, day die ernste Musik dem der Musik ferner Stehen- den zunächst zur inneren Erfassung feiten bereitet. Meist hört man wohl die Werke, vermag aber nicht in ihren geistigen @eb<iu cinzudrinaen. Das Eingangstor dazu will erarbeitet fein, denn Mufikhören ist nicht ein passives über sich Ergehenlassen. Musik will aktiv erlebt, nachschafsend verstanden sein. Demjenigen, der selber ausübend sich instrumental oder gesanglich musikalisch betätigt, wird es leichter sein, größeren Musikwerken verständnisvoll nachzukommen. Leider aber haben gerade die Errungenschaften der Beuzeit. Rundfunk und Grammophon, der aktiven Musikbetätigung insofern Abbruch getan, a!8 mancher durch die
den etwa« schwerfälligen, herben KärntnerHumor. Oft derb, unzweideutig, frisch zupackend und tue Dinge mit dem richtigen Barnen nennend, wie es nicht anders das Leben tut, bleibt er ein vollkommener Ausdruck der gesunden unbekümmerten Volkskrast. Es trägt ihn der kräftige Pfeiler einer Mund-r., die j.dcc 'e n t fe n'ten Reg ng:n nach» gibt, die ihn mehr als ergänzt, die iyn überhaupt erst möglich macht; sie erfüllt ihn so völlig, tote flüssiges Wachs eine verwinkelte Gußform.
Seele deS Menschen und Seele des Liede« verwuchsen zu Kärnten. Eins wurden sie zum Lobe der Heimat, in deren Boden sie ihre Wurzeln schlagen. Die schlichten Gesänge durchlaufen den ganzen Kreis des Lebens, von der Geburt über die Liebe zum Tod; Lächeln und Tranen speifen fie, Andacht, Spott, 3ubcl geben ihnen die Richtung; von dem alten deutschen Volkslied abstammend, verwandeln sie die Vielfalt der Welt zur Vielfalt des mufikalischen Gefühls.
Abstammung. Man muh dieses Volk beim Tanz oder bei der Ausübung eine« seiner Bräuche ehen, etwa beim Kusenstechen, wenn die Burschen auf ungesattelten Gäulen dahinrasen, um zu erkennen, von welcher Leidenschaft e« besessen sein kann. . Ä „
Die geistige und politische Mitte de« Landes ist die Stadt Klagenfurt. E« ist eine Stadt der Bürger, Beamten, Kaufleute, die im Sommer buchstäblich im Wasser lebt. Denn sie liegt ja fast am Ufer de« wärmsten Alpensee«. Dom Mai bi« in den tiefsten September bat dieser Wörthersee, der in der geographischen Breite von Bozen und Meran liegt, Temperaturen bis zu 26 Grad Eelsiu« und darüber. Es ist der größte der zweihundert Seen de« Landes. Au« jeder der wenigen Städte, deren zwei größten. Klagenfurt und Villach, zusammen um 6) 000 Menschen zählen, ist ein Tor in das welle Bauernland aufgetan.
Seine Dörfer tragen häufig den eigenartig beredten Edelrost der Geschichte. Menschen Hausen nahe an uralt Toten, und ihre Tage und Wohnungen umwittert etwas von den schaurigen letzten Dingen. Bicht an wenigen Orten Kärntens findet sich diese merkwürdige Verquickung von Diesseits und Ienseit«, wie sie auch nicht selten ist zwischen Gestern und Heute. Dem grausamsten Würger der Menschheit, der Pest, bleibt in Kärnten, wo fte einstens eine Unmenge von Opfern fraß, ein unendlich zähes Erinnern geweiht, wie überhaupt jedem gewalttätigem Ereignis. Wie Bapoleon als Denkzeichen an seiner Gegenwart eine Anzahl Pappeln gepflanzt haben soll, so sind LandschaftSbe-eichnungen, Bildstöcke, Altäre. Bräuche, Messen, Prozessionen. Glockengeläute und Andachten zu bestimmten Stunden auf den Pesttod und andere Würger zurückgc- führt worden. Die steinernen Gedächtnlsmale, die Kapellen und Feldkreuze bleiben dem gläubigen und gern erinnerten Volke stet« eine Verbindung mit der Ursache und dem Himmel. Gewöhnlich umgeben von einer großen, göttlich schweigsamen Batur, sind die Bildstöcke in den weiten Feldern, mit der rührenden Unbeholfenheit ihrer grellen Fresken und dem kärglichen "Bauern- geschenk an Blumen, Kruzifix und Heiligenbrl- dern Akzente der Landschaft. Aber neben Gott erhöht in seinem weiträumigen Herzen der Kärntner manchmal auch Liebe und Weib. In ihm reichen sich Himmel und Erde brüderlich die Hände. , , „,
Diese freudige Hingabe an da« herzliche Diesseits, die sich au« gesunder, natürlicher Krall bildet, äußerl sich gleicherweise in den belebten Tälern und in stummen Entlegenheiten; selbst wo das laute, zur Mode entwürdigte Leben fjinfengte. in den wenigen mondänen Orten an den Ufern der Seen, atmet unter der losen Oberschicht des pflichtmäßig geschminkten Sommers die alte starke, nicht umzubringende Seele des Bauernlandes.
Die kämtnerische Landschaft, redet man einmal von ihren äußerlichen Eigenarten, zeigt immer wiederkehrende Erscheinungen. Die Duchweizen- blüte übersät das Land im beginnenden Herbst mit Taufenden von honigduftenden Rosavicrecken; an den Fronten der Häuser hängen die Türken- folbcn in dichten gelben Flächen; durch die Harp- fen, wie die offenen Feldscheunen heißen, Pfeift der Wind; die alten Linden, unter deren aus- ladenden Kronen Geschlechter kamen und wieder hinstarben, wehen Erinnerung. _ Die behenden Grabenbäche treiben kleine, geschäftige Hausmühlen, wie sie einstens die schwerfälligen Räder einiger hundert Eisen-Hammerwerke drehten, die längst biS auf das letzte verödeten. Aber nun schnarren an ihrer Statt wohl einige hundert behender Sägen im Lande. 21uch hier band die Erde den Menschen an sich. Wo er ihrer wechsel- vollen Sprache, in seiner Abgeschlossenheit von wenigen Zeitströmungen abgelenkt, durch Iahr- hunderte heraus lauschen muhte, vernahm er in dem Rollen der Lawinen, dem Wandern der Gewässer, dem Wechsel der Iahreszeiten immer denselben erhabenden Grundton. Er schmolz tn seine Landschaft hinein, er ward ihr in Leben und Sterben untrennbar vermählt; wollte er fie fliehen, beschwerte sie seine flüchtigen Füße mit dem Bleigewicht des Heimwehs. 3ene, Erdhastig- keit nun, jene wurzelstarke Gründigkell gebaren
Die Hoflage der älteren Angestellten
Don Otto Thiel, M. d.
den rechten Ausgleich und runde Fülle anzuerziehen vermag. Cübenfo wäre auf eine viel größere klangliche Reinheit in der Stimmung hinzuarbellen. Hier und da könnte auch der rhythmischen Straffheit nachgeholfen werden. Wenn man auch jetzt dem soa. „dirigentenlosen" Orchester das Wort redet (die Aufführungen des Leipziger Symphonieorchesters haben recht erfreuliche Beweise dafür gegeben), so ist doch andererseits die straffe, zielbewußte Arbeit eines energischen Leiters zur Schaffung eines organischen Orchesterklanges unbedingt erforderlich.
Für die letzte Aufführung hatte man Herrn Professor Oskar Bruckner (Wiesbaden) als Gastdirigenten gewonnen. Es entzieht sich meiner Kenntnis, wie 'weit dieser hochbedeutende Cello- virtuose und Soloeellist das Konzert vorbe- reiten konnte. Die Durchführung der zweiten Symphonie ließ chn als einen sehr zu schätzenden und erfahrenen Musiker erkennen, der den Umständen entsprechend manchen klanglichen Höhepunkt herauszuarbeiten vermochte. Sicherlich gebührt ihm vollste Anerkennung als geistigem Führer der Veranstaltung.
Wit der Begleitung des Violin-KonzerteL von Mozart war das Orchester vor besondere Schwierigkeiten in der Anpassung gestellt worden. Musiklehrer Franz Bauer jr. (Gießen) betoteS recht beachtliches Können auf seinem Instrument. Für einen Solistenerfolg auf dem Konzertpodium ging er nicht genug aus sich heraus; so verloren die Kadenzen ihre Bedeutung als Höhepunkte, wo der Solist etwas Besonderes an exponierter Stelle zu sagen hätte. Seinem Ton hätte man stellenweise noch größere Modulationsfähigkeit und klangliche Ausgeglichenheit wünschen mögen. Für fünft; ge Aufführungen der Mozart-Äonzcrte wäre es sehr angebracht, die Vorschläge im Sinne der damaligen Aussührungspraxis zu behandeln, wie sie z.B. Rudolf Gerber in der Beuaus- gäbe der Orchesterpartituren berücksichtigt hat. Die Werke würden dann an Echtheit des Stiles gewinnen.
Wenn es dem Orchester-Verein gelingen würde, in dem oben angegebenen Sinne an sich zu arbeiten, so wäre das im Interesse der volkstümlichen Musikpslege in Gießen außerordentlich zu begrüßen. Das Bewußtsein, einer großen edlen Sache zu dienen, weiten Kreisen Kulturgüter zu erschließen, um die uns viele Rationen beneiden, wäre ein hoher idealer Gewinn. Dr. H.
Menge de« ihm so Dargebotenen sich verleiten läßt, bas eigene Musizieren zurücktreten zu lassen. Gewiß soll nicht verkannt werden, daß insbesondere durch das Radio gute Musik in Kreise hineingetragen wird, denen Erziehung und berufliche. Arbeit keine Möglichkeit gaben, sich sonst mit Musik zu befassen. Eindringlicher aber und wirkungsvoller wird die Mufik stets fein, wenn man sie vom Ausführenden unmittelbar hört.
Die Programmauswahl für ein volktümliches Symphoniekonzert ist an pch ein schwieriges Pro- blem. Solche Werke würden in erster Linie zu berücksichtigen (ein, die dem Dolksmusikerleben innerlich durch ihre geistige Haltung am nächsten stehen. Werke mehr problematischen Charakters, die dem Kenner und geübten Musikhörer Freude und innere Erhebung zu geben vermögen, wären ebenso aus- zuschalten, wie man auf der anderen Seite nicht dem Hörer durch Konzessionen auf Kosten des guten mu- (italischen Geschmackes entgegenkommen sollte; denn dann wäre ein Emporziehen, ein Wachsen der Musik ausnehmenden Kräfte leicht in Frage gestellt.
Die Vortragsfolge des Orchestervereins war glück- lich hinsichtlich des beabsichtigten Zweckes. Und gerade Beethovens zweite Symphonie mit ihrer quel- lenden Erfindungskraft und Sangesfreudigkcit der Thematik wird bei solchen Gelegenheiten einer breiten Auswirkung immer gewch sein.
An und für sich betrachtet, stehen dem Orchester- Verein teilweise recht brauchbare Heiser zur Verfügung. Der Streichkörper ist verhältnismäßig voll besetzt, auch unter den Leistungen der Bläser trat teilweise recht Erfreuliches zutage, wenngleich nicht alle Stimmen gleichwertig besetzt waren, z. B. in der Oboe, die tn der Symphonie sehr klangschön ihren Part versah, in der Begleitung des Diolin- konzertes und in der Egmont-Ouvertüre nicht immer das klangliche Ebenmaß innehielt. Die Trompeten sollen wohl dem Orchcsterklange leuchtende Farben verleihen, dürfen sich aber nicht aus dem Gesamtklange heraussondern. Die Hörner wahrten eine gewiße Zurückhaltung im Tonanfatz und fügten s ch so dem Ganzen geschickt ein. Ebenso war das erste Fagoll mit seiner dezenten Art angenehm auffallend. Was aber dem Orchester in feiner Gesamtheit fehlt, ist eine gründliche klangliche Durchdifziplinieruno. Ihm wäre für feine Probearbeit eine führende Kraft zu wünschen, die der Dynamik des Gefamtklonges
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