Ausgabe 
13.2.1929
 
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Nr. 57 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Merheffen)

Mittwoch. 3. Februar 1929

Die Handtverkemovelle.

Der Reichstag hat in verhältnismäßig kurzer Zeit die Handwerkernooelle verabschiedet und damit den dringenden Wünschen des Handwerks endlich Rech­nung getragen. Die Förderung der Erledigung ist in erster Linie dem Wirken des Wirtschastsministers Dr. Curtius zu verdanken, der, nachdem der Reichs­wirtschaftsrat eineinhalb Jahre für die Beratung gebraucht hatte, auf schleunige Erledigung gedrängt hat. Die Handwerkernooelle bezieht sich auf Titel 6 der Reichsaewerbeordnung von 1897, bringt also neue Vorschriften über Innungen, Innungsaus­schüsse, Handwerkskammern, Innunasverbände. Die Umänderung dieses Titels wurde schon im Jahre 1920 durch den Entwurf der sogenannten Reichs- handwerksordnung beabsichtigt. Sie forderte als Hauptstück die Pflichtzugehörigkeit jedes Handwer- kers zu einer Pflichtinnung. Von dieser Forderung ist in der neuen Novelle im Einverständnis mit der Spitzenorganisation des Handwerks abgesehen worden. Sie hat aber insofern erhebliche Bedeu­tung für den gesamten Berufsstand, als eine voll­kommene Zusammenfassung allerHand- werksbetriebe erfolgt ist.

Bei der Abgrenzung des Begriffs des Hand­werksbetriebes ist man davon ausgegangen, daß unter keinen Umständen eine Einschränkung erfolgen solle. Man hat vor allem an dem Begriff des Großhandwerks festgehalten, so daß auch beispielsweise die Maßwerkstätten der Warenhäuser, die ihrem Wesen nach Handwerksarbeit leisten, in die Handwertsrolle ausgenommen und damit zur Mitarbeit an den Handwerksfragen und zur Bei- tragdleistung herongezogen werden. Die Hand­werksrolle, d. h. die Frage, weiche Betriebe als handwerksmäßig anzusehen sind, hat erhebliche Meinungsverschiedenheiten in den Ausschüßen und auch im Plenum des Reichstags hervorgerufen. Läßt sich doch der Begriff des Handwerks gesetzlich wegen der Vielgestaltigkeit der Detriebsformen nicht fest- legen. Seine Festlegung muß von Fall zu Fall durch die Rechtsprechung des Reichsverwal­tungsgerichts erfolgen. Der Entwurf ändert an den bisherigen durch Rechtsprechung und Praxis stehen­den Begriffsbestimmungen des Handwerks nichts, sichert aber daß das Großhandwerk an der Mit­arbeit im Handwerk festgehalten wirb. Der Gesetz­entwurf bestimmt, daß Handwerksbetriebe, die mit einem Unternehmen der Industrie, des Handels oder der Landwirtschaft verbunden sind, nur dann eingetragen werden sollen, wenn sie dem Gesamt- unternehmen gegenüber soweit selbständig sind, daß in ihnen nicht überwiegend Neuanfertigungen« Aen- derungen und Reparaturen für das Gesamt- unternehmen ausgeführt, sondern überwiegend Waren zum Absatz an Dritte auf B e - stellung hergestellt oder Handwerk- liche Leistungen auf Bestellung Drit­ter bewirkt werden. Hiermit sind viele In- buftrie. und Handelskammern, die Hauptgemein- schäft des deutschen Einzelhandels usw., nicht ein- verstanden: sie haben vielmehr beantragt, daß die Eintragung nur dann erfolgt, wenn der Betrieb im Rahmen des Gesamtunternehmens einen erheblichen Umfang einnimmt und überwiegend und unmittel­bar Daren zum Absatz an Dritte herstellt oder handwerkliche Leistungen auf Bestellung Dritter ausführt.

Eine wesentliche Sorge war es, die Destimmun- Fen bet Handwerkernovelle so zu fassen, daß e i n e angjährige ungestörte Arbeit gewähr- leistet werden kann. Man hat infolgedessen darauf Bedacht genommen, alle etwaigen Angriffspunkte vorausschauend aufzuräumen. Diesem Gesichtspunkt entspricht vor allem die Gestaltung des Wahl­rechts: Listenwahl auf Grund des allgemeinen, gleichen, unmittelbaren und geheimen Wahlrechts. Aus dem gleichen Grunde wurde an der Alters­bestimmung der Vorlage für das aktive Wahlrecht auf 21 Jahre festgehalten, wobei der Gesichtspunkt ausschlaggebend war, daß jeder Beitragspflichtige auch das Wahlrecht haben müße.

Auch in der fchwierioen Frage der Mitarbeit der Gefellenausschüffe in den Handwerkskam­mern konnte eine Einigung herbcigeführt werden. Gerade von sozialdemokratischer Seite ist mit zäher

Gießener GtaMheater.

Fran; MotnLr:Llympia",

Diese pikante Angelegenheit, die sich soeben in Berlin .zum 75. Male" ereignete und vermutlich eine ähnlich phantastische Au'führungSzisfer er­leben wird wie das ^Spiel im Schloß", hat nichts mit Amsterdam 1928 zu tun. Sondern mit der Kaiserstadt Wien vor dem Kriege. Auch nichts mit Sport. Sondern mit Liebe. Oder mit dem, was Molnär sich so darunter vorstellt.

Wenn die Liebe nicht wär', die große oder die alltägliche, die wahrhafte oder die ein­gebildete, dann könnte man wirklich auf jeden neuen Molnär gespannt sein. Ohne Liebe oder Liebe" würde er wahrscheinlich in einiger Ver­legenheit um den nächsten Schlager sein. Aber so kann man nur daraus gespannt sein, wie er chn serviert. (Liebe versteht sich bei ihm von selbst.)

Er serviert ihn so: mit dem ganzen durch­dringenden Hautgout, den Molnars erso'greiche Kochkunst bisweilen an sich hat, und mit der bissigen Boshaftigkeit, die er über der habs­burgischen Vorkri.'gs cuda i ät au'g.eßt. Cbm ist es nur um die Episode zu tun uns sind die sämtlichen Detei.i^ten an dem Abenteuer äußerst gleichgültig.

Olympia, Generalstocht:r und fürstliche Witwe, den obersten Fünfhundert in der ehemaligen Donaumonarchie angehörend, treibt ein ober­flächlich verliebtes Spiel mit einem netten, aber leider ^bürgerlichen" Rittmeister. Der meint_ es ernst, riskiert einen Heiratsantrag und fährt selbstredend fürchterlich ab.

Trotzdem, schwer gereizt, riskiert er noch mehr: weiß den Anschein zu erwecken, als sei er nicht einmal ein Konzesfionsschul e, sondern sogar ein aus dem Zuchthause enthüpster Hochstapler.... mit welchem auch nur von ferne sich eingelassen zu haben, die fürstliche Olympia allerdings heftig kompromittieren würde.

Fort muß er, seine Uhr ist abgelaufen. Der Preis für diesen in her Schundliteratur beliebten Abgang ist eines echten Hochstaplers würdig: Olympia. Am andern Morgen stellt sich dann der Betrug heraus^ eine gewaltige moralische

Hartnäckiokeit gefordert worden, daß die Parität bei allen iyraaen, die überhaupt ein allgemeines volkswirtschaftliches Interesse oder befonbere Fragen bes Handwerks behandeln, hergestcllt werden müsse. Der Antrag o. Raumer-Findeisen forderte im Gegen­satz hierzu die Parttät nur für die Abgabe von Gut- achten über sozialpolitische Fragen und bei Erstattung von Berichten über Angelegenheiten, welche die Verhältnisse der Gesellen (Gehilfen) und Lehrlinae berühren. Dieser Antrag gab den Aus­schlag, fein Wortlaut wurde als Ziffer 2 des § 103k in her Reichsgewerbeordnung ausgenommen. Damit ist die Forderung der Sozialdemokratie, den Ge­sellenausschuß paritätisch mit der Zahl der Meister- sitze zu gestatten, abgelchnt worden und die Sicher­heit der Arbeitsfähigkeit der Handwerkskammern auch für die Zukunft gewährleistet.

Einen besonders starken Streit hat die Behand­lung des ursprünglichen §7 der Novelle in dem Reichstagsausschuß heroorgerufen, nämlich die Vor­schrift, daß Mitglieder einer freien-gemischten In- nung, die zu einer Zwangsinnung herangezogen werden, in der nicht aufgelösten freien Innung frei­willig verbleiben können. Durch diese Bestimmung sollte das Fortbestehen der Innungs- krankenkassen der freien Innungen

Maulschelle für die hochgestochene Olympia. Der Rittrncister, dessen Rachedurst in fo edler Form befriedigt wurde, verschwindet nun prompt. Den Dank, Dame, begehrt er nicht.

*

Die Aufführung unter Tannerts Regie: zwei Akte lang witziz, spritz'.g, pointiert: der dritte und schwächste schleppte bedenklich und war stellenweise recht uralt; er müßte gekürzt und be­schleunigt werden.

3m ganzen: ein Rest von Peinlichkeit war mit aller Routine nicht zu tilgen: die Gefühlsleere und raffiniert auss Parkett spekulierende Mache Molnars verstimmt auch dann noch, wenn man den polierten Dialog und das gepflegte Theater anerkennt, als das der größere Teil der Auf­führung sich präsentierte.

Maria Koch hat mit der Olympia eineParade- rolle erwischt: aus ihr ist ungemein viel zu machen. Schwankend zwischen großer Dame und großer Kokotte, läßt sie spielende Glanzlichter auf die schillernde Gestalt fallen, alle Minen läßt sie springen wie die (weit edlere) Milford die ihr sehr liegen müßte und findet noch nach der großen Blamage einen respektablen Ab­gang.

Auguste Prasch-Grevenberg war Mut­ter Eugenie, die Generalin: es kann kaum eine bessere Besetzung für die e Rolle g. fanden werd n. (3n Berlin spielt sie die Bleibtreu.) Her. bei uns, sah man alle Vorzüge einer kultiviertem Theatertradition in überaus humorvollem und filigranhast ausgearbeitetem Konversationsspiel sich entfalten.

Den bäuerisch-bürgerlichen Rittmeister und Pwubrhichstaplcr gibt Tannert selbst: gefun­denes Fressen für chn, sozusagen und mit Ver­laub. Er (niet sich in diese von Impertinenz strotzende Rolle hinein. Er fischt sich d.e Trümpfe und knallt sie grinsend auf den Tisch des er­lauchten Hauses. Er gibt es ihr, der ebzln Dame: elegant, frech, rabiat. Eine ergötzliche Leistung.

Die Chargen: Goll und Fuhrmann sehr lustig, Dolck (als idiotischer Gendarmer.eoff.zier) stellenweise zu übertrieben. Gareis (Salongene­ral der weiland K. und K. Armee): eine Lust-

Sesichert werden. Wie erwartet, hat sich die gesamte Linke gegen diese Begründung gewandt und die Be- feitigung der Bestimmung verlangt. Dies hatte zur Folge, daß der §7 des Entwurfs in der zweiten Lefung mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt wurde, und daß bann eine erhebliche Mißstimmung In weiten Kreisen des Handwerks Platz griff. Die bürgerlichen Parteien haben daraufhin sofort Front- &'Hung bezogen unb burchzufetzen vermocht, daß eser Beschluß, der nur durch eine Zufallsmehrheit entstehen konnte, durch spätere Abstimmung wieder richtiggestellt worden ist.

Dies sind in kurzen Hauptzügen die wichtigen Streitfragen, die bei der Behandlung der Novelle im Reichstag eine wesentliche Rolle gespielt haben. Die Regelung der ganzen Angelegenheit ist in einer solchen Form erfolgt, die die Zustimmung und Be­friedigung der interessierten Handwerkskreise ersah- ren hat. Nicht immer bei Gesetzesvorlagen ist ein solches Endergebnis zu erzielen. Die Beratung der Handwerkernovelle hat aber gezeigt, daß eine bei Seiten einfetzende fachliche Klärung der strittigen Fragen und ernsthafte Zusammenarbeit zwischen Berufsoerbänden und Parlamentariern unter Aus­schaltung jeglicher Agitation durchaus befriedigende Ergebnisse herbeiführen können.

spieksigur mit possenhaftem Einschlag, deS Dia­lektes nicht ganz sicher.

Ter Beifall, anfangs stark, schien zuletzt abzu- f lauen. Immerhin: unbestrittener Publlkums- ersolg. Dr. Th.

Grundsätzliches über Lerrenkleidung.

Von Richard von Echaulal.

Für den Mann von Geschmack und Weltläufig­keit gibt eS in der Herrenkleidung daS nicht, was als Mode, das ist Laune, Willkür, Äniff und Torheit, den Reuling blendet, den Empor­kömmling unwiderstehlich lockt. Der vornehm­sichere Träger der Kleidung, der den Rock macht, nicht von ihm gemacht wird, kennt keine Schneider- vorschrist batübet, was er und wie er es aiuu- legen habe: im Gegenteil: von ihm emvfängt der aufmerksame und gelehrig? Gew:rb?ttnib.nbe die maßgebenden Anregungen, die ihn allmählich aus der Masse der Allerweltsbesritzdiger heraus­heben. Ein Mensch, der sich nach vornehmem Her­kommen und aus angeborener Begabung gut zu kleiden versteht, wird nicht heute lange, morgen kurze, heute enge, morgen weite Hosen, nicht heute eine bis an den Hals geknöpfte, morgen eine bis auf den Habd. ausgeschnittene Weste, nicht bald einen gerade- und breitschultrigen, bald einen Rock mit rund abfallenden Schultern anlegen, am allerwenigsten aber der albernen Flucht der sogenannten Modewesten und Mode- hosen, der bald schmalhüftigen, bald wallenden ilebettleiber nachlaufen.

Wenn man, wie das seit einigen Jahren bei uns (nicht in England) leider Brauch ist, dem lleidsamen Schoßrock, dem einzigen anständigen Mittagsgewande, den nachlässigen sackförmigen, dem ebenso gefälligen wie bequemen hohen Sei- denhut (Zylinder) den steifen schwarzen Rund­kops vorzieht, wird er. der aufzufallen scheut, seine Schoßröcke, seine hohen Glanzhüte im Kasten belassen und sich dem Straßenbild, der un­artigen Besuch sitte einet verpöbelten Zeit ge­lassen einfügen, unüberzeugt, aber niemals auf- begehrend, unterwerfen, ansonsten jedoch z. B. seinen erprobten Hosenschnitt, den die unerfreu­liche Hosenröhre am besten dem Dein gemäß ge­staltenden, den verlausenden, dem Schuh in leich­ter Glockenform aufliegenden beibehalten, ebenso­wenig feine Schultern aus stopfen noch die Hüften zwängen, dagegen die größte Sorgfalt darauf

wundersamste Regie, erprobt durch Iahchunderi» hindurch...

Pater sanctc, sic transit »Iona mundi

Orgelt es von der Höhe? Mahnen es bie Lüfte? Wer klagt daS Domino, non sum dignus mit dieser einsamen Stimme? Es ist der Sßapft. Er hat den Altar bestiegen und hält mit fester Hand die Messe ab. Zur Öinlen steht zweimal eine gold^ewirkte, edelsteinbesetzte Mitra, zur rech­ten zweimal eine goldgleihende Tiara. Dahinter die Kerzen, dazwischen die heftigen Geräte. Din­gend liest der Pontifex aus einem goldenen Buche mit ftngergrvßen Buchstaben.

Flammen und Rauch. Feierlich amtende Prie­ster. Kniendes, sündiges Volk.

Groß ist die 6tunbc. Dreimal durchschreitet der Geheiligte den Triumphzug zwischen Altar und Thron, dreimal fallen die mit blanker Waffe Spalier bftdenden palatinischen Truppen in den Staub. In Ekstase küssen die Kardinale dem Rach­folger Petri Hände, Knie und Füße. In Ekstase schwingen Chor und Orgel: Tu es Petnrs...

Da aber die Stunde ihren Höhepunkt erreicht und einer aus der Schar der Kardinale heraus- tritt: Empfange die dreikronige Tiara und wisse, daß du Vater bist der Fürsten und Könige, H«n> scher über die irdische Well da. da fällt durch daS eine unverhüllte Fenster der ßaterne ein Sonnenstrahl, senkt sich herab wie eine weiße Taube auf Parsifal.

Corona aurea super caput eius...

»

Die Tiara aus dem Haupte hat Pius XI. sein Pontifikat angetreten. Wiederum tritt er hinaus auf die äußere Loggia der Petersttrche und sieht ein Meer von Menschen zu seinen Füßen. Die päpstliche Hymne ertönt und--die Fanfaren

des Königs antworten.

Das ist der Papst Italiens! II papa italia- nissimo! Ein Orkan hebt das Meer, eS rast und jauchzt. Es Erriet und weint.

Unb dann hängen sie Karten mit dem Bild deS Heiligen Vaters an die bunten Luftballone unb lassen sie Hineinsliegen in den lächelnden römischen Himmel...

Oberhefsen.

Landkreis Grefte».

00 Klein-Linden, 12. Febr. Mit einem reichlich ausgestatteten Unterhaltungsabend traten am Samstag im Saale des Gasthauses »Zur Deutschen Eiche" die beiden hiesigen Iugendver- einig un gen an die Oeffentlichkest. Der Ein-- ladung hatten viele unserer Gemeindemitglicdcr und auch Mitglieder der Gießener Iugendocre.ini- gungen Folge geleistet. In seiner Ansprache schil­derte der Vorsitzende der Vereinigungen, Pfarrer Dremmtzr, Zweck und Ziele der Organisation. Die Veranstaltung war umrahmt von vortrefflichen Musikvortragen der Iuaendvereinigungskapelle unter ihrem Leiter Musiker Willi Lenz. Großen Beifall errangen die von dem Burschenchor unter Leitung von Willi Lenz oorgetragenen vier- stimmigen Choriieder, ebenso dankbare Aufnahme fanden die Chöre der Mädchenoereinigung unter Leitung von Lehrer Rau. Zwei reizende Volks­tänze Der Mädchen, von Fräulein Siebert ein­geübt, trugen viel zum guten Gelingen der Feier bei. Das reichhaltige Programm vervollständigten drei gut gespickte Theaterstücke.

Y Mai nzlar, 12. Febr. Arn SarnStag fand die diesjährige erste Drennholzversteige- rung in unserem Gemeindewalo statt. Sehr zahlreich waren auch Käufer von auswärts erschienen. ES kosteten: Buchenfchri^er 30 bi« 42 Mark, Buchenknüppel 24 bis 32 Wk., Eichen- scheiter 18 bis 24 Mk. und Eiche knüppel 14 bis 21 Mk. je zwei Raummeter. Duchenreiser kamen je nach Güte auf 2 bis 4,50 Mk., Eichen-- reifer da.egen auf 1 bis 3 Mk. je Raummeter. Die zweite Qkrfteigctung; bei der ebenfalls noch eine Menge Brennholz zum Ausgebot kommt, dürste in Kürze statt inte.u Dieser Tage feierle in der Wirtschaft von Hch. Vogel der hiesige Frauenverein fein diesjähriges Winter- kränzchen bei sehr zahlreicher Beteiligung. 2luch

verwenden, daß die tadellose Wäsche, der niedrige feste Kragen unb die weder zu breiten noch zu engen halbsteisen Manschetten mit Rockkragen unb Aermelende auf das Genaueste übereinstimmen, nicht hervorragen noch sich verstecken. An Farben für sein Strahenkleid wird er unter den seit jeher üblichen von Blau über Braun bis Grau kaum mehr viel zu wählen haben, da er die drei, vier, fünf Anzüge, mit denen er nach Jahreszeit unb Witterung dem llebcrrocf gemäß wechselt, so oft es seine Mittel gestatten und der Bedarf ihn dazu nötigt, den alten gleich erneuert. Auch wird er für feine ^Halsbinden" stets die un­scheinbaren ewigen Muster in Schwarzweiß, Blau- weiß, Rostbraun und anderen bei gediegenen Händlern zur Verfügung haben.

Ruhige, ltzicht abgeschattete Einheitlichkeit, ja Einförmigkeit kennzeichnet den Anzug des Men- fchen. der ihm, ohne seine Gedanken damit zu be­schäftigen, die Achtung zuwendet, die er sich selbst, feiner Erscheinung schuldet. Auf hundert Schritte erkennt der geübte Blick den seltenen Fußgänger, der, wie bescheiden seine Einkom­mensverhältnisse sein mögen, das selbstverständ­liche Mitglied einer einst besseren Gesellschaft nicht verleugnet. Ob feine Kleidung einen mehr städtischen oder einen mehr sportlichen Eindruck macht die strenge älnierschridung der scharf voneinander abgehobenenSaisons" ist heute verwftcht, er wird sich stets so ausnehmen, daß vom Kopf bis zum Fuß alles zusammen­stimmt, den Einllang sicheren Gehabens verneh­men läßt.

Hochschulnachnchien.

Professor Dr. Benno Bleher in We ihen- stephan hat den Rus auf den Lehrstuhl der pharmazeutischen und Lebensmitt:lchemie an der Universität München als Rachfolger von Geheimrat Th. Paul zum 1. April 1929 ange­nommen. Der Privatdozent Dr. Herbert Huscher in Köln hat einen Ruf als außer­ordentlicher Professor für englische Philologie an der Universität Rostock als Rachfolger von Prof. R. Immelmann erhalten. Zum Leiter des Deutschen Instituts für ägyptische Altertumskunde in Kairo als Rachfolger von Geheimrat Prof. L. Borchardt ist der ordent­liche Professor der Aegyptologie an der Wie­ner älnioerfität Dr. Hermann Lkunker be­rufen toorben

Wie Papst Pius XI. gekrönt wurde.

Don unserem römischen ^-Korrespondenten.

Rom, 12. Februar 1929.

Es war eine eisige Rächt, die vor sieben Jahren an die fünfz'g tausend Menschen auf dem Pnersplatze verbrachen, umflammert von den urgewaltigen Säulenarmen. Sie wachten, die Fünfzigtausend, sie wankten unb wichen nicht, dis endlich metallene Stimmen die vierte Morgen­stunde verkündeten unb die Bronzetüren sich öff­neten, die schon vor Jahrhunderten alt gewesen waren.

Zum dritten Male im Verlaufe weniger Wochen brach nun diese Lawine in die Basilika ein. Das erstemal, um den toten Papst zu sehen, der da drinnen aufgebahrt war, hingerafft von der Grippe, die damals wie heute nicht Hoch unb Rieder verschonte. Das zweitemal. um dem neuen Papst zuzujubeln, den der zarte, blauweitze Rauch aus dem Konklave angekündigt hatte. Unb um dabei zu fein, wenn er btc Mitra mit ber Tiara vertauschte, der dreifachen Krone, um eine Papst- krönung zu erleben, da opferte nun mancher zu dem Schlaf die Gesundheit...

Man sagt, im Kolosseum hätten sechziglaufend Zuschauer Platz gehabt. Mindestens eb.msoviele füllten um 8 Uhr, al3 die Türen geschlossen wur­den, den größten Tempel der Christenheil. Die haben die Denkmäler überflutet, die Beichtstühle sind schwarz davon, auf den weißen Armen der Heftigen wimmelt es wie von Ameisen, in Trau­ben hängen sie von den Emporen herab.

ilnb sie müssen hängen und stehen bis in den Rachmittag hinein.

AIS die Silbertrompeten ertönen, ist es, a!5 ob sechzigtausendfaches Leben durch den Stein ströme, als ob der gewaltige Raum selber lebendig würde. Und die Zeit versintt, die Gegenwart fließt ab, um daS Mittelalter auS tief ruhenden Schichten emporsteigen au lassen.

Eines der färben- und figurenüberladenen prä- vaffaelttischen Gemälde löst sich plastisch auf, ein großes Konzil tritt zusammen. Da fehlt fein Ton unb kein Faltenwurf. Schwere Schranken und Landsknechte hallen das einfache Schwarz der Menge in angemessener Entfernung von dem Kreuzgang unter der Kuppel, wo das Große vor sich geht. Die Aristokratie hat ihre schwarzgold ausgeschlagenen Tribünen, ein rotes Podium vor der Konfession nimmt die Verwandten d?S Papstes, des Bauernsohnes aus Desto, auf. Die Priesterschast in Weiß und Violett s.ht auf langen Dankreihen vor dem Hauptaltar. In glänzende Gala hat sich das diplomatische Korps geworfen. Frei im Vordergrund bewe.en sich die Mtter tn

kostbarem Wams, ausdrucksvolle WallensteinLpfe liegen auf gesteiften Halskrausen, Galanteriedegen schlagen um trikotschlanke schwarze Beine. Da­zwischen undefinierbare Herren in Frack, die einzige Dlilloidrigkeit. Blonde und schwarze Roß- schweise wehen von den Helmen der Robägarden in ihren enganliegenben weißen Rapoleonshosen. Schwergoldene Ketten vermögen den Racken selbst­bewußter Würdenträger nicht zu beugen.

Blechhftme. Rüstungen. Blau gelb rote Schweizer. Die Frauen haben ohne Ausnahme schwarze Spitzenschleier auf dem Haar liegen, was gut zu den frommen Kerzen paßt. Der märchenhaft große Teppich ist grün, die Heftigen, oder finb es nur Bischöfe, wie Immer bunt, gleich den Aposteln an den Pfeilern alter Kirchen, der Heftige Vater schneeweiß und goto...

3a, da kommt, nein, da schwebt er heran Drei­hundert Bischöfe eröffnen den Zug, Kardinäle folgen, schwarte Ritter deS apostolischen Hofes, grellrote Robetgarden. Da voraus die flackernde Flamme, Sinnbftd des verlöschlichen Lebens ein leise schwankender Thronhimmel, Weiße Strau- ßenfächer zur Seite i! papa! Der Ruf braust auf. brandet gegen die Gewölbe, schmettert zurück: posaunenbast: Ewiva il papa, cwiva! Sechzig­tausend Menschen, nein, fünfzigtausend, denn es gibt auch gesetzt tuende darunter, geraten außer sich vor Freude: Wir haben wieder einen Heftigen Vater! (Eine Regierung hatte Rom um 5ie Zett des Papstwechsels nicht.)

Pius XL aber thront. Der Well entrückt. Weit hinter ihm liegt der Kardinal. Er ist Fürst. Statt­halter Christi. Llnendliche «Entfernung trerati ihn von denen, die ihm armwett nahe zu sein glau­ben. In diesem Papst soll wieder erstehen die Macht und die Pracht und die Herrllchörit der Kirche.

Vor dem Hochaltar, an dem nur er die Messe lesen darf, hall der TragstuhL Weiß ist das Ge­wand des Erwählten, gleich sein Geficht, unnatür­lich ruhen Brillengläser auf dieser Statue. Zu­weilen hebt sich feierlich und gemessen seine seg­nende Hand, dann blitzt der Fischerring auf,

Blei und Papier verstohlen in den Händen, ab unb zu eine Hellebarde schmerzlich tn bet Seite, stehe ich vor dem Altar. Der Blick wandert hinauf über die phantastisch verdrehten gold­braunen Säulen, wandert>r unb höher bis hinauf zur obersten Kuppel, zur Laterne. Alle ihre Fenster find verhängt bis auf eines. Das fyat seine wohlberechnete Bedeutung. Das ist