Nr. 58 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Donnerstag, Zebruar 1929
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Gießener Familienblätter
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. DerantworlUch für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil Kurt Hiümann, sämtlich in Gießen.
polen sabotiert die Genfer Minderheiten-Aussprache.
Reue Vergewaltigung Oberschlesiens.
Die polnische Regierung hat zur allgemeinen Aeberrafchung am Mittwoch früh ein Dekret veröffentlicht. In dem die Auflösung des Oberschlesischen vejmS mltgetcilt wurde Wenige Stunden danach waren bereits Haussuchungen beim Deutschen Volksbund und seinen Mitgliedern Im Gange, die zu der Verhaftung des um das oft- vberichlesische Deutschtum verdienten Abgeordneten lllitz führten. Allein diese Verhaftung zeigt, welchen Kurs die Warschauer Regierung in Ostoberschlesien steuert und wer durch die Auflösung deS Sejms getroffen werden soll. Es ist nichts andere- beabsichtigt, als da 8 deutsche Element einer neuen Vergewaltigung zu überantworten, es noch rechtloser zu machen, als es ohnehin schon ist und es seiner Führer unter ganz nichtigen Vorwänden za berauben.
Der Kampf gegen lllitz geht schon seit Jahren. ES sind gegen ihn die allerschwersten Vorwürfe erhoben worden; bei dem bekannten Rededw.'ll zwischen Zaleski und Stresemann in Lugano ist hon dem polnischen Außenminister erllärt worden, daß der Leiter des Deutschen Vollsbundes Hochverrat begangen habe und sich nur dank feiner Immunität noch auf freiem Fuße befind«. Der Vorwurf des Hochverrats und sonstiger staatsfeindlicher Umtriebe hat sich aber nicht aufrecht erhalten lassen, infolgedessen lehnte auch der Sejm alle Auslieserungsgesuche der De-. Hörden ab. Dem Wojewoden Grazynski ist es jetzt ge.'ungen, in Warschau die Auflösung des Sejm durchzudrücken. Damit ist auch die Immunität der deutschen Abgeordneten aufgehoben worden, so daß man den Pfarrer IMifc verhaften konnte. Sicherlich werden noch weitere ehema.ige deutsche Abgeordnete und Volksbundmitglieder ihrer Freiheit beraubt werden, da man jetzt zu einem großangelegten Schlag gegen das gesamte Deutschtum ausgeholt hat, das bisher tm oberschlesischen Sejm in der Mehrheit war. nun aber zu einer hoffnungslosen Min derheit gemacht werden soll. Don Reuwahlen steht in dem Auflösungsdekret zwar noch nichts drin, sie werden aber folgen, und dabei werden die Polen so verfahren, daß sie diesmal die meisten Mandate erringen.
Der neueste Vergewaltigungsakt deS Deutschtums in Oberschlesien muß in der ganzen Welt ein geradezu sensationelles Aufsehen erregen, well eben erst die Polen durch ihre diplomatischen Vertreter im Ausland hatten erklären lassen, daß kein Grund zu Deschwerden über die Dehandlung der Deutschen durch den polnischen Staat oorläjen. Wenn es noch eineS Beweises für einen nachhaltigeren Schutz her deutschen Minderheiten in Polen bedurft hätte, dann ist er jetzt durch die neue Verfolgung der Doltsbundinitglieder und der deutschen Abgeordneten erbracht. lllitz ist der Mann, der am stärksten in Den Kämpfen der deutschen Minderheiten um ihr Recht hervor- getreten ist. und es dürfte wohl keine Stimme im Dolksbunde zu finden fein, die ihn dabei irgendwelcher anirpolnifchcr Maßnahmen beschuldigen könnte. Seine Absicht war es gerade, im Rahmen des polnischen Staates um die kulturelle Freiheit der deutschen Minderheit ztu kämpfen, und da jetzt bei der kommenden Ratstagung in Genf Gelegenheit sein wird, recht eindeutig über das Minderheitenproblem zu sprechen, hatte ja Polen alle 2er- anlaffung, einen Mann von vornherein zu beseitigen, der nur zu gut über die wahren Verhältnisse in Polnisch-Oberschlesien berichten konnte.
Der Geschäftsführer des Deutschen Voltsbundes verhaftet. Wegen angeblicher Beihilfe zur Fahnenflucht.
Salto wlh, IZ.Fcbr. (X1L) Der Geschäftsführer des Deutschen Volksbundes. der Sejmabge- ordnete lllitz, ist heute früh auf Anordnung der Staatsanwaltschaft, kurz nactchem die Auslösung des schlesischen Sejm bekannt wurde, v e r h a f t e I worden. G?gen lllitz hatte im vorigen Jahre die Staatsanwaltschaft einen Ansliefe - rungsantrag an den schlesischen Sejm gerichtet, da lllitz der Beihilfe zur Fahnenflucht beschuldigt wird. Die Schuld des Abgeordneten lllitz soll darin liegen, daß er einem polnischen Staatsbürger, der nach Deutschland geflohen ist, um sich dem polnischen Heeresdienst zu entziehen, auf einem Briefbogen des Deutschen Volksbundes eine Bescheinigung ausgestellt habe, wonach dieser deutsch gesinnt und militärpflichtig sei, und daher nach Deutschland flüchten müsse. Der zuständige Ausschuß des schlesischen Sejms hatte seinerzeit be- schlossrn, dem Plenum zu empfehlen, diesen Antrag abzulehnen mit der Begründung, daß Zweifel au der Echtheit des Schriftstückes vorhanden feien. Sejmmarschall Dol 1 ny Halle auch in dem letzten Prozeß gegen das Mitglied des
Deutschen Volksbunde« Dudek al» Zeuge aus- gesagt, er fei davon überzeugt, daß die Unterschrift des Abgeordneten Ulih auf dem betreffenden Schriftstück gefälscht sei.
Auslösung des schlesischen Sejm.
Lhne Beendigung der Bndgetbcratungcn.
Kattowitz, 13. Febr. (WTB.) Durch Derord- nung des Staatspräsidenten auf Grund des Artikels 22 der Verfassung ist der schlesische Sejm a u f g e l ö ft worden. Die Auslösung kommt nicht überraschend; es befremdet jedoch, daß sie o o r der Beendigung der Bubgctbera t u ng erfolgt. In der Zeitung „Polska Zachodnia" wird ein Interview mit dem Wojwoden über di« Gründe der Auslösung veröffentlicht. Der Woj- wode erklärt darin, daß die Gründe der Oeftentlich- feil erklärlich sein müßten, denn der schlesische Sejm habe in der letzten Zeit keine positive Arbeit mehr leisten können. Nicht einmal der Abgeordnete lllitz sei auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur Fahnenflucht a u s gelt e f c r t worden. In oppositionellen Kreisen wird der Grund zur Auflösung darin gesehen, daß man eine Fortsetzung der Budgetberatung verhindern wolle, da gegen den ersten verantwortlichen Beamten in der Wojwodschast wegen der Finanz- Verwaltung sehr schwerwiegende Dorwürfe erhoben werden. Korfanty erklärte, daß der erste Beamte der Wojwodschast vor den Staatsanwalt gehöre.
Ein Schlag gegen Genf.
Polnische Mindcrhcitenpolitik mit Hilfe des SlaattzanwaliS.
Kattowih, 13. Febr. (Tel.) Die Verhaftung des Abg. lllitz hat überall den stärksten Eindruck gemacht. Der Verhaftung ging eine Haussuchung in der Wohnung Hlih's voraus. 3n Königshütte ist gleichfalls bei der Geschäftsführerin des Deutschen Volksbundes, Frl. E r n st, eine Haussuchung vorgenommen worden. Die Verhaftung ist deshalb so bedeutsam, weil die Degründung des Wojwoden für die Schließung des Schlesischen SejmS ausdrücklich darauf hinweist, daß der Sejm die Auslieferung bed Abg. Ulih abgelehnt habe. Die Ablehnung ist seinerzeit mit den Stimmen der Korsanty-Partei erfolgt. Alles spricht also dafür, daß der Sejm nicht zuletzt deshalb aufgelöst worden ist, um der polnischen Regierung die Möglichkeit zu geben, den Geschäftsführer des Deutschen Vollsbundes hinter Schloß und Riegel zu setzen, und ihm den Prozeß wegen Hochverrats zu machen. Der hierfür gewählte Zeitpunkt hängt zweifellos mit den bevorstehenden Minderheitsverhandlungen inGenf zusammen. Del dem Zusammenstoß zwischen dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann und dem polnischen Außenminister Zaleski während der Ratstagung in Lugano hatte bekanntlich Zaleski gegen den Deutschen Volksbund den Vorwurf des Hochverrats erhoben, worauf Zaleski von Dr. Stresemann die bekannte Zurechtweisung erhielt. Rachdem bann der Reichsaußenminister seine Aktion zur Behandlung der Minderheitenfrage in Genf angekündigt und nunmehr auch die ersten Schritte hierzu getan hatte, hat die polnische Regierung in den letzten Tagen versucht, durch entsprechende Gegenwirkungen in Genf, die auf der Märztagung bevorstehende Ralsaussprache in polnischem Sinne zu beeinflussen. Dieser Vorstoß ist, wenigstens bis jetzt, nicht geglückt. Die Auflösung des Schlesischen Sejms und die Verhaftung des Abg. lllitz dürsten also als e i n zweiter Vorstoß in der gleichen Rich- t u n g äu bewerten fein, wonach dem Geschäftsführer des Deutschen Volksoundes gerade zu der Zeit der Prozeß gemacht werden kann, in der die Minderheitsaussprache in Genf vor sich geht.
Holland und die Flamen.
Dr Borm spricht in Amsterdam.
Amsterdam, 13. Febr. ($11.) Dor einer Versammlung von ungefähr 1200 Personen, unter denen viele Studenten und Mitglieder der Vereinigung ^Holland-Flandern" waren, wurde gestern abend zum ersten Male nach seiner zehnjährigen Gefängnishaft Dr. Bonn in Amsterdam begrüßt. Trotz der Warnung der Presse, die erst kürzlich vor einer Huldigung für Dr. Dorrn als ein Einmischen in die belgische Politik abgeraten hatte, war die Teilnahme sehr groß. Als Dr. Dorrn, von dem Ehrenausschuh geleitet, den Saal betrat, erhob sich das Publikum und begrüßte ihn stürmisch. Professor Bürger, der Vorsitzende des Ausschusses, feierte in Dorrn den mutigen Freiheitskämpfer. Der flämische Dichter Renö de Eler- q u e dankte Holland für die gastfreundliche Aufnahme. Unter stürmischem Deifall fang die ganze Versammlung das Lied vom flämischen Löwen. Sodann trat Dr. Dorm vor und sprach über die Flamenbewegung. Wenn Holland mit Flandern gehe, so würde man zum Siege schrei- ten. Die Flamen hätten nicht für Deutschland, sondern nur für ihre Freiheit ge - kämpft. Der Versailler Friede habe die De- toegung zum Stillstand gebracht. Zum Schluß erinnerte Dr. Borm Holland daran, daß die
flämische Bewegung ein Vorbote der holländischen Kultur sei. Sollte es zu einem Krieg zwischen Holland und Belgien kommen, könne Holland auf die Flamen rechnen.
Ist Trotzki in Konstantinopel?
Konstantinopel, 14. Febr. (T. 11.) Trotzkis Anhänger in Konstantinopel behaupten, daß Trotzki am Dienstag hier unter dem Flamen ,Garnbarow" eingetroffen sei. Er werde begleitet von sechs Vertrauensleuten des
PolitbureauS. Er habe Aufenthalt in der ehemaligen sowjetrusfifchen Botschaft in Konstantinopel genommen. Wie es heißt, soll Trotzki beaosichtigen, in Konstantinopel nur etwa vier Wochen zu bleiben, bis endgültige Entscheidungen über seine Weiterreise nach Europa getroffen feien. Die Begleiter Trotzkis sollen diesem verboten haben, irgendwelche Personen au empfangen. Im Gegensatz zu dieser Meldung teilt die sowjetrussische Botschaft In Angora mit, daß ihr von der Ankunft Trotzkis In Konstantinopel nichts bekannt fei.
Einschränkung der deutschen Auswanderung nach A.S.A.
Annahme der llrsprungsklausel im amerikanischen (Senat. — Oie Deutschen ein unerwünschtes Element. — Begünstigung der britischen Einwanderung.
Washington. 23.Febr. (WV.) Der (Einroan- derungsausschuß des Senats beendete heute die öffentlichen Vernehmungen über Senator Ayes' Antrag, das Inkrafttreten derUrsprongs- klaufel nm ein weiteres Jahr zu verschieben. Jür die Deutschamerikaner war Victor Ridder von der Veuyorker Staatvzeitung erschienen. Gegen die Beibehaltung des gegenwärtigen deutschen Anteils sprachen Senator Reed von Pennsylvania sowie zahlreiche Vertreter der sogenannten patriotischen Gesellschaften, darunter der American Legion, die erklärten, dos feil 1790 hier ansässig gewesene Element müsse bevorzugt und der angelsächsische Charakter des Lande» gewahrt werden. Auch habe Amerika im wellkrieg schlechte Erfahrungen mit den wehrpsllchtigen deutscher Abstammung gemacht, von denen die hölfie am stampf nicht teitgeuommen holten.
Da» Mitglied de» Repräsentantenhauses. Mc. Cor- mick, der ebenfalls vor dem Einwanderungeaus- schuh des Senat» erschien, wies die Angriffe eines Vertreter» de» Vorstandes der „Amencan Legion", gegen die Deutschamerikaner wegen ihrer angeblichen Weigerung, im Weltkriege auf Amerikas Seile zu kämpfen, scharf zurück und erklärte, dah die einzelnen Mitglieder der »American Legion" nicht gegen die deutsche Einwanderung seien und
dah die neuen Quoten eine Ungerechtigkeit gegen da» deutsche Element in den vereinigten Staaten darstellt. Mc. Cormick fügte hinzu, über ein Drittel aller deutschstämmigen Einwanderer seien gerade wegen Ihrer Abstammung van den Armeebehörden zurück-« gewiesen worden und der Rest habe au» den gleichen Gründen wie die übrigen Amerikaner wegen heirat, körperlicher llu- laugttchkeit ober anderen Gründen nicht am Kriege gegen Deutschland teilzunehmen brauchen.
Die Abstimmung ergab vier Stimmen für und sieben Stimmen gegen einen Aufschub, so baf> der Antrag im Senat abgelehnt ist und vom 1. Juli ab die deutsche Einwanderung von 51 227 aus 24908 Personen jährlich herabgesetzt, der britische Anteil dagegen auf 65 894 Personen erhöht wird. Rach der Bestimmung des Linwaadermigcgesehes muß der Präsident die neuen Quoten vor dem 1. April proklamieren. Zweifelhaft Ist also nur, ob Präsident Loo- lidge dies vor dem 4.Mär; tun ober es Hoover überlasten wird, der sich in feiner Rede, in der er die Jlominierung zum Kandidaten der Republikanischen Partei annahm, gegen die Ursprungsklausel aussprach und deren Aufhebung befürwortete.
Die Herren des Saarlandes.
AuS dem Saargebiet wird uns geschrieben:
Frankreichs offiziöse Propaganda beschäftigt sich seit kurzem wieder sehr heftig mit der Sa erfrage, den Anlaß scheint offensichtlich die Auto- n o m i st e n s ch l a ch t in der Kammer, vielleicht auch der deutsche Minderheitenantrag beim Dölkerbund gegeben zu haben. Ein Ablenkungsmanöver also nur, aber bei der Art, wie die Franzosen bei derartigen Anlässen mit der Wahrheit umzugehen pflegen, doch recht gefährlich, zumal sie es immer noch bester als Deutschland verstehen, in der Welt für sich Stimmung zu machen. Was jetzt bewiesen werden soll, ist die Vormachtstellung Frankreichs im Saargebiet, die es durchaus nicht zulaste, daß das Saarland je zum Reiche zurück- kehrt. Politisch ist diese Behauptung allerdings schon lange nicht mehr zu beweisen, das Märchen von den 150 000 „Saarfranzosen" wagt niemand mehr aufzutischen. Und von der bevorstehenden Volks- abftimmung im Jahre 1935 wird nicht gern geredet, seitdem auch Frankreich eingesehen hat, daß hier ein eklatanter Mißerfolg zu erwarten ist. Daher wird jetzt eine andere Walze hervor- Seholt, besungen von sog. „Saarspezialisten", die an rt und Stelle mit dem Rechenstift herausgetiftelt haben wollen, daß das Saarland wirtschaft- l i ch unbedingt zu Frankreich gehöre und gehören muß.
Run ist der Wunsch der Franzosen, das Land an der Saar auf irgendeine Art zu sichern, verständlich, allein die jährliche Kohlenproduktion des Saargebjetes bildet einen wichtigen Anreiz zur kalten Annektion. Und durch die französische Grubenverwaltung wird alles getan, diese Produktion immer weiter zu steigern. Ganz anders steht es aber mit der Eisenindustrie des Saargebietes, von der Frankreich frischweg behauptet, sie stände unter seiner Kontrolle. Das ist eine außerordentlich grobe Uebertreibung. Denn die übergroße Mehrzahl der Eisenwerke an der Saar hat sich von der französischen Hebersremdung. wie sie um 1920 herum zwangsmäßig durchgeführt wurde — die dem Völkerbund verantwortliche Regjerungskom- mission sah und hörte von den unzulässigen Druckmitteln merkwürdigerweise nichts —, längst wieder befreit. Röchling konnte sich sogar immer von unerwünschter Beteiligung freihalten. Zwei Eisenhütten und ein verarbeitendes Eisenwerk allein stehen noch unter französisch«: Kontrolle.
Die die Franzosen mit diesen wenig eindrucksvollen Zahlen das stolze Wort rechtfertigen
wollen, sie seien die Herren des Saarlandes, ist nicht zu begreifen. Die vielbeschriebene wirtschaftliche Verbundenheit des Saarlandes mit Frankreich ist nicht vorhanden, wahr ist allein, daß dieses Gebiet heute mehr noch als einst vom Mutterlande Deutsch-- land abhängig ist. DaS Reich hat die Saar- Wirtschaft erhalten, indem es den übergroßen Tell seiner Erzeugnisse zollfrei aufnahm, der Saarindustrie Absatzgebiete schaffte, für die Saarkohle Abnehmer suchte und den Erwerbslosen des Landes eine Lebensmöglichkeit bot. Der Saarausfuhr nach Frankreich im Jahreswerte von 80 Millionen Mark steht eine Ausfuhr nach Deutschland im Betrage von mehr als 260 Millionen Mark gegenüber, sie würde noch höher fein, wenn die stetig abfinkende Konjunktur nicht wäre. Es bleibt für Frankreich nicht eine Tatsache übrig, die es als eigenen wirtschaftlichen Ersolg buchen könnte. Wenn das Saarland wirtschaftlich einigermaßen geschert ist, so hat eS das nichts den Franzo en zu verdanken, nur die Hilfe des Reiches hat einen Zusammenbruch der Saarwirtschaft abgewehrt.
Frankreichs Schulpropaganda im Saargebiek.
Eine Warnung sämtlicher Politischer Parteien.
Berlin, 14. Febr. (Priv.-Tel.) Sämtliche politischen Parteien, mit Ausnahme der Kommunisten, haben als Antwort auf die von der Kultusabteilung des Saargebietes an die Eltern der Schüler erlassene Aufforderung zum Eintritt der Kinder in die französischen Schulen eine Erklärung herausgegeben, in der es u. a. heißt:
„Bereits zehn Jahre ist das Saargebiet von feinem Mutterlande abgetrennt. In dieser Zeit ist vor aller Welt der Beweis geliefert worden, daß das Saargebiet ein kerndeutsches Land ist. Noch immer aber gibt es Franzosen, die glauben, Frankreich habe ein historisches und moralisches Anrecht auf den Besitz des Saargebietes. Zu den Gründen, die neuerdings hierfür ins Feld geführt werden, gehört auch die Behauptung, das Saar- gebiet fei ein zweisprachiges Grenzge- b iet Jeder Franzose, der im Saargebiet lebt, wird einwandfrei bezeugen können, daß d e m n i ch t so ist. Man scheint aber aus der Tatsache, daß einige hundert Kinder, die von der französischen Gruben- DermaUung eingerichteten Schulen besuchen und an-


