Ausgabe 
14.1.1929
 
Einzelbild herunterladen

I-OEL

lhr"Olr,....

M°tor-Oeiung'.

Wor* und Bild"

n 16. Januar its-Ware!

UNGEN

bea MfitisbnrgH

Seit 1695 MSä eilung k. Büffets .Einrichtungen

M

*-SS?ö Veiilnstitut

>beu TetSti eh® c-oiiaß. Kä1"**

derl*8»ang

lftS1 r ond vo-^lvr. '-5ir ond' ^ucduoS^

hertniEhe^ndniän^1 'rhb*'frr|ienDfL^|ien'

>*J>S " b b.«» *

n.rt5.»d-«5 r»rehi*1 </

M. H Erstes Blatt

179. Jahrgang

Montag, 14. Januar 1929

(Er|d)etnt täglich,außer Sonntags und Feiertags, benagen Die Illustrierte

Gießener Familienblütter Heimat im Bild Die Scholle.

Vezvgrpreir für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägen lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112.

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Liehen. poftfchecNonto:

Frankfurt am Main 11686.

SietzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

vnttk vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitittr-Vvch- «nd Stetnöruderei K. Lange in Gietzen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 rnm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 °/ mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. 3fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.

Die Ersatzwahlen im Elsaß.

Der Autonomist Ltttrmcl gewählt. Stichwahl in Kolmar.

Paris. 13. 3an. (IM.) Am Sonntag sanden im klsah die kammerersahwahlen stall, um den Autonomisten Ricklin und Rosse, die die Kammer im November als nicht wählbar erklärt halte. Nachfolger zu geben. An Stelle Rosse stellten hie Autonomisicn in kolmar hauh als kandida- Icn auf, die sogenannten nationalen Parteien den Pfarrer Hauser, die Sozialisten den Bürger- meisterAdjunkten Richard, die Kommunisten Nuerschel. während die Radikal-Sozialisten auf fine eigene Kandidatur verzichtet halten. 3n All- lirch, dem Wahlkreis Ricklins, kandidierte der llnfonomift Stürmet, der bekanntlich im Kol- maicer Prozeß freigesprochen war. 3hm stand der sriihere Abgeordnete Silbermann gegenüber, her von den Rechlselementen unterstützt wurde.

Am 22. April verteilten sich in K o l m a r die Stimmen wie folgt: Rosse 8494, Richard 4007, Mürschel 3900. Auf den Nationalrepublikaner ent­fielen 3716 und auf den Radikalsozialislen 1145 Stimmen. 3m zweiten Wahlgange wurde Rossö mit 11 268 gegenüber 7253 Stimmen für Richard nnb 2909 Stimmen für Würschel gewählt. 3n ü 11 f i r d) erzielte Dr. Ricklin im ersien Wahlgang 5100 Stimmen, während auf den Abgeordneten Silbermann 3949 Stimmen, auf den Kandidaten her demokratischen Allianz 1737, auf den Radikal- lojiallften 1113 und auf den sozialistischen Kandi- faten 524 Stimmen entfallen waren. 3m zweiten öafjlgang schlug Ricklin mit 7740 Stimmen den Übfl. Silbermann, der nur 4515 Stimmen auf sich Bereinigen konnte.

Das Ergebnis der Ersatzwahlen im Wahlbezirk Kolmar (Wahlbezirk RoffO ist nun folgendermaßen: Der autonomistische Kandidat hau h erhielt 8744 Stimmen, der Kandidat der rakional-kakholischen eisäsiischen Partei Hauser 4558 Stimmen, der Kandidat der Sozialisten Richard 3592 und kommunistische Kandidat Würschel 2230 Stimmen. Ls ist also Stichwahl notroenbig.

Die Ersatzwahlen im Wahlkreise Altkirch führten zur Wahl bes autonomistischen Kandidaten Stürmei, der 7144 Stimmen , erhielt gegen den unabhängig-nationalen Kandida- leti und früheren Abgeordneten Silbermann, der nur 3650 S^ymen erhielt.

Der Neichshaushali.

Das Kabinett

nimmt heute die Beratungen auf.

Berlin. 14. San. (Priv.-Tel.) Die entfchei- knbe K a b i n e 11 s s i tz u n g. die nunmehr die endgültige Fertigstellung des so sorgenumrankten reuen deutschen Haushaltsplanes bringen soll, ill herangerückt. Reichskanzler Müller ist am Sonntag von seinem Mntcrausenthalt am Titisee rach tÄrlin zurückgekehrt. Der leichte Grippe- cnfiall ist wieder behoben. Die übrigen Minister nS auch zur Stelle. Der Reichswehrminister hat ti Interesse der so wichtigen Kabinettssitzung »ne Teilnahme an den Sinweihungsseierlichkeiton :t6 neuen Stabsgebäudes in Breslau abgesagt. M Kabinett wird am Montag nachmit- ta g zusammentreten und man rechnet schon jetzt h politischen Kreisen damit, daß diese Sitzung wt lang werden wird. Die Beratungen werden farm am Dienstag fortgesetzt werden, (irgendwelche anderen Programmpunkte sind noch ritzt vorgesehen. Das einzige Thema heißt: der Haushaltsplan, wozu sich allerdings noch Ke Frage des Finanzausgleichs gesellt, fa diese ja im Zusammenhang mit dem neuen Etat und den Steuererhöhungen eine wichtige Tolle spielt. Wenn die getroffenen Dispositionen oud) nur annähernd eingehalten werden können, fcivn damit gerechnet werden, daß der Reichs- ta t zum Beginn der übernächsten Woche, also im den 21. d. Mts. herum, den Etat behandeln wo. Es steht zu erwarten, daß der Haushalts- .-!an in Form einer Doppelvorlage an ttx Reichstag gelangen wird.

wachsen und dieNeichsreform.

«tzpgen den Zentralismus der Bureaukratie.

Dresden, 12. San. (TU.) 3n der Gesamt-- wvltandssitzung des Berbandes Sächsischer Indu- firi ttier vom 11. Januar hielt der Leiter der Mischen StaatskanzLei, Ministerialdirektor Dr. ö ch u l z e , einen Vortrag über den gegentoär» tigert Stand der Reform der Reichsverfassung, ir welchem er u. a. folgendes ausführte:Der fach die Erzbergersche Finanzreform entstan- tKn-c Dualismus in der Finanzver- fcntl tung werde zwar durch die sog. Steuer- 'virrinheitlichungsgesetze im wesentlichen besei­tigt werden, dafür aber könne man bei der 'f»zialen Gesetzgebung den sehr bedroh- tliiert Beginn eines Dualismus in der inneren Verwaltung beobachten. Das bedenklichste sei die |ftg, Aushöhlung der Länder sowohl in stlchlicher wie finanzieller Hinsicht, eine über- mäßige Konzentration der off ent- Hitzen Gelder in Berlin, kurzum eine GtiHoicflung, an deren Ende d ie Vernich- :hng aller Selb st Verwaltung, sowohl ihr regionalen wie der kommunalen, stehe und tdis demokratische Prinzip zugunsten einer zen­tölt stisch denkenden und daher nvtwen-

poincare und die Reparationen.

Don unserer Berliner Redaktion.

Daß sich P o i n c a r 6 bald nach Vertagung der französischen Kammer über Reujahr mm seiner Rücktrittsstimmung erholt und mit neuem Kampfwillen erfüllt hatte, war bereits seit einiger Zeit klar. Ebenso konnte es feinem Zweifel unter­liegen, daß er unter allen llmftänben eine viel­leicht geringe, aber sichere Mehrheit in der Kammer finden würde, wenn er sich ganz und ausschließlich auf das Durchfechten der Reparationsfrage beruft. Infolgedessen ist wohl niemand in der Welt von der Tatsache überrascht worden, daß Poincarä in der Kammer ein Vertrauensvotum mit einer Mehrheit von 74 Stimmen erhalten hat. Daß die Mehrheit so groß war, verdankt er dem taktischen Geschick, mit dem er es sorgfältig vermied, irgend­welche anderen Fragen zur Sprache kommen zu lassen und sich ganz allein auf einen Appell an die französische Kammer beschränkte, ihm für die Geltendmachung der Rechte Frankreichs vor dem Sachverständigenausschuh den erforderlichen Rückhalt zu gewähren. Ein solcher Appell hat in Frankreich noch nie versagt, und so war es auch diesmal. Wenn darauf hingewiesen wird, daß die Mehrheit Poincares nicht mehr so groß ist wie früher, und daß er sich mit Haut und Haaren der Rechten unter der Führung der Gruppe von Marin verschrieben hat. so ist das wohl richtig, ändert aber nichts an der Tatsache, daß er bis auf weiteres die Mehrheit der Kam­mer hinter sich hat. Wie sich nach Abschluß der Reparationsverhandlungen die Dinge ent­wickeln werden, ist eine andere Frage.

Für uns ist entscheidend, daß wir den Kamps um die Reparationsfrage mit Poincare als ober­stem Gegner auszufechten haben, denn auch dar­über wird sich niemand irgend welchen Illu­sionen hingeben wollen, daß es sich jetzt um einen sehr ernsten und schweren Kampf handelt. Un­erwarteterweise hat der französische Mintfter- präsident in Parker Gilbert und in den Amerikanern Hilf Kräfte gefunden, deren Wirk­samkeit freilich für ihn später recht zweischneidig werden kann. Der Bericht Parker Gilberts hat ihm offenbar Mut gemacht, und darauf ist auch zum nicht geringen Teil des entschiedene Aus­treten Poincaräs zurückzuführen. Deswegen hat er auch schleunigst die Gelegenheit benutzt, um in der Kammer offen zu erklären, daß nach den Feststellungen des Reparationsagenten Deutsch­land imstande sei, 21/2 Milliarden im Jahr zu bezahlen, und daß Frankreich in der Sachverständigenkommission verlangen werde, die Anzahl der deutschen Annuitäten auf 62 festzusetzen, also auf einen solchen Zeitraum, wie Frankreich Kriegsschulden an Amerika abzuzahlen habe. In dieser Aeußerung kommt die ganze Doppelzüngi^eit Poincares von neuem zutage. Er betonte zwar gleichzeitig, daß Frankreich der Unabhängigkeit der Sach­verständigen zugestimmt habe, aber praktisch wurde das durch die unmittelbar daraus folgende Anmeldung der französischen Forderung voll­ständig aufgehoben. Hierin liegt eine offene und klare Instruktion an die französischen Sach­verständigen, die damit an eine Mindest­forderung gebunden sind hier hilft kein Drehen und Deuteln. Die offenbar program­matisch zu nehmende Aeußerung Poincares kommt einer Verleugnung der getroffenen Vereinbarun­gen gleich, und wir werden abzuwarten haben,

wie sich die anderen Mächte dazu stellen. Wenn etwa Poincarös Forderung auch von den anderen anerkannt werden sollte, brauchten unsere Sach­verständigen gar nicht erst nach Paris zu gehen, und wir könnten es beim Dawesabkommen be­wenden lassen.

Die amerikanischen Sachverständigen

Owen Aoung und Pierpont Morgan.

Paris, 13. 3an. (WIL.) DerNeuyork herald" meldet aus Neuyork, Pierpont Morgan und Owen Poung würden zu amerikanischen Ver­tretern in den Sachverständigenausschuß zur Rege­lung der Reparationsfrage ernannt werden, wäh­rend Thomas Nelson Perkins abwechselnd als Vertreter für Morgan und Poung ein­treten könne. Trotz der hervorragenden Stellung Morgans in der Finanzwelt werde er eine Stel­lung zweiten Ranges innerhalb der Dele­gation bekleiden, während Poung sie führen werde. Die drei Persönlichkeiten hätten sich bereit erklärt, das ihnen angebotene Amt zu übernehmen. Der Ernennung Morgans werde die größte Bedeutung beigemessen wegen der Wahrscheinlichkeit der Auf­legung der deutschen Reparations- Obligationen.

*

Damit sind sich jetzt also auch die Amerikaner über die Auswahl ihrer Sachverständigen für die Repara­tionsverhandlungen schlüssig geworden. Owen Young, der schon bei den Dawesoerhandungen

im Jabre 1924 eine hervorragende Rolle spielte und der in stark frankophilem Geruch stehende Geldmagant Pierpont Morgan haben sich bereit erklärt, nach Europa zu fahren. Obwohl die Sachverstän­digen vollkommen unabhängig sein sollten, hat iynen die Washingtoner Regierung unter der Hand doch einige Verhaltungsmaßregeln mit auf den Weg ge­geben, woraus sie auch gar kein Hehl macht. Diese Rickstlinien find aber bezeichnend für die ganze Ein- stellung der Amerikaner. Auf der einen Seite moch­ten sie am liebsten nur die stummen Beobachter spielen, auf der anderen sollen die Vertreter der nordamerikanischen Union aber gegen jeden Versuch, den Transferschutz zu beseitigen, energisch Front machen. Das hat seine guten Gründe. Die Amerikaner haben uns erhebliche Beträge geliehen, sie wünschen nicht, daß die Arbeit ihres Geldes ge­stört oder gar durch zu starke Geldüberweisung an die Alliierten, wie das nach Aufhebung des Trans­fers eintreten kann, unsere Währung erschüttert wird und die amerikanischen Privatgläubiger dadurch viel­leicht nicht unerhevliche Verluste erleiden. Wir brau­chen über diese Vorsicht der Amerikaner nicht böse zu sein, da a u ch w i r ein großes Interesse an der Aufrechterhaltung des Transferschutzes haben. Da die Amerikaner bei den bevorstehenden Verhand­lungen wahrscheinlich mehr an ihre Privat­interessen in Deutschland denken werden, dürf­ten sie sich auch gegen alle Versuche zur Wehr setzen, die darauf hinauslaufen, uns übermäßig zu belasten und infolgedessen uns auch unseren Privatgläubi­gern gegenüber leistungsfähig zu machen. Trotzdem empfiehlt es sich, auf die Mitarbeit der Amerikaner keine übertriebenen Hoffnungen zu setzen.

Arbeitslosigkeit un-Wirtschastslage

Erschütternde Zahlen. - Ernste Mahnungen nach innen und außen.

Die Zahlen über die Zunahme der Aebeits- losen bis zum Icrhresschluh reden eine Sprache von erschütternder Deutlichkeit. Heber 1,8 Mil­lionen Hauptunterstützungsempfän­ger, das ist, am Jahreswechsel, die höchste Zahl, die seit den Inflationszeiten jemals zu verzeichnen war. Richt einmal in dem krisenhaften Winter von 1925 zu 1926 waren wir so hoch Dabei ist vielleicht zuzugeben, daß ein Teil der Arbeitschsigkeit sich aus dem strengen Frost und der erzwungenen Arbeitsruhe in den Auhen- berrufen erklären läßt, aber es ist auch zu be­denken, daß nach alter Erfahrung der Kul­minationspunkt der Arbeitslosigkeit im Dezemberausgang noch nicht erreicht ist, sondern erst Mitte Februar eintritt; es ist weiter zu berücksichtigen die Zahl der Kurzarbeiter und die Zahl aller derjenigen, die durch die Versiche­rung auch statistisch nicht erfaßt werden kann. Insgesamt haben wir heute schon eine Zahl von weit über 2 Millionen Arbeitslose, die sich sicher noch auf 2y2 Millionen steigern wird. Das be­deutet bei einer Gesamtzahl der Erwerbstätigen von knapp 20 Millionen über 10 Prozent Men­schen, die arbeiten wollen und nicht arbeiten können.

Was mag Herr Parker Gilbert dazu sagen? Diese eine einzige Zahl ist die furchbarste Illu­stration zu feinem in rosenrot gehaltenen Be­

richt über die Wirtschaftslage Deutschlands. Ge­wiß ist richtig, daß trotzdem gegenüber 1924 mehr als 1 Million Menschen mehr arbeiten, weil eben inzwischen soviel neue Jahrgänge heran- gewachftn sind, die Beschäftigung brauchen, aber auch das ist eben nur etn Beweis für die un­mögliche Lage, in der sich Deutschland befindet: daß es, verstrickt in den Fesseln des Versailler Vertrages und des Dawesplanes, nicht die Mög­lichkeit hat, Arbeit für alle Arbeitswilligen zu schaffen, sondern statt dessen eine Last von Hunder­ten von Millionen auf sich nehmen muß, um zu verhindern, daß die20 Millionen Deutsche", die nach Elemenceaus Meinung zu viel da waren, einfach verhungern.

Aber auch für die Arbeiter selbst bedeutet diese Zahl eine Warnung, sie beweist, wie labil dasGleichgewichlunsererWirtschast geworden ist, daß jede Verteuerung der Pro­duktion Verringerung unseres Absatzgebietes nach draußen ist, und damit Vermehrung der Arbeits­losigkeit bedeutet. Was wiederum heißt, daß Deutschland nur dann existieren kann, wenn es möglich st viel und möglichst billig erzeugt. Das ist für alle Erwerbenden eine bittere aber notwendige Erkenntnis, denn nur wenn wir daraus die Folgerungen ziehen, haben wir die Möglichkeit, die Ketten zu sprengen, die uns an­gelegt sind.

digerweise schematisierenden Bureau- E r a tie verdrängt sein werde. Das Streben nach Dezentralisation fei nicht nur durch die Besonderheiten der deutschen Einstellung bedingt, sondern auch aus praktischen Gründen geboten. Schon heute sei, wie der Redner an Beispielen nachwies, der Beweis zu erbringen, daß die zentralistische Verwaltung keineswegs die billigste fei. Die regionale und kommunale Selbst­verwaltung verbürge die beste Eigenschaft jeder Verwaltung: Initiative. Der sächsische Standpunkt zu den Reformfragen sei leicht zu umreißen. Mit seinem abgerundeten Gebiet und seinen 5 Millionen Einwohnern sei Sachsen geradezu als der wünschenswerte R o r m a l- t h p für ein Land im künftigen dezentralisierten Einheitsstaat anzusprechen. Aber mit seiner hoch über dem Durchschnitt liegenden Steuerkraft, feinen besonders hohen sozialen Lasten und den besonders hohen Ansprüchen, die die sächsische Wirtschaft an den Staat stellen müsse, habe das Land unter den jetzt mehr und mehr ein­reißende n Schematismus und Zentralismus be­sonders schwer zu leiden.

Oer mecklenburgische Landbunb für die Eigenstaatlichkeit Mecklenburgs.

Schwerin. 12. Ian. (T. 11.) Der Land - bunö für Mecklenburg- Sch Werin hat zur Frage der Selbständigkeit Mecklenburgs eine längere Entschließung gefaßt, in der u. a. gefordert wird:

Der Landbund Mecklenburg-Schwerin, als die stärkste Organisation des tragenden Berufsstan­des des Landes, will sein Htimatland Mecklen­burg nicht sozialistischen, einheitsstaatlichen Theorien opfern, weil er glaubt, daß eine Gesun­dung des Deutschtums nicht von der Zentrale Berlin, sondern lediglich von gesundeten und wiedergekrästeten Einzel staa- t en ausgehen kann. Sein nationales Verantwor­tungsgefühl zwingt ihn, sich allen Versuchen einer Aushebung der Eigen staat-

lichke it Mecklenburgs entgegenzu­sehen. Diese Aufhebung würde auch bei der Nnanzlage von Reich und Preußen irgendeine wesentliche wirtschaftliche Erleichterung nachhal­tiger Ratur nicht bringen können. Der meck­lenburgische Dauer bleibt feiner Heimat treu und wird sie mit der ihm innewohnenden Zähigkeit zu verteidigen wissen."

Wiederverwendung von Wartegeldempfängern.

Berlin, 12. Jan. (TU.) Wie derDemokra­tische Zeitungsdienst" erfährt, hat der Reichs» f i n a n z m i n i st e r dem Reichsrat einen Gesetz­entwurf über die Aenderung der Rechts­verhältnisse der Wartegeldempfän- ge r zugeleitet. Der Gesetzentwurf geht davon aus, daß es auf die Dauer unerträglich ist, unbeschäf­tigten Wartegeldempfängern verhältnismäßig hohe Bezüge zu gewähren und daneben voll zu bezah­lende Kräfte in den Reichsdienst neu einzustellen. Deshalb sollen dien st fähige und geeig­nete Wartegeldempfänger wieder in Planstellen untergebracht oder z u einer oorübergehendenBeschäftigung herangezogen werden. Die nicht mehr voll- dienstfähigen Wartestandsbeamten sollen durch Ge­währung von Vergünstigungen veranlaßt werden, sich freiwillig in den endgültigen Ruhe- ft a n d versetzen zu lassen. Für Wartegeldempfän­ger, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, ist der Uebertritt in den endgültigen Ruhestand auch dann vorgesehen, wenn sie von einem freiwilligen Ueber­tritt in den Ruhestand keinen Gebrauch machen.

Graf v. Kanih in -en ReichswirischastSrat berufen. Berlin, 12. Ian. (WB.) An Stelle des ver­storbenen Geheimrats Dr. Maximilian Kempner ist Reichsminister a. D. Graf von Könitz als

Mitglied des vorläufigen Reichswirtschastsrates ein­berufen worden. Maßgebend für die Entscheidung der Reichsregierung war die Rücksicht auf eine stär­kere Vertretung der Landwirtschaft, insbesondere der in einer Krisis befindlichen 0 ft - preußischen Landwirtschaft, im Vor­läufigen Reichswirtschaftsrat.

Der polnische Handelsvertrag.

Erneute Berhandlungspausc.

Warschau, 13. Jan. (WTB.) Die polnische Presse veröffentlicht folgende amtliche Mit­teilung: Während der letzten zwei Tage sind die deutsche und die polnische Delegation für die Han­delsvertragsverhandlungen dreimal zu Beratungen zufammengetteten. Der deutsche Bevollmächtigte, Dr. Hermes, fährt heute abend nach Berlin, um die Ergebnisse dieser zweitägigen Beratungen seiner Regieruna vorzulegen. Angesichts der voll­kommenen 5? lar st eilung der polnischen Hal­tung betreffend den Abschluß eines deutsch-polni­schen Handelsvertrages ist die Aufnahme der sach­lichen Kommisfionsarbeiten durch beide Delegationen von der Entscheidung der deutschen Re­gierungabhängig, die sie aus Grund des von dem deutschen Bevollmächtigten, Dr. Hermes, erstat­teten Berichtes über die letzten zweitägigen Be­ratungen fällen wird.

Wie hierzu der WTB.-Vertreter von unterrichteter Seite erfährt, ist die Nachricht in dieser Form u n - zutreffend. Die deutsche Delegation hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß die von der polnischen Delegation angebotenen Gegenleistungen u n- zureichend sind. Auf ihren Wunsch hat die pol­nische Delegation eine erneute Nachprüfung und Vervollständigung zugesagt. Es wird allzu - warten fein, ob die polnische Seite bereit ift,.auf Grund der weitergehenden Angebote aus deutscher Seite nun auch ihrerseits Zugeständnisse zu machen. Hiervon hängt die weitere Entwicklung der Verhandlungen entscheidend ab.