Ausgabe 
13.4.1929
 
Einzelbild herunterladen

bern aut Herrschest, zur Entscheidung über bteS zerteitte Europa In seinen einzelnen Teilen!

Wir stehen darin vor ungeheuren Perspektiven, wenn wir an Reparation und Abrüstung denken und an Projekte, wie di«Lieberbank" für die finanziellen Kriegsverpflichtungen oder für die finanzielle Hilfeleistung" an bedrohte oder an­gegriffene Staaten. Das letztere Projekt hat eben der Völkerbundsrat gutgeheitzen. Es kommt aus eine Kreditsicherung für einen Staat zum Schutz gegen Angriffe heraus. Realität würde da- natürlich auch erst dann, wenn sich die Ber­einigten Staaten daran beteiligten. Aber daran sieht man, genau wie bei derLieberbank", in welche weittragende Folgerungen solche Projekte einer Frieden-sordnung und einer Friedens­sicherung führen. Dah diese Entwicklungen immer mehr dazu beitragen, das Liebergewicht Rord- amerikaS zu verstärken, hat sich Europa selber zuzuschreiben k

Auf diesem Hintergründe spielt sich, nun in seine entscheidende Phase eintretend, das große Ringen ab, in dem die Aeparativnsfrage engültig" geordnet werden soll. Es soll ledig­lich von den wirtschaftlichen, dengeschäft­lichen" Gesichtspunkten bestimmt sein. Aber

da die Veranlassung, die Ursache, der Ausgang des ganzen durch den politischen Gesichtspunkt bestimmt war, die Festsetzung der Kriegskontri- butivn durch die Sieger und ihren Machtspruch gegem die Besiegten nach dem gewonnenen Krieg, so liegt auf der Hand, wie sehr sich darin in Paris jetzt auch ein politischer Kampf abspielt. Roch deutlicher wird das dadurch, daß auch in dem Kampf um die Reparationsord- nung, um die endgültige Ordnung und Fest­setzung der deutschen Tributzahlungen England und Frankreich zusammenstehen und ihre Vertre­ter durch die gleichen Richtlinien leiten zu lassen. Soweit die Zeitungsnachrichten ein Urteil erlau­ben, halten in dieser schwierigsten Situation die deutschen Vertreter die Linie ein, die den deut­schen Interessen entspricht. Nachdem nun auch darin die Osterpause vorüber ist, nähert sich der Augenblick, an dem der schwerste außenpoliti­sche Kampf für Deutschland in diesem Jahre beginnt. Linier allen Limständen wird er alle Konzentration und Geschlossenheit und Entschlos­senheit vom deutschen Volke erfordern. Deshalb sollte er so sehr wie irgend möglich, frei von Verquickung mit den innerpolitischen Streitfragen geführt werden!

Hauptversammlung -es hesflschen philologenvereins.

Eigenbericht des .Gießener Anzeigers".

Bad-Nauheim, 11. April.

Die hessischen Philologen weilen seit heute in großer Zahl zu ihrer 4 4. Hauptver­sammlung in unserer Badestadt. Der erste Verhandlungstag begann heute früh mit einem Vortrag von Studienrat Dr. Knieriem (Bad-Nauheim) über das Thema: .Zur Kul­turgeographie der Wetterau". An Lichtbildern zeigte der Redner die Entwicklung der Wetterauer Kulturlandschaft von der prä­historischen und römischen Zeit bis zur Gegenwart. Anschließend traten die Fachgruppen zu ihren Sitzungen zusammen, in denen pädagogische und methodische Themen der verschiedensten LIn- terrichtsgebiete zur Beratung standen. il. a. hielt in der Sitzung der evangelische Religionslehrer Liniversitätsprofessor Dr. Eordier (Gießen) einen Vortrag über .2 uther als Erzieher im Lichte des kleinen Katechismus". Die mathematisch-naturwissenschaftliche Abteilung tagte im Polytechnikum in Friedberg, dessen mo­derne Einrichtungen eingehend besichtigt wurden.

Eine von Studierrrat Dr. Flörke (Gießen) geleitete Besprechung der an den pädagogischen Seminaren in der Ausbildung des Nachwuchses für das höhere Lehramt beschäftigten Philologen, wobei Oberstudiendirektor Dr. Roller (Gießen) über den Aufbau des pädagogischen Seminars der Oberrealschule Gießen berichtete, fand am Nachmittag statt. Diese Gruppe der Philologen erhebt die Forderung, dah ihr für ihre verantwortungsvolle Mehrarbeit eine an­gemessene Vergütung zuteil werde; sie sprach sich ferner dafür aus, dah der in Hessen beschrittene lWeg der praktischen Ausbildung der Studien­referendare an der Schule grundsätzlich beizube­halten sei.

Nachmittags tagten ferner die Gruppe der kriegsbeschädigten Philologen und die Arbeits­gemeinschaft der Studienassessoren und Referen­dare. Am Spätnachmittag begann dann im Kur­hause die

öffentliche Festsitzung,

zu der sich außer den Mitgliedern deS Vereins auch Gäste in größerer Zahl eingefunden hatten, darunter Vertreter des Staates, der Stadt und anderer Lehrerverbände. Der Vorsitzende deS Ver­eins, Studienrat Monjs (Darmstadt), entbot herzlichen Gruß, der vor allem auch dem Staats­präsidenten Adelung galt, und ging dann in geistreichen Ausführungen auf Sinnund Auf­gabe der höheren Schule ein. 3nt Zeit­alter deS DerechtigungswesenS sei diese Aufgabe besonders schwierig. Die hohe Aufgabe der Bil­dung und Auslese könne die höhere Schule nur dann wirksam erfüllen, wenn ihre Arbeit in nicht überfüllten Klassen vor sich gehe, wenn der neun­jährige Lehrgang der höheren Schule unangetastet bleibe und den Philologen eine gründliche Aus­bildung an der Universität zuteil werde. Die Philologen bekennen sich, so schloß der Redner, zur Aufgabe der Erziehung unserer Jugend zu pflichtgetreuen wollenden Menschen und als Be­amte zur Pflicht im Dienste deS Staates.

Unter lebhaftem Beifall begrüßte Staatspräsi­dent Adelung die Versammlung, gleichzeitig auch im Namen der erschienenen Referenten des Kultusministeriums, Staatsrat Block und Mi­nisterialrat G l ü ck e r t. Der Redner dankte dem hessischen Philologenverein für die Arbeit, die er an der akademischen Lehrerschaft und damit an der Jugend leistet. Der Philologenverein sei ein bedeutsamer Kulturfaktor im öffentlichen Leben, weil er nicht nur Standesfragen behandle, sondern auch am geistigen Rüstzeug unseres Volkes ar­beite. Der Staatspräsident beglückwünschte den Verein zu seinem Ehrenmitglied Staatsrat Block, der vor 25 Jahren den deutschen Philologenverein begründet habe, und dessen Name mit der Ge­schichte der deutschen Schule im In- und Aus­lände für immer verknüpft sei. Die Notzeit, die unser deutsches Volk durchzumachen habe, er­fordere Einschränkungen auf allen Gebieten im Reich, Staat und Gemeinde. Auch im Schul- und Dildungswesen müsse gespart werden. Dabei sei aber ängstlich darüber zu Wachen, daß un­ser Kulturniveau nicht herabge­drückt werde. Denn die Schule sei der wich­tigste Aktivposten in unserem Volkstum. Nur die Schule könne uns kulturell und damit auch wirt­schaftlich vorwärts bringen.

Den Gruß der Stadt Bad-Nauheim entbot Bürgermeister Dr. Ahl, den der Bad-Nauheimer Aerzte-Vereinigung Sanitätsrat Dr. Hahn, der auf die Beziehungen der Psycho­logie zur Pädagogik einerseits und zur Medizin anderseits hinwies.

Für die Landesuniversität in Gießen sprach Prof. Dr. Lacqueur, der die Bezie­hungen zwischen höherer Schule und Universität treffend herausstellte.

Für den Landesverband Hessen des Reichsbun­des höherer Beamten begrüßte Oberlandes- gerichtsrat Dr. Schneider (Darmstadt) die Ver­sammlung. Den Gruß des hessischen Landes­lehrervereins entbot dessen 2. Vorsitzender, Lehre? Kaufmann (Gießen), den des katho-

I lischen Lehrervereins in Hessen Schulrat Kre­mer (Bensheim).

Nachdem noch Vertreter deS badischen und des hessen-nassauischen Philologenvereins gesprochen, nahm die Tagung den Gruß des Deutschen Philologenverbandes entgegen. Dessen Vorsitzender, Geheimrat Dr. M e l l m a n n (Ber­sin), verband damit interessante Ausführungen über den Anteil des hessischen Philologenvereins an der Gründung des Deutschen Philologenver­bandes. Letzterer verdankt feine Gründung vor 25 Jahren der vom hessischen Oberlehrerverein und seinem damaligen Vorsitzenden, dem jetzigen Staatsrat Block, ausgeganaenen Initiative. Der Redner trat dafür ein, dah die Pflichtstundenzahl der Lebrer nicht bis zur Kraftgrenze gehen dürfe; er forderte ferner ausreichende Mittel für die Weiterbildung der Philologen und wünschte, daß Reformversuche nur an einzelnen Schulen angestellt und erst nach etwaiger Bewährung all­gemein durchgeführt werden.

Den Abschluß der öffentlichen Festsitzung bildete der bedeutsame

Seffoorfrag,

den Universitätsprofessor Dr. G. Hoffmann (Heidelberg) hielt über das ThemaDerpäda- gogifche Humanismus In den ger­manischen und romanischenLändern. Der Redner führte in mehr als einstündigen, tief­gründigen Ausführungen aus: Der pädagogische Humanismus in Deutschland, der nach dem Welt­kriege einsetzte, orientiert sich historisch nur an dem Humanismus der Epoche Humboldt und Schleiermacher, sowie an dem italienischen Huma­nismus der Renaissance. Ganz vergessen sind die eigenen Wurzeln, die von Deventer und von Nikolaus Cusanus auSgingen. Der romantische Humanismus kämpfte gegen die Barbarei, der germanische gegen die Tyrannei; jenem lag ein Bildungsideal, diesem ein Erziehungsideal zu­grunde. Der Junghumanismus in Deutschland wird nur leben können, wenn er mit dem Bil- dungSerlebnis der Romanen solidarisch, aber nicht identisch bleibt.

Abends bot der Gau Wetterau deS hessischen Philologenvereins seinen Gästen im Sprudelhotel eine wohlgelungene

Begrüßungsfeier

mit reichhaltigem Unterhaltungsprogramm. Der Gruß, den Studienrat Dr. Decker (Bad-Nau- Heim) im Auftrag des Gaues entbot, wurde von Studienrat Freitag (Gießen) mit herzlichem Dank erwidert. Die Damenrede hielt in humor­voller Weise Oberstudiendirektor PH ilipp 8 (Friedberg), der auch da8 BühnenbilderbuchQIuS der Schule geplaudert" zusammengestellt hat. Das Schulleben vergangener und kommender Zeiten war in schöner Szene dargestellt, die lebhaften Beifall fanden.

Oie Mitgliederversammlung.

* Bad-Nauheim, 12. April.

Heute nahm der hessische Philologentag seinen Fortgang. In der stark besuchten Mitglieder­versammlung behandelte der Vorsitzende in seinem Jahresbericht eine Fülle von Fragen und Problemen der höheren Schulen und ihres Bil­dungswerkes. Die lebhafte Sorge um die Er­haltung und Entwicklung des höheren Schulwesens spricht aus den vom Vorstand der Mitglieder­versammlung vorgelegten Entschließungen, die vom Vorsitzenden eingehend begründet wur­den. Er betonte vor allem, dah ein Eingriff des Reichssparkommissars das höhere Schul­wesen weiter empfindlich schädige, wandte sich im' Interesse der Jugend gegen die starke Über­lastung der Philologen und forderte erträgliche Klassenstärken. Der gesamte Unterricht an den höheren Schulen müsse von akademisch gebildeten Lehrkräften erteilt werden. Die Bestimmung des Besoldungsgesetzes, dah jede dritte freiwerdende Beamtenstelle unbesetzt bleiben müsse, sollte zum mindesten für die im Schulwesen tätigen Beamten aufgehoben werden, weil die Durchführung einer ft> äußerlichen Maßnahme bei der gebieterischen Notwendigkeit des tatsächlichen Unterrichtsbedarfs zu einer starken Überlastung der übrigen Lehr­kräfte führe. Die Bemühungen der Gemeinden, ihre von den Philologen durchaus gewürdigte Finanznot durch eine Einsparung im Schulwesen zu beheben, erfordere die Abwehr aller, die es mit Schule und Jugend gut meinten. Mit Ent­schiedenheit setzte sich der hessische Philologen­verein im Interesse der Gemeinden wiederholt dafür ein, daß endlich eine Regelung der Ver­teilung der La st en für die höheren Schulen in Hessen Gesetz werde, und zwar in dem Sinne, dah der Staat die persönlichen Kosten für die höheren Schulen im selben Umfange wie bei der Volksschule übernimmt. Regierung und Landtag werden ersucht, in einer Novelle Sum Besoldungsgesetz recht bald die Fälle zu beseitigen, in denen Hessen im Vergleich zum Reich und zu anderen Ländern seine 'Beamten in großen Nachteil gesetzt hat. Gin weiterer Ent- schluh beschäftigt sich mit der Besserstel­lung der Anwärter des höheren Lehr­

amt-8, für die in Hessen unerquickliche Verhält­nisse bestehen, welche oft die besten Kräfte des Nachwuchses zur Abwanderung in andere Länder veranlassen, zum Schaden des hrs ischen Volkes.

Ein Erlebnis war dann der tiefgründige Vor­trag, den der 3. Vorsitzende des Deutschen Philologenvereins und bekannte Vorkämpfer der standespolilischen Bestrebungen der höheren Be­amtenschaft, Studienrat Dr. Dohlen (Berlin), über5> i e Zukunft derhöherenSchule" hielt. Er setzte sich eingehend mit den Einwänden auseinander, die heute vielfach in der Oeffent- lichkeit gegenüber dem Zustand des höheren Schulwesens erhoben werden. Der Behauptung von der Aufblähung der höheren Schulen stellte er den Nachweis gegenüber, dah ein ver­mehrter Zudrang nur auf der Oberstufe zu ver­zeichnen sei, während auf der Unterstufe ein Rückgang der Schülerzahl vorliege. Dxr ver­mehrte Zudrang zu den oberen Klassen habe aber seine besonderen Gründe, die im Wirtschaftsleben zu suchen und nicht leicht aus der Welt zu schaffen seien. Weiter behandelte der Redner das Problem der Auslese, und ebenso nahm er Stel­lung zur Kritik der öffentlichen Meinung und aus Gelehrtenkreisen an der höheren Schule. Mit Wärme zeichnete Dr. Dohlen die Erziehungs­aufgaben der höheren Schule in Gegenwart und Zukunft, um sich zum Schluß der mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen für die Unantastbarkeit der wissenschaftlichen Ausbildung der Philologen an den Universitäten einzusehen.

In Erinnerung an die vor 25 Jahren, am 9. April 1904, erfolgte Gründung des Deutschen Philologenverbandes ernannte die Versammlung den jetzt aus seinem Amte scheidenden Vorsitzenden der Deutschen Philologen, Geh.-Rat Dr. Mell- mann, Berlin, zum Ehrenmitglied des hesstfchenVeretns. Ferner wurde auf An­regung von Staatsrat Block, des Gründer« des Deutschen Philologenverbandes, beschlossen, sich beim Deutschen Philologenverband für die Sammlung einer Spende der Deutschen Philologen zur Unterstützung von Amts­genossen an deutschen Auslandschulen einzusehen.

Die von Studienrat M o n j 8, Darmstadt, ge­leitete Versammlung nahm einen einmütigen ein­drucksvollen Verlauf.

Morgen bilden Führungen in Bad-Nauheim und Friedberg und ein Ausflug nach der Saal­burg den Abschluß der arbeitsreichen Tagung.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck, 13. Avril. DuS Anlaß des 25jährigen Dienstjubiläums des Rektors Dr. Gg. Rein an der hiesigen Schule veran­stalteten gestern abend ote Sozialdemokratische Partei, Ortsgruppe Wieseck, der Gesangverein Sängerkranz, Freier Turn- und Sportverein, der Arbeiter-Samariterbund und das Reichs­banner zu Ehren des Jubilars einen Fackel- zug. Die Kapelle Mank hatte sich ebenfalls zur Verfügung gestellt. Nach einem Musikstück und Gesangsvortrag hielt Gemeinderat Karl Denner an den Jubilar eine Ansprache, in der er besonders hervorhob, was Dr. Rein in den 25 Jahren seiner Tätigkeit als Schulmann für Wiefeck geleistet und bedeutet habe. Er dankte ihm im Namen der obengenannten Vereine und wünschte ihm in seiner neuen Stellung als Stadt­schulrat in Mainz alles Gute. Dr. Rein dankte Herrn Benner und den Vereinen in einer längeren Ansprache und lud die Vereine in das Dereinslokal zu einem Glas Bier ein.

«. All en dorf (Lahn), 12. Qtoril. Mit Be­ginn deS neuen Schuljahres verläßt uns unsere seitherige Lehrerin, Frl. Stoll, und siedelt nach ihrem neuen Wirkungsorte Nieder-Ohmen über. Ihr Weggang wird hier allseits bedauert, ver­lieren doch die Kleinsten unserer Schule in ihr eine geradezu mütterliche Freundin. Darüber hin­aus entsteht durch ihr Scheiden eine große Lücke, hatte sie doch hier eine Jungmädchenvereinigung ins Leben gerufen. Frl. Stoll wirkte an unserer Schule nahezu fünf Jahre; ihr unermüdlicher Pflichteifer und ihr freundliches, sonniges Wesen machten ihr alle Herzen zugetan. Die besten Wünsche der ganzen Gemeinde begleiten sie an ihren neuen Wirkungsort.

CD Lollar, 12. April. Eine öffentliche Ge­meinderatssitzung fand gestern abend statt. Die Grasnutzung von den Lumda­böschungen und den Schmauwiesen wurde seit­her alljährlich versteigert. Einem wiederholten Wunsche der Steigerer nach Verpachtung auf längere Zeit soll nun entsprochen wer­den. Erstmalig soll die Verpachtung vier Jahre umfassen, wobei zuvor für jedes Gelände stück durch die Feldgefchworenen eine Taxe feftzufetzen ist derart, dah der Durchschnitt der für die Versteigerungen in den letzten drei Jahren maß­gebenden Taxen im allgemeinen als Taxe für die jährliche Pachtsumme gelten soll. Die Schüler der hiesigen Schule waren durch die Gemeinde gegen Unfall bei einer jährlichen Prämie von 50 Pf. je Schüler versichert. Die Versicherungsgesellschaft fordert nunmehr die doppelte Prämie. Der Gemeinderat kam nach eingehender Aussprache zur Ablehnung dieser Forderung und beschloß eine Art Selb st ver­sichern n g derart, daß die Gemeinde erstmalig einen Betrag von 500 Mark bei einer Kasse einlegt und ihn alljährlich um 100 Mark er­höht. Aus dem mit Zins und Zinseszinsen ent­stehenden Kapital sollen etwaige Entschädigungen ?;ezahlt werden. Für das Stammholz agen zwei Angebote vor. Während das An­gebot der hiesigen Schreiner die vom Forstamt Gießen mitgeteUten Durchschnittssätze weit über­ragt, bleibt das Angebot der Firma B. Nuhn A^G. darunter. Der Gemeinderat erteilte ein­stimmig seine Zustimmung zur Abgabe des Hol­zes an die Schreiner in den gewünschten Mengen zu folgenden Angebotspreisen: Buchenstämme: Klasse 4 zu 39,25 Mk., Kl. 5 zu 48,15 Mk. Kiefern abschnitte: Kl. 3s zu 40,15 Mk., Kl. 3b zu 45,25 Mk., Kl. 4a zu 47,20 Mk.. Kl. 4 b zu 51 Mk., Kl. 5a zu 58 Mk. pro Festmeter. Mit der Firma Nuhn soll nochmals verhandelt werden. Die von der Gemeinde gezahlten Baudarlehen müssen gemäß einer Forderung des Kreisamtes zurückgezahlt werden, wenigstens ist mit der Abtragung seitens der Darlehnsnehmer zu be­ginnen. Der Gemeinderat beschloß eine Iproz. Tilgung ab 1. April 1929. Es wurde weiter beschlossen, dah Neubauten auf Antrag auf fünf Jahre von der Grundsteuer befreit werden. In einer Llnterftützungssache bestehen zwischen dem Fürforgeverband Gießen- Stadt und der Gemeinde Lollar Llnstim- migkeiten wegen der Llebernahme der Unter» stützungspflicht. Das Kreisamt Gießen vertritt

gleichfassS die Stellungnahme der Gemeinde Lollar. Der Gemeinderat gab feine Zustimmung zur evtl. Klärung im verwaltungsgerichtlichen Streitverfahren. Ein Baugesuch machte die Aufstellung eines Teilortsbauplanes für das Gelände zwischen dem Holzmühlenweg und dem Lollarer Kopf notwendig. Dem vom Vermessungsamt und Hochbauamt Gießen auf- gestellten Plane wurde zugestimmt und die Ver­längerung der Baufluchtlinie der Lumdastraße nach diesem Plane beschlossen.

V. Londorf, 12. April. Bei der Konfir­mation im Kirchspiel der unteren Rabenau (Londorf, Kefselbach, Allertshausen und Climbach- wurden 26 Kinder (13 Knaben und 13 Mädchen) konfirmiert. Als das Kirchspiel noch sämtliche acht Ortschaften der Rabenau umfaßte, waren es stets zirka 80 bis 90 Kinder. In diesem Jahre wirken sich zum erstenmal die Kriegsjahre aus.

D Lich , 12. April. Aus dem S t adtVor­st a n d : Die städtischen Taglohnfahrten im Rechnungsjahr 1929 wurden, laut schriftlichem Angebot, dem Karl Nathes zu Lich zu 1.80 Mk. pro Stunde für ein zweispänniges Pferde­fuhrwerk übertragen. Nach einem Bericht der städtischen Baukommission hat die A l b a ch hin­ter dem Strahendurchlah in der Hattenröder Straße das U f et trotz Schutzes durch Flechtwerk tief unterhält. Nach dem Gutachten kann nur ein Liserschutz aus Beton dauernde Abhilfe schaffen. Die Kosten der Herstellung belaufen sich schätzungsweise auf 200 Mk. Der Stadtvorstand trat dem Gutachten der Baukommission bei und genehmigte die Errichtung einer Llferschutzmauer aus Beton. Auf der westlichen Seite der Gießener Straße oberhalb der Amtsge- richtsstrahe ist nur ein Teil des Fußsteiges in seiner gesamten Länge mit Grohpflaster ver­sehen, während der restliche Teil bis an die Hausfront noch unbefestigt ist. Die Anwohner dieses Straßen eils haben sich mit einer Gingabe um Befestigung dieses restlichen Fußsteig- an den Stadtvorstand gewandt. Nach dem von der Bauleitung vorgelegten Voranschlag werden sich die voraussichtlichen Instandsetzungskosten unter Verwendung von vorhandenen gebrauchten Pflastersteinen auf 650 Mk. stellen. Der Stadt- Vorstand stimmte der Eingabe zu. Die Befesti­gung des Fußsteiges soll unter Verwendung von gebrauchten Grohpflastersteinen erfolgen. In seiner letzten Sitzung hatte der Stadtvorstand be­schlossen, den Fußsteig in der MengeS- Basse mit einer Rinnenpflasterung in einer änge von zirka 140 Meter sortzuführen. Ge­legentlich einer zwischenzeitlichen Besichtigung dieser Straße durch die städtische Baukommission wurde festgestellt, daß zwischen dem vorgesehenen Rinnenpflafter und dem chaussierten Fahrdamm noch ein etwa 1 Meter breiter unchaussiertev Streifen liegen bleibt, der gelegentlich der Ver­längerung des Fußsteiges mit chauffiert werden müßte. Der Kostenaufwand für die Chaussie­rung beläuft sich auf schätzungsweise 630 Mark. Es wurde beschlossen, den vorgesehenen Fuß­steig in der Mengesgasse nebst der Anchaussie­rung des FahrdammeS von der Fabrik Heinrich Reger Nachfolger bis zum Hause des Adam Weicker durchzuführen. Die Verrechnung der Kosten soll zu Lasten des Rechnungsjahres 1929 erfolgen. Der Voranschlag des städti­schen Wohlfahrtsausschusses für 19 9, der in Einnahme und Ausgabe mit 26 600 Mk. bei einem städtischen Zuschußbedarf von 15 500 Mk. abschließt, wurde genehmigt. Ein hiesi­ger Bauunternehmer hat beantragt, dah ihm dis Ausbeutung deS Steinbruchs in Di­strikt Riedköpfe des Licher Stadtwaldes auf ©ru d des Verpachtungsprvtokolls vom 7. Mai 19'2 vorerst auf die Dauer eines JahreS wieder ge­stattet würde. Der Nachtragsentwurf zu dem ar» ten Vertrag wurde genehmigt und der Bürger­meister zum Abschluß des Vertragsnachtrags nsit dem Gesuchsteller ermächtigt. Die Baugesuche, 1. deS Matthias Ettl um Errichtung von Wirt­schaftsräumen, 2. des Jean Weicker um Er­richtung einer Einfriedigung und 3. des Heinrich Trechsler um Errichtung eines Wohnhausan­baues wurden nicht beanstandet. Der Wirt Jakob Eise zu Lich hat ein Gesuch um Erlaubnis zur Umwandlung seiner in dem Hause Hintergasse Nr. 61 bestehenden Schankwirtschaft in eine Gast­wirtschaft nebst den erforderlichen Plänen vvr- gelegt Der Stadtvorstand beschloß, die Bedürf­nisfrage für eine Gastwirtschaft zu bejahen. Unter Mitteilungen gab der Bürgermeister be­kannt, dah er bei dem Vorstand des Eisenbahn- betriebsamteS Gießen II gegen die zeitweillge Schließung des Bahnüberganges in km 16.42 Verwahrung eingelegt habe. Der Vor­stand des Amte- habe nunmehr mitgeteilt, dah das hessische Ministerium der Finanzen mit Ver­fügung vom 10. November 1924 die zeitweilige Schließung des betreffenden Bahnüberganges ge­nehmigt habe.

Kreis Friedberg.

WSN. Friedberg, 12. April. Gestern abenv gegen 5 Llhr hat sich in einem Abort des Bahn­hofes Friedberg ein unbekannter Mann erschossen. Ausweispapiere, aus denen die Personalien festgestellt hätten werden können, waren nicht vorhanden. Der Selbstmörder ist wegen Liebeskummer aus dem Leben geschieden.

Kreis Büdingen.

Bübingen, 12. April. Vom 18. bis 30. d. M. tritt das Kreislehrerkino feine zwölfte Reife nach den einzelnen Stationen an. Zur Vorführung gelangt der erste Teil des Groh- filmsWeltkrieg".

? Nidda, 12. April. Der Reit- und Fahrverein Nidda und ümgegenb er­richtet auf der sog. Gänswiese eine etwa 600" Quadratmeter große gedeckte Reithalle. Der Kostenaufwand für den Holzbau soll 10 000 Marc nicht übersteigen. Die Halle soll so recht­zeitig vollendet fein, dah sie gegebenenfalls zum großen Gesangswettstreit ^s Gesangvereins Sängerkranz" am 30. Juni mitbenutzt werden, kann.

Aus dem Niddatal, 12. April. Gestern sind die Schwalben in unserem Tale ein* getroffen. Einzelne wurden bereits vor 14 Tagen gesehen, waren aber mit Eintritt der Frost« und Schneetage wieder verschwunden. Man nimmt an, dah sie eingegangen find.

Kreis Alsfeld.

»* Alsfeld, 12. April. Stadtvor- standssihung: Da man sich in der letzten Sitzung am Dienstag ausschließlich mit der Vor­anschlagsberatung befaßte, muhten die übrigen Punkte auf eine besondere Sitzung am Donners­tag verwiefen werden. In dieser wurde zunächst nochmals der Entwurf einer Baupolizei­ordnung für die Stadt Alsfeld durch­beraten, zu welchem das Kreisamt verschiedene