Ausgabe 
12.8.1929
 
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»om Ganzen und sich bestimmend zur Arbeit am Ganzen der Gemeinschaft.

Die Staatsidee unserer deutschen Reichsver­fassung kann, im Ethos der Freiheit und Ge­rechtigkeit verwurzelt, nur die des sozialen Staates sein.Gesellschaftlicher Fortschritt" so bestimmt die Verfassung das -Ziel des Staats- lebens. DieserFortschritt" kann und soll meinen die verantwortungsbewußte Arbeit an einem Staate, der wirklich die Lebensform echter Volks­gemeinschaft sein will: Staat des ganzen Vol­kes, Dienst aller an allen, Dienst der Wirtschaft und der Wissenschaft an der geeinten Gemein­schaft aller Dolksglieder und Volksstände das soll der deutsche Staat werden. Einigkeit in Recht und Freiheit das ist der deutsche Staats­gedanke.

Vominneren Frieden" spricht die Ver­fassung. Was ist er anders als wirkliches Leben in Gemeinschaft? Gesichert ist er nur, wenn alle sich als Glied des einen Volkes wissen, und wenn der Staat selbst jedem Stande und jeder Arbeit sein Recht im Rahmen der Ganzheit des Volkes gewährt. So erzieht der Staat seine Glieder selbst zu Gemeinschafts- und Rcchtsbewuhtsein. Der Geist des deutschen Volkstums und der Völker­versöhnung", von dem die deutsche Verfassung spricht, gehören unzertrennlich zusammen. Ein Volk, das selbst in Rechtsgemeinschaft geeint ist, darf sein Recht verlangen und wird jeder Ration i h r Recht gewähren in einer des sitt­lichen Volkstums wahrhaft würdigen Arbeit am Frieden auf der Erde.

Was dürfte in dieser Stunde der Besinnung mehr angebracht sein, als in uns selbst den Willen zur Arbeit am deutschen Sozialstaat in Gerechtigkeit und Freiheit zu erwecken? Zwei deutsche Männer, so verschieden in ihrer Ver­gangenheit und ihrer Einstellung, haben den Eid auf die eine Verfassung geleistet: Friedrich Ebert und Paul von Hindenburg. Unö sie haben beide der deutschen Republik in deut­

scher Treue und in tiefer sittlicher Verantwort­lichkeit für ihr deutsches Volk ihre beste Kraft geweiht. Diesem Pflichtbewuhtsein und diesem Willen, dem Volk und feinem neuen Staat zu dienen, geben wir Ausdruck in einem dreifachen Hoch auf Heimat und Volk, auf das Deutsche Reich, die deutsche Republik und die deutsche Reichsverfassung.

Hierauf sang die Festversammlung stehend die drei Strophen des Deutschlcnrdliedes. Nachdem die Reichswehrkapelle die Hymne und den Tri­umphmarsch ausAi'da" zum Vortrag gebracht hatte, beschlossen zwei MassenchöreWie s daheim war" undWo gen Himmel Eichen ragen" vorgetragen von den vereinigten Gießener Gesangvereinen, unter Leitung des Herrn K a st e n, den ersten Teil des Fest­programms. Sämtliche musikalischen Darbietun­gen fanden verdientermaßen lebhaften Beifall.

Der zweite Teil brachte eine Anzahl von Musikvorträgen umrahmte Darbietungen der Gie­ßener Turn- und Sportvereine auf der geräu­migen Bühne der Volkshalle. Mit lebhaftem Beifall wurden zunächst die eleganten turneri­schen Klebungen am Barren bedacht, die von einer Riege der Gießener Turnerschaft (Tv. 1846 und Mtv.) exakt vorgeführt wurden. Ebenso fanden die Körperghmnastik der Damenabteilung des B. f. B., die gymnastischen Freiübungen der Freien Turnerschaft, sowie ein korrekt gefahrener Sechser- Schmuckreigen des Radfahrervereins Fortuna viel Anklang beim Publikum.

Den letzten Teil des Programms bestritt die Kapelle des I. Datl. 15. Inicmterie-Regt. unter der umsichtigen Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r mit einem Konzert, das u. a. die Ouvertüre zu WebersOberün", Szenen aus Lohengrin", sowie zwei Armeemarsche umfaßte und verdienten Applaus fand. Damit hatte die harmonisch und würdig verlaufene Gie­ßener Verfassungsfeier ihr Ende gefunden.

Zur Eröffnung der Berliner Reklameschau.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Reklame in Deutschland eine Sache, die niemand recht ernst nahm, der auf keinen Fall irgendwelches Vertrauen geschenkt werden durfte. Reklame schien identisch mit grobem Schwindel, nur die gerissenen Kaufleute benutzten sie, an­geblich um den Käufer ziemlich ungeniert übers Ohr zu hauen. In dieser Ansicht, die nur zum kleinen Teil berechtigt war, ist in den letzten Jahren eine gründliche Wandlung ein* getreten. Die Reklame ist in alle Zweige der Industrie und des Handels gedrungen, selbst die Landwirtschaft verschließt sich ihr nicht mehr. Rarnhafte Firmen, die noch in der Vor­kriegszeit mit sichtlichem Stolz verkündeten, sie hätten es nicht nötig, ihre Erzeugnisse an­zupreisen, änderten unter dem Einfluß eines ständig wachsenden, sich übersteigernden Kon­kurrenzkampfes gründlich ihre Meinung, auch sie gingen zu durchdachter Werbung über. Und heute? Da ist die Reklame eine Welt­macht geworden, weder Produzent noch Kon­sument können sich ihr entziehen, die Wissen­schaft, die Kunst fanden nach einigem Zögern den Weg zu ihr, um dann freudig und gründlich zugleich mitzuarbeiten, jeder erkennt den Wert der Reklame an sie ist arriviert und ein wich­tiger Teil des Dienstes am Kunden geworden.

Es soll nicht bestritten werden, daß das Miß­trauen der Allgemeinheit bei uns gegenüber der Werbung in den Anfängen berechtigt war. Deutschland hat einiges zu lernen gehabt, als es seine Propaganda aufbaute. Es übernahm den Reklamemann von einst, den Marktschreier, ver­größerte und vergröberte ihn, so daß der also be­glückte Konsument zu der Ansicht gelangte, man

wolle ihm mit einem bis dahin unerhörten Auf­wand von Worten reichlich unerwünschte Dinge aufreden. Hier setzte aber bald die notwendige Korrekturarbeit ein, und es ist insbesondere der Wissenschaft zu danken, daß sie auf dem Gebiet der Reklame neue Wege wies. Mit der psycho- technischen Durchdringung des gesamten tausend­fältigen Wesens der Propaganda schuf sie ein wertvolles Rüstzeug für die Arbeit, sie wurde von der wissenschaftlichen Basis aus durch­drungen und lieferte nun Erfolge, die in jeder Hinsicht beachtenswert waren. Die Wirtschaft konnte den so geschaffenen Apparat übernehmen und auswerten. Es hat sich die Lieberzeugung durchgesetzt, daß die Reklame produktions­fördernd ist, daher verbilligend wirkt, die Kaufkraft der Massen erhöht und so in ständigem Kreislauf die Volkswirtschaft befruch­tet. Lehrmeister auf diesem Gebiete sind bis auf den heutigen Tag allerdings die Ameri­kaner geblieben, die von sich aus immer neue Formen der Anpreisung fanden und verbrei­teten. Ihre besten Köpfe haben sie jetzt nach Deutschland entsandt, um an der Reklame- schau 19 2 9 in Berlin teilzunehmen. Die Fach­leute aller Länder der Erde treffen sich in diesen Tagen bei uns: daß sie gerade nach Deutschland kommen, beweist in überzeugender Weise, wie sehr sie die Aufbauarbeit unserer nahezu zerstörten Wirtschaft in > einem halben Jahrzehnt aner­kennen. Wir dürfen für uxrs in Anspruch neh­men, daß die Anspannung aller Kräfte des Gei­stes nicht vergeblich war, die zu Ehren gekom­mene Reklame hat dem ausgepoverten Deutsch­land einen moralischen Erfolg gesichert.

Dämomn der Zeri.

Vornan von Arthur Brausewetter.

1. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Run saß man in dem getäfelten Eßsaal. Dunkel­grüne Tannengewinde, von einer Unzahl klei­ner Glühkörper in den verschiedensten Farben durchflammt, umwanden die Tafelaufsätze aus getriebenem Silber und die geschliffenen Karaffen. Der alte und der junge Diener gingen mit laut­losen Schritten von Platz zu Platz und schänkten den Cherry. Und gleich war alles in lebhafter Unterhaltung.

Das muß man dem Körber lassen, Gesellschaf­ten weiß er zu geben," buchstabierte Herr Ame- lung, der neu ernannte Kammergerichtspräsident, der zu Hause sehr knapp gehalten wurde und doch keine größere Freude auf der Welt kannte, als einen guten Tafelgenuß, seiner Rachbarin, der Exzellenz Röhte, in ihr Hörrohr. Die legte dies neben ihr Gedeck und antwortete in der Ab­sicht. dem Präsidenten etwas in das mißge- formte Ohr zu tuscheln, wiederum so laut, daß es die ganze Längsseite des Tisches vernehmen mußte:Du meine Güte . . . wenn man in der Wolle sitzt, ist es kein Kunststück, zu spinnen."

Rur daß der eine grob spinnt und der andere fein," sckmetterte die entzückende Studnih, die Tochter des Oberpräsidialrates, mit der schnippi­schen Unverfrorenheit ihrer achtzehn Jahre und der Hellen, wohlklingenden Stimme in das be- reitgehaltene Hörrohr. Denn sie saß zur Linken des Hausherrn, der, in ein eifriges Gespräch mit Elli Tenerissen, seiner eigentlichen Dame, ver­wickelt, die taktlose Anmerkung nicht gehört hatte, und freute sich, der alten Röhte, eins ausgewischt zu haben, die sie auf den Tod nicht ausftehen konnte.

Er soll allerlei große Unternehmungen Vor­haben, mit Tenerissen und Markenthin zusam­men," meinte auf der gegenüberliegenden Seite der trotz seiner Klugheit und geistigen Tätigkeit dem gesellschaftlichen Klatsch zugängliche Ober- fhit>ienöirehor Ahlfeld zur Terlinden, die man ipm nach Klaus Korbers Grundsatz, die Gegen­sätze möglichst zusammenzutun, zur Tischdame ge- ?;eben hatte.Du meine Güte, wenn man sein ärgliches Einkommen hat und höchstens einmal nach dem Abendessen zu einer Tasse Tee ein­laden kann

Was sagen Sie?" Zum Tee und Mandelessen laden sie ein? Schmeckt das gut zusammen? Und wer gibt es?" fragte die alte Erzellenz hin­über, die die Gewohnheit hatte, sich in jedes Gespräch, das sie nur halb vernahm, mit irgend­einer nichtssagenden Bemerkung zu mischen.

Klirr . . . Klirr . . . Herr Tenerissen klopfte an das Glas. Kurz und würdevoll sprach er, ganz in dem Bewußtsein seiner Stellung und sei­nes Ansehens. Er nannte Klaus Körber, dem seine Worte galten, nicht nur ein Geburtstags-, sondern ein Schoßkind des Glückes, dem das in die Wiege gelegt war, um das andere ein ganzes Leben voller Mühe und Schweiß opfern muß­ten. Freilich es gäbe nichts Schwereres in dieser Welt, als von dem Glücke auf so weiche Arme genommen zu werden. Richts Schwereres und nichts Gefährlicheres.

Es war eine etwas seltsame Rede für eine Geburtstagsfeier. Etwas wie väterliches Mahnen klang aus ihr. Aber daß er, der Wortkarge und jede Silbe Wägende, heute überhaupt sprach, galt schon als Auszeichnung, und daß er es in dieser Weise tat, durfte nicht wundernehmen. War er doch der nächste Freund des alten Körber gewesen und hatte seines einzigen Sohnes Auf­wachsen von seinen ersten Anfängen an bis zu dem heutigen Tage auf jeder Stufe seiner Ent­wickelung begleitet.

Man erhob sich von den Plätzen, trank dem jungen Hausherrn zu. Manches scherzende und auch manches herzliche Wort flog zu ihm hinüber, ein förmlicher Wall von Zuneigung und Liebe umschloß ihn weich und warm.

Der alte Lafitte hatte der Fröhlichkeit alle Schleusen geöffnet. Und mitten in dem neckenden und tändelnden Wirrwarr der Worte und Blicke, dem blitzenden Lachen und Leuchten von rechts und links, von hüben und drüben saß Klaus Körber, unterhielt sich leicht und angeregt mit Lilly Studnitz, die ihm wegen ihres natürlich- frischen Wesens von jeher die angenehmste und liebste unter den jungen Mädchen seines Ver­kehrs gewesen, vernachlässigte dabei aber nicht eine Sekunde die ältere, aber noch immer leid­lich aussehende Elli Tenerissen, erwiderte mit wohlgesehten Worten ihrem Vater auf feinen freundlichen Trinkspruch und leerte das Glas auf das Wohl feiner Gäste.

Aber das alles tat er doch nur im Unter- bewuhtsein, tat es wie in einem tiefen, schweren Traum. Denn unaufhörlich hämmerte und brauste ihm die Frage durch den Kopf: Was sein würde, wenn dies rauschende Fest sein Ende erreichte und bleiern und trübe der graue November­morgen über feinem Kontor aufbämmerle ihn als Bettler zu wecken? Das Bild eines früheren Kameraden stand vor seinem Geiste. Er war der Sohn eines Kaufmannes, dessen Reichtum mär­chenhaft war. Aber Ehrenschulden, Weiber, aller­lei häßliche Geschichten eines Morgens, gerade als er zum Obersten befohlen war, fand ihn sein Bursche in voller Uniform erschossen auf feinem Schreibsessel.

Plötzlich stieg inmitten allen Ernstes ein-

Turnen, Sport und Spiel.

Oie Dolksturnmeisterschasten der O.T.

Acht Entscheidungen am Tamstag.

Bei den Meisterschaften der Deut­schen Turnerschaft in den volkstümlichen Wettkämpfen gab es bereits am Samstag acht Entscheidungen. Die Kämpfe auf der Hessenkampf­bahn in Kassel waren sehr gut organisiert. Lieber« ragende Leistungen gab es am Samstag noch nicht, wenn auch der Durchschnitt ganz annehm­bar war. Im 800-Meter-Lauf war der Titelver­teidiger Wichmann- Karlshorst nicht am Start, in seiner Abwesenheit siegte Vach, Bar­men, in echt guter Zeit, obwohl er keine Kon­kurrenz hatte. Die Ergebnisse des Sams­tags:

Herren: 200 Met.: 1. Märlein. Mainz, 22,4: 2. Nobel, Hamburg, 22,6; 3. Schürle, Stuttgart, 23,1. 800 Met.: 1. Vach, Barmen, 1:57,7; 2. Dun­ster, Hamburg, 2:01,5; 3. Kohler, Oberhausen. Stein stoßen, bestarmig: 1. Lignau, Dort­mund, 10,17 Meter: 2. Langbein, Charlottenburg, 9,96; 3. Rabe, Leipzig, 9,52; beidarmig: 1. Lignau, Dortmund, 17,26; 2. Regener, Dortmund, 16,495; 3. Kraft, Buchholz. Kugelstoßen, beidarmig: 1. Lignau, Dortmund, 25,66 Me­ter; 2. Krause, Chemnitz, 25,04; 3. Wengenroth, Frankfurt a. M., 24,88.

Damen: Weitsprung: 1. Wittkowskh, Charlottenburg, 5,29; 2. Wilkening, Mörs, 5,15; 3. Junkers, Kassel, 5,10. Diskuswerfen: 1. Diesendahl, Berlin, 34,20; 2. Wittkohslh, Char­lottenburg, 34,12; 3. Hermann, Köln, 33,68. Schlagball-Weitwerfen: 1. Willrath, Berlin, 70,92; 2. Böhme, Frankfurt a. O., 70,01; 3. Stockhorst, Duisburg, 69,32.

Die Ergebnisse des zweiten Tages.

Herren.

110-Meter Hürden: 1. Winkler, Rem­scheid, 15,5; 2. Thymm, Leipzig, 15,5; 3. Schlie, Karlshorst, 15,7. 4 00 Meter: 1. Danz, Kastel, 49,5; 2. Helbig, Mainz, 50,5; 3. Merten, Leverkusen, 50,6. 100 Meter: 1. Lammers, Oldenburg, 10,5; 2. Nobel, Hamburg, 10,8; 3. Märlein, Mainz, 10,9. 15 0 0 Meter: 1. Pesch, Barmen, 4:09,2; 2. Scherer, Nürnberg, 4:10,3; 3. Baumann, Minden, 4:17,5. 5000 Meter: 1. Sühring, Wittenberge, 15:42,3; 2. Friedrich, Werden, 16:04; 3. Krowattke, Frank­furt a.O., 16:06. 10 0 0 0 Meter: 1. Behm, Wünsdorf, 33:25,8; 2. Krake, Apolda, 33:33,5; 3. Köpp, Pfronten, 34:13,3. 4X 1 00 Meter: 1. TFC. Ludwigshafen 42,9 (Rekord); 2. Turner­schaft Saarbrücken 43; 3. Turngemeinde in Berlin 43. Kugelstoßen, b est arm ig: 1. Lignau, Dortmund, 14,05 Meter; 2. Langbein, Char­lottenburg, 13,55 Meter; 3. Schwald, Kottern, 13,34 Meter. Diskuswerfen: 1. Lignau, Dortmund, 42,295 Meter; 2. Tönissen, Spandau, 41,295 Meter: beidarmig: 1. Lignau 75,81 Meter: 2. Heinen, Westenstede 68,82 Meter: 3. Vogt, Groß-Lichterfelde, 66,61 Meter. Speerwerfen, bestarmig: 1. Stoschek Breslau, 60,46 Meter; 2. Macke, Bockenem 59,77 Meter; bei darmig: 1. Stoschek 99,32 Meter; 2. Großwitz, Emmerich, 92,96 Meter. Hoch - sprung: 1. Haag, Göppingen, 1,83 Meter; 2. Dornhöft, Limbach, 1,78 Meter; 3. Illhardt, Lüdenscheid, 1,78 Meter. Stabhoch­sprung: 1. Ritter, Amswalde 3,72 Meter; 2. Beusch, Braunschweig, 3,70 Meter; 3. Braun, Sulzbach, 3,45 Meter. Weitsprung: 1. Illhardt, Lüdenscheid, 6,92 Meier; 2. Kaspar, Leipzig, 6,87 Meter. 4x4 00 Meter: 1.CT. 54 Kassel 3:25,8 (Rekord); 2. T.u.S. Schöneberg 326; 3. VfL. Charlottenburg 3:33. 3x1000 Meter: 1. Barmer Tv. 46 8:01,8; 2. TG. Ko­

blenz 8:06,4; 3. ATV. Berlin 8:07,2.Kreis­staffel: 1. Kreis 3 b (Brandenburg) 4:57,5; 2. Mittelrheinkreis 4:59,8; 3. Brandenburg 2.Mann­schaft. Schleuderball: 1. Heinen, Wester­stede 62 Meter. Olympische Staffel: 1. Tv 1846 Barmen 3:36,4 (Rekord); 2. Schöne­berger TSC. 3:36,8. Marathonlauf: 1. Tietz, Berlin, 2:52,57 Stunden; 2. Sehr, Dülken, 2:54,38; 3. Theuerkauf, Berlin, 3:00,20; 4. Zie­then, Spandau, 3:03,40.

Damen.

100 Meter: 1. Gericke, Tiefwerder, 12,8; 2. Albus, Barmen, 13. Speerwerfen: 1. Schumann, Essen, 38,585 Meter (Rekord); 2. Wittkowskh, Berlin, 35,39 Meter. Kugel- stohe n: 1. Sinsheimer, Würzburg, 11,83 Meter: 2. Hermann, Köln, 11,81 Meter. 4X100 Meter: 1. Turnklub Hannover 51 (Rekord): 2. TSV. Schöneberg 51,3. Hochsprung: 1. Rotte, Düsseldorf, 1,48 Meter: 2. Bickel­haupt, Gießen, 1,48 Meter.

Meisterschaften der Turnersechter im Mittetrheinlreis.

3n der Turnhalle Goethestraße zu Offenbach nahmen am Samstag die M e i st e r s ch a f t e n der Turnerfechter aus dem Miitelrhein freie der D.T. ihren Anfang. Angetretcn waren im Florett 27 Damen und 35 Herren aus Frank­furt, Offenbach, Bürgel, Mainz, Darmstadt, Höchst, Biebrich, Saarbrücken, Wetzlar und Hanau. Die Vor- und Zwischenrunden nahmen viel Zeit in Anspruch. Die Entscheidung bei den Herren dürfte sich zwischen I. Thomson und E. Heim vorn Tv. Offenbach und den Frankfurtern B ü d i n g c r und Schenk vom Tv. 60 abspielen, die mit ihren Klubkameraden Elbert und Sachs, sowie Horn, Höchst, im Finale sind, durch Stichkämpß erst zwischen Glück, Eintracht Frankfurt, Ott, Bockenheim, Ludwig und Wenzel, Bürg:!, Haun, Darmstadt, und Diehl, Mainz, drei weitere Teilnehmer für die Schlußrunden ermit­telt werden müssen. Für die Endrunde der Da men haben sich qualifiziert: Frl. Eisenecker, Eintracht Frankfurt, Frau Mutschler, Tv. 60 Frankfurt, Frau Deiters, Frl. Iüngst, Ja - cob, Leonhardt, Turnverein Offenbach, Frl. Schlitt und Roemer, Biebrich, Frl. Schnep­per, Darmstadt, Frl. Eisenschreiber, Höchst, und Frl. E b e r s k i r ch, St. Johann.

Deutscher Echwimmersieg.

Schweden mit 22«: 140 Punkten geschlagen

Wie zu erwarten war, ließen sich die deutschen Vertreter in dem Schwimm länderkampf zwischen Deutschland und Schweden der in Halber st adt durchgefuhrt wurde, den Sieg nicht entreißen. Auch der dritte und ab­schließende Tag dieser Veranstaltung sah Deutsch land stark überlegen, so daß der verhältnismäßig hohe Punktsieg von 220:140 vollauf verdient ist Ergebnisse: 100 Meter Freistil: 1 Arne Borg, Schweden, 1:00,5 Min.; 2. Schweizer Deutschland, 1:05,1 Min.; 3. Ahrend, Deutschland, 1:05,2 Min.; 4. Petterson, Schweden, 1:08,1 Min. 100 Meter Freistilschwimmen der Damen: 1. Reni Erkens, Deutschland, 1:15 Min 2. Eliasson, Schweden, 1:18,3 Min.: 3. Wunder Deutschland, 1:20 Minuten; 4. Töpel, Schweden,' 1:20,8 Minuten. 100 Meter Rückenschwim­men: 1. Küppers, Deutschland, 1:11,5 Min.; 2. Schumburg, Deutschland, Lundahl und Johansson, Schweden, je 1:17,8 Minuten. Turmspringen: 1. Riebschläger, Deutschland, 11 Platzziffern, 96,02 Punkte; 2. Oeberg, Schweden, 1393,76 P.; 3. Sjöberg, Schweden, 13 92,58 P.; 4. Plumanns Deutschland, 13 90,74 P. 4 mal 200 Meter' Freistilstaffel: 1. Deutschland (Schrader,

cheln in ihm auf. Es mußte doch etwas Komisches haben, diese Menschen so veränderten Verhält­nissen gegenüber zu sehen. Wie sie sich zu ihnen stellen, mit* welcher Fassung sie ihnen begegnen würden? Was wohl die reizende Studnitz sagen würde, mit der er so manchen unvergeßlichen Abend vertändelt hatte, und die auch heute jeden seiner mühsam erzwungenen Scherze mit dem zwitschernden Lachen begleitete, das er immer so gerne an ihr gehabt hatte? Und die Terlinden, der er heute morgen erst den schmalen Goldreif geschenkt, dessen kostbare Perle mit ihrem matten Feuer um ihren elfenbeinernen Arm spielte, die zu ihm hinüber winkte, lockte? Und gar die hoch­mütige Elli Tenerissen, die sich seinen redlichen Bemühungen gegenüber heute mit ihrer ganzen Unnahbarkeit wappnete, weil sie auf die Stud­nitz eifersüchtig war? Ab« er wußte, daß es nur Schein war, wußte, daß sie so manchen Bewer­ber abgewiesen, auf ihn gewartet hatte, Jahr für Jahr, über diesem Warten ihre Blüte und ihre wenigen Reize eingebüßt hatte und im stillen immer noch harrte und hoffte.

Mit einemmal kam ihm ein Gedanke: Wenn dies die Rettung bedeutete?! Wenn er durch alles, was gewesen, was ihn heute noch mit süßen Banden hielt, einen Strich machte?! Aber nein, der bankerotte Klaus Körber würde in dem Hause Tenerissen einen schlechten Bewerber spie­len. Lind zum Sklaven war er nicht geschaffen. Dazu lebte zu viel Herrenbewuhtsein und Herren­kraft in ihm.

Was ist Ihnen heute nur, alter Freund und Gönner?"

Markenthin, der immer, wenn die Tafel zu Ende ging, in Weinseligkeit schwamm, rief es mit der öligen Stimme zu ihm hinüber.Schon dreimal versuche ich, auf Ihr Wohl zu trinken. Aber Sie sahen immer über mich hinweg."

Er erschrak ein wenig. Sollte er sich doch nicht so in der Gewalt haben, wie er dachte? Sollten die anderen eine Ahnung von dem haben, was in ihm vorging? Aber nein, das war nicht mög­lich. Der einzige, der über seine Lage unter­richtet fein konnte, war Gomprecht. Lind auf den konnte er sich verlassen. Das wußte er.

Lind nun stand auch der Weg vor ihm, der einzige, der chm blieb, der ihn morgen in der Frühe zuerst zu dem Geldprotz da drüben und dann zu Tenerissen führen sollte. Markenthin hatte es ihm eben erst versichert, daß er der beste, der einzige Freund wäre, den er in der ganzen Stadt hätte, und der jeder Gefühlsäuße­rung abholde Tenerissen hatte ihm unmittelbar nach feiner Rede die Hand auf die Schulter gelegt und ihm gesagt, daß er sich in jeder Lebenslage auf ihn verlassen könnte.

Die Tafel war auf gehoben. Ein Trio spielte in dem klang wirksamen Festsaale mit einem so

prickelnden Rhythmus, daß es eine Lust war, nach dieser Musik zu tanzen.

Klaus Körber, den fein wohlgebauter Körper, die Leichtigkeit feiner Bewegung und Führung zu einem begehrten Tänzer machten, gönnte sich nicht eine Sekunde Ruhe, tanzte mit den jungen und jüngsten der Damen mit möglichster Gewissen­haftigkeit der Reihenfolge, führte auch die älteren, die sich in einer von Klugheit gebotenen Ent­sagung in die Rebengemächer zurückgezogen hat­ten und doch auf einen Tanz mit ihm brannten, in den Dallsaal und schien sich vor Fröhlichkeit und immer neuen luftigen Einfällen kaum lassen zu können.

Als vor dem Beginn des Viertanzes eine wohlverdiente Pause eintrat, nahm er in über­mütiger Eingebung dem Violinisten die Geige aus der Hand und spielte, um den alten Mann nicht zu kränken, eine von diesem vertonte Serenade mit solcher Meisterschaft, daß den alten Musiker nur die Ehrfurcht zurückhielt, ihn angesichts der ganzen ihm zujubelnden Gesellschaft zu umarmen. Lind als dann die Diener römischen Punsch reich­ten und seinem Leibdiener Moritz, der auf diesem Gebiete weniger geübt war, als der in ihm grau gewordene Jochem, das Unglück zustieß, einem kaum entpuppten Backfische, der wohl ein wenig Hastig nach der köstlichen Erfrischung griff, den hochgefüllten Kelch über das funkelnagelneue rosa Tüllkleid zu gießen, nahm er dem erschreckten Jungen die große Silberplatte aus der Hand und reichte sie mit einem Geschicke und einer Sicherheit herum, um die ihn der Oberkellner des vornehmsten Gasthauses hätte beneiden können.

.Können Sie das auch, Herr Körber?" fragte eine mit niedlichem Stumpfnäschen.

Die Musik begann zu spielen, einen der aller- neuesten Tänze. Lilly von Studnitz lehnte ab, weil fie den Tanz nicht kannte.

Ich wußte, daß Sie mir einen Korb geben würden", sagte Klaus.

Lind deshalb forderten Sie mich auf?

Sie haben es erraten. Man kann doch nicht den ganzen Abend tanzen und fades Zeug faseln. Schließlich ist man doch noch ein wenig Mensch."

Run sprachen fie nichts mehr miteinander. Um fie her erhoben sich die jungen Mädchen und reichten ihren Tänzern den Arm. Sie blieben allein.

Was ist Ihnen heute abend, Herr Körber?" Etwas Besorgtes war in ihrer Sprache.

Er sah fie an. Cs war das erstemal, daß fie den zwischen ihnen gewohnten tändelnden ®e- fellschaftston verlassen hatte.

Was soll mir fein? gab er gleichmütig zu­rück, nahm aber den freigewordenen Platz neben ihr ein.

(Fortsetzung folgt.)