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Samstag, 15. April 1929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
llr. 86 viertes Blatt
02234
Zungen
Nachdruck verboten.
2. Fortsetzung.
nemann
schlug sich
blickt — das macht fahre allein. Wenn
„Ich weift es noch unruhig geworden,
laS sie an Male. Die
Gefühl, daß alles auf mich meine Hand unsicher. Bitte du nicht zu müde bist."
Sie schüttelte den Kopf, nicht. Ich bin ein bißchen du wirst es verstehen."
die Seite auf.
Totentanz der Liebe
diesem Tage zum so und so vielten aufgeschlagene Stelle lautete:
Draußen, hinter den Fenstern der Billa, lag nordischer Bebel. Der Präfekt war abgerufen worden. Das Zimmer, wohlig durchwärnit, war erfüllt von einem fremdartigen Duft, der sie seltsam einschläferte. Die Zofe huschte herein: die junge Frau wies auf das Heft, das auf dem kleinen Schreibtisch lag.
schüttelte lächelnd den Kopf.
der langen Reise,.." bereit?"
„Der Herr Präfekt hat eben telephoniert", sagte die Zofe, während sie ihr das Magazin hinüberreichte. „Es könne noch lange dauern. Wenn es der gnädigen Frau recht sei, möge sie vielleicht allein zum Ball fahren: der Herr Präfekt werde kommen, sobald es der Dienst erlaube."
„Es ist gut", sagte sie mit einer ärgerlichen Handbewegung: die Zofe verschwand.
Das Magazin knisterte in ihrer Hand: sie überblätterte cs. Hier war der Kniff: von selbst
erst jetzt, nach den Eindrücken einer langen und abwechslungsreichen Reise, recht begriff. Sie blickte hinüber, ongezogen von irgend etwas, was sie fühlte, nicht sah.
An der Ecke der Helgolandsstade stand ihr Reisebegleiter: er blickte dem Wagen entgegen, verstohlen, dennoch mit einem unverkennbaren gespannten Interesse. Sie zog den Kopf zurück, ohne eigentlich zu wissen, warum. Schämte sie sich für ihn? Er hatte erklärt, er müsse zur Rechten, nach der Glyptothek. Warum hatte er gelogen.
Eben fiel die Gartentür hinter ihr zu, als ein zweites 2luto vorfuhr. Cs war das Dienstauto der Staatspolizei: ihr Mann stieg aus und kam mit eiligen Schritten hinter ihr her. Er schien nervös, ganz gegen früher fiel ihr seine Zerstreutheit auf. Dennoch, das fühlte fie_ deutlich, war er froh über ihre Rückkehr, er drückte ihre Hand und preßte sie, wie es seine Gewohnheit war, zärtlich gegen seine Wange.
Aus dem Arbeitszimmer kam das Schrillen des Telephons. Er seufzte auf und nahm den Hörer ab: sie trat zögernd hinter ihm ein. Eben hörte sie, wie er sagte:
„Alle Bahnhöfe besetzen — alle Flugstationen sperren — alle Autostraßen, die zur Stadt hin- aussühren, unter Bewachung stellen! Ich bin die ganze Rächt telephonisch zu erreichen — der geringste Vorfall ist mir sofort zu melden!"
Die Zofe erschien.
„Der Herr Präfekt denken doch daran, daß die Herrschaften heute abend zum Ball eingeladen sind?"
Er wandte sich seufzend herum. „Du wirst müde
„Gewiß, gnädige Frau."
„Ich bin nicht müde", sagte sie, schon in der geöffneten Tür. „Richt im geringsten. Llebrigerw: was für ein Ball ist das? UnD bei wem?"
Aber in diesem Augenblick klingelte das Telephon, und der Präfekt, der ärgerlich eine gleichgültige Meldung entgegennahm, konnte die Frage nicht mehr beantworten.
„Auf alle Fälle werde ich im Laufe der Rächt, wenn auch nur für ein paar Minuten, auf den Ball kommen. Je besser du dich amüsierst, desto leichter, möchte ich sogen, ist mein Gewissen. Ich muß auf die Präfektur: leb wohl."
Sie blickte sinnend auf die Tür, die sich hinter ihm schloß. Eine LInruhe hatte sic erfaßt, die sie sich selbst nicht recht erklären konnte. Sie tonnte ihren Mann — sie wußte, daß er von einer zähen Tüchtigkeit war, die selten ihr Ziel verfehlte. Jedesmal war es so: immer, vor jedem schwierigen Llnternehmen, glaubte er eine Stunde lang, diesmal werde es schief gehen: und jedesmal hatte er seine Ausgabe gelöst. Es war etwas anderes, was auf dem Grunde ihrer Gedanken aufklang. Ihre Blicke glitten hinüber zu dem weißen Buch, das auf der Chaiselongue lag, mit seiner schimmernden Glätte, die das matte Licht der Seidenlampe spiegelnd zurückwarf. Irgendwo standen unausgesprochene Dinge gegeneinander, berührten sich in einem Zusammenhang, den sie nur mit dem Gefühl, nicht mit dem Verstand begriff.
Plötzlich klingelte das Telephon, das auf dem Schreibtisch stand. Sie fuhr verstört zusammen: mit bebender Hand nahm sie den Hörer ab.
„Raten Sie einmal, wer hier ist", kam eine lachende Stimme aus der Membran.
„Sie?" fragte sie ungläubig: sie fühlte, daß etwas wie Angst in ihr ausstieg.
„Ich bin frei: es ging schneller, als ich gedacht hatte. Wann darf ich Sie sehen?"
Sie holte tief Atem. „Wo find Sie?"
„Im Hotel."
Ihr Herz begann zu klopfen. Leise fragte sie: „Welche Antwort erwarten Sie von mir?" Flüsternd kam cs zurück:
„Eine Antwort, die mich glücklich macht."
Sic hörte das seltsame Beben in seiner Stimme — und jäh schlug die heiße Flamme in ihr Blut.
„Lind wenn ich Rein sage?" fragte sic unsicher.
„Sic dürfen nicht Rein sagen."
„Wir wollten auf einen Ball gehen: mein Mann ist abgerufen worden."
„Darf ich kommen?"
„Wollen Sie mich auf den Ball begleiten?" „Ich darf bis zum Morgen mit Ihnen zusammen sein?"
„Sie dürfen kommen imb mich abholen."
' (Fortsetzung folgt.)
** - Hinfahrt
- Rückfahrt
•** • fehlt ife »fahrt
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Roman einer Nacht
Von Paul Rosenhayn.
sein, Schah."
..Ich?" sie
„Müde?"
„Run. — von
„Ist das Bad
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bleiben. Es macht mich nervös - - ich habe bas
Die beiden traten ins Freie hinaus. Drüben hkelt der Wagen: der Chauffeur stand am geöffneten Schlag.
Der junge Herr blieb stehen. „ES ist sehr gütig, gnädige Frau. Welchen Weg fahren Sie?"
.Durch die Vesterbrogode."
„Das ist schade: ich muß rechts herum, nach der Glyptothek."
„Wie Sie wollen."
Der Herr ergriff die Hand der blonden Frau urD blickte ihr stumm in£ Gesicht.
„Mein Mann würbe kaum etwas dagegen beibcn..."
„Ich werde kommen", sagte er leise, „früher, dte Sie denken, werde ich bei Ihnen fein.“
.Wollen Sie mich nicht ans Auto geleiten?" Er zog die Llhr. „Seien Sie mir nicht böse — geht nicht."
„Steht so viel auf dem Spiel?
Er zog die Hand der jungen Frau an die Nppen. „Ja", sagte er, indem er sich aufrichtete. ,Hs steht viel auf dem Spiel."
Sie wandte sich herum, mit einem kurzen, ein Denig indignierten Gruft. Er blieb einen Moment lang stehen, vielleicht unschlüssig, vielleicht: im 9 lötzlichcn Gefühl einer begangenen Llnhoflich- ksit, vielleicht eines begangenen Fehlers. Im Jauern des Autos flammte eine Lampe auf: im g leichcn Augenblick wandte sich der Herr zur Rechten und verschwand im Menschengewühl, das in unablässigem Strome dem Innern der Stadt iLflutete.
„Warum ist mein Mann nicht gekommen?" Sie legte die Hand auf den Türgriff.
„Der Herr Präfekt," sagte der Chauffeur, immer mit jener schonenden halblauten Stimme, „2er Herr Präfekt ist heute sehr gehetzt, gnädige Frau. Er hat in aller Eile diese Blumen in den Wagen gelegt, dann ist er wieder abgefahren. Elan sucht jemand. Etwas mit Politik. Ein ganz schwerer Fall."
„Was hat denn mein Mann damit zu tun?"
..Ich weih es nicht genau, gnädige Frau."
Die junge Frau zog den Schlag zu: augenblicklich ging die Hupe des Autos. Der Schutz- ntann, der dienstbereit gefolgt war. gab ein Signal: der Wagen glitt in den dämmernden Abend hinein.
Sie wandte den Kopf zur Rechten, das heimatliche Bild schien ihr neu und ungewohnt: neu iit seinen herben nordischen Konturen, die sie
!Dic großen polaren Forschungsreisen mit dem deutschen Luftschiff „Graf
' Zeppelin" werden t m April und Anfang ?Rai 1 930 stattfinden, ',h. in der Zeit, wo die ^vlarnacht größtenteils vorüber, das Eis aber > vch gut, die Shtft am ruhigsten und der Som- ncemeBcI noch nicht da ist. 5hr wissenschaftliche Leiter der Expeditionen ist Fridtjof Ransen, vnfraglid) der größte Polarforscher der Gcgen- in art: Führer des Luft- lchiffes wird wahrschein-
. Iich Dr. Eckener selbst «lein, der diesen Fahrten ■mit dem größten Inter- kesse und zugleich mit der größten Zuversicht ent* gsgensieht. An den um-
i Idagreichen wissenschaftlichen und technischen Borbereitungen beteiligt sich ein Stab hervor- ragenDfter Fachmänner verschiedener Rationen: ganz besonders aber deutscher. Denn in Deutschland ist der Ge- • danke entstanden: in 6er deutschen Landesgruppe der Aeroarctic liegt der
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Oer Magen des deutschen Volkes.
Es wird den Statistikern nicht leicht gemacht, aus dem ihnen unaufhörlich zufliehenden Material das für die einzelnen Berechnungen Rotwendige herauszusortieren, und die Ergebnisse so zusammenzuftellen, daß auch der Laie sich darunter eine Vorstellung machen kann. Statistiken dienen der Erkenntnis des wirtschaftlichen Geschehens, sie geben einen Lieberblick und Einblick in die Zusammenhänge aller Wissensgebiete und dienen, auf eine einfache Formel gebracht, auch der Aufklärung der Bevölkerung. — Sine Frage, wie groß wohl der Magen des deutschen Volkes ist, hat nun soeben das Statistische Reichsamt dadurch beantwortet, daß cs die Verbrauchsmengcn der Lebens - und Genuhmittel in Deutschland ausgerechnet hat. Diese Berechnung ist für den Stand der deutschen Lebenshaltung kennzeichnend. Sie zeigt nämlich, daß der Verbrauch gegenüber den Vorkriegsjahren bei wichtigen Lebens- und Ge- nuhmitteln st a r k gesunken ist. So betrug z.D. der Verbrauch von Roggen im Jahre 1927 auf den Kops der Bevölkerung 97,2 Kilo
gramm, während er noch im Jahre 1913 153,1 Kilogramm ausmachte. Auch der Verbrauch von Weizen ist von 95,8 auf 78,8 Kilogramm gesunken. Roch größer ist die Senkung deS Kartoffclverbrauchs, der von 700,2 Kilogramm auf 381,9 Kilogramm zurückgegangcn ist. Gestiegen ist hingegen der Zuckerkonfum von 19 auf 21,7 Kilogramm. Konstant geblieben ist der F l e i s ch v e r b r a u ch , der nur eine Schwankung von 0,4 Kilogramm auf 49,9 _ Kilogramm zeigt. Gestiegen ist weiterhin der Eüdfrucht- bedarf von 4,44 auf 6,72 Kilogramm und der Kakaoverbrauch von 0,77 auf 1,12 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung. Bemerkenswert ist schließlich auch das Sinken des reinen Gcnuftmittelverbrauches. So ist z. B. der K a f f e c f o n f u m von 2,44 auf 1,95 Kilogramm gesunken und gegen 1913, wo 102,1 Liter Bier pro Kopf der Bevölkerung im Jahre getrunken wurden, begnügen wir uns jetzt mit nur noch 80,8 Liter pro Jahr. Der wachsende Fleischkonsum darf vielleicht damit in Zusammenhang gebracht werben, daß die Zahl der erwerbstätigen Erwachsenen, die in erster Linie für den Fleischkonsum in Frage kommen, gegenüber dem Vorkriegsstand zugenommen hat, während die Zahl der Kinder, die für den Fleifchgenuß weniger in Frage kommen, aber abgenommen hat. — Es zeigt sich also bei fast allen Lebens- und Gcnußmitteln, soweit sie nicht zu den elementaren Bedürfnissen gehören, eine beträchtliche Verminderung der Verbrauchsziffer. Der Rückgang des Kartoffelkonsums darf wohl auch damit in Zu- fammenhang gebracht werden, daß auch der Verbrauch von Spirituosen, die ja in der Hauptsache aus Kartoffeln gewonnen werden, beträchtlich z u r ü ck g e g a n g e n ist.
Wirtschaft.
Zur Ermäßigung des Kupferpreises.
Das amerikanische Kupferkartell hat jetzt offiziell seinen 'Verkaufspreis auf 193, a Cents, d. i. mit einem Schlage um über 20 Prozent herabgesetzt. Damit ist der offizielle Preis der tatsächlichen Marktlage an* gepaßt worden. Allerdings hat dieser Kurs vorläufig nur eine nominelle Bedeutung. Llm den Markt wieder in die Hand zu bekommen, stellt das Kartell zu dem ermäßigten Preis, der übrigens noch immer erheblich über dem Preisniveau vor Beginn der letzten Kupferhausfe liegt (5 Cents höher), stark kontingentierte Mengen zur Verfügung. Ob das Kartell zu dem ermäßigten Kurse den Kupferpreis stabilisieren kann, steht noch nicht fest. Man muh abwarten, wie weil es in der Lage ist, Rückgängen, die angesichts der starken Eindeckungcn bei der Hausse auch weiterhin möglich sind, entgegenzuwirken.
(Der Aufsatz „Die Diktatur der Kupscrkönigc in unserer Ausgabe vom Donnerstag behandelte die Lage des Kupfermarktes auf Grund der jüngsten Haussebewegung. Auch nach der jetzigen geringen Ab schwäch', ng der Preise liegen diese
1 immer noch erheblich über dem Preisniveau vor Beginn der in dem Aufsatz behandelten Hausse. D. Rcd.)
Wochenbericht
vom Frankfurter Effektenmarkt.
Trotz aller nervöser Schwankungen und trotz einer merklichen Llnsicherheit im Zusammenhang mit den Reparationsverhandlungen und der Lage am Geld- und Devisenmarkt erwies sich die Börse in dieser Woche als recht widerstandsfähig. Die Tendenz wurde gestützt durch einige Auslandskäufc, die allerdings nicht
mählichen Schelfrande durch daS Echolot geschehen. Ransen legt seit vielen Jahren gerade hierauf ein besonderes Gewicht.
3. Bei dieser Schelferforschung wird man zugleich Klarheit gewinnen über die Existenz verschiedener noch unentdeckter Inseln oder Inselgruppen, die man auf dem Schelfsockel vermutet. So über daS problematische Anhrejew- land im Rorden Ostsibiriens. So über die Gestaltung des bereits erblickten, aber noch ganz ungenügend bekannten Rikolaus-Il.-Landes (jetzt Rordland) nördlich von Asiens nördlichster Spitze. Es soll von der Luft aus kartographisch ausgenommen werden.
4. Llnausgesetzt flieht der Golfstrom aus dem Atlantisck^n Ozean, vorüber an Spitzbergen, in das rings geschlossene Polarmeer hinein. Was wird aus seinen warmen Wassern? Andererseits wissen wir, dah das schwimmende Eis der Polarsee unablässig von der Gegend Ostsibiriens her nach Spitzbergen und Grönland drängt. Ransen hat sich seinerzeit mit der „Fram" absichtlich in dieser Richtung treiben lassen, während umgekehrt Pearys Versuch, von Spitzbergen aus über das Eis zum Pol zu wandern, vergeblich blieb, weil die Bewegung der Eishaut unter feinen Füßen immer die mühsam gewonnenen Kilometer wieder aufzehrte. Ebenso glauben wir, dah die merkwürdig eisigen Temperaturen der ganz großen Meerestiesen auch in warmen Breiten einem langsamen Aequator- wärtsgleitcn polarer Wasser zuzuschreiben sind. Wie erfolgt nun Der Ausgleich und Wechsel dieser großen ozeanischen Strömungen im Pvlarmeer? Beobachtungen der Tempera*
Die Fahrten sollen über
d«s Polargebiet hin und hergehen zwischen einem non der Sowjetregierung gestellten Ankermast in Nord-Ruhland und einem solchen der Der- cimigten Staaten in Alaska, also sowohl im Norden RordamerikaS wie Sibiriens. Dazu sind auch Schleifenfahrten über dem innersten Polarmeer gedacht.
Als dabei zu lösende Ausgaben wissenschaftlich (allerersten Ranges stellen sich vor allem die fol- iicnben dar:
1. Entdeckungsfahrten in dem noch völlig unbekannten Raum zwischen dem Pol, hem westlichen Nordamerika und dem östlichen Sibirien. Roch ist die Frage offen, ob das hier m Harisse aus den Gezcitenbewegungcn an der sibirischen Küste errechnete große Festland - existiert, oder ob das von Ransen seinerzeit auf der anderen Seite des Pols entdeckte Tief- ni c e r sich auch dorthin ausdehnt. Die Existenz cired großen Tiefmeers rings um Den Rordpol — iirt Verein mit Der inzwischen unzweifelhaft gewordenen Tatsache eines großen und sehr hohen ?cmdes rings um Den Südpol — würde ein bebrütender Schritt vorwärts zur Aufhellung großartiger Gesetzmäßigkeiten in Der Gesamtbildung der Erdoberfläche sein, Denen man seit langem auf Der Spur ist.
2. Feststellung Der Grenzen deS polaren »Tief meers, d. h. LIntersuchung, wo der Rand des sog. „Schelfs" verläuft, des Flachstran- bed, Der fast überall auf der Erde, ganz besonders anscheinend aber in der Arktis, Die Küste iimgürtct und erst bet etwa 200 Metern Tiefe oLötzlich zu den großen Meerestiefen abfällt. Des soll durch Pendelfahrten über Dem mut-
turen, DeS Salzgehalts, Der Lebewelt in vcr- fchieDencn Wafscrtiefen werden Darüber wertvolle Aufklärung geben. Hatte Doch schon Ransen auf Der Framreife beobachtet. Daß in gewisser Tiefe des Wassers Des Polarmecres wärmer, statt kälter wurde, und damit wahrscheinlich Den bereits unter getauchten Golfstrom berührt.
5. Von größter Bedeutung für Die wissenschaftliche Meteorologie wie für Die praktische Wettervorhersage ist eine genauere Kenntnis deS arktischen Lustmeercs, in Dem Die Wurzel Der einschneidendsten klimatischen Erscheinungen gcraDe unserer Breiten liegt. Hier können Die Flüge Des Luftschiffes währenD jener Wochen natürlich nur einige Beobachtungsserien von gewissermaßen Zufallscharakter liefern; lösen können diese Fragen nur meteorologische Dauer st ationen in verschiedenen innersten Teilen Der Arktis, wie sie die Zukunft unbedingt wird haben müssen. Solche Stationen an beliebigen Stellen auszusetzen, zu verproviantieren, abzulösen und einzuhvlen wird nur das Luftschiff imstande fein. Die Möglichkeiten und Zweckmäßigkeiten hierfür auszuproben, wird eine weitere Ausgabe Der Zcppelinflüge fein._ Lieber- Haupt weist diese Expedition ja auch über sich selbst hinaus. Sie soll ein Bahnbrecher für eine Zukunft fein, in der das Luftschiff in weitestem Maße ein Wittel für die Forschung in sonst unzugänglichen Gegenden sein wird.
6. Lind nicht nur für Die abstrakte Forschung. Wie jeder Fortschritt Der Wissenschaft toirD auch dieser Dem praktischen Leben zugute kommen. Der nächste Weg von Hamburg zur Behring st raße, dem Eingang in den Pazifischen Ozean, führt genau über Den Rordpol? Der von Dort nach San Franzisko über Grönland: Der nach Japan über arktische GegenDen Rordasiens. Sicher toirD dereinst ein Prätischer Luftverkehr Diese geographischen Tatsachen ausnützen. Lind wir hoffen, daß es einer mit deutschen Zeppelinen sein toirD. Es gilt nur, vorher genau mit den in Betracht kommenden natürlichen Verhältnissen vertraut zu werden. Auch hierfür werden sicher schwerwiegende Ergebnisse gezeitigt werden. Heute erregen die Pläne Der Aeroarctic im Auslande Die größte Aufmerksamkeit. Wir Dürfen hoffen, Daß sie mit Dazu beitragen werden, das wissenschaftliche Ansehen Deutschlands wieder zu der Höhe emporzuheben, die es vor dem Kriege besah.
Die Aordpolsahrt des „Graf Zeppelin"
Von Professor Dr. Georg Wegener, Vizepräsidenten der Aeroarctic.
„Riemand aber wußte, daß Der bescheidene junge Mann, der von Zeit zu Zeit in Den Kopenhagener Hotels auftauchte, kein anderer war als Der geheime Beauftragte FcDor Sokoloff — bis cs eines Tages der Behörde auffiel, Daß fein Erscheinen jedesmal mit einem geheimnisvollen Attentat zusammentraf. Von Da ab beobachtete man Den Fremden und stellte fest, daß er unter verschiedenen Ramen reifte.“
Im Hause schlugen Türen. Ein Schritt kam über den Korridor. Die Tür ging auf. Es war ihr Mann.
„Du bist noch nicht im Frack?" fragte sie, gegen ihren eigenen Willen ein wenig ungeduldig.
„Rein", sagte er nervös. „Ich kann dich nicht begleiten. Du mußt allein auf das Kostümfest fahren."
„Was um Gottes willen gibt es eigentlich? Warum bist Du heute in so entsetzlicher Sile — und in so entsetzlicher Stimmung?"
Er zuckte die Achseln. „Ich muß dir etwas gestehen: meine Stellung steht auf Dem Spiel."
Bestürzt sah sie ihm ins Gesicht. „Deine Stellung?" wiederholte sie, sich aufrichtend.
„Die Beamten haben versagt. Der Mann, den wir suchen, ist aller Wahrscheinlichkeit nach mit Dem Kontinentalzug gekommen."
„Mit meinem Zuge?"
„Ich habe alle Coupes durchsuchen lassen. Alle Pässe sind revidiert worden."
Im Frack.
Sic sah nachdenklich zu Boden.
„Alle Pässe", sagte sic leise. „Alle Pässe.
„Cs ist nicht unmöglich, daß heute nacht etwas passiert. Ein Mord. Irgend etwas, was verhütet werden muß. Leider wissen wir weder einen Ramen, noch haben wir ein Bild. Du wirst begreifen... unter diesen Llmständen... wenn sich etwas ereignet, und ich fürchte es fast, bin ich erledigt."
„Ich werde lieber daheim bleiben."
„Rein." Er ging auf sie zu und nahm ihre Hand. »Ich möchte dich bitten, nicht zu Hause zu


