Ausgabe 
14.6.1929
 
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Nr. 137 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Freitag, 11. Juni 1929

Beneschs ceterum censeo.

Don unserem K-Korrespondenten.

Prag, 3uni 1929.

Dach langem Stillschweigen hat Außenminister Dr. D e n e s ch den zuständigen Ausschüssen des Abgeordnetenhauses und des Senats wieder eine Dorlesung über die außenpolitische Lage gehalten. Er hat sich wieder als das leibhaftige Delphisehe Orakel bewährt und mit vielen Worten teils Dichtigkeiten, teils Mehrdeutigkeiten verkündet. So wird man verschiedener Meinung sein dürfen über die Bedeutung des Umstandes, daß die Kleine Entente statt wie bisher auf drei Protokollen nunmehr auf der ganzen Säule eines einzigen Dertrages ruht. Die Beteuerung, daß die Tschechoslowakei alle Welt liebt, zu D e u t s ch- l a n d in einem Derhältnis absoluter Freund­schaft steht und daß sich die Beziehungen zu Ungarn normal entwickeln, womit offenbar ein Derhältnis relativer Freundschaft gemeint ist, muh man wohl schlucken, auch wenn einem übel wird. Die Erklärung, daß das Depara- tionsabkommen in Paris den Beifall der tschechoslowakischen Regierung findet, darf man wohl glauben, well ja das Gegenteil auch nichts an der Tatsache ändern würde. Hingegen wird man einige Zweifel an Beneschs Behauptung anknüpfen müssen, daß es für ihn unwesentlich sei, ob in London die Konservativen oder Labour regiert. Beneschs Seelenruhe dürfte da­bei mehr auf die äußere Wirkung berechnet gewesen sein.

Das läßt sich unschwer aus dem Umstand schließen, daß er gerade einer Frage den brei­testen Raum gewidmet hat, die mit den Macht­verhältnissen in London ziemlich eng verknüpft ist, nämlich der Frage des Minderheiten- s ch u tz e s , seines Ausbaues und seiner Siche-- rumg durch den Völkerbund und der Reform des Verfahrens in Minderheiten fachen. Dieses Pro­blem, das von Stresemann angeschnitten worden ist und eben von der Ratstagung in Madrid be­handelt wird, ist ja hauptsächlich dank Chamber- laws Schwächlichkeit in Bahnen gelenkt worden, von denen kein Fortschritt auf diesem Gebiet zu erwarten ist. Ein Labour-Minister in Dow­ning Street wird vermutlich einen anderen Standpunkt einnehmen. Wohl um vorzubauen, hat Denesch mit besonderer Eindringlichkeit sein altes Lied vom hinreichenden Minderheitenschutz angestimmt. Es ist durch die Wiederholung nicht besser geworden und insbesondere die Verse, de­nen Denesch eine Spitze gegen Stresemann ge­geben hat, sind offenkundig mißglückt.

Denesch hat wiederum über die These doziert, daß irgendwelche Verhandlungen über den Schuh der Minderheiten in der Tschechoslowakei vor einem internationalen Forum überflüssig seien, weil die Destimmungen des Minderheiten­schuhvertrags durch den faktischen Zustand in der Tschechoslowakei weit überholt seien. Die Minderheiten hätten weit mehr erhalten, als sie wann und wo immer durch den Einfluß des Auslands erreichen könnten. Dafür könne er, so sagte Denesch, den Beweis erbringen. Leider hat er sich auch diesmal wie so oft früher schon, mit dieser Behauptung begnügt und hat den angebotenen Beweis wieder nicht angetreten. Das ist sehr schade, weil durch diese Me'hode der bloßen Behauptungen, die den Beweis schuldig bleiben, jede Auseinandersetzung, die möglicher­weise zu einer Klärung im Inland fuhren könnte, verhindert wird.

Die Sudetendeutschen behaupten das Gegenteil dessen, was Tenesch behauptet. Wenn auch hier der Raum mangelt, um auf dieses komplizierte Gebiet gründlich einzugehen, so darf doch soviel gesagt werden, daß die Su­detendeutschen in der herrschenden Praxis der Tschechoslowakei eine Verlehung dreier Ar­tikel des Minderheitenschuhvertrages erblicken, die sich auf die sprachlichen Rechte der Min­derheiten. auf die Zulassung von Min­derheit sangehörigen zu allen Staatsämtern und auf die Widmungen aus Staatsmitteln für die kultu-

Lichtspielhaus Bahnhofstraße.

Emil Jannings: Ter Weg allen Fleisches.

Es ist eine Freude man darf schon so sagen daß das Lichtspielhaus Bahnhofstraße uns mit dem Jannings-FilmD e r Weg allen Fleisches" wieder einmal ein Stück größter und vollendetster Filmkunst bringt. Das leiderfüllte Schick­sal eines durch eine Leichtsinnsnacht von stolzer Höhe herabgestürzten deutschen Bankkassierers in einer amerikanischen Stadt ist das Thema dieses Films. Emil Iannings sagt über seine Auffassung der Rolle des Bankkassierers August Schilling eines Deutschen von der Germaniabank in Milwaukee, daß er diesen Deutschen nur mit den Eigentümlich­keiten seines Bolkes zeichnen konnte, daß er ihn deutsch spielen mußte, wenn er gut gespielt sein sollte. Was der große Filmkünstler als Leitgedanken für diesen August Schilling aufstellte, ist in schönster Weise zur Tat geworden. Der liebevolle und bis in die kleinsten Dinge sorgsame Familienvater Schil­ling, der von größter Pflichttreue und ernster Be­rufsauffassung erfüllte Bankkassierer, dem ein ge­wisser Zug zur Pedanterie, aber auch große mensch­liche Güte eine sympathische Note geben, der fröh­liche Kegelbruder, der in der Versuchung auf der Reise den Verführungskünsten einer Dime unter­liegende Mensch und der dadurch in schwerstes Un­glück geratene, schließlich zum Besten seiner Familie sich selbst aufopfernde Mann all das wird von Emil Iannings mit so starker und überragender künstlerischer Gestaltungskraft bis in die feinsten und letzten Einzelheiten herausgearbeitet, daß der Be­sucher hingerissen und erschüttert wird von dieser Größe mimischen Könnens. Es ist ein hohes, künst­lerisches Erleben, diesem Schaffen Iannings' zu- fchauen zu können. Seine Mitspieler, die Ian­nings für den in der Regie von Victor Fle­ming glänzend herausgebrachten Film selbst aus- gewählt hat, treten natürlich durch die überragende Kunst des großen Filmstars wesentlich zurück, aber auch sie zeichnen ihre Personen in feiner und liebe­voll gestaltender Weise, so daß sie mit ihren künst­lerischen Leistungen von erheblichem Rang dem gro­ßen Träger des Gesamtwerkes einen würdigen und passenden Rahmen für sein Schaffen geben Durch diese Geschlossenheit künstlerischen Wollens und die technisch sehr saubere und geschmackvolle Arbeit des Regisseurs Fleming hat dieser Jannings-Film eine

teilen Bedürfnisse der Minder­heiten beziehen. Die Sudetendeutschen haben aber nicht nur, wie Benesch, ihre Behauptung aufgestellt, sondern mit einem erdrückenden Tat­sachenmaterial belegt und in einer Deschwerde- schrift, die der seither verstorbene Senator und Staatsrechtslehrer der Prager Deutschen Uni» versität, Ludwig Spiegel, eine anerkannte Autorität, verfaßt hat, dem Völkerbundsrat unter­breitet.

Die Beschwerde ist nie verhandelt wor­den. Mag sein, daß das vorläufig kein Unglück ist, weil man mit Benesch der Meinung sein muh, daß derartige Verhandlungen im Völker­bund von politischen Machtfragen be­einflußt werden, und die Machtverhältnisse waren den Sudetendeutschen bisher gewiß nicht

günstig. Aber es ist längst schon vorgeschlagen worden, das Ganze als Rechtsfrage behandeln zu lassen und dem Internationalen Gerichtshof vorzulegen. Warum in aller Welt sträubt s ich Denesch mit Händen und Füßen gegen eine solche Behandlung der Minderheiten­beschwerden auch in seinem jüngsten Exposee wieder? Wenn er Deweise in Händen hat, wie er behorchtet, warum scheut er das Forum des Gerichts? Sein Gewissen scheint doch nicht so rein zu sein, wie er vorgibt.

Doch schwächlicher ist die Argumentation gegen den zweiten Punkt der Vorschläge Stresemanns, die Reform des Verfahrens in Minder- heitensachen. Da versteigt sich Benesch zu der absurden Behauptung, daß gerade die Juristen sehr gut wissen, wie schwer es mitunter fei,

einen Unterschied zwischen dem Verfahren und der Sache sell>st zu machen. Das ist nun eine Behauptung, deren Unrichtigkeit auf der Hand liegt, und mit einer solchen Ausflucht kann Dr. Benesch vielleicht zu Hause Staat machen, kaum aber, sobald es ernstlich zu einer Behandlung der Anträge Stresemanns vor einem Forum kommen wird, in dem nicht ausschließlich Dovq eingenommenheit regiert.

Beneschs stereotyp gewordene Philippikade ge- gen den Minterheitenschutz wird einer rechtlichen Prüfung des Problems nicht standhalten können, und fein Ceterum censeo wird kaum den Er­folg des llassischen Vorbilds erreichen. Denn der Minderheitenschutz ist nicht Karthago und Denesch ist fein Cato.

Turnen, Sport und Spiel.

Verein Auderspori Gießen 1913

Vom Verein Rudersport Gießen 1913 wird uns berichtet: Das Training beim Verein Ruder­sport nimmt seinen normalen Verlauf. Unter Leitung des Ruderlehrers Wenzel arbeiten jeden Abend außer der vom letzten Jahre her bekannten Achtermannschast ein Iungmannvierer, ein Anfängervierer, zwei Schülervierer, sowie ein Skuller. Lieber die bisherige Arbeit dieser Doote läßt sich folgendes sagen:

Der Achter hat seine vorjährige Form be­deutend verbessert. Die Mannschaft verfügt über gute Körperkräfte und ist vorzüglich aufeinander eingespielt. Die Wasserarbeit ist recht vielver­sprechend, und der Fortgang des Dootes als gut zu bezeichnen. Diese Mannschaft geht in diesem Jahre zum ersten Male am 23. Juni in Kassel an den Start. Außer 2. Achterrennen wurde von der Leitung noch der Leichtgewichtsvierer und ein Iuniorvierer belegt. Lieber den Desuch wei­terer Regatten mit dieser Mannschaft läßt sich zur Zeit noch nichts sagen, da die Leitung erst das Abschneiden dieser Mannschaft in Kassel ab- warten will.

Der Iungmannvierer hat sich ebenfalls gut entwickelt, wird jedoch zur Zeit noch nicht an den Start gehen. Die Mannschaft als solche ist gut entwickelt und verfügt auch über guten Sportsgeist, doch ist die Zusammenarbeit noch nicht ganz befriedigend. Dor allen Dingen muß der Gesamteinsatz noch präziser und härter werden.

Lieber den Anfängerführer, welcher erst kurze Zeit zusammensitzt, läßt sich zur Zeit noch nicht viel sagen. Die Leitung hofft jedoch auch diese Mannschaft noch für die Herbstregatta am 1. September fertig zu machen.

Sehr gut arbeiten auch die Sch Üler des Vereins. Auch diese gehen bei weiterem Fort­schritt noch im Laufe des Sommers an den Start. Der Verein hat von jeher in klarer Er­kenntnis des Wertes und der Dedeutung der Schülerruderei speziell dieser Abteilung besondere Deachtung geschenkt und den Schülern eine beson­ders gute Ausbildung zuteil werden lassen. Die beim Ruderwettbewerb tm letzten Jahre geruder­ten Punkte mögen als Beweis hierfür dienen.

Außer der Ruderei wird von den Mitgliedern auch der Paddelsport fleißig ausgeübt. Die bisher von dieser Abteilung unternommenen ge­meinsamen Wanderfahrten fanden guten Zuspruch und endigten stets in voller Harmonie. Die Abteilung hat in diesem Frühjahr dauernd Zu­wachs bekommen, so daß der Verein gezwungen ist, um Platz für die noch zur Zeit angemeldeten Boote zu schaffen, eine neue Halle zu bauen. Wir hoffen, daß diese Halle in Kürze fertig stehen wird. Alsdann sind wir in der Lage, etwa 60 Paddelbooten Lagerung zu gewähren.

Boxsport.

Gießen gewinnt gegen vuhbach den Slädtewetlkampf 7:5.

Der Boxwettkampf der Boxabteilung des Turn- und Sportvereins Butzbach gegen die

Stellung von besonders hohem Rang erhalten. Die Freunde guter, bester Filmkunst sollten sich diesen Film nicht entgehen lassen. B.

Oer spanische Pachthof."

Ter erste englische Kriegsroman.

Der Woge der deutschen Kriegsliteratur begeg­net der erste englische Kriegsroman, den wir ken­nen, ein nicht nur des Stofflichen wegen sehr bemerkenswertes Buch. Ralph H. M o 11 r a m hat ihn geschrieben, einer von denen, diedrau­ßen" waren und der dazu noch erzählen, auf­bauen und gestalten kann. Der, da ihm die Fülle der G/sichte die Form des herkömmlichenRo­mans" sprengte, sich unbedenklich eine neue schuf. Was unter dem TitelSer Spanische Pachthof" (deutsch im Insel-Verlag, Leipzig 181) vorliegt, ein Band von über siebenhundert gedrängten Seiten, ist eigentlich ein Tryptichon von drei Erzählungen und etlichen Einlagen, zusammengehalten nur durch den Rahmen der ferme espagnole, die, zwanzig Kilometer hinter der französischen Front, noch von Madeleine Vanderlhnden und ihrem alten Vater gehal­ten wird. Die Divisionen, die- Batterien, die Stäbe fluten durch ihn, quartieren sich ein, ziehen wieder ab, neue kommen, die Deutschen stoßen vor, er wird beschossen.

Er steht noch aus den Zeiten des Herzogs Alba da, solide und sauber. Aber in diesem Kriege muh auch er an die Vergänglichkeit glau­ben lernen, sein Gelände wird zerstampft, eine Granate durchfährt sein Türmchen und sein altes Schindeldach, auf dem Goldlack wächst, wird zer­schossen. Doch seine Herrin ist Madeleine Van- derlynden, Geschöpf einer unbeugsamen Bauern­rasse, mit nimmer müdem Instinkt für Entschä­digungen und Geschäft der Krieg ist nun vorüber, die Truppen sind abgezogen, aber immer noch steht Madeleine vor der Tür des Spanischen Pachthofes, kreuzt finster die Arme, und wartet auf dieReparationen". Da ist die ferme espagnole mit ihren Bewohnern und Schicksalen schon Sinnbild geworden.

Sie wird es ganz langsam und allmählich, kraft einer breiten, fülligen, wahrhaft epischen Darstellungskunst. Remarque und Renn wol­len in ihren Büchern Aufzeichnungen unbekann-

Boxabteilung des Männerturnvereins Gießen wurde in der Turnhalle der Gießener Oberrealschule vor einem zahlreichen Publikum aus­getragen. Im ersten Kampf zwischen Theiß, Butz­bach (100 Pfund), und Seipp, Gießen, (97 Pfund), gab Seipp in der zweiten Runde auf, wodurch der Butzbacher den Sieg davontrug. Im zweiten Kampf zwischen Grießfeller, Butzbach (119 Pfund), und Klotz (Gießen (121 Pfund), kam ein Unent­schieden heraus. Im Treffen zwischen Freitag, Butzbach (128 Pfünd), und Wagenpfeil, Gießen (128 Pfund), wurde letzterer durch k. o. über den Butzbacher Sieger, Zeit 1,44. Der Kampf zwischen Beyer, Gießen, und Hardt, Gießen, endete mit dem Punktsiege Hardts. Im Kampfe Becker, Butz­bach (132 Pfund), gegen Karl, Gießen (128 Pfund), wurde Karl. Sieger durch k. o. über Becker, Zeit

1,10. Den Kampf zwischen Schmidt, Butzbach (137 Pfund), und Geißler, Gießen (136 Pfund), gewann letzterer sicher nach Punkten. In dem Treffen Schwarz, Butzbach (140 Pfund), gegen Som­me r l a b , Gießen (134 Pfund) gab letzterer nach 20 Minuten auf.

Handball Steinbach-Severn 1:3 (0:1).

Am vorigen Sonntag trafen sich die beiden Mannschaften zu einem Gesellschaftsspiel in Steinbach. Sofort nach Beginn bemerkte man eine Feldüberlegenheit der Gäste, die jedoch erst kurz vor Halbzeit zu einem Erfolg kamen. Rach der Pause konnten die Gäste noch 2 weitere Tore erzielen, denen die Einheimischen durch einen Dreizehnmeter eins entgegensetzen konnten.

Oer Sport am nächsten Sonntag.

Feldbergfest.

= Das 76. Feldbergfest findet kommenden Sonntag auf dem Gipfel des höchsten Taunusberaes statt. Die Wettkämpfe, ein Vierkampf für Männer, Jugendliche, Aeltere und Turnerinnen, find r e i ch s o f f e n. Großem Interesse begegnen die Mannschaftskämpfe um das Hölsungenhorn, den Jahn-Schild und den Brunhilde-Schild. Erstmalig wird zur Erinnerung an den langjährigen früheren Kreisvertreter des Mittelrheinkreises die E m a n u e l» Schmuck-Staffel ausgetragen (5X100-Meter- Pendelstaffel). Auch aus unserem Heimatgau Hessen werden sich nach altem Brauch wieder die besten Volksturner an den Wettkämpfen beteiligen. Viele Vereine unternehmen aus Anlaß des Festes Turnfahrten nach dem Feldbera. Mit Rück­sicht auf das althergebrachte Bergfest finden am Sonntag andere turnerische Veranstaltungen in den Organisationen der DT. nicht statt.

Die deutsche Fußballmeisterschaft.

Weitere Vorrundenspiele.

Die Punktspiele sind schon lange beendet, die Vertreter der verschiedenen Verbände an den Endspielen ermittelt, der Kampf um die Deutsche Fußballmeisterschaft beginnt. Bereits am 9. Juni wurden die ersten Treffen ausgetragen. Von den 16 Teilnehmern waren dabei nur vier eingesetzt. 3n Gleiwih holte sich der Berliner Meister Hertha 'BSC. gegen Preußen Zaborze einen klaren 8:1-Sieg, während in Königsberg über­raschenderweise der VfB. Königsberg sich mit 1:2 von Breslau 08 geschlagen bekennen muhte. Der kommende Sonntag ruft alle Gegner in der Vorrunde auf den Plan. Er wird ein Kampf­tag erster Ordnung werden, an dem es sehr wahrscheinlich auch manche Lieberraschungen geben wird. Die Anordnung der Spiele ist folgende:

in München: Bayern München SC. Dresden;

in Nürnberg: Sp. Dg. Fürth Fortuna Düsseldorf;

in Hamburg: Holstein Kiel 1. FC. Nünv berg;

in Berlin: Tennis-Borussia Titania Stettin;

in Leipzig: Wacker Leipzig Schalke 04;

in Duisburg: Meidericher Sp. D. SV. Hamburg.

Bayern München empfängt auf seinem Platz in München den Dresdner SC. Von einem Weggenossen eines 1. FC. Rürnberg und einer Fürther Spielvereinigung sollte man eigentlich einen knappen, doch verdienten Sieg gegen die Mitteldeutschen verlangen können. Doch ist die Form der Bayern in ihren letzten Spielen nicht so stabil gewesen, als daß man von ihrem Sieg so ganz sicher überzeugt fein kann.

Fortuna Düsseldorf wird in Nürnberg gegen die Lpielvereinigung Fürth wenig zu be­stellen haben. Die Fürther wissen, um welchen Preis es in diesen Kämpfen geht, und werden sich dementsprechend zu verhalten wissen.

Auch der 1. FC. Nürnberg, der die weite Reise nach Hamburg unternehmen muß, wird sich von Holstein Kiel nicht aus dem Rennen werfen lassen. Er wird einen sicheren Sieg mit nach Hause bringen.

Berlin sieht die Begegnung zwischen Tennis- Borussia und Titania Stettin. Selbst der größte Eifer und die unermüdlichste Aufopferung der Stettiner sollte eigentlich eine Niederlage gegen die Tennis-Borussen nicht vereiteln können. Oder wird vielleicht hier die erste LIeberraschung der Vorrunde fällig sein?

In Leipzig startet Wacker Leipzig gegen Schalke 04. Wacker Leipzig besitzt eine Mann­schaft von gutem Durchschnitt, die in Schalke 04 auf einen überlegenen Gegner trifft, der sich seinen Sieg zu sichern wissen wird.

Den Reigen der Vorrunde beschließen in D u i s- burg der deutsche Altmeister S.Hamburg und der Meidericher Spielverein. Hamburgs Können war in letzter Zeit nicht gerade überzeugend ge-

ter Soldaten geben (die höhere, weil tendenz­iöse, aussondernde und straffende Kunst der Erzählung ist bei Renn). Aber der Englän­der verfährt unter dem Zeichen dieses Spani­schen Pachthofs. Tausende sind durch ihn mar­schiert, haben in ihm quartiert von diesen Nieten sucht er sich zwei Engländer heraus (keine Berufssoldaten) und seht sie zu den Be­wohnern der Ferme in Beziehung. So wird die­ser Krieg aus immer anderen Augen betrachtet: von Madeleine aus, von Geo (Diene, von dem Hauptmann Dormer. Ihre Schicksale aber krei­sen immer, ob freundlich, ob feindlich, um Made­leine. So entsteht das Tryptichon dieses Buches, das viele Möglichkeiten bietet.

Wie erzählt Ralph H. Mottram? In einer breiten Sachlichkeit, die bisweilen von einer grimmigen oder ergebenen Ironie getränkt wird. Man hat alles, was er haben will, sofort sinnlich, man hat es in der Nase und an den Händen: den Schmutz der versumpften Gräben, den Kloakendust nach Teer, Karbol und Tabak. Er hat die Gabe, aus Andeutungen Anschauung zu machen. Wie weit diese Gabe bei denen versagt, die nichtdraußen" waren, läßt sich kaum feststellen. , Da die Handlung nicht an einem Menschen hängt, verzweigt sie sich, sie taucht in die Nebenadern des Krieges ein, sie ist bei denhöheren Stäben" ebenso zu Hause wie in den Schlachten an der Somme und bei Arras, sie hat in ihrer Eintönigkeit die große Vielfalt, die Stufung, die Steigerung. Bis­weilen ist sie sorglos hingelegt, sie gefällt sich auch in reinen Episoden, die den Aufbau nicht fortführen, nur um sagen zu können: so war es, das habe ich erlebt.

Den Deutschen fesselt, was Mottram von den Deutschen sagt. Es ist nicht viel. Natürlich, der Feind ist immer anwesend, seine Artillerie wird gerühmt, feine M.G.'s schießen sicher, aber er wird nicht sichtbar, die Leere des Schlachtfelds verschlingt ihn. Einmal auf diesen siebenhundert Seiten, am Schluß der Somme-Schlachtschilde­rung tauchen zwei Feinde auf; sie werden beim Aufräumen" in einem Keller gefunden:Der erste Deutsche hob die Hände hoch; der zweite feuerte sofort sein Gewehr ab und Skenes Be­gleiter fiel. Instinktmäßig drückte ©lene fei­nen Revolver ab, und der Deutsche rollte in ein Granalloch; die linke Hälfte seines Gesichts

war weg, aber das glasige rechte Auge rich­tete sich starr auf ©lene, der er wußte nicht wie lange hinstarrend dort sah und immer laut vor sich hinsagte:Nein, das hättest du wohl nicht tun sollen!", während seine Selbst­beherrschung und seine ©inne ihn allmählich verliehen."

Die Menschen desSpanischen Pachthofs" sind keineHelden", sondern nüchterne Engländer ohne Ueberschwang. Auch der Leutnant ©lene hat die Empfindung:Nach Hause! Aber in feinem Her­zen war ein häßlicher Zweifel, ein Gefühl, daß es nicht wirklich nach Hause ging, daß sein zu Hause" hinter ihm läge, in dem arm­seligen, ungepflegten Kasino- ja noch weiter hinter in einem sauber angelegten Friedhof an der belgischen Grenze, wo die meisten seiner Kameraden lagen. Aber bald siegte ein an­deres Gefühl:Tief im Innern hatte er ein Bedürfnis erfüllt, ein Schicksal gelebt. In wel­chen Abgrund der ©elbstverachtung würde er jetzt versunken sein, wenn er nicht in den Krieg ge­zogen . wäre er, tauglich und im richtigen Alter? Da war es: der Ruf war gekommen, und er war ihm gefolgt; fein Lohn bestand darin: ich war dabei!"

Als dann derSieg" kommt und mit ihm der Ruhm", hat kein Mensch eine Freude daran, zu lange dauerte der Krieg, zu nahe waren sie alle am Untergang.Ich glaube, sagt ein eng­lischer Hauptmann,daß wir in einer Woche auf beiden Seiten einfach die Waffen nieder­gelegt haben würden!" Eine schwere Herbst­stimmung lagert über den abziehenden Eng­ländern, zu viel hat der Krieg gekostet. Sie fühlen sich fremd in diesem Lande, das sie zur Hilfe rief.

Dennoch. Ganz am Ende des Buches er­scheint in der Landschaft des ©panischen Pacht­hofs einer der verrückten Engländer, die noch einmal die Stätte ihres Krieges besuchen wol­len. Seine Spuren sind jetzt verwischt aber er erlebt noch einmal in einem Wachtraum das Gesicht des Krieges. So wie wir es alle noch immer erleben, als eine Erscheinung, die wie ein wüster Spuk versank und doch immer noch gegenwärtig ist, es immer bleiben wird. Dieser Abschluß, das alles wie hinter Schleiern wieder auftaucht, ist die reinste und menschlichste Epi» sode des DucheS. Q.Bu