Ausgabe 
15.6.1929
 
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NU38 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejfen) Samstag, 15. Juni 1929

Hessischer Landtag.

Darmstadt, 13.3uni. (Priv.-Tel.) Präsi­dent Delp eröffnet die 50. Sitzung bei schwach besetztem Saal und überfüllten Tribnen. Lieber das Offenhalten der Läden auf dem Lande (Anfrage Dr. Werner) erwidert der Wirtschaftsminister: Im Hinblick auf die zwin- genden Vorschriften der Verordnung über die Regelung der Arbeitszeit der Angestellten, wo­nach offene Verkaufsstellen von 7 Llhr abends bis 7 Llhr morgens für den geschäftlichen Verkehr geschlossen sein müssen, vermag ich das Offen­halten der Läden auf dem Lande über 7 Llhr abends hinaus allgemein nicht zu gestatten. In dem Entwurf eines Arbeitsschuhgesehes ist jedoch vorgesehen, daß an höchstens 100 Tagen im Jahre das Offenhalten der Läden bis 8 Llhr abends gestattet werden kann. Sollte der Entwurf in dieser Fassung Gesetz werden, dann würde zu prüfen sein, ob in Hessen ein Bedürfnis für den Achtuhr-Ladenschluß auf dem Lande wenigstens in den Sommerinonaten vorliegt.

Auf eine Kleine Anfrage des Abg. Lauten- b ach er (Zentr.):Bei der Vergebung von 400 Kleiderschränken für die Schutzpolizei wurde das Schreinerhandwerk mit der Begründung von dem engeren Wettbe­werb ausgeschlossen, daß es nicht lei­stungsfähig sei. Der Auftrag wurde einer größeren Firma übergeben, die die Erklärung abgeben muhte, dah die Arbeiten im eigenen Betrieb ausgeführt werden. Die Lieferfirma hat aber den Auftrag an einen Handwerks- meister zu bedeutend reduziertem Preis weitergegeben" erklärt Staatsrat Karcher: Die Regierung hat nicht behauptet, dah das Schreinerhandwerk nicht leistungsfähig sei. Die Vergebung erfolgte an eine größere Firma, um hinsichtlich des zu verwendenden Hol­zes und der Ausführung einheitliche und gleich­mäßig tadellose Lieferung zu erzielen. Die Firma hat sich zur teilweisen Ausführung des Auf­trages eines lange Jahre im Betriebe der Firma tätig gewesenen Handwerksmeisters bedient, der für die Firma arbeitet und Holz und sonstiges Material der Firma hierbei verwendet. Die Zu­rücknahme des von uns erteilten Auftrages konnte nicht in Frage kommen, da die Firma bet Ein­gang der Kleinen Anfrage bereits mit der Aus­führung des Auftrages begonnen hatte.

Die Beteiligung des hessischen Staates an der Firma Oberhessische Ob st werke, Bü­dingen, wird um 2000 Mark erhöht. Ein Bestscher Antrag auf vermehrte Ausschüttung aus der Aufwertungsmasse der Hessischen Landeshypo­thekenbank wird für erledigt erklärt.

In einer persönlichen Bemerkung berichtigt Abg. Dr. Keller, Gießen (Zentr.), eine Darstellung Dr. Bests, daß er nicht gesagt habe, in Gießen könnten die fünf Notare durch einen mitt­leren Justizbeamten ersetzt werden. Nach der Einzelabstimmung zu den Notariatsanträ­gen, die gemäß den Ausschußbeschlüssen abgelehnt oder der Regierung als Material überwiesen wer­den, findet der Antrag Annahme, die Regierung solle einen Gesetzentwurf ausarbeiten u n t e r S e n - kung der Stempel und Gebühren und Prüfung der Frage nach Abschaffung der staatlichen Pensions - und Hinterblie­benenfürsorge und Ersetzung durch eine selb­ständige Zwangspensionskasse. Abg. Dr. Werner (fraktionslos) zieht unter Protest seinen wcitergehenden Antrag zurück.

Abg. Reiber (Dem.) erstattet Bericht über den Antrag der volksrechtparteilichen und deutschnatio­nalen Abgeordneten sowie des Abg. Dr. Werner auf Aufhebung des Gesetzes über d i e Altersgrenze der Staatsbeamten gegen die sich der Hessische Beamtenbund aus sozia­len und beamtenpolitischen Gründen ausgesprochen hat.

Abg. Dr. Best plädiert für seinen Antrag, während

Abg. Reiber sich scharf dagegen wendet. Um der Jugend Platz zu machen und dem Staat neue positive Kräfte zuzuführen, müsse das Pensionsalter von 65 Jahren beibehalten werden.

Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) tritt vor allem aus finanziellen Gründen für die Aufhebung dieser Zwangspcnfionierung ein. Die Angst vor der Ju­gend sei hier für die Haltung der Regierungspar­teien maßgebend. Das Altersgrenzengesetz koste dem Staat jährlich 600 000 Mark bis 1 Million Mark. Gerade die Jugend in allen Lagern erkenne immer mehr, daß mit dem heutigen Staatkein Staat zu machen" sei.

Abg. Dr. Keller (D. Vp.) stellt fest, daß ein Teil seiner Fraktion kein Freund der Zwangspen- fionierung fei, er felbst aber halte das Gesetz zur Zeit noch für notwendig, zumal das Reich und die übrigen Länder an dieser Regelung festhielten. Was Dr. Best glaube am Pensionsetat einsparen zu können, werde bei der Position: Aushilfs- und Stellvertretungskosten erhöht werden. Politische Gründe sollten doch hier ganz ausscheiden. Seine Fraktion lehne den Antrag ab.

Abg. Winter (Zentr.) stimmt dem Vorredner zu. Die Not der Anwärter sei doch außerordentlich groß. Die ganze aufgeregte Zeit bringe doch auch einen viel rascheren Verbrauch der Kraft der Be­amten mit sich.

Abg. Stork (S.) lehnt den Antrag aus sach­lichen und politischen Gründen ab.

Der Antrag wird gegen Bauernbund, Volks­rechtpartei und Deutschnationale abgelehnt.

Auf Vorstellungen über bessere Verkehrs- Verhältnisse auf der Strecke Gie­ßen Fulda und auf dem Bahnhof Fried­berg wird die Qtegicrung um nochmalige Ver­handlungen mit der Reichsbahnverwaltung ersucht.

Abg. Schott (D. D.) verlangt, daß der Par- zellensteinsoh bei Abmarkungen wieder durch die Feldgeschworenen erfolgen dürfe oder Gebühren­herabsetzung eintrete. Abg. Weckler (Z.) wendet sich gegen die Abänderung des Abmar- kungsgesches, während Abg. Glaser (Bbd.) für den ^röhren Teil seiner Freunde Zustimmung zum Ausdruck bringt. Der Antrag wird gegen die Rechte abgelehnt.

Abg. Weckler (Z.) wünscht Prüfung der Möglichkeit, die Kosten der Reuvermessung landwirtschaftlicher Grund st ücke auf die Staatskasse zu übernehmen. Durch Zufalls­mehrheit wird der Antrag mit 21 gegen 19 Stim­men angenommen.

Ein Antrag G u h m a n n (Bbd.) auf Herab­setzung der Hunde st euer wird abgelehnt.

Durch die entgegenkommende Regierungsant­wort wird ein Antrag auf dreimonatige I

Der neue Bürgerkrieg in China. I

Don unserem f-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

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Die letzten Berichte aus China las­sen es nunmehr als sicher erscheinen, daß das vielgeprüfte Land vor neuen, und diesmal überaus schweren Kämp­fen steht, die praktisch einem Wieder­aufleben des Bürgerkrieges gleich­zusehen sind. Zwischen den bedeutend­sten militärischen Führern der na­tionalen Bewegung, die China heute aufzuweisen hat und die zugleich als Exponenten der beiden Richtun­gen gelten müssen, die noch heute innerhalb der Kuomintang um die Herrschaft ringen, zwischen T s ch i - angkaischek und dem sog. christ­lichen General Feng BüHsiang. sind Streitigkeiten entstanden, die nach menschlichem Ermessen mit Si­cherheit zum Kriege zwischen den beiden Machthabern führen müssen. Zwar sind alle Vermittlungsversuche einflußreicher Politiker, die eine Bei­legung der Streitigkeiten herbeizu- führen wünschen, noch nicht als end­gültig gescheitert anzusehen, aber nach den letzten Erklärungen der beiden Gegner kann man mit Wahrschein­lichkeit, dah diese Bemühungen zu einem Erfolge führen werden, nur noch für sehr gering halten. Der Ausschluß des Generals Feng aus der Kuomintang auf Veranlassung Tschiangkaischeks und die Erklärung Fengs an die ausländischen Mächte,

daß Tschiangkaischek ein Usurpator und Rebell sei, brechen praktisch alle Drücken ab, die zwischen den beiden noch bestanden hatten.

Damit haben die Dinge in China eine Wendung genommen, die als überaus ernst bezeichnet werden muß, da es sich bet diesen neuen Streitigkeiten um eine Auseinandersetzung handelt, die an Umfang und Bedeutung alles übertrifft, was in letzer Zeit an Unruhen usw. aus China berichtet wurde. Denn bei dem Versuch Tschiangkaischeks, des Staatspräsi­denten und Militäroberbefehlshabers der Nanking­regierung, der einzigen zur Zeit in China aner­kannten Regierung, die Macht der Militärbefehls­haber zu brechen, um damit die Zentralgewalt vor Ueberraschungen sicherzustellen, und endlich das große Reich wieder unter eine einheitliche Führung zu stellen, handelt es sich um nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft des Lan­des überhaupt. Gelingt es Tschiangkaischek, die vielen Militärgouverneure abzuschaffen, so ist die Zeit des Bürgerkrieges in China vorüber. Siegt aber sein Gegner, so wird man damit rechnen müs­sen, daß China wieder auf Jahre hinaus von Kämpfen um die Macht zerrissen werden wird, falls es ihm nicht seinerseits gelingen sollte, diese Ausgabe zu bewältigen.

Da es Tschiangkaischek bereits gelungen ist, in einem großen Teile Chinas der Unruhen Herr zu werden, die immer wieder von ehrgeizigen Militär­machthabern angezettelt wurden, die letzten Kämpfe mit der Kwangsi-Gruppe find dafür ein Beweis hat er die Aussicht, daß es ihm gelin­gen wird, auch mit den verbliebenen größeren Machthabern, von denen die wichtigsten eben Feng, ferner der Gouverneur der Provinz Schansi Pen und der Sohn des Marschalls Tschangsolin in Mul­den, Ifang Hsue Liang find, fertig zu wer­den, vorausgesetzt, daß diese sich nicht zusammen­tun, um die Macht der Zentralgewalt zu beseitigen und ihre gefährdeten eigenen Stellungen zu erhal­ten. Eine Gefahr, die allerdings infolge der Riva­litäten dieser Machthaber untereinander nicht über­mäßig groß ist. Abgesehen hiervon hat Tschiangkai­schek auch sehr vieles andere für sich, da nicht daran gezweifelt werden kann, daß die große Masse der gebildeten Chinesen und der reichen Kaufleute, ja auch der chinesischen Studentenschaff, auf seiner Seite steht und ihm damit als dem Trägerdes Fortschrittes" moralische Stellung gibt, die für das Verhalten der wichtigstenNeutralen" in China ausschlaggebend ist, und ihm vor allen Dingen die Gefolgschaft seiner etwa 400 000 Mann starken Ar­mee sichern dürfte. Der Gouverneur der Provinz Schansi, Pen, scheint denn auch bereits erklärt zu haben, daß er sich in dem kommenden Kampfe neutral zu verhalten gedenkt.

Auf der anderen Seite geht es Tschiangs großem Gegner Feng durchaus nicht so schlecht, obwohl er militärisch an Truppenzahl Tschiangkaischek weit unterlegen sein dürste, da er kaum über 130- bis 140 000 Mann verfügt, und diese Armee obendrein in den Provinzen Honan und Schansi steht, die von einer Hungersnot heimgesucht werden, wäh­rend in seinem Rücken in Kansu ein Mohamme-

baneraufftanb tobt, der seine rückwärtigen Verbin­dungen nach Rußland hinüber teilweise bedrohen kann. Dafür kann jedoch Feng darauf rechnen, daß ein großer Teil feiner Truppen absolut z u - verlässig ist und durch keinerlei wie immer geartete Manöver zum Abfall gebracht werden kann. Zwar beläuft sich die eigentliche Kerntuppe Fengs nur auf 30- bis 40 000 Mann, diese ist aber so diszipliniert, daß sie sich die ganzen letzten Jahre über als einRocher de Bronce" erwiesen hat, der oft das einzige sichere Element im Chaos des chine­sischen Bürgerkrieges war. Feng selbst ist im übri­gen ein überaus fähiger militärischer Führer, der sich mit Tschiangkaischek an Feldherrnkunst durch­aus messen kann. Dazu kommt, daß Feng im nie­deren chinesischen Volk überaus populär ist, und daß die Massen der kleinen chinesischen Bauern in vielen Gegenden in ihm geradezu ihren Abgott sehen.

Entscheidender als diese Dinge dürfte allerdings noch ein weiterer Faktor sein, der den Kampf zwi­schen Feng und Tschiangkaischek eigentlich so recht erst bedeutungsvoll macht. Das ist die Tatsache, daß Feng im Gegensatz zu Tschiang stets Wert darauf gelegt hat, die Beziehungen zu den Russen aufrechtzuerhalten und sich in neuester Zeit als Vorkämpfer des linken Flügels der Kuo­mintang gefühlt hat. Das sichert ihm in dem kom­menden Entscheidungskampfe ohne weiteres die Sympathie der Arbeiter- und Bauernor­ganisationen in ganz China, sowie die selbst- verftändliche Unterstützung des Netzes von Zellen und Geheimorganisationen, die der Bolschewismus über China gelegt hat. Es muß dabei berücksichtigt werden, daß diese Organisationen, die Tschiangkai­schek wiederholt mit Gewalt zu unterdrücken ver­suchte, gerade im Machtbereich Tschiangkaischeks stark verbreitet sind, und insbesondere in den gro­ßen Hafenstädten ihre politische Rolle noch lange nicht ausgespielt haben. Ueberraschungen von dieser Seite können somit jederzeit kommen und die Stel­lung Tschiangkaischeks außerordentlich schwächen. Ein Teil der Mitglieder der Kuomintang sympathisiert überdies zweifellos auch stets nur mit der Seite, die als die stärkere gilt, so daß man keineswegs sagen kann, daß Feng ohne weiteres der Unter­legene wäre.

Wenn die englische Presse diesen Kampf zwischen den beiden bisher größten Persönlichkeiten des chine­sischen Bürgerkrieges bereits jetzt als einenKampf zwischen den Mächten des Bolschewismus und dem liberalen und demokratischen China" bezeichnet, so hat sie zweifellos damit nicht ganz unrecht, obwohl ein Militärbündnis zwischen Feng und Moskau zunächst noch außerhalb des Bereiches des Wahr­scheinlichen liegt. Sicher ist jedenfalls, dah in Feng und in Tschiangkaischek d i e radikale und die gemäßigte Richtung der chinesischen Revolu­tionäre ihre Führer haben, so daß ihrem Kampfe für die weitere Entwicklung der chinesischen Revo­lution über das Militärische hinaus eine geistes­geschichtliche Bedeutung zukommt. Die kommenden Kämpfe in China haben somit Anspruch darauf, mit größtem Interesse verfolgt zu werden.

Steuer st undung für frostgeschädigte Betriebe für erledigt erklärt. Rächste Sit­zung am 19. Iuni.

Um die Kinoschließung in Hessen und Hessen-Nassau.

WSR. Frankfurt a. M., 14. Iuni. 3n einer gut besuchten Versammlung der Frankfurter Lichtspieltheater-Besitzer wurde zu der Frage der Schließung am l.Iuli Stel­lung genommen. Wie der Verbandsvorsihende Matter mitteilen konnte, hat der Magistrat, mit dem in erster Linie verhandelt wurde, bisher recht wenig Reigung gezeigt, die Vergnügungs­steuer abzubauen bzw. über die Sommermonate ganz zu erlassen. Er ist grundsätzlich bereit, einer Stundung der Steuer näherzutreten, ober damit wäre den Lichtspieltheater-Besitzern nicht gedient. In Köln, München, Berlin, Düsseldorf und vielen anderen Städten im Reiche sind ähn­liche Aktionen im Gange. In Frankfurt beschloß man, eine Kommission zu wählen, die unter Vor­lage statistischer und anderer ^Unterlagen dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung nochmals die Situation klarlegt. Auch in der Stadtverordnetenversammlung soll nochmals ein Dringlichkeitsantrag eingebracht werden. Das Schumanntheater und das Reue Operettentheater schließen am 1. 3uli. Die Kinotheater in H e s s e n und Hessen-Rassau müssen und werden diesem Beschlüsse Folge leisten, und eventuelle Außen­seiter, die ihm vielleicht nicht nachkommen wollen,

sollen dazu gezwungen werden. Interessant ist die Tatsache, daß der Derkehrsbund, der Musiker- verband und auch der Filmverleih geschlossen hinter den Lichtspieltheater-Besitzern stehen und daß die Filmverleihe keinem Kinobesiher Filme verleihen werden, der sich nicht mit den Kollegen solidarisch erklärt.

Kommerzienrat Gustav Jung t-

WSR. Dillenburg, 14. Iuni. Rach einer Operation verstarb in der Llniversitätsklinik zu Gießen im 71. Lebensjahre der Großindustrielle Kommerzienrat Gustav Jung aus Straß- ebersbach bei Dillenburg. Mit ihm ist eine der markantesten Gestalten in der westdeutschen Eisen­industrie aus dem Leben geschieden. Große Ver­dienste hat sich der Verstorbene insbesondere um die Entwicklung der Amalienhütte im Kreise Biedenkopf erworben, wo er vor 45 Jahren seine leitende Tätigkeit als Hüttenfachmann be­gonnen hatte. Seiner Initiative entsprang auch der Zusammenschluß der Werke an der oberen Lahn und Dill im Hessen-Rassauischen Hüttenverein. Der Ausbau der Kohlen­werke in Großalmerode bei Kassel, die Erschlie­ßung der Kohlensäurebäder in Selters und die Erbauung des dortigen Kurhauses sind eben­falls das Werk des Verstorbenen. Auch die In­dustrie des benachbarten Siegerlandes und des weiteren Rheinlandes, sowie von Kurhessen und Oberhessen hat der Verstorbene als Aufsichts­ratsmitglied und Teilhaber bedeutender Werke wesentlich beeinflußt.

Wirtschaft.

Wochenbericht

vom Frankfurter Effektenmarkt.

An Stelle des in der vergangenen Woche bestehenden starken Optimismus trat in der neuen Berichtswoche wieder eine größere Zurück­haltung. Das Geschäft bewegte sich in den denkbar eng ft en Grenzen: denn die Hauptstütze, die Auslandorders, die schon immer einen ausschlaggebenden Faktor boten, fehlte zeit­weise fast vollkommen. Auch zeigte die Speku­lation wenig Reigung zu Engagements. Das Publikum war ebenfalls kaum vertreten: man hat schon, nachdem in der vergangenen Woche verschiedentlich Publikumsaufträge erschienen, ge­hofft, es würde sich auch in Zukunft wieder reger am Geschäft beteiligen, nachdem die jetzt doch geklärte Lage vertrauenerweckend ist. Aber auch hier ist man immer noch zurückhaltend und wartet scheinbar erst einmal die Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftslage und dann die Aus­wirkung auf das Börsengeschäft ab. Obwohl die Llmsahtätigkeit, mit Ausnahme einiger Speziali­täten, nicht erheblich war, kann man sagen, daß die Börse im Grund ton immer widerstands­fähig und zuversichtlich blieb. Die Stim­mung war zumeist freundlich und nach oben ge­richtet. Rur das Fehlen von Ausland­aufträgen lieh keine regere Geschäftstätigkeit aufkommen. Die weitere Erleichterung am Geldmarkt Tagesgeld war mit 6 Prozent gegen Ende der Woche reichlich angeboten er­weckte ziemlich Vertrauen, und man zog hieraus Schlüsse, daß wenigstens in dieser Beziehung schon eine fühlbare Auswirkung der Reparations­regelung eingetreten sein dürfte. Auch die Ent­lastung des Reichsbankinstituts nach dem Aus­weis der ersten Juniwoche blieb nicht ohne Ein­fluß auf die Tendenzgestaltung. Einen günstigen Anklang fanden noch der weitere Rückgang der Arbeitslosigkeit im Reiche, verschiedene zu besse­ren Hoffnungen berechtigten Geschäftsberichte einiger bedeutender Gesellschaften und die Zu­nahme der Spareinlagen. Aber diese Momente genügten nicht, eine lebhaftere Geschäftstätigkeit hervorzurufen. Als man einsah, dah diese Rach­richten nicht den gewünschten Erfolg hatten, schritt die Spekulation zu Gewinnmitnahmen und Reali­sationen. Man begnügte sich, nachdem schon ganz geringe Besserungen eingetreten waren, schnell­stens die Gewinne wieder einzuheimsen. Daher kam es, dah im allgemeinen gegenüber der Vor­woche nur teilweise ganz geringe Erhöhungen eintraten. Die schwache Verfassung der ausländi­schen Börsen und der schlechte Geschäftsgang an den meisten Plätzen lasteten in mancher Dezie- ung auf der Stimmung: aber die Hoffnungen auf bessere Zeiten blieben bestehen. Die Börse war im großen und ganzen immer Schwankungen unterworfen. Der Miherfolg des Zeich­nungsergebnisses derReichsan'leihe konnte sich jedoch nur kurze Zeit etwas stärker auswirken, da auf der anderen Seite Gerüchte über eine neue 50-Millionen°Dollar-Anleihe auf» tauchten. Doch blieben diese unbestätigt. Leb­hafteres Interesse konzentrierte sich auf verein­zelte Bankwerte und Montanaktien, bei ersteren traten Gewinne bis zu 4 Prozent gegenüber der Vorwoche ein. Montanpapiere dagegen, da sich hier besonders die Realisationen auswirkten, nicht einheitlich, aber zumeist gut behauptet. Rur Rheinische Braunkohlen bis 3 Prozent abge­schwächt. Am Elektromarkt konnten Bergmann 5 Prozent und Siemens 3 Prozent gewinnen, während die übrigen Werte dieses Marktes 1 bis 3 Prozent einbühten. Glanzstoff lagen 5 Prozent höher, Salzdetfurth gewannen 3,5 Prozent und Chadeaktien 6 Mk. Daimler Motoren hatten recht lebhaftes Geschäft bei einem Gewinn bis zu 9 Prozent. Hier gaben die Ausführungen im Geschäftsbericht, wonach der Llmsah dieser Ge­sellschaft um 10 Millionen und in den ersten vier Monaten des neuen Geschäftsjahres um 12 Pro­zent gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres gestiegen ist, eine beträchtliche Anregung. Zum Wochenschluh fehlte jegliche Anregung. Das Ausland war kaum am Markte vertreten, und es ergaben sich Abschläge, aber bei kleinstem An­gebot, bis zu 3 Prozent. Zum Schluß traten auf Rückdeckungen wieder kleine Besserungen ein. Das Geschäft blieb aber gering.

Wochenbericht

vom Frankfurter Produktenmarkt.

Zu Beginn der neuen Woche war die Hal­tung am Frankfurter Produktenmarkt weiterhin freundlich. Die erneut höheren Ausland­notierungen blieben doch nicht ohne Eindruck, und es machten sich schon Anzeichen einer etwas regeren Geschäftstätigkeit geltend. Die Provinz hielt in der. Hoffnung, höhere Preise erzielen zu können, mit ihrem Material zurück. Doch trat bald wieder ein Tendenzumschwung ein, der durch wieder sehr flaue Austandnotierungen und un­günstig lautende überseeische Meldungen hervor- gerufen wurde. Die Stimmung schlug um, und man war wieder lustlos und zurückhaltend, so daß sich das Geschäft wieder stark einschränkte. Die anfangs gehegten Hoffnungen wurden zu­nichte gemacht. Doch reagierte der hiesige Markt verhältnismäßig wenig auf den erneuten Rück­schlag an den Auslandmärkten: wenigstens in der Preisgestaltung. Denn gegenüber der vergange­nen Woche waren bei einzelnen Getreidearien noch kleine Gewinne zu verzeichnen. Aber auch mit der neuerlichen Preissenkung und der allge­mein schlechten Lage kam wieder etwas mehr Material heraus und konnte nur bei billigeren Preisen untergebracht werden. Etwas lebhafter war die Llmsatztätigkeit, aber auch nur an den Hauptmarkttagen, in Weizen und Roggen. Auch der Mehlabsah hatte eine vorübergehende Ver­größerung zu verzeichnen. Vernachlässigt lagen die ganze Woche hindurch dagegen Weizen- und -Roggenkleie, aber auch Sommergerste und Hafer (inl.) hatten nur mäßigen LImsah. Weizenmehl (niedcrrh.) und Roggenmehl lag späterhin ge­drückt. Dagegen konnte Weizenmehl leicht an­ziehen. Am Futtermittelmarkt bestand für Mais für Futterzwecke verschiedentlich seitens der Land­wirtschaft hie und da etwas mehr Rachfrage. Zum Wochenschluß blieb das Geschäft sehr ruhig. Die Llmsähe beschränkren sich auf ein Minimum. Rur für Mais für Futterzwecke konnte sich bei weiter etwas höherem Preis einiges Interesse er­halten. Im Vergleich mit den Rotierungen der vergangenen Woche waren Weizen, Roggen und Weizenmehl bis zu einer viertel Mark höher.