Dams, welche Ich hn Äuge, bester gesagt, tm Ge- dächtnis habe, ist Mrs. Eva M. Kohler aus Lünen- bürg, 'jIodq Scotia, und die Gattin eines kanadischen Handelsschiffskapitäns, besten Dreimastschoner ich wahrend des Krieges versenkte. Daran war nun eben die edle Miß schuld, und wäre ich selbst nicht so unendlich glücklich verheiratet, dann würde ich mit elnftimmcn in den Ruf unserer verknöchertsten Junggesellen: Das kommt davon, wenn man auf Frauen hört! Also, die drei Segel des Schoners waren von meinem „Seeadler"' aus gesichtet worden, nur wußten wir nicht, halten wir einen Gegner oder Neutralen vor uns. Wir dippten unsere „ehrliche" norwegische Flagge vorsichtshalber zum Gruße. Ohne Erfolg. Der Kerl grüßte nicht wieder. 3d) wußte, was der Skipper drüben dachte: Mensch, du wirst doch nicht )o ne olle chinesisch- norwegische Dschunke wiedergrüßen. Der Uebcrmut des Burschen war um so größer, do er sich auf seiner Hochzeitsreise befand, zusammen mit seiner Gattin natürlich! Mit der aber hatte er nicht gerechnet. Sic schlich heran und sagt«: Männe, du mußt doch wiedergrüßen! Och, den ollen Kasten? Aber du mußt!, ließ sich wieder die Schöne Der» nehmen, das erfordert doch deine Galanterie und deine Etikette! — Der schwache Gatte gab endlich brummend nach, dippte seine kanadische Flagge und hatte dos zweifelhafte, nein, das unzweifelhafte Vergnügen, nach einigen Böllerschüsten aus unserer „dicken Bertha" ä la Gulaschkanone erschreckt mit den Seinen auf unser gastlid)es Schiff überzusie» Mn, um dort seinen Honigmond auszukosten. Aber nun erst der weibliche Einfluß an Bord des „Seeadlers"! Sie hätten meine Jungs sehen sollen! Jeder Mann an Bord war plötzlich ein Scheik. Ja- woll! Jeden Tag hätten Sie hören können: Wo liegt denn zum Deubel mein Rasierpinsel, — bei Gott, ich kann dock) nid)t unrasiert an Deck gehen! Man schrie förmlich nach Haarschneidern, Kleiderbürsten wurden zum erstenmal verlangt. Es war zum Davonlaufen! Die ganze Mannschaft rauft sich vor Verlangen nach ästhetischem Aussehen die Haare —, blos weil eine Frau an Bord war, die noch dazu einem andern gehörte! Blos, um Effekt zu machen, wenn sie riefen, .Halloh! Hau du ju du? (how do you do) it will be good weather tomorrow." Das war eine Erfahrung, eine sehr gute! Id) nahm ein anderes Schiff, die gefangene Mannschaft kam an Bord, mit ihr der Kapitän und eine Dame. Ah, rief ich, „der Käpten und sein reizendes Frauchen, die müssen ne Extra» kabine kriegen!" Bald darauf sichtete ich einen neuen Fang. Da kam der eben versorgte Käpten zu mir und sagte weinend: „Um Gottes Willen, ha sitzt mein Schwager als Kapitän drauf „Na, das Macht doch nichts, freu'n Sie sich doch!" „Ach nein, ich bin zwar verheiratet, aber die Dame ist nicht meine Frau, sondern meine Freun- bin." Nur so viel verrate ich, die Sache lief schief aus für dcn getreuen Gatten. Schlußfolgerung: 1. Der Mann ist Wachs in den Händen seiner Gattin, diese versteht es aber auch, Eindruck zu machen (siehe ,,Seeadler"-Besatzung); 2. es gibt kaum etwas, was den Frauen nicht über ihre Eheleute hinterbrocht würde (siehe Käpten Nr. zwo)... Diese Erzählung sei aber nur ein kleiner, gutgemeinter Scherz, die Moral trifft nicht immer zu, glaube ich. Nun Hobe ich Ihnen aber genug erzählt über meine zweite Fahrt ins „ßanb her unbegrenzten Möglichkeiten": wenn meine Fahrt auch fürderhin erfolgreich verläuft, sollen Sie es erfahren. Bis dahin rufe ich ollen meinen deutschen Freunden und Landsleuten im Geiste und im treuen Gedenken ein aufrichtiges „Op Wedderfehn", zumindest aber „Op Wedderlesen"! zu, der bütsche Eikboom stecht noch!
Dölkerversöhnung.
M':t den folgenden Antworten deS Herrn Professor Dr. Messer auf die in Nr.6 des „©. X“ vom 8. Januar und Nr. 8 des „G. QI." vom 10. Januar veröffentlichten Ausführungen der Herren Dr. Mees- mann und Pro essor Dreher schließen wir die Diskus ion über dieses Thema.
Lieder Herr Dr. Mcesmann!
Zunächst ein theologisches Privatissimum!
Es gibt zwei Schwerter!
Don der « i n e n Art waren die Seitengewehre, die wir als „Einjährige" im Jnf.-Degt. Nr. 118 vor fast 43 Jahren in der „Putzstunde" blcrnk rieben, dabei eifrig mitemander philosophierend.
WaS JefuS von dieser Art Schwerter hielt, hat er gesagt, a.s Petrus dem Knechte Malchus das Ohr cttchieb: „Stecke dein Schwert in die Scheide!" — Schon dir alten Christen haben das ausgefaßt als „Aechtung des Krieges". Was inzwischen Kirchen an kriegerischen Taten vollbracht oder verschuldet haben, daS mögen sie selber verantworten. „Kirche" und — „Jesus" ist doch nicht ganz dasselbe! Was aber den Geist 3cfu und den Geist echten Christentums angeht, so halte ich eS dock lieber mit dem evangelischen Landesbischof Tolkien („Pazifismus und Christentum gehören zusammen") und mit dem Münchener Kardinal Faulhaber, der in seiner Suvesterpredigt aussprach: „Nur der Friede, nicht der Krieg ist vom Geiste Christi"..
2lber das Wort 2esu. das Sie anführen, daß er „das Schwert bringe"?!
Nun, damit meinte er daS Schwert der zweiten Art. das geistig« Schwert, so wie Sie es jetzt gegen mich geschwungen haben. Mit vollem Necht, wenn Ihr Gewissen es Ihnen gebot! And dieses Schwert wollen wir auch weiter führen. Das wäre ein „fauler Friede", der uns hinderte, in sachlichem Kampf«, selbst Freunden gegenüber, unsere Heb«Zeugung zu vertreten! And solcher Kampf braucht auch Freundschaft gar nicht zu stören.
Also über die „zwei Schwerter" sind wir nun wohl einig. —
Aber einig sind wir auch — und das wird Sie vielleicht überraschen — in der Beurteilung französischer Politik.
Das wird Sie überraschen, sage ich: denn in Gießen wie in Queckborn und anderswo wird eS recht v.e.« geben, die von den „Pazifisten" die naive Dorstellung haben: „sie halten es für notwendig, das deutsche Dolk in Ketten und Knechtschaft zu legen" (um Herrn Pfarrer Schick. Queckborn, zu zitieren). Dielleicht kann man sogar aus der sehr umfangreichen pazifistisd)en Literatur Aeußerungen zur Stützung dieser Dorstellung aufspüren. Warum soll es nicht auch unter „Pa ifisten" — „Langgeohrte und Kurzcp-üugte" geben ? l
Older aus der 2 d e e des Pazifismus folgt das mit nichten?
Nein, gerade wer der Idee des Friedens aufrichtig dient in Politik und Erziehung — und beide sollten eines Geistes sein! Herr Pfarrer! der kann mit aller Entschiedenheit den politischen Führern Frankreichs sagen: „Euer Wort ist — „Friede", aber euer Tun ist — „Krieg"! Habt doch keine Angst vor uns — euer kriegerisches Gebaren stammt ja doch nur aus der Olngst! — wir planen keinen Llebersall auf euch, wir rüsten auch nicht heimlich und wir werden dafür sorgen, daß die nicht mehr vor Gericht gestellt werden, die heimliche Kriegsvorbereitungen, di« das deutsche Gesetz verbietet, an's Licht ziehen!"
Daß es aber auch in Frankreich Menschen gibt, die ehrlich für den Frieden eintreten, bleibt eben doch Tatsache. Sie, verehrter Herr Doktor, vorsichern zwar, vom Geiste der Der- söhnung sei dort „nicht s" zu spüren. Olber die Erklärung der hundert und mehr „intellektuellen" können Sie nicht auS der Welt schaffen. Hnb wenn Sie mir „die Durchsicht der amtlichen französischen Schul- und sLesebücher empfehlen", so bitte ich Sie. in der «Frankfurter Zeitung" Nr. 637 vom 15. Dezember 1928 (2. Morgenblatt) die Mitteilung darüber nach^ulesen, wie kräftige und erfolgreiche Bemühungen gerade von französischen Lehrern gemacht werden, die französischen Schulbücher von allem, was Dölkerhah schürt, zu reinigen. Auch darf ich Sie verweisen auf einen Artikel, den ein vortrefflicher Kenner französischer Verhältnisse. Prof. Dr. Hermann Platz, Bonn, in meiner Monatsschrift „Philosophie und Leben" (im Novemberheft 1928) veröffentlichte über „Auseinandersetzungen zwischen französischer und deutscher Jugend".
Olber das alles sehen die Vertreter der Politik von gestern und vorgestern nicht. Sie sehen auch nicht, daß diese Politik, deren Weisheit darin gipfelt: „Willst du Frieden, so rüste zum Krieg!", die Dölker zu der ungeheurlichen Katastrophe deS Weltkriegs geführt hat. Sie sehen endlich nicht, daß das starre Festhalten an dem alten Geist in Politik und Erziehung zu einer neuen Katastrophe führen muß, die ge.ab«,u Döllervernichtung bedeutet. Die am 4. und 5. Januar in Frankfurt tagend« Dersammlung der internationalen Konferenz über den „Giftgaskrieg" hat ja darüber ein erschütterndes Material zusammengebracht,
M8 auch denen ernst zu denken geben sollte, die aJ „'Realpolitiker" den Dienst an der Friedensidee (als an einer in sich wertvollen und sittlich gebotenen Ausgabe) wie eine leere „Ideologie" verspotten zu können meinen.
Nun, ich weiß mich mit vielgepriesenen Der- tretern deutschen und christlichen Geistes einig in bet Schätzung solcher „Ideologie". Ich bin auch der UcberjMgung, wenn wir Deutsche der unae- heuven „S'nn.o.igleit" des W:lttriegcs nachträglich „Sinn geben" wollen, so kann daS nur dadurch geschehen, daß wir aL DoÜ di« Führung übernehmen in der Fortentwick.ung per Menschheit aus der Periode der Politik der Angst. deS Argwohns und des Kr.egsgeist.es in die Periode deS DertrauenS, der Aufrichtigkeit und der 'Verständigungsbereitschaft. Sie,er zugleich „nationale" wie „intemationa.e" Pazifismus entspricht durchaus edelstem „deutschen Wesen"; denn ec gibt dem Dolle, was des Dolles, und der Menschheit, was der Menschheit ist. An solchem „deutschen Wesen" kann wirklich auch die „Welt genesen".
Sie verehrter Herr Doktor, wollen freilich auch den Okrtre^rn des Pa'ifismus meiner Art, also eines „nationalen" Pa.isiSmus im Sinne z. D. Stresemanns, das Wort verbieten, bis — die französichen Politiker sich gebessert haben.
verleihen Sie. da glaube ich mich doch auf Pädagogik etwas besser zu verstehen. Es gibt nämllch auch eine Pädagogik von Doll zu Doll. Für diese gilt aber derselbe Grundsatz tote für die Pädagogik von Mensch zu Mensch: man darf nicht abwarten bis der ander« sich bessert, man muß mit der Besserung selber anfangen. —
A.S Pädagoge muß man auch etwas von P s y ch o l o g t c verstehen. Unö „Tiefenpsychologie" ist gegenwärtig Trumpf. Nicht mit Anrecht!
Aber was da von Queckborn aus an tiefenpsychologischer Deutung der Folgen meines Der- haltens geboten wird, das geyt ja noch well über Freud und Adler hinaus! 3 d) soll es sein, der „die Gegner in ih.em bösen Derhalten gegen uns zu bestärken gre:gnet ist", der wahre Diener an bet 5rieben8ue’ fei Herr Schian!
Können Sie das g.auben? Ober verstehe ich den Herrn Pfarrer falsch?
Mit freundlichem Gruß Ihr
August Messer.
SehrgcehrterHerrProfessorDreher!
Zu Ihren geschichtlichen Betrachtungen möchte ich nur g r u n ü f ä tz l i ch bemerken, daß auch für den Vertreter der Dotteroersohnung hinsichttich alles Vorangegangenen lediglich leitend sein kann die Idee der ge s ch i ch t l i ch c n Wahrheit.
Enticheidend für den ® e i ft der Politik und der Erziehung, also für unsere Stellung zurZukunft, können ober historische Tatsachen alssolchenicht fein, vielmehr ist maßgebend, wie wir sie aus innersten weltanschaulichen Ueberzeugungen, Wertschätzungen und Zielsetzungen heraus Deuten und bewerten.
Ihre Weltanschauung nun erweist sich als eine naturalistische durch den Satz, daß „nach uneinigem Gesetz jedes kraftvolle Volt sich ausdehnt in der Richtung des geringsten Widerstände»". Wenig, stens ist da» „naturalisttzch" gedacht, wenn Sie Damit fagen wollen, daß auch das Menschen, und Völker- leben lediglich durch Naturgesetze beherrscht werde und so alles Geschehen, auch die politischen Hand- iungen der Staatsmänner und Völker, noturnot- wendig sich vollziehen.
Wenn das aber wirklich Ihre Uederzeugung ist, bann hat es doch eigentlich keinen Sinn mehr, politisches, ja überhaupt menschliches Handeln m o r a • lisch zu bewerten, da alle sittliche Beurteilung die Möglichkeit anderer Entscheidung, also menschliche Freiheit vorausfetzt. Dann hat es auch keinen Sinn, daß wir, wie Sie verlangen, „für Wahrheit und unser gutes Recht" eintreten, denn das wäre ja nur leere .Ideologie"; nie und nirgends gilt dann „R echt" in der Welt, sondern nur Mach t.
Mit dieser naturalistischen Grundeinstellung würde in Ucbereinftimmung stehen die grundsätzliche Forde- rung an unsere Politik und Erziehung: Hauptziel beider muß (ein, daß rotr möglichst bald wieder zur Macht gelangen, und dazu ist jedes taugliche Mittel recht. Moralische Bedenken sind dabei völlig auszu- schalten.
Ich bin mir wohl bewußt, sehr geehrter Herr Profesior, daß bei der Entscheidung für eine natura
listische oder idealistische Weltanschauung außer« theoretische Faktoren, vor allem Wert schäl- ' z u n g und Glaube, eine Rolle spielen und daß darum logische Beweisführung nicht Ent- scheidendes zu leisten vermag.
Beiläufig bemerkt: ob Sic selbst die hier skizzierte naturalistische Weltanschauung voll bewußt vertreten und in allen Punkten als Die Ihre anerkennen, ist für meine Darlegungen nicht von wesent- licher Bedeutung. Nicht fetten trifft man bei Men. schen weltanschauliche Ueberzeugungen, die — genau besehen — nicht miteinander harmonieren. Jeden« falls aber habe ich häufig bei den ausgeprägten Gegnern einer Friedens, und Versöhnungspolitik auch deutlich jene naturalistische Grundeinstellung beobachtet.
Damit verbindet sich denn auch in der Regel ein tiefer Unglaube gegenüber „dem Guten" im Menschen und gegenüber der Zukunft. Egoistisches Mad)tstreben beherrscht die einzelnen wie die Völker, und das wird immer so bleiben —• diese Grundauf- fassung dürfte doch auch aus Ihrer Bemerkung sprechen, daß an dem Ringen der Staaten um Macht „fein Kriegsächtungsakt etwas ändern -könne".
Auch hier möchte ich freilich wieder fragen, was es für einen Sinn hätte, in einer so ^anz „moralinfreien" Welt „jenseits von gut und bos“ für Wahrheit und Recht" einzutreten?!
Ich meinerseits bekenne mich zu einer idealistischen Weltanschauung im Sinn eines Kant und Fichte. Dos schließt nicht aus däs ehrliche Bestreben, den relativen Wahrheitsgehalt Naturwissenschaft, licher Betrachtunqsweise (auch der Menschen und Völker) anzuerkennen. Das schließt aber ein: die Wert, sckätzung von Ideen, auch der Rechts- und Friedensidee und den Glauben, daß in steigendem Maße sich Menschen in allen Völkern vermöge ihrer Freiheit in den Dienst solcher Wertideen stellen werden, um diese Ideen in der Welt immer mehr auch zur Macht zu verhelfen. Dieses Bekenntnis zum Idealismus, zur Freiheit und zur Friedensidee laßt es zugleich als Pflicht erscheinen, bei der sittlichen Bewertung geschichtlicher Vorgänge zu zeigen, wie leider bis jetzt vielfach die moralischen Werte und Normen in der Politik nur als Aushängesch'ld und Maste gedient haben, wie es aber unsere und unserer Nachkommen Aufgabe fei, mit der Anerken- nung des Moralischen auch in der Polttik e r n st zu machen.
Dazu werden wir srellich nie kommen, wenn wir nicht auch ernstmachenmltFriedens-und Versöhnungsgei st inderErziehung. Zu diesem aber steht es freilich Im schneidenden Gegensatz, wenn ein Erzieher die Vergangenheit lediglich nach Tatsachen durchsucht, die geeignet sind, unsere sittliche Entrüstung gegen andere Völker xu erregen; wenn er erklärt: „Wir haben nichts zu sühnen, wir haben nichts gutzumachen", wenn er Sätze ausspncht wie den: „Das deutsche Volk wird vor aller Welt wie ein räudiger Hund behandelt, weil es sich feige treten, anspeien und beschuldigen läfct* .
Das Bekenntnis zum Idealismus und zur Frie« densidee läßt endlich nicht nur zu, sondern fordert als sittliche Pflicht dasselbe, was Sie, sehr geegter Herr Professor, verlangen: „ein mannhaftes Eintreten für Wahrheit und unser gutes Recht".
Die ganz entscheidende Frage — um die sich im Grunde die gesamte Aussorache gedreht hat — V bt nur: w i e und mitwelchenMitteln dieses Eintreten erfolgen soll.
Es gibt nur zwei Wege: eine Politik und eine Erziehung, die darauf letzten Endes hinausgebt, durch neuen firieg die alte Machtstellung Deutschlands wieder zu erringen — und die olles Morollscke und alle Friedensversicherungen nur benutzt, diese innere Einstellung aus Macht und Krieg zu verhüllen, solange es nötig scheint. Ober eine Politik und eine Erziehung in ehrlicher Friedensgesinnung, getragen von dem Glauben an eine Bersittlichung auch der Völkerbeüehungen.
Ich habe mich für den z w e i t e n Weg entfdyeben, nicht nur, weil er der Weg des deutschen Idealism"s ist, sondern auch, weil ich überzeugt bin. daß der erste zum „Untergang des Abendlandes" führen werde.
Mit vorzüglicher Hochachtung
August Messe».
AuS dem Amisverkündigrrnqsblaii.
*DasAmtsverkündigunasblatt Nr.2 vom 11. Januar enthält: Gebühren für die Prüfung von Mineralwasserapparaten. — Allgemeine Stra- ßenverkehrsordnung. — Buchmachergehilfe Sally Loeb.
Die gefilmte Krebszelle.
Don Dr. Hugo Berliher.
Der bekannte dänische Forscher Dr. F i s ch e r hat soeben In der Berliner Universität einen aussehenerregenden Dortrag über die neuesten Ergebnisse der Krebsforschung gehalten. Unser Mitarbeiter, derben Gelehrten auch in seinem Berliner Laboratorium besucht hat, schildert hier die von Fischer beobachteten merkwürdigen Söorgänge im Zellgewebe.
Nur ungern übergab der amerikanische Forscher Karret ein Päckchen der Post, das einen Teil seiner Lebensarbeit nach Europa tragen sollte. Das kleine Paket enthielt ein winziges Stück vom Bindegewebe eines Hühnerherzens, einen Haufen Zellen, die Earrel in den fünfzehn Jahren, die er sie gehegt und gepflegt hatte, ähnlich lieb geworden waren, wie einem Gärtner eine besonders gut gelungene Topfpflanze. Das Paket mit dem eigenartigen Inhalt landete in einem kleinen Häuschen, das in Dahlem neben dem Kaiser-Wilhelm-Jnstitut für Biologie steht, und in dem Dr. Albert Fischer aus Kopenhagen seit drei Jahren die Krebszelle und ihre Lebensbedingungen als Gast der Kaijer- Wilhclm Gesellschaft erforscht. Die zwischen zwei Glasplättchen eingeschlofsene Hühnerzelle fanb dort ein freundliches Heim. Sie wurde immer wieder von einem Nährboden zum anderen verpflanzt, und heute ift sie ungefähr 17 Jahre alt. Das Huhn, dem sie einst angel)orte, zierte wohl längst die Mittagstafel eines amerikanischen Bürgers, aber die Zelle aus dem Herzen lebt noch immer weiter, und anläßlich ihrer 2629. Ueberpflcmzung wurde ihr sogar die Ehre einer kinematographischen Aufnahme zuteil.
In dem Laboratorium des stillen Gelehrten, der den Besucher mit weltmännischer Freundlichkeit empfängt und ihm bereitwillig alles zeigt, werden die Lebensäußerungen gesunder und erkrankter Zellen verfolgt, um auf diese Weise der Ursache und dem Wesen der Krebskrankheit auf die Spur zu kommen. Es ist ganz eigenartig, daß sich die Kulturen von Körperzellen ebenso wie die von Bakterien auf geeigneten Nährböden züchten lassen und dort dauernd weiter wachsen. Die Zellen werden entweder in einem Hohlraum zwischen dün
nen Glasplättchen eingeschlosien, die man rasch unter das Mikroskop bringen kann, oder man zieht sie in kleinen Kulturgläschen von länglich gebogener Form. Bei gewöhnlicher Temperatur kann man sie einen Monat ruhig ihrem Wachstum überlassen, bei höherer müssen sie jedoch nach zwei bis drei Tagen geteilt und neue Stücke der Zellenkultur auf einen neuen Nährboden überpflanzt werden. Aehn- lich wie nach der Zinseszinsrechnung ein bei Christi Geburt angelegter Pfennig sich inzwischen zu ungeheuren Weltkörpern aus Gold verzinst hätte, so wurde eine Zellenkultur, wenn man sie sich ungestört entwickeln ließe, in wenigen Jahren die Gröhe eines gewaltigen Körpers erteilen.
Die Krebsforschung mar in den letzten dreißig Jahren namentlich von der Bakteriologie beeinflußt-, man glaubte, daß ein Erreger die Ursache der Krankheit sei, doch scheint nunmehr bewiesen zu sein, daß dies nicht der Fall ist. Die Behandlung der Krebskrankheit ist bei der Unsicherheit unserer Kenntnifse natürlich noch ganz empirisch. Man kann ihrer Entstehung nicht vorbeugen, weil man nicht weiß, wodurch sie heroorgerufen wird. Es ist nur bekannt, daß die Krebszelle durch chemische, physikalische ober parasitäre Reize entartet ift. Die beschriebene Technik, tierische Gewebezellen außerhalb des lebenden Tieres zu zückten, und der durch Warburg erfolgte Nachweis, oaß — wie bei der Gärung — die Krebszelle ohne Sauerstoff leben könne, Hal der Forschung jedoch eine große Förderung gebracht. Man untersucht im Laboratorium bösartige Zellen aller Art, Hühnersarkom, Ratten- und Mäusecarcinom. Das erste dauernd verpflanzbare Hühnersarkom konnte vor etwa sechs Jahren In Kulturen gezüchtet werden. Preßt man diese Zellen aus, und filtriert bann den Preßsaft, so erhalt man eine Flüssigkeit, die bei Hühnern tödliche Geschwülste erzeugt. Bei dieser Geschwulst sehen wir unter dem Mikroskop zwei verschiedene Zellarten wachsen: einerseits B'.ndegewebszellen, andererseits Wanderzellen, die sich wie Amöben bewegen. Diese Wanderzellen sind die Tröger der bösartigen Eigenschaften, die sie durch Jahre hindurch nicht verlieren. Auch die Zellen der bösartigen Säugetiergeschwülste behalten dauernd ihr« krankmachenden Eigenschaften: feit zwei Jahren ist man in der Lage, diese Zellgruppe ebenfalls unbegrenzt weiter zu züchten. Man konnte an einem solchen „Stamm" von Zellen genau die Wachs
tumsgeschwindigkeit messen, die mit Schwankungen von nur fünf Prozent dauernd gleich bleibt.
Der Nährboden für die Zellen des Mäusekrebses ist ein Gemisch von Ratten- und Hühnerplasma mit Hühnerembryonalextrakt. Es ist nur besonders merkwürdig, daß die Zellen in einem Medium weiter wachsen, das ganz anderen Tieren entnommen ist — von den Mäusen konnte man wegen ihrer Kleinheit nicht genug davon bekommen. Auch der von Mäusen gewonnene „Stamm" ruft bei der Einimpfung in gesunde Tiere stets tödliche Erkrankungen hervor. Alle Beobachtungen sprechen nun dafür, daß diele Todesfälle nicht auf Bakterien au- rückzuführen sind. Wenn die wirkliche Ursache Der Entstehung der ersten Krebszelle in einem Organismus vorläufig nicht bekannt ift, so ist es von betonterer Wichtigkeit zu erfahren, wie sich der Krebs Im Körper ausdehnt. Ist die Krebszelle einmal gebildet worden, so kann der Krankheitsprozetz nicht mehr zum Sttllstand gebracht werden. Das Wachsen der normalen, gefunden Zelle hängt sehr von den sie umspülenden Körperflüssigkeiten oder, im Laboratorium, vom Nährboden und seiner Zusammensetzung ab. Die normale Zelle kann von Plasma und Serum allein nicht leben; sie gedeiht nur dann im Körper, wenn außerdem genügend Nährstoffe vorhanden sind. Die Krebszelle dagegen ist bei der Nahrungssuche anspruchloser und kann ihre Zellensubstanz notfalls allein aus dem Blutserum aufbauen. Gesundes Gewebe gibt an Krebszellen, mit denen es in Berührung kommt, Stoffe ab, die die Wachstumsgeschwindigkeit der Krebszellen beschleunigen. Diese überwuchern alle normalen Gewebe, sind aber andererseits gegen Schädigungen wenig widerstandsfähig und sterben bald ab, nachdem sie ringsum zur Bildung unzähliaer anderer Krebszellen Anlaß gegeben haben. Die kranken Zellen haben auch die Eigenschaft, Eiweiß In seine Bestandteile zu spalten und dadurch in sogenannten proteolytischen Erscheinungen den Nähr- baden zu verflüssigen. Sie wachsen viel rascher als die normalen Zellen im Organismus — nur bei der Wundheilung hat das gesunde Gewebe eine größere Wachstumsgeschwindigkeit.
Mit diesen Tatsacken machte Dr. Fischer so- eben in einem großen Vortrag in der Berliner Universität bekannt. Am Schluß seiner Rede hatte er noch eine besondere Ueberraschung vorbereitet: die kinematographische Vorführung
des Wachstums gesunder und kranker Z e l le n. Die Aufnahmen waren umgekehrt wie bei der Zeitlupe, durch eine starke Beschleunigung der Geschwindigkett zustande gekommen, also durch eine Art „Zeitraffer . Im Aufnahmeapparat waren durch ein Mikroskop in 60 OOOfad/er Der- tzrößerung — die Zellkulturen vom Filmstreifen in Abständen von 5 bis 120 Sekunden ausgenommen worden, oft in mehrtägiger Arbeit und nun rollte der Film mit einer Geschwindigkeit von 16 Bildern in der Sekunde ab. In der linken unteren Ecke hatte man einen weißen Sekundenzeiaer mit- vhotographiert, der sich mit rasender Geschwindigkeit drehte und so einen Maßstab für die urirkUcye Aufnahme geschwindigkeit gab. Es war ein aufregendes Schauspiel, als man zuerst Stückchen eines Huhnerherzens sah, das, langst vom Tier getrennt, auch noch unter dem Mikroskop rhythmisch zuckte und pulperte. Man sah Zellen verschiedener Tiere, Zellen, die aus der Iris, dem Epithel, der Milz, den Milchdrüsen heraucgeschnitten waren. Sie waren dauernd in starker Bewegung, wuchsen an allen Rändern weiter. An einzelnen Stellen schnürte sich eine große Zelle In der Mitte nb, und plötzlich waren es zwei geworden. Ein ewiger Kampf, ein Schieben, Drängen, Stoßen, Zerren der einzelnen Bestandteile herrschte tri den Kulturen. Manche Zellen dehnten sich plötzlich aus, wurden lange, spindelförmige Gebilde und zerrisien dann In der Mitte.
Nur das Auge des Forschers kann das Bild der gesunden von dem der kranken Zelle mtt Mühe unterscheiden. Das lleat daran, daß unsere optischen Hilfsmittel noch nicht scharf genug sind, um die feinen Unterschiede zwischen beiden Arien bemerken zu können.
HochschrUnachrichten.
Der ordentliche Professor für indogermanische Sprachw.ssenfchaft an der Universität Königsberg Dr. Ernst S i t t i g ist auf seinen Antrag zum 1. April 1929 aus dem preußischen Staatsdienst entlassen worden. Professor Sittig übernimmt den Lehrstuhl für vergleichende Sprachwissenschaft und Sia- w.stik in Tübingen und hat bereits seine Ernennung zum Ordinarius in der Tübinger Philosoph" schen Fakuttät erhalten.
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Sie M-lt»-"? Akzepts durch .de sMt dies n'chl strafbar. Aber a laus des Wechsel' ei-er Zuwcderhar des Dechfelsteutt ynperft:ucrte W feite unterzeichnt vornehmen, die anspruch zu verv
ebenso feie Schecks - bas ihnen angegebene den ge-ieben wer.
Die Wcchselstcuc 0,10 Mk. für je oi Ist in einem unoi lenDe Geldsumme r nach einer Summe Sri Wechseln, die i tag gestellt sind, ei gällig'eit des We und fünf Tage nac auf 0.20 Mark für teil später als ein ein, so erhöht sich 100 Mark. W je zeit der Wechsels, ine-, erhöht sich di 100 Mark der Wo
Hamburg.;
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" Allgem. 'i Man berichtet uns Mgmeine Deutsc abhielt, sprach Ct tzugendhnbergen zendwanherungei dahllneingeMih Umfang der Zug 1927 haben 2,5 oendhrrbergen st wgung noch n; ’uerft die Wand hat sich der $t freien vnausha Anregung zum ging aus van \ uerdandrs für Wahrend Im Ä bestanden, n?ui kur-cr Zeit an lmtechcht dem Haut geglieder puppen sind. Itandhaltung dj aus freiwillige Skat, die beitrügt und E, ^gestchts der fr cflörke z wm die verschie
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