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Nr. 38 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Donnerstag, Februar 1929

Bahnhofsbeschwerben in Großen-Linden.

Aus Großen-Linden wird un£ geschrie­bene

Doch einmal soll zu den Erwiderungen in den Ausgaben des Gießener Anzeigers vom 9. 1. und 19. 1. 1929 auf den ersten in diesem Matt über die Angelegenheit erschienenen Aufsatz vom 3. 1. 1929 Stellung genommen werden.

Die erste Erwiderung vermißt die nötige Un- Parleilichkcit in dem Aufsatz von Großen-Linden. Um auch mit diesem Artikel nicht wieder den gleichen Vorwurf auszulösen, soll eS daher ver­mieden werden, auf die Eingangszeilen der ersten Erwiderung näher einzugehen. Wollte man auf die Ausführungen über die Industrieanlagen zu beiden Seiten des Dahnhofs (eine Ziegelli auf der Großen-Lindener Seite!), die schmucken Ar­beiterhäuser am Walde und über die Einheits­wirkung von Dorf Leihgestern und Bahnhof Großen-Linden eingehen, fiele es allerdings schwer, fachlich zu bleiben. Wenn auch endlich dort noch ..dem nach Ansicht von Autoritäten schönsten Kirchturm Oberhessens" eine mitaus- schlaggebendc Rolle zugedacht wird, dann könnte man wirilich versucht sein, von einer Kirch- turmspoliük gtaffeftcr Art zu sprechen.

Leider find die Bedenken gegenüber 6er ge­planten Ölenderung folgenschwerer, als daß man die ganze Angelegenheit damit abtun könnte, und die ständig steigende Erregung der Bewohner von Großen-Llnden gibt dem deutlich Ausdruck.

Ohne daß eine Wiederholung des bereit« Ge­tagten beabsichtigt wäre, sollten die Hauptge- fichtspunkte, welche schärfste Ablehnung der bahn- seitig geplanten Aenderung erheischen, nochmals zusammengefaßt werden:

1- Mag auch in dem angegriffenen Artikel die Einwohnerzahl von Leihgestern mit 1603 Seelen etwas zu niedrig gegriffen fein, so schießt doch auch die gegnerische Angabe mit über 1803 weit über die Wirklichkeit hinaus. Wie oft im Le­ben liegt auch hier das Richtige in der Mitte: Leihgestern hatte bei der letzten Volkszählung 1727, und nach einer späteren Angabe der Bür- gctmciftcrei Leihgestern 1750 Einwohner. Eine Aenderung des Gesamtbildes tritt durch diese kleine Berichtigung nicht ein. Die ilnridjtigfeit der mit 6030 Seelen bezifferten Einwohnerzahl von Großen-Linden mit seinen Hinterlandgemein­den Hörnsheim, Hochelheim und Lützellinden nach­zuweifen, wird anheimgestellt.

2. Maßgebend bleibt doch vor allem die Zahl der von der einen und der anderen Seite kom­menden Reisenden. In dieser Hinsicht konnte jedenfalls bei einer amtlich durchgesührten Zäh­lung feftoeftdlt werden, daß mindestens Zwei- dritiel aller Reisenden von Großen-Linden Her­kommen. -Zur Illustration seien noch einige Züge angeführt, bei welchen sich die Gestaltung für Leihgestern noch ungünstiger zeigt: Zug 771 ab Bahnhof 12.56 Uhr von Großen-Linden 10 Pers., Leihgestern 3 Pers.: Zug 773 ab Bhf. 12.14 Uhr Gr.-Linden 95 Pers., Leihgestern 19 Pers: Zug 793 ab Bhf. 15.18 Uhr Gr.-Linden 49 Pers, Leihgestern 7 Pers: Zug 707 ab Bhf. 18.00 Uhr Gr.-Linden -18 Pers., Leihgestern 6 Pers: Zug 797 ab Bhf. 13.26 Uhr Gr.-Linden 21 Pers, Leihgestern 4 Personen. Und dies alles, trotz­dem der Verkehr von den preußischen Gemeinden mictels Omnibusses direkt nach Gießen geleitet wird, eine Tatsache, auf welche die erste Erwide­rung besonderen Wert zu legen scheint. Die Un­terlagen für die Zählung können jederzeit zur Bersügung gestellt werden.

3. Den Fahrkartenverka'is an dem verkehrsrei­chen Großen-Lindener Bahnhof vom Scha'terver- kehr zu einem Fahrkartenautomaten überzuleiten, msseKv: * T.rj ilii ii uiiBiim bihimiii Das große Grauen.

Vornan von H. A. von Byern.

Urheber-Rechtsschutz D-rch Verlag Oskar Meister. Werdau.

7 Fortsetzung. Nachdruck verboten

.Für alles, du lieber, gut et Kerl, na wart' nur, wenn du im ^November zu mir kommst! Den besten Hirsch, den ich im Revier hab', hebe ich dir auf, und alle jungen Damen der Rachbarschaft wer­den eingeladen, vielleicht

Willst dir wohl an Kuppelpelz an mit ver­dienen?"

Könnte schon sein, du kennst doch das Schnadahüpfl:

Und an Bua'm Han i kennt, Ter koa Diandl hat gliabt, In Himmel is er kemma Aber Schlag' hat er kriagtl"

Der Vinzenz von Andrian schmunzelte:

Ccg'n d' Ciab sag' i nix, nur heiraten, fixt, dees is grab wie bet an Roßkauf, d' Muck'n, die merkst d' alltoeil erst nachher, so leicht tapp' i net in h cil'gen CH'stand eini!

Vom Hose herauf tonte der dumpfe Ton einer Autohupe, ein tiefes, langgezogenes Brummen. Mein Freund legte mir die Hände auf die Schultern:

»Alterte, gelt, im Frühjahr, da schiaht d' bei mir an Auerhahn und und i hab' mi so g'freut, jetzt pfüal di, und Weidmannsheil, schreib' amall"

,3a, Tinzenz, bald!"

Ich griff nach dem Geweih, dem Kistchen: Von München aus bekommst du eine Karte." Trumen in der Halle wartete Graf Pemegg, der Poldi Pürtstein, Franz Ioseph Ritter von Molnar. So herzlich war der Abschied, als Hütten wir schon ein paar Scheffel Salz mit­einander gegessen, und dann, ass ich schon in dem leise unter den Stößen des Motors zitternden Kraftwagen saß, rannte Vinzenz noch einmal zurück:

-3essas! 's Frühstückspackl!"

Ein Händedruck:

Weidmannsheil!"Qluf Wiederschau'nl" »Grüah Gott!"

Und nun ein jähes Dorwärtsschießen, eine dichte, aufwirbelnde Staubwolke, hinter der alles wie von rauchgrauen Schleiern verhangen der- sant.--

Ter hochraderige Iagdwagen knarrte langsam mahlend durch den seinen, weißen Triebsand des Waldweges. Run lichtete sich der Bestand und zwischen den Kiefernstämmen hindurch schim­merte daS zarte Lichtgrün der Wintersaaten.

«scheint von vornherein derart grotesk, daß man eigentlich nicht davon reden möchte, würde ein derartiger Plan nicht ernsthaft erwogen. In der zweiten Erwiderung von Leihgestern sind denn auch über diesen Punkt die richtigen Worte ge­funden. Außer den schon früher geschilderten Rachteilen eines solchen Kartenverkaufes (wo kommen die 10-Pfenniastücke alle her, denn be­kanntlich wechselt der Automat nicht), muß man doch fragen: Hat denn noch niemand vor einem Automat gestanden, der außer Betrieb war? Wie oft aber wird dies bei einem stark benutzten Fahrkartenautomaten vorkommen? Der an ver­kehrsreichen Tagen entstehende Wirrwarr er­scheint kaum beschreiblich. Wie aber erst, wenn die bösen Großen-Lindener, welche über die Aen­derung sich außerordentlich ärgern würden, dem durch Einwerfen beschädigter oder verbeulter Geldstücke usw. etwas nachhelfen, um den durch die geplante Aenderung herbeigesührten Miß­stand noch etwas intensiver vor Augen zu füh­ren. Wer will den Schuldigen finden, und wer ihm feine böse Absicht nachweisen? Doch genug davon, sonst könnte es wie eine Anstiftung zur Tat ausfehen.

4. Wenn endlich im Hinterland Leihgestern große Industriegemeinden liegen sollen, deren Personenverkehr über Leihgestern geht, muß man allerdings diesseits die geographische Unkenntnis eingestehen. Davon wußte man seither nichts. Watzenborn-Steinberg liegt unmittelbar am Bahnhof Schisfenberg, Garbenteich hat eine eigene Station. Oder sollte am Ende mit der industrie­reichen Hinterlandgemeinde Funkstadt am Walde mit den schmucken Arbeiterhäusern gemeint fein?

5. All diese Betrachtungen erscheinen aber müßig, wenn man den Zweck der geplanten Aen­

derung im Auge behält: Erhöhung der Verkehrs - sichrrheit. Unumstößllch bleibt die Tatsache, daß die Reisenden nach wie vor den Bahnkörper werden überschreiten müssen. In fast poetischer Sprache heißt es hieraus in der Erwiderung: Zwar überschreiten die Reisenden auch jetzt noch den Bahnkörper, aber nicht mehr an ungeschützter Stelle, sondern da. wo Schranken sich schützend vor den Unvorsichtigen senken. Diesseits war dieser Einwand im ersten Artikel schon vorweg- genouimen: Warum soll sich beim Herannahen des Zuges die Türe im Stationsgebäude nicht ebenso schützend vor dem Unvorsichtigen schlichen, als sich die Schranken schützend vor ihm senken. Uns scheint es sogar einfacher, eine Türe zu schließen, als bei starkem Verkehr, wo sich doch immer einige Reisende zwischen den Schranken befinden, diese zu schließen.

6. Damit glauben wir in Verbindung mit unserem ersten Aussatz in überzeugender Weise dar getan zu haben, daß die überwiegenden Ge­sichtspunkte doch gegen das jetzige Vorhaben der Rcichskahnverwa'tung sprechen. Erscheint eine Aenderung aber notwendig, dann soll man ganze Arbeit leisten und an den Dau einer Unterfüh­rung vor dem Bahnhofsgebäude herantreten, wenn man bedenkt, daß täglich über 2000 Per­sonen den Bahnhof Großen-Linden passieren.

Anmerkung der Redaktion:

Dachdem nunmehr in dieser Sache zwei Zu­schriften von Grcßen-Linden und zwei Mei­nungsäußerungen aus Leihgestern zum Abdruck gekommen sind, schließen wir die Auseinander­setzung in unseren Spalten.

Das hessische Sondergebäiidesteiiergesetz für 1929

Im Hessischen Regierungsblatt Rr. 24 vom 20. Dezember 1928 ist das neue Sondergebäude- steuergeseh für das Rechnungsjahr 1 9 2 9 erschienen. Bei der Beratung des Reichs- gesehentwurfs über eine Gebäudeentschuldungs- steuer (in Hessen: Sondergebäudesteuer) ergab sich, daß Der Entwurf mit dem 1. April 1929 nicht, wie von der Regierung nach den Erklä­rungen der Reich"regierung seither angenommen wurde, Rechtskraft erlange. Es erschien deshalb eine gesetzliche Zwischenregelung wünschenswert. Diese soll in Anlehnung an die Regierungsvor­lage vom 2. Februar 1927 die damals beabsich­tigten Steuererleichterungen bringen. Seither war in Hessen diese Steuer im Derordnungs- toe ge geregelt. Die Regierung hielt eS jedoch für angebracht, für das Rechnungsjahr 1929 den Weg des Gesetzes zu beschreiten.

Steuergegenstand ist d er in Hessen be­logene bebaute Grundbesitz. Die Sonder- gebäudesteuer wird nach dem gemeinen Wert der ihr unterliegenden Gegenstände erhoben, wie er für die Gemeindegrundsteuer für das Rech­nungsjahr 1914 festgesetzt worden ist, oder bei in­zwischen neu entstandenen Gebäuden oder Ge­bäudetellen festgesetzt worden wäre, wenn sie damals bestanden hätten (Friedenswert). Be­trägt die Friedensmiete (§ 3 Abs. 2 des Reichs­gesetzes über den Geldentwertungsausgleich bei bebauten Grundstücken in der Fassung vom l.Iuni 1926) weniger als 5 v. H. des Frie­denswertes, so ist auf Antrag des Steuervsllch- tigen der Friedenswert auf das Zwanzigfache der FriedenSmiete sestzusehen. Bei dieser Festsetzung darf im Falle der Schätzung die FriedenSmiete nicht mit weniger als 3 v. H. des für 1914 rechtskräftig festgestcl ten Steuerwerks angenom­men werden. Bon einer grundsätzlichen Aende­

rung der seitherigen ©teuerbemeffung ?grun6lage glaubte man im Hinblick auf die vom Reiche beabsichtigte systematische Aenderung des Geld­entwertungsausgleichs obsehen zu sollen.

Steuerpflichtig ist, wie seither, der Eigentümer des bebauten Grundbesitzes. Einen breiten Daum in dem neuen Sondergebäude- steuergeseh für das Rechnungsjahr 1929 neh­men die Bestimmungen über Befreiung und Ermäßigung der Steuer ein. Seither waren die Besreiungsvorschriften, die das Reichsgeseh über den Geldentwertungsausgleich vorsieht, in den hessischen Verordnungen nicht vorgesehen, well in Hessen die GeldentwertungLausgleich- fteuer in der Form einer besonderen Steuer vom Grundvermögen eingeführt wurde. Um die Vor­schriften den Reich ^Vorschriften anzupassen, sind jetzt außer den Besreiungsvorschriften, die schon seither in den hessischen Verordnungen erlassen waren, auch die Reichsvorschristen aufgenom- men worden. Diese sind enthalten in den Artikeln 4, 5, 6, 7 des neuen Gesetzes.

Die vom Staat zu erhebende Steuer beträgt, wie seither, 160,65 Pf. für 100 Mk. des Friedenswertes. Für bebauten Grundbesitz mit einem Friedenswert von nicht mehr als 7000 Mk. beträgt der Steuersatz 127,50 Pf. je 100 Mk. Friedenswert. Bei Ermittlung der Wertgrenze sind die gewerblichen Zwecken dienenden Grund­stücksteile nicht zu berücksichtigen, falls der Ge­samtfriedenswert den Betrag von 12 000 Mk. nicht übersteigt. Bei nicht vermieteten Gigen- häufem (Einfamilienhäusern) im Friedenswert von über 7000 Mk., aber nicht mehr als 10 000 Mark ist die Steuer, falls der S'euerpslichtige für den im Rechnungsjahr 1927 endigenden Steuer­abschnitt nicht mehr als 100 Mk. Einkommensteuer zu zahlen hatte und der Steuerwert (rechtskräftig

In endlos langem Zug strichen Krähen ihren Schlafbäumen zu. überall auf den abgeernteten Kartoffelfeldern schwelten Feuer, deren weißer, beißender Rauch träge am Boden hinzog: über der Stoppel rief ein Brachvogel sein langgezoge­nes, Nagendes Ti-i-lütt! Di-i-lült!" und ir­gendwo am Rain lockte ein Rebhahn. Ich ließ den Braunen Schritt gehen. Ganz in der Feme tauchte zwischen den starr und steil stehen­den Schwarzpappeln ein Mensch auf, wie ein krabbelndes Insekt, kam langsam näher, der Landbriefträger.

»Ra, nichts für mich?"

»'n Abend, gnäd'ger Herr, ein Telegramm?' Ich nahm das Formular, riß eS hastig auf: »Keresz-Erdv, 20. Sept., 11.16 Uhr vormittags.

Halali, Halali, Halali! Liege mit Blattschuß auf der Strecke, gestern verlobt! Zwei starke Zwöl­fer habe ich auch noch! Brief folgt Vinzenz."

»'s is doch nich am End gar jemand gestor­ben?" meinte der Beamte, der mich schon als Kind gekannt hatte.

»Ree, Voigt, im Gegenteil, eine sehr erfreu­liche Rachricht!" Ich suchte in der Westentasche: »Den Taler werden Sie schon brauchen können, was T

»3 nu. allemal, nu, ich dank och scheen!"

Der Mann griff schmunzelnd an den Mützen­rand, und ich ließ den Halbblüter antraben. Das nannte man eine Ueberraschung. Vinzenz von Andrian verlobt!... Ro, ja. früher oder später schlug eben für jeden einmal die Stunde, und wer wohl die Braut fein mochte?!

Der Iagdwagen holperte stuckernd über das Pflaster des Hofes, hielt vor der Rampe. Ich rief den Kutscher Hexan, ging ins Haus und trat in mein Arbeitszimmer. Lllles war genau wie sonst, die Lampe brannte schon, auf dem Tisch lag die schwarzlederne Mappe mit der Abendpost. Unsinn frühestens in zwei, drei Tagen konnte ia? auf ausführliche Rachricht rechnen, und dann griff ich rasch nach der Feder, warf ein paar Zellen auf das Papier: »Weidmannsheil! Freue mich riesig! Hoffe auf baldige und ausführliche Rachricht! Dein Allerle."

Achtundvierzig Stunden später hielt ich den eingeschriebenen Eilbrief in der Hand, lieber Himmel, sechs engbeschriebene Seiten! Das war für meinen Freund eine kolossale Leistung! Doll siel das Licht auf die fast frauenhaft weichen Schriftzüge:

»Keresz-Erdö, Post Köröpülü, 20. Sept. 1902.

Wein ItebeS Allerlei

Allo, nun hals mich doch gehascht, und Du hast recht behalten! Du, ich sag' Dir, so ein Mädel findest nicht zum zweitenmÄ! Sophy heißt sie, Sophy, Gräfin d'Harancourt, ist aber keine Welsche, eine Dollblutungarin, die Dichte vom

Franz Ioseph von Molnar, Dollwaise, lebt bei ihm im HauS. Rein närrisch bin ich vor Glück, g'rad juchezen könnte ich, weißt, ich leg Dir ihr Bild bei - gefällt es Dir?!" Rasch griff ich nach der in einer Umhüllung von Seidenpapier steckenden Kabinettphotngraphie Donnerwetter, das war ja eine Schönheit! Blondes, reiches Haar, anscheinend ganz dunkle Augen mit zart gezeichneten Brauen, eine kleine, nur wenig gebogene Rase über einem träu­merisch weichen Mund, zwei Grübchen im Kinn. --»Aber nun will ich Dir erst mal der Reihe tzach berichten: Dom ersten Augenblick an habe ich gewußt: die oder keine! In Köröpülü hat sie uns abgeholt, mit vier Iucker lang, hat selber kutschiert und dabei erzählt von den Hirschen, von der Iagd, ist selbst Iägerin, schießt eine bessere Kugel als ich! Alterle, Allerle, mir war's, als hätte ich ein paar Schoppen über den Durst getrunken, ganz blöd bin ich gewesen, habe immer nur «schaut. Sechs Stunden fährt man bis nach Keresz-Erdö, aber mir war's, als feien es ebensoviele Minuten gewesen. Und bann, am anderen Morgen, wie ich - in den Speisesaal komm', steht da die Komtesse d'Harancourt: »Ich pirsch' nämlich auch, nur in einem anderen Re­vierteil. Onkel hat mir zwei Hirsche freigege­ben ..Eine Stunde später habe ich den Ritter von Molnar gefragt: »Haben S' was dagegen, wenn ich mich um Ihre Richte bewerb'?!'^ Der hat nur gelacht. »Aber, i bitt' schön! Bloß die Sophy is ganz a armes Madel, ihr Vater, mein Schwager, hot mei Rachbargut g'hobt, KiS-Erdö, rechnen könnt er net, no vor anderthalb Iah- ren is dann an Iagdunalück passiert, Sie ver­stehenDa hat mir das arme Ding erst recht leid getan; denn die Gnädige, die Frau von Molnar, weißt, Alterle, da braucht der Franz Iosevh auch nicht zu sagen: Gott straf mich..." Wie wir am Mittag beim- kommen, hat die Komtesse d'Harancourt einen ganz kapitalen Sechzehnender gehabt, einen Prü­gelhirsch, Dlattschuß! Und ich war Schnei­der...

Da lacht mich das Mädel aus und meint: »Wollen wir wetten, daß ich auch meinen zwei­ten Deputathirsch eher schieße als Sie?!" »Ak­zeptiert!" sag' ich, »wann i verlier, krieg'n S' a Hirschhakenkollier, Gräfin, und wann i gewinn' . - 'n »Run?" »Ich behalt' mir meinen Wunsch frei," sage ich rasch,fan S' einverstanden?!" »68 güt!" Zwei Tage später habe ich den ersten Zwölfer auf die Decke gelegt, und am 19. abends den anderen... Wie ich heimkomme, sehe ich, daß Die Sophy gerade in Den Park geht. Also, ich abgeschwenkt und angebirscht: »Guten Abend, Gräfin, der zweite liegt!" »Soo?» meint sie: »Weidmannshell! Ist er gut?" »Ein braver Zwölfer, aber ich hab' meine Wette gewonnen--** .Ach, rich-

festgesetzter Steuerwert für 1914) seines sonstiger» Grundbesitzes zu Beginn des RechnungSjahreM 1929 nicht mehr als 10 000 Mk. betragen hat. auf Antrag des Steuerpflichtigen soweit herab- zusehen, daß sie einem Steuersätze von 1275 Pf. für 103 Ml. des FriedcnswerteS entspricht. Die Gemeinden und Gemeindeverbände sind berechtigt, mit Genehmigung des Ministers des Innern von dem in der Gemarkung der Gemeinde gelegenen bebaut e.n Grundbesitz für das Rechnungsjahr 1929 eine Sondergebäudesteuer nach Maßgabe dieses Gesetzes für ihre Rechnung zu erheben. Die Steuersätze für Gemeinden und Gemeindever­bände dürfen zusammen den Sah von 77 Pf. je 100 Mk. Friedenswert nicht übersteigen. 3m Falle des Art. 10 Abs. 1 Satz 2 dürfen die Steuersätze für die Gemeinden und Gemeinde- Verbände zusammen den Betrag von 70 Ps. nicht übersteigen, d. h. für bebaute Grundstücke mit einem Friedenswert von nicht me$r als 7000 Mk. Eine Gemeinde darf die Steuerwerte des Grund- und Gebäudebesitzes mit höheren AuSschlags- fähen als 15 Pf. je 103 Mk. Steuerwert der Ge­bäude und Bauplätze und 30 Pf. je 100 Mark Steuerwert des land- und forstwirtschaftlich ge­nutzten Grundbesitzes nur dann belasten, wenn sie zusammen mit den Gemeindeverbändsn an vorläufiger Sondergebäudesteuer den Satz von 77_ Ps. je 100 Mk. Fricdenswert erhebt. De»? Höchstsatz von 77 Pf. je 103 Mk. Friedenswert ist bedingt durch die derzeitige gesetzliche Miete und den Satz der staatlichen Condergebäudesteuer.

Heber die Frage, wer bei der gemeindlichen Sondergebäudesteuer zum Erlaß oder zur Er­mäßigung von Sondergebäudesteuer aus Bll- ligkeitsgründen zuständig sei. herrscht seit­her in den Kreisen der Steuerpflichtigen große Unklarheit. Daher bestimmt das neue Gesetz in Artikel 13 Aös. 3 ausdrücklich, daß über Gesuche um Steuererlaß oder Steuerermäßigung aus Bil- ligkellsgründen die Vertretung der Ge­meinde (des Gemeindeverbandes) endgül - t i g zu entscheiden hat. Während nach der Hes­sischen Verordnung vorn 10. März 1926 au« Dem Auskommen an Sondergebäudesteuer für zu un­terstützende Steuerpflichtige zur Deckung der den Tezirls'ürscrg^verbänlen hierd rch erwachsenden Ausgaben ein Betrag von 10 Prozent dem Mi­nister für Arbeit und Wirtschaft zu überweisen war, ist dieser Betrag nach dem neuen Gesetz auf 1 2 P r ozent der veranlagten Son­dergebäudesteuer erhöht worden. Die Ver­minderung des Steuersolls durch Ausfälle ist mit 4,3 v. H des Solls zu berückfichtigen.

Girafknmmer Gießen.

* Gießen^ 12. Febr. Gin 23jähriger Hand­werker. der ständig in Geldnot war, verarllaßte ein Dienstmädchen, mit dem er ein Verhältnis hatte, ihr Fahrrad zu verkaufen, trotzdem er wußte, daß der Fahrradhändler sich an dem Rad bis zur völligen Bezahlung des Preises das Eigentumsrecht Vorbehalten hatte. Dem Mäd­chen, das sich zunächst sträubte, drohte er Schlage an. bis es schließlich in den Verkauf des Rades einwilligte. Ten Erlös verbrauchte der Ange­klagte für sich. Wegen Unterschlagung wurde er vom Amtsgericht Gießen zu 6 Wo­chen Gefängnis verurtellt. Seine gegen die­ses Urteil verfolgte Berufung wurde jetzt kosten- fällig verworfen und daS erstinstanzliche Urtell bestätigt.

Wegen fahrlässiger Körperver­letzung war ein Kaufmann durch das Amts­gericht Ortenberg zu 60 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Anfang Sevtember v. Is fuhr er auf seinem Lastwagen Tische und Bänke von Dudmgen nach Bergheim, wo Kirchweihe

tig. Die Wette." sagt sie und wird mit einem Male ganz tot, »was was wünschen Sie sich Denn? Alterle, Da habe ich zum erstenmal in meinem Leben Herzklopfen gehabt und bringe nur ein einziges Wort heraus: »Dich!!" Was dann geschehen ist. geht Dich gar nichts an, mach' es selber durch, dann weiht Du eS!

Arm in Arm sind wir ins Schloß zurückgegan- gen, und der Ritter von Molnar hat mich ab- gebüffelt: ..Ausgezaichnel! Freit mich! greif miet)! Freit mich ungeheier!" Am 15. Rovember soll Die Hochzeit fein, hier in Keresz-Erdö. Und Du bist Der Brautführer! Allerle! Wenn Du wrrNich mein Freund bist. Dann mußt Du. kom­men, aber schon zum Polterabend! Entschuldi­gungen gibt es nicht, und lasse mich nicht lange auf Antwort warten, depeschier'! Du, einen so langen Dries habe ich meiner Lebtag noch nicht geschrieben, also Schluß. Der Ritter von Mol­nar läßt schönstens grüßen und die Sodhy, bin mir über Die Schuller guckt, schickt Dir ein pla­tonisches Busserl - au. jetzt zaust sie mich an meinem Haarschopf! Auf Wiederschau'n, Al­terle. schreibe und depeschiere bald, und Dul die saubersten Mädel aus dem ganzen iln- garland laßen wir als Brautjungfern ein. Da kannst Dir eine 'raussuchenl Die Sophy läßt mir keine Ruh, schreib' bald!

Weidmannsheil, Gruß und Handschlag allzeit Dein Dinzenz."

Ich ließ das Blatt siicken, so ein lieber närrischer Kerl! Hätt' nie geglaubt, daß der Vinzenz von Andrian 'mal einen verliebten Bräutigam abgeben würde, das muhte ihm stehen tote einem Bären das Dallettanzen. Aber, wenn er nur glücklich würde! Iung schien die Braut noch zu sein, höchstens zwanzig Iahre, und natürlich, zur Hochzeit mußte ich hinfahren, waren ja noch acht Wochen bis dahin, da legte tch eben meine großen Iagden eine Woche spä­ter, das ließ sich schon machen. Aber schreiben wollte ich gleich - - Draußen klatschte Der -Regen gegen die Fenster, johlend pfiff der Rord- west um die Ecken, sonst kein Laut, nur das leife Äntftern der Feder, die eUferlig über das gelbliche Büttenpapier hinhuschtc.--

»Ra-ta-ta ra-ta-ta ra-ta-ta" In gleichförmiger Geschwindigkeit raste Der O-Zug durch Die tief verschneite Ebene. Kein Daum, inn Strauch, nur hin und wieder das galgen- ähnliche Gerüst eines Ziehbrunnens und ganz fern am Horizont Die verschwommenen Umrisse etneg einzelnen Gehöftes. Dann knirschten Die Bremsen, knatternd ging eS über die Weichen, und ein bis zu Den Ohren in Schafpelz gehüllter Schaffner reißt Die Türe auf: »Köröpülü! Kö­röpülü!"

(Fortsetzung folgt) * - _