Ausgabe 
13.12.1929
 
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Das Erbe des Herrn von Anstetten.

Vornan von 3- Schneider-Foersil.

Urheber-Rechtsschutz durch

Verlag Oskar Meister. Werdau i. La.

25. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

.Vermißt, Mama? Vielleicht ist er in der Zwischenzeit zurückgckommen?! Vicht? Tot?"

Sie taumelte in die Polster zurück, so ruckartig hatte er seine Hände aus den ihren befreit.

.Bernd! Der General hielt ihn am Arme fest, um zu verhindern, daß er aus dem Fond sprang.

.Du hast mich also doch belogen!" Die Kna­benfinger lagen geballt auf de/r Knien. Er wich vor der Mutter zurück, die nach ihm greifen wollte und krümmte sich zusammen, um nicht an ihr Kleid zu streifen. Als sie den Mund öffnete, verbarg er das Gesicht in den Händen. Sag nichts! Ich weih ja alles! Er ist mir zuvorgekommen. Aber ich werde den Oerhen suchen! Es gibt keinen Platz der Erde, wo er sich vor mir verstecken kann."

Bernd!"

3n jeden Winkel werde ich kriechen! Durch alle Erdteile werde ich ihn verfolgen! Vicht einmal im Wasser soll er vor mir sicher sein!"

.Bernd!" Lätzen nahm dessen Hände in die feinen.Schweig jetzt! Vur jetzt, Berndl" Er warf einen raschen Blick nach dem Chauffeur. Viemand weih etwas Gewisses. Es sind alles nur Vermutungen."

Dis aus das eine daß er tot ist!" Es war ein verzweifeltes Aufschluchzen.

Brunhildc wagte kein Wort mehr an ihn zu richten. Vur ihre Hände legten sich auf seinen Scheitel und fühlten sich in der nächsten Se­kunde abgeschüttelt.

Das war der Richterspruch ihres Kindes, welches fein Teil mehr an ihr haben wollte.

Als man eine halbe Stunde später vor der Rampe auf Schloß Anstetten hielt, stieg eine ge­brochene Fran aus dem Fond und ein junger Mensch, der in einer Stunde vom Knaben zum Manne gereift war.

Er ging schleppenden Schrittes die Freitreppe hinauf, ohne nur einen Blick nach Mutter und Großvater zu werfen, die ihm langsam folgten.

.Bernd!" Brunhildes Ruf war ein einziges Flehen.

Er toarötc das Gesicht nicht und ging durch die Flügeltüre, welche Friedrich weit offen hielt.

Herr Baron!" Die zitternde Stimme des Alten ließ ihn für einen Moment aufsehen. Er konnte nicht sprechen und würgte an den Tränen, die ihm haltlos über die Wangen liefen, horte die Schritte von Mutter und Großvater hinter sich und hastete der Treppe zu.

Eine volle Stunde lag Drunhilde vor der Tür ihres Sohnes auf den Knien und bat um Einlaß.

Als man das Schloß sprengte, fand man das Zimmer leer. Kxir durch das Fenster ins Freie geflüchtet, niemand hatte gesehen, wohin er gegangen war.

Letztes Finkenschlagen im Tann! Wucherndes Drombeergezweig in wehenden Büschen zwischen Farren und Kiefern gezwängt! Lautloses Atem­holen des Waldes! Wipfelrauschen und letztes Käfergesumm!

Talab hetzte der Quell. An der rinnenden Quelle stillten die grasenden Rehe den Durst. Bachstelzen bestaunten ihr Spiegelbild und netzten im Schwünge die Flügel.

Dann Ruhe und Schweigen.

3m Forsthause standen die Fenster weit zu» ruckgelehnt. Die Hochwaldtannen warfen nacht- dunkle Bänder darüber hin, als Bernd von Anstetten in die Lichtung trat.

Wenn irgend jemand um die Wahrheit wußte, wenn jemand Gewißheit zu geben vermochte, dann war es Forstmeister Bogner. Das junge Gesicht war weiß, wie die verspäteten Blüten des wil­den Kirschbaumes, der zwischen den Tannen wu­cherte. Seine Schritte schleppten sich nur mehr. Er hatte die ganze Kraft der Muskeln und Lun­gen beim Aufwärtslaufen vergeudet.

Ein Hund fuhr ihm fläffenb entgegen, winselte auf und verkroch sich, als ein Pfiff aus dem Hause ihn zurückrief.

Herr Baron!" Bogner kam über die Treppe der Veranda und streckte feine Hand der eisig- kalten seines späten Gastes entgegen.Wenn Sie einen Freund brauchen, Herr Baron, ich bin es!"

Bernd nickte.3ch will nicht 'bleiben, wehrte er, als der Beamte eine bittende Geste nach dem Hause zu machte. ,,3ch will nur fragen, ob Sie mir die Wahrheit sagen tonnen! Aber nur die Wahrheit! Sonst verzichte ich darauf."

,.3ch glaube es zu können, Herr Baron! Aber nicht hier. Vielleicht geben Sie mir für eine Viertelstunde die Ehre." Seine einladende Geste von vorher wiederholte sich.

An seiner Linken schritt Bernd die wenigen Holzstufen hinauf und trat ins 3nnere. Die großen Geweihe an den Wänden hingen bereits in tiefem Schatten.

Bernd sah unter der Türe des Wohnzimmers die junget Frau des Forstmeisters stehen, bk sofort zurücktrat, als er sich abwesenden Gesichtes vor ihr verneigte.

Das war nicht mehr der Knabe, den sie bis­lang gekannt hatte. Wissend, mit dem Blick des welterfahrenen, tausendfach enttäuschten Menschen, sahen ihr die Augen Bernds entgegen.

Sie schloß geräuschlos die Türe hinter beiden Männern und trat auf die Veranda, um ein Stück nach dem Wald zu geben. Durch die offenen Fenster hörte sie die Stimme ihres Mannes, welche nie unterbrochen wurde.

3ch spreche von Tatsachen," begann der Forst­meister.Alles andere, ich meine, jedwelche Kritik zu üben, liegt mir vollständig ferne." Er fühlte sich etwas unbehaglich, als der Blick des jungen Mannes so starr und unverwandt auf ihm ruhte. 3hnen zu berichten, wie sich die unselige Kata­strophe abgespielt hat. das vermag jeder andere so wenig, wie ich selbst, weil es eben keinen Zeugen gegeben hat. Es mag so gegen vier IHjc gewesen sein, als etwa zweihundert Meter unterhalb des Hauses ein Schuß fiel. 3ch dachte erst an einen meiner Jagdaufseher, doch gab mir die geringe Schlagkraft des Schusses zu denken. Gleich darauf krachte schon der zweite. Eine Minute später war ich auch schon aus dem Bett gesprungen. Es gab für mich keinen Zweifel mehr,

daß weder der eine, noch der andere aus dem Lauf eines 3agdgewehres gekommen war. Meine Frau hatte die Schüsse auch gehört und richtete sich im Bette auf. 3ch schlüpfte in mein Beinkleid, nahm die 3oppe über und zog die Schuhe an. 3m Treppabspringen pfiff ich nach den Hunden.

3ch hatte noch kaum den Fuß auf die Veranda gesetzt, kam schon ein Weib mit schreckentstelltem Gesicht den Hang heraufgejagt. Cs hat Minuten gedauert, bis es überhaupt zu sprechen vermochte. Drunten in der Lichtung liege ein Toter!---Ein Mann wäre an ihr vorbeige­

hetzt und den Steig hinabgeflüchtet und hätte sie dabei fast über den Haufen gerannt.--Das

müsse der Mörder fein.

3ch lief, wie ich ging und stand, nach dem wald- begrenzten Wiesenstück hinab, fühlte meine Füße wanken und kniete in der nächsten Minute vor 3hrem Vater.

Er lag auf dem Rücken, die Lider geschlossen und die Qlrme etwas von sich gestreckt. 3ch rief ihn beim Vamen, aber trotzdem ich nicht von ihm gehört wurde, sah ich, dah rasche Hilfe vielleicht noch Rettung bringen könne. 3d) riß meine 3oppe ab und streifte das Hemd herunter, das ich in einem dicken Bauschen über die Wunde band, aus der das Blut quoll.

Dann rannte ich nach Hause, um meine Frau zu verständigen, dah sie nach einem Arzt tele­phoniere, während ich selbst Verbandzeug zu­sammenraffte und wieder zurücklief.

Soviel ich auch eilte, es mochte doch zehn Minuten gedauert haben.

Als ick) hinunterkam, war der Platz leer. Das Gras ringsum zertreten und mein blutgetränk­tes Hemd zusammengewickelt unter einen Baum­stumpf geschoben. Ob sich der Herr Baron selbst sortgeschlcppt hatte, oder andere Hände mit dabei im Spiele waren, das vermag ich nicht zu sagen. 3ch setzte sofort meine beiden Teckel auf die Fährte. Sie sind sonst verlässiger als Polizei­hunde und haben eine Vase, um die jedes Raub­zeug sie beneiden konnte.--Aber in diesem

Falle versagten sie vollständig. Sie sprangen nur immer kläffend gegen eine Fichte und voll­brachten ein Geheul, als ob ein Handwerksbursche dort Platz genommen hätte.

Es gelang mir trotz allen Befehlen nicht, sie zur Ruhe zu bringen. Dann wurden sie auf ein­mal ganz still, begannen nur kläglich zu winseln und auf allen Tieren heranzukriechen, als wollten sie bei mir Schuh vor etwas ganz Ungeheuer­lichem finden.

3ch kümmerte mich nicht weiter um sie, lief und stolperte über einen Browning, der im Grase lag. Er trug das Wappen des Grafen Oerhen eingrobiert. Das Rätsel war für mich gelöst. Es muhte sich um ein Duell ge­handelt haben, das ohne jeden Zeugen verlaufen war.

3ch rannte den Wald kreuz und quer, habe die Holzarbeiter alarmiert und ihnen gesagt, der Herr Baron hätte einen Fehlschuh gemacht und wäre möglicherweise dabei verunglückt.

Als ich drei Stunden später nach Hause kam, brach ich vor Aufregung zusammen. Dem Arz!, der inzwischen eingetroffen war, hatte meine Frau gesagt, dah ich mich geirrt habe. Es müsse sich wohl um einen unvorsichtigen Schuh eines Sonntagsjägers gehandelt haben, der sich, ohne weitere Hilfe toieber davongemacht hätte. Wir wollten um jeden Preis vermeiden, dah der Vame

der Herrschaften von der Allgemeinheit herum­gezerrt wird.

3ch hoffe, dah wir in 3hrem Sinne, sowie auch in dem 3hrer Frau Mutter gehandelt haben, Herr Baron."

Bernd neigte kaum merklich das Haupt.Sie haben meinen Vater also noch lebend getroffen, Herr Forstmeister?"

3a! Allerdings ohne Bewußtsein. Aber daß sein Herz schlug und die Brust in kurzen Stößen atmete, das kann ich, ohne lügen zu müssen, jederzeit beeidigen."

Glauben Sie, dah Oerhen ihn weggeschafft hat?"

Vielleicht--obwohl ick) es eigentlich für

ausgeschlossen halte. Er ist, wie die beerensuchende Frau ganz richtig meldete, talab geflüchtet. Wahr­scheinlich hielt er 3hren Herrn Vater für tot. Es müssen ganz andere Kräfte im Werk ge­wesen sein, daß der Herr Baron in dieser kurzen Zeit vom Platze verschwinden konnte. 3ch glaube nicht an okkulte Dinge es wird zu viel Schwin­del damit getrieben, ---aber meine Frau"

Dürfte ich Sie bitten, fertig zu sprechen, Herr Forstmeister?"

Also ganz ohne Gewähr!--3hr Herr Vater

hat einmal hier gesessen, genau in dem gleichen Stuhl. Es war damals, als ihn das Gewitter überraschte, ilnb hat ein Glas Tee mit uns ge­trunken. Da .sah meine Frau plötzlich hinter seinem Rücken ein bronzenes Gesicht auftauchen, das sich zu ihm herabneigte. 3ch habe wohl gemerkt, wie ihre Hände beim Füllen der Tassen zitterten, aber erst hernach die Ursache davon er­fahren.

An dem Vormittag nun, an welchem ich nach 3hrem Herrn Vater suchte, behauptete sie, dem gleichen Gesicht im Walde begegnet zu fein. Es wäre ein Mann Mitte der Dreißiger in der Kleidung eines 3nders gewesen, mit ,braunem Hautton und ein paar tiefdunklen, traurigen Augen.

Sie hat Furcht bekommen und ihren Heimweg beschleunigt. Vach einigen Schritten hat sie sich umgewandt, aber nichts mehr von ihm gesehen."

Denken Sie an Zigeuner, Herr Forstmeister?"

Derlei kommt gar nicht in Betracht, Herr Baron! Lassen Sie diesen Gedanken ruhig fallen. Aber wenn ich mir alles so vergegenwärtige: Das Gebühren der Hunde am Schauplatz der Tat! Ferner die Begegnung meiner Frau mit dem Altbekannten, drängt sich mir doch die Möglichkeit auf, daß der Herr Baron bei seinem jahrelangen Aufenthalt in 3ndien irgendwie die Bekannt­schaft eines Mannes gemacht hat, der noch jetzt eine Rolle in feinem Leben spielt."

Vater ist ganz allein aus 3ndien zurück- gekommen," warf Bernd ein,nur Stephan war bei ihm."

.,3ch weih es. Herr Baron!--Trotzdem

müssen irgendwelche Zusammenhänge bestehen. Welcher Art diese sind, wäre natürlich nur durch den Herrn Baron allein zu erfahren."

3n Bernds Gesicht verstärkte sich der müde, vergrämte Ausdruck, der die ganze Hoffnungs­losigkeit seines 3nncrcn verriet. Er erhob sich und verneigte sich gleichzeitig vor Bogner.3ch danke 3hnen für 3hre Auskunft, Herr Forst­meister! Es sind noch acht Tage bis zum Schulbeginn. Dis dahin hoffe ich, meinen Vater gefunden zu haben."

(Fortsetzung folgt.)

maVek.

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