Preußens Entsorgen.
Finanzminister Höpker-Aschoff zur
Berwaltungsrcform.
Derlin, 14.Ott. ((VDZ.) 3m Deamtenaus- schuh des Preußischen Landtages erklärte Finanz- Minister Dr.Höpker-Asch off u. a.:
Aus den von der Finanzverwaltung aufgestellten Richtlinien für den Etat sind Bruchstücke in die Oeffentlichkeit gekommen und dort der- schieden gedeutet worden. 3n den Richtlinien vom 22. Mai 1929 sind die Ressorts darauf hingewiesen worden, daß auf der Einnahmenseite voraussichtlich eine Verschlechterung von 38 MillionenMark eintreten würde, und sie sind ersucht worden, mit Rücksicht hierauf ihre Anmeldungen aufs äußersteeinzuschränken. Durch ein Rundschreiben vom 13. September 1929 sind diese Richtlinien ergänzt worden, weil sich zeigte, dah die Lage in Wahrheit noch viel ungünstiger fei. 3n dem Rundschreiben wurden u. a. folgende Maßnahmen gefordert:
1. Streichung aller Ausgabevermerke, welche das Ausgabensoll erhöhen,
2. Streichung der Fondsverstärkun- gen im Extraordinarium,
3. Streichung aller Anforderungen für Reubauten,
4. Kürzung aller Dispositionsfonds um 10 Prozent.
Mit besonderem Rachdruck wurde auf die drohende Erhöhung der Personalausgaben hingewiesen. Die Auswirkungen der Vesoldungserhöhung sind seinerzeit unterschätzt worden. Cs wurde daher als erstrebenswertes Ziel bezeichnet, die Personalausgaben allmählich um lOProzent zu vermindern. Dabei war nicht etwa an eine Wiederholung des Personalabbaues gedacht, sondern an eine Verbesserung der Verwaltung, die es ermöglicht hätte, freiwerdende Stellen nicht wieder zu besehen. Die Finanzverwaltung war sich außerdem darüber im klaren, daß diese Verminderung leider nur als ein sehr fernes Ziel betrachtet werden könnte. Der preußische Staat beschäftigt in runden Zahlen 200 000 Beamte, Angestellte und Arbeiter, dazu noch 110 000 Volksschullehrer. Die Verminderung derLehrpersonen wäre nur möglich, wenn die Klassenfrequenz in die Höhe gesetzt würden. Eine Verminderung der Poli- zeikräfte (rund 81000), wäre nur möglich, wenn wir die uns zugestandene Höchstzahl nicht ausnuhen würden. Eine Verminderung der in der Justizverwaltung beschäftigten Kräfte (rund 50 000) wäre nur möglich bei einer durchgreifenden 3ustizreform, die wiederum nur durch Reichsgefetze herbeigeführt werden könnte. Eine Verminderung der Personalkräfte der Steuerverwaltung (rund 10 000) wäre möglich, wenn unsere Steuergesetzgebung endlich zur Ruhe käme!
Die Schwierigkeiten liegen nicht zum geringsten in der unglückseligen Aufteilung der Kompetenzen zwischen Reich und Ländern. Don den Ressorts sind sogar 2700 neueBeamtenstellenund3500Höher- gruppierungen angemeldet worden. Diese Anmeldungen sind von der Finanzverwaltung ohneAusnahmeabgelehnt worden. Es kann schon jetzt gesagt werden, daß bisher der Ausgleich im Haushaltsplan für 1930 nicht herbeigeführt werden kann.
Oie Derfaffungsreform in Oesterreich.
Tie Stellung Wiens. — Ter Bundesrat. Der Bundespräsident.
Wien, 14.Oft (SU.) Die Verhandlungen des Bundeskanzlers über die Stellung Wiens in der neuen Verfassung stehen vor dem Abschluß. Cs ist geplant, die Stadt Wien zu einer Art reichsunmittelbaren Stadt zu gestalten. Dadurch würden sich in der Verwaltung einige bedeutende Veränderungen ergeben. So würde beispielsweise die zweite Instanz nicht wie bisher in der Person des Landeshauptmanns verkörpert sein, sondern ein vom Bund und der Stadt paritätisch Zusammengesetzter Ausschuß würde die Funktionen der zweiten Instanz ausüben. Bisher waren die erste und
die zweite Instanz der Bürgermeister und der Landeshauptmann in der Person desBür- germeisters Seih vereinigt. Außerdem ist die Schaffung eines Gesetzes geplant, wonach sämtliche Städte über 20 000 Einwohner vom Obersten Rechnungshof kontrolliert werden können. Unter dieses Gesetz wird auch Wien fallen. Wesentliche Reuerungen bestehen ferner darin, daß Wien nicht mehr, wie bisher, die Bundes st euern einziehen soll, daß es zwar das Recht behalten wird, eigene Steuern auszuschreiben, dah aber nicht mehr unbe- grenzte und unkontrollierte Geldmittel in die Gemeindekasse fließen können.
Minister Schumy hielt am Sonntag in Her- kendorf in Kärnten eine Rede, in der er u. a. ausführte: Der neue Bundesrat, der auch
eine Art Wirtschaftskammer sein soll, wird 54 Mitglieder haben, und zwar 18 Ländervertreter und der Rest Vertreter der verschiedenen Wirtschaftskreise. Davon werden 12 Mitglieder Vertreter der Landwirtschaft, und zwar sowohl für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer, neun Vertreter von Handel, Gewerbe und Industrie, neun für die Arbeiter und Privatangestellten, drei für die öffentlichen Angestellten und drei für die freien Berufe sein. Ueber die Rechte des künftigen Bundespräsidenten teilte Schumy folgendes mit: Der Bundespräsident ernennt und entläßt die Regierung. Er kann den Rationalrat auflosen. Er hat ferner das Recht, direkt an das Volk zu appellieren und kann nach dem Verfassungsentwurf in beschränktem Umfange Rotverordnungen erlassen.
China vor einem neuen Bürgerkrieg.
In China scheint wieder einmal etwas los zu sein. Vorläufig aber kann man sich von dem Stand der Dinge noch kein klares Bild machen. Deutschland verfügt fast über gar keine Rachrichtenverbindungen, und was die Engländer, die Amerikaner, die Japaner oder auch die Russen berichten, sind alles Zweckmeldungen, die nicht so sehr der Wahrheit dienen, sondern in den Lesern bestimmte Vorstellungsideen erwecken sollen. Cs ist noch gar nicht so lange her, da schien die chinesische Revolution endgültig erledigt zu sein. Tschiangkaischek hatte sich an der Spitze der Regierungstruppen durchgesetzt, hatte sämtliche Gegner aus dem Felde geschlagen und auch mit dem Sohn des Marschalls Sschang ein Abkommen getroffen. Die Kuomintang beherrschte das Feld und konnte sich nun auf eine Stabilisierung der Verhältnisse einrichten.
Der einzige unsichere Faktor in dieser Rechnung war der Marschall Feng, diese rätselhafte Persönlichkeit, die unter dem Spitznamen des „christlichen Generals" durch die Revolution marschiert und in ihren letzten Absichten schwer unterzubringen ist. Auch Feng hatte zunächst seinen Frieden mit der Ranking-Regierung gemacht, war sogar Kriegsminister geworden, aber so ganz zuverlässig war er wohl nicht, und Tschiangkaischek benutzte die erste Gelegenheit, wo er sich stark genug fühlte, um diesen unbequemen Rebenbuhler loszuwerden. Er setzte ihn als Kriegsminister ab, ließ ihn ächten und drohte mit der Vernichtung seines Heeres. Es schien auch so, als wenn Feng endgültig verspielt habe, jedenfalls hieß es damals allgemein, daß er sich zu einem freiwilligen Verzicht entschlossen habe, selbstverständlich gegen eine Abfindung in Höhe von einigen Goldmillionen. Er sollte auch bereits außer Landes sein und eine längere Studienreise unternehmen, die ihn auf Jahre aus der Entwicklung ausschaltete. Und nun heißt es plötzlich wieder, daß er China gar nicht verlassen hat, daß er wieder an der Spitze seiner Armee steht und seine Truppen gegen Hankau vorrücken läßt, während gleichzeitig der General S u n g, der Herr der Provinz Chansi, sich wieder meldet und mit Feng zusammengeht. Dazu sollen von Süden her unbotmäßige Generale auch gegen Ranking marschieren.
Ein wahres Kesseltreiben also, das Tschiangkaischek zwingen würde, seine Abwehrtruppen gegen mehrere Fronten kämpfen zu lassen. Und ob er stark genug wäre, sich in einer solchen gefährdeten Position zu behaupten, ist zum mindesten zweifelhaft, zumal die Unzufriedenheit in seinen eigenen Reihen im Wachsen ist, da die Hoffnungen auf rasche Erfolge seiner Tätigkeit, vornehmlich in der Richtung einer Steuersenkung, sich nicht erfüllt haben. Es kann also sein, dah China nach einmal durch das Blutbad des Bürgerkrieges hindurch muh. es kann aber ebenso gut sein, daß diese ganzen Alarmmeldungen nur Phantasiegebilde sind, vielleicht entstanden aus den politischen Wirkungen des russisch-chinesischen Dahnkonfliktes. Jedenfalls ist wohl keiner der unbotmäßigen Generale imstande, seine Heere aus eigener Kraft vorzutreiben. Dazu muß w i e- der Geld von draußen gekommen sein; was beweisen würde, dah die großen Intrigen um den chinesischen Markt noch einmal begonnen haben.
Oie Verschwörung gegen Oschiangkaischek.
Eine offizielle Erklärung der Nankingrcgierung.
Schanghai, 14. Oft. (WTB.) Die. offizielle chinesische Telegraphenagentur veröffentlicht zur Lage die Ausführungen eines Mitgliedes der Regierung, die erklärte: Die Verhaftungen aus Anlaß der versuchten Ermordung des Präsidenten Dschiangkaischek vor zwei Monaten enthüllten einen ausgedehnten Verschwör u n g s p l a n von Militarfüh- r e r n, die infolge der Verminderung ihrer Heeresstärke den Verlust ihrer Stellung und ihrer Macht befürchteten. Die Revolte sollte eingeleitet werden mit einem Vormarsch auf Hankau, den General Fengjuhsiang mit Unterstützung durch die sogenannte Eiserne Division, die oberhalb von Hankau garniso- niert ist, unternehmen sollte. Der Militärgouverneur der Provinz Aphui sollte die östliche Flanke Feng'uhsiangs decken. Gleichzeitig sollte Kan- t o n von meuternden Truppen südwestlich der Provinz Kwangsi angegriffen werden. Die Regierung begegnete den Plänen durch eine V e r - stärkung der Kantontruppcn und Verhaftung des Militärgouverneurs der Provinz Anhu:, wodurch das Vangtse-Tal als Op e r a ti onsb asis für die Regierungstruppen frei wurde, und durch Versetzung der Eisernen Division in eine nördliche Garnison. Die Division revoltierte aber und suchte, nach Süden durchbrechend, Verbindung mit den aufständischen Kwangsitruppen. Die Regierung sieht die Lage mit Ruhe und Entschlossenheit an.
Unklare (Situation.
Der Aufmarsch der Parteien.
London, 14. Oft. (TU.-Funkspruch.) Von der drahtlosen Station in Schansi ist nach Pekinger Meldungen eine Kundgebung der im Aufstand befindlichen Generale gegen die chinesische Nationalregierung gerichtet worden, in der mit sofortigem Einmarsch in die Provinz Honan gedroht wird. Soweit diese Generale unter den Bannern von Marschall Feng und Pen kämpfen, muß angenommen werden, daß sie unter Zustimmung dieser beiden Truppenführer handeln. General Tschiangkaischek nimmt diese neue Bedrohung der Nankinger Regierung außerordentlich ernst, was deutlich daraus hervorgeht, daß eine Sondertagung des Kabinetts zusammenberufen wurde, in der eine außerordentliche Vollmacht für die Enllassung des Generals Lutsch u n g l i n, des bisherigen Kriegsministers und neuerdings Anhänger General Fengs, verfügt wurde. General Lutfchunglin wird beschuldigt, seit langem an einer Verschwörung gegen die Regierung beteiligt zu sein.
Im Zusammenhang mit dem Aufstand in Norden gewinnt der Vormarsch des Geßerals T s ch a n g - fakwei in Kwangsi erhebliche Bedeutung. In maßgebenden chinesischen Kreisen wird die Ansicht vertreten, daß die neue Aufstandsbewegung in Kwangsi und in den südwestlichen Gebieten mit größter Wahrscheinlichkeit dazu führen wird, der Nankingrcgierung die Kontrolle des Landes aus
er ver-
Traum vom Oschingis-Chan.
Von Anton Schnack.
Ich sah ihn im Traum: einen geduckten fin» steren Mann mit dem Bollwerk einer knochigen Brust; dann den verrückten Kopf mit dem Bart der w.e ein roter Reaenstrich aus dem breiten und furchtbaren Kinn floh.
Da war das Eisen seines Wesens, sein fressender Sturm; da war die Wucht, mit der er sein« Bahn von den Traumtoren der chinesischen Mauer bis an die weißen Wasser Polens zog.
Er hatte das offene Ohr eines Tiergottes. Da-, mck horte er alles: Wind. Schneefall, das Schnau- den eines Pferdes, Geflüster, wenn es auch über hundert Hügel hinweg war, das Stampfen seiner Herren Verräterei seiner Vasallen, den Herz- schlag ferner Kinder, die Sehnsucht seiner Frauen, oen Rachechwur unterworfener Fürsten — und er handelte danach.
Er hatte einen dunklen Dogen aus alter ^rvnze. die sich mit tödlicher Gewalt bog. Da- mrt schoß er der Sonne ins Auge, und sein Pfeil Düsenden Fluge nicht mehr zurück. Er hatte eine Haut aus Gold, den Schritt eines Panthers und den Blick eines Steppenvogelsscheu, lauernd und scharf.
2ch sehe sein verbranntes und schamloses Gesicht am Golf von Liautung, wo er eine laut- lose Wolke von zehntausend Falken gegen schneeweiße Reiher und wunderbare Farbenvögel stei- gen ließ. Seine Falken hatten ein silbernes Täfelchen am Bein, in dem ihr Lockname ein- geriht war. Er hatte einen zahmen Löwen, den ihm ein Scheich aus Arabien aus Freundschaft geschenkt hatte. Für seine wilden Iagdzüge hatte er abgerichtete schwarz- und weihgcstreifte Leo- parden, Luchse und Tiger. Sie hockten in kleinen Käfigen und funkelten furchtbar mit den Augen. Er hatte «inen Iägerchor von vielen tausend Mann. Die eine Schar war rot gekleidet, die andere war blau ange^gen. Unter dem Geheul von fünftausend Hunden zog sie in die Sumpfstriche der Steppen, die Walder erzitterten dun- let, d.e Passe brausten von ihrem Geschrei und das Wild erhob sich mit furchtsamen Öhren und dahiniagenden Geläufen. Dschingis-Chan saß auf dem Rücken eines Rie'enelefanten. von dem goldene und seidene Ketten herunterrieselten und chahte mit glühenden Augen und er krächzte svn- derbar wenn ein Pfeil in eine Hirschbrust flog.
Ich 'ehe seine Abende, wo er sich über die Deute feiner Schlachten beugt, über die Seidm- ungemeine Silber über die
bleckenden Romadenstämme der Hsia geritten, sein Pferd hatte ein goldenes Bleß, auf dem der Mondschein sich ausbreitete und unirdisch glitzerte. Er war durch die Steppen der Keraits gezogen, die mit Baumstämmen die Zelte verrammelten und Feuer in das Gras warfen, daß es mit dem Winde hinausflog bis an die Rächt der Wälder.
Er hat die Rachtgebirge besessen, die Wolf- und Bärenwälder, die eisigen windigen Buldak- berge, er hat die fahlen und großen Flüsse besessen. den Shr oder Iaxartes und den Indus, den schwarten Amu oder Oxus, die schwermütige Wolga und das Salz des Aralsees. Yaks mit oen elfenbeinernen Hörnern und den Quasten aus Seide gehörten ihm zu hunderttausenden; das bronzene Gefieder der Fasanen, die Samlvfötchen des Zobel, die mächtigen Bärentatzen, die H.sche mit dem beinernen Geweih: er schnippte mit dem Finger, und Tausende von Jägern setzten sich in Trab.
urem Ideal da er festsetzte, der Mann ?it Jagd und Krieg beschäftigen. Wir aber machen kleine dünne Musik aus Geigen, veilchenfarbene Worte um ein Gedicht zu schreiben, traurige Gesichter bei Konferenzen und zitternde Gespräche vor Frauen.
Er ist viele tausend Male geritten; er hot drewiertel seines Lebens verritten: Rächte Rächte, Tage, ^.age, unter Mondaufgängen hin- toeg und quer durch das Sausen der Schnee- sturme. Morgens, als noch eisiges Violett aus den Gesteinen starrt«, ritt er schon die Pässe hinauf. Er hat Steppen durchfegt, deren Gras den Bauch seines Pferdes kitzelte. Er hatte Flüsse durchschwommen, m denen riesenhafte Scharen von breitmäuligen Fischen aus ihn zustiegen.
Er war gegen dos Reich der Sun geritten und der Staich den die furchtbave Horde aufwirbelle. Ieincr ™ Qlter Mmm gegen'die schrei^m^äh^ I Ägame'ickbüche?
stand, über die Krüge voll Reiswein, der die Glieder in Fieber brachte. Wenn er wollte, ließ er wilde Tempelgongs rühren, auf denen rötliche Götterzeichen hüpften. In seinen Kammern hatte er Haufen von grünen Iadesteinen. die mit Vögeln und Fischen verziert waren. Tausende von seidenen Jacken, die rechthaberische und Selbe Mandarine getragen hatten, schenkte er seinen Kriegern.
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3ch sehe ihn in klare Rächte reiten unter hohen Siernbögen hinweg, und der Zug seiner Horden, ist wie ein Wind. Ihre Gelichter sind großartig. Jeder hat hundert Pfeile. Ihre Säbel waren fest. Der Mond hatte ein rotes Haupt. Es war ein Schweigen in den Geschwadern. Sie kamen wie ein Meer, und die Städte versanken unter ihrem Staub. Zu oberst das klotzige Gesicht d.es Dschingis-Chan. Er fürchtete nichts. Rur wenn der Himmel von Gewittern bedeckt war, stieg er vom Pferd und alle mit ihm. Demütig legte er sich auf das Gras der Erde, wenn die Blitze durch das Gewölbe in grünen Schnüren fuhren.
Dor ihm sprangen die Drachentore der Städte auf. Die Mauern bekamen Dreschen, wenn er sie mit seinem gnadenlo'en Auge anstierte. Seine Augäpfel drehten sich dabei blutrot in den Höhlen.
Er liebte einen braunen Sterndeuter, der in die Geheimnisse des Himmels eingedrungen war. Dieser sagte ihm in einer Rächt, daß die Zahlen neun und dreizehn für den Dschingis-Chan untertänig und glückbringend wären. Dreizehn Monate hatte sein wildes Jahr, dreizehn große Feste lieh er feiern mit Wildbret und Wein, mit einsamen Feuern auf den Dergen, mit Komödianten und ungeheuren Jagden, mit Wirbelmusik und Frauen. Für seine Vasallen war es Gesetz, ihm neunmal neun Geschenke zu bringen. Sei es was es sei: Pferde oder Kamele Schlangenhäute oder Goldtafeln, Weinschläuche oder Haselnüsse, Pelztiere oder Salzsäcke/ Frauen oder seidene Röcke. Er stand dabei und sah großartig und leblos aus.
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Das Jahr 1227 war dunkel. Der Wein roch abscheulich und hatte trübe Fäden. Die Leiber
der Hand zu nehmen. Es laufen hartnäckige Gerüchte um, nach denen die Generale Feng und Pen ihr Hauptquartier in Peking aufschlagen wer- den. Auch darin wird ein Anzeichen dafür gesehen, in welch hohem Grade die Aufständischenführer Vertrauen in ihren Kampf gegen Nanking besitzen. Kleine Vorpostengefechte haben bereits begonnen. Größere Kampfhandlungen sind jedoch erst in etwa acht Tagen zu erwarten.
Bei der Nanking-Negierung liegt die Zentral- leitung wiederum ausschließlich in den Händen von Dschiangkaischek, während im Lager der aufständischen Generale Pen und Feng sich in den Oberbefehl teilen. Die Aussichten, daß Dschiangkaischek sich halten kann, werden als gering angesehen, da auch für den keineswegs sicheren Fall eines Sieges der Zentralregierung die Stellung Dschiangkaischeks durchaus in der Schwebe bleibt. Die sehr rücksichtslos angewandte Zensur in allen Teilen des Landes erschwert im Augenblick einen klaren Ueberblick.
Kleine politische Nachrichten.
Reichspräsident v. Hindenburg hat an die deutschnationale Rhe'in- und Saarkundgebung in Reustadt a. d. H. folgendes Telegramm gesandt: „Haben Sie herzlichen Dank für Ihr freundliches Meingedenken. Ich erwidere Ihre Grüße mit aufrichtigem Wunsch für einen guten Verlauf Ihrer Tagung."
Die letzte Ruhestätte Dr. Stresemanns ist in den letzten Tagen zu einer Wallfahrtsstätte der (Berliner geworden. Während man an den ersten Tagen der Woche durchschnittlich 50 000 Besucher zählte, die am Grabe verweilten, war gestern die Grabstätte das Ziel von über 100 000 Frauen und Männern aus allen Schichten der Bevölkerung. Vom frühen Morgen bis zum Einbruch der Dunkelheit ging ein endloser Zug am Grabe des verstorbenen Staatsmannes vorbei.
Auf der Avusbahn geriet ein Privatwagen der „Dank für Arbeiter, Angestellte und Beamte" in einem Tempo von 70 Kilometer auf den Mittelstreifen, überschlug sich und begrub den Chauffeur und die beiden Insassen des Wagens unter sich. Lebensgefährlich verletzt wurde der Vorsitzende des Öli gem i en Deutschen Gewerkschastsbundes Theodor Le i - Part, während der mitfahrende Geheimrat Bachem ebenfalls schwere, doch nicht lebensgefährliche Verletzungen erLtt. Lcipart hatte den Vorsitz des 01. D. G. D., der größten deutschen Arbeitnehmerorganisation, nach dem Tode von Karl Legien vor acht Jahren übernommen.
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Wie die „Deutsche Kolonialgesellschaft mitteUt, wurde der Deutsche I. M e i n e r t, Herausgeber der „Allgemeinen Zeitung" in Windhuk zum Bür- germeister von Windhuk gewählt.
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Die Legung des Kabels Emden — Vigo der Deutsch-Atlantischen Telegraphengesellschaft ist heute vollendet worden. Damit ist die wichtige Kabeloer- bindung, die vor dem Kriege nahezu 20 Jahre bestanden hatte, wiederhergestellt. Das Kabel wird dem Telegrammverkehr Deutschlands nebst Hinterländern mit Spanien, Portugal, den Mittelmeerländern sowie Südamerika, Afrika, Asien, Australien und Neu- Seeland dienen. Der Leitweg lautet „Emden—Vigo".
Aus aller Welt.
Der Bundestag des Reichsbundes der kolonialbeamlen.
Auf der Mannheimer Tagung sprach Bundesdirektor E h r ma n n , Berlin, über „Das Kommunale Berufsbeamtentum". Er stellte an Hand von Zahlen fest, daß bei den Gemeinden im Gegensatz zum Staat die Angestelltenzahlen verhältnismäßig viel stärker anfteigen, so daß man zum Teil von einer Verdrängung der Berufsbeamten durch Angestellte sprechen müsse. Gegen diesen Abbau des Berufsbeamtentums forderten die Beamtenorganisationen st a a t s - rechtliche Bindungen der Gemeinden dahin, daß für dauernd notwendige Dienste bei Erfüllung öffentlicher Aufgaben Berufsbeamte-einzu- stellen seien. Grundsätzlich verlangten die Kommunalbeamten und -angestellten eine reichseinheitliche Regelung aller wesentlichen Grundlagen des Beam- tenrechts, vor allem auch gesetzliche Sicherung der Unkündbarkeit und eine an
der Tiere bekamen seltsam fahle Flecken. Gegen Westen bebte die Erde. Es rauschte jeden Abend in der stahlblauen Luft. Woher dies kam, blieb allen unsichtbar. Waren es riesige Vögel, hohe, über den Wolken strömende Winde, Geister gefallener Horden? Er ließ die Sterndeuter köpfen, da ihre fahlen Beschwörungen, die sie gegen den Wind, die Wollen und die (Weite aussprachen, die Erscheinungen nicht bannten.
Der Chan sah damals in dem Orte Kakzar- modon in der Mandschurei. Es wurde ihm unheimlich. Daher befahl er den Aufbruch. Aber bevor der Marsch begann, ließ er noch Tausende von Bäumen Pflanzen; denn er liebte das zarte und innige Leben des Baumes; und er glaubte, wer Bäume pflanzt, reinige sich wieder vom vergorenen Menschen- und Tierblute und würde lang und herrlich leben.
Aus dem gelben Fluß, den sie entlangzogen, hupften ichwar'e F:sche mit bleichen Glotzaugen. Die Erde war an vielen Stellen gesprungen. Es st:ea Dampf heraus. Beim Untergang der Sonne zeigte sich ein Fratzengesicht im Gewölk. In der tvar Heulen. Die Farbe des Mondes wurde schwarz. Es stank nach Aas. Es war ble.erne Ruhe in der Landschaft. Ein Weihes ^'^ek 5P9 am Waldrand vorbei, aber keine Hand erhob sich zum Speerwurf. Geheimnisvolle Hände rührten eine Trommel. Der Klang war dumpf, als käme er aus den Schächten des Crdinnern.
Da stach ihn das Herz, und er sank ein wenig rut.chend auf die Seite. Das Pferd ging weiter. Dschingis-Chan war im Reiten tot. Das Geschwader stieg ab. Hunderttausend Köpfe legten such mit den Stirnen auf die Steine. Es war ein furchtbares Schweigen.
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Jenseits der großen chinesischen Mauer, süd- luh der Ho-Beuge, soll sein Grab liegen. Die Berge um es herum sind ganz unzugänglich und ichwarz. Und die Winde von einer sausenden Wut. Schon im frühen Herbst fällt Schnee darüber. Immer wird man große Reiher sehen, die mit pfeifenden und grausamen Schreien ihre Morgenflüge darüber machen.
Ein verdorrter, versteinerter Krieger steht in der Eben« mit riesengroßem Schwert. Die Tränen seiner Augen sind Cisperlen.


