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Nr. 36 Zweites Blatt
Eigener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, J2. Zebruar 1929
Bis dreifache Krone.
Von Är. ÜZalter Florian.
Dreifaches Sinnbild ist die Tiara des Papstes: sie symbolisiert die Würde des Oberhaupts der Kirche, das Am! des P r i e st e r s und die Gewalt des Königs. DaS Diadem des Königs war verblaßt, der traditionelle 2iuf. mit dem die Römer das Erscheinen des Papstes bei kirchlichen Gelegenhe.ten begrüßen: „Evviva il papa re — el lebe der Papst-König", der Anklang war mehr an große Erinnerungen als m den tatsächlichen Verhältnissen begründet. Nun wird der königliche Schmuel der Papstkrone neuen Glanz erhalten, das Oberhauvt der katholischen Kirche wird wieder Papst-König sein, ausgestattet nicht nur mit der aus seiner geistlichen Würde resultierenden, sondern auch mit der an den Besitz eines Staatsgebiets geknüpften wirklichen Souveränität. Lautes Echo aus aller Welt antwortet auf die Versöhnung zwischen Quirinal und Vatikan und beweist die Dedeu- tung dieses Ereignisses. Beide Parteien müssen sich Außerordentliches von dem Pakt versprechen, denn die materiellen Vorteile, die der Vatikan '"'obet erntet: das winzig kleine Gebiet des fünf» itgcn Kirchenftaaats kann ebensowenig gelockt ',oLen wie eine noch so hohe Entschädigung, nachdem die Päpste sechzig Sahre lang auf die ihnen im Garantiegeseh zugesicherte jährliche Ent- ''chädigungSsumme von 3l/< Millionen GoldfrankS verzichtet habem
Wie gewallig der Umschwung der Gesinnungen ist, kann man erst dann recht ermessen, wenn man ich in Erinnerung zurückruft, mit welcher unerbittlichen Grundsätzlichkeit die Päpste immer wieder auf der Unantastbarkeit ihreS weltlichen Besitzes und, als dieser endgültig verloren gegangen war. aus seiner Wiederherstellung bestanden haben. Als Pius I X., der bei seiner Thronbesteigung als nationaler Re- ormpapst mit Subei begrüßt wurde und in den Anfängen seines Pontifikats als eine Hoffnung des jungen Stallens galt, durch den itallenischen Krieg von 1859 die Romagna, die Marken und Umbrien verlor und das Patrimonium Petri auf ein Drittel des früheren Kirchenstaats zusammengeschrumpft sah, wies er mit dem berühmten „N o n possumus“ jede Verständigung mit dem Königreich zurück und weigerte sich, trotz seinen Geldnöten auch nur die geringste Entschädigung anzunehmen. Vach der Ein- acchme Roms durch die italienischen Truppen belegte er sogar die Usurpatoren mit dem Bann- tluch und blieb bis zuletzt der unversöhnliche Gegner des neuen Königreichs. Es blieb nicht bei theoretischem Protest: die Gegnerschaft der Kirche gegen das neue Staatswesen ging so well, daß den Katholllen Enthaltung von den Parlamentswahlen und anderer öffenllicher Betätigung auferlegt wurde.
Leo XIII., der Nachfolger PiuS IX.. im übrigen ein konzilianter Diplomat, blieb eben» alls bei der grundsätzlichen Ablehnung, und am Tag seiner Wahl segnete er urbem et orbem, die Stadt und den Erdkreis, nicht, wie dies ttüher der Brauch gewesen war. von der äußeren Loggia von St. Peter, sondern, zum Zeichen des Protestes, von der inneren. Gleich bei seinem ersten Konsistorium verlangte der Papst in einer außerordentlich scharfen Ansprache an die Kar- dinäle volle Freiheit und Unabhängigkeit des päpstlichen Stuhles Zurück. Roch drastischer kam dieser Wunsch in einer ersten Enzyklika „Snfcutabiti“ zum Ausdruck, wo er feierlich erklärte, nimmermehr auf die weltliche Herrschaft verzichten zu wollen, und >en Bannfluch Pius IX. gegen die Usurpatoren ausdrücklich wiederholte. Die italienische Regierung revanchierte sich, indem sie der Kurie eröffnete, daß sie für die offizielle Krönungs- feier des Papstes die Aufrechterhaltung der Ordnung nicht verbürgen könne. So muhte die Inthronisation in bescheidenem Rahmen in der Sixtinischen Kapelle vor sich gehen.
Unter dem Pontifikat Leos XIII. nahm der Kampf zwischen der Kirche und dem modernen laaaHMHHaBaMUMBaanBBMaa
Mmhener KanievMiinfiler.
Erinnerungen von Karl Wolfskehl.
Der geschichtliche Ausgangspuntt. man kairn jagen, der Urahn des Münchener Kunstlerkarne- mls, ist jenes berühmte „Dürerfest" von 184s, dessen lebensvoller Beschreibung eines der schönsten Kapllel in Gottfried Kellers ^Grünem Heinrich" gewidmet ist. Zwar der feit Dezennien verstorbene alte Schweizer Maler W e g e f f e r oen ich auf meiner e iten Romreise im vergan- Snen Sahrhundcrt kennen lernte, war anderer etnung bezüglich Kellers Leistung: er warf Meister Gottfried allen Ernstes vor. daß er bei crem Fest ja gar nicht Persönlich tef(genommen habe und somit nur vom Hörensagen berichte! Er aber, Wegesser, sei wirklich da bei gewesen und 's sei allerdings seine schönste Künstlererinne- mng. Er strahlle förmlich bei diesen Worten, Die ein fünfzig Sahre zurückliegendes Erlebnis widerspiegellen.
Diesem glanz- und rauschvvtten Auftakt. bei Dem damals schon trotz lebhaftester aktiver Be- icUigung des königlichen Mäcens Ludwig I. und seines Hofes, die Künstlergilde dominierte und den Ausschlag gab. sind viele ähnliche Feier- ichkeiten gefolgt, meist dem Geschmack entfvrechend munkhafte, in historischer Gewairdung und Aus- chmückung: in antikem, mittelalterlichem oder Re- mifsancecharaöter. Smmer waren die Künstler bemüht, in der Ausgestaltung der Räume, der Zusammenstellung des nie fehlenden Festzuges, ton sich meist ein Festspiel angliederte. Einhell- ichkett und Stilechtheit durchzuführen. Diese Ber- mstaltuirgen waren oft sehr prunkvoll, manchmal. Die das berühmte klassische Fest im Hoftheater Sn de des vorigen Sahrhunderts, unter Franz otuckS ideenreicher Leitung, geradezu ein letztes ;rohes 5?ebenszeichen des schon dem Etcüe llch ’ äHemden künstlerischen Historismus. Cs fiel in
•oft symbolisch brdrutsaEr Weise ziemlich genau msammen mit der Geburt des „Simplicissimus". dieser int besten Sinne tradit.onslosen, ganz auf • ich selber gestellten, durchaus von Gegenwart mb Augenblick bestimmten Kunst- und Kampf - °evue. die well über München, ja über Deutschland hinaus, bestimmend geworden und geblieben 'ft Und zur selben Frist, wurde er geboren, in 'essen Zeichen der Münchener Winter noch heute iehlt: der richtige Künstlerkarneval. Wie sehr er,
Stallen geradezu erbitterte Formen an. Sn der Dacht zum 15. Suli 1881, als die Leiche Pius IX. von 6t. Peter nach 6t Lorenzo überführt wurde, kam es zu einem antiklerikalen Putsch, wobei der Versuch gemacht wurde, den Sarg des toten Papstes in den Tiber zu werfen. Der Gegensatz verstärkte sich immer mehr; Stallen antwortete mit antillrchlichen Gesetzen, wie über die Verstaatlichung der frommen Stiftungen. Abschaffung des Religionsunterrichts in den Schulen, Einführung des Kanzelparagraphen usw., wogegen sich der Papst lediglich mit Enzykliken. Ansprachen an die Kardinäle und diplomatischen Roten zur Wehr sehen konnte. Die namenllich von Crispi geleitete antiklerikale Bewegung erreichte mit der Gedenkfeier für Gior- dano Bruno ihren Höhepunkt. durch die sich der Papst so beleidigt fühlte, daß er mll der Abreise aus Rom drohte. Es kam jedoch nicht dazu, denn die gegen die Kirche gerichtete Bewegung ließ schnell nach; es entstand sogar eine dem Papst günstig gefilmte Gegenströmung, namentlich in Norditalten. so daß die Regierung in Rom mildere Saiten aufzuziehen genötigt war. Auch in den kirchllchgesinnten Kreisen hatte sich inzwischen ein bedeutsamer Wandel vollzogen. Das „non expedit“ der Kurie, durch das die Katholiken jedweder politischen Betätigung fern- gehalten werden sollten, erwies sich mehr und mehr als schwerer Fehler. Daher machten, besonders bei den Wahlen zu den Provinzialverwaltungen und Gemeinderäten, die Katholiken unbeanstandet mit den konservativen Gruppen gemeinsame Sache, so daß das antikirchliche Regime durch ein gemäßigtes ersetzt wurde.
Don da an besserten sich die Beziehungen zwischen Kirche und Staat immer mehr. Wohl erneuerte nach dem Tode Leos XIII. das in Rom versammelte Kardinalskollegium einstimmig den Protest gegen die Annexion des Kirchenstaates und die von der Regierung erlassenen kirchenfeindlichen Gesetze, aber der neue Papst, Pius X., galt von vornherein als friedlich gesinnter Mann, was er auch im Laufe seines weniger politisch als religös betonten Pontifikats bewiesen Hot. Er überließ es den Bischöfen, die Tellnahme der Katholiken an den Parlamentswahlen Ku gestatten, ohne jedoch soweit zu gehen, die Bildung einer katholischen Fraktion im Parlament gutzuheihen. Dazu kam es erst unter seinem Nachfolger, Benedikt XV., der für Friede und Versöhttung nicht nur unter den kämpfenden Nationen, sondern auch für einen Ausgleich mit Ställen wirkte. Er hob das „non expedit" auf, wodurch sich die große Partei der P o p o l a r i bllden konnte, die lange Zeit in der italienischen Politik eine dem deutschen Zentrum vergleichbare Rolle spielte. Unter Pius X. und Benedllt XV. begannen sich Vatikan und Quiri- nal der Vermittlung hervorragender Persönttch- kellen Au bedienen, um miteinander in Fühlung zu bleiben, und feit der Thronbesteigung des Papstes Pius XI. ist die Erörterung einer möglichen Aussöhnung nicht wieder verstummt.
Man hat nach den Gründen gefragt, die diesen Llmschwung hervorgerufen haben. Der Vatikan konnte warten, feine Position war nie so stark wie im letzten Sahrzehnt, und die Einbuße an äußerer Macht hat seinem wirklichen Einfluß im Leben der Völker keinen Eintrag getan. Tie llrchenfreundliche Politik Mussolinis, der vor allem dem Unterricht wieder seinen i religiösen Charakter zurückgegeben hat, wird eine - der Haupttriebkräfte zur Versöhnung gewesen sein, und schließlich darf nicht vergessen werden, daß die Päpste Söhne ihres Vaterlandes sind, die den unnatürlichen Zustand, wie ihn das Verhältnis zwischen Vatikan und Quiri- nal seit 1870 dar stellt, je eher je besser zu beenden wünschen. Mussolini weiß genau, was es bedeutet, die Kirche auf seiner Seite zu hoben, sowohl innen- wie außenpolitisch. Cs ist davon die Rede gewesen, daß der Duce hofft, Frankreichs Nachfolger als Schutzherr der katholischen Snteressen im Orient zu werden. Frankreich übt ja feit Sahrhunderten das Protektorat über die Christen in der Levante aus, und zwar früher auf Grund zahlreicher Kapi-
befruchtend und befruchtet, mll unferem gesamten Kunstleben verflochten ist, läßt sich heute noch gar nicht recht abschätzen. Von der Graphik bis zur Monumentalkunst hat gerade die Beteiligung an unseren Künstlerfesten eine Anzahl Talente entdecken lassen und erziehen helfen.
Wemt man heute in öffentlichen Sammlungen ober manchem Privatbcfitz die Ankündigungsund Einladungskarten oder Maueranschläge zu all den verschiedenen, tells von den Künstlern selbst ausgehenden, tells von ihnen geleiteten Faschings Veranstaltungen durchblättert — sie machen heute schon viele Hunderte von Blättern aus — so erstaunt man nicht nur über die Fülle von Witz, ßaunc und künstlerischem Geschmack, sondern erkennt vor allem, wie eminent stil- bildend, über sich hinauSgreifend. diese Zufalls- und Augenblicksschöpfungen geworden sind. Sa diese bunten unb grellen uns doch im Grunde so wohl bedachten, gar nicht bloß schnurretchosten Flugblätter lassen oft schon Kommendes ahnen, fühlen vor. Dies Stück Kunstgeschichte wird noch einmal geschrieben werden und dann wird man staunen, eine wie wichtige Angelegenheit dieser unser Münchener Karneval stets gewesen ist, und wie bedeutend er ans dem öffentlichen in das Privat- und Einzelleben übergeht. Denn die großen allgemeinen Künstlerfeste sind ja stets von einem, manchmal sehr lebendigen Kranze geschlossener Veranstaltungen umrahmt und um- wirbelt, jenen vielberufenen Atellerfesten. in denen sich die Faschingslust im einzelnen ausschwrngt. Noch im letzten Winter haben die Einladungskarten zu dem schönen Sublläumsfeste der sagenumwobenen Penfton Führmann einem unserer geistreichsten und sublllsten Schwarzweiß-Künstler. dem leider, wie so viele, fortgezogenen „Schattenschneider"" Haru Sngert. Gelegenhell zu einer seiner übermütigsten Schöpfungen gegeben, dem gettiatischen Teufel. bet recht erfolgreich der nur scheinbar entwischenden Karnevallnr nachstürmt.
Sehr begreiflich, daß sich in den Bllderzeit- schriften. vorab im ,Simplicissimus". unier Karnevaltreiben sehr viel weniger niederschlug, als in solchen Einzelblättern Äußer Rezniczccks be- tannten und trotz allen Wechsels der Kunstmode trefflichen, auch kulturgeschichtlich wichigen Re- doutenblättern mit ihrer fekthaft spritzigen, eleganten Frivolität und den verwand.'en. freilich viel schwerfälligeren, umständlicheren Zeichnungen
tulationen mit der Türckei, deren letzte im Sahre 186S unterzeichnet wurde. Roch in den Akten des Berliner Kongresses wurde angedeutet, daß Frankreich eine singuläre Stellung hinsichtlich des Protektorats der Christen in der Türkei habe, und zwar ausdrücklich durch Konzession des apo stolischen Stuhls.
Frankreich hat also ein ausdrückliches Mandat feilend des Papstes, was gelegentlich dazu geführt hat, daß die für die Missionen zuständige oberste Kuriolbehörde, die Kongregation der Propaganda, Mifsionore ausdrücklich rügte, die sich beispielsweise im Heiligen Land statt an den französischen, an den englischen Konsul gewandt hatten. Außer über die Türkei besitzt Frankreich
auch das Protektorat über die Christen in China und zwar auf Grund des Vertrages von Tientsir im Sahre 1858. Run ist diese Schutzherrschaft durch die Praxis natürlich häufig durchbrochen worden, aber auch die Trennung von Kirche unk Staat in Frankreich und die zeitweilige Abküh- lung der Beziehungen zwischen Paris und Rom haben an der Tatsache nichts zu ändern vermocht, daß Frankreich wenn auch nicht de jure, so doch tatsächlich an diesem Vorrang festhäll. Die Missionen aber spielen eine so wichtige Rolle und üben in den Ländern ihres Wirkens so nachhal- tigen kulturellen Einfluß aus, daß man schon glauben darf, der Smperialist Mussolini hoffe, auf diesem Weg wichtige Ziele zu erreichen
Der harte Winter 1929
Don Prof. Dr. Franz Linke, Direktor des llniversitais-Znstituts für Meteorologie und Geophysik Frankfurt am Main.
Wir haben den bctannlen Frankfurter Meteorologen Prof. Dr. Linke gebeten, sich über das seit Wochen anormale Win- ierwelter und feine Ursachen zu äußern: der Gelehrte hat in bereitwilligster Weise unserer Bitte entsprochen.
Sn den letzten Sahren konnte man vielfach die Meinung vertreten hören, daß die Sommer der letzten Sahrzehnte kü.ler und die Winter milder geworden feien als fie vor etwa 33 bis 53 Sahren gewesen sind: und in der Tat wurde wenigstens der zweite Teil der Behauptung, der die mllden Winter betrifft, durch die langjährigen Beobachtungen der meteorologischen Stationen bestätigt. Man konnte allerdings nur eine Erhöhung der Temperatur der Wintermonate von 1 bis höchstens 2° feststellen, aber immerhin war die Temperaturschwankung zwischen Sanuar und Suli in ganz Westeuropa geringer geworden. Man sagte in meteorologischen Fachkreisen, daß unser Klima maritimer geworden fei, was nur durch häufigeren Zutritt maritimer Lust erklärt werden kann.
Der Winter 1928/29 wirst alle diese Hypothesen einer Klimaänderung gründlich über den Haufen. Solange in unserer Frankfurter meteorologischen Station Temperaturbeobachtungen gemacht worden sind, also seit etwa 150 Sahren, sicherlich aber seit etwas mehr als 103 Sahren. hat im Februar kein so starker Frost geherrscht wie in diesem Sahre. Selbst in dem kalten Februar 18.95 find Temperaturen, wie wir sie in den letzten Tagen gehabt haben, nicht aufgetreten. Das Minimum war 1895 — 19,4°. während am Montag, den 11. Februar, d'e Temperatur in Frankfurt a. M. auf — 20,8° siel, eine Extrem- temperatur. die vielleicht von der nächsten Nacht noch übertroffen wird. Llußerhalb der Großstädte werden noch tiefere Temperaturen gemessen fein. (Sn Gießen am Montag —22°. D. Red.)
Aber in ganz Mittel- und Osteuropa haben wir diesen starken Frost, Ostpreußen meldet am Montag selbst in der Stadt Königsberg — 34°. Sicher- llch sind auf dem freien "Land noch tiefere Temperaturen eingetreten. Das würde auch für diese kälteste Gegend Deutschlands einen Rekord bedeuten.
Die Frage nach der Ursache dieses extremen Winterwetters wird natürlich überall aufgeworfen, und die Erklärung liegt zunächst an der Hand der Wetterkarten deutlich vor: Ueber Rußland liegt ein großes Hochdruckgebiet mit heiterem Wetter und tcockner Luft, durch die die Warme des Erdbodens fast ungehindert in den Weltenraum aus- strahlt. Diese Luft ist polaren Ursprungs, was wohl die Trockenhell und Klarheit, aber nicht die tiefen Temperaturen erklärt: denn die Beobachtungen bei Polarexpeditionen zeigen, daß im Polarmeer nur selten so kalte Luft herrscht und bann auch nur in den untersten hundert Metern, während darüber die Luft selten unter —20 Grad abgekühlt wird. Diele tiefen Temperaturen entstehen also erst, wenn fie
sich auf dem Kontinent verlagern. Bekannllich liegt ja auch der Kältepol nicht im Polarmeer, sondern in Ostsibirien. Zn diesem Jahre scheint er sich sogar nach Westsibirien verlagert zu haben. Aus diesem falten russischen Hochdruckgebiet stößt die Luft nun dauernd nach Westen vor und läßt sich auch nicht durch die immer aufs neue vom wärmeren Ozean heranströmende Lust zurückdrängen. Mehrmals sah cs in dieser Kälteperiode so aus, als ob die Stabilität des kalten Hochdruckgebietes gebrochen wäre und die sich an der Grenze der falten und warmen Luft bildenden Tiefdruckgebiete gegen den Kontinent vörrücken würden. Tatsächlich ist auch einige Male die warme Luft bis fast zum Rhein vorgedrungen, und sogar diesseits des Rheins ragten die höheren deutschen Mittelgebirge in die ozeanische Luft hinein, so daß der Fcldberg im Schwarzwald imd auch der Feldberg im Taunus Temperaturen über Rull Grad meldeten. Aber stets drängte die kalte kontinentale Luft wieder aufs neue vor.
Natürlich ist damit das anormale Winter- Wetter noch nicht auf feine letzten Ursachen zurückgefuhrt, denn es muß die Frage aufge-* rufen werden: Warum denn gerade in diesem Sahre sich ein fo stabiles Hochdruck gebiet über Rußland gebildet hat, obgleich sich doch äußerlich dieses Sahr von den anderen in keiner Weise unterscheidet. Das Sonnenflecken- maximmn, aus das man gern extreme Witte- rungsVerhältnisse zurückführt, ist überwunden und kann mll dem besten Willen nicht mehr zur Erklärung herangeholl werden. Astrologische Er- llärungsmethoden entbehren noch vollständig jeder wifsetzschaftlichen Begründung und auch der Bestätigung durch die Erfahrung. Es läßt sich auch schwer verstehen, daß die entfernten und kleinen Planeten unser Wetter beeinflussen sollten, wo schon die viel größere Wirksainkell der Sonne nicht ausreicht, die Witterungsvorgänge restlos auszullären. Unsere Atmosphäre muß als em Organismus mit eigenen Gesetzen angesehen werden, ja sogar als ein launisches Sndividuum, das sich an die meteorologischen Grundgesetze, soweit fie Menschengeist aufgedeckt hat, nicht einmal hält. Der Zufall spielt in atmosphä^ rischen Vorgängen eine große Rolle, und Wctler- katastrvphen lassen sich stets auf eine Häufung geringfügiger Zufälligkeiten zurückführen, die sich gegenseitig in ihrer Wirkung gesteigert haben.
Wenn z. D. — wie in diesem Winter — die verbreiteten Niederschläge im Frühwinter bei Temperaturen um 0 Grad heruntergekommen und weite Gegenden mit lockerem Schnee bedeckt sind, und wenn dann kurz nach diesen auägebrciieten Schneefällen heiteres Wetter eintritt, so daß die oberste Schneedecke, der vom Erdboden nur in sehr geringem Maße Wävne nachgeführr werden kann, gewaltige Wärmemengen ausstrahlt und sich so bis zu tiefen Temperaturen abkühlt, so bildet sich über diesen Schneefeldern infolge der schweren Kaltluft ein barometrisches Hoch^ druckgebiet aus, dessen (Stabilität sich ständig steigert und dadurch den westlichen und südlichen Luftströmungen Widerstand bietet. Die primäre
Ernst Hei le man ns. hat sich ein eigeilllicher Kamevalstil in den Zeiffchristen nicht ausgebildet. Stimmungsvoll, manchmal geradezu großartig, sind dagegen eine Anzahl Aschermittwochsblätter im „Simplicissimus", in denen sich „das Ende des Festes", mit Conrad Ferdinand Meyer zu reden, in allen Tonarten deS Siinplieissimuswitzes ausspricht. Es sind meist Blätter von großer Rauurwirkung. wo in früher Morgenstunde irgendwo auf Stadtplähen, an Kirchentveppen ober in feuchtkalter Schnee!andschaft die Maskenlust in sich selber zusammensintt, hinweltt oder von der bösen eigentlichen Welt und ihren geistlich- weltlichen Vorkämpfern verfolgt und vertrieben wirb — bis zum nächsten Faschitrg! Prächtige Blätter vom größten aller Dimplicissimuszeichner, dem so früh verstorbenen Rudolf Wilke, sind darunter, herrlich boshafte und dabei enrment künstlerische von Thomas Theodor Heine, Olaf Gulbranfsvn und manchen anderen.
Noch toller, noch genialischer, noch übermütiger — weil noch spurloser verrauschend, — entfaltet sich der Münchener Kamevalkünstler beim Feste selbst, beim Entwerfen und Ausgestalten der phantastischen, der spuk- ober boshaften, der \ Liebes- und Sekt rausch erzeugenden Festräume, und bei ter karnevalistischen Sei bst Verkörperung, t bei dem, was er kostümlich, plastisch und farbig i oft mit einem Nichts von Kosten, stets aber mit einer ilnfummc von Witz und guter Laune aus sich selber und Freunden und Freundinnen zu machen verstand und versteht. Einzeln und in Gruppen mit einer führenden Sbee zusammen- komponiert. enthalten solche Derlleidungsspiele. die eigentlich Karnevalskunft. Und sie ist gottlob nicht festzuhalten. Sie ist, wenn auch gelegentlich einer Konkurrenz mit einem Kuß". Schampus- oder komischen Ordenspreis belohnt, wirklich und wahrhaftig zwecklos, ha' keinen anderen 6hm als die kurzlebige aber tiefgründige, brausende Freude ihres Schöpfers unb derjenigen, die sie unb ihn verstehen — höchstens rwch den erhabenen, den Gesamtgehalt tes jeweiligen Abends zu verschönern und bunter zu machen. Naturgemäß scheinen alle Versuche, dies huschende Leben irgendwie festzuhalten, schal und tot, geben durchaus fein Bild dessen, was war und wie es sich auswirkte. Photographische Aufnahmen unb rohe Wiedergaben in Zeitschriften lassen natürlich das Beste vermissen, die Bewegung, die Zusammenstimmung ober Kontrastwirkung mit allem übrigen, und ob es je einmal einen echten Mün
chner Karnevalfilm geben wird, ja ob matt einen wünschen soll, steht dahin.
Aber er lebt, der Münchener Karnevalskünftler, unb wenn ich über die Sahrzehnte meiner hiesigen FaschingSerinnerungen zurücDlickend. mich frage, ob hier irgendetwas zu- oder abgeuommen Hobe, fo muß ich unbeschadet der vielen köstlichen, tief ins Gedächtngis eingegrabenen vergangenen Feste wieder sagen, was ich noch an jedem Fa^ schingsschluh gesagt habe: dieser letzte war der schönste, der erfüttteftel
Hochschulnachnchien.
Der durch die Berufung von Prof. E. &ttig nach Tübingen an der Unioerfität Königs» berg erledigte Lehrstuhl der vergleichenden Sprachwissenschaft ist dem außerordentlichen Professor Dr. Wolfgang Krause in Göttingen angeboten worden. — Der durch die ileberfieb» lung des Prof. O. Strauß nach Kiel an der Universität Breslau fteigewordene Lehrstuhl für vergleichende Sprachwissenschaft ist dem ordenllichen Professor Dr. Wilhelm Hävers in Würzburg angeboten worden. — Zur Wiederbesetzung des germanistischen Ordinariats an der älniversität Kiel (an Stelle des Geh. Rats Friedr. Kauffmann) ist ein Ruf an Professor Dr. Karl Wesle in Sena ergangen.
~ .Der ordentliche Professor der neueren Kunstgeschichte an der Heidelberger üniberfitäf. Geh. Hofrat Dr. phil., Dr. theo! h. c. Carl Reumann ist von seinen Amtspflichten enthoben worden.
Zwei neue Privatbozenten haben sich in bar nredizinischen Fakultät der Hnioerfität Frankfurt für das Fach der Chirurgie habilitiert: Dr. mrd. Hermann Fischer unb Dr. med. Walter Sebening. — Tlmtlich wird die Ernennung des ord. Professors Dr. Friedrich O e r t e l von der Llniversität Graz zum ordentlichen Professor der alten Geschichte an der Donner Llniversität als Nachfolger des Geh, Rais Cichorius bestätigt. — Zum Nachfolger des verstorbenen Geh. Rats Prof. Th. Paul auf dem Lehrstuhl der Pharmazie unb angewandte Chemie an der Llniversität München ist Professor Dr. 'Benno Dl eher vor: bar Hochschule für Landwirtschaft und Brauerei ut Weihenstepha« io Aussicht genommen,


