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Die Kundgebungen der Studentenschaft vor und ui der Universität sind auf andere Ursachen zu- rüclzuführen, als man zunächst angenommen hatte. Die Allgemeine Deutsche Stu­dentenschaft hatte in der Universität als Einladungen zu ihrem bevorstehenden Ball Plakate angebracht. Dec neue Rektor. Prof. Ehrhardt Schmidt, hatte diese Plakate entfernen lassen, was große Erregung hrr- vorrief. Kurz nach 11 Uhr versammelten sich etwa 800 Studenten hinter dem Universitäts­gebäude auf dem Hegelplah, wo der Vorsitzende der QL D. St., cand. jur. Hoppe, eine Qln- sprache gegen daS "Verhalten des jetzigen Rek­tors hielt und auf dessen Vorgänger ein dreifaches Hoch ausbrachte, in das die Studenten stürmisch einfielen. Eine Polizei- bereit schäft rückte an, beschränkte sich aber zunächst auf Olusrechterhaltung des Verkehrs. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der die Studentenschaft u. a. Rechte in dem Amt für Leibesübungen verlangt. Rach dem Olbsingen des Liedes ^.Burschen heraus" zogen die Studenten durch die Universität nach dem Vestibül, wobei sie, da ein Flügel des Universitätstores geschlossen war, ihren Weg zum Teil auch über das Gitter des Vorhofes nahmen. 3m Uni­versitätsgebäude selbst kam es dann zu den oben bereits geschilderten Zusammen st ößen mit anders eingestellten Studenten, wobei die Polizei sechs Sistierungen vornahm. Die festgenommenen Studenten wurden aber durch den inzwischen erschienenen Polizeipräsiden­ten Zörgiebel wieder entlassen.

Der Rektor, Professor Schmidt, hat dem Kultusminister Decker einen schriftlichen Be­richt über die Vorgänge an der Berliner Uni­versität übermittelt. Kultusminister Decker billigt in jeder Hinsicht die Haltung des Rektors, die Profcssorenschaft der Universität steht hinter dem Rektor und lehnt derartigeKundgebungen" ab.

Der Fall Lampel.

Wer hat den tödlichen Lchutz abgegeben?

Liegn itz, 12. Noo. (WB.) Der Liegnitzer Un­tersuchungsrichter hat den in Spandau unter dem Verdacht der Beteiligung an dem Mord bei Neustadt verhafteten Studenten Ullrich von Bollwitz eingehend vernommen. Das Der- hör konnte aber nach stundenlanger Dauer noch nicht zum Abschluß gebracht werden, weil v. Bollwitz er­klärte, daß er sich die ganzen Einzelheiten der frag- lichen Vorgänge doch noch einmal ins Gedächtnis zurückrufen und deshalb über diese Fragen im Laufe des heutigen Dienstags schriftlich äußern wolle. Schon nach seinen bisherigen Er­klärungen scheint aber festzustehen, daß v. Pöllwitz, der sowohl von Lampel wie von Schwenninger schwer belastet wird, seine Beteiligung an der Ermordung des Baltikumers Fritz Köhler nicht bestreiten will. Ungeklärt ist vorläufig nur die Frage, ob er oder Lampel den tödlichen Schuß abgegeben hat. Gewisse Aeußerungen, die v. Bollwitz bei seiner dann später abgebrochenen Vernehmung getan hat, könnten daraus schließen lassen, daß er tatsächlich der eigentliche Mörder ist, so daß die anderen, darunter also auch Peter Martin Lampel, nur der Beihilfe veroächtig sein würden.

Die Untersuchung der Gklarekaffäre.

Berlin, 12.Rov. (WB.) Das Ergebnis der neuen Ermittelungen in der Sklarekangelegenheit läßt cs wahrscheinlich erscheinen, daß Stadtrat G a e b c l durch den zusammen mit ihm verhaf­teten Stadtrat Degner zu der Verlängerung des Eklarekschen Monopolvertrages bis 1935 an gestiftet worden ist. Stadtrat Degner scheint zuerst den Eklarekschen Beeinflussungen «erlegen zu sein, und dann seinerseits seinen Parteigenossen Gaebel für die von der K. V. G. gewünschten "Bertragsverlängcrung gewonnen zu haben.

Die Ermittelungen des Disziplinaruntersu- chungskommissars, Oberrcgierungsrat Kapolski, in dem Disziplinarverfahren gegen den Stadt­amtsrat Sakolofskh, dem Oberrechnungs­revisor in der Hauptprüfungsstelle des Magi­strats, haben jetzt dazu geführt, daß durch den Oberpräsidenten die Amtssuspension die­ses Magistratsbeamten verfügt worden ist. Sako- lofsky wird zum Vorwurf gemacht, daß er bei der Prüfung der Belege zugunsten der SklarekS sein Amt nachlässig ausgeübt haben soll, und zwar nicht ohne entspre­chende Vergünstigungen.

Die Regierungsbildung in Baden.

Berlin, 13. Rov. 3n Baden war bisher die Weimarer Koalition am Ruder. Wie es auss.eht, scheint das Zent rum. jetzt keine große Lust mehr zu haben, in dieser Re- gierungsgemeinschaft zu bleiben. Das Zentrum hat bei den jüngsten Wahlen gut aufgeholt, kann also jetzt viel energischer als früher austrumpfen und Bedingungen stellen, die eine wesentlich größere Aussicht auf Qlnnaljmc haben. Cs hat nun das Innenmini st erium ver­langt, stieß dabei auf den Widerstand der So­zialdemokraten; dann wollte es das Kultus­ministerium, wogegen ebenfalls Widerspruch erhoben wurde. Daraus hat das Zentrum die Konsequenzen gezogen und den Sozialdemokraten auseinandergesetzt, daß jetzt die Deutsche V o l k s p a r t e i in die Regierung hinein- fienom men und die Große Koalition geschaf- en werden müßte. Damit ist aber die Sozial­demokratie nicht einverstanden, so daß es wohl noch größerer Anstrengungen bedarf, um einen arbeitsfähigen Regierungsblock zu bilden.

Koalitionskrisis in Bayern.

München, 12. Rov. (WTD.) Seit der Ein­bringung eines deutschnationalen Antrages im Landtage, der mit einem nationalsozialistischen Antrag konform geht und die bayerische Staats- regieruna in bezug auf den Voungplan auf die außenpolitische Auffassung der Deutschnationalen und Rationalsozialisten festlegen will, hat sich das Verhältnis zwischen derDeutsch- nationalen DolkSpartei und der Bayrischen DolkSpartei sehr zuge- spitzt. Die offizielle Korrespondenz der Bay- rischen Vollspartci nimmt heute mit scharf formu­lierten Auslassungen gegen die deutschnationale Auffassung Stellung und erklärt u. a., daß durch

Die Nobelpreise für 1929.

Thomas Mann erhält den Liieraturpreis. Oer Chemiepreis 1929 wird geteilt. Zwei Deutsche, zwei Engländer und ein Franzose preisgekrönt.

Stockholm, 12. Roo. (wTv.) Der Litera- tur-Robelpreis ist dem deutschen Schriftsteller Thomas Mann zucrkannt worden. Die schwe­dische Akademie der Wissenschaften hat weiter be­schlossen, den Nobelpreis für Physik für das Iahr 1929 dem Herzog Louis Victor de vroglle in Paris für seine Entdeckung der Wel­lennatur der Elektronen zu verleihen. Der Physik- Preis für 1928 wurde dem Professor Owen w. Richardson in London für seine Arbeit über das Termjon-Phänomen und besonders für das nach ihm genannte Gesetz zu verleihen. Die Akademie hat endlich beschlossen, den Nobelpreis für Ehe- m i e für das Jahr 1929 zu gleichen Teilen an den deutschen Professor an der Stockholmer Universität Hans von Euler-Chelpin und den Lon­doner Universilalsprosessor Arthur Harden zu vergeben, und zwar für ihre Untersuchungen über die Gärung der Zuckcrarten und die dabei wirksamen Enzymen.

Thomas Mann als Nobelpreisträger.

Derlin, 12. Rov. (Funkspruch.) Die Ver­leihung Les Rvbelprei'es für Citeralur anTho - mas Mann wird von den Berliner Morgen- blättern an hervorragender Stelle gemeldet. Tho­mas Mann ist der fünfte keutfche Preisträger für Literatur. Ihm gingen voraus Theodor M o m m- fen im Jahre 1902, Prof. Rudolf (Süden 1908. Paul Heyse 1910, und Cerhart Haupt­mann 1912. Der 01 ante Thomas Mann wurde als Kandidatur für den diesjährigen Robel-Preis

für Literatur zusammen mit Hugo von Hof­mannsthal und Amo Holz, die beide erst vor kurzem starben, und mit Ricarda Huch ge­nannt. Deutschland war also diesmal besonders an dem Wettbewerb beteiligt. Das'Berliner Tageblatt" erklärt, daß durch die "Dahl Thomas Manns nicht nur der Dichter selbst, sondern auch das geistige Deutschland eine für die ganze QDelt repräsentative Ehrung empfange. Rach einem Münchener Tericht des Blattes meinte Thomas Mann selbst, er sei an das ungeheure Schein- wrrferlicht, in daß er nun so plötzlich geraten sei, noch nicht völlig gewöhnt. Es freue ihn aber besonders, daß diele Ehrung gerade vom Rorden zu ihm komme. Unter Hinweis auf den verstor­benen Amo Holz fühle er sich verpflichtet, als erster Trauer darüber zu empfinden, daß er nun gleichsam an dessen Stelle habe nachrücken müssen. DerVossischen Zeitung" zufolge hat Thomas Mann bereits zuge'agt, daß er bei der Lieber - gabedesPreisesam 10. Dezember in Stock­holm persönlich erscheinen werde. Das Blatt unterstreicht, daß mit einer Brieftasche, die in diesem Jahre besonders opulent mit 1 90 000 Mart gefüllt ist, aufs neue ein deutscher Dichter die Bestätigung internationaler Geltung und An­erkennung erhalte.

Der zweite deutsche Preisträger, Prozessor Dr. Hans von Euler-Chelpin in Stockholm, wurde am 15. Februar 1873 in Augsburg ge­boren, doziert f:it 1899 an der Llniver.it >t Stock­holm, wurde 1906 zum Ordinarius und Direktor des allgemeinen Chemischen Laboratoriums da­selbst ernannt und ist seit 1914 Mitglied der Königlich Schwedischen Mademie der Wissen­schaften.

Um die Freigabe des deutschen Eigentums in England.

London, 12.Rov. (TLl.) Der liberale Ab» geordnete Macpherson hat in seinem eige­nen Rainen und in dem des konservativen Ab­geordneten Lord Hughes Cecil, des Abgeord­neten Wedgewood und des liberalen Sir Robert Hutchison an die Mitglieder des Llnterhauses ein Schreiben gerichtet, in dem um Llnterstützung einer an den Ministerpräsidenten, den Schahkanzler und den Handelsminister zu richtenden Anfrage wegen der verwei­gerten Freigabe des beschlagnahm­ten deutschen Eigentums gebeten wird. Das Ersuchen wird wie folgt begründet:

3m Hinblick auf die Tatsache, daß durch den höchsten Gerichtshof des Landes erneut bestätigt wurde, daß auf Grund des in Großbritannien bestehenden Rechts das Privateigentum von Bürgern nicht zur Bezahlung von Staatsreparationen beschlag­nahmt werden kann, hoffe ich, daß Sie eine Möglichkeit sehen werden, mich auf der bei- gelegten Postkarte von Ihrer Bereitwilligkeit zu verständigen, Ihren Ramen unter den Antrag zu sehen."

Der Antrag, der am Mittwoch eingebracht werden soll und für den Unterschriften eines großen Teiles der Llnterhausmitglieder, unter ihnen hervorragende Pers önlichkei- ten aller drei Parteien bereits gesichert sind, hat folgenden Wortlaut:

Wir schlagen . ergebenft vor:

3) daß alles deutsche Privateigen­tum, das noch nicht liquidiert ist, vor­

behaltlich der durch den 'Bertrag von Versailles auferleglen Kosten an dieBesiherzurück- gegeben werden soll in -Uebereinftimmung mit den Empfehlungen des Voungplanes;

b) daß die Erlöse und der Lleberschuß aus dem bereits liquidierten deut­schen Privateigentum bis auf den Be­trag, der zur vollen Kapitalsbefriedigung bezüg­lich Zinsen aller britischen Privatan­sprüche gegen Deutschland oder deutsche Staatsangehörige unter Artikel 296 und 297 des Vertrages von "Versailles notwendig ist, zur Verteilung unter den früherenDe- sihern des Eigentums freigegeben werden soll."

Wie der Qkrtreter der Telegraphen-Llnion hört, wird auch von deutscher Seite und zwar sowohl amtlich Wie von der Seite der geschädigten Organisationen nichts versäumt, um gleichzeitig mit dem neuen englischen Vor­stoß eine Aenderung der bisherigen, ablehnenden Haltung der englischen Regierung zu erreichen. Sehr bestimmte neue Schritte sind im Gange, in denen nicht nur die moralische, sondern auch die rechtliche Auffassung der deutschen Qtegierung zum Ausdrucke kommt. Es besteht ferner guter Grund zu der Annahme, daß die englische Qtegicrung, wenn sie ihren grund­sätzlich ablehnenden Siändpu)ikt aufgibt," auch auf deutscher Seite hinsichtlich der Form der Zurück­gabe der Lieberschüsse, die bekanntlich zum allergrößten Teil bereits verbraucht sind, auf ein gewisses Entgegenkommen rechnen kann.

den deutschnationalen und nationalsozialistischen Antrag eine koalitionspolitisch un­mögliche Situation geschaffen worden sei. Das Bündnis Hugenbergs mit Hitler sei immer mehr zu einer politischenKampfgemein- schäft geworden, wobei aber nicht etwa die Deutschnationalen, sondern die Rational­sozialisten die Führung hätten. Diese nationalsozialistische Führung mache fein Hehl daraus, daß ihre Ziele und ihre Methoden durchaus revolutionär seien. Die Deutsch- nationalen in Bayern müßten sich entscheiden, ob sie den Weg, den ihnen Hitler vorschreibe, mit­gehen wollten. Die Erfahrungen der letzten Mo­nate hätten gelehrt, daß die Politik der Deulsch» nationalen lediglich den "Nationalsozialisten zu­gutekomme. Es sei für eine Regierungskoalition ein unmöglicher Zustand, daß eine Koali­tionspartei faktisch zugunsten der Opposition arbeite.

Das Programm der österreichischen Heimwehren.

Wien, 12. Nov. (WB.) Nach den aus Graz und Innsbruck über die heutigen Heimwehraufmärsche vorliegenden Berichten fanden diese in Gegenwart der Landeshauptleute von Steiermark bzw. Tirol und der Vertreter anderer Behörden statt. In Graz hielt der Bundesführer P f r i m e r eine Ansprache, in der er u. a. erklärte: die von den Sozialdemokra­ten jetzt erhobene Forderung nach allge­meiner Entwaffnung der Selbstschutzver­bände in Oesterreich würde nur eine garce fein, da die Sozialdemokratische Partei genau wisse, daß sie durch ihre in den Gewerkschaften und in den Werkstätten gedrängt fitzenden Anhänger dann wie­der in der Lage wäre, leoerzeit einen ausschlaggeben­den Einfluß zu behalten. Die Heimwehr werde d i c Waffen nicht eher aus der Hand legen, bis ihr Ziel, der wahre deutsche Volks- staat auf ständischer Grundlage, erreicht sei. Die gegenwärtige Verfassungsresorm sei nur der erste Schritt zur Erfüllung dessen, was sie verlange. Die Rede des ersten Bundesführers Dr. S t e i d l e in Innsbruck bewegte sich in den gleichen Gedanken- gängen. Steidle wies darauf hin, daß die sich ihrer Schwäche bewußte österreichische Sozialdemokratie jetzt Hilfe beim Ausland suche und nicht nur bei der Internationale fände, die nur dann funk­tioniere, wenn es gc^en Deutsche gehe, sondern auch in demokratischen Kreisen, welche sich zehn Jahre lang um Oesterreich n i ch t g e k ü m - wert hätten, als die Sozialdemokraten die Gesin­nungsfreiheit vergewaltigten und durch Streiks zu Parteizwecken den Verkehr stillegten und die Wirt­

schaft schädigten. Indem er zu rücksichtslosem Kampf bis zur Erreichung des Ziels ohne Ang st vor der Legalität aufforderte, fragte Steidle zum Schluß: Was ist denn legal? War denn die Revo­lution von 1918 legal, mit der dieser Staat gegrün­det wurde, dessen Geburtstag heute von Amts wegen legal gefeiert wird? Genau so legal, beantwortete Steidle die Frage, wird das Vaterland sein, welches w i r mit unserer Kraft und unserem eigenen Willen aufbauen wollen.

Aus aller Well.

Die geheimnisvollen Mordtaten in Düffeldorf.

Düsseldorf, 12. Noo. (TU.) Die Montag von Düsseldorfer und Berliner Blättern gebrachte Mel­dung, wonach der Mörder an die Düsseldorfer kom- munistischeFreiheit" in- einem Brief den Fundort der Leiche dec kleinen Gertrud Albermann vorher mitteilte, wird von der Kriminalpolizei bestätigt. Der Mörder hat also am Freitag an das Blatt einen Brief abgesandt, der bei diesem am Samstagmorgen vor der tatsächlichen Auffindung der Leiche einge­troffen ist. Weiter wird erst jetzt bekannt, daß vor ungefähr drei Wochen bei der Düsseldorfer Kriminalpolizei schon einmal ein Brief ein­gegangen ist, der auf gleichem Papier und ebenfalls mit Blaustift genau, wie der jetzige geschrieben ist. Er stellte genau, wie der letzte Brief lediglich eine Skizze mit kurzen Beschrif­tungen dar. Nach ihm will der Mörder hinter Ger­resheim östlich anschließend an die Mordplätze im Flingern und im Torfbruch in der Nähe eines Bauernhofes eineinhalb Meter tief eine Leiche verscharrt haben. Dieser Brief wurde damals von der Kriminalpolizei als eine Vortäuschung be­trachtet undihmkeineweitereBedeutung beigemessen, zumal man mit der Aufklärung des zur Zeit letzten Mordes zu sehr beschäftigt war. Heute gewinqt dieser Brief erhöhte Bedeutung, und man hat schon mit Nachgrabungen auf dem betref­fenden Gelände begonnen. Im übrigen durchschwir­ren seit Montag nachmittag die tollsten Gerüchte die Stadt, die von neuen UeberfäQen und von neuen Morden wissen wollen. Wie die Kriminalpolizei hier­zu mitteilt, bestätigen sich diese Gerüchte glücklicher­weise nicht.

Der Berliner Kindermord.

In seiner Laube bei Rummelsburg ist der 40jäh- rige frühere Bauwächter Richard Schulz fest genommen worden, der beschuldigt wird, Blutschande getrieben zu haben. Schulz hat bei der Kriminalpolizei ein umfassendes Geständnis abge­legt. Dieses Geständnis ist nicht nur wichtig für den vorliegenden Fall, sondern wird wahrscheinlich auch den furchtbaren Mord aufklären, der an der lljäh- rigen Schülerin Hildegard Zäpernick an einem Augustabend auf dem Neubauge 18nde Im

Westend verübt wurde. Auf diesem Neubau wat der jetzt wegen Blutschande verhaftete Richard Schulz Bauwächter. Er war der einzige Mann, der in den Abendstunden auf dem Bau weilte und war deshalb so schwer verdächtig, weil die Leich, der kleinen Schülerin an einem Ort vergraben war den ein Fremder in der Dunkelheit bestimmt nicht hätte finden können. Auch die Herrichtung der Grub« deutete daraufhin, daß es sich hier nur um einen Täter handeln konnte, der auf dem Bau ge­nau Bescheid wußte. Schulz wurde von der Krimi- nalpolizei verhaftet. Sechs Wochen lang ging di, Untersuchung gegen den bisher unbescholtenen Mann, dem von allen Familienmitgliedern das denkbar beste Zeugnis als Gatte und Vater ausgestellt wurde, worauf er aus der Untersuchungshast wie- der entlassen wurde.

Schwierige Rettung aus Seenot.

Bei dem Sturm, der an der englischen Küste und im Kanal herrschte, ist der italienisch« DampferRimbo" in der Räh: von Brighton gestrandet. Die Rettung der Mannschaft ge- staltete sich sehr schwierig. Infolge der schweren See konnten Rettungsboote nicht an den Dampfer herankommen. Rach einem mißglückten Versuch, gelang es schließlich, durch eine Rakete ein Tau auf den Dampfer hinüberzuschießen und mit Hilfe von Hosenbojen nacheinander 20 Mann der Besatzung an Land zu bringen. Der Kapitän und neun Mann blieben an Bord, um die Pumpen zu bedienen. Da eine Verschlecht terung der Wetterlage eintrat, wurden auch sie mit Hilfe von Raketengerät an Land gebracht. Riesenunterschlagung in den Bereinigten Staaten.

In Flint (Michigan) haben zehn Angestellte der Union Industrial Bank eingestanden, der Bank gehörige Gelder in Höhe von 3 5 9 2 0.0 0 Dob lar zu Spekulationen an der Fonds-Börse benutzt zu haben. Der Nettoverlust dürfte 2 Millionen Dost lar betragen, doch dürfte sich dieser Verlust durch die Versicherung wahrscheinlich erheblich vermindern. Dieser Fall wird als die größte Unterschlagun- in der Geschichte der amerikanischen Banken be» zeichnet.

Drückeneinsturz auf Java.

Wie aus Madjalengka (Mitteljava) gemeldet wird, ist etwa 30 Kilometer von dort eine Hänge­brücke infolge von Lleberlastung ein- gestürzt, als sich etwa 200 Einwohner eine- Dorfes auf ihr befanden, die einigen Mekka- Pilgern bei ihrer Abreise nach Arabien dal Ehrengeleit gaben. Sämtliche Teilnehmer an dein Auszug stürzten etwa zehn Meter tief in bä­um diese Zeit ausgetrocknete Flußbett. Fünf Männer waren sofort tot: fünf weitere wurden schwer verletzt, während 70 Männer, Frauen unb Kinder leichtere Verletzungen davontrugen«

Hindenburg

Protektor derJagdausstellung Derlin 1930".

Reichspräsident von Hindenburg hat soeben das Protektorat über die kommende große Berliner Iagdauöstellung, die im Rah­men der 5.Grünen Woche Berlin 1930 in der Zeit vom 1. bis 9. Februar in einer der großen Ausstellungshallen stattsindcn wird, über­nommen. Das Programm dieser Ausstellung mit dem ThemaDer deutsche Jägerim Aus­land" weicht wesentlich von den früheren Ver­anstaltungen dieser Art ab. Das interessante Gebiet der Iagdexpedition in unzivi­lisierten Erdteilen soll durch das Zur- schaustellen von Jagdtrophäen, Ausrüstungs- und Erinnerungsstücken eine naturgetreue und leben­dige Gestaltung finden.

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Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Am Südrande des nördlichen Fallgebietes hcll sich eine Teilstörung gebildet, die heute morgen über Frankreich lag. Sie dürfte jedoch leinet stärkeren Einfluß bis in unser Gebiet getoinner, so daß bei der weiteren Abflachung der nörd­lichen Störung und dem Zufliehen kühler Lufi- mafsen zwar noch Bewölkung auftritt, aber auä zeitweise Aufheiterung herrscht. Dabei dürftet Vie nächtlichen Temperaturen durch nächtlich^ | Aufklaren den Gefrierpunkt erreichen und auS etwas darunter zu liegen kommen.

Wettervoraussage für Donnerstag Wolkig mit Aufheiterung, kühl, bei nächtlichem Au'- klaren leichter Nachtfrost, nur Neigung zu Dereu-1 zelten Schauern.

Witterungsaussichten für Freitas- Im allgemeinen wenig Aenderung der Wetterlage-, Lufttemperaturen am 12. November: mittags 9® Grad Celsius, abends 3,3 Grad, am 13. November: morgens 3,1 Grad. Maximum 10 Grad, Minimum 3,1 Grad. Erdiernperaturen in 10 an Tiefe an 12. November: abends 5,2 Grad: am IZ.Nooemb«: morgens 4,2 Grad Celsius. Niederschlag 2,1 wru