Ausgabe 
15.10.1929
 
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Dienstag, 15. Oktober 1929

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 242 Zweites Blatt

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Nachdruck verboten.

12 Fortsetzung.

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außer sich hervor.

Doch sie wartete vergebens, daß dre einen Schreckensruf ausstoßcn würde. Dottrup lächelte nur und entgegnete:

verdienen?" r. .,.

Käthe atmete tief auf. Das hatte sie nicht geahnt. Sie lächelte jetzt selbst, als sie daran dachte, wie sehr sie vor diesem Bekenntnis ge­zittert hatte. , . r .

Ob sie nun der Tante auch gleich zenW an­dere beichtete, das sie noch mehr bedrückte.

Rein, nein, das konnte sie nicht! Davon durfte niemand etwas erfahren! Sie war froh, daß dies

sich ausbalancieren. Aus diesem Grunde kann die deutsche Wirtschaft auch nicht zulassen, daß die russische Ausfuhr nach Deutschland immer mehr einen Dumping-Charakter annimmt. So ist die Handelsvertretung, die ursprünglich als ein Organ der Steigerung des deutschen Exports nach Rußland gedacht war, mehr und mehr zu einem Organ der Erleichterung des russischen Absatzes in Deutschland geworden. Deutschland erkennt das Außenhandelsmonopol an, es ge­stattet aber nicht, daß cs sich in seinen Kompe­tenzen zum Schaden der deutschen Wirtschaft aus­wirkt. Die sowjctistische Monopolwirtschaft muh sich deshalb schon den Methoden der deutschen freien Wirtschaft anpassen, und zwar im selben Umfange, wie man von feiten Rußlands eine loyale Anerkennung der russischen Wirtschafts­struktur durch die deutsche Wirtschaft verlangt.

All diese Gesichtspunkte muß man bei einer ge­nauen Beurteilung der gegenwärtigen Lage in den deutsch-russischen Beziehungen festhalten. In gewissem Umfange ist der Ausdehnung der Wirtschafts­beziehungen in bezug auf die Finanzlage der Sowjet­union eine engere Grenze gesetzt. So spielt das Rußlandgeschäft in der deutschen Gesamtwirtschaft nur eine geringe Rolle, die erst bedeutsamer werden kann, wenn Rußland von sich aus Möglichkeiten zu einer höheren internationalen Bewertung seines Kredits schafft. Gewiß sind bei so divergierenden Wirtschaftssystemen, wie sie in Deutschland und Ruß­land bestehen, im täglichen Wirtschaftskampfe Mei­nungsverschiedenheiten unvermeidlich. Sie lassen sich aber nur durch vorurteilslose freundschaftliche Aus­sprachen beseitigen, und nicht dadurch, daß man, wie es in Rußland geschieht, den realen wirtschaftlichen Problemen eine höchst gewaltsame theoretische Be­handlung zuteil werden läßt. Und hier liegt die Voraussetzung zu einer weiteren günstigeren Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen, was gerade am Jahrestage des deutsch-russischen Vertrags nicht klar genug herausgearbeitet werden kann.

Aber trotzdem fühlte sich Käthe in dec Rähe der jungen Dame nicht wohl. Etwas Feindliches strömte von ihr aus. Und bald erfuhr sie etwas, was vielleicht diese Feindschaft erklärte.

Tante Adelheid sagte ihr, ehe sie sich zu Tisch begaben:

I'olde von Kletten hat sich einst viel Mühe gegeben, den Baron zu erobern. Man sprach in der Gesellschaft schon allgemein von der bevor­stehenden Berlobung. Aber man hatte sich doch getäuscht, es wurde nichts daraus, und bis heute weiß niemand genau, ob die beiden wirklich ein­ander nahegestanden hatten und was sie dann auseinandergebracht haben kann. Sie verkehren noch immer sehr freundschaftlich miteinander, ober eben nur als gute Kameraden, und niemand denkt mehr daran, daß aus beiden ein Paar werden könnte."

Käthe hörte das und ihr war, als mühte sie sehr froh darüber sein. Sie hätte nicht ertragen können, hätte sie sehen müssen, wie Felix Turnau mit diesem Mädchen vertraut verkehrte.

Sie fragte sich nicht, warum das so war sie errötete bei dem Gedanken, lind als Tante Adelheid nun io nebenbei hinwarf, daß Felix Turnau ein sehr hübscher Mann sei, da muhte sie sich aüweOen, um das Erglühen ihrer Wan­gen zu verbergen.

Dabei war Frau Bottrup klug genug, nicht etwa zu sagen:Das wäre ein Mann für dich!" Sie kannte nun Käche schon und wußte, daß ein solches Wort genügt hätte, um sie für immer von Felix zurückzuschrecken.

Immerhin lächelte sie, denn das Erröten ihrer Richte entging ihr nicht. Sie hoffte, daß sich alles nach ihren Wünschen entwickeln würde.

Käthe vergah für die nächsten acht Tage nicht den Schrecken, der sie beim ersten Wiedersehen mit diesen beiden Menschen durchzuckt hatte._

lind dann begannen Tage hohen Glücks für sie. Fast stündlich war sie mit Felix Turnau zu­sammen. lind nie wagte er auch nur die ge­ringste Anspielung, dah er sie schon gekannt hatte. Er schien selber daran zu zweifeln, dah das der Fall sein könnte: er glaubte sicher nur an eine große Aehnlichkeit und behandelte sie genau so, wie es ihr als Dame zukam.

Aber sie sah doch, dah seine Augen jedes­mal aufleuchteten, wenn er sie erblickte. Sie hörte das leise Beben seiner Stimme, wenn er zu ihr sprach. So glücklich sie darüber war, so sehr bemühte sie sich, sich zurückzuhalten.

Er liebt mich!" sagte sie sich jeden Abend, wenn sie in ihrem Zimmer allein war. Sie wußte es genau, und jetzt wuhte sie selber, was Liebe war. Sie empfand alle Tage von neuem das unbeschreiblich sühe Glück, wenn sie ihn sah, wenn er sie anblickte, toenn er zu ihr sprach. Ihr Herz schlug dann so froh, eine Wonne ohne­gleichen erfüllte sie...

Und doch fürchtete sie sich vor dieser Liebe! Sie durfte ja nicht lieben! Sie war die Frau eines anderen!

Entsetzlich dünkte es Käthe, ihr ganzes Leben lang diese unsichtbare Kette schleppen zu müssen, die niemand von ihr nehmen konnte!

Sie war und blieb die Frau eines anderen, den sie nie geliebt hatte, der ihr Gatte gewor­den und es doch nie gewesen war. Und dessen Leib sicher schon irgendwo in der Erde ruhte, wenn er überhaupt bestattet worden war!

Seit Käthe sich an das neue Leben gewöhnt, hatte sie jede Gelegenheit benutzt, um über Lon­don und das Leben dort zu lesen, und erfahren, dah dort jährlich Hunderte von Menschen spur­los verschwinden, um nie wieder aufzutauchen. Und dann erwachte in ihr eine leise Hoffnung, dah sie doch vielleicht frei war, nur iwch die Witwe Berndt Klausens.

Aber selbst der Gedanke an diese Möglichkeit konnte die Schatten nicht aus ihrer Seele scheu­chen. Sie wichen nur von ihr, wenn Felix zu ihr sprach, doch sobald er sich entfernt hatte, waren sie wieder da, schlimmer als vorher.

Deutschlands in die Antisowjetfront sehen zu müssen glaubt. Die zunehmende Tätigkeit der Dritten Internationale, die ihren beredten Aus­druck in der Rede Woroschilows vom 1. Mai und der damit in Zusammenhang stehenden russischen Prcssehetze anläßlich der Mai-Krawalle in Berlin in der russischen Presse fand, hat Deutschland genugsam Veranlassung gegeben, über die russi­sche Einmischung in die deutsche InnenpolitiÜ zu klagen. Man täte deshalb m Moskau gut daran, wenn man in etwas das so unüberwind­bare Mißtrauen abstellen würde. Hat nicht Deutschland als erster Staat gezeigt, dah es mit der Sowjetunion in einträchtigen Be­ziehungen leben will. Sowohl auf politischem als auch auf wirtschaftlichem Gebiete lieh es sich Deutschland angelegen sein, für Rußland einzu­treten. Hierfür zeugt u. a. die Erklärung des Grafen Bernstorif in Genf, in der es heißt, daß Rußland, ganz gleich, welche Regierung es hat, und wie seine innere Verwaltung gestaltet ist, ein nicht wegz '.leugnender Faktor im europäi­schen Gesamtbilde sei.

So sind auch die deutsche Wirtschaft und besonders der im deutsch-russischen Wirt­schaftsverkehr besonders tätige Rußland-Ausschuß der deutschen Wirtschaft ständig bemüht, neue Wege zu erschließen, und die Wirtschaftsbezie­hungen zu bessern. Deutschland muß seinen Export steigern, und wird deshalb auch mit Rußland alle Möglichkeiten zu erschöpfen versuchen. Es geht aber nicht an, daß wir dabei durch ein ckleberbieten in den Preisen und in den Zah­lungsfristen lediglich der Schrittmacher für die Erfüllung des russischen Kreditbedürfnisses sein müssen, 2etbcr muß aber festgestellt werden, daß der deutsche Export, während die russische Einfuhr nach Deutschland dauernd steigt, was Deutschland gewiß im Interesse der finanziellen Lage Rußlands begrüßt, im Sinken begrif- f e n ist. Die deutsche Aus- und Einfuhr muß

am SonniQii in her Sol Walle verloren. Abzuneb. geqen Wim

Liebe in Ketten.

Roman von Hans Mitteweider.

Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale).

Du begreifst also, dah ich beide zusammen ein­laden muh ..."

Käthe begriff das, aber sie hatte keinerlei Intecc je daran und verstand noch nicht, wie Tante allen diesen Beziehungen so hohe Wichtig­keit bei messen konnte. Sie mußte sich zwingen, sich aufmerksam zu stellen. Sie sah diesen Be­suchern fast gleichgültig entgegen.

Und als Tante Adelheid endlich schwieg, stieh sie hastig hervor:

Tante, ich muh dir noch etwas anvertrauen. Ich weih nicht, ob Herr von Dodenstein dir da­von gesprochen hat ..

dern würde.

Dicht nebeneinander schritten sie dahin, diese beiden schönen, jungen Menschen, die wie für­einander geschaffen schienen. Beide spürten^ im tiefsten Innern, dah jetzt die Entscheidung über ihr Schick'al fallen muhte er bebend vor Glückshoffen, sie bebend vor Angst.

Und als sie dann auf einer Dank unter einer alten Linde Platz genommen hatten, da faßte Felix Turnau Käthes beide Hände und sagte:

Käche, Sie haben doch schon längst erraten, was in meinem Herzen für Sie lebt. Ich brauche Ihnen kaum noch zu sagen, dah es nur für Sie noch schlägt, dah es kein Glück mehr für mich geben kann ohne Sie. Aber ich wage kaum noch zu hoffen, daß Sie diese Liebe erwidern, dah Sie sich entschließen könnten, mich zu er­hören, mein geliebtes Weib zu werden ... Käthe, liebe Käthe, darf ich hoffen?"

Er spürte, wie ihre Hände zuckten und bebten, er sah, dah Tränen aus ihren Augen rannen, unaufhaltsam. Sie schluchzte nicht dabei nur ihre junge Brust wogte ungestüm und krampfhaft.

(Fortsetzung folgt.)

Gießen iltersweg 81

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hinter ihr lag, und unbesorgt sah sie dem Ein­treffen der Gäste entgegen.

Am Wochenende stellten sich die ersten ein Menschen, die mit Tante sehr vertraut schienen, sie äußerst freundlich behandelten, denen sie aber innerlich nicht näherkam, auch den jungen Da­men nicht, mit denen sie spielte, ritt und ruderte.

Aber am Sonntag, als sie eben aus dem Gottesdienste kamen, fuhr eine sehr schöne Li­mousine vor. Eine Dame entstieg dem Auto.

Fräulein Isolde!" rief Tante Adelheid.Da ist wohl auch Baron Felix nicht weit? Richtig da ist er schon!"

Käthe raf), wie Tante eine schlanke junge Dame umarmte und sich dann einem jungen Herrn zuwandte, der eben den Wagen bet» ließ.

Sie taumelte zurück und war froh, daß sre mit den rückwärts greifenden Händen Halt an einem Baume fand. Sie spürte, dah sie sonst niedergesunken wäre, denn dort dort stand der Mann, den sie kannte, der sie zum Zuge ge- bracht und dessen leuchtende Augen sie nicht ver­gessen hatte.

Es war derselbe, der ins Cafe gekommen war! Unö mit ihm die Dame dort wie hieß sie doch gleich?

Ehe Käthe noch den Ramen fand, wandte Tante Adelheid sich schon nach ihr um.

Kind, komm doch!" rief sie.Wir haben noch ein paar lehr liebe Gäste erhalten das hier ist Fräulein Isolde von Kletten, und das Baron Felix von Turnau ..."

Käthe wußte nicht, wie sie nähergekommen war. Sie sah sich vor ein hochmütiges Gesicht nut grauen Augen, die scharf prüfend auf sie schau­ten, und ein anderes ach, sie hatte es ja nie vergessen können. Und jetzt sah sie wieder das Leisten in den Augen, aber vermengt mit dem Ausdruck höchster Verwunderung.

Meine Richte Käthe von Ternsbruck. die eben erst aus Buitenzorg gekommen ist," hörte sre Tante lagen. ,

Sie sah die scharf prüfenden Augen Isoldes noch einmal auf sich gerichtet, sie mußte den Händedruck der Dame erwidern. Und dann suhlte sic auf ihrer Hand einen leichten Kuh. Das war, als Felix von Turnau sich vor ihr verneigte.

Käthes Herz zitterte ängstlich. Haben die bei­den sie erkannt, wie sie sie erkannt hatte?

Doch plötzlich schüttelte sie alle Furcht ab. Sie hatte der Tante beichten wollen, daß sie Kell­nerin gewesen war. Diese hatte es schon ge» wußt und nichts dabei gefunden. Da durfte auch Käche selbst ruhig sein. Und wenn sie gefragt wurde ... . , ,

Sie lächelte, als sie das dachte. Diese beiden Menschen waren viel zu wohlerzogen, als daß sie neugierige Fragen an sie hätten richten kön­nen. Das war niemals zu befürchten.

Er hat mir nichts sagen können, denn als er das tun wollte, habe ich ihn gebeten, es zu unterlassen," wurde sie unterbrochen.Kind, ich habe mich deinetwegen sehr gesorgt und oft ge­fürchtet, du könntest ohne deine Schuld nntür- lich nicht mehr würdig 'ein, daß ich dich in mein Haus ausnehme. Aber nachdem ich dir einmal in die Augen geblickt habe, und nachdem ich dich jetzt so lange um mich habe, weiß ich, daß icy mich deiner 'nie werde zu schämen brau­chen. Du bist eine echte und tadellose Berns» bruck, Käthe."

Ich danke dir, Tante, du bist, wie immer, sehr gut. Aber etwas muh ich dir doch sagen, und ich wollte, Herr von Bodenstein hätte es dir erzählt. Es fällt mir so schwer ..."

Ach, ach! Welche große MUsetat wirst du denn zu berichten haben!" rief Tante Adelheid lachend.Was ist es denn?"

Tante, ich war doch Kellnerin!" stieh

Unser Mitarbeiter hat die zuständigen Be- Hörden über die Erfahrungen befragt, die sie mit den von Zeit zu Zeit auftauchenden Goldmachern" gemacht haben.

Hat der Klempner Tausend denStein der Weifen" gefunden und aus Blei Gold gemacht? Oder ist er ein Betrüger? Diese Frage bewegt alle Gemüter, und die Phantasie entzündet sich an der Vorstellung, daß das gelbe Metall vielleicht doch einmal in großen Mengen im Laboratorium zu­sammengebraut werden könnte. Mag der Klempner Tausend nun ein Schwindler oder ein gutgläubiger Narr fein er steht mit feinen Versuchen nicht allein da und hat Goldmacherkollegen in der gan­zen Welt. Auch in Berlin tauchen in gewissen Ab­ständen moderne Alchimisten auf, die von der Sucht besessen sind, denStein der Weisen", dasgroße Magisterium" und allerlei wunderbare Elixiere zu finden, um mit deren Hilfe aus unedlen Metallen Gold zu machen. Eine Umfrage bei verschiedenen Behörden, bei der Münze, dem Patentamt und dem Finanzministerium bestätigt, daß Meister Tausend mit seinem Anspruch, ein Goldmacher zu sein, nicht allein dasteht. Gewöhnlich handelt es sich bei den Kollegen des Münchener Klempners um harmlose, leichtgläubige Menschen, die von Chemie keine Ah-

_____________Hauses. Die Dämmerung brei­tete ihre Schleier bereits über den Park unter ihnen, aber es war so wunderschön, daß sie schweigend nickte, als Felix Turnau sie fragte, ob sie noch ein wenig mit ihm durch die Wege schien-

dachte sie. Aber sah aus^uführen.

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Ich werde Tante doch alles erzählen müssen/ sie kam nie dazu, diesen Vor

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Mer JchreVeckner Vertrag.

Aus Anlaß des vierjährigen Bestehens des deutsch-russischen Vertrages dürfte dieser Ar­tikel über die deutsch-russischen Beziehungen aus besonders sachkundiger Feder auf beson­deres Interesse stoßen.

Wenn sich nun zum viertenmal wieder der Tag jährt, an dem in Moskau der deutsch-russische Vertrag geschlossen wurde, so liegt es gerade im Zusammenhang mit der vielfach aufgetretenen Kritik an den deutsch russischen Beziehungen nahe, sich die gegenwärtige Lage in dem Verhältnis zwischen beiden Staaten noch einmal in all ihren Einzelheiten vor Augen zu führen. Dabei wäre es verfehlt, der aufgetauchten Kritik die Oberhand zu lassen, zumal vor allem jene. Urteile, die aus Moskau kommen, leider allzusehr unter einer einseitigen politischen Qualifizierung leiden, die einer objektiven Betrach­tungsweise wenig Raum läßt. Unverkennbar besitzen die deutsch-russischen Beziehungen heute nicht mehr den Grad der Wärme und Offenheit, der auf beiden Seiten erwünscht wäre. Wenn aber Rußland in seiner Presse, so in derIswestija" vom 8. Sep­tember, und in derPrawda", wo der anonyme Ar­tikelschreiber Politikus sich in ganz besonders phan­tastischen und gespensterhaften Argumentationen er­geht, bereits von einem kritischen Stadium sprechen zu müssen glaubt, so dürste hierbei doch eine ollzu gefärbte Aburteilung der offensichtlichen Dis­krepanz, die zwischen den de jure- und den de facto- Beziehungen besteht, erfolgt fein. Man sollte sich schon endlich einmal in Rußland daran gewöhnen, die Dinge so zu sehen, wie sie existieren. Das Prä­dikatnichtsowjetistisch" oderantisowjetistisch" dürfte seine Anwendung doch nur in einem Ressentiment begründet finden, das letzten Endes auf eigener Unsicherheit basiert.

Gewiß hat die deutsche Aktivität in den letzten Monaten eine stärkere CSc ft Orientie­rung erfahren, ohne dabei aber, wie es der mißtrauische Kreml gern hinstellen möchte, zu einem absoluten Frontenwechsel gelangt zu sein. Die russische Kritik an der deutschen Westpolitik dürfte deshalb kaum einer objektiven Beurteilung standhalten. Die Reparationen sowohl als auch die Befreiung des Rheinlandes verlang­ten die stärkste Aktivität der deutschen Außen­politik, ohne daß dabei doch von einer Abkehr von Rußland die Rede fein farm. Es wird der Sowjetregierung schwerfallen, Deutschland auch nur den geringsten Störungsversuch russischer Be­ziehungen mit dritten Ländern nachzuweisen. Im Gegenteil, überall hat Deutschland zum Aus­druck gebracht, wie sehr es gerade in diesen Tagen die vollzogene englisch-russische Einigung als einen weiteren Schritt zur Sta­bilisierung der Sowjetwirtschaft begrüßt, lind Deutschland ist dabei so gerecht, daß es den politi­schen Wert dieser Einigung so hoch einschätzt, daß cs den damit verbundenen Verlust einiger Ruß­land-Aufträge durch die englische Konkurrenz als weniger bedeutungsvoll betrachtet. Eine poli­tische Freundschaft besteht im Leben der Völker nicht immer nur im aktiven Handeln, sondern sehr oft auch im Schweigen, was gerade im deutsch-russischen Verhältnis von so großer Bedeutung gewesen ist. Cs sind also nirgends euch nur die geringsten Ansätze eines Abschwen­kens der deutschen Politik von der Rapallo- Linie zu verzeichnen, und Deutschland wird auch nicht davon abweichen, solange es nicht von feiten Rußlands dazu gezwungen wird.

Russischerseits macht man allerdings Deutsch­land diese seine Haltung nicht leicht. So finden sich beinahe täglich schwere Vorwürfe gegen Deutschland in der Sowjetpresse, die in allem und nicht zuletzt im bekannten Händedruck des Staatssekretärs von Schubert eine Einreihung

^1350- $1750 »ei-

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Kind, das wußten wir doch! Wir dich in jenem Cafe entdeckt, eye du es ahntest. Und wärest du damals nicht so schn^l fort­gegangen von dort, so hätten wir dich ßolen lassen. Oh, du Dummerchen, was ist denn dabei, daß du versucht hast, dir dein Brot selber zu

Tausend Tausendkünstler.

Klempner Tausend hatte zahlreiche Kollegen. Goldmacher, die sich bei der Münze, -em Patentamt und dem Reichsfinanzministerium gemeldet haben. Oer Irrtum der modernen Alchimisten.

Von Or. Zrih Eltmann.

nung haben und die auch noch nicht von her Wahr­heit des Spruches überzeugt sind:Es ist nicht alles Gold, was glänzt!" DieseErfinder" täuschen sich selbst und wollen keineswegs betrügen. Bei ihren Experimenten gibt es zwei Fehlerquellen: entweder kam in das untersuchte Material richtiges Gold hin­ein, oder es wurde irgendeine andere glänzende und goldähnliche Substanz gefunden. Meist entdecket diese Leute irgendwo Kupferkies, Pyrit, wunderschön gelbglänzende Kristalle, die in das Gestein einge- sprengt sind und es in Krusten überziehen. Mit un­endlichen Mühen lösen die Goldfinder den Kies ab, sammeln ihn und wandern nach schlaflosen Nächten zur Münze, wo sie drei bis fünf Mark für eine Untersuchung zahlen, um dann zu ihrem Schreck zu erfahren, daß wieder nur Kupfer, Schwe­fel und andere Elemente, aber feine Spuren von Gold gefunden wurden. Immer wieder sprechen an diesen Stellen dieselben Leute vor, die ihre Hoff­nungen nie aufgeben. Auch beim Patentamt erschei­nen zwei- oder dreimal im Jahr bei dem Referen­ten für die Gruppe 40 Männer, die ein Verfahren für Goldmacherei zum Patent anmelden wollen. Es ist schwer und häufig unmöglich, die Methoden ken­nenzulernen, die zur Herstellung des künstlichen Goldes führen sollen; wenn man nämlich den Leu-

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im Laboratorium bearbeiten.

Es gibt übrigens nicht nur zahlreiche Goldmacher, sondern von Zeit zu Zeit melden sich auch Perso­nen, die ein Verfahren zur Gewinnung von künst­lichem Platin gesunden haben wollen. Natürlich sind auch das wieder keine Chemiker, sondern Laien, die mit Eisen Experimente anstellen, es allen mög­lichen Prozeduren unterwerfen und schließlich ein wunderschön glänzendes Spiegeleisen herstellen, das sie nur oberflächlich auf seine physikalischen, nicht aber auf die chemischen Eigenschaften untersuchen. Da es so prächtig wie Platin in grauer Farbe glänzt, glauben sie, dieses Edelmetall hergestellt zu haben. Statt nun zu irgendeinem Hanbelschemiker zu gehen und eine Analyse anfertigen zu lassen, eilen die tüchtigen Erfinder sofort zum Patentamt und verlangen dort, daß man durch Patentschutz die Mitwelt fortan daran hindere, auf ähnlich un­sinnige Weise ihr Geld zu verschwenden.

In Bayern scheint es neben Meister Tausend auch andere Goldmacher zu geben. Vor zwei ober drei Jahren wandte sich ein Bayer an das Finanz­ministerium in Berlin und machte dort ganz diskret die Mitteilung, daß er künstliches Gold Herstellen könne: er wolle jedoch seine große Erfindung nur zum Heil des Staates benutzen. Die Referenten des Ministeriums waren vorsichtig genug, sich in dieser Angelegenheit für unzuständig zu erklären und den Erfinder an jene staatlichen Forschungsinstitute zu verweisen, die zwar die nötigen Einrichtungen zur Überprüfung physikalischer und chemischer Vor­gänge besitzen, zu denen Laien aber nun einmal kein Vertrauen haben. Man hat beim Ministerium von diesem Goldmacher nie wieder etwas gehört, und Deutschland ist also durch die Leichtfertigkeit des Finanzministeriums im ursprünglichen Sinn des Wortes um eine unerschöpfliche Goldquelle gekommen.

Die ungeheuren Fortschritte, die in den letzten Jahrzehnten in den Naturwissenschaften gemacht wurden, legen die Frage nahe, ob überhaupt Gold aus weniger wertvollen Elementen erzeugt werden kann. Wenn man auch noch nicht ein entsprechendes Verfahren gefunden hat, so muß diese Frage dock- rein theoretisch bejaht werden. Praktisch würde die Herstellung von künstlichem Gold aber auch bann, wenn eine zweckmäßige Methode bekannt wäre, erst nutzbringend sein, wenn der Produktionsprozeß nicht teurer als die Verarbeitung goldhaltiger Materialien sein würde. Es gibt noch zahlreiche (Solblagerftätten, die nur deshalb nicht ausgenutzt werden, weil bei ihnen die Gewinnung des natürlichen Goldes zu teuer ist; im Krieg, als der Goldpreis stieg, hat man weit mehr als die doppelte Menge des gel­ben Metalls zutage gefördert, die etwa im Jahre 1923 produziert worden ist. Wenn man sich nun

ten vorhält, baß sie bei der Anmeldung eines pa­tentes ihr Verfahren angeben müssen, so verschan­zen sie sich hinter die Ausflucht, daß sie ihre Metho­den geheimzuhalten wünschen. Da sie die Preisgabe ihrer Entdeckung fürchten, kommt natürlich eine Patentanmeldung nicht in Frage. Fühlt man die­sen Goldmachern bann etwas energischer auf ben Zahn, versucht man etwa, sie zu einem Experiment zu bewegen und vor dem Patentprüfer wirklich ein­mal eine größere Menge Gold herzustellen, so sind sie ängstlicher als Meister Taufend, verschwinden von der Bildfläche und lassen nichts mehr von sich hören. Natürlich ist es sehr gut möglich, daß man­cher von ihnen im Verlauf seiner chemischen Ver­suche richtiges Gold zutage gefördert hat; aber bann war das Gold entweder schon im Ausgangsmate- rial enthalten, oder es wurde durch Verunreini­gungen der Hilfsmaterialicn hineingebrachi. In je­dem solchen Fall kann man aber nur Spuren von Gold finden, niemals mehrere Gramm, wie sie der Goldmacher Tausend vorgewiesen hat; um aus ver­unreinigtem Material so viel Gold auszuziehen, müßte man Waggonladungen Quecksilber ober Blei

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