Die Ä-Stlaffe 2 umfaßte Vereine deS Bogels- bergs. und zwar: T.D. Lauterbach, T-D. Schlitz. T.D. Alsfeld. TD. Gedern und T-D. Burg- Gemünden. Lauterbach wurde Meister und muß nun mit Friedberg um den Aufstieg in die Meisterklasse kämpfen. Die Tabelle der A-Älaffe 2 hat
folgenden Schlußstand:
unentsch. verl.
Pkt. 14 11 6 5 4
2
3
0
1
0
0 1
5 5
6
gern.
6
4
3
2
2
Spiele
8
8
8
8
i 8
Vereine
Tv. Lauterbach
Id. Alsfeld
Id. Gedern
Id. Schlitz
Id. Burg-Gemünden
Die Meisterschaft der Jugendklasse errang ungeschlagen als unstreitbar beste Mannschaft M.TD. Gießen vor T.G. Friedberg. T. u.Sp.
Dutzbach und T.D. Treis.
Tabellenschlußstand:
Vereine
Mtv. Gießen Ig. Friedberg I. r Sp. Butzbach Id. Ireis
Spiele gern, unentsch.
6 6 0
6 4 0
6 2 0
6 0 0
verl.
0
2
4
6
Pkt. 12 8 4 0
Handball der Sp.-Dg. 1900.
ö. Nächsten Sonntag ist die erste Handball- Mannschaft der Spielvereinigung 1922 erneut vor eine schwere Ausgabe gestellt. Sie empfängt zum Freundschaftsspiel die bestens bekannte Elf des Dolizeisportvereins Dutzbach. Die Duhbacher Mannschaft weilte am Schluß der vorjährigen Saison schon einmal als Gast bei den 1902cm und konnte damals durch einen ll:4-Sieg ihre Svielstärke unter Beweis stellen. Daß die Polizisten zur Zeit ein nicht minder gefährlicher Gegner sind, erhellt aus dem guten Mittelplah tn der Tabelle der Frankfurt-Darmstädter Handballliga. Die Spielvereinigungsleute, die man in den letzten Spielen nicht immer sehr glücklich kämpfen sah, müssen jetzt einmal zeigen, ob sie imstande sind, ihren Heimatbezirk würdig zu vertreten. Da man sich jetzt über die Ausstellung der Hinter- mannschast wieder im Klaren sein dürste, wird die Zusammensetzung des Sturms die entscheidende Rolle spielen, wenn man auch selbst bet kompletter Fünserreihe tarn um eine Niederlage herumkommen wird.
Anschließend an daS Spiel der ersten aktiven Garnituren werden, wenn es die Witterung erlaubt. die erste Jugend- und Schülermannschaft der beiden genannten Dereine sich gegcnüber- tretcn. Der Spielausgang ist hier schlecht vor- auszusagen, höchstens, daß man den Platzbesitzern ein kleines Plus einräumen könnte.
Lahn-Oünsberg-Gau.
Am Sonntag sand in Wieseck die erste diesjährige Gauausfchußsihung des Lahn- Dünsberg-Ganes statt. Nachdem Gauvor- sitzcndcr D a u p e r t. Wieseck. die Tagesordnung bekanntgcgeben hatte, wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Die Austragung des G a u s e st e s hat Tv. Wißmar übernommen, als Termin kommt der 30. Juni oder 7. Juli in Frage. Am 13. August führt das Bergfest die Turner in Hausen zusammen. Die Austragung der Schülerwett- kämpfe hat Tv. Londorf übernommen. Bei dem am 14. April zum Austrag kommenden Dundeswaldlauf in den Wä'dern um den Schisfcnbcrg. durch Tv. Hausen, wird der Gauwaldlauf mit ausgetragen. Das G a u Wettschwimmen übernahm Garbenheim auf den 28. Juli. Die Leichtathletik-Meisterschaften wurden auf den 15. September sest- gclcgt Dereine. welche diese übernehmen wollen, müssen sich auf Grund einer späteren Ausschreibung darum bewerben. Das Gau-Gerätewett u r n e n findet am 12. März in Lollar statt. Zu einer am 17. Februar stattsindendcn Derbandsspiel - Ausschußsihung in Frankfurt a. M. wird neben dem Spielwart Winter. Launsbach, und Cpi.lausichußmitglied
Das große Grauen.
Vornan von H. A. von Byern. Urheber-Rechtsschutz d -rch Derlag Oskar Meister.
Werdau.
8 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Nichts war zu sehen, als ein langgestrecktes Dacksteingebäude, zwei Holzschuppen, neben denen ein Schlitten hielt, aber da — da — mitten auf dem Bahnhof stand, die Hände in den Taschen vergraben, eine wohlbekannte Gestalt, neben ihm eine junge Dame. —
„Dinzenz! He, Dinzenzl"
„3effa8, Allerlei" Wie ein Schraubstock umschlossen mich die Arme, ein Kuß rechts, einer links: „Alterle, hier, die SopherlI"
Ich beugte mich über die kleine, schmale Hand: „Gnädigste Gräfin, es ist zu gütig, daß Sie persönlich..."
„Aber, ich bitt’ Sie, den besten Freund meines Derlobten wollte ich doch so bald wie möglich kennenlernen, — oh — ich glaube gar — — Rosen!" Ein Aufleuchten der dunklen Augensterne. „Wie lieb von Ihnen, vielen, vielen Dank!"
Langsam gingen wir auf den Schlitten zu, hinter uns karrte ein Dahnarbciter auf einem Schicbbock meine beiden Koffer, eine riesige Kiste:
„Vorsicht! Warten Cie mal!“ Ich griff mit zu, Verstaute das Ungetüm glücklich auf dem Bock, während die Jucker unruhig hin und her tänzelten.
„Was in aller Welt hast d' denn da drin?"
„Ein silbernes Rixchen und ein goldenes Warteinwcilchenl" Dann hals ich der Komtesse beim Cinsteigen, lohnte den Gepäckträger ab und klappte den Mantelkragen hoch: denn vom Gebirge her pfiff ein eisiger Wind, trieb mir seine, nadelspitze Schneekristalle ins Gesicht. Der Dtnzenz von Andrian lachte:
„So geht das fei net, Alterle, da mußt noch an Pelz drüberzieh'n und an Fußsack bis an die Ras n, sonst kommst du als Eiszapfen in Keresz-Erdö an!" Ich konnte mich kaum rühren, wurde eingemummelt wie ein Wickelkind. „Los!"
„Hej! Hejl" Die Peitschenschmitze sauste, kerzengerade stiegen die beiden Stangenpferde in die Lust, prefchten los. — „Hej, Hej!" und nun stiebte der pulvernde Schnee unter den blanken Schlittenkufen, klirrten die Silberplättchen. klangen die Glöckchen an dem rotjuchtenen Geschirr. Das war kein Fahren mehr, ein dämmerndes Dahinglcilcn, ein Märchen- träum — — —1 Glasklar wölbte sich der Winterhimmel als ungeheure Kuppel über der Pußta. klatschend prasselten die von bt.u Pferde- Hufen emporgeschleuderten Schneekluinpen gegen
Drolsbach, Garbenteich noch als SchiebSrich«' ter Leib, Kinzenbach, entsandt. Für Sportwart Winter soll die Prüfungsberechtigung für das Reichsfportabzeichen beim Deutschen ReichSauS« schuß erwirkt werden.
Gpielvereinigung 1900 Gießen.
S. 1922 s Ligamannschast trägt am kommenden Sonntag ihr drittletztes Derbandsspiel in Dillenburg aus, das zugleich das letzte auswärtige Spiel in dieser Meisterschaftssaison ist. Man verfolgt die letzten Spiele der Blauweißen mit gemischten Gefühlen, denn die Els verliert selbst gegen recht spielschwache Gegner, trotz Feldüberlegenheit, Punkte, die der Gesamtwerlung. der Tabelle ein ganz andere- Aussehen geben würden. Ob die 1922er noch über ihren zur Zeit vierten Tabellenplatz hinauSkommen. ist zu bezweifeln. Rur beim Eintritt ganz glücklicher Umstände kann die dritte Stelle erreicht werden. Dorher müssen die Gießener aber auS den ausstehenden Spielen noch mindesten- drei Punkte gewinnen. Daß dies mit der zur Zeit sehr schwachen Mannschaft nicht leicht ist, haben die letzten Spiele gelehrt. Krankheit. Besetzung und Sperre durchsetzen die Ligaelf der Dereinigten zu sehr mit Ersah, worunter naturgemäß das Zusammenspiel und die Durchschlagskraft leiden. Auch am kommenden Sonntag werden die 1922er auf dem kleinen Dillenburger Platz vor eine schwere Aufgabe gestellt, bei der es fraglich ist, ob sie diese zur Zufriedenheit ihres Dereins lösen. Auch diesmal werden die Gießener ersatzgeschwächt einem eifrigen, energisch spielenden Gegner gc- genüberfteben. Das Dorspiel sah 1922 mit 2:1 siegreich, leicht kann aber diesmal da- Resultat umgekehrt lauten.
Mit der ersten Els fährt die Ligareservemannschaft 1902’6 nach Frohnhausen an der Dill, um dort das seinerzeit ausgefallene Meisterschaftsspiel zu wiederholen. Im Dorspiel in Gießen siegte der Platzvercin überraschend hoch. Auf dem gefährlichen Frohnhäufer Sportplatz werden die Blauweißen froh fein, einen knappen Sieg zu landen.
19008 dritte Elf empfängt auf eigenem Platz die zweite Mannschaft vom Verein für Dasen- fpiele Lich und dürfte erwartungsgemäß Sieger bleiben, wie im Vorspiel.
Alle Jugendspiele wurden der schlechten Witterung wegen erneut abgesetzt.
V. f. B.
Am kommenden Sonntag trägt die Ligamannschaft ihr drittletztes und damit ihr letztes Verbands- spiel auf eigenem Platz aus. Ähr Gegner ist die Liga des Sportvereins Burg. Das Vorspiel auf dortigem Platze gewann V. f. D. mit 5:1. Die Gäste haben durch ihre beiden Siege gegen Herborn und Dillenburg am vergangenen bzw. vorvergangenen Sonntag nicht allein ihre labellenftellung, sondern auch ihren Ruf bedeutend verbessert, da Herborn, das sich mit 2:6 geschlagen bekennen mußte, doch zu den stärkeren Vereinen des Gaues zu zählen ist und auch ein 3:2-Sieg auf dem gefürchteten Dillenburger Platz hoch gewertet werden muß. Burg hat sich damit vor Frohnhausen an die fünfte Stelle geschoben. Burg darf mit seinem bisherigen Abschnei, den zufrieden sein, das für einen Liga-Neuling als sehr gut bezeichnet werden kann. Was der Gäste- Elf an Spielreife noch fehlt, versteht sie dank der guten körperlichen Verfassung ihrer sämtlichen Spieler durch Härte und Ausdauer zu ersetzen. Sie wird wohl, ermutigt durch den unerwarteten Erfolg der Niedergirmeser gegen V. f. B., mit aller Energie versuchen, es diesen gleichzutun. Unter normalen Voraussetzungen sollte sie jedoch hierzu wenig Aussicht haben, da doch wohl anzunehmen ist, daß es der V. f. B.'Elf auf eignem Platz gelingt, ihre alte Form zurückzugewinnen und di? Scharte vom Dor- fonntag auszuwetzen. Ob sie in der bisherigen oder in veränderter Aufstellung antreten wird, steht noch nicht fest. In beiden Fällen sollt« sie in der Lage die Sprihleder, und dampfender Brodern stieg von den Pferdelcibern auf. verwandelte sich in winzige, stlberblitzende Sternchen.---
Mein Freund lachte:
„Nulla vita extra Hungaria! So fährt man bei uns daheim net, gelt 7*
Ich konnte nur nicken, war wie betäubt In der Ferne taud)te eine dunkle Wand auf, — Wolken? nein, Wald, niedrige Hügelletten, dahinter massige Gipfel. — — —
„Sind das die Karpathen?"
„Aberfreilich," GräfinSophtzlachte, einsilber- helles, klingendes Lachen: „Warten Sie nur, in einer Stunde kommen wir nach Kis-Srdö, da lernen Cie gleich unseren Winterwald kennen." — — —
Der fauchende Ostwind machte jede Unterhaltung unmöglich, riß einem das Wort tom Munde. Und noch immer jagte das Diergefpann querfeldein, ohne Weg, ohne Steg, über Felder, Steppe, malchinenmäßtg gingen die Rücken der Pferde bei jedem Galoppf-rung auf und nieder. Verstohlen musterte ich das junge Mädchen, aber da war nicht viel zu sehen, nur eine Flut goldblonden Haares, das unter dem Mützchen au8 Taucherpelz hervorquoll. nachtschwarze Augen und ein kleiner, kirschroter Mund, hinter dessen kurzer Obcr.ippe schlohweiße Zähnchen blitzten.
Sie Sonne fent Blutroter Widerschein ließ den Schnee purpurn ausglühen, ging über in ein mattes, violettes Dämmern, durch da- goldene Lichter flirrten. In flacher Kurve bog der Schlitten nach links ab, gerade auf ein Dorf zu, desfen niedrige, strohgedeckte Hütten sich wie eine ängstliche Herde um das Herrenhaus drängten.
Gräfin Sophtz wies mit der Hand nach vom: „Kis-Erdö, früher gehörte es meinem Dater, dann hat Onkel Franz das Gut gekauft." Wie ausgestorben lag die Ansiedlung da, ein paar kümmerliche Oaftbäumc, Halbaffen.« Scheunen, daneben ein Tümpel.--Doröei.--Der Wald
begann, die Jucker fielen in eine abgekürzte Gangart, und wie mit einem Schlag« war Stille ringsum, nur droben, in den Kronen der viel- hundertjährigen Steineichen, Harste noch der Wind.
Der Dinzenz holt« feine Zigarrentasche hervor: „Du erlaubst doch, Sopherl? Na also, wie g'fallen dir do Däumerl, ganz nett, gelt?*4
Gleich himmelanragenden Säulen standen tne knorrigen Stämme. RauhrÄf spann fein silbernes Ney von Zweig zu Zweig, und auf den breiten Aesten der Schirmfi^en, die am Wegrand standen, lagen weiße, weiche Schneelasten gleich Watteflöckchen. Aus dem Unterholz leuchtet« «8 brandrot auf. da faßen, dicht aufgeplustert, schwarzköpfige Dompfaffen in beschaulicher Ruh«. Sannenmcifcn nestelten an den braunroten Zapfen, Goldhähnchen und Seidenschwänze.
sein, t^n Gegner schlagen Xtt können. Man darf gespannt sein, inwieweit es Der Platzmannschaft gelingt, sich zu rehabilitieren und ihr Gesamtoerhäll- nis (62:13) weiter zu erhöhen.
Die Ligareserve hat die gleiche Burgs im fälligen Punktspiel zu.n Gegner und sollte erwartungsgemäß einen glatten Sieg landen können.
Die „Dritte” hat sich Garbenteichs erste Mann- schäft zu einem Gesellschaftsspiel nach hier einge» laden.
Aller Voraussicht nach werden die Jugend- und Schülerspiele des Wetters wegen vom Gau verschoben werden.
Arbeiter-Tunr- und Sporibund.
Am nächsten Sonntag kommen die Delegierten der Fußballvereine und Abteilungen des Ul. Bezirkes in Gießen zum diesjährigen ordentlichen DezirkS-Fußballtag zusammen. Nach Entgegennahme der Berichte über das abgelaufene Geschäftsjahr wird ein Dortrag des Tech- nischen Kreisfeiters über Fragen der Spielkultur die Tagung beschäftigen. Unter Anträgen werden die Wünsche der einzelnen Abteilungen und Dereine behandelt werden. Nach den Wahlen werden unter Punkt „Verschiedenes" die dies^ jährigen Deranstaltungen, insbesondere das 2. Dundessest in Nürnberg, eine eingehende De- sprechung erfahren.
In Wieseck treffen sich im Lokal des Freien Turn- und Sportvereins die Dorturner und Hebungsleiter zur B e z i r k s t u r n st u n d e. Hier werden nach Musik die Massenübungen zum diesjährigen Bezirks- und zum 2. Dundcs- fest durchgenommen. Das diesjährige Bezirks- fest findet am 29. und 30. Juni in Heuchelheim statt. Anschließend werden die Geräteübungen zum Bundesfest (zwei Klassen „Heber 18 Jahre" und „16 bis 18 Jahre alt“) und zum Tezirksfcst in vier Klassen belanntgegeben und durchgeturnt.
Am Nachmittag werden die Uebungslciter für das Frauenturnen in demselben Lokale ihre Hebungen für beide Deranstaltungen ebenfalls praktisch durchnehmen.
Nachdem der Termin für die Aufstlegspiele zur Kreisklasse endgültig auf den 24. Februar festgesetzt ist, hat sich die erste Mannschaft W i e - seck 8 für ihren letzten spielfreien Tag am kommenden Sonntag Gr. -Linden zum Freünd- schastsspiel verpflichtet. Wieseck wird wohl in diesem Spiel Sieger bleiben, jedoch muß die Mannschast ein fetteres Gefüge erhalten, wenn sie am folgenden Sonntag in ihrem ersten Auf- stiegspiele auf eigenem Platze gegen den Vertreter de- vierten Bezirkes keine empfindliche Niederlage erleiden will.
Rademacher erhält die Reichsplakette.
Der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen hat jetzt dem Magdeburger „Hellas" die Plakette der Reichsregierung zur Weitergabe an Erich Rademacher für feinen Amsterdamer Erfolg übersandt. Als seinerzeit Reichspräsident von Hindenburg die Olympiasieger emp'ing und erfolgreiche Kämpfer mit der Shrenplakette auszeichnete, war Erich Rademacher schon auf dem Wege nach Japan, so daß er damals nicht die ihm zugedachte Auszeichnung empfangen konnte.
Trainingsunfall Engelhardts.
Beim Dortraining in der Deutschen Hochschule für Leibesübungen erlitt der bekannte Leichtathlet Engelhardt (prüfet Darmstadt) einen schweren HnfalL Er wurde von seinem Partner k.o. geschlagen und fiel so unglücklich auf den Hinterkopf, daß er sofort ins Krankenhaus geschafft werden mußte, wo ein schwerer Schädelbruch festgestellt wurde.
„Dor verzauberte Wald!" sagte bas junge Mädchen träumerisch: „Danach werde ich mich oft sehnens"
Mir war nicht nach einer Hnterhattung zumute: die lange Cisenbaynfahrt hatte mich doch ziemlich ermüdet, dazu all die neue Eindrücke, und auch mein Freund schwieg. In dem ungewiisen Zwielicht konnte ich seine Züge kaum erkennen, nun trabten auch die Pferde wieder an: „Hej — Hejl"
Der Bestand lichtete sich, Kulturen und Dickungen wechselten mit Schlagflächen, raumem Stangenholz und Dauerwald, in dem vielleicht noch niemals eine Axt geEfun -en hatte. Irgendwo knackte es. die Stangenpferde p eilten zur Seite, und im nächsten Augenblick flüchtete eine Rotte Schwarzwild über den Weg. Das machte mich munter!
„Donnerwetter! Der letzte schien ein grober Keiler zu fein!“
Gräfin Sophy sah mich lächelnd von bet Seite an.
»Sind Sie auch so passioniert wie Dinzenz?"
„Wir werden uns nicht viel nehmen, nur, er schießt eine bessere Kugel--"
„Hnd du hast den größeren Anlauf, Alterle. aber d’ Sopherl steckt uns alle beide in die Tasche, Ich sag' dir. der Sechzehnender is a Hirsch, wie er selbst in den Karpathen nur alle 3ubel- jahp amal vorkommt, da wirst d’ schau'n!"
„Dafür hast du aber zwei Zwölfer_ und eine Braut obendrein," frozzelte ich: „möchtest du lieber tauschen?"
„Ret um de Welt, und du, Alterle, d’ Sopherl hat mir’S erst später verzählt, zwei guate Hirsch’ hat s' laufen lassen, damit i meine Wett’ g Winnen sollt!"
„Willst du gleich stil. fein7* Das junge Mäd- eßen griff nach dem Ohrwaschel meines Freundes: „Du großer, lieber Bär du, freu’ dich, wenn wir erst in Terofal sind, dann gewöhn’ ich dir das Dummelleben ab. — er hat's wohl mitunter arg getrieben, Baron?"
„Nicht, daß ich wüßte, Gräfin, mein guter Einfluß wirkte entschieden wohltuend und fänf- tigend..."
„3a. so schauen S' auS... Sie Junggefell', aber ich werd' dem Dinzenz schon noch hinter seine Schliche kommen!"
Das Eis war gebrochen und die Reckereien flogen herüber und hinüber:
„Alterle, unser Hochzeitsreis' machen wir nach Indien, im Frühjahr (an ma wieder z'ruck, dann kommst d’ zu uns." —
Durch die Stämme blinkte flirrender Lichtschein, irgendwo schlug ein Hund an.
„Keresz-Erdö!"
Ein riesiger Gebäudekomplex wurde sichtbar, ein Schloß mit klobigem, viereckigem Turm, hell-
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
X Klein -Linden, 14. Febr. In der Gastwirtschaft von Fr. Rinn Ijielt dieser Tage dic hiesige Spar- und Darlehnskasse ihre dies- lährige Generalversammlung ab. Nach Eröffnung durch den Vorsitzenden des Aufsichtsrats erstattete der Rechner Bericht über den Geschäftsverkehr und fiab die Jahresrechnung für 1928 bekannt, die eine ehr starke Aufwärtsentwicklung der Raffe darlegte. Der Sparverkehr ift von 95 000 Mk. am 1. Januar 1928 auf 134 000 Mark bis zum 31. Dezember 1928 gestiegen. Im Kleinsparmarkenoer>ehr wurden im Jahre 10 000 Mark erreicht. An Krediten wurden 121000 Mark gewährt, davon 55 000 Mark im Wechselkredit. Der Gesamtumsatz stieg von 750000 Mark im Jahre 1927 auf 1 330 000.Mark im Jahre 1928. An Reingewinn wurde die Summe von 2379 Mark nach-gewiesen, die zum Teil dem Reservefonds und der Betriebsrücklage zugeschrieden wurde. Das Eintrittsgeld für neu beitretenbe Mitglieder wurde von 3 auf 5 Mark, d.e Höhe der Spareinlagen auf 300 000 Mark festgesetzt. Der Geschäftsanteil der Mitglieder wird mit 10 Prozent Dividende verzinst. Die satzungsgemäß aus dem Vorstand undAufsichts- rat ausscheidenden Mitglieder A. Langsdorf, R. Klein und H. Jung wurden einstimmig wiedergewählt. Für den verstorbenen Kassenboten K. Müller wurde D. Deibel gewählt. Nach wertvollen Erläuterungen zu dem Geschäftsbericht durch Direktor Fey wurde dem Vorstand (Entlüftung erteilt und der Dank für die umsichtige Lei- tung der Geschäfte ausgesprochen.
X W i e i e ck, 14. Feor. Leheer i. R. Friedrich Müller. Kirchenvorsteher und Organist, kann am 18. b. QU , zugleich am 72. Geburtstag seiner Gattin mit dieser. K tharina g?b. Zulauf, auf 50 Jahre eines glücklichen, reich gesegneten Eh> stands zurückblicken. Infolge einer gut verlaufenen Operation der Jubilarin, der sie sich in letzter Woche im Evangelischen Schwesternhaus zu Gießen unterziehen mußte, wird dar Ehrentag unserer beiden in hohem A sehen stehendm Mitbürger still verlaufen: an treuem Gedenlen wird es ihnen aber nicht fehlen.
Z Ql ö ö g e n, 14. Febr. Trotzdem hier die Dögcl fleißig gefüttert werden, findet man öfter tote Buchfinken. Sie fallen der Kälte zum Opfer. Tote Hasen hat man auch schon gesunden: ihnen ist es nicht möglich, etwas Grünes unter der harten Schneedecke hervorzuscharren. An der Straße nach Großen-Buseck ist ein Apfelbaum umgedrückt, so daß feine Qlcfte aus dem Boden aufliegen. Soweit die Hasen die Rinde erreichen können, haben sie sie pollständig ab- genagt. — Die Wildgans, von der in Nr. CI ceZ „Gießener Anzeiger" bericht ! tour'.e, ist schon abgeschossen worden. Sie hatt eine Flügel- spanntocite von 1,22 Meter.
s Grünberg, 14. Febr. Mit Defriedi ung kann die hiesige Bezirkssparkasse auf bi abgelaufene Eeschästssa' r 1923 zurückblicken. d:nn es brachte eine erhebliche Dermehrung der Bestände. Ganz besonders ist eine erfreuliche Weierentwickelung der Spareinlagen sestzustellen. Diese erhöhten sich von 943 850 Mk. Ende 1927 auf 1215152 Mk.. mithin um 271 320 Mk. Cs wurden im Laufe des Jadrel eingelegt 532 418 Mk.. denen 321118 Mk. Rückzahlungen gegenüberstehen. Qteae Svarbüch.r gelangten 411 Stück zur Ausgabe. Die Zahl der Spareinlagen Ende 1928 betrug 1915. 3m Giro- und Kontokorrentvettehr beliefen sich die Guthaben der Kunden am Jajresschluß auf 123 873 Mk. Infolge dieser günstigen Entwicklunz konnte die Kasse den Wünsch-en der Darledns- suchenden, in'oaeelt die satzungsmä^i e Sichr es geleistet werden konnte, fast ausnahmslos entsprechen, und es sieben auch tD*teer_ für Ausleihungen genügend Mittel zur Verfügung. Te- sonders konnte das Hyfevthecen'e'chäst gepflegt werden. Die Darlesen ge*en Hypotheken erhöhe
erleuchtete Fensterreihen. An der Freitreppe standen Diener, h'el en rotbeschirmte Windlichter hoch, und nun drohte uns der Daß des Ritter- von Molnar entge en:
„Servus! Servus! Freit mich! Freit mich un- geheier!"
Es dauerte ein Weilchen. bis ich mich, von den verschiedenen Umhüllungen befreit hatte, dann küßte ich der Dame des Hauses die Hand, tour£< den zweiten, sorgfältig in Wat.'e und Seiden- Papier eingewickelten Rosenstrauß los und W mich in der riesigen Halle um.
Aber der Dinzenz ließ mir keine Zeit:
„Komm’. Alterle. ganz durchfroren bist, na da laßt sich Aohilf’ sHaf>en, i führ' di erst amal auf dei Zimmer...
Eigentlich war es ein Saal, zu ebener Erd< gele en, mit verschwenderischer Pracht cingeri^et: Perserietepiche, zwei Kamine, ein fast bis zul Decke reichendes Holz'gancel. Mit feinen dirze» dicken Deinch-en stapfte der Ritter von MolnS hinter uns drein: .
„Wollen S’ eine Wärmflasch’ ins Bett, Darvni Nicht? Ader wenigstens ein GlaSl — — — wu'?pdich. war er zur Tür draußen, kam gfctf darauf mit einem Ta'llett und einem W:inglcll zurück: „Trinken S nur, das bringt das Süd wieder durcheinander!"
Ahnungslos kippte ich den Inhalt hinunter „Donnerwetter — das — das . war doü Kognal!"
„Benediktiner is sehr a gut's Schnapserl, w.v Ihnen schon warm machen, bitt’ schön."
„Sixt, Alterle, hierzuland is dös not anders.' mein Freund grinste: ..Mles großzügig: QKeiv scheu, Hir?chg.w:ihe. selbst die Kognalgli s.ri"
Meine beiden Koffer wurden georacht, or Kiste:
„In ancr halben Stund' nachtmahlen wir. ’ hol di ab. Wenns d’ an Wunsch hast, de Klingt is neben der Tür!" Och hatte aber nur cir.n Wunsch: mir erste einmal gründlich den Qtetc' staub abzuspülen, und das besorgte ich dew- auch so gründlich, daß mich der Dinze^i zwanzig Miauten tratet noch in einem durchao^ nicht gefellscha't -fähigem An'.ug antraf.
„No, wie g’sallt tut die So')herl?"
Natürlich, diese Frage hatte ich erwartet:
„Glückspilz! Hnd noch einmal, meinen aßet* allerherzlichsten Glückwunsch!"
Er schüttelte meine Hände, daß die Gelen» knackten: -
„Weißt d'. wann i denk', daß übermorgen w® Hochzeitätag is', also mit iS das alles noch V» a Traum — “ ..
Mit Derliebten ist nicht zu reden, ich ließ schwärmen und zwängte mich in den Smoling:
„Sind schon Gäste da?"
(Fortsetzung folgt)


