Ausgabe 
12.1.1929
 
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Nr. 10 viertes Blatt

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Osteuwpa und der Friede.

Außenpolitische Umschau.

Don Dr. OttoHoehsch, o.profesior der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. 2t

Der Staatsstreich in Belgrad ist zu­nächst nur eine innere Angelegenheit Jugo­slawiens. Der König hat die Militärdiktatur ausgerichtet. weil der 6:aat mit dem Parlament schlechterdings nicht weiter zu regieren und in einer längst schon schleichenden und immer ge­fährlicher werdenden Krise war. Die Wirtschaft der Parteien, die mit ihren Gedanken völlig zu Ende waren, war trostlos. Schon als der alte Palchitsch noch lebte, war nach Erfüllung der großserbischen Hoffnungen, die der Weltkrieg ja gebracht hat. nichts von Einsicht und Gedanken in den serbischen Parteien zu spüren, die das Parlament bestimmten und sich in ihm zankten. So griff der König zur Selbsthilfe und besei­tigte die Verfassung des S. VeitsLages (Didov- dan). (Und so herrscht heute in Jugoslawien eine königliche Militärdiktatur. Ir­gendwelchen Widerstand hat ihre Errichtung nicht gefunden. Daß das Land und die Wirt­schaft diesen unfruchtbaren Parlamentarismus satt hotten, ist lein Wunder.

Nun ober erhebt sich die eigentlich schwierige Frage, die auch in die Außenpolitik hinaus- sührl. wenigstens hinausführen kann: woran ist denn dieser Parlamentarismus Jugoslawiens so vollständig gescheitert, daß kein anderes Mit­tel möglich war? Reis für derartige Versüssun­gen finb auch die anderen Balkanstaaten nicht gewesen. Aber hier kam mit dem Parlament die Staatsmaschine ins 6:öden, weil die Parteien Serbiens sich als unfähig erwiesen, das Haupt- prob'em des neuen Staates zu lösen, ob er nämlich von Belgrad aus zentralisiert oder in der Form eines Bundesstaates und mit freier Bewegung der nichtserbifchen Be­standteile regiert werden sollte. Jene Verfas­sung vom 23. Juni 1921. die die Kroaten so sehr gehaßt haben, war serbisch-zentra­listisch bi5 zum äußersten und die Verwal­tung, auch die Armee waren und sind es noch mehr. Der Kamps der anderen nichtserbischen Bestandteile, besonders der Kroaten dagegen hat den neuen Staat von Ansang an gelähmt. Er stieg zur Siedehitze, als der Führer der Kroaten. Raditsch, im Parlament erschossen wurde und die Kroaten seitdem unbedingt sich weigerten, jemals wieder einen Schritt in die Slupschtina zu sehen. Darüber, daß die Verfassung nun durch den König beseitigt ist. jubeln angeblich die Kroaten. Aber damit ist noch keine Lösung für dos große eigentliche Staatsproblem gefunden.

Die Lösung lag hier eigentlich von vornherein, bei dem ganzen Verhältnis der einzelnen Stammes- und Landesteile zueinander, aus denen das heutige Jugoslawien gebildet wurde, nahe, und trug in sich zweifellos keine Gefahr für die südslawische Einheit im Ganzen. Im Gegen­teil würde ein jugoslawischer Bundesstaat unzweifelhaft nur den südslawischen Gesamtstaat und die südslawisch« Einheit gestärkt, zu gemein­samer wirtschaftlicher Arbeit befähigt und außen­politisch wirklich zu einem Faktor gemacht haben, der er infolge der inneren Kämpfe nicht recht geworden ist. Statt helfen hat man sich in Kämpfen verzehrt zwischen kroatischen Selb- ständigkeitssorderungen, die zu weit gingen, und einem serbischen Zentralismus, der n och viel weiter ging und der alles andere in unbe­dingter Abhängigkeit halten und regieren wollte. Dieser Zentralismus hatte und Hot seinen Haupt- sih in der alten serbischen radikalen Par­tei (aber auch die anderen serbischen Partei­gruppen denken nicht viel anders) und daneben vor allem im Offizierskorps und namentlich in der Generalität, die jetzt aus der Hand des Königs das Heft in die Hand bekommen hat.

In den bisherigen Kundgebungen ist an keiner Stelle der Wille zu erkennen, das kranke Staats­wesen von diesem Punkte aus zu heilen. Die Vermutung liegt vielmehr nahe, daß die zentralistischen Elemente jetzt den Staat erst recht und gegen alle Minderheiten regieren wollen. Was nötig wäre, wäre eine konstruktive Tätigkeit der Staatsreform, die die Idee der Föderation durchführte und dann auch weiter­führte in die mazedonische Frage hinein und in das Verhältnis zu Bulgarien. Alles das liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit. Führt der Staatsstreich aber weiter von der Militärherrschaft zur Gewalt, die den Zentralis­mus unbedingt. aufrechterhalten will. dann setzt der König feine Person und seine Dynastie auf das Spiel. Nicht nur das, bann riskiert er, daß die bisherige fchleichende Krise den Staat selbst gefährdet und auseinander­treibt. Das meinen wir mit dem Hinweis, daß die Frage in die große Politik hinein- führen kann. Man denke sich durch, was etn in solchem innerem Kampf sich Zerfleischendes und immer mehr geschwächtes Jugoslawien außen­politisch für eine Gefahr würde, für den Sue­ben auf dem Balkan, für den Frieden m Eu- ropa! Wir hoffen sehr, daß der König, der in vielen Fällen schon staatsmännische Klugheit und Mut, Einsicht und Entschlossenheit zugleich ge­zeigt hat. mit diesen Eigenschaften auch Herr der Lage bleibe und den Staat in eine Neuord­nung hinüberführe. Die Fähigkeit und innere Möglichkeit, als Staatswesen zu existieren, hat Jugoslawien an sich doch ohne jeden Zweifel!

Die Intervention Litwinows in sei­ner Note vom 31. Dezember hat in Warschau Überraschung und Verlegenheit ausgelöst. Sie ist auch In Litauen übermittelt, für daS die Annahme selbstverständlich ist. dagegen nicht an Rumänien, das mit Polen im Meinungs­austausch darüber steht. Man sieht wirklich nicht, rein sachlich betrachtet, warum der Mar­schall Pilsudski zögert, auf die russische An­regung einzugehen. Aber die polnische Außen­politik hat überhaupt kaum jemals irgendwie fruchtbare und positive Gedanken vertreten. Sie erschöpft sich in der Betonung des Bündnisses mit Frankreich und Rumänien und glaubt sie zu verstärken durch Angriffe auf Deutschland im Stil des Außenministers Zaleski. wie er sie eben jetzt wieder in einer amerikanischen Zeitung und in der halbamtlichen ^Epoka" ausgesprochen hat. Man fragt sich ver­geblich. wie Polen mit derartigen Aeußerungen gegen Deutschland sich außenpolitisch nützen zu

Samstag, (2. llamiar 1929

in der schwierigen Lage des Kapitalmarktes eine Aenderung herbcilü.hren, oder gar stimulierend auf dielen wirken wird, kann nicht erwartet wer­den. Es würde e'me DD.Ifommcne Verkennung der ürerauS ce>pa:inten Berhä.tnis.e ti:| Mark­tes. der nach wie vor der größten Schonung bc- tacf, bedeuten, wenn angenommen werden sollte, daß mit einer Senkung des Neichsl-ankdiskontes nun der Weg für eine erneute starke Jnan'pruch- nahrne des Kapitalmarktes geöffnet würde.

Tiskontjcnkung der Bayerischen Notenbank

Die Baicrifchr Notenbank hat von ge'tern ab den Disica.,az für Wech e.ankauf aai 6V2, den Zinslah für Lombarddarlehen auf Z/2 Proz. festgesetzt.

von rund 1 300 000 auf

empfanget stieg

1 7 02 000 , b. i. um 402 000. Don dem Zuwachs

Unveränderter

DiskonNah der Golddiskonlbank.

Der Tiskorll atz der D.utschen Goldd.skonlban! beträgt auch weiterhin 6 Prozent.

Wertere Zunahme der Arbeitslosigkeit.

Sie Zunahme der unterstützten Ar­beitslosen hat sich auch in der zweiten Hälfte des Monats Dezember fortgesetzt: die weitere Stei­gerung ist zu einem großen Teil auf die kalte Witte­rung, im übrigen auf konjunkturelle Einflüsse zu­rückzuführen. Zn der Arbeitslosenver­sicherung betrug die Zunahme der Hauptunter- stützungsempsänger in der Berichtszeit 31 v. H., gegenüber 26 2 o. H. in der Zeit vom 1. bis 15. Dezember und 27,9 o. H. in der Zeit vom 16. bis 30. November. Die Zahl der Hauptuntcrstützungs-

entfallen auf die männlichen Hauptunterstützungs­empfänger 356 000 (Zunahme 34,5 v. H.), auf die Frauen 46 000 (Zunahme 17,4 v. H.). Am 31. De­zember 1927 wurden in der Arbeitslosenversiche­rung rund 1 188000 Hauptunterstüt­zungsempfänger gezählt. Die diesjährige Zahl übersteigt somit die des Borjahres um 514 000 oder um 43 o.H. Die Zahl der Hauptunler- stützungsempfänger in der Krisenunter­stützung stieg in der Berichtszeit von rund 116 800 auf 127 400, d. i. um 10 600 ober um 9 v. H. Bon dem Zuwachs entfallen auf die Män­ner 8600, auf die Frauen 1900. Verhältnismäßig ist die Zunahme bei den männlichen und weiblichen Hauptunterstützungsempfängern saft gleich.

Umgestaltung der G.oßschiffe derHapag".

Die Hamburg-Amerika-Linie teilt mit: Die tech­nische Entwicklung im Turbine.-.antrieb ermöglicht es nunmehr. Schiffen vom Typ derB a l l i n» Klasse eine höhere Geschwindigkeit zu geben, ohne daß deren ruhige Fahrt, ihre hervorragenden See-Eigenschaften oder ihre Dr- triebsokonomie irgendwie beeinträchtigt werden. Die Hamburg - Amerika - Linie hat daher be­schlossen, ihre SchiffeAlbert Balten".Deutsch­land".Hamburg" undNeuhork" durch Ein­bau neuer Antriebsmaschinen (Tur­binen. Kestel, Wellen. Schrauben) auf eine Ozeangeschwindigkeit zu bringen, die sicherstellt, daß dre Seereise auf diesen Schiffen von den Kanalhäfen nach Neuhork und zurück in je sieben Tagen zurückgelegt werden kann. Die Aenderung wirb bis zum Beginn der Frühjahrssaison 1 9 30 durchgeführt sein. Zugleich werden bi« SchiffeAlbert Dallin".Der tchlanb" und,Ham­burg" auf den modernen Typ derNeuhork" gebracht, so daß vom Frühjahr 1930 an in wöchentlichen Abfahrten für die Passagiere über Hamburg eine Reisegelegenheit geboten werden wird, dir bei allem Komfort und bri dem bo- kannten erstklassigen Dienst eine schnellere älebersahrt gewährleistet. Die aus denDal- lln"-Schiffen heraus unehmenden acht Maschinen sollen nach entsprechenden Aenderungen für die gleiche Zahl von Passagier - und Fracht- Dampfern des bewährten 10 000-Tonnen-Th s mit 15 Seemeilen Otzeangeschwindigkeit Verwen­dung ftnben. Diese Dampfer find für die Fahrt in anderen Diensten bestimmt. Zwei Schiffe find gleichzeitig mit dem Umbau derBallen"-Schiffe bei Blohm & Voß in Auftrag gegeben. Die Kosten dieses Dauprogramms werden bereit» stehenden Mitteln und den zur Verfügung ge- ftellden Krediten entnommen werden, bis die Klä­rung der Eigentumssrage Gelegenheit zur end­gültigen Gestaltung des Schiffsprogramms gibt.

Wochenbericht

vom Frankfurter Effektenmarkt.

Die am Ende der vergangenen Woche einge­tretene Abschwächung setzte sich in drr Be­richtswoche stärker fort. Die älmsatztangkeit blieb gering, da Publikum und Ausland dem Börsen­geschäft treuer fernblieb.n. und der Orbermangel drückte wieder erheblich auf dm. Markt, so daß schon kleine Abgaben der Baissespekulation ge­nügten, um merkliche Kursrückgänge herbei; u- führen. Die Stimmung war unsicher und lustlos: die Verstimmung über den Ne.rarationsb.wicht Parker Gilberts hielt an. Dazu kamen einige andere ungünstige Momente, wie der Bericht btt preußischen Handelskammern über einen weiteren Konjunkturrückgang und die erneut starke Zu­nahme der Arbeitslosigkeit. Eine groß: Enttäu­schung war für die Börse die Nachricht, daß bei der A. E. G. nicht wie beim Siemenskonznm mit einer Erhöhung der Dividende zu rechnen sei. In QL E. G. und den anderen Slektrowertm setzten daraufhin Verkäufe ein, die teilte 4 te größere Kurseinbutzen verursachten. Weiterhin wurde die Stimmung durch die meist schwache Haltung m Neuhork ungünstig beeinflußt. Die Beunruhi­gung der gesamten Börse ging jedoch in bet Hauptsache von den sehr unerfreulich m Ereig­nissen am Markte der Autoaktien aus. Hier traten plötzlich im Zusammenhang mit einer Auf­sichtsratssitzung der Adlerwerke Gerüchte über eine bevorstehende Sanierung dieses ünterneb» mens auf. und die Kleheraktie wurde in fo großen Beträgen angeÖDten, daß an einem Tage ein Kursrückgang um 13 Pro-ent eintrat. Der Kursabstieg setzte sich sodann bis auf rund 62 Prozent fort, da dem dringenden Angebot saft keine Ausnahmelust gegenüberstand. Die schwache Haltung der Kleyeraktien übertrug sich auf Daimler, die ebenfalls stark angeboten und mehrere PrvzeM abgeschwächt waren DaS bann von der Klcyeroerwaltung herausg'gebene Kom­munique sprach zwar nicht klar aus, dah eine Sanierung vor genommen werden soll, doch zwei­felte die Börse nicht mehr an dm NolWendigkeit, und man sprach bereits von einem Zusammen-

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

können glaubt. So ist die Erörterung um bas russische Angebot wieder in das anmutige Spiel der Noten und Gegennoten eingemünbet. bas man schon seit langem in der Frage des Nichtangriffs­pakts (im Grunde ist es ja genau dasselbe) erlebt hat Aber Schuld der russischen Politik ist eS nicht, wenn Osteuropa in feiner Frledens- ordnung nicht vorwärts kommt.

Gedenket der hungernden Vögel!

Dom Lande wird uns geschrieben: Der Hinweis in allen ZeitungenFüttert die hungrigen Bogel!" genügt nicht. Man wird staunen bei einer Umfrage unter den Landbewohnern, wie viele den Aufruf lesen, wie wenige diese Bitte auf sich selbst beziehen! Und doch bist gerade Du, Leser, gemeint, an Deine Hilfe wird appelliert! Verlasse Dich nicht darauf, daßandere" es machen gerade auf Dich kommt es an, und Du haft auch Zeit, sei Deine Ar­beit noch so oiel, der hungernden, frierenden Kreatur zu helfen, an geschützter Stelle einige Hanfsamen- förner oder Speck ober geknackte Nüsse, wo es an­gebt auch Drotkrümchen usw. zu legen. Gibt ihnen doch das Futter etwas Wärme von Innen heraus, wappnet sie vor d^m Tod des Erfrieren». Siehst Du nicht, wie sie Nahrung suchend Deinen Hof, in die Nähe des Hauses kommen? Hörft Du nicht ihr fläg- ljches Zirpen? Versteht Du, warum sie so reglos, dick aufgcbluftert sitzen? Lehre doch das Füttern Deine fiinber, sie tun es so gern!

Komm zum Fenster, Hebe Kleine, bringe Krümchen mit und Brot.

Schau im Hof dort auf dem Steine, liegt ein Vöglein es ist tot.

Eingefroren jedes Körnchen, jeder Jutterplatz verschneit Nur ein Krümchen, nur ein Körnchen", flehn die Sänger weit und breit.

Gib ein Körnchen, gib ein Krümchen, Streu's vor unseres Hauses Tür, Und der Frühling schenkt ein Blümchen unb ein Dogellied dafür!"

Klara Balser.

Wirtschaft.

Diskontherabsetzung der Reichsbank.

Die R e i ch s b a n k hat, wie in einem Teile unserer gestrigen Ausgabe bereits gemeldet würbe, mit Wirkung vom 12. Januar ben Wechselbiskontsah Den 7 auf 61/, Proz. unb ben LombarbzinSsutz von 8 auf 71/, Prozent herabgesetzt.

In der Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank begründete der Vorsitzende diese DiS- kontherabsetzung mit nachstehenden Auslührungen: Nach der Mskonterhöhung vom 4. Oktober 1927 von 6 auf 7 Prozent ha^en sich vom 7. Oktober 1927 bis zum 7. Januar 1919 bi: Hauptpositionen wie folgt verändert (in Millionen Mark): Gold unb deckungsfähige Devisen Zunahme 879, ge­samte Kapitalanlage Abnahme 512, Reichsbarck» notenum.auf Zunahme 433, gesamter Zahlungs­mittelumlauf Zunahme 235. Es zeigt sich, baß die Entwicklung der wirtschaftlichen Konjunktur inzwischen zu einem nicht unerheblichen Nückgang der gesamten Kapitalanlage der Reichsbank ge­führt hat. Die trotzdem zu beobachtende Zu­nahme des Notenumlaufs ist im wesentlichen eine Folge der beträchtlichen Vermehrung beS Gold- unb Devisenbestandes, die wiederum auf die weiter erhöhte kurz - unb langfristige Auslandverschuldung zurüchzuführen ist. G eichwohl sieht das Reichs- oankdirektorium in dec Entwick.ung ber Anlage­konten die Voraussetzungen für eine Senkung des Diskontsatzes von 7 auf 6.5 Prozent unb des Lombardsatzes von 8 auf 7.5 Prozent als ge­geben an. Dabei wird angenommen, daß von einer solchen Ermäßigung ein ungünstiger Ein­fluß auf daS allgemeine Preisniveau nicht aus­geübt wird, da weniger mit einer Vermehrung des Notenum.aufes als mit einer ziffernmäßigen Verschiebung der Notendeckungsbestände zu rech­nen sein bürste. Welches Ausmaß biete Ver­schiebungen annehmen werden, bleibt abzuwarten. Jedenfalls erschien bei dieser Ungewißheit unb ber Gegensätzlichkeit der sonstigen Entwicklungs­faktoren eine Ermäßigung in größerem Umfange als 0,5 Prozent nicht a n ge­zeigt Daß die Ermäßigung der Diskontrate

Die Machivechäliniffe in China.

Seit dem 1. Januar tagt in Nanking, ber neuen Hauptstadt ber chinesischen Republik eine Ab- rüstungslonferenz ber chinesischen Heerführer. Ihre Zusammenberufung wirft ein grelles Licht auf bte tatsächlichen Machtoerhältnisse in dem angeblich ge­einigten chinesischen Reich. Das Land zerfällt nach wie vor in eine stanze Anzahl von Herrschafts­bereichen ber verschtebenen Generäle, bte über ihre Gebiete, in administrativer, militärischer, wie firan« zieller Hinsicht vollständig unabhängig von der nur formell bestehenden Zentralregierung verfügen.

der oben angeführten vier Gruppen entscheidend geschlagen wurden. Er trat kürzlich der National­regierung formell bei und ließ erst am 1. Januar 1929 die Kuomingtang-Flagge in seinem Gebiet hissen. In der Mandschurei ist die angeblich regle- renbe Kuoiningtang-Partei noch bis zum heutigen Tage verboten, ein schlagendes Beweisstück dafür, daß dis Einheit Chinas nur auf dem Papier be­sieht.

Außer diesen fünf Gruppierungen, deren äußerst loses Bündnis, das vereinheitlichte China darstellen

Die militärischen Gruppierungen, in deren Macht­gebiete das heutige China auf geteilt ist, sind fol- gende:

1. Die eigentliche Nationalregierung ber Kuomingtang'Partel unter Vorsitz des Generals T s ch i a n g k a l s ch e k mit ber Hauptstadt Nan- fing. Das Gebiet, über welches die Regierung un­mittelbar verfügt, umfaßt nur die Provinzen Klangst, Tfcheklang, Anhwei, Stiangfu und einen Teil von Schantung.

2. Die sogenannte Kwongsl-Gruppe, die ein Bündnis von drei Generälen barfteUt. Diese sind: Litschaisum, der Herrscher über Kwangtung unb Kwangsi (Hauptstadt Kanton), Litsundschen, dessen Armeen Hunan und Hupeh besetzt halten (Hauptstadt Hankou) und Baitsuntschi, der Kom­mandeur ber Pekinger Garnison.

3. Fengjuhsiang, ber bekanntechristliche General", der über die Provinzen Kansu, Schensi- Hor.an unb einen Teil von Schantung verfügt.

4. I e n s i s ch a n , berMuster-Gouverneur" von Schansi. dessen Truppen im Jahre 1928 auch die Provinz Tschili, und die innermongolischen Gebiete Dschehol, Tschachar unb Suijüan eroberten.

5. Tschanghsueliang, ber Sohn Tschang- tsolins, der Herrscher der Mandschurei, dessen Armeen im vergangenen Jahre von der Koalition

soll, gibt es aber noch große Provinzen, die nicht einmal formell sich ber Nankinger Regierung an- geschlossen haben. Diese sind: F u k i e n , das von Seeräubern terrorisiert wird: Kweit schon, be» berrscht von mehreren unabhängigen Generälen (Tutschünen): Szetschhuan, dessen größter Teil vom ebenfalls unabhängigen General Jangsen beherrscht wird: I ü n n a n , das Herrschaftsgebiet des Generals Lungjün.

Endlich ist noch zu erwähnen, dah Im Westen der Provinz Kansu vom mohammedanischen General Matingsiang, ber in einem furchtbaren Blutbad hn Herbst 1928 Hunderttausende ber bärtigen chinesi­schen Bevölkerung ausrottete, sich feit mehreren Monaten erfolgreich gegen bie Truppen von Feng­juhsiang behauptet. Dank dieser Zerrissenheit des eigentlichen China erfreuen sich die Nebenländer Tibet und Ost-Turkestan einer unbeschränk­ten Unabhängigkeit. Unter diesen Verhältnissen wird von eingeweihten Kreisen fein Ergebnis der Nankinger Abrüstungskonferenz erwartet, außer der Entstehung von neuen Gruppierungen. Schon jetzt zeichnen sich die Konturen eines Bünd­nisses zwischen ber Mandschurei, der Kwangsi- Gruppe unb eventuell von Iensischan gegen die vereinigten Armeen von Tschiangkaischek unb Fengjuhsiang ab.

| DIE MACMT--] VERHÄLTNISSE | IN CHINA» |

s r WsÄunt.Nanking afTschang-kai-Schek der t&^hwann-si-- gruppe. h VttUnt. Feng -Hsiang. Bunter Jen Si -Sch an.