Rr. 85 Drittes Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Zreitag.U. April (929
Turnen, Sport und Spiel.
Turnertagung im Lahn-Oünsberg-Gau.
2lm vorigen Sonntag fand in Lollar eine technische Ausschußsitzung statt, in der in der Hauptsache der für die kommenden turnerischen Veranstaltungen in Frage kommende Hebungsstoff durchgesprochen und festgesetzt wurde. Als erstes kam hier das G a u f e st in Betracht. Die Wettkämpfe werden in derselben Weise wie im vorigen Jahre durchgeführt; so turnt die Oberstufe wieder ihren Aeun- und Zwölfkampf, die Mittelstufe Zwölfkampf, die Zlnterstufe Neunkampf und die Altersstufe Siebenkampf. Die Altersstufe turnt die Pflicht- Schwungübungen der Mittelstufe und die zweite Hebung der allgemeinen Freiübungen, sowie an jedem Gerät eine Kürübung. Als volkstümliche Hebungen sind ein 100 Meterlauf, Weitsprung und Kugelstoßen festgelegt worden, für Dolks- turner tommt noch eine Pflichtfreiübung der allgemeinen Freiübungen hinzu. Die Musterriegen werden in zwei Stufen (aktiv und jugendlich) fieturnt. Der von den Vereinen selbst zu wäh- ende Hebungsstosf ist in doppelter Ausferti- Smg dem Gauturnwart einzureichen. Die
ebungen für das Schülerwetturnen werden in der S. T.-Zeitung noch bekanntgegeben. Für das D e r g f e st fetzte man folgende Hebungen fest: 50 Meterlauf, Stabhochsprung, Weitsprung und Kugelstohen. Eine an die Aus- schubsttzung angeschlossene Gauvorturnerstunde war recht gut besucht. 3m Beisein des Turnausschusses turnte man die allgemeinen Freiübungen, sowie die Geräteübungen aller Stufen durch. Die von den Turnwarten aufgebauten Hebungen fanden volle Zustimmung und werden in der S. T.-Zeitung noch ver- dffentlicht. le.
Gemeinsame Deutsche Meisterschaft im Zechten für D. T. und D. $. B.
Nachdem die Absicht des Deutschen Fechterbundes unb der Fechterschaft der Deutschen Turnerschaft, die deutschen Meisterschaften gemeinsam auszutragen, im vergangenen Jahre an der satzungswidrigen Zulassung ausländischer Teilnehmer durch den D.F.B. ?escheitert ist, wollen die beiden im deutschen Fechtport tonangebenden Verbände in diesem Jahre nochmals den Versuch einer gemeinsamen Ermittlung der besten deutschen Fechter und Fechterinnen unternehmen. Die Meisterschaften werden vom 10. bis 12. Mai in Stuttgart ausgetragen, und zwar im Florett für Damen und Herren, sowie im Degen und Säbel für Herren. Gefochten wird noch den Wettkampfbestimmunaen der FL.E. Der erste Sieger feder Waffe erhält die Goldene Medaille des D.F.B., der zweite Sieger die silberne Medaille, und jeder Teilnehmer an der Schlußrunde die bron- -en- Medaille.
Handball im Lahn-Oünöberg.Gau.
Tv. Kinzenbach I. — Tv. Londorf L 0:1.
Tv. Wieseck l. — Tv. Allendvrf (ßbo.) I. Id.
3m ersten Spiel konnte Londorf auf völlig un- besvielbarem Platz« einen überaus glücllichen Sieg erzielen. Bei Londorf spielten zwei Spieler von Kessellmch mit.
Wieseck und Allendvrf teilten sich die Punkte, WaS den beiderseitigen Mannschaften entsprach.
Handball in Großen-Linden.
TV. Grvhen-Linden Jgd. — Tb. Wehlar-Nieder- girmes II. Mannschaft 10:3 (7:0).
Mit dieser hohen Niederlage muhte sich die II. Mannschaft des Tv. Wehlar-Niedergirmes in Grvhen-Linden am Sonntag geschlagen bekennen.
Die Gäste hatten nur 10 Mann zur Stelle, während Grohen-Linden Ersah für den Halblinken stellen muhte. Niedergirmes war der Platzmannschaft körperlich überlegen, jedoch stellte Grohen- Linden die flinkere Mannschaft, die zu jeder Zeit das Spiel in der Hand hatte.
Oer Sport am nächsten Sonntag.
Frankfurter Stüdte-Weittamps im Geräte-Kunfttumen.
Am kommenden Sonntag findet in Frankfurt am Main ein großer Städte-Wettkampf im Geräte-Kun st turnen statt. Drei der stärksten Kreise der Deutschen Turnerschaft mit ihren drei besten süddeutschen Mannschaften treffen sich bei dieser Gelegenheit, um ihre Kräfte am Reck, Darren und Pferd, sowie einer Freiübung zu messen. Dor allem gilt es, bei dieser Gelegenheit zu zeigen, daß das „Geräte-Turnen" der Deutschen Turnerschaft noch immer blüht, dah man den altübernommenen Hebungsstoff durch neue Formen vermehrt und aus dem unerschöpflichen Hebungsschah immer neue Ausbaumöglichkeiten herausgeholt hat.
Die bekannten Wettkampf-Mannschaften der Tgm. „Eintracht b. 1861“ Frankfurt, des Tv. 1 8 46 Mannheim und des Tv. Göggingen (bei Augsburg) treten an. Alle drei Mannschaften gehören zu den ersten Vertretern des deutschen Geräte-Tumens. Die Mannschaft aus Göggingen hat sogar als die beste D. T.-Mannschaft zu gelten, denn sie ging dis jeht aus allen Kämpfen ungeschlagen als Sieger hervor. H. a. erfocht sie Siege über den Mtv. Stuttgart, den Tv. 1860 München, die Tgm. Würzburg, den A. T. V. Leipzig, die ^Berliner Turnerschaft und den Schweizer Bürger-Turnverein in Bern. Die Gögginger Turner sind er* wiesenermahen Leute von größtem Können und werden selbst sehr schwierige Hebungen formvollendet vorführen. Die Mannschaften der Frankfurter Eintracht und des Tv. 1846 Mannheim mit feiner besten Dereinsmannschaft Badens werden demnach ihr Bestes berget)en müssen, um gegen den bayerischen Meister zu bestehen. Die turnerischen Vorführungen werden umrahmt durch einen von Mitgliedern der „Eintracht" erstmalig öffentlich aufgesührten Sprech- und Dewegungs- chor, betitelt „Arbeit und Freude" und einem von Dr. Wilhelm Schöndube, Frankfurt, gehaltenen Vortrag über den „Wert des Geräte- TurnenS".
Handballabieilung des Turnvereins Großen-Linden.
Kommenden Sonntag fährt die Jugend des Tv. Groß-n-Linden nach Butzbach, um mit der Jugend des dortigen Turn- und Sportvereins ein Freundschaftssviel auszutragen. Den Spielaus- gang muß man offen lasten.
Handball-Rückspiel 2. Kompagnie — M. T. V. Gießen.
Am kommenden Sonntag kommt auf dem Universitäts-Sportplatz das Handball-Lokal- treffen zwischen der 2. Kompagnie des
hiesigen Bataillons und der 1. Mannschaft des Männerturnvereins zum Austrag. Das Vorspiel konnten die Männerturner als alücklichere Sieger auf eigenem Platze für sich entscheiden, doch'werden die Soldaten in stärkster Aufstellung antreten und wohl alles daransetzen, um die Scharte wieder auszuwetzen. Der Ausgang des Spieles steht also vollkommen offen.
Handball i. Tv. 1899 Großen-Buseck.
Zum zweiten Aufstiegspiel fährt der Turnverein zum Tv. Hüttengesäß bei Hanau, dem Meister des Kinziggaues. Nach der Schlappe des Dorsonntags wird die Mannschaft mit ganz anderem Ernst an den Gegner herantreten. Dieser spielt nicht zum ersten Male um die Gruppen-Meisterschaft mit, und zeigte am Dorsonntag gegen den Offenbacher Meister beachtliche Spielstärke. Der Spielausgang ist durchaus offen, doch wird der Sieger die Punkte nur mit knappem Torunterschied erringen.
Die Zweite spielt in Treis gegen die Erste des dortigen Turnvereins.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
ö. Der kommende Sonntag bringt für Gießen und die Spielvereinigung 1900 die letzten Meisterschaftsspiele der Spielsaison 1928/29. Gegner der Dlauweihen in diesem Schluhspiel ist der Sport-Club Wetzlar- Niedergirmes, der sich in letzter Zeit, gestützt auf gute Spieler (ehemalige Wetzlarer Sportvereinler), zu einer beachtenswerten Kampfmannschaft emporgearbeitet hat. Der Platzverein 1900 weiß, daß er diese Begegnung nicht auf die leichte Schulter nehmen darf, insbesondere da der Ausgang dieses Treffens auf die endgültige Placierung in der Spielwertungstabelle von größter Wichtigkeit ist. Die Hintermannschaft der Vereinigten steht in der bewährten Aufstellung von den Osterfeiertagen. Am Sturm, dem Schmerzenskind der Dlauweihen, hat man wieder mehrfach herumgedoktert; er wird gegen Ostern drei neue Leute zeigen. Sollte sich die Dorderreihe der Einheimischen nur einigermaßen ihrer Aufgabe (Tore schießen) bewußt sein, so braucht man um einen Sieg des Platzvereins nicht zu bangen, da man den Gießenern unbedingt die größere technische Fertigkeit zurechnen kann. Die Spielleitung hat Herr Grünewald vom D. f. D., Gießen.
Bei dem vorher stattfindenden Spiel der Reservemannschaften werden beide ziemlich gleichwertig fein, wenn man nicht sogar den ISOOern bet ihrer guten Hintermannschaft ein kleines PluS zurechnet. 3m Vorspiel in Niedergirmes trennte man sich mit einem Hnentschieden (1:1).
Nach dem Ligaspiel tritt 1900’8 3. Elf der ersten Mannschaft Steinbergs entgegen. Der I Ausgang ist ungewiß. Die Dlauweihen Höften
Roman einer Nacht
Von Paul Rofenhayn.
1. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sie sah mit einer schnellen Bewegung auf ihre rechte Hand, an der ein goldener Trauring blitzte; mit einem leisen Seufzer drehte sie den Kopf. 3n ihre dunklen Augen trat ein Ausdruck wie ein huschender Schatten — es schien, als ob sich in Diesem Moment der Kontakt zwischen den beiden Menschen lockere. Aber von neuem fühlte sie den Druck seiner Hand, den heißen und werbenden Blick seiner Augen. Hnschlüssig sah sie auf die dunklen Bäume, die draußen vorüberrasten. Am Horizont tauchten die fernen Türme der Stadt auf — wie eine Mahnung, dah diese Fahrt, diese Stunde, dieser Rausch bald zu Ende fein würde; sie fühlte, wie ihr Herz zu pochen begann; auS dem Takt der Räder hörte sie ein Flüstern; in einer beklommenen Ahnung mochte sie fühlen, dah eS das Rauschen ihres eigenen Blutes war. Sie schloß die Augen; er Preßte sie an sich; zärtlich schmiegte sie ihre Wange an die seine.
„Ich Hebe Sie!" flüsterte er leise, fast unhörbar; nur mit dem Gefühl begriff sie den Sinn seiner Worte. Noch immer hielt sie ihre Auaen geschlossen.
„3<b liebe Sie!“ stammelte er. „3d> werde in Kopenhagen bleiben, solange Sie es mir erlauben. Och muh Sie Wiedersehen!"
Sie antwortete nicht, mit keinem Wort, mit keiner Bewegung. Aber ihre stumme Regungslosigkeit dünkte ihm eine zärtliche Bejahung. Er preßte ihr Gesicht in seine Hände und küßte sie; mit einem leisen Seufzer lieh sie es geschehen. Während er zärtliche und irre Liebesworte stammelte, schmiegte sie sich cm ihn; sie legte schweigend die Arme um seinen Hals, schweigend sah sie ihm in die Augen. Der tiefe und widenschaftliche Emst seines Blickes verwirrte sie vollends; sie fühlte die heiße Flamme, die auf sie überschlug, die sie einhüllte und die ihren Körper und ihre Sinne verzehrte. Wie in einer stummen Antwort auf eine leidenschaftliche Frage nickte sie; sie schloß die Augen, und während sie stockenden Atems zärtliche Worte flüsterte, küßte sie ihn Wieden
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Die Glocke der Blockstation dreiundvierzig häm-' merte viermal durch den Abend: bimbam, bim* 5am, bimbam, bimbam; das Hhrwerk schnarrte auf; zum zweiten Male ging es: bimbam, bim* bam, bimbam.
Der Wärter lief aus dem Hause. Rasselnd zog er das Hhrwerk auf. Dann löste er den Sperrhaken der Seiltrommel; drüben an der Kreuzung der Ehaussee ging der Schlagbaum nieder.
Ein klingendes Geräusch kam von drüben, von den Flügeln des Semaphors. Erstaunt blickte der Wärter hinüber; vor seinen Augen stellte sich der Arm auf „Halt"; das rote Licht flammte auf.
Der Wärter blickte ratlos den Schienenstrang hinunter, schon kam aus der Feme das leise Geräusch des sich nähernden Kontinental-Zuges. Er wandte den Kopf nach rechts; nirgends war etwas zu sehen, was das Haltesignal erklärte.
Die Hupe eines Autos gellte durch den Abend. Auf der Landstraße von Kopenhagen tauchten die Lichtbündel zweier Scheinwerfer auf; der Wagen sauste bis hart an die geschlossene Schranke heran. Es war ein offenes Auto mit dunkelgrün lackierter Karosserie; vom am Führersitz wehte die Staatsflagge.
Drei Herren stiegen aus; sie blickten dem herannahenden Zuge entgegen, der seine Geschwindigkeit angesichts des kategorischen „Halts I" zusehends verminderte; einer von ihnen ging an die Seiltrommel und begann den Schlagbaum aufzuwinden.
Der Blockwärter trat hinzu; der Herr sagte, ohne sich in seiner Arbeit stören zu lassen:
„Polizei!“
Die Köpfe der Passagiere tauchten an den Fenstern auf; der Zug hielt. Eine Tür ging auf; in ihrem Rahmen stand die breitschultrige Ge- staltd es Zugführers. Die Drei stiegen ein. 3hr Chef zog eine Legitimation; salutierend legte der Zugführer die Hand an die Mütze.
„Pahrevision!" sagte bet Chef der Drei; und während ihm der Dahnbeamte verständnislos ins Gesicht sah, setzte er hinzu:
„Politische Polizei. Wir suchen einen Russen. Vielfacher Mörder.“
Der kleine Trupp setzte sich in Bewegung. Der Dlockwärter gab irgendeine Meldung ins Telephon; fast augenblicklich erschien bas grüne Licht am Signalmast; bet Schlagbaum begann langsam vorüberzugleiten. Leises Rollen fetzte ein: ber Zug hatte die Fahrt wieder ausgenommen.--
„Hnd hier", sagte der Zugführer, indem er auf die verhängten Fenster eines Abteils beutete — „und hier: hier sitzt ein Herr mit einer Dame, die beiden fallen mir schon seit Gjedfer merkwürdig auf.“
Er wies auf den schimmernden Seidenvorhang und wandte sein entrüstetes Gesicht den Dreien zu: auf der Seite zeichnete sich die Silhouette von zwei Köpfen ab, die sich küßten.
Es steht viel auf dem Spiel.
Der Führer der Drei schob krachend die Tür zurück und riß die Vorhänge auseinander.
„Die Pässe, bitte!“
Die Dame, bie ber Tür am nächsten sah, knipste das Handtäschchen auf. Der Kontrollbeamte war einen Schritt ins Coup6 getreten; bie beiden andern unb ber Zugführer sahen neugierig hinein. Die Dame reichte bas Pahbüchel*
chen herüber. Während der Beamte die Blätter durch die Finger gleiten ließ, kamen fremdartige Stempel zum Vorschein: der Beweis einer langen internationalen Reise. Er drehte das Heft hemm und schlug das Titelblatt auf. Er las den Namen der Besitzerin...
3n diesem Augenblick erlebten bie Drei, bie draußen standen, ein seltsames Schauspiel: vor ihren leibhaftigen Augen verwandelte sich ein schnaubender, fährtewitternder Büttel in einen lächelnden Hntertan. Ein Jagdhund, der hachelnd vor dem Bau des gehetzten Wildes stand, wurde in einer einzigen Minute zu einem kleinen weihen zärtlichen Lamm.
Er llappte das Buch zu, gab es mit einer tiefen Verbeugung zurück, trat auf den Korridor hinaus unb rollte mit einer behutsamen unb schonenden Gebärde bie Tür langsam in bas Schloß zurück, in bas sie schnappenb einllinkte.
„Nanu“, sagte ber Zugführer.
Jener winkte nur kurz mit dem Zeigefinger unb ging den Korridor hinunter; gehorsam folgten ihm die Drei. Am Ende des Wagens, in der Ausbuchtung der Tür, blieb ber Führer stehen.
„Wißt ihr, wer bas war?" Er warf einen furchtsamen Blick auf das Coups am Ende des Wagens. „Der Polizeipräfekt von Kopenhagen mit seiner Frau!"
Einer seiner Untergebenen erlaubte sich zu erwidern:
„Aber Sie haben doch bloß ihren Pah gesehenI“
Ungeduldig antwortete der andere:
„Sie werden nie schlußfolgern lernen, Sörensen i Der Paß lautete auf dien Polizeipräfekten und seine grau."
„Aber wer sagt Ihnen,“ beharrte Sörensen eigensinnig auf seinem Gedankengang, „daß dieser Herr nun unbedingt ber Polizeipräfekt sein muh?"
„Mein Gott!" stöhnte ber Chef. „Mein Gott! Sie haben boch selbst gesehen, bah bie beiben sich geküßt haben! Glauben Sie, bie Frau bes Polizeipräfekten küßt sich mit einem fremben Manne? Noch dazu in der Eisenbahn?"
„Tja,“ sagte Sörensen, „das verstehen Sie natürlich besser. Ich meine nur: es soll auch Frauen geben, bie auch mal mit einem fremben Manne...“
„Aber keine Frauen von PolizeibeamtenI" belehrte ihn ber Vorgesetzte. „Wo ist die drahtlose Station, Zugführer?"
DaS Telephon klingelte. Der Minister nahm selbst den Hörer ab.
„Anruf von L-Zug 7: kurz vor Kopenhagen. Mit Voranmeldung: der Herr Minister persönlich.“
„Am Apparat."
„Ich gebe Bericht über bie Durchsuchung des Zuges."
auf glückliche Revanche für die im Vorspiel erlittene 4:7-Niederlage.
1900'8 II. und Illb Jugend tragen gegen den V. f. D. Kurhessen in Marburg Freundschaftsspiele aus.
D. f. B.
Am kommenden Sonntag fahren Liga, Liga* referve und dritte Mannschaft nach Marburg, um mit den gleichen Mannschaften des D. f. D. „Kurhesse n“ im Gesellschaftsspiel die Kräfte zu messen. Die Liga des Gastgebers gehört zur 1. Bezirksklasse und hat in ber verflossenen Verbanbsspielserie zum Teil sehr gute Resultate erzielt. Sie steht vor „Germania" Marburg unb „Sport" Kassel an britter Stelle ber Tabelle ber Südgruppe. Da nach bem neuen Spielshstem bie zwei letzten Vereine abfteigen, hätte also V. f. B. „Kurhessen" als britter sein Verbleiben in ber ersten Klasse gesichert, wenn nicht bie sich aus bem Fall Trebing („Sport" Kassel) ergebenben Weiterungen bazu geführt hätten, bah nunmehr wahrscheinlich bas letzte Verbandsspiel zwischen V. f. D. „Kurhessen" unb „Sport" wiederholt werben wirb. Der Ausgang dieses Treffens entscheidet dann, welcher von beiden Vereinen abfteigen muh. Marburg wird am kommenden Sonntag die Gelegenheit benutzen, um einerseits seine Mannschaft, die Wohl in stärkster Aufstellung stehen sollte, für den bevorstehenden großen Kampf vorzubereiten, andererseits aber auch seine Zugehörigkeit zur ersten Klasse durch ein günstiges Resultat, wenn möglich durch einen eindrucksvollen Sieg über den zweitklassigen Gießener Namensvetter zu unterstreichen. Die Stärke der aus fast nur jungen Kräften bestehenden Elf liegt in ihrem Sturm. Die V. f. B. - L i g a hat am vergangenen Sonntag im Gastspiel bewiesen, daß sie selbst gegen eine Kombination ber besten Spieler bes Marburger Gaues zu bestehen vermag. Marburg ist nach „Borussia" Fulba ber zweite Gegner aus ber höheren Spielklasse, gegen ben bie V. f. B.-Elf in biesem Jahre antritt. Nach ihren bisherigen Leistungen zu schließen, sollte sie, vorausgesetzt, dah sie nicht ganz unter Form spielt und sich einigermaßen auf dem fremden Platz zurechtfindet, mindestens ebensogut abschneiden wie gegen die Fuldaer Borussen. Bei etwas Glück könnte man ihr sogar einen knappen Sieg zutrauen.
Die Voraussicht, daß die Ligamannschaft in stärkster Aufstellung steht, läßt dasselbe auch von der Ligareserve annehmen. Ob sie gewinnen wird, ist eine offene Frage. Jedenfalls wird sich in ihrem Spiel bemerkbar machen, daß sie einige Zeit pausiert hat.
Einen glatten Sieg kann man der Dritten über bie gleiche Marburgs Voraussagen, wenn sie den Geist unb ben Elan aufbringt, wie in ihren Verbandsspielen. Allerdings darf sie das Steffen nicht von vornherein als gewonnen be- trachten, da auch ihr Gegner als recht spielstark gilt.
Am nächsten Sonntag tritt auch die A-H* Mannschaft zum ersten Male nach der langen Winterpause wieder auf den Plan. Sie fährt nach Wetzlar, um der A.-H. des Sportvereins ein fälliges Rückspiel zu liefern. Ob sie den 3:1- Sieg vom Vorspiel wiederholen kann, erscheint etwas zweifelhaft.
Fußball Heuchelheim — Oaubringen.
Zu ihrem letzten Verbandsspiel fährt die erste Mannschaft des Sportvereins Heuchelheim am kommenden Sonntag nach Daubringen. Gewinnt
_ „Haben Sie ihn gefunden?“
„Olein, Herr Minister. Wir haben alle Pässe revidiert — er war nicht im Zuge."
„Sie sind ein...", wütend knallte der Minister ben Hörer auf bie Gabel. „Er ist ein Esel!" vollendete er, indem er sich zu bem Herrn herurnwanbte, ber neben seinem Schreibtisch stand.
„Jawohl, Herr Minister", sagte der.
„Herr Präfekt!" der Wütende richtete sich auf und stützte sich mit beiden Händen auf die Kante des helleichenen Schreibtisches. „Herr Polizeipräfekt!"
„Jawohl, Herr Minister."
„Es ist keine Frage: mit diesem Zuge ist er gekommen. Das bedeutet, daß wir in dieser Nacht mit einem neuen Verbrechen zu rechnen haben. Alles steht für ihn auf bem Spiel; wahrscheinlich werben wir in biefen sieben Stunden etwas erleben, bas Kopenhagen noch nicht gesehen hat. Sie haben es für richtig gehalten, Ihre unfähigsten Beamten auf bie wichtigste Mission zu ent- senden, bie es in diesem Augenblick gibt. Ich danke Ihnen aufrichtig, Herr Präfekt."
«Ich habe drei Beamte an ben Zug beorbert", sagte ber Beamte.
«... bie alle drei nichts entdeckt haben."
„Allerdings."
„Wenn in dieser Nacht etwas passiert, Herr Präfekt — unb es wirb etwas passieren, so wahr ich Minister bin — ich sage: wenn in biefer Nacht etwas passiert: ein Verbrechen — ein Attentat — ein Befreiungsversuch — so finb wir beibe er* lebigt. Sie unb ich, Herr Präfekt. Wissen Sie, was das bedeutet?"
„Ich weih es, Herr Minister", sagte der Präfekt.
„Das freut mich. Ich wünsche Ihnen eine angenehme Nacht."
„Warum —", die Dame wandte sich lächelnd zu ihrem Begleiter herum, der neben ihr den Bahnsteig entlangschritt, „warum bleiben Sie einen halben Schritt hinter mir?"
Der dunkle Herr warf einen schnellen Blick auf ben livrierten Chauffeur, ber, brei helle Leberkoffer balancierend, vor ihnen herschritt.
„Nun?"
Der Hauptbahnhof war erfüllt von Menschen, von Lärm, von Geschrei. Eben ging ber Chauffeur burch bie Sperre; ber Schaffner, ber bie Hni- form kennen mochte, grüßte kollegial unb toanbte ben Kopf erwartungsvoll bem Perron zu; er legte bie Hand an die Mühe.
„Werben Sie von Ihrem Gatten erwartet?"
Die junge Dame zuckte Me Achseln. „Es ist möglich. Mein Mann hat viel zu tun."
„Ich habe," begann der Herr zögernd, „Ich hab» eine Verabredung...“
»Ich nehme Eie im Auto mit in bie Stadt."
(Fortsetzung folgt.)


