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14.9.1929
 
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Nr. 216 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Samstag, 14. September 1929

Genfer Völkerbundsgespräche.

Außenpolitische Umschau.

Von Or. Otto Hoehfch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. "K

Noch den Haager Kämpfen um höchst konkrete Fragen plätschern die Auseinandersetzungen in Gens in zunächst jedenfalls sehr akademischen Erörterun­gen dahin. Ost sind es lediglich Gedanken- und Stilübungen, mit denen höchstgeschulte Redner die Bälle einander zuwerfen. Aber cs ist immer das­selbe, was uns doch zwingt, diese Gespräche ge­nau zu verfolgen: daß in und hinter ihnen große und größte Machtbeziehungen undMachl- gegensätze miteinander ringen. Wie klar wurde das ohne weiteres an der Rede Macdonalds und der Gegenrede Briands! Tatsächlich machte der Völkerbund einen Schritt vorwärts, da Groß­britannien und Frankreich nunmehr bisher war ja Deutschland die einzige Großmacht, die das (1927) getan hatte die Annahme der sog. Fakul- 1 a t i v k l a u s e l erklärten, dazu noch einige andere Staaten. Briand ging noch einen Schritt weiter als England, indem er auch die Ratifikation der sog. G^e neralakte für die obligatori­sche Schiedsgerichtsbarkeit von 1928 bei seiner Kammer beantragen will. So drängt der Weg vom Haager Statut von 1920 bis heute ist unverkennbar der Gedanke des sog. Obligato­riums in der Schiedsgerichtsbarkeit immer mehr vorwärts. Und der amerikanische Staatssekretär Stimson erklärte am 6. September, was auch in diesen Zusammenhang gehört, daß die Vereinig­ten Staaten nunmehr, nach Erledigung der bekannten Senatsvorbehalte, dem Internationalen Gerichtshof endgültig b e i t r e t e n würden.

Man nahm nun an, daß die neue englische Re­gierung das Genfer Protokoll von 1924, das derselbe Macdonald damals angenommen hatte und über das er zum Teil dann auch stürzte, wieder aufnehmen würde. Macdonald hat das in seiner Genfer Rede jetzt nicht getan, und Henderson ist danach in der gleichen neuen Spur gegangen. In welcher? Die Arbeiterregierung Englands läßt sich diesmal nicht auf die französische Sanktions- und Sanktionskriegsforderung ein. Sie lehnt dies ab (was die vorige Regierung durch Chamberlain auch tat), bekennt sich aber zum Gedanken obligatorischer Schiedsgerichtsbarkeit (was die Vorgängerin nicht tat) und verlangt (ein neuer Gedanke, den die Vor­gängerin auch nicht hatte), daß der Völkerbund und jein Statut dem Kelloggpakta n g e p a ß t" werden müsse, derfür die weitere Entwicklung der Beziehungen unter den Völkern von grundlegender Bedeutung sei und dem der Völkerbund solide Fun­damente verleihen müsse". Das heißt: der Kellogg- pakt erklärt den unbedingten Verzicht aus den Angriffskrieg als Mittel der nationa­len Politik. Die Labour-Regierung verlangt nun, daß die Völkerbundsaktc das auch tue, indem sie ihre Artikel 12 und 15 so umgestaltet, daß auch darin auf den Krieg grundsätzlich verzichtet werde. Bekanntlich läßt Artikel 15 die Tür zum Krieg noch offen für den Fall, daß eine Vermitt­lung des Rates in einem Konfliktsfall gescheitert ist. Die heutige englische Regierung sagt, daß das in offenkundigem Gegensatz zu den im Kelloggpakt von allen Unterzeichnern übernommenen Verpflichtungen stehe und daß das Völkerbundsstatut dementspre­chend geändert werden solle. Es wäre die erste Aen- derung dieses Statuts, die in Angriff genommen würde.

Briand, der sich gern als geistigen Vater des Kelloggpakts bezeichnen läßt in Frankreich wird dieser ja auchpacte de Paris" genannt konnte sich dieser Forderung nicht widersetzen. In seiner so entstandenen heiklen Lage setzte er aber dem eng­lischen Programm die alte Forderung und Leier entgegen: erst die S i ch c r h c i t als Vorbedingung der (von Macdonald und Henderson auch verlang­ten) Abrüstung und diese Sicherheit durch Sank- tionsmöglichkciten für den Völkerbund, der, um einen Krieg zu verhindern, seinerseits das Recht und

Berliner Premieren.

Berlin, Mitte September.

Im Theater am Rollendorfplah, dem Reich Erwin Piscators, tobt allabend­lich die Orgie der Maschinen in unbeschreiblichem Tanz. Stahlgalcricn heben und senken sich, Ver- scnkungen tauchen auf, die Drehbühne rotiert, Segmente kreisen, ein Hexentanzplah der Technik. In diesem Ehaos wirbelt ein zweites: Meh­ringsKaufmann von Berlin", ein historisches Schauspiel aus der deutschen In­flation". Mehring will nichtdas" Drama der Inflation geben, er zeigt nur an einigen wenigen Gestalten, vor einem Hintergrund von hundert Personen, wie in dieser Zeit die Lebensläufe sich aufblähten, cmporstiegen, als der Dollar stieg, und wieder abstürzten. Ein begabtes Theaterstück mit einigen wirklich erschütternden Episoden und vielen klischeehaften Figuren. Pis- cator erweitert es, er läßt die Filme laufen, die Spruchreihen vorüberziehen, er vergleicht, er blickt in die Weltgeschichte, er verallgemeinert die eine Episode zu einem Anklagestück gegen das fluchwürdige System des Kapitalismus (dessen Smokings wieder in seinem Parkett sitzen) und endet wie denn anders? mit einem Be­kenntnis zum Kommunismus. Es ist gewißlich wahr, Piscator ist einer der begabtesten Thea­termänner unter der Sonne, und wie er seine Maschinerie beherrscht, wie er aus den Me­chanismen Einfälle herausholt und in sie hinein­legt, ist manchmal grandios. Qlbcr auch das ist nun schon Manie, und wir kennen seine Weise: einem Bühnenreißer die kommunistische Welt­anschauung anzukleben und die Maschinen tanzen zu lassen. Es ist sehr einförmig, es ist sehr seelenlos. Aber für die Seele hat man in diesem Theater nichts mehr übrig. Die Maschinen rotieren und erwecken die Sehnsucht nach einem natürlichen Menschen.

Die Volksbühne tritt unter Karlheinz Martin in einen neuen Abschnitt, der ehr­geizig und außerordentlich eingelcitet wird. Dantons Tod" von Georg Büchner in den düstergraucn, mit Trikoloren durchwirkten Bühnenbildern von Edward Suhr füllt unter der Regie des neuen Leiters einen ganz außer­ordentlichen Abend in einer bewegten, aufge­peitschten Darstellung, die das Drama wurde vor Jahren von Reinhardt neu entdeckt im wesentlichen sehr original bleibt und an starken Szenen überaus reich ist. Gegen Piscator ge­halten, wirkt diese Art zu inszenieren reichlich

die Autorität haben müsse, selber einen Krieg, eben als Sanktionskrieg, zu führen. Denn: was ge­schieht, wenn trotz aller feierlichen Verzichte auf den Krieg auf allen Seiten ein Staat trotzdem zum Krieg schreitet und die Sicherheit der Nach­barn bedroht? England meint, ein solcher Staat wäre bann so völlig isoliert, daß seine Sache und sein Versuch von vornherein hoffnungslos verloren wäre. Frankreich aber erklärt sich dadurch nicht be­ruhigt und verlangt eben Sicherheit, d. h. Sank­tionen, d. h. Kriegsmöglichkeit trotzdem (und den entsprechenden Beschluß des Völkerbundes dazu).

Damit ist man glücklich wieder im Kreise herum am alten Fleck. Aber richtig ist: wer das verschuldet und jede weitere Entwicklung wie die Abrüstung bzw. Nichtabrüstung auch an diesem im Kreis­herumreden hängt, sieht man ja ohne weiteres hemmt, mit Formeln und Vorbehalten, die jeder­mann nicht nur geläufig, sondern über sind, das ist Frankreich. Und in Genf spricht Briand ge­nau so wie Poincars auch sprechen würde. Das mag für ersteren zu Hause, wo ihm ja auch die Rechte zujubelt, vorteilhaft sein. Sein internationa­les Prestige aber verwirtschaftet er damit mehr und mehr. Und damit hat er auch seine Ausführungen über dieVereinigten Staaten von E u - top a", die zudem höchst unbestimmt und wenig greifbar waren, aller Resonanz und Wirkung be­raubt.

Dagegen versucht die neue englische Regierung den Völkerbund vor neue konkrete Aufgaben zu stellen und ihn vorwärts zu treiben. Macdonald hat darum auch von dem Minderheitenschutz und der Minderheitenfrage gesprochen, hat, obwohl die Sache innerhalb des britischen Weltreichs im ganzen noch nicht völlig geklärt war, die Annahme der Fakul- tatioklausel erklärt, noch mehr: den Vorstoß mit der Abrüstung und dieserAnpassung" des Völkerbun­des an den Kelloggpakt im Sinne der Erklärung gegen den Krieg schlechthin gemacht. Die Gegen­sätzlichkeit zwischen England und Frankreich in alledem ist ja nun gar nicht zu verhüllen. Was im Haag begann, treibt in Gens weiter!

Frankreich, in der Defensive, kämpft natürlich für seinen Standpunkt weiter und findet bei einer gan­zen Reihe der kontinentaleuropäischen Staaten Un­terstützung. Dagegen findet es die n i ch t b e i Ame­rika! Das feine Spiel, das Briand 1927 und 1928 spielen wollte: in Genf die Sanktionspolitik, mit England das Rüstungsabkommen, mit Amerika den (dann nichts mehr kostenden, aber psychologisch wich­tigen) amerikanisch-französischen Kriegsverzichtspakt, dies Spiel ist verloren! Es ging verloren an Kel­logg. Es ging bann verloren an den englischen Wahlen. Und jetzt treibt derselbe Macdonald, der aussichtsvolle Seeabrüstungsverhandlungen mit Nordamerika führt, die Genfer Zentralfragen via Kelloggpakt auch auf die Vereinigten Staaten zu, Frankreich so immer mehr in die Defensive drän- ged und es isolierend. Er aber wir wiederholen es kann die Spannung mit Frankreich, die Locke­rung der Entente mit ihm riskieren, weil diesem der Weg zu den Vereinigten Staaten blockiert ist und ihm auch eine Verbindung mit Italien, die ja auch erst gelingen müßte, in diesem großen weltpoliti­schen Spiel wenig oder gar nichts nützt. Wir haben vorausgesagt, baß bem Kelloggpakt schon logisch eine berartige Wirkung innewohnen müsse, unb diesen Vorhalt von vornherein nicht gering eingeschätzt. Diese Entwicklung ist, von der neuen englischen Regierung aufgenommen, in Gang, und sie ist nicht zum Nachteil Deutschlands!

In dieser Genfer Verhandlung schlug auch die Mandatsfrage herein, mit O st a f r i k a und dem Hilton-Poung-Bericht und Deutschlands sehr notwendiger, bestimmter Stellungnahme dazu, und mit P a l ä ft i n a und seinen inneren Unruhen und blutigen Kämpfen zwischen Juden und 'Arabern seit dem 17. August. In Genf hat Henderson angegeben als Opfer: getötet 109 Juden, 83 Mohammedaner, 4 Christen, unb verwunbet 183 Juben, 102 Moham- mebaner, 10 Christen. Die Unruhen gingen von ber sog.Klagemauer" aus, bereu Orunbfteine zum Teil wohl aus ber Zeit Salomos stammen, sie ist ben

unmodern": trotzdem: sie ist die, in der die Maschine dient unb nicht als Selbstzweck verherr­licht wirb. Eine ausgezeichnete Truppe: R e h- mann als Danton an der Spitze, Walter Franck als Robesspierre, Peter Lor re als St. Just, Erwin Faber als Desmoulins, Lotte Lenja als Lucile, dahinter eine wohldiszipli- nierte Revolutionsmasse.

Bert Brecht unb Weill, die mit der Dreigroschenoper" ein exzellentes Geschäft ge­tätigt haben, und das mit Recht, kopieren sich jetzt selbst, unb zwar sehr platt und seicht. Happy end" (im Theater am Schiff­bauerdamm) nennt sich um das Ganze als Parodie ausgeben zu können eine Maga- zingeschichte: ein Titel aus Verlegenheit, ein Stück mit größter Sorglosigkeit und Saloppheit gefertigt. Der Stoff stammt angeblich von einer gewissen Dorothy Lane, deren Dasein man Wohl bezweifeln muß, denn diese Geschichte gleicht der Dreigroschenoper wie ein Ei dem anderen. Sie spielt jetzt nicht mehr in London, sondern in Amerika, unb für ben Bettlerkönig Pcachum hat Brecht den Verbrecherkreis um Bill gestellt. Im Verfolg dieses Spiels kann man sehen, wie aus Verbrechern Heilsarmeesoldaten wer­den, bekehrt durch die wackere Halleluja-Lilian. Sie und Bill werden natürlich am glücklichen Ende ein Pärchen. Damit jeder etwas erhalte, ist allerlei durcheinander getan, Kriminalroman, Sozialkritit, Satire, etwas alte Operette, etwas Kommunismus alles wie damals unb alles für s gute Geschäft. Die Songs, in deren Musik sich Weill auch nur wiederholt, wirken hier als Einschiebsel, vielleicht wird aber einer von ihnen, der Suravaya-Ionny. ein Schlager. Andere er­setzten die mangelnde Erfindungskraft des Au­tors durch Unflätigkeiten. Ein ganz belangloser Abend, dem nur die Aufführung unter Erich Engel bis ins Kleinste durstgefeilt, mit H o - molk a. Carola Reher. Helene Weigel, Kurt ©ertön einiges Gewicht verlieh. Als sich Brecht zum Schluß mit einem schwächlichen Speech gegen den Kapitalismus wendet, er­hebt sich Zischen unb Pfeifen,

Das neue Dolksstück Georg Kaisers im Berliner Theater heißtZwei Kra­watten" und ist ein anber Ding Kaiser hat sich einmal wirklich volkstümlich gegeben, er sieht die Welt beinahe' so. wie sie einmal von Rai­mund gesehen würbe, nur, baß es keine Geister und Zauberer mehr gibt, dafür aber Dollars und Amerika, wo bas Geld bekanntlich auf ber Straße liegt. Im Märchenton Zauberwelt in einer wirklichen erzählt er diese Ereignisse,

Juden darum heilig, aber auch den Mohammeda­nern im Verfolg einer durch eine Karanstelle ge­heiligten legendarischen Erinnerung. Den Kennern der orientalischen Frage ist solcherStreit um die heiligen Stätten" nichts Neues. Aber in ihm sind neue und große und für England fast unlösbare Gegensätze aufeinandergeprallt. Denn es stoßen da zusammen ber arabische Nationalismus (554 000 Mohammebaner wohnen in Palästina) unb ber jübifdjc Zionismus (160000 Ju­den wohnen bort; Christen zählt man in biesem Lande 78 000), bie cinanber bas von ber Türkei losgelöste Lanb nicht gönnen unb schon prinzipiell genommen nicht gönnen können. Beide roenben sich an eine englische Mandatspolitik, bie in sich denk- bar wiberspruchsooll ist. Sie soll bas Manbat im Völkerbundssinne ausüben. Sie hat ben Juben (Balfour-Deklaration vom 2. November 1917), bie Erfüllung ihrer zionistischen Wünsche versprochen. Sie kann zugleich bie Araber um ber Moham- mebaner in Jnbien willen nicht gegen sich aufbrin­gen. Sie muß Rücksicht auf bie Vereinigten Staa­ten nehmen, beren einflußreiches Jubentum für ben Zionismus in Palästina sehr in bie Wage fällt. Unb sie sieht im Grunbe (unb hanbelt auch banach) in Palästina ein für ben englischen Imperialismus sehr wesentliches Stück vom Erbe ber Türkei, ein Stück bes englischen Kolonialreiches im Sinne von Lorb Curzon. Aus bieten Widersprächen kann We­ber eine klare unb einheitliche Linie noch eine wirk­liche Manbatspolitik herauskommen! Sie ist auch nicht herausgekommen, unb bas Ergebnis finb biefe blutigen Kämpfe zwischen Juden und Arabern, die die ganze widerspruchsvolle Situation des neuen Palästina so grell beleuchten.

Was Macdonald und Henderson in Genf dazu sagten, war auch kein mirklickjes Programm. Die Ruhe kann England selbstverständlich wieder Her­stellen, leichter als es Frankreich in Syrien konnte. Das englische Mandatsgebiet ist kleiner und hat eine bessere Grenze als Syrien: England steht ja auch militärisch in dieser Ecke ganz anders da als Frankreich. Aber Ruhe und Ordnung ist noch kein Reformprogramm, und noch weniger eine reforma­torische Losung dieses schwierigen politischen Pro­blems. Christen, Juden und Mohammedaner hin über die Welt, Völkerbund und Amerika sind daran interessiert. Vor allem aber ein britischer Kolonial­imperialismus, für dessen Ziele hier der Weltkrieg von England geführt wurde, der trotz seiner glän­zenden Erfolge doch gegenüber dem Islam zur Rüste geht, ben bie heutige englische Regierung grundsätzlich ablehnt, aus bem sie aber aus vielen Gründen selber nicht, sicher nicht von heut auf morgen, herauskann. Unb bie innere Unwahrheit,

bie nicht im Manbatsgebanken an sich, wohl aber in seiner Gebunbenheit, Anwenbung unb Durchfüh­rung liegt, macht es ja bem Völkerbund ganz un­möglich, etwas zu einer positiven Reform beizu­tragen.

In ber gleichen Zeit meldet sich ein auch aus ber Kriegsliquibation" ,unb ihren Ungerechtigkeiten, Unsicherheiten unb Unmöglichkeiten entstandenes Problem roieber zu Wort: bas Problem Deutsch- Oesterreich. In ihm haben bie inneren Span­nungen unb Gegensätze auch einen so hohen Grab erreicht, baß ihr Austrag bie Existenz bieses in sich, trotz aller Genfer Hilfen ja unmöglichen Staats­wesens in Frage stellen kann. Was' würbe baraus folgen? Nach unserer Meinung nicht bas, was man gemeinhin dieD o n a u f ö de ra t i o n" nennt. Wenn politische Kreise in ihm Konzeptionen im letz­ten an dergleichen, eventuell noch mit dem Zusatz: habsburgisch" noch denken sollten, so hieße das, meinen mir, einem Phantom nachjagen. Denn wir . sehen nicht, daß irgendwo Bedingungen und Vor­aussetzungen in wesentlicher und realer Art da finb, was je vorhanden war, hat sich recht sehr ver­flüchtigt, unb baß sehr reale G^cnsätzc unb Hemmungen in ber Politik Italiens, wr Tschecho­slowakei unb auch Jugoslawiens bagegen leben- big finb. Mit Italien unb Frankreich, mit ber Tsche- , choslowakei unb Ungarn unb Jugoslawien eine Donauföderation" auf bie Beine zu stellen unb am Leben zu halten, ist eine Quabratur bes Zirkels, unb gegen biefe Faktoren geht es überhaupt nicht. Die Existenz bieses Staatswesens in Frage stellen, würbe unserer Meinung nach bebeuten, was 1922 brohte unb bamals von Seipel in Prag, Verona unb Genf abgewandt wurde: Auseinanderfall unb Verstänbigung ber Anrainer über bie einzelnen Teile. Die ist benfbar unb möglich! Aber ein groß- deutsches Ziel unb ein großbeutscher Gebanke unb 'Ausgang wäre bas wahrhaftig nicht! Die große Bewegung auf V e r f a\ f u n g 5 r e o i f i o n schöpft aus ber heutigen ganzen Verfaffungslage des öster­reichischen Staates ihre elementare unb immer stär­ker werdende Gewalt unb wirb beshalb auf bie Dauer schwerlich aufzuhalten sein. Dabei ist ber Wunsch ber unsere, den die großdeutsche Volkspar­tei Oesterreichs in ihrem entschiedenen Beschluß für die von den Heimwehren und dem Landbund ge­forderte Verfassungsrevision aussprach, baß bei die- ser Reform, wie bie Entschließung sagte,bas un­verrückbare Ziel ber Gedanke bleiben müsse, daß bie Neuorbnung ber Verfassung eine Erleichterung für bie zukünftige staatsrechtliche Anglieberung Oesterreichs an bas Deutsche Reich her­beiführt!

MnnerimDunkel - Totengräber derAbrüstung!

Oie amerikanische Rüstungsindustrie. Sir Basil Zaharoffs Kolonialkriege. 4 Millionen Tonnen Kriegsschifftonnage. Oer französische Kanonenkönig.

Eine fromme Gemeinbe von Herrnhuter Brübern grünbctc vor mehr als einem Säkulum in Amerika bas Stäbtchen Bethlehem, bas nach ber Ab­sicht ber ersten Siebler zu einer Stätte bes Heils werben sollte. Inzwischen ist aus biesem Ort eine Stabt ber Fabriken geworben, mit rauchen- ben Schloten, ftampfenben Maschinen, langen Ar- beiterfolonnen; in ben riesigen Werstütten werben gewaltige Panzerplatten geschmiedet, Granaten ge­dreht, Patronen hergestellt, neue Kanonen erprobt, beim Bethlehem ist ber S i tz bes m ä ch t i g st e n amerikanischen Rüstungsunterneh- mens, bas früher Kriegsmaterial aller Art nach Rußlanb unb Sübamerika verkaufte, aber während des Weltkrieges auch die Heere Englands, Frank­reichs, der Vereinigten Staaten und der vielen klei­nen Alliierten mit Munition und Geschützen ver­sehen hat. Charles M. Schwab, ber amerikanische Kanonenkönig, ber in Bethlehem refibiert, ist ein friedlicher Mensch, bei allen seinen Schwächen gut­mütig, musikliebend, ein Kunstkenner unb ein guter

Gesellschafter. In seinem Schloß in Neuyork gibt es eine Orgel, bie ben Eintretenden mit vollen Klän­gen begrüßt. Bei bem Stahlmagnaten verkehren Sängerinnen, Komponisten unb Pianisten, beim bas Getöse ber Stahlwerke hat ihn gegen bie zarteren Klänge ber Musik nicht unempfindlich gemacht. Aber bei Charles M. Schwab war manchmal auch ein Herr Shear er zu Gast, der jetzt einen Prozeß um 250 000 Dollars gegen die drei größten ameri­kanischen Kriegsschiffwerften führt, deren mächtigste dem Stahlmagnaten gehört. Präsident Hoover hat soeben in einer aufsehenerregenden Rede dar­auf hingewiesen, daß dieser Propagandist im Auf­trag der Werften und besonders der Bethle­hemer Stahlgesellschaft unter amerikanischen Poli­tikern und in Genf gegen die Abrüstung (Stimmung 3 u machen versucht hat. Eine Ver­minderung ber Kriegsflotten würde bas Geschäft der Rüstungsinbustrie empfinblich schäbigen: es war un­vorsichtig von ben Werftleitungen, dem Genfer Stimmungsmacher bisher nur etwas über 50 000

wie der arme Kellner Jean von einem Hochstap­ler, ber flüchten will, feine weiße Frackkra- toatte unb fein Tombolalos erhält, wie netzt ber Kellner ein Herr wirb unb eine Fahrk über n Ozean gewinnt, wo ihm bas große Glück ganz nahe kommt: er wirb beinahe schon Miß Mabel ehelichen unb die Millionengefchäfte machen, ba fällt ihm, so ist bas Dolksstück, so ist bie Seele bas Volkes, ein, baß feine arme verlassene Trübe zu Haufe auf ihn wartet, unb er findet plötzlich, daß bas Glück bes Herzens mehr wert ist als alle Transaktionen ber Welt. Aber damit solche Entsagung auch belohnt werbe hat auch Trübe inzwischen einige Millionen ge­erbt, sie ist natürlich ihrem Jean nachgefahren unb sie treffen sich auf dem Dampfer unb wer­ben sich von nun an nicht mehr verlassen. Das alles ist ganz simpel, schwarz unb weiß, ohne Komplikationen unb höhere Psychologie gemacht: Volksstück. Um biefe Handlung ber Aufwand einer ziemlich großen Revue: Tanz, Artisten, Girls, Songs. Wunderhübsche Musik von Mischa Spoliansky, der seine Originalität schon in ber kleinen RevueEs liegt in ber Luft" be­wies, sehr gute Darstellung (Regie: Forster- Cartinaga) mit Albers als Kellner, Mar­lene Dietrich als Mabel, Margarete K 0 p p k e als arme Trübe unb Rosa Daletti als Mil­lionentante aus Amerika.

Das Staatstheater eröffnet mit Rene Schickeles KriegsstückHans im Schna­ken loch", bas einstmals verboten wurde, weil es, bei Kriegsbeginn entftanben, 1916 wohl noch des Defaitismus verdächtig war. Das Schnaken­loch ist ein Gutshof im Elsaß nahe ber fran­zösischen Grenze, unb man kann wohl annehmen, baß er Schickeies unb ber Elsässer symbolische Heimat bebcutet, in ber sich Deutsches unb Fran­zösisches eng verknüpft unb verwirrt. Da wir heute zu ben Stimmungen bes Krieges boch schon in einer zeitlichen unb gemüthaften Ent­fernung stehen, wirkt bas seelisch stark funbierte unb fein gestaltete Drama Schickeies boch wohl nicht mehr in seiner ganzen Ursprünglichkeit: bie Menschen, die an biefer Grenzmark aus­harren ober von toiberftreitenben Gefühlen zer­rissen werben, bie Ehe. bie bei Kriegsausbruch an diesem Konflikt zwischen Deutsch unb Fran­zösisch scheitert, existieren boch unter ganz bc- sonberen Verhältnissen, bie zu wenig Allge­meinheit haben. Aber Schickeies Menschen leben noch alle, unb besonbers wachsen sie in bet Aufführung des Staatstheaters, die Walter G y n t leitet, zu beträchtlicher Höhe. Vor allem gilt bas von Lothar M ü t h e l, bem untreu»

zerrissenen Hans im Schnakenloch, von Anne­marie Holtz, die seine Frau spielt unb bie sich als eine versprechenbe Erscheinung an biefer Bühne ausweist, von Fritz Obe mar, Alexander G r a n a ch unb Paul Bilbt. Ein Abenb ber erfreulichsten Theaterkultur.

Auch bas bem Staatstheater angeschlossene Schillertheatcr beginnt mit einem alten Erfolg. Er heißt:Zweimal zwei, gleich fünf" unb ist das Satyrspiel des verstorbenen Dänen Gustav Wied, das vor dem Kriege einmal einen ausgedehnten Siegeszug über sämtliche deutschen Bühnen unternehmen konnte. Cs erscheint jetzt, soweit man sich erinnert, im wesentlichen in ganz unveränderter Gestalt, höchstens daß ihm der Regisseur Emil A a m e a u an Steile nicht mehr zeitgemäßer, einige aktuellere Spitzen angeseht hat. Aber seine lächelnde Moral zeigt immer noch ihr Gesicht in alter Jugend: daß die graben Wege im Leben nicht immer gangbar finb, baß man bisweilen von allen Grundsätzen abweichen unb zweimal zwei fünf sein lassen muh. Das wird an einer Lustspielhandlung von immer noch erstaunlicher Frische und Reu- heit ohne Schärfe und Herbheit bewiesen: die Personen, jede in ihrer Art typisch ohne klische- hast zu sein, haben noch immer ihr lustiges Leben von einst, und die Mitwirkenden fühlen sich in diesen bühnengerechten Rollen augen­scheinlich sehr behaglich. Zu nennen sind Veit Harlan mit Renate Müller, Aribert Wä­scher mit Margarete Schon, Heinrich Schnitz­ler unb Elsa Wagner. Ein überaus heiterer Abenb, ber mit herzlichstem Beifall belohnt würbe. G. B.

Hochschulnachrichten.

In der katholisch-theologischen Fakultät der üninerfität Breslau ist der außerordentliche Professor Dr. theol. Berthold Altaner zum ordentlichen Professor der Kirchengeschichte als Rachfolger von Professor F. Dolger ernannt worden. Der Gelehrte ist Mitherausgebern der Breslauer Studien für historische Theologie. Seine Sondergebiete sind Missions- und Ordens­geschichte: Geschichte der Theologie. Der Pri­vatdozent Dr. rer. pol. Albert von Mühlen­fels in Königsberg i. P r. ist beauftragt worden, in ber rechts- unb staatswissenschaftlichen Fakultät der dortigen Universität im Winter­semester 1929/30 bie Vertretung ber durch ben Weggang bes Professors H. Teschemacher frei­geworbenen Professur für Staatswissenschaften zu übernehmen.