Ausgabe 
12.9.1929
 
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Aus der provinzialhaupista-i.

Gießen, den 12. September 1929.

Zeppelinbesuch in der Tiacht.

Auf seinem Fluge nach Rorddeutschland be­rührte das LuftschiffGraf Zeppelin" in der letzten Nacht, aus der Gegend von Hanau kommend, auch die Provinz Oberhessen. Unsere Stadt selbst wurde jedoch nicht überflogen, son­dern das Luftschiff passierte weit an der süd­lichen Peripherie in Richtung Wetzlar vorbei. Aus Darbenteich wird uns folgendes be­richtet:Heute morgen 3.45 Uhr wurde der Zeppelin", aus südlicher Richtung kommend, hier gesehen. Es war wohl nur ein günstiger Zufall, daß das Luftschiff über Garbenteich und seiner östlichen Umgebung eine Schleife zog. Es flog zunächst östlich von Garbenteich in nördlicher Richtung bis ungefähr über Stein­bach, drehte dann nach Süden um und flog dabei direkt über Garbenteich hin­weg. Der gewaltig- Schiffsrumpf hob sich jetzt deutlich vom Rachthimmel ab, während man vorher nur die Lichter, die wandernden Sternen glichen, sehen konnte. Es war ein imposanter Anblick! DerZeppelin" flog dann südwestlich etwa bis Dorf-Gill und drehte hierauf auf nordwestliche Richtung ab." Don Gießen aus sah man nur die Nordlichter an dem gestirnten Rachthimmel dahinziehen, der Rumpf des Luft­schiffes konnte nicht erkannt werden. Einige be­geisterte Zeppelinfreunde, die in Erwartung des Luftschiffes etwa von 1 Uhr ab auf der Schönen Aussicht am Fuße desWasserhügels" (Hoch­behälter der Wasserleitung) bis gegen 3.30 Uhr im Freien kampiert hatten, konnten, wie man uns mitteilt, das Luftschiff gleich wandernden Sternen am Himmel dahinziehen sehen. Einer der Beob­achter schreibt uns u. o.:Weit leuchten die Maschinengondeln und der Führerstand. Der Riesenleib glänzt ganz matt im Schimmer der Crdlichter. Ruhig, in großer Fahrt, geht es nach Rordwesten. Cs war genau 3.45 Uhr." Zu be­dauern haben wir nur, daß das Luftschiff auch diesmal wieder mitten in der Rächt hier vorüberkam und dadurch unsere Einwohner­schaft es wiederum nicht sehen konnte. Unsere Mitbürger werden demLuftschiffbau Zeppelin" dankbar sein, wenn er es ermöglicht, daß bei einer der nächsten Fahrten desGraf Zeppelin" unsere Stadt bei Tage überflogen wird.

Gießener Wochenmarktpreise.

ES kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 bis 210, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 20 bis 25,

Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 20 bis 30, Römischkohl 10 bis 15, Bohnen, grüne und gelbe 25 bis 35, Feldsalat 150, Tomaten 20 bis 25, Zwiebeln 10 bis 20, Meerrettich 70 bis 150, Kürbis 5 bis 6, Pilze 40 bis 45, Kartoffeln 5 (der Zentner 4 bis 4,50 Mk.), Frühäpfel 15 bis 25, Falläpfel 4 bis 5. Birnen 10 bis 30, Preisel­beeren 40 bis 50, Pfirsiche 45 bis 80, Brombeeren 60 bis 65, Zwetschen 10 bis 20, Mirabellen 15 bis 20, Reineclauden 15 bis 20, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Tauben 70 bis 90. Eier 15, Blumenkohl 30 bis 80, Salat 15 bis 20, Salatgurken 10 bis 25, Einmachgurken 2 bis 4, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20. Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück: Radieschen Dd. 10 bis 15 Pf.

Bornotizen.

Tageskalender f ü r Donnerstag. Deutsche Demokratische Bartei: Hauptversammlung, 20.15 Uhr, im Aquarium. Zirkus Kapitän Schneider: 20 Uhr. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Abwege" undDas Vagabundenliebchen". Astoria-Lichtspiele:Der Scharfschützen-Bob" und Zerbrochene Ehe".

Deutsche Demokratische Partei. Heute, Donnerstag, 20.15 Uhr, Hauptversammlung imAquarium". Siehe heutige Anzeige.

Kreiskartell Gießen-Land. Nächsten Samstag nachmittag imAquarium" zu Gießen Versammlung. Näheres in der heutigen Anzeige

*

** Sitzung des Provinzialausschus- s e s. Der Provinzialausschuß der Provinz Ober­hessen hält am Samstag, 14. September, vormit­tags 8i Uhr beginnend, im Sitzungssaal des Re­gierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung ab, in der die Klagen des Dr. med. Ruppert in Bad-Nauheim, des Friedrich Schreyer in Bad- Nauheim und der Deutschen Reichsbahngesellschaft, Reichsbahndirektion Frankfurt a. M., gegen die Stadt Bad-Nauheim wegen Heranziehung zu den Strahenherstellungskosten der Moltkestraße verhau- delt werden.

** Freiflüge. Als jeweils 500. Besucher im Gießener Flughafen wurden, wie man uns mitteilt, die folgenden Persönlichkeiten festgestellt: Maria Heß, Weserstraße 6, Elsa Jung, Marktplatz 20, und Herbert Henkel, Grabenstraße 6. Die drei Besucher haben Anrecht auf einen Freiflugschein.

** Gesellschaftsreisen im beseh - ten Gebiet. Auf die Ditte des ReichS- kommissars für die besetzten Gebiete hat die Rheinlandkommission die unter dem 20. Juni er­lassene Vorschrift dahin gemildert, daß Reise-

Adreßbuch

-er Stadt und des Kreises Gießen.

Der Abschnitt V mit den Einträgen in bas

Handels- und Gewerbeverzeichnis der Stadt Gießen, liegt drei Tage, vom Freitag, dem 13. bis einschließlich Montag, dem 16. d. Mts., zu jedermanns Einsichtnahme in unserer Geschäftsstelle offen.

Oie zuständigen Geschäftsleute Gießens werden um Prüfung der Einträge auf Richtigkeit und Vollständig­keit hiermit gebeten. Für Fehler und Unrichtigkeiten kann keine Haftung Übernommen werden.

Oberhessischer Adreßduchverlag Gießen

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Eingang von der Kapianeigaffe aus

aesellschaften sich für die Einreise ins besetzte Gebiet nicht mehr 15 Tage, sondern nur noch 7 Tage vorher anmelden müssen. Die Vorschrift vom 20. Juni brachte bekanntlich die Erleichte­rung, daß Mitglieder einer Reisegesellschaft nicht mehr den einzelnen Personalausweis nötig haben, sondern daß die Anmeldung der gesamten Mit­gliederliste durch den Führer der Reisegesell­schaft bei der Rheinlandkommission genügt.

** V. H. C. Die Septemberwanderung des V.H.C. Gießen erfolgte am Sonntag mit einer Beteiligung von über 70 Personen nach zwei schönen Seiten­tälern der mittleren Lahn. Vom Ausgangspunkt Aumenau führte der Marsch durch das tiefeinge­schnittene, von hohen Schieferhalden umsäumte Dernbachtal zur ersten Rast nach dem durch seine großen Schieferbrüche berühmten Langhccke. lieber einen aussichtsreichen Höhenrücken, vorbei an den freundlichen Taunusdörfern Wolfenhausen und Haintgen, führte der Weitermarsch, zumeist durch prächtigen Wald, durch das anmutig gelegene Lau­buseschach zur längeren Mittagspause nach Weil­münster, wo das Weiltal erreicht wurde. Dem schö­nen Tale abwärts ging es nunmehr durch die schmucken Orte Ernsthausen und Essershausen. Doch des überaus lästigen Straßenstaubs, durch zahllose vorbeirasende Autos verursacht, herzlich müde, wurde bei letzterem Orte die Landstraße verlassen und der Lahnhöhenweg beschritten. Bergauf, bergab, viele Windungen machend, führte das Zeichen durch eine landschaftlich reizvolle Gegend über das hoch­gelegene, mit einer stattlichen das Tal beherrschenden Burgruine versehene Freienfels und wieder hinab in das Weiltal, das durchquert wurde, um auf der

anderen Sette nochmals eine Höhe zu überschreiten. Mit einiger Verspätung langte man am Endziel Weilburg an, wo man bei fröhlichster Stimmung und einem kühlen Trank die Lebensgeister wieder auffrischte.

Schöffengericht Gießen.

Gießen, 11. Sept Ein ehemaliger Rechts­konsulent hatte im Herbst 1928 an einen Arzt und den Vater eines anderen Arztes Droh­briefe geschrieben und Strasanzeigen in Aus­sicht gestellt, falls er nicht Geld erhalte. Er hatte ferner einem Handwerker gedroht, er werde in dessen Stammwirtschaft das Vorleben seiner Braut erzählen, falls er ihm kein Geld gebe. Wegen versuchter Erpressung in 3 Fällen (die Drohungen waren ohne Erfolg geblieben) erkannte das Gericht auf 10 Monate Ge - f ä n g n i s.

Ein schon mehrfach vorbestrafter Kaufmann aus D a r m st a d t hatte im Früh ahr 1929 eine Reihe von Personen aus Bad-Rauheim dadurch zur Hergabe von Geld und Geldeswert veranlaßt, daß er ihnen unwahrerweise vor- spieaelte, er erhalte in einem großen Hotel eine Stette; in einigen Fällen hatte er auch ge­fälschte Wechsel als Sicherheit gegeben. Strafe: 1 Jahr Gefängnis.

Eine Witwe aus der ümg g:nd hatte den be­handelnden Arzt ihres kurz zuvor verstorbenen Mannes gebeten, ihr eine Be Reinigung für die Llnsallversicherung aus ustellen, daß ihr Mann an den Folgen eines Sturzes von der Keller­treppe gestorben sei. Der Arzt hatte das ab- gelehnt und ihr lediglich eine den Tatsachen ent­sprechende Bescheinigung (Todesur a >e: Lungen­entzündung) auf ein Dezeptformu.ar geschrieben. Hierbei hatte er ihr auch ein zweites Rezept­formular, das an dem anderen klebte, versehent­lich mitgegeben. Auf dieses Formular mit dem Ramensaufdruck des Arztes schrieb dann der eine Sohn der Witwe nach Verabredung und im Einverständnis mit seiner Mutter und seinem Bruder eine angeblich von dem Arzt herrührende Bescheinigung, der Verlebte sei an den Folgen des Sturzes von der Kellertreppe gestorben. Die'e Bescheinigung wurde an die Dersicherungsgcsell- schast abgesandt, die aber hinter den Schwindel kam. Alle drei, Mutter und zwei Söhne, erhielten wegen schwerer Urkundenfälschung und Detrugs- versuchs je eine Woche Gefängnis

Ein Arbeiter hatte im Winter 1928/29 ver­sucht, die in früher Morgenstunde in einem großen Werk der Provinz allein tätige Putzfrau zu vergewaltigen. Er wurde mit 9 Monaten Gefängnis bestraft.

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