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Samstag, 13. M1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 162 Zweites Blatt

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Darüber, über Ort, Zeit, Anlage der Konfe­renz, geht der Streit zwischen Frankreich und England, und man sieht, wie Frankreich die Suche auf das äußerste komplizieren will, um fic brnauszuziehen und so seinen Standpunkt durch­setzen zu können: Dreiteilung der Konferenz, etap­penweise Räumung des Rheinlandes bis nach Inkraftsetzung des Voungplanes, wozu man dann and> sogar die Kommerzialisierung der Acpara- A tlonssumme rechnen will usw. Aufs äußerste

wahr, Sie wissen genau so wie ich, daß das alles auch ohne den Brief gekommen wäre, aber ich weiß nicht, ob Sie nach meiner Erzählung nicht doch lieber den mystischen Text neunmal abschreiben sollten, wenn zufällig eine gute und verflossene Freundin auf die reizende Idee käme, Ihnen eineChaine de Chance zuzusenden.

aus ihrer ersten Ehe hatte, friedlich zusammen mit denen, die sie ihrem zweiten Manne schenkte. Run ist der erste Gatte aus Rußland zurück­gekehrt. Er war in deutsche Gefangenschaft ge­raten, dann mit russischen Gefangenen nach derer? Heimat geflohen, war während der Revolution als Franzose gesangengeseht worden, hatte jahre­lang in den verschiedensten Gefängnissen gesessen und war schließlich von einem Mitgefangenen, einem französischen Ingenieur, befreit worden. Run war er also wieder da. Die Frau konnte nicht wegen Bigamie angeklagt werden, da ja ihr Mann für tot erklärt worden war. Der Heim­gekehrte verlangte auch gar nicht die Gattin für sich allein, sondern er begnügte sich mit einem Platz am häuslichen Herd neben dem andern Mann. Der zweite Gatte, ein praktischer Dauer, sah in dem Reuankömmling eine wertvolle Ar- bcitshilfe und war mit seinem Bleiben durchaus einverstanden. So lebt also die Frau mit ihren beiden Männern in Frieden und Freundschaft; beide werden von allen Kindern ohne Unter­schiedPapa angeredet, und um diesem Zu­sammenleben gleichsam ein offizielles Siegel auf­zudrücken, hat der zweite Mann an dem Fußsteg, der von dem Hause nach der Scheuer führt, eine Tafel angebracht mit der AufschriftStraße der zwei Bäter".

Die papierepaul von Schwabachs

Die Zusammenhänge zwischen der Hochfinanz und der deutschen auswärtigen Politik seit der Reichsgründung, blieben infolge ihres diskreten Charakters trotz der Oeffnung der Archive des Auswärtigen Amtes mit einem geradezu mysti­schen Dunkel umhüllt, das geeignet war, immer wieder den irrigsten Ansichten Rahrung zu geben. Gelegentliche Diskussionen in der Presse ver­mochten keine größere Klarheit zu bringen. An­ders steht es hierin mit der großen deutschen Aktenpublikation: sie enthält in ihrer riesigen Fülle auch zu diesem Problem wichtiges Ma­terial, das allerdings bisher noch nicht ausge­wertet worden ist. Aber sie konnte natürlich nur diejenigen Dokumente ans Licht bringen, die im Archiv des Auswärtigen Amtes ihren Platz gefunden hatten, für gewisse übergreifende Zusammenhänge blieb sie notwendigerweise un­vollständig, weil sie stimmungsgemäß nur ein Archiv ausschöpfen konnte. Wie etwa über die militärpolitischen Hintergründe der deutschen Außenpolitik erst dann ein abschließendes Urteil

Ein wenig auf den Spuren Shackletons fuhren I wir, d. h. eine Anzahl Gelehrter und ich, nach Süd-Georgien, um eine gründliche wissen­schaftliche Beobachtung des Meeres in der Um­gebung der Insel und insbesondere der Lebens­bedingungen der Walfische dort durchzuführen.

Auf unserer Fahrt vom Kap der Guten Hoff­nung ab berührten wir zunächst Tristan d'Acunha, eine vorgeschobene, einsame Insel, deren nackte Klippen sich steil aus der See erheben. Die Insel hat keinen eigentlichen Hafen; ein sie um­gebendes Riff ermöglicht aber die Landung klei­ner Boote. Erst in der zweiten Hälfte des ver­gangenen Iahrhunderts siedelten sich dort Men­schen an; gegenwärtig zählt die Bevölkerung 140 Köpfe, meist Mischlinge, da früher zahlreiche Eingeborene aus St. Helena einwanderten. Die Bewohner sind fleißig und anspruchslos: ihr Brennholz wächst dreihundert Meter über ihren Wohnsitzen, und sie müssen lange in ihren Booten aus Latten und buntbemalter Haut herumfahren, um junge Möven für ihre tägliche Mahlzeit zu fangen. Ihre Unwissenheit geht so weit, daß sie nicht einmal stricken können; obgleich sie Schafe halten, sind sie nicht imstande, Tuch aus der Wolle zu weben.

abergläubisch wieder ziemlich eine Bekannte, die genau weih, und die in allen Fragen des

In Bouvet Island machten wir zum zweiten­mal Station. Auf unserem Wege dorthin mußten wir schon einige Eisfelder und -berge passieren. Bouvet Island ist bestimmt die einsamste Insel der Welt und ist gerade deshalb sehr interessant. Der nächste bekannte Fleck Erde liegt buchstäblich 1500 Kilometer von ihr entfernt nichts als Wasser, anderthalbtausend Kilometer in der Runde! Die Insel wurde zuerst bei einer Kreuz­fahrt in der Antarktis im Iahre 1739 von dem französischen Reisenden Bouvet entdeckt, von dem sie ihren Ramen herleitet. Später begaben sich Cook und Roß vergeblich auf die Suche nach ihr; erst 1825 wurde der verlassene Land­zipfel von Kapitän Rorris wiederentdeckt, der sie für Großbritannien annektierte. Darauf fand man die Insel trotz wiederholter Versuche lange Zeit nicht wieder, bis das deutsche SchiffBal- divia sie im Iahre 1898 wieder ansteuerte. 1927 kam ein norwegischer Dampfer dorthin und hißte die norwegische Flagge, worauf Großbritannien seine Rechte an dem Inselchen geltend machte.

lieber Süd-Georgien tobt häufig ein Sturm von überraschender Stärke. Ganze Wellblechplat­ten werden fortgetragen und zerschneiden Schiffs­maste oder durchschlagen die Wände der Wal-

Beispiel Poincarss hat in der Vergangenheit oft genug gezeigt, daß man auch in verhältnismäßig einfachen Fragen nicht vorwärts kommt, wenn man nicht will.

Poincarö und damit das von ihm vertretene und beherrschte Frankreich sind so immer mehr in die Rolle der Macht in Europa gekommen, die den Frie­den und die Verständigung nicht will. Gewiß ist die endgültige Liquidierung der finanziellen Kriegs­folgen eine schwierige und verwickelte Sache. Aber wer sie unbefangen studiert, kommt bald zu der Er­kenntnis, daß sie schließlich und in den entscheidenden Fragen verzweifelt einfach liegt! Ganz Westeuropa geht im Sommer und Herbst 1929 in Entscheidungen hinein, die sehr weithin wirken werden. Die Ent­scheidung hängt dabei ganz überwiegend nun von Frankreich ab. Aber auch die englische Politik, d. h. die Arbeiterpartei, muß zeigen, ob sie die Fähig­keit und Kraft hat, dann das durchzusetzen, was sie jetzt in allen ihren Richtungen übereinstimmend für notwendig hält!

Mneld. Annoncen- tooebition Mhen.

wE- cb. A

was sich gehört .... ...

letzten Tones sehr maßgebend ist. Wenn sie im verflossenen Winter von einem Ball oder einem Diner kam, und der Vollmond am Himmel stand, verweilte sie einen Augenblick, ehe sie in ihren Hispano stieg, raffte den Brokatmantel zusammen und verbeugte sich drei Male tief knicksend vor dem Mond. Zu beachten ist dabei, daß das Ge­sicht dem Mond voll zugewandt werden muß und daß man etwas zu murmeln hat und unter gar keinen Umständen lachen darf. Leider habe ich vergessen, mir den Text von meiner Be­kannten sagen zu lassen, denn damals fand ich das Ganze ein bißchen lächerlich. Heute bin ich anderer Meinung, ich finde es sehr schick, und wenn man es nächste Saison noch trägt, muß

Das Motiv desheimkehrenden Gatten, seit Homers Odyssee in der Dichtung eine so große Rolle spielt, hat bei uns durch die Er­lebnisse des Weltkrieges neue Anregung erfahren, und immer wieder wird uns im Drama und Film, im Roman und in der Erzählung das Schicksal des Heimkehrers vorgeführt, der seine Frau mit einem andern verheiratet sinket. Die Poesie hat darin stets einen tragischen Konflikt gesehen, ober das Leben ist oft phantasiereicher als die Dichtung und gestaltet ihn wohl ainh einmal in glücklich-idyllischer Form. Eine solche Geschichte wird in derComoedia -erzählt. Eine Bäuerin aus dem französischen Departement Eure-et-Loir, deren Gatte während des Krieges als vermißt gemeldet worden war, hatte sich, als auch nach dem Friedensschluh nichts mehr von ihrem Manne zu hören war und dieser offiziell für tot erklärt wurde, mit einem an­deren verheiratet und erzog die Kinder, die sie

gen jedoch rief ich Ida herein und fragte sie ziemlich gänsehäutig, ob die große Spinne noch am Seifenhalter sitze.Rein," sagte Ida.aber über dem Handwaschbecken!".Fegen Sie sie sofort herunter und machen Sie sie tot!, rief ich erleichtert und murmelte vor mich hin:Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen. Sagen Sie selbst, war das nicht ein guter Aus­weg mit der Spinne?

Ich? Rein wirklich nicht, Sie sehen es selbst! Aber Sie? Ich bin wirklich neugierig, was Sie alles für Unsinn anstellen! Wie kann man

aber dUfCItflC*' SS

Was mich betrifft, so werden Sie es mir jeden­falls nicht Übelnehmen, wenn ich es, da ich es einmal mit dem Zerreißen hatte, das nächstemal mit dem Schreiben versuche, vorausgesetzt, daß Geschick nach so viel Prüfungen neuen Brief verschonen sollte.

sie es mir genau beibringen.

Daß man, wenn man sich darüber unterhält, wie gesund und kräftig die kleine Tochter ist, dreimal gegen das Holz klopft, können Sie un­möglich als Aberglauben bezeichnen. Holz ist schließlich immer in der Rähe und klopfen macht keine Mühe, aber bitte achten Sie darauf, daß Sie von unten nach oben an ein Holz zu klopfen kommen, von der Seite ist es zwar bequemer, aber nicht so sicher. Das mit dem Streichholz, an dem Sie nicht drei Zigaretten hintereinander anzünden dürfen, ist natürlich ein lächerlicher Unsinn, und von irgendwelchen Produzenten er­funden, um den Konsum zu steigern. Ich halte mich nie daran, nur wenn Edgar gerade der dritte ist, blase ich ihm das Streichholz vor der Rase aus. Es ist meistens dann schon so her­untergebrannt, daß die Zigarette nicht mehr schmeckt. Und außerdem soll Edgar froh fein, daß er den Krieg überstanden hat, und neulich das mit der Grippe war auch schon unangenehm genug.

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Oer Löwe in der Gastwirtschaft.

In einer Kölner Gastwirtschaft sah neulich ein harmlos aussehender ruhiger Herr, der einsam sein Eisbein mit Sauerkraut verzehrte und nur noch auf sein Bier wartete, das ihm der Kellner eben anbrachte. Kaum hatte der das Glas auf den Tisch gesetzt, als der Gast mit einer unge­heuren Stimme, die man seinem schmächtigen Körper niemals zugetraut hätte, ein sürchterliches Gebrüll ausstieb. Der Kellner ließ zwei Gläser fallen, einige Gäste, die mal im Zoo gewesen waren und wußten, daß nur ein Tier auf der Welt so brüllen kann, flüchteten vor dem ver­mutlich ausgebrochenen Löwen ins Freie. Andere krochen unter den Tisch. Rur der Wirt beherrschte sich, trat auf den Gast zu und fragte, was dieser Unsinn zu bedeuten habe. Doch der ruhig sein Eisbein weiter und deutete wortlos auf einen alten fast vergilbten Wandspruch im Gemäuer. Da stand zu lesen:

Brülle, wie der Löwe brüllt, wenn dein Glas nicht ganz gefüllt.

Ein Pech für den Wirt, daß der einzige Gast, der das Schild überhaupt gelesen hatt^ aus­gerechnet ein Tierstimmenimitator war!

Am Rande -er Welt.

Ein Besuch im verlassensten Erdenwinkel. - Meine Expedition in die Antarktis.

Don Or. W. Kemp.

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erschwert Poinc ar6 die Vorbereitung der Konferenz. Herr io t tritt ihm entgegen mit dem richtigen Hinweis, daß heute Ratifikation des Schuldenabkommens, Voungplan, Rheinland­räumung nicht mehr voneinander getrennt werden können, daß sie zusammen behandelt und erledigt werden müßten. Er hat begriffen, wie sehr jetzt von Europa und von Amerika aus gleichzeitig die großen Probleme der Weltpolitik miteinander verwachsen und sich miteinander verschlingen. Dementsprechend verlangt die Linke in der fran­zösischen Kammer, daß Poincare mit der Rati­fikation der Schuldenabkommen und dem Voung­plan zusammen eine entschlossene Friedenspolitik treiben soll.

So ist in Frankreich eine schwierige Lage entstan­den, die an Verwirrung ihresgleichen sucht und Poin- car6 selbst bedroht. In diese Lage hat P o i n c a r 6 sich und hat sich das Parlament seinerseits hinein- manöveriert. Poincarö begreift, daß die Schulden­abkommen ratifiziert werden müssen, nachdem er jahrelang die Auffassung gefördert hat, Amerika würde eines Tages diese ganzen Schuldscheine zer­reißen. Poncars weiß, daß es keine Vorbehalte mehr gibt. Die Opposition, die ihm das erschwert, hat er selbst geschaffen; er erntet heute, was er selbst gesät hat, und seine Schwierigkeiten, die Gefahren für seine ganze Position sind seine eigene Schuld.

Frankreich selbst kommt damit in die Situation eines unglaublichen Widerspruchs. Es verlangt als Gläubiger das Aeußerste von DeutschlandundwillsichalsSchuldner seinen Verpflichtungen entziehen! Die Linke sieht das auch und erkennt, daß der Weg heraus ins Freie nur möglich ist durch die An­nahme der Schuldenabkommen und damit zusammen­hängend die Liquidation des Krieges, also vor allem die Räumung des Rheinlandes. Darum geht der Streit und die große Auseinandersetzung, die wohl nicht sobald zu Ende kommen wird, weil es sich um die Grundprobleme und eine große Entscheidung für Frankreich handelt.

Wir notieren weiter: Dr. Stresemann hat in einem Interview an Sauerwein das Entschei­dende der bevorstehenden Konferenz hervorgehoben: den Anspruch Deutschlands auf endliche Befreiung seines Staatsgebietes und volle Wiederherstellung seiner Sou­veränität, und unterstreicht, daß auf die For­malien schon reichlich viel Zeit verwendet ist. Der sozialdemokratische Fraktionsführer Br e i t s ch e i d hat imTemps" ausgesprochen, daß sich keine Mehr­heit im Reichstag für den Young-Plan finden würde, wenn er nicht mit der Räumung des Rheinlandes verbunden ist. Wenigstens zu diesem Punkte hat er somit die größte Reichstagspartei entscheidend fest­gelegt. Dann wäre darin jedenfalls der Reichstag e i n i g. Das gleiche hat auch Dr. S ch a ch t in seiner Münchener Rede gefordert.

Die Konferenz, von der heute noch nichts feststeht, hat eine ungeheure Aufgabe und Tagesordnung: Poung-Plan und Organisationskomitees zu seiner Anpassung, Rheinlandräumung, die Kontrollfrage in der bekannten Kommission und mit der ebenso bekannten Ablehnung Deutschlands, und die Saarfrage. Das kann weiter kompliziert werden, wenn die anderen Reparationsgläubiger, die in Paris nicht beteiligt wurden, jetzt herangezogen werden, und wenn Frankreich das Verlangen Polens, bei der politischen Erörterung gleichfalls gehört zu werden, unterstützt. Ein Recht darauf hätte Polen nicht. Aber rechnen müssen wir damit, daß Polen das wünscht und Frankreich ihm darin hilft.

Eine ungeheure Verantwortung liegt jetzt bei Frankreich, genauer gesagt bei Poincare. Denn von ihm hängt es ja schließlich ab. Seine Autorität ist trotz aller Kämpfe und Opposition schließlich groß genug, das eine oder das andere durchzusetzen. Das Beispiel England-Amerika, nach Hoovers und Macdonalds Amtsantritt, zeigt, daß man auch in schwierigsten und verwickelten Verhältnissen vor­wärts kommen Fann, wenn man wirklich will. Das

gefällt werden kann, wenn auch die einschlägigen Akten des Großen Generalstabs der Oesfentlich- teit zugeführt sein werden, so wird die Forschung erst dann ein vollständiges Bild von den Be­ziehungen und Einflüssen der. Hochfinanz im außenpolitischen Bereich schassen können, wenn ihr die Privatarchive erschlossen werden. Ein erster Ansang ist jetzt gemacht: Paul von Schwa­bach, der Chef des Hauses Dleichröder, hat aus seinen politischen Papieren einen umsangreichen Band zusammengestellt, der in Schwabachs lang­jährige verdienstvolle Arbeit für die auswärtige Politik des Deutschen Reiches Einblick gewährt. Da Paul von Schwabach sich in vornehmer Bescheidenheit darauf beschränkt hat, diesen doku­mentarischen Rechenschaftsbericht über seine poli­tische Wirksamkeit nur in der Form eines Privat­drucks zu erstatten, unternimmt es der Mit­herausgeber der deutschen Aktenpublikation, Friedrich Thimme, im Iuli-Heft derEuropäi­schen Gespräche (Verlag Dr. Walther Roth­schild, Derlin-Grunewald), eine Analyse dieses bedeutenden, der großen Oesfentlichkeit bisher nicht zugänglichen Quellenwerks zu geben und in charakteristischen Auszügen die sehr wesentliche Rolle darzustellen, die Paul von Schwabach als vertrauliche Mittelsperson des Auswärtigen Amtes vor allem durch seine Verbindungen in London und Paris gespielt hat. Besonders für die Geschichte der deutschenglischen Beziehungen seit 1900 ist die ausgedehnte englische Korre­spondenz Paul von Schwabachs von größtem Wert. Geradezu tragische Bedeutung gewinnen seine Briefe an den bei Kriegsausbruch infolge einer tiefgehenden Antipathie gegen Deutschland so verhängnisvoll maßgebenden Beamten des Foreign Office, Sir Cyre Crowe, mit dem er persönlich befreundet war. Ebenso wichtig für die Erkenntnis entscheidender Phasen der Vor­kriegspolitik sind die Aufzeichnungen über seine Unterredungen mit Caillaux während der Ma­rokkokrise 1911. Als eindeutiges Motiv Schwa­bachs in seinem Wirken erweist sich der be­wußte Wille, seine weitreichenden internationalen Beziehungen im Sinne einer Verständigung für die friedlichen Ziele der deutschen Außenpolitik sruchtbar zu machen.

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Sind Sie abergläubisch?

Don Polly Tieck.

Ich? Keine Spur! Aber Sie? Es handelt I si H übrigens doch hier gar nicht um mich, sondern u m Sie, denn ich habe Sie ja gefragt! Daß ich n cht abergläubisch bin, kann ich Ihnen ja mit Nichtigkeit beweisen. Ich bekam neulich einen Brief, dessen Kuvert die Schriftzüge einer frühe» t<n, nunmehr aber verflossenen guten Freundin trug. Ich öffnete ihn gespannt und bemerkte, daß er französisch geschrieben war, was ich als cÄiie besonders pikante Rote verzeichnete. Auher- d cm stand über dem Brief:Chajne de Chance*, ' das bedeutet übersetzt,Glückskette, wenn Sie c« genau wissen wollen, trotzdem m dem Wort Chance außer dem reinen Glück auch noch c was von dem enthalten ist, was wir hier Schangse zu nennen Pflegen.

DieseChaine de Chance enthielt furchtbar p.el interessante Ramen, einige davon entstamm­ten der Literatur und einer war sogar ein Lheaterdirektor. All diese erwachsenen Leute b.itten sich damit abgegeben, den Text des Brie- feil, einen Text, der sich in Beschwörungen 25er- Mutungen, Formeln erging, der drohte und ver­istrach, neunmal abzuschreiben und ihn an neun verschiedene Bekannte zu versenden. Roch dazu miußte dieses Versenden mit dem vollen Ramen mid der Adresse des Absenders geschehen, was mir besonders blamabel dünkte, aber sonst hatte tat Zauber eben keine Wirkung. Cffektuierte iran nämlich das neunmalige Abschreiben des mystischen Textes, so erblühte am neunten Tage c in großes, unerwartetes Glück. Ignorierte man i|n aber, so war es leider nicht zu vermeiden, dich am neunten Tage ein Unheil sich ebenso verdient wie sicher über einem zusammenzog. Ich trug den Brief einige Tage bei mir, mir oerlegenö, wer eigentlich einen Vorteil von dieser Verschwendung an Papier, Zeit, Porto ob psychischer Belastung hätte. Da ich es nicht r<cht herausfinden konnte und das Rachdenken inich ärgerlich machte, nahm ich eines morgens ganz einfach den Brief und zerriß ihn.

Run, wollen Sie vielleicht noch behaupten daß ich abergläubisch bin? Oder wollen Sie es vielleicht mit dem Brief in Zusammenhang brin­gen, daß wenige Tage später mein Mädchen, unschuldig aber immerhin, meine Küche Dur® einen offen gebliebenen Hahn unter Wasser setzte und mein Wirt mir eine Reparatur von zwei­hundert Mark für den Untermieter heraufschickte? Sind Sie nicht, genau so wie ich, davon über­zeugt, daß es unmöglich mit dem Brief zu-

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Quo vadis poincare?

Außenpolitische Umschau.

Don Dr.Otto Hoehsch, o. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. 3t

Bei der Feier der früheren Rhodes- Stipendiaten in Oxford hat der Prinz von Wales auch die deutschen Teilnehmer begrüßt mnb mitgeteilt, daß auf der Ehrentafel für die im Weltkrieg gefallenen Rhodes-Studenten auch J hie deutschen ehemaligen Rhodesstudenten vcr- z-iichnet seien. Don den 57 deutschen Studenten, ' hie diese Stipendien vor dem Kriege gehabt hiben, sind nicht weniger als zehn im Welt- fnieg gefallen; ihre Ramen stehen also auch auf h?r Gedächtnistafel in Oxford. Das ist eine schöne und eindrucksvolle Geste, die der englische Thronfolger damit machte, und die wir vollauf würdigen. Aber wesentlicher ist, welchen Druck nun England dahinter setzt, wenn wirklich an die sag.Gesamtliquidation des Weltkrieges ge­gangen wird.

Ein zäher Kampf um die Konferenz, die a Ile mit dem Voungplan zusammenhängenden politischen Fragen behandeln soll, spielt sich ab. Ter neue englische Außenminister hat am 5. Iuli Inh für eine schnelle undeinheitliche Ent­scheidung für die Rheinlandräumung ausgespro­chen. Kein Zweifel, daß England, und zwar in. allen Parteien einstimmig, (Chamberlain h-it unter rauschendem Deisall gesagt, daß die Räumung des Rheinlandes keine Parteifrage sei) d ie möglichst baldige, vollständige und gleich- leitige Räumung des Rheinlandes wünscht und herauf hinarbeitet. He nderson hat das so formuliert, daßjeder mögliche moralische Druck 1 in Interesse einer vollständigen Rheinlandräu- mung ausgeübt werden wird". Wir notieren, daß i)«i zum erstenmal ein solches Wort wieDruck" fallt, das bestimmt in Paris nicht sehr erfreut rufgenommen wird.

Henderson hat nicht deutlich erklärt, ob gegebenenfalls England, wenn Frankreich Schwie­rigkeiten macht, auch allein handeln, d. h. feine Truppen aus dem Rheinlande zurück- zi_ehen würde. Rach unserer Auffassung hat Hen­derson dabei recht, wenn er meinte, daßeine is eiterte englische Räumung die deutsche Regie- ' rung vielleicht sogar beunruhigen würde. Die II französischen und belgischen Truppen müssen gleichzeitig mit unseren Truppen zurückgezogen l»erden". Das ist auch unsere Meinung! Wir io-ühten nicht, worin für uns der Vorteil läge, u>mn England jetzt allein herausginge. Was hieße es, wenn dann Frankreich bei einer Wei­gerung vor aller Welt als Feind der Verständi- gung blohgestellt wäre? Das bedeutet nicht viel. Wohl aber bedeutet es viel, ob England, wenn ces herausgegangen ist, dann vollständig und tat­sächlich an der Räumungsfrage desinteressiert ist. Dann würde es sich bestenfalls auf nutzlose, gelegentliche Aeußerungen seiner Meinung be­schränken, daß das Rheinland geräumt werden müsse. Dem deutschen Interesse entspricht der Standpunkt Hendersons, daß englische, französi- |lx, belgische Truppen gemeinsam und g leichzeitig herausgehen! Wir unterstreichen nochmals die absolute Einheitlichkeit der eng- liffchen Parteien und der englischen össentlichen Meinung in dieser Zentralfrage der kommenden

sammenhängen kann, daß ich drei Wochen später I Dreizehn bei Tisch? Auf solchen Gedanken

eine Blinddarmentzündung bekam, und daß in der I komme ich gar nicht. Ich labe eben elf oöer

Schule meiner Tochter Scharlach ausbrach? Richt | fünfzehn ein, dann kann es nicht passieren, daß

' ' ausgerechnet Alice dazukommt, und man sich

mit bitterem Herzklopfen denkt, es hätte doch auch Elfriede sein können, denn Alice, wirklich, Alice steht unserem Herzen besonders nah.

Den besten Beweis, daß ich nicht abergläubisch bin, kann ich Ihnen geben, wenn ich Ihnen von der Spinne neulich erzähle. Denken Sie, ich komme spät abends ins Badezimmer und gerade über der Wanne, gefüllt mit verlockendem Fichten- nadelnaß, gerade über dem Seifenhalter sitzt eine große, fette, braune Spinne. Es ist unmög­lich, zu schildern, wie mir vor Spinnen graut. Ungefähr so, wie Ihnen vor Mäusen, nun können Sie sich's vorstellen! Trotzdem habe ich der Spinne nichts getan. Ich sagte mir das Berschen auf:Spinne am Abend erquickend und labend.'* Darauf lieh ich die Spinne sitzen

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der mann, meinen Sohne Otto eiroa? zu leihen oder tu borgen, da ich hn nichts hatte. M

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am 14. M

l.GotteSdieniioom >/.10 Ubr in der alte» Friedbofskavelle.

2. GotieSdientt nach­mittags 31h Ubr au! der Waldbuhne.

Fesiorediger: Mifiwnsinfreli.a-r. Pir.l'lichelKesd»

Wettere Redner , Pfarrer Ltc. W Pfarrer Lenz. 6010D

------t Warne hiermit ie- Konferenz.

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