Sie internationalen Konferenzen
(tfenf. — London. — Haag.
London, 15. Hob. (WTD. Funkspruch.) Wie »TimeS" erfährt, wird in den Besprechungen, die der zur Zeit in London weilende Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric S r um - mond, mit dem Foreign Office haben wird, wahrscheinlich auch die Frage des Zeitpunktes der verschiedenen bevorstehenden Konferenzen behandelt Werdern Diese Konferenzen würden zeitlich zusammenfallen, wenn nicht Aenderungen vorgenommen werden. Der Völkerbundsrat in Genf solle am 20. Januar, die Flottenkonferenz in London am 21. Januar zusammentreten. Außerdem sei es möglich, daß auch die Haager Konferenz nicht im nächsten Monat, sondern er st im Januar stattfinden könne. .Times" weist darauf hin, daß eine Vorverlegung des Zeitpunktes der Ratstagung durch di« Tatsache erschwert werde, daß mehrere wesentliche Ausschußsitzungen für die Tage unmittelbar vor der Eröffnung des Rates festgesetzt worden sind. Um jedoch zu verhindern, daß Ratstagung und Flottenkonferenz zusammenfallen, müßte entweder die erste früher beginnen, als vereinbart wurde, oder die zweite etwas später. Was die Haager Konferenz betreffe, so sei der 15. Dezember als der frühe st mögliche Zeitpunkt ihres Beginns genannt worden. Dies wäre 10 Tage vor Weihnachten. Diese Zeit dürfte aber kaum genügen für die Beendigung der Arbeiten der Konferenz, zumal der Ausschuß für Ostreparatio- n e n eine vereinbarte Lösung seiner besonderen Probleme noch nicht erzielt habe. Außerdem sei gerade um diese Zeit der Volksentscheid in Deutschland über den Voungplan im Gange. .Times" stellt schließlich in Abrede, daß der Besuch Drummond mit dem Plane eines sog. Flotten-Locarno zwischen Großbritannien, Frankreich und Italien zusammenhänge.
Oie Hungerblockade.
Herriot zu den Anregungen HooverS.
Paris, 14. Nov. (TU.) Der ehemalige Ministerpräsident Herriot äußert sich in der „EreNouoelle" über Hoovers Plan, die Lebensmittelblockade im Kriegsfälle abzuschaffen. Herriot stellte fest, die französischen Demokraten hätten sicherlich nichts gegen einen derartigen Plan einzuwenden, wenn er wirklich dazu beitrage, die Völker an der Kriegsführung zu hindern. Dies sei aber nicht der Fall, denn allein die Auslegung des Wortes, ^Le- b e n s m i 11 e I" würde Verhandlungen voraussetzen, die dann mit einem negativen Ergebnis enden müßten, denn es gäbe sehr viele Lebensmittel, die sowohl zur Nahtung wie auch zur Herstellung von Munition dienten. Hoover meine es wirklich ehrlich, doch glaube er, Herriot, daß der Luftkrieg und die Verschleppung von Gefangenen zu Geißeln im Kriege ebenso verabscheuungswürdig seien wie eine Blockade, denn auch dadurch würden unschuldige Personen betroffen. Die Lösung einer einzelnen Frage nütze nichts. Man müsse vielmehr die gesamten ungelösten Fragen behandeln, die zur Befriedung der Welt geregelt werden müssen. Außerdem sei es fraglich, ob En g l a n d den amerikanischen Wünschen Rechnung tragen würde, denn schon jetzt nähmen die englischen Blätter eine a b - lehnende Haltung ein. Frankreich verteidige sicherlich nicht die Blockade, stehe aber auf dem .Standpunkt, daß man, um sie abzuschaffen, einfach den Krieg selbst abschaffen müsse. Dies sei nur möglich, indem man für den Kellogpakt ein Garantiesystem findet, das seine Anwendung in allen Fällen sicherstelle.
OiekommunistischeVewegung in Südafrika.
Die Erigcborenen zahlen keine Kopfsteuer.
London, 14. Rov. (Reuter.) In Durban (Ratal) wird nach vorbereiteten Plänen eine riesige Streitmacht europäischer und eingeborener Polizisten unter persönlicher Leitung des Polizeikommissars der Südafrikanischen Union, Oberst Devilliers, eine Razzia in den Baracken der Eingeborenen unternehmen, um Erhebungen über die Bezahlung der Kopfsteuer anzustellen und die Durchführung des Gesetzes zu erzwingen. Es steht außer Zweifel, daß die Regierung die Lage für sehr ernst an- sieht und Durban als ein Sturmzentrum betrachtet. Es liegen ihr Rachrichten von einem kommunistischen Plan vor, am Dienstagabend (16. Dezember) de Eingeborenen im ganzen Lande zu Kundgebungen zu veranlassen. Diese Rachrichten haben die Regierung veranlaßt, Maßnahmen zu treffen, um die Autorität des Gesetzes in Durban wieder herzustellen, wo es in offenkundiger Weise verletzt worden ist. Es wird aber keine katastrophale Entwicklung der Lage erwartet. Die Polizei glaubt, daß die heutige Razzia eine heilsame Wirkung auf die Stimmung der Eingeborenen haben wird. Wenn aber ihre Autorität herausgesordert werde, dann sind Vorbereitungen getroffen, um sofort wirksame Schritte zu unternehmen. Die Tatsache, daß die im letzten Herbst festgesetzte Kopfsteuer noch nicht bezahlt worden ist, wird als ernst betrachtet. Die Regierung hat 3nfotmationen, die keinen Zweifel an einer Verbindung zwischen Moskau und der jetzigen unruhigen Haltung der Eingeborenen lassen. Man glaubt aber, daß sich diese Haltung der Eingeborenen auf Durban beschränkt.
Oie Krisis des englischen Kohlenbergbaus.
Die Pläne des Arbciterkabinetts.
London, 14. Rov. (WB.) Die Regierung hat vom Vollzugsausschuß des Brrgarbeiterverban- des tis endgültige Zusicherung erhalten, daß der Verband den Plänen des Kabinetts zu stimmt. Wie die „Daily Mail" meldet, wird nicht daran gezweifelt, daß es der Regierung gelingen wird, ihre beiden Gesetzes- Vorlagen bis Ende des Jahres mit Unterstützung der Liberalen Partei im Parlament zur Annahme zu bringen. Eine der Vorlagen wird sich auf die Verstaatlichung der Dera Werksregalien beziehen, die andere auf die Verminderung der Arbeitszeit um An« halbe Stunde. Das Blatt sagt weiter, im nächsten Jahre werde es Schwierigkeiten wegen der Lohnfrage geben, da die Bergleute darauf bestehen, daß wegen der Der-
Der Reichsbankpräsident über die Reparaiionsbalik
Das Ergebnis der Verhandlungen von Baden-Baden.
Berlin, 14. Nov. (Privat.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht gab Vertretern der Presse einige Erläuterungen zu dem Ergebnis der Sachver- ständigenoerhandlungen von Baden- Baden. Er wies darauf hin, daß die Verhandlungen zwar verhältnismäßig lange gedauert haben; das liege aber in der Natur ihres technischen Stoffes. Sie hätten sich in einer durchaus harmonischen Atmosphäre abgewickelt. Auch die belgischen Sachoer st ändigen haben dem Präsidenten der Konferenz mitgeteilt, daß sie bereit sind, die Baden- Badener Vereinbarungen zu unterzeichnen. Dr. Schach unterstrich besonders, daß 'die neue Bank, wie sich aus den Statuten klar ergibt, nicht als Reparationsbank, sondern wirklich als eine internationale Bank aufgezogen wird, die ganz allgemein eine wichtige Hilfsstellung einzunehmen hat für alle irgendwie auftauchcnden Schwierigkeiten im internationalen Zahlungsverkehr. Die Bank kann mit ihrer Tätigkeit beginnen, sobald die 56 Prozent des Aktienkapitals, die von den beteiligten fünf europäischen Notenbanken und von Japan und Amerika übernommen werden, ein- gezahlt sind. Die restlichen 44 Prozent sind von den beteiligten Banken garantiert. Für den Vorsitz der Bank kommt zunächst niemand in Frage, der den fünf europäischen Banken nah:steht, sondern ein Amerikaner oder ein Neutraler. Vielleicht werden sich bei einem späteren Wechsel in der Leitung die europäischen Verhältnisse bereits so konsolidiert haben, daß dann die fünf europäischen Banken sich über die Ernennung des Vorsitzenden aus ihrem Kreise einigen können.
Der Mitwirkung Amerikas und Japans über ihre quotenmäßige Beteiligung hinaus mißt Dr. Schacht ganz besondere Bedeutung bei, weil die Bank damit nicht nur eine uropäische, sondern eine wirklich universelle Einrichtung wird, lieber die Personalfragen bei der Leitung der Bank ist bisher noch nichts vereinbart. Sie werden vielmehr erst geregelt, wenn nach der zweiten Haager Konferenz volle Klarheit über das Zustandekommen geschaffen ist. Den Vorsitz in der ersten Sitzung des Verwaltungsrats wird der Alterspräsident führen. Von Interesse ist, daß im Artikel 60 des Statuts festgelegt ist, welche Bestimmungen durch Beschluß des Verwaltungsrats und welche nur gleichzeitig in Uebereinftimmung mit dem sog. Grundgesetz g e - ändert werden können, das nur mit Zustimmung aller Beteiligten, somit vornehmlich auch Deutschlands geändert werden darf. Dieses Grundgesetz enthält die rechtliche Basis der Bank, muß sich also nach der schweizerischen und der kantonalen Gesetzgebung von Basel richten. Da das schweizerische Handelsgesetzbuch nicht in Frage kommt, so muß erst ein neues besonderes Gesetz geschaffen werden, dem das Statut einverleibt wird. Dieses Gesetz wird dann zu einem Staatsoertrag erweitert, den die beteiligten Regierungen mit der Schweiz abschließen. Das ' runbgefefc enthält
kürzung der Arbeitszeit keine Lohnverminderung eintreten darf. Dies würde zur Erhöhung der Kohlenverkaufspreise führen. — „Daily Telegraph" sagt: Der Hm- stand, daß die Zechenbesiher von Viorkshire, wo bereits der siebeneinhalbstündige Arbeitstag b e - st e h t, mit den Ansichten der Zechenbesiherver- einigung nicht einverstanden sind und den Regierungsvorschlägen zu st im men, wird eher ein Hindernis als eine Hilfe für die Regierung sein. A
Noch immer in polnischen Gefängnissen.
Die in Bromberg und Pofen verhafteten Deutschen.
Berlin, 15.Rov. (Iel.-Un.) wie die „Deutsche Tageszeitung" aus Posen meldet, befindet sich der Jugendpfleger Mielke noch immer in Unter- suchungshaf t, obwohl seit dem Schlag gegen die deutsche Pfadfinderorganisation in Weslpotcn bereits fünf Wochen vergangen sind. Skudienral h e i d e l ck, der Geschäftsführer der deutschen Bereinigung für Sejm und Senat, befindet sich ebenfalls bereits vier Wochen in haft, der Angestellte des Deutschen Sejmbureaus, von Rühen, fast ebensolange. Oberlehrer Dr. Burchard in Posen sitzt seit viereinhalb Wochen hinter Schloß und Riegel. In Posen hat man bereits sämtliche bei der Haussuchung im Sejmbureau beschlagnahmten Akten wieder freigegeben, ohne irgendwelches belastendes Material gefunden zu haben, wie die „Deutsch« Rundschau" schreibt, ist über eine Freilassung Dr. Burchards, ja sogar über die gegen ihn vorliegenden Anklagepunkte, bisher noch nichts bekannt. Auch die Lage der drei in Bromberg Inhaftierten ist nach wie vor ungeklärt. In diesen Tagen sollen Bernehmungen stattsinden, die wahrscheinlich den Abschluß der Boruntersuchungen bedeuten werden. Gegen Linen der drei Belasteten ist bisher die Anklageschrift fertig- gestellt.
Oer Fall Lampet.
Die Leiche Köhlers gefunden. — Die Vorgänge im Freikorps Oberland.
Berlin, 14. Rov. (WTB.) Peter Martin L a m p e l und feine des Fememordes an Köhler mitbeschuldigten Kameraden vom Freikorps Oberland, Schweninger und von Bollwih, haben eine genaue Darstellung der Vorgänge innerhalb des Freikorps Oberland Ende Luli 1921 gegeben, die zur Erschießung des Köh- l e r führten. Danach stellt sich die Tat selbst nicht als ein vorbedachter Mord, sondern vielmehr als eine Tötung im Affekt, möglicherweise sogar als ein Akt der Rotwehr dar, vorausgesetzt, daß man der Darstellung der drei Angeschuldigien folgt.
Lieber die Rolle des Köhler wird von den An» geschuldigten und den bisher vernommenen Zeugen übereinstimmend folgendes bekundet: Köhler war ein Hüne von Gestalt u-nd an Brutalität ein Klapproth-Typ. Köhler habe schon längere Zeit im Verdacht gestanden, polnischer Spion zu sein, doch habe man keine Handhabe gegen ihn gehabt. Es seien verschiedene Waffenlager an Polen verraten worden und die Svionageabwehrstellc
u. a. auch die Bestimmungen, die sich auf die sog. Steuerfreiheit beziehen. Don außergewöhn- lichen Forderungen dieser Art ist man übrigens abgegangen und hat sich mit der Ausschaltung von Doppelbesteuerung begnügt, und damit auch auf steuerlichem Gebiet den kaufmännischen Charakter der Bank gewahrt. Das Grundgesetz kann übrigens noch nicht veröffentlicht werden, ebenso ist die Bekanntgabe des Treuhandvertrags zunächst noch nicht beabsichtigt, weil es sich bei ihm erst um einen Entwurf handelt, der noch 2lbänbe- rungen erfahren kann.
Oie Ostreparationen.
Warum die Verhandlungen mit Ungarn scheiterten.
D u d a p e st, 14. Rov. (WB.) Der Vertreter Lingams in der Konferenz für die Ostrepa- ra!iion«n, Baron K o r a n j i, ist hierher zurück- gekehrt und führte in einer Llnterredung aus, die Verhandlungen mit Ungarn seien ges Heiter t, weil die Kleine Entente für Ungarn unerfüllbare Forderungen stellte, und zwar auf erhöhte Reparationszahlungen über 1943 hinaus bis 1966, sowie auf Verzicht auf den Schiedsgerich ts- artikel des Friedensvertrage3. Ungarn habe den Beweis für seinen Verständigungswillen erbracht durch Unterbreitung eines sehr billigen Vorschlages, der jedoch von der Kommission gar nicht erörtert wurde. Es sei daher klar, daß die Verständigung mit Ungarn nur eine Frage zweiten Ranges, und daß das Hauptziel vielmehr war, Ungarn zu zwingen, der Kleinen Entente eine Amnestie für die Verletzung des Friedensvertrages zu gewähren. Die Verhandlung der Ungarn betreffenden Fragen werde nun int Haag fortgesetzt werden. Drohungen mit der Reparativnskommission brauchten nicht befürchtet zu werden: denn deren Mitglieder seien gewissenhafte, objektive, politischen Einflüssen unzugängliche Männer, die eine Henkersrolle gewiß nicht übernehmen würden.
Oie pariser Reichsbahnverhandlungen beendet.
Berlin, 14.Rov. (Tel.-Un.) Der „Dörsen- Courier" meldet: Der Organisationsausschuß zur Angleichung des QJoung- plans an das Reichsbahngeseh hat in Paris seine Arbeiten beendet. Die deutschen Mitglieder sind nach Berlin zurückgekehrt. Es verlautet weiter, daß noch einige Verhandlungen in Berlin nötig sein werden, um die Arbeiten formell zum Abschluß zu bringen. An den Schlußverhandlungen werden der Eisenbahnkommissar Leverve und wahrscheinlich auch der italienische Vertreter Bianchi teilnehmen.
habe diesen Verrat Köhler zugeschoben und ihn entsprechend dem Korps geiennzeichnet. General Hoefer habe, als das Korps Oberland über die Demarkationslinie zurückgezogen sei, ausdrücklich Weisung gegeben, daß Oberland seine Waffen behalten sollte. 3n einer Scheune bei Wackenau wurde einStollenangelegt, in den die Waffen versteckt wurden. Der Eingang zum Stollen ging von einer Scheune aus. von Bollwih, Lampel und Schweninger erhielten "en Auftrag, für die Sicherheit der Waffen Sorge zu tragen. Eines Tages, Ende 3wli 1921, soll nun von Boll Witz Köhler dabei ertappt haben, wie er sich in der Scheune an dem Stolleneingang zu schaffen machte. Dabei soll es zu einem Zusammenstoß zwischen Dollwitz und Köhler gekommen sein, bei dem Lampel und Schweniger zugegen waren. Köhler habe sich auf Bollwih stürzen wollen. Dieser habe seinen Revolver gezogen und Köhler im letzten Augenblick durch einen Schuß getötet.
Ganz abweichend davon ist die Aussage des Hauptbelastungszeugen Rehmsdorf, den der Liegnitzer Lln'.ersuchungsrichler durch Rundfunk ausfindig machte. Rehmsdorf bekund eie, nicht Bollwitz, sondern Lampel habe den tödlichen Schuh auf Köhler abgegeben. Er habe dann das Grab für Köhler in der Scheune aus- gehoben, dort, wo man am Mittwochabend auch die Reste des Getöteten fand. Lieber die Person des Köhler ist ermittelt worden, daß er ehemaliger Fürsorgezögling und mehrfach vorbestraft war, darunter wegen eines Sittlichkeits- Verbrechens in Reisse und daß er unter dem hochtönenden Ramen eines „Graf von der Lank- ken' auf schlesischen Gütern Hochstapeleien verübt hat. Der Verteidiger Lampels, Rechtsanwalt Dr. Flatow, Berlin, hat Beweis dafür angehoten, daß das Freikorps Oberland, wie andere Selbstschuhformationen, eine von der Regierung anerkannte und finanzierte Truppe gewesen sei, wenigstens, soweit es sich um die Kämpfe in Oberschlesien handele. Die Tötung des Spions ist bekanntlich zu einer Zeit erfolgt, als in Oberschlesien Kriegszustand herrschte, denn im Mai 1921 hatte der dritte große Polenaufstand begonnen.
Aus aller Well.
Alexander Zubkow in Bonn verhaftet.
Alexander Zubkow, der Gatte der am Mittwoch verstorbenen ehemaligen Prinzessin Viktoria von Preußen, ist am Mittwochabend, obwohl er keine Einreiseerlaubnis nach Deutschland hatte, nach Bonn gekommen. Er äußerte im Laufe des Tages die Absicht, nach Frankfurt a. M. und von dort nach Cronberg zu fahren, um an der Beisetzung seiner Frau teti- zunehmen. Als Zubkow am Donnerstagmorgen um 9,50 Llhr den Zug in Bonn besteigen wollte, wurde er von Kriminalbeamten wegen seines verbotenen Aufenthaltes in Deutschland in Haft genommen und nach einem Verhör bei der Kriminalpolizei dem Gericht zugeführt. Da Zubkow von der Staatsanwaltschaft Bonn wegen fahrlässiger Körperverletzung und wegen Bannbruchs bereits feit langem gesucht wird, wurde die Verhaftung verfügt und Zubkow zum Amtsgerichtsgefängnis transportiert. Die Leiche der Frau Zubkow ist in Cronberg eingetroffen und wird in der Kapelle der alten Kronberger Burg, in der die beiden im Kriege gefallenen Söhne des Landgrafen von Hessen beigefetzt f'nd, am Samstag in aller Stille bei- 1
gefetzt werden. Die Familie des Landgrafen von Hessen ist bereits in Cronberg eingetroffen.
Die Nachforschungen
nach dem Düsseldorfer Massenmörder.
Düsseldorf .14.Rov. (WD.) Die Angaben des noch immer nicht ermittelten Massen-Frauen- mörders tn einem Brief an die kommunistische Zeitung „Freiheit" über die Vergrabung eines weiteren Mordopfers bei dem Gute Pappendehl scheinen sich zu bestätigen. Die Kriminalpolizei hat die dort aufgefundene $>a- menhandtasche mit Schlüsseln als Eigentum des seit dem 11. August 1929 als vermißt gemeldeten Hausmädchens Marie Hahn aus Bremen festgestellt worden. Da auf dem Bauerngut auch ein roter Strohhut gefunden wurde, den die Hahn beim Verlassen ihrer Wohnung am 11. August clragen hat, ist damit zu rechnen, daß sie dem Mörder zum Opfer gefallen ist. Wie die Ermittelungen ergaben, soll die Hahn mit der ermordeten Reuter befreundet gewesen fein.
Eine Einbrecherorganisation im Gefängnis.
3n der letzten Zeit wurden in Nordmähren zahlreiche große Einbrüche verübt. Bei der Polizei entstand bald der Verdacht, daß die Einbrüche von dein im Olmützer Gefängnis befindlichen Stefan Grünt, gegen den in einer Woche ein Prozeß stattfinden sollte, organisiert würden. Dieser Verdacht verstärkte sich durch die Feststellung der Polizei, daß ein Gefängnisaufseher namens Wenzel Pilat und seine Frau zwischen den im Gefängnis befindlichen Mitgliedern der Einbrecherbande Grünt und ihren in Freiheit befindlichen Genossen vermittelten. Es besteht der dringende Verdacht, daß der bereits verhaftete Gefängnisaufseher und seine Frau nicht nur passiv vermittelten, sondern auch die Einbrüche der Bande mitorga visierte n.
Ein gefährlicher Wilderer.
WSR. Hanau, 14. Rov. Dor einiger Zeit war das Gerücht verbreitet, daß der Maurer Karl Küpper aus Ober-Seemen (Oberhessen) auf dem Sterbebett das Geständnis gemacht habe, einen vor Jahren im Walde tot auf» gefundenen Förster erschossen zu haben. Diese Rachricht traf nicht zu, vielmehr hatte sich der damals Totgesagte jetzt vor dem Erweiterten Schöffengericht Hanau wegen Wilderns erneut zu verantworten, nachdem er bereits 1925 in Gießen wegen gewerbsmäßigen Wilderns und Widerstandes zu 2 Jahren und 3 Monaten Gefängnis verurteilt worie.r war. Im vergangenen Sommer trieb er sich in den Wäldern des Kreises Gelnhausen herum, erlegte einen Dock nach dem andern, nahm die Geweihe und die besten Fleisch- stücke an sich und hatte nur noch das Streben, einen Hirsch zu erlegen. Am 25. Juli wurde er im Walde bei Weihers unschädlich'gemacht. Er war gerade wieder einem Dock nachgegangen und wurde von einem Förster in dem Augenblick, als er zum Schuß ansehen wollte, angerufen. Der Angeklagte drehte sich schnell herum und legte auf den Förster an. In diesem Augenblick gab der Forster auf den Wilderer einen Schuh ab, der ihn kampfunfähig machte. Der Staatsanwalt beantragte gegen den 27 Jahre alten Angeklagten wegen gewerbsmäßigen Wilderns, unbefugten Waffenbesitzes und Widerstandes drei Jahre Gefängnis. Das Gericht erkannte auf ein Jahr neun Monate Gefängnis.
Oie Wetterlage.
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ÄZcttcrvocaussage.
Eine Störung über Dänemark und der Ostsee entfaltet ihren Einfluß auch über Deutschland. Sie wird durch ihre Rückseite kalte Luft südwärts bringen, so daß in Mittel- und Rord» deutschland zunächst unbeständiges, sich abkuhlen» des Wetter mit Schauern herrscht. Da jedoch vorn Südwesten her der Luftdruck ansteigt, so dürfte für unser Gebiet zunächst neben nebelig» wolkigem Wetter auch Aufheiterung zu erwarten sein. Ein Liebergang zu beständigem Wetter ist jedoch noch nicht zu erwarten, gumal im Nordwesten über Irland eine neue Störung heran- zieht.
Wettervoraussage für Samstag: Nebelig-wolkig, tagsüber audj Aufheiterung, Nachtfrostgefahr, meist trocken.
Witterungsaussichten für Sonntag: Nach anfänglich wenig Aenderung der Wetterlage wieder milder, Bewölkungszunahme.
Lufttemperaturen am 14. November: mittags 9 Grad Celsius, abends 4,6 Grad: am 15. Nooenrber: morgens 2,5 Grad. Maximum 6,4 Grad, Minimum 2,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 14. November: abends 5,2 Grad Celsius; am 15. November: morgens 4,2 Grad Celsius. — Niederschlag 0,9 mm. — Sonnenscheindauer eine Viertelstunde.


