Ausgabe 
13.5.1929
 
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Itr. HO Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag. 15. Mai 1929

Volkstum und Siedlung.

Zur zehnten Zahrestagung des Deutschen Schuhbundes.

Von Wilhelm Freiherr» von Wränget, Vorstandsmitglied des Deutschen Schuhbundes

In der Pfinastwoche dieses Jahres blickt der .Deutsche Schutzbund auf eine zehnjährige Arbeit im Dienste deutschen Volkstums zurück. Auch auf dieser zehnten Tagung, die in Salzburg statt« findet, werden im Rahmen des siedlungspohti« ichen Ausschusses die Fragen der Siedlung Pom volkspolitischen Standpunkt aus behandelt werden. Der Schutzbund seht damit die Erörte­rung über ein Thema fort, um das er sich seit dem Jahre 1925 andauernd bemüht hat. In der Erkenntnis, daß nicht nur die Bedrohung von außen, der Druck derStaatsvölker" und der Agrarreformen Gefahren darstellen, denen es zu begegnen gilt, sondern auch jene weniger sicht­bar«, stille Unterwanderung des deut­schen Dolksturns im Osten, die vom Der« döltnis der deutschen und der slawischen Geburten« crtwicklung zwangsläufig bestimmt ist.

Es ist oer gleiche Dorgang, der sich in den reichsdeutschen Ostgebieten und in den weiteren deutschen Siedlungen des Ostraumes zeigt. Das bodenständige Deutschtum und sein Kern ist und bleibt der Bauer geht zurück oder stagniert. Das Slawentum drängt nach. Fremdes Volkstum übernimmt die Bauern- oder Hand­werkerstelle, die vom Deutschen verlassen ist oder für die kein Deutscher mehr zur Verfügung steht. Diese Gesamtentwicklung aber wird innerhalb des Reiches durch eine in den letzten Jahr­zehnten verhängnisvoll- gewachsene Binnen­wanderung von Osten nach Westen er­gänzt. Ein paar Zahlen mögen das verdeut­lichen. 3m Jahre 1871 betrug die Zahl der deutschen Landbewohner 26,2 Millionen, denen eine städtische Bevölkerung von 14,8 Millionen "gegenüberstand. 1910 lebten auf dem Lande nur noch 25.9 Millionen, während die städtische Be­völkerung aus 39.1 Millionen gestiegen war. Anders ausgedrückt: in einem Zeitraum von 50 Jahren hat sich die städtische Bevölkerung um 24,3 Millionen vermehrt, die deutsche Land­bewohnerschaft um 0,4 Millionen vermindert. Diese Umschichtung, die ja in absolutem Sinne eine starke Bevölkerungszunahme darstellt, beruht aber in erster Linie auf der Abwanderung des Landbewohners in dieStadt.Richt die städtische Bevölkerung vermehrte sich aus sich selbst, sondern die Städte saugten die Land« bevöllerung auf, und dies um so mehr, als an und für sich der Geburtenüberschuß in den Städ­ten mit zunehmender Stadtgröße schnell zurück­geht. Die Statistik spricht in dieser Hinsicht eine recht mahnende Sprache. 3m ersten Dierteljahr 1924 betrug z. B. der Gebürtenüberschuß in ganz Preußen auf das Tausend gerechnet noch plus 7,4, in Ostpreußen plus 11.2: aber in Hamburg war überhaupt kein Geburtenüberschuß mehr vorhan­den und in Berlin mit minus 4,5 ein aus­gesprochener Geburtenrückgang zu verzeichnen. Trotzdem: die städtische Bevölkerung wächst, die Bevölkerung der Ostgebiete geht zurück, eben weil ihr Geburtenüberschuß nach Westen und vor allem in die Großstadt abwandert. Die natürliche Folge dieser OstWestverschiebung: daS Der- 'hältnis zwischen Slawentum und

Deutschtum im deutschen Osten ver- »schiebt sich zuungunsten des Deutsch­tums. Und Die Zurückdrängung des Deutsch« . Iums, die Einengung des deutschen Dolksbodens geht Hand in Hand mit der Z e r st ö r u n g der gesamtdeutschen Do l k s k r a f t. da, wie bereits ausgeführt wurde, auch die in die Städte eingewanderte ländliche Bevölkerung dem städti­schen Gesetz des Geburtenrückganges erliegt.

Angesichts dieser Grundtatsachen, von denen bie Erhaltung des gesamtdeutschen Dolksturns

und seines Bodens überhaupt abhängt, war es eine entscheidende Aufgabe verantwortlicher Dolkstumsarbeit, die Dringlichkeit einer gesun­den Bevölkerungs- und Siedlungs­politik nach grenzpolitischen Gesichtspunkten zu fordern und zu fördern, zumal im engeren und weiteren Kreise dieser Fragenkomplex, die Gefahr und die Möglichkeiten ihrer Beseitigung, noch keineswegs voll erkannt wurde. So bemühte sich der Deutsche Schutzbund vor allem darum, die praktische Siedlungsarbeit, die sich auf dem Reichssiedlungsgeseh vom 11. August 1919 auf­baute. im Sinne des Gesamtzieles, des Schuhes der Grenzen und der Erhaltung des deutschen Dolksbodens, zu beeinflussen. Es erschien not­wendig, von innen her die Bodenständig­keit des ostdeutschen Dolksturns zu verstärken und seinen Bevölkerungszuwachs an der Scholle zu halten. Ein besonderer siedlungspolitischer Ausschuß wurde zur Bearbeitung dieser Fragen begründet und in Wort und Schrift, sowohl

in den grundlegenden ..Büchern des Deutschtums" wie in Den kleinen Schriften des Schutzbundes die Zusammenhänge von Dolkstum und Sied­lung eindringlich klargestellt.

Dor kurzem hat das statistische Reichsamt die Siedlungsziffern von 1919 bis 1927 bekannt- gemacht und unter anderem berechnet, daß in diesen sieben Jahren 423 OOO Hektar insgesamt im Reiche zu Siedlungszwecken ange­kauft wurden, von denen bis 1927 rund 295 OOO Hektar besiedelt wurden. Betrachten wir die in der Statistik festgelegten Zahlen und die sich aus diesen ergebenden Leistungen im einzelnen, so ergibt sich, daß im Derhältnis zu der Bedeu­tung und Größe der gestellten Aufgabe das bis­her Geleistete noch immer verhältnismäßig gering ist, daß allenfalls Ansätze verwirklicht wurden. Immerhin wurden im vergangenen Jahrzehnt innerhalb und außerhalb des Reiches positiv und negativ über Siedlungsmethodik und Siedler- material genug Erfahrungen gesammelt, die nun­

mehr der weiteren Siedlungspolitik einen festen Rahmen geben können. Heber all das wird der Siedlungspolitische Ausschuß in Salzburg zu sprechen haben.

Zweierlei darf freilich nicht vergessen werden. Die erfolgreiche Reuschaffung von Siedlungen jeder Art und Größe und die Verwirklichung einer östlichen Grenzsiedlung im größeren Aus­maße ist von Der Wiederherstellung der Rentabilität der gesamtdeutschen Landwirtschaft und ihrer Desihfestigung nicht zu trennen. Jedochder Mensch lebt nicht von Brot allein". Der deutsche Bauer, der im Osten unter Dem Drucke eines harten Klimas um sein täglich Brot kämpft, monatelang von jedem Verkehr abgeschnitten ist, bedarf noch einer anderen, von Liebe getragenen Fürsorge. Der­wirklichung Derjenigen Kulturgüter, Die sein Leben verebeln und verschönern, ist das zweite, das er vom deutschen Volke erwartet.

Einweihung des neuen Medizinischen Minis in Vad-Aauheim.

Bad-Rauheim hatte am Samstag einen großen | Die Geschichte des Bades legt dafür Zeugnis Tag. Der in Der Geschichte unseres hessischen Ba- ab. und alle. Die das Bad kennen. Heroen Des ein bedeutsamer Markstein sein wird: es mir das bestätigen, daß der hessische Staat sich konnte bei strahlendem Sonnenschein und schön- | seiner großen sozialen Pflichten, die er nut

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Das neue Institutsaebaube.

stem Frühjahrswetter die Einweihung des neuen Medizinischen Instituts erleben.

Zu diesem denkwürdigen Ereignis versammelte sich am Dormittog gegen 11 Ahr in Dem neuen und schönen Gebäude eine große Festgemeinde. Zugegen waren u. a. Staatspräsident Dr. Ade­lung. die Minister Dr. Kirnberger und L e u s ch n e r . Staatspräsident a. 'S). Hlrich . Landtagsvräfident Delp und feine Stellvertreter, Die Vorsitzenden der Landtagsfraktionen und die Mitglieder dcs Finanzausschusses des Landtages, weitere Vertreter des Ministeriums. Se. Magm- fizenz der Rektor Der Landesuniversität Prof. Dr. Herzog, der Dekan Der medizinischen Fakultät der Landesuniversität Prof. Dr. Herzog, eine Anzahl weiterer Mitglieder der medizinischen Fakultät. Präsident Dr. Reumann von der Landesversicherungsanstalt, Kreisdirektvr Rech« t h i e n . Friedberg. Bürgermeister Dr. Ahl, Bad-Rauheim, Vertreter Der Aerzteschaft. usw., sowie zahlreiche Pressevertreter.

Finanzminister Dr. Kirnbcrger begrüßte die große Festversammlung namens der Regierung, und führte dann in seiner Rede u. a. aus: Mit diesem schönen Bau unseres Instituts ist ein Werk vollendet, das dazu bestimmt ist, mitzuhelfen, die wertvollen" Schätze, die uns an- vertraut find, immer mehr und besser dem Wohl Der leidenden Menschheit dienstbar zu machen.

dem Besitz und der Verwaltung des Bades übernommen hat, jederzeit in hohem Maße be­wußt war. Richt einseitige fiskalische Interessen haben ihn geleitet, sondern in erster Linie Der Wille, Die ihm geschenkten Heil- und Segens­kräfte als getreuer Verwalter denen zugute kom­men zu lassen, für Die eine gütige Vorsehung sie bestimmt hat. Ihren vollen Wert können die Heilquellen unseres Bades aber nur entfalten, wenn sie nicht einer gefühlsmäßigen Empirie überlassen werden, sondern in Den Dienst ernster wissenschaftlicher Forschung gestellt werden. In unserem Bad, wo die Herzkranken Der ganzen Welt Heilung und Genesung suchen, ist der Wissenschaft mannigfacher Antrieb zu neuer For­schung gegeben, und so i ft begreiflich, Daß hier auch Der lebhafte Wunsch unD Das Bedürfnis entstand, der wissenschaftlichen Erforschung Der Herzkrankheiten und Der Dafür vorhandenen Heil- Iräfte eine besondere Stätte zu schaffen und cm geeignetes Instrument zur Verfügung zu stellen. Die hessische Regierung hat sich diesem Wunsch nicht entzogen und in diesem Bau ein For­schungsinstitut errichtet, das gaiu in den Dienst Der Wissenschaft gestellt fein soll und die prak­tische Tätigkeit der Aerzte unseres Bades mitbefruchten und unterstützen will. Aus diesem Grunde ist auch das Institut aufs engste mit der medizinischen Fakultät der benachbarten Landesuniversität verbunden.

Es ist mir ein Bedürfnis, allen Denen, die an diesem Werk mitgeholfen haben, bei dieser Ge­legenheit nochmals meinen Dank auszusprechen, vor allem dem Hessischen Landtag und seinem Finanzausschuß, der für die besonderen Bedürf­nisse des Bades jederzeit volles Verständnis er­wiesen hat. Mein Dank gilt Dem Erbauer Des Instituts, Dem Hochbauamt Friedberg, insbeson­dere Herrn Baurat Metzger, Der Die Pläne entworfen unD Die Bauarbeiten geleitet hat, so­wie vor allem Herrn Professor Dr. Weber, Dem Leiter Des Instituts, von Dem Die Anregung zur Errichtung Dieses Baues ausging und dessen Tätigkeit und Geist nun diese Räume beleben soll. Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen mitteilen zu können, Daß auf Antrag der Landes« uniDcrfität Gießen Das Oefamtminifterium be­schlossen hat, beim Landtag für Herrn Professor Dr. Weber eine planmäßige außerordentliche Professur an der Landesuniversität zu beantragen. Weiter danke ich Der Bad- und Kurverwaltung, Die Die Arbeiten von Anfang bis zu Ende be­treut hat und Deren Obhut ich nun das Institut übergebe. Endlich Drängt es mich, aus dem Kreis meiner engeren Mitarbeiter und Kollegen Herrn Ministerialdirektor Schäfer besonderen Dank abzustatten. Er war es, Der sofort mit klarem Blick Die hohe BeDeutung eines solchen Instituts erkannte und sich mit seiner ganzen Kraft für Dessen VollenDung eingesetzt hat. Lassen Sie mich schließen mit Dem Wunsche: Das Institut möge seiner hohen Aufgabe stets treu bleiben. Möge es ihm gelingen, Der Wissenschaft neue Einsichten und Erkenntnisse zu erschließen, in gleicher Weise aber auch Diese Erkenntnisse in Den Dienst Der IciDenDen Menschheit zu stellen, vor allem in Den Dienst der Herzkranken, dis in unserem Bad Heilung suchen.

Bad- und Sutrbircttor v. Bochnier, Bad-Nauhcim

hieß mit herzlichen Worten bie vielen Gäste bei dieser Feier in Bad-Nauheim willkommen, insbesondere den Staatspräsidenten a. D. Ulrich, einen der lang­jährigsten und treuesten Kurgäste Bab-Nauheims, sagte dann allen, die am Entstehen dieses Instituts mitgewirkt haben, den aufrichtigsten Dank der Bad- und Kurverwaltung und schloß mit folgenden Wor- ten: Der heutige Tag ist als ein Ereignis ,n der Geschichte Bad-Nauheims zu buchen, die nun ihrem 100jährigen Jubiläum entgegengeht. Möge das neue Institut, das ein lebendiger Bestandteil Bab-Nau- heims ist, seine hohen Aufgaben erfüllen zur Er­weiterung der baineologischen Kenntnisse und For­schungsaufgaben und zum Wohle der leidenden Menschheit. Der feierliche Auftakt des ßeuhgen Tages

Hinter den Kulissen des Aquariums.

Von Paul Eipper.

Mitten am alten Kurfürftendamm in Berlin steht bcs Haus, in Dem Die Wunder des Meeres und der Flüsse wohnen. Nur eine Steinmauer trennt das (Betriebe der Weltstadt von jenen Lebewesen, und iner ein wenig Einbildungskraft hat, der kann sich - sobald feine Augen an das Dämmerlicht ge­wohnt find vorslellen, er befände fich in einem Intergrunbtunnel mitten im Ozean. Links und «chts in diesen Gewölbegängen sind große Löcher ; in die Wände geschlagen, Glasscheiben davor gesetzt, uon oben her bringt aus unsichtbarer Quelle Licht, und nun zieht die Welt der -Wassertiere am Men­schen vorüber.

Der Tunnel ist komfortabel eingerichtet. Banke stehen ba, man kann seine Zigarre rauchen, und oben, dort, wo der Höhlengang um die Ecke biegt, steht ein behagliches Rundfofa.

Aus dem Reich der Fische, der winzigen, bunt­schillernden Tropentiere und des riefengroßen dunk­len Wels führen Stufen ins erste Stockwerk, wo Die Reptilien hausen, jene kriechenden ©iftrourmer, bie Schlangen. Da gibt es kleine Wüstenlandschaften mit Geröll und staubigen Stachelkakteen, wo sich plötzlich eine Puffotter auf richtet: Chamäleons und leuchtend bunte Eidechsen huschen in erwärmten Be­hältern, der Riefenwaran, jener eingebildete ,,~.anb-- brad)c" der malaiischen Inselwelt schiebt sich an Schildkröten vorbei, und in einem riesenhaften Raum, Der von hohen Glasscheiben umgeben ist, leben die Krokodile auf künstlich errichteten Sand­bänken am Ufer eines Flusses unter Bananen» bäumen und üppigem Gras.

Noch eine Treppe höher ist das Infektarium; Lmeifenhügel, Bienenkörbe, Riefenfchmetterlinge, b:c giftige Bogelfpinnc endlos ist die Zahl der Geschöpfe, die kriechend, hüpfend und flatternd hier Dem Beschauer dargeboten werden.

*

Wer macht sich einen Begriff von der Fülle der Arbeit, der komplizierten Pflege, der wissenschaft­lichen und technischen Vorbereitungen, der Futter­beschaffung, all der taufend Ueberlegungen, bie für bie Unterhaltung biefer Tierstation nötig sink).

Sehen wir einmal hinter bie Kulissen, gehen wir durch bie Räume, bie für gewöhnlich bem Publi- ! kvm verschlossen sind: eine zweite Welt tut sich vor uns auf. Herr Inspektor Seitz, ein seit breißig 3oh- J ren erprobter unb erfahrener Tierpfleger unb Aqua­riumsfachmann, führt uns in den Keller hinab, der Futtermeister öffnet bie Türe zu seinem Reich. Da

werden in großen Boxen Hunderte von Kaninchen und Meerschweinchen gezüchtet; sie rascheln im Stroh, graue, bunte, gefleckte. In allen Grotzen sind sie vorhanden, denn höchst unterschiedlich ist Die Anforderung, die jeder neue Tag bringt: miteigroße Tiere, winzige, ganz schwere, unb oft muß noch Bebarf von Tierhandliingen erworben werben, wenn gerabe eine befonbere Appetitsperiode bei den Schlangen eingetreten ist. Ein anderer Stall dient zur Unterbringung der Ferkel; daneben stehen Dutzende von dünnmaschigen Drahtglocken, unter denen rohes Fleisch liegt; Fliegenfallen, Darin es von vielen kleinen Summern wimmelt, die alle zur Ernährung der Kröten unb Frösche dienen.

Der Hase Christian, seit mehr als zehn Jahren der Liebling des Futtermeisters, spaziert frei und ungefährdet überall umher; er folgt seinem Herrn aufs Wort und bekommt bis ans Lebensende das Gnadenbrot. ......

In besonderen Kammern werden Mause gezüch­tet, es wimmelt in den Behältern von weißen und grauen Spielarten; daneben quietschen und piepsen die Ratten, die ebenfalls zur Schlangenfütterung be­stimmt sind. , . , .

In der nächsten Stube hört man keinerlei Ge­räusch. Dreißig große Holzkästen stehen in Regalen: hier ist die Kultur der Mehlwürmer, und wenn wir irgendwo den Deckel abnehmen, lebt der Grund aus Kleie und Sägmehl vom Geschiebe der taufend kleinen, fahlbraunen Larven.

Es werden in zahllosen Töpfen Eichentriebe her­angezogen; auch sie dienen zur Ernährung, ebenso wie die zarten Gräser, die im Warmhaus in langen Rabatten sprießen.

Viele Liter Regenwürmer werden wöchentlich von Fängern abgeliefert; mehr als 75 Pfund Fische verfuttert man in einer Woche, und der Bedarf an Fröschen in der gleichen Zeit beträgt taufend bis zwölfhundert Stück. Alte Männer und Frauen sind dauernd in Der Umgebung Berlins mit dem Fang beschäftigt; sie verdienen sich so einen regelmäßigen Lebensunterhalt, ebenso wie jene Männer, die in den Tümpeln nach Wasserflöhen fischen und die ge­füllten Behälter im Rucksack oder auf dem Motor­rad nach Berlin transportieren.

*

Nun kommen wir auf unserem Gang durch die Unterwelt zum Heizer und Maschinenfachmann. An sorgfältig aufgefchichteten Kohlenbergen vorbei, über dicke Rohrleitungen zu den Feuerlöchern und Etzen- platten, darunter eine Hölle glüht. Hier wird das Wasser für die Tropentiere erwärmt, daneben stamp­fen die Pumpen und treiben die Flut durch die Stockwerke. Maschinen arbeiten, deren Kraft Die Luft in mehreren Atmosphären Stärke durch Die

Wasserbecken preßt. Sie alle sind auf elektrischem Wege regulierbar; sobald genügend Druck erzeugt ist, 'schaltet der Kontakt selbsttätig aus, der Motor steht, bis der Vorrat wieder aus ein Minimum herabgesunken ist, und automatisch schattet sich dann der Gang wieder ein.

Neunzig Kubikmeter Wasser sind in den Schau­becken ständig in Benützung, aber dreihundert Ku­bikmeter beträgt der Vorrat an diesem Lebensele­ment Des Aquariums. Und nun stehen wir in dem Dämmerigen Gewölbe, das Den Abfluß aus den Becken aufnimmt, durch Filter preßt, über einen zwei Meter tiefen Grund aus Sand und Steinen leitet, wo es sich reinigt, um schließlich, von allen Abfällen befreit, wieder in jene Reservoire zu fhe= ßen, aus denen die Pumpen täglich und stündlich neue Mengen hinaufjagen, teils erwärmt, teils falt, zur Erhaltung der Fische und der übrigen Wasser- tiere.

Stille herrscht in diesem Raum, der längs ge­spalten ist, zur einen Hälfte Süßmaffer enthalt, zur andern das salzige Des Meeres. Ursprünglich hat ein Schiff durch das Netz der Kanäle Wasser aus der Nordsee nach Berlin gebracht, und die neuer» wehr pumpte die Hunderte von Kubikmetern ins Aquarium. Heute setzt man aus Chemikalien unb Salzen die Substanz des Meerwassers zusammen; denn begreiflicherwei e muß immer wieder ein Teil in die Abwässerkanäle gegossen werden und frische Zufuhr ftattfinben. *

Wir haben genug von der Unterwelt, wandeln jetzt durch die Wärtergänge hinter den einzelnen Aquarien, sehen nun von oben herab in die Watzer- beefen, die von allem romantischen Zauber ent­kleidet in ihrer zementierten Rechtwinkligkeit mit vielen Lust- und Wasserrohren aneinandergereiht sind, unb betrachten bie Transportkosten, die Ein- gewöhnungsbecken für die tierischen Neuankomm- lnDenn auch im Aquarium sterben Tiere unb neue müssen angeschasst werden. Oft sind wetze Retzen nötig, um irgendeine kostbare Neuerweroung auf chnellstem Wege vom Fundort ins Aquarium zu bringen. Inspektor Seitz reift häufig nach dem Mittelmeer, fängt selber das benötigte Getier und kämpft mit Eisendahnoerwaltungen und <joU|tatio» nen um ungehinderten Transport.

Nicht feiten bedient sich Doktor Heinroth sogar des Flugzeugs, und vorsichtig werden dann die klei­nen Transportkästen burd) Tag und Nacht, vom Schlafwagen des Expreß ^m Fli-g^ihnhof, von Auto zu Auto befördert, bis schließlich ein Schild Soeben neu eingetroffen" dem Besucher entgegen» leuchtet.

Was her gut gekleidete Herr vermeiden muß.

Bei Der diesjährigen Londoner Opernsaison erregten die Führer Der Herrenmodc dadurch Aussehen, Daß sie im gewöhnlichen Iackettanzug erschienen. SolcheRevolutionen" in Der Herren« moDe vollziehen sich ganz unauffällig, müssen aber von jedem, der etwas auf korrekte Kleidung gibt, beachtet werden. Es gibt Dutzende von Feh­lern, durch die man an seiner Kleidung verrät, Daß man nichtauf Der Höhe" ist. In einer Londoner Fachzeitschrift führt Fonthitt Beck­ford solche Verstöße gegen Den guten Geschmack an Ebensowenig wie man Gamaschen zum Sport- anzug oder eine schwarze Krawatte mit Dem Frack tragen Darf, kann man einen steifen Filz- Hut mit einem weichen Kragen vereinigen. Braune Schube 8um schwarzen Anzug sind ebenso un- kleidsam wie bunte Socken, Die Herren mit dicken Knöcheln bei Halbschuhen tragen. Zum Frack sind weiche Hemden und Manschetten unpassend: wohl aber kann man sie an Bord eines Schiffes zum Srneling tragen. Amerikaner, die gern eine eigne Rote" in ihrer Toilette zeigen, legen zum Frack manchmal schwarze oder gemusterte Kra­watten an, aber sie zeigen damit nur, daß ste Die Gebote Der eleganten Herrenkleidung nicht beachten. König Eduard, Der lange Zeit der ©c- schgeber der Herrenmode war, hat Die weiße Frackweste eingebürgert, aber er hätte niemals ein weiches Hemd zu einer weißen Weste ge­tragen. Ratürlich muß Der Anzug des Herrn qut sitzen, aber er Darf nicht allzu eng anhegen. Die Taillenlinie Darf nur angeDeutet toerDen. Lächerlich wirkt ein zu kleiner Schlips bei Der Abendtoilette. Bei Der Auswahl Der passenden Farben hat man Darauf zu achten. Daß em Herr mit blauen Augen und blondem Haar fast aties tragen kann; besonders gut fteßen ihm Blau, Schwarz unD Weiß unD alle Rüancen Des Grau. Der Brünette Herr sieht ani besten tn braunen oder Dunkelblauen Anzügen aus. Der rothaarige muß aber bei der Wahl des Farbentons beson­ders vorsichtig sein: er kann Blau, Schwarz und Grau tragen, wird aber alles Rot im Schlips, bei den Socken und Hemden vermeiden müssen. Helle Farben sind nur beim Sportanzug modern. Es ist nicht nötig. Daß Der Mann alle Die feinen Rüancen Der HerrenmoDe beachtet, ilm gut ge- HeiDet zu fein, genügt es schon, wenn man gut« sitzende, ruhige und saubere Kleider tragt Rur müssen alle Einzelheiten der Toilette, die Schuhe ebenso wie die Socken, Wäsche und Schlipse zu seiner Persönlichkeit Passen.