Ausgabe 
13.11.1929
 
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Mittwoch, 15. November 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 267 Drittes Blatt

Für den Büchertisch

Politik und Geschichte

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Reue Kriegsbücher

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mit der Ausdauer des Welterrbummlers Hot

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Gunther Plüschow, derFlieger von Tsingtau", fast zwei Jahre lang Meer und Luft durchsegelt. Auf seinem KutterFeuerland" hat er zuerst mit seinen vier Fahrtgenossen und Schnauf, dem Huno, den Atlantik überkreuzt. Denn dieses Mal hat er den Kiel der neuen Welt zugekehrt. Bra­silien wird angesteuert, um die letzten Dotokudea

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errenkt>nfekti0n 6rnen Anzügen

kommens Wandlung vollziehen, wenn er vor einer objektiven Kritik bestehen will. Eine starke Talentprobe ist dieser Roman, die verheißungs- voll auf Iahre der Entwicklung und Reife weist. A. B.

Der Hof im Ried. Bon Gust. Schröer. Roman. 10. bis 13. Tausend. Gebunden Mk. 3. Dcrlag Quelle & Meyer, Leipzig. (443) Der Thüringer Daucrndichter schildert die Geschichte einer entsagungsvollen Liebe zweier Menschen, in denen ein schwerer Kampf zwischen gesunder Sinnlichkeit und der Ehrfurcht vor sich selbst zu ernsten Konflikten führt. Die bewegte Hand­lung, meisterhaft aufgebaut und spannend bis zum Acustersten. wirkt erschütternd in herber Knappheit. Mit feiner psychologischer Kunst wer- den Land und Leute und ihr tragisches Schicksal geschildert.

Aus fremden Literaturen.

Marie Hamsun: O l a Langerud in der Stadt. Erzählung. 218 Seiten 8n. Be­rechtigte Uebersetzung aus dem Rorwegischen von 2. Sandmcier und S. Angermann. Ein­bandzeichnung von Olaf Gulbransson. Lei­nen 7 Mark. Berlag von Albert Langen in München. (523). Marie Hamsun hat nach ihren Langcrudkindern" und denLangerudkindern im Winter" in ihrem neuesten Buch wieder von den nun Heranwachsenden Langerudkindern und deren Gespielen erzählt, besonders von dem Ael- testcn, Ola, dem tapfersten und nobelsten klei­nen Mann, den man sich vorzustellen vermag. Da ist er aus der Dcrgheimat in die große, fremde Stadt verseht, um sich Schulbildung zu erwerben, er kommt sich bäuerlich und gering vor unter der Spottlust der Schulgefährten, er lebt bei fremden Leuten, wo der Herr des Hau­ses sogardie Tür auf eine sparsame Weise öffnet", und erobert sich o, durchaus nicht als Musterknabe, aber als echter, ehrlicher Bub Umwelt und Leben. Das liebenswürdige, mit einem seinen Humor und weiblich-mütter­licher Lleberlegenheit geschriebene Buch verdient'-, viele Freunde zu finden.

Henry de Montherlant: Die Tiermenschen. Roman. Aus dem Fran­zösischen übertragen. Bon Hairs Kauders. 291 Seiten 8n. Leinen 7 Mk. Im Insel-Derlag zu Leipzig, 1929. (416). Dieser hinreißend geschriebene Roman handelt in Spanien und in der Provence, handelt von Kampf und Liebe. Die Tiermenschen von Henry de Montherlant, das sind die Stierkämpfer Spaniens und Eüd- frankreichs: Montherlant, der französische Aristo­krat, beschreibt ihr Leben nicht als Zuschauer aus der Loge, sondern er ist selbst als Torero mit dem Degen und dem roten Tuch in die Arena getreten. 6: ine Prosa vereinigt alle Kräfte vom Erdhaft-Volkstümlichen und Animalischen bis zu der brokatenen Pracht der Spätantike in sich und erhebt sich zu Hinreistender Gewalt.

einmal aus. man must auch Gelegenheit den spielenden Figuren der Zeit in die zu sehen und selber zu Gewinn und mitzuspielen. Anton Tetzner, der in seinem Erstlingswerk, dem Roman Antäus. wirk­liches Talent zu erkennen gibt, wünsche ich, dast er aus drückender Enge bald in befreiende Weite gelangt. Phantastisch gesteigerte Bilder gleiten in dem Roman an uns vorüber, denen vielfach noch die Verfeinerung, die Verinner­lichung fehlt. Llebcrkultur wird wach, die, was schön angcsponnen ist. oft wieder zerreistt. Liebe will Klüfte überblühen, aber es sind nur kurze Träume, die rasch verwehen! DaS Buch zeigt vortrefflich exponierte Abschnitte auf. in seiner Totalität bleibt es im Problematischen stecken, man vermistt die künstlerische Rundung. Auch in der Stilistik muh sich bei Betzner eine voll-

16. Jahrhunderts. der Kof Ph'.-rpps II. biLm tcn Hintergrund, auf dem sich die spannende Hand­lung des Romans ao.eichr.et. Da erschienen die unS vertrauten Gestalten Philipps und des Don Carlos, doch dieser nicht in der Schillerschen Idealisierung, sondern, toie rijn die überliesert, bösartig und verkommen. Da erscheint der blutbefleckte Alba. Wir hören von dem rit.er- lichen Egmont. Roch einmal entbrennt der Kamps um die Riederlande. In den Vordergrund aber treten die scharfumrissenen Phantasiegestalten des Dichters, der n'ederländische ^reiheitsheld Mon- tigny. der shylockartig verkrampfte Goldschmied von Segovia, des en Hast und Selbstzerfleischung ihn zu entsetzlicher Gröhe emporheben und die rührende Gestalt seiner Tochter, die das Opfer ihrer hingehenden Liebe wird.

Anton Dehner: Antaus, vornan Merlin-Verlag. Baden-Baden. (511). - ES ist nicht genug, dast man Talent habe, spricht

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verwirrte. Für den Vater bedeuteten die Iahre der Liebe zu Sidonie heimliches.^ erfüllendes Glück: für Sidonie waren sie Glück und Leid zugleich, da sie dem Vater zugefallen ist, im Grunde aber stets den Sohn liebte. Dem Sohn hat die Erkenntnis des Verhältnisses zwischen seinem Vater und der Iugendgespielin zede Fä­higkeit zur Liebe genommen. ES ist interessant, wie ohne jede Prätention Und ganz selbswer- ständlich die Ergebnisse Freudscher Seelenana- lyse im Roman künstlerisch gestaltet werden. Am besten ist die Deichte des Vaters gelungen: das ist eine Gestalt, wie sie der französische Roman meisterhaft schildert: nomme ä femmes, Künstler

politischen Geschichte. Man darf im ganzen durch politisch-historische Belletristen wie Ludwig und Eulenburg mihtrauisch gemacht Stefan Zweigs Ausflug als gelungen bezeichnen, wenn es auch dem zünftigen Historiker nicht schwer fallen wird, dem Proträtisten manch falsch ge­sehene Farbe im Hintergrund, manch verkannte Züge, verdrehte Auffassungen nachzuweisen. Aber von Einzelheiten abgesehen wird uns aus der Zweigschen Darstellung äußerst subtil, äuherst erregend, wie bei Zweig selbstverständlich das Porträt dieses Großen der Devolution, dieses Einzigen, den der große Kaiser unter seinen Mit­arbeitern zwar verachtete aber auch fürchtete, dieses Mannes, dessen einzige große Stärke die absolute und unbedingte Charakterlosigkeit war, wieder ganz nahegerückt. Ein erstaunlicher Auf­stieg, eine unerhörte aber in seiner politischen Ratur tief begründete und ihr selbstverständliche Wandlung vom Priester zum Revolutionär, vom Girondisten zum Iacobiner, vom Schlächter von Lyon zum Minister des Direktoriums, vom Partei­gänger des Barras zu dem Rapoleons, des neuen Sterns, vom kaiserlichen Minister zu dem der Bourbonen diehundert Tage" zieht den Konjunkturpolitiker natürlich wieder ins Lager Rapoleons, doch er ist sofort zum Verrat seines Herrn und Meisters entschlossen, als bei Water­loo die Sache schief geht. Den Gipfel an Span­nung, künstlerischer Gestaltung und historischer wie psychologischer Glaubwürdigkeit erreicht > ----- . r:ch miÄ

Sn wird. N<ü>°le°n f<&nt uns 6a- 1 M>Mteton d

gegen in recht wesentlichen Momenten falsch be­urteilt. Das Zweigsche Buch, dieses Porträt einer Rachtgestalt der Geschichte, gehört zweifel­los zur interessantesten Lektüre dieses Iahres.

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,el und Anzüge 1 Fabr'kat und Fähigkeit sind?

Marcel Prevost: Der jungfräu­liche Mann. Roman. Ins Deutsch« übertra­gen von Franz Blei. Deutsches VerlaashauS Dong & Co.. Berlin W 57, Leipzig. (488). Dieser Roman von Prevost ist gute französische Tradition: wenig Handlung, Seelenzergliede­rung. elegant geschrieben, gut lesbar und in­folge seiner tiefen Kenntnis menschlicher Lei­denschaften niemals oberflächlich. Drei Menschen, Mann, Frau und Sohn, geben ihre LebenS- ... - - - -- -r das

Deutsche Erzähler. IWs

Gustav Frenssen: Iörn Uhl. G. Drvtcsche Verlagsbuchhandlung, Berlin. Preis Verlust 3.50 Ml. (557) Der bekannte Verlag, der die Pflege und Verbreitung wertvoller deut cher Er­zählungs-Literatur se t vielen Jahrzehnten zu seiner Hauptaufgabe gemacht hat, legt eine Volksau gäbe von Gustav Frensfcns berühm­testem Roman vor, der bei seinem Erscheinen einen einzig dastehenden Ersolg erzielt hatte. Das Buch hat seitdem immer weit re Kreise ge­zogen und wie jedes echte Kunstwerk von seiner Wirkung und seiner Leuchtkraft noch nicht; ein- gebüßt. Die Volksau gäbe enthält den Text un­gekürzt. Die Ausstattung ist durchaus gediegen: holzfreies Papier und ein schöner Leinenband bei billigem Preis.

Joseph von Laufs, Volk ohne Ehre. Ein niederrheinischer Roman. Leipzig. K. F. Koehler, G. m. b. H., Verlag. Ganz­leinen 7 Mk. (499) Laufss neuer großer Roman verseht das Romco-und-Julia-Motiv in die Ze.t nach dem Weltkrieg, wo es infolge der neuen I Earl Grimberg, Weltgeschichte. Anschauungen und unter dem Druck der Infla- Leben und Kultur derVölker. 1. Bund: tion auch in den kleinsten Orten zu partermaßl- Anfänge der Kultur. Die Aegypter. Die Assyrier gen Spaltungen, ja zu blutigen Auseinander- un& Babylonier. Jsraelilen und Phönizier. Die sehungen kam. Durch den Streit der Vater wird Meder und Perser. Die ägäische Kultur. 2. Band: die Liebe zweier junger Menschen den schwersten $-e Ganzleinen Subskriptionspreis

Erschütterungen ausgesetzt, und erst als es zu - <SanI) 7 90 Mark. Einzelpreis je Band 8,80 spät ist, führen Einsicht und Reue zur Dersoh- M<^ M Doigtländers Verlag, Leif z g C 1. nung. Die Personen des Romans sind mit em- (473 ) Das Wertvollste an dem Buch ist die dringlicher Klarheit und Feinheit gezeichnet die künstlerische Verwebung der politischen Eeschichie Rot der Zeit im bedrängten Grenzland ist Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Alle

lebenswahr geschildert und die Handlung fesselnd drei Gebiete menschlicher Entwicklung kom- gestaltet. . .... men nebeneinander zu ihrem Recht, und nur ihr

Helene Döhlau, Erne zärtliche harmonischer Dreiklang macht ja das Studium Seele. Roman. In Lernen gebunden 6 Marl. un& bie Kenntnis der Geschichte so wertvoll und Deutsche Derlagsanstalt, Stuttgart. (555) - Kost- unentbehrlich. Daneben schildert der Verfasser lich ist die Fülle der luftigen und bedeutsamen Q Wege, auf denen wir unsere Kenntnisse Einfälle Helene Döhlaus bei der Ausmalung des Dom Leben der alten Völker erlangt haben. Er wunderlichen Lebens im Haufe der Zwols^ Apostel ung mühsame Arbeit der Ausgrabungen, und feiner urwüchsig-herzhaften Bewoyner, m scharfsinnige Enträtselung der Hieroglyphen deren Mitte sich das Schicksal Dorettcheiis, der un& 5er Keilschrift miterleben. Er legt uns m Zärtlichen Seele", entfalt:t Ihr selbst, nicht Jahrtausende alten Driesen, Urkunden und Lage- bewußt, ist das Leben Dorettchens erhöht in der Büchern soziale Lebensbilder vor, die sich mit Verbundenheit mit der schöpferischen Allmacht, &en Problemen unserer Zeit zu befassen von ihr selbst kaum geahnt, verbreitet sie um sich schien. Die Wiedergabe der alten Volkssagen, her Freude und SeligkeitDu lebst ia in Gv.t eingehende Besprechung der literarischen wie der Vogel in der Luft und der 6>sch 'm Meisterwerke, die Würdigung der künstlerischen Wasser." Diese Worte des Zungen Soldaten Leistungen gibt uns ein Spiegelbild von der dem dieZärtliche Seele , mmittm des Grauens Weltanschauung der alten Völker. Daß aller des über Tirol hereinbrechenden Krieges, ihre wissenschaftliche Dallast, alle Zersplitterung durch letzte Liebe schenkt, Seben die Deutung vom Streitfragen vermieden worden sind, erhöht den Sinne chres Lebens Ihr Schicksal verwachst mit f Grimbergschen Weltgeschichte als der Legende vom Konigskind, das die höchste Volksbuch.

Gabe der Erde besitzt: Leid in Schöpferkraft zu 6 tef <in Zweig, Joseph Fouche, verwandeln. DildniS eines politischen Menschen, Insel-Verlag

Walter von Molo: Die Scheidung. JU Leipzig (424). Zweig, dem wir eine Reih« Ein Roman unserer Zeit. Paul Zsolnay Verlag, gutgesehener literarhistorischer Porträts verdan- Berlin, Wien, Lepizia, 1929. (505) Nur zu einem lcn wagt sich mit dem Bildnis deS gefürchteten Problemunserer Zeit" nimmt Molo in seinem Polizeiministers Rapoleons auf das Gebiet der neuen Roman Stellung, zum Eheproblem, besser: --

zur Frau unserer Zeit, da er die Ehe als Institut niemals angreift, sondern in ihr die letzte und ein­zige Form des Verhältnisses zwischen Mann und Frau sieht. Aus einer gescheiterten Ehe kommend, durch die Liebesschule einer in allen Künsten er-

sahrenen Geliebten gehend, gelangt der Held des Werner Deumelburg, Sperr- Buches zu dem Frauentyp, der wohl die Vereint- feuer um Deutschland, Ganzleinen 6,50 qunq der beiden ersten und eine Vervollkommnung Mark. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i O. ihrer Typen darstellen soll, zu einer Mädchenfrau, (504.) Es ist gewiß gut, daß die Flut der die schon am Leben gelitten, aber sich die Ursprung- Beröffentlichu.gen von Einzelschicksalen, Crnzel- liche Reinheit ihres Gefühls bewahrt hat. Durch die erlebnifsen des großen Krieges nut ihrer natur» Begegnung mit ihr löst er sich endlich ganz von sei- oder gewollten Enge, Einseitigkeit De-

ner ersten Frau, von der die Scheidung anfangs grenztheit, Tendenz unterbrochen wird durch em nur eine äußere Trennung war, ... streift er alle Buch, das sich endlich das Volk als solches m schmerzenden Erinnerungen an die reizvolle Geliebte seinem Heer zum Helden wählt, dieses Volk, ab Das ist das Geschehen in diesem Roman; der dessen Leistungen und dessen Heldentum nicht Hauptton liegt auf den leider oft sehr unleben- um einen Deut gemindert werden durch meDer- biqcn und theoretischen Auseinandersetzungen drückende und niederziehende Einzelerlebnisse, Die des Helden mit den drei Frauen. Der Held ist ein aug der Froschperspektive gesehen oder gar der Mann der Vorkriegszeit, d. h. er will nicht die literarischen Wirkung halber aus schwacher Er- selbständige Frau, die als Persönlichkeit und Eigen- mnerung frisiert wurden. Jeder, der Remarque wesen gewertet zu sein wünscht, sondern die Frau verschlang, muß Deumelburg lesen, will er unter dem Mann, sein Instrument, das sich willig wissen oder sich darauf besinnen, wie es toirt- seinem Leben einfügt, passiv, ohne Widerspruch und lich war. Wir wollen gleich sagen, was unL an positiv zu werten mütterlich. Das Buch ist dem Duch nicht gefällt, was aber vielleicht sich offenbar aus einer tiefen Verbitterung heraus ge- ^icht umgehen ließ, um em abgerundetes Dttd schrieben- der Mann findet sich einfach nicht mehr des Krieges zu geben: die- politische Geschichte Zurecht in den Frauen, sieht sie nur noch als Ge- des Krieges. Sie beschränkt sich nur auf wenige fchlechtswesen und Feindinnen, die herrschen und Seiten, ist absoluter Durchschnitt, m vielen Punk- ben Mann hinabziehen wollen. Ueberall spurt man tcn der Darstellung keineswegs unanfech.bar und das am eigenen Leib Erfahrene, aber diese Ersah- häufig ergänzungsbedürftig. Aber hat man dieses rungen sind nicht Gestalt geworden. Am besten und Fegefeuer einmal durchlaufen reiht die Span- deullichsten gelungen ist die Frau, die bezeichnen- nung nicht ab und das will viel heißen bei verweise Nora" heißt; ihr ist Ibsens Nora zum einem Duch, das auf 520 Seiten von nichts an» Symbol und zum Fluch geworden. Und dann die derern spricht, als vom Kämpfen, Kämpfen und Geliebte, in der wirklich ein Frauentyp unserer Zeit wieder Kämpfen. Wie uer Verlauf des Krieges acieithnet ist. Der Mann und namenllich das ge- in seinen großen Eirz:lphasen vor unserem geistl- fundene und versöhnende Ideal bleiben blaß und gen Auge abrollt, das ist unerhört leoendig und werden vor lauter Reden und Gegenreden keine dramatisch. Darstellungen der strategischen Lage lebenerfüllten Menschen. Außerdem kann nicht oer- au8 dem Gesichtswinkel der Führer auf beiden schwiegen werden, daß der Stil des Buches in kei- Seiten werden abgelöst von Schilderungen des ner Weise befriedigt. Unklare, nicht geschaute, nur Gesamtschlachtverlauss, von Er.ebn.sien einzelner geschriebene Bilder, gesucht und wenig glücklich, Truppenkörper, von Eindrücken des schlichten prachliche Unebenheiten und glatte Entgleisungen Kämpsers. Der Feldsoldat schlechlh.n wie er sich chmälern den Genuß der Lektüre erheblich. Man im Laufe der ersten zwei Iahre dieses Ringens, etzt sich mit dem Buch auseinander, weil man hin- besonders in den übrigens ganz unubertrof* er ihm eine Persönlichkeit von Format spürt, fen geschilderten Materialschlachten beS We- aber man kann es nicht bejahen. G. Th. stens herausgebildet, in die lehien Kriegsmonate

Ludwig Huna: Der Goldschmied nur hier und da als einsame Säule ömernragend v 0 n S e g 0 v i a. Ein historischer Roman. Leinen als tragendes, z isamme^altendes Glled aus 9 00 Mk. Verlag Grethlein & Co., Leipzig. (462) besserer Zeit unentbehrlich für "bgeiampste, efcanitoe Landschaft, spanisches Leben des erschöpfte, völlig ungenug^d ergänz e Heer und 16. der WW ». bißen den | doch inÄ

und'Heimat, aber von zäher Energie, von eifer» nem Widerstandswillen, von überlegener tech­nischer Erfahrung in Angriff und Llbwehr, ist der Held des Weltkrieges, der Held dieses Duchcs, das uns den Krieg m unserer Erinne­rung wieder dorthin zurech.rückt, wohin er trotz alles Grauenhaften, alles Riederdrückenden al.es Enttäuschenden unserem besten Ge ühl nach ge» hört. Und dafür danken wir Deumelburg.

O. Schwab: Die Durschenschast Germania-Darmstadt im Weltkrieg. Drosch. 5,70, Ganzl. geb. 7.50 Mk. Hassia-Verlag, Ridda Oberh. (506) Eine Gruppe nahonaler Studenten und Ingenieure erzählt ihre Kriegs- erlebnisse. Don allen Fronten entrollen sich oie Kampfbilder zu einem Denkmal deutscher Treue. Die Gefallenen und Verwundeten sprechen m ihren Tagebüchern und Briefen. Das Kriegs»

-lend und 6er Schrecken der Schlachten toertoi

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die Melt und ihr Getrie^ betrachtei^ abe^ge- (3ef(a{t b[ci6t ein wenig dogmatisch ' und starr

laden mit eiserner Entschl11 zu Unb hat nicht die Lebensfülle der beiden andern.

Keine Problematik macht sich hemmend bemerk I < irr.prrpf.linn audaexeidmet: sie

bar. Das Ziel ist a^Ic" !Iarl gibt in bestem Deutsch immer noch die eigentüm-

toteren5®^ kich- ZSrbung d-s Iranzösischen Originals.^ bekennt noch ein junger Datterieführer, der ernst

als Kriegsfreiwilliger auszog: Wir haben unsere 'WeifCtt UtlO SiPCtllCUCr. Pflicht als Soldaten bis zur letzten Stunde ge»

tan und sind nicht schuld am Zusammenbruch. Wilhelm Filchner: O m mam p a d - Es ist bester kritischer Geist deutscher Iugend m e hum. Meine China- und Tibetexpedition und deutscher Ingenieure, der die Augen nicht 1925/28. 364 Seiten Text und vielen Abbildungen verschließt vor schweren politischen Fehlern des nach Haniz?ichnungen des Verfassers, 48 Kunst- alten Reiches, aber sich frei hält von der An- drucktafeln sowie einer Übersichtskarte. Geh. 13, betung modern-pazifistischer Ideologien.Don Ganzleinen 15 Mk. 2. Auflage. F. A. Drockhaus, dem, was die neue Zeit bringt, werden wir an- Leipzig 1929. (487.) Filchner ist der Urtyp des nehmen was gut, ablehnen und bekämpfen was deutschen Jdealisteir, aber nicht des weltabge- schlecht ist für unser Volk und ihm den zukünf» wandten Spintisierers, sondern des tatkräftigen tigen Aufstieg verbaut." Wenn man tiefer schaut, Willensmenschen, der sein Ziel mit ruhigem De- erfennt man in diesem Duch die Früchte der dacht wählt und dann die Wahrheit des alten besten Tradition deutschen Studententums. Wortes beweist: Wo ein Wille ist, ist auch ein

Georg von der Dring: Camp La- Weg. Es ist bekannt, mit welchen unendlichen f ayette. Roman. 416 Se trn 8°. Geh. 5,00, Schwierigkeiten er auf seinem Expedi'ckonswege zu Ganzleinen 8,00 Mk. Carl Schünemann Derlag, kämpfen hatte; viele unserer Leser werden sich Dremen. (485) Don tec Dring, der vor einiger noch der anschaulichen Schilderungen erinnern. Zeit durch seinenSoldaten Suhren" schnell be« die Filchner seinerzeit auf seinem Vortrage in farmt und mit diesem Duche auch sofort über» Gießen an Hand von Lichtbildern gegeben hat. schätzt worden ist, gibt hier aus eigenen Erleb» Aber es ist ihm trotz alten Widerständen gelun- nissen einen Kriegsgesangenen-Roman. Schil- gen, das umfangreiche wissenschaftliche Programm bedungen aus einem amerikanischen Offizierslager der mehrjährigen Forschungsreise durchzu'.ühren; in Frankreich. Zustände und Menschen werden hier legt nur Filcher in einem spannend aeschrie- mit einer an der geringsten Aeußerlichkeit hän» benen, vorzüglich bebilderten und ausgestatteten genden. oft peinlich exallen Realistik vorgeführt, Werk den Tericht über seine abenteuerreichs beschrieben in einem schon früher zu beobachten- Fahrt vor, ein Buch, bei dem nicht nur der ten, meriwürdig spröden, ja barocken und ma» sensationshungrige Le er auf seine Kosten kommt, nirierten Stil. (Ganz stereotype Wendungen im sondern das zugleich wertvolle Einblicke Der» Dialog wieich aber" undwir aber" sind in schafft in die gärende Welt des neuen China solcher Umgebung zum mindesten unwahrschein- und ein plastisches Bild gibt von Land und sich.) Diese halb traurige, halb lächerliche, oft Leuten im geheimnisvollen Reich des Dalai­belanglose und manchmal einfach langweilige Mi- Lama.

lieuschilderung stößt nur selten einmal aus demSilberkondor über Feuerland. Bereich privater Aufzeichnungen und liebgetoor- Ein Duch von Gunther Plüschow, dem Lener Erinnerungswerte in die RLHe und TiefeFlieger von Tsingtau". Verlag Ullstein, Berlin, menschlicher Anteilnahme des Lesers vor. der Drosch. 5, Seinen 7 Mk. (539) Mit den schön- Laran denkt, wie unendlich viel mehr im Kriege heitshungrigen Augen des Raturfreundes, nut geschehen und erlitten worden ist. als dieses tag- | dem Mut und dem Willen des Abenteurers unb siche Einerlei imCamp Lafayette". Erst gegen Ende hin erhält mit der Schilderung eines (ge­scheiterten) Fluchtversuchs ter Roman einigen Auftrieb und stärkere Spannung. Dies macht, neben einigen gut gefaßten Episoden der Gro- teslsigur desGroßen Humke" zum Deisviel und einigen Szenen der Heimkehr nach Deutsch­land, den besten Tell des Buches aus.