Ausgabe 
11.12.1929
 
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Schönau lii-K,

Ur. 290 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, N. Dezember (929

Oie Untersuchung -es Gklarekskandals.

Notwendige Folgerungen.

Don unserer Berliner Redaktion.

Der Llntersuchungsausschuh des preußischen Abgeordnetenhauses be­müht sich seit einigen Wochen, in die Zusammen­hänge der großen Skandalaffäre, die für die Acichshauptstadt so kompromittierlich geworden ist, einiges Licht au bringen. Nicht mit allzu großem Erfolge. Gerade wenn es interessant wird, meldet sich die Staatsanwaltschaft und fürchtet Schaden für den Gang des gerichtlichen Verfahrens. Das Nebeneinander der par­lamentarischen und der gerichtlichen Untersuchung läßt sich nun einmal nicht durchführen, und das Parlament täte gut daran, deshalb grundsätzlich auf solch« kostspieligen Ausschüsse zu verzich - t c n. Immerhin, einiges Interessante ist doch schon klargestellt. Es hat sich gezeigt, daß, was wir schon längst wußten, der schwer f ällige bureaukratische Apparat von jedem gewiegten Geschäftsmann über den Haufen gerannt wird: es hat sich aber auch gezeigt, daß eine Kommunalverwaltung, deren Spitzen nicht nach ihrer persönlichen Eignung, sondern nur nach dem politischen Glau­bensbekenntnis ausgenuht werden, ihren schwierigen Aufgaben nicht gewachsen ist. Der halbe Magistrat ist durch dieses Disziplinar­verfahren kalt gestellt. Noch weih niemand, wie­weit der Kreis der Beschuldigten ausgedehnt wer­den kann.

Unbegreiflich genug, daß der Oberbürgermeister Böß auf seine Rehabilitation hofft, obwohl er doch zum mindesten das Gefühl haben mühte, dah er bei allen Parteien die Dertrauensgrund- läge verloren hat. Niemand kann ihm einen Dor- wurs machen, dah er etwa irgendwie an den Schiebungen selbst beteiligt wäre. Davon ist gar keine Rede. Aber die Rolle, die er vor bcm Untersuchungsausschuß spielte, war kläglich. Der Oberbürgermeister einer Diermillionenstadt kann sich nicht damit entschuldigen, dah alles hin­ter seinem Rucken geschieht, damit beweist er eben, dah er das Format nicht hat, das für seinen Platz verlangt wird. Er hat Schönheits­königinnen gekrönt, er hat mit den Hotels Krieg geführt, weil sie die schwarzrotgoldene Fahne nicht zeigen wollten, er hat sogar mit einer jungen Schülerin, der Offenbacherin Helene Mayer, ein Duell ausgefochten, weil sie bei den olym­pischen Spielen die schwarzweihrote Fahne ihr Bcreinszeichen gezeigt hatte.

So hatte er natürlich keine Zeit, sich um seine eigentliche Berwaltungsarbeit zu kümmern, und das Ende der Aera Böß ist nicht nur, dah Ber­lin, gelind« gesagt, mit dem Fluch der Lächerlich­keit beladen wurde, sondern auch, dah es in Finanzschwierigkeiten ist, die denen des Reiches nicht nachstehen. Allein an kurzfristigen Schulden hat Berlin über 400 Millionen Ver­pflichtungen, genau so viel wie das Aktien­kapital des größten Verkehrsunternehmens aus­macht. Wenn die Danken darauf drücken, könnten sie die Auslieferung dieses Unternehmens er­zwingen. Ein unmöglicher Zustand, der durch rücksichtslose Sparsamkeit beseitigt werden muß. Gerade deshalb aber ist es doppelt notwendig, dah der Oberbürgermeister nicht nur politisch den Parteien angenehm ist, sondern auch arbeiten kann und von der Verwaltung etwas versteht.

Daten für Donnerstag. 12. Dezember.

Sonnenaufgang 7.56 Uhr, Sonnenuntergang 15.51 Uhr. Mondaufgang 13.33 Uhr, Mond- Untergang 2.30 Uhr.

1766: der Dichter Johann Christoph Gottsched in Leipzig gestorben: 1821: der französische Dich­ter Gustave Flaubert in Rouen geboren.

Oer Bruder des Todes.

Von Gustav W. Ebenem.

Ein seltsames Abenteuer hat der Güterzug Nr. 5251 zwischen Albino und Orbetello erlebt. In einer dunklen Nacht stieh er an einem Bahn­übergang mit irgendeinem unvorschriftsmähigen Gegenstand zusammen. Der Lokomotivführer Guido und der Heizer Donato hielten die Fuhre an, stiegen ab und leuchteten mit der Laterne herum.

Run, da war nicht mehr viel zu machen. Auf zwanzig, dreihig, fünfzig Meter Strecke klebten die Schienen vor Blut, gottlob nur Trauben­blut. mit elenden Korbresten war der Bahnkörper besät, und die Holztrümmer lagen herum, als hätte eine Bombe eingeschlagen. 2m Graben stießen sie auf ein Pferd, das durch den Anprall des stärkeren Cisenrosses in die ewigen Hafer- gründe befördert worden war. Vxn Maschinisten stiegen die Haar« zu Berge was machte mit dem Fuhrmann geschehen (ein?

Sie rieben sich die Augen, sie rieben der La­terne die Augen wo tag er nur? Gleisauf, gleisab ging die Suche, Damm und Uebergang wurden noch einmal abgeleuchtet, sogar die an­liegenden Felder. Umsonst. Der Mann blieb ver­schwunden.

Das heiht: hatte ihn denn überhaupt jemand gesehen? Konnte es nicht so gewesen fein, wie es in der Umgebung Roms immer zu sein pflegt? Alle Kärrner schlafen. TagS oder nachts, das ist gleich. Mag sich der Gaul wie das Goe- thische Maultier im Nebel und Verkehr feinen Weg suchen. Die Signori Automobilisti sollen gefälligst ausweichen. Die Dahn auch

Man weih das gar nicht anders. Und da ist eben der Kerl im Schlaf vom Fuhrwerk her­untergefallen und schnarcht nun Gott weih wo im Straßengraben weiter. Soll er. Erleichtert fuhren Guido und Donato davon.

Unterwegs, als der Heizer nach der Schaufel griff, bemerkte er auf dem Tender schon wieder etwas Unvorschriftsmäßiges, ein unförmiges Dün- del, das vorher nicht dagewesen war. Blaß vor ahnungsvollem Schreck zog er es vorsichtig her­unter, und in der Tat, das Dündel röchelte! Der Kärrner denn er war es, würde die Courths-Mahler sagen lag in den letzten Zügen, er war schwerverletzt, vielleicht schon tot. Offenbar ist er durch die Wucht des Anpralls auf den Tender geschleudert worden.

LandwirWastliches Genossenschaftswesen

Zweier Kursus be'm Landwirtschaftlichen Institut der Landesuniversität Gießen.

Dritter (letzter) Tag.

Als erster Redner des dritten Tages des diesjährigen landwirtschaftlichen Genossenschafts­kursus sprach

Professor Dr. Sessous (Gießen) über:D i e Degutacytung landwirt­schaftlicher Sämereien. Er wies einlei­tend auf die Bedeutung der Kenntnisse der tech­nischen Vorschriften hin, welche für gewissenhafte Probenahme durch den Empfänger einer Samen­sendung in Frage kommt. Dor allen Dingen ist dabei auf die Herstellung eines dem Durchschnitt der Ware entsprechenden Musters zu achten, sodann spielt die Art der Verpackung je nach dem Zweck, den die Untersuchung erfüllen soll, ob auf Feuchtigkeit oder Keimfähigkeit zu unter­suchen ist, eine Rolle. An der Hand von Licht­bildern wurden in einleuchtender Weise die ein­zelnen Unterfuchungsmethoden vorgeführt. Hier­bei erfuhren die Zuhörer, welche Bedeutung bei der Ermittelung der Keimfähigkeit der Keim» schnelligkcit beizumessen ist und wie diese bei et­waiger Verzögerung auf Mängel im Saatgut hinweist. Die Mängel können, wie der Redner schilderte, und in Tabellen, sowie Abbildungen zeigte, in mangelnder Keimreife, aber auch in pathologischen Zuständen des Samens zu suchen sein. Der Vortragende zeigte, inwieweit es mög­lich ist, am Samen Herkunft und Sortenechtheit nachzuweifen. Auch auf die nur bedingte Be­deutung für die Bewertung von Handelsgetreiden durch die Bestimmung des Volumens (Hektoliter­gewicht) wies Prof. Dr. Ees s 0 us hin. Denn das Volumengewicht ist außerordentlich abhängig von der Kornform und vom FeuchtigkeitsgehUt. Für die Ermittlung hat es feine Bedeutung. Cs ist leider heute noch ein Maßstab zur Be­wertung von Handelsware, der höchstens noch eine Berechtigung hat beim Vergleich von Lie­ferungen derselben Ernte und derselben Sorte, ja auch derselben Gegend. 3m ganzen zeigten die sehr interessanten Ausführungen des Vor­tragenden, wie wichtig es ist, sich namentlich bei genossenschaftlichem Bezug von Sämereien der amtlichen Unterfuchungsstellen zu bedienen, um vor etwaigen Schäden bewahrt zu bleiben.

Professor Dr. hillringhaus (Berlin) schilderte als bster Redner denGenossen- fchaftlichen Geld umlau f. Er zeig e. aus­gehend von der Gründung der Kreditgenossen­schaften in Stadt und Land, wie diese dem ge­nossenschaftlichen Geldumlauf nutzbar gemacht, wie geno.senschaftliche Zentral assen in der F lgezeit gegründet wurden und wie, als Krönung ge­wissermaßen, die Preußische Zentralgenossen- schaftskasse in Berlin entstand, die heute das Geld- und Kreditinstitut für das gesamte deutsche Genossen'cha tswcsen ist. R Öner b sprach weiter das Zusammenar eiten der Kredilg nessenschaslen mit den Waren- und den Delriebsgenossen- schaften, die auch zur Besserung des genossen- schädlichen Geldumlau s beitragen. Insbesondere wurde bargelegt, dah die Kreditgenossenschaften die Pflege des Spargedankens nicht erst in neue­rer Zeit ausgenommen, sondern feit 3ahrzehnten den Kleinsparversehr in der mannigfachsten Weise angeregt und gefördert haben. Weiterhin wurden die Institute des Zweck-Sparens, besonders die des Bau-Sparens und die Hypotheken-Entschul- dungsinstitute, besprochen. Redner richtete zum Schluß einen Appell an die Teilnehmer, an ihrem Teil alles zu tun, um die durch den Kursus empfangenen Anregungen in die Tat umzusehen, um den genossenschaftlichen Geldumlauf weiter auszubauen, um auch dadurch mitzuwirken, die Krise der Landwirtschaft mit lösen zu helfen.

verbandsdireklor Berg (Darmstadt) sprach dann über das Thema: ,A npassung der landwirtschaftlichen Genossen­schaften an die Erfordernisse der

Zeit." Bei der Stärkung des Bauern spielt die Genossenschaft eine große Rolle, zoar nicht durch ihre Form, sondern durch ihre Geschmei­digkeit, Anpassungs, ähigk.it und ihre Zusammen­fassung kleiner und kleinster Betr.eöe zu einer einzigen großen wirtschaftlichen Stoßkraft. Die Zusammenfasfung muh aber ganz durchgeführt werden: die einzelnen Genossenschaften müssen ihrerseits restlos in Hauptverbänden und diese wieder in einer Zentrale zusammengeschlossen fein. Der Redner besprach sodann die einzelnen Arten von Genossenschaften, deren Tätigkeit und die Möglichkeit, ihre Leistungen za steigern. Bei allen Genossenschaften muß mögäa) gemacht wer­den, daß sie sich aus eigener Kraft heraus Be- triebsrcserven schaf.en. De zu tritt noch das Er­fordernis, den jungen Nachwuchs zum genossen­schaftlichen Eedan.ea zu erziehen, aber auch Stär­kung der genossenschaftlichen Treue bei den Alten zu erreichen. Zur Genossenschaft darf niemand ge­drängt werden: genossenschaftlicheMitläufer" müssen unbedingt beseitigt werden. Genossen­schaftliche Arbeit fordert ganze Männer und alte erfahrene Fachleute. Der Redner wies ferner darauf hin, dah nicht Dezentralisation, sondern Vereinheitlichung im Genossenschaftswesen heute das Gebot der Stunde ist. Nach langen Kämpfen und Verhandlungen ist denn nun auch dieser Weg mit Erfolg beschritten worden. Unter die­sen Gesichtspunkten wurden die Spar- und Dar- lehnskassen, Tez igs- und Ab.ahgenossenschaften, insbesondere die Milchabfatz-, Viehverwertungs-, Eier-, Obst- und Geinüse-Genos.enschaften be­sprochen. Zum Schluffe wurde darauf hingewie- sen, dah das Haupterfordernis stets bleibe, daß auch der letzte Mann von dem genossenschaftlichen Gedanken erfüllt werde.

An Stelle des erkrankten Präsidenten der Preuh. Zentralgenosfenschaftskasse Berlin, Dr. Klepper, be­richtete

Berbandsdireklor Berg

kurz überdie Rationalisierung im ländlichen Genossenschaftswesen". Er childerte die Entwicklung der Vereinigung der Der- chiedenen Genossenschaftsoerbände: des Reichsver- janbes landwirtschaftlicher Genossenschaften, des Raiffeisenoerbandes und der anderen genossenschaft­lichen Vereinigungen, und zeigte, daß, bevor ratio­nalisiert werden kann, zuerst eine gründliche Bereini­gung im Genossenschaftswesen statthaben müsse. Nachdem die Einigung der Spitzenverbände im Reich heute fast vollzogen ist, würden immer noch Korrek­turen nötig sein, die vor allem in einer gewissen finanziellen Schwäche ihren Grund haben. Für die Zukunft wird noch eine gründliche Revision nicht nur der einzelnen Genossenschaften, die bekanntlich ja bisher schon gehandhabt wurde, notwendig sein, sondern vor allem auch eine solche der Verbände und selbst der Zentrale. Nur dann wird man über die Schwächen Hinwegkommen, die der jetzt voll- zöge ne n Vereinigung noch anhaften. Nicht bloß Selbsthilfe und SelbftDeranlroortung, sondern auch Selbstverwaltung sind Grundbedingung für ein ge­deihliches Bestehen der Genossenschaften. Wenn das alles vorhanden ist, wird die Vereinheitlichung in Erfüllung gehen.

Generalsekretär Griesar (Frankfurt)

betonte zum Schluß, daß durch weiteren Ausbau innerhalb der Genossenschaften sowohl wie auch durch Förderung des Genossenschaftswesens durch die Wis­senschaft die Möglichkeit bestehe, Wirtschaftskrisen zum guten Teil zu lindern. Darum gebühre dem Landwirtschaftlichen Institut ganz besonderer Dank, daß es wieder zu einem Genossenschaftskursus Ge­legenheit geboten habe, bei dem Theoretiker und Praktiker in gleicher Weise zu Wort tarnen. Namens der drei Verbände Darmstadt, Frankfurt und Wies­baden sprach er der Hessischen Landesuniversität und insbesondere dem Landwirtschaftlichen Institut für die Veranstaltung feinen Dank aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß alle Teilnehmer befriedigt

Zitternd horchte Donato auf die allerletzten schweren Seufzer, verwundert meinte Guido, es komme ihm vor, als fei das fein Röcheln, son­dern ein Schnarchen.

Der Mann, um die Sache kurz zu machen, der Wann, perbacco, schlief! Hatte auf seinem Karren geschlafen, hatte während des unfreiwilligen Uebergang« auf den Tender geschlafen und schlief und schnarchte immer noch. Es war keine Kleinig­keit, ihn wach zu kriegen, und wer das nicht glaubt, der ist eben noch nicht auf einer römi­schen Landstraße im Auto gefahren.

Verletzt war er gar nicht. Gleich nach dem Ausbruch gestern abend, erzählte er, als er von seinem Abenteuer vernahm, fei er eingenickt und habe gehofft, bis zum Morgen dösen zu können. Nun müsse er ja wohl leider von der nächsten Station aus zu Fuß zurücklaufen. Immerhin wolle er unterwegs der Madonna eine Kerze stiften, das glückbringende Widderhorn unter 'seinem Karren habe sich halt doch wieder ein­mal bewährt.

Eine Mutter spricht mit ihrem Sohn.

Tief unten in der Antarktis, inmitten des gro­ßen weißen Schweigens, eine Ewigkeit entfernt vom Broedway und allem Lärm der Zivilisation, hat der Commander Byrd mit einem Häuflein harter Männer sein Quartier ausgeschlagen.

Das Geheimnis des Abenteuers breitet sich über die kleine Schar, aber es kommen Stimmen zu ihnen, hinweg über die Unendlichkeit des Raums, es braucht nur einer in das Mikrophon zu sprechen, und schon geschieht ein Wunder.

Ein« Mutter hatte Sehnsucht. Und nach Ver­abredung des Zeitpunktes trat die Mutter des Commanders Richard Byrd vor das Mikrophon und sprach diese Worte:

Guten Tag, mein Junge. Bist du da? Wenn ich daran denke, daß Tausende von Meilen zwischen dir und mir liegen, und dah du jetzt in diesem Augenblick, meine Stimme hörst, schüt­telt es mich doch ein wenig. Und du, was wirst du fühlen? Ich versuche, es mir auszu- malen, mein Junge. Ich bin heute nachmittag von Winchester nach Richmond gefahren, ganz allein im Automobil, um mit dir sprechen zu können allerhand für eine alte Frau von 67 Jahren, nicht wahr? Ich lebe nämlich wieder

in Winchester. Wie das kommt? In Richmond ist es gewiß schön, und ich mag sehr gern do« sein, aber bei Tom und Margarete ist es doch noch schöner. Die ganze Familie ist wohlauf, deine Kinder, Mary und wir alle, du brauchst dich nicht zu sorgen. Oft träume ich von dir. Wie unsagbar glücklich werde ich sein, wenn du in Neuyork wieder an Land gehst, mein herr­licher Junge! Mein Glaube, daß du mit allen deinen Begleitern zurückkehrst, ist unerschütter­lich. Jeden Tag bete ich für euch alle. Sehr ängstlich bin ich wegen deiner geplanten Flüge. Aber auch die wirst du machen, mein Junge, ich glaube an dich! Ich weih auch, daß du und ihr alle immer, immer in Gedanken zu Hause weilt. Grüße deine Männer von mir, Richard. Ich werde jedem einzelnen di« Hand drücken, wenn ihr wiederkommt: es sind prachtvolle Leute! Seit du weg bist, hat sich hier wenig verändert .,. aber nun ist die Zeit um, ich muh aufhören. Alle Liebe für dich, mein Junge! Leb Wohl!"

So sprach die Mutter des Commanders Richard Byrd über eine Ewigkeit hinweg, und die Eis­bären wischten eine stille Träne aus den Augen.

Anderen Tages erhob sich ein Flug «ug in die Luft, und in dem Flugzeug s ah ein Mann, der gestern die Stimm« seiner Mutter gehört hatte, iubel war in seinem Herzen, und der Südpol lag ihm zu Füßen. V. K.

Wilde schreiben Romane.

Die Zivilisation schreitet schnell und ist in ihrem Siegeslauf um die Erd« schon zu den ent­ferntesten Völkerstämmen gedrungen, lieber all auf den Inseln der Südfee findet man heut­zutage Grammophone, Rundfunk und Aehnlv» ches, und aus Neu-Guinea, das solange eine Hochburg menschlicher Wildheit war, kommt jetzt fogar die Nachricht, dah die Eingeborenen eine eigene Zeitung herausgeben! Daß es einem solchenWilden-Blatt" nicht an Stoff fehlen werde, sondern di« Beiträge reichlich eingehen dürften, behauptet der Forschungsreisende Jack McLaren, der ein ausgezeichneter Kenner dieser Gegenden ist. Er hat auf feinen Reisen verschie­dene Wilde getroffen, die sich als Schriftsteller versuchten.Ein bißchen Erziehung in einer Missivnsanstall oder einer Schule veranlaßt die Eingeborenen nicht selten dazu, ihre Schreib­künste zu verwerten und ihrer Phantasie freien Sauf zu lassen," erzählt er.So zeigte mir

von Gießen scheiden und recht viel« segensreiche An­regungen mit hinaus in die Praxis und ihre Tätig­keit nehmen mögen.

Der außerordentlich zahlreiche Besuch und das große Interesse, das von den Teilnehmern ein den Tag gelegt wurde, beweist, dos; die Veranstaltung derartiger Kurse in der heutigen Zeit, die den ein- zelnen Landwirt und seine Organisationen vor eine Reihe schwerwiegender Fragen stellt, eine Notwen­digkeit geworden ist.

Aus der provinzralhauptstadt.

Gießen, den 11. Dezember 1929.

iionaleSpvosllion und Volksentscheid"

In einer gut besuchten öffentlichen Versammlung, die am Montagabend aus Einladung des Ausschusses für den Volksentscheid in der Turnhalle am> waldsgarten stattsand, sprach Dr. Stabiler (Ber lin) vom Bundesamt des Stahlhelms über das Thema:Nationale Opposition und Volksentscheid". Der Redner beschäftigte sich einleitend in kritischer Weise mit der Demokratie und der daraus erftanbe-- nen Regierungsform, er besprach fobann bi« ver­fassungsrechtlichen Bestimmungen für das Volks begehren und für den Volksentscheid und erläuterte hierauf unter Anwendung scharfer Kritik gegen die Regierung und das Parlament den Inhalt des Volksbegehrens. Durch das vorgeschlagcne Gesetz solle die deutsche Regierung nach der Forderung des § 1 zur Widerrufung der Kriegsschuldlüge durch offi­zielle Noten an sämtliche Unterzeichner des Ver­sailler Vertrages gezwungen werden. Weiter werde die Aufhebung der §§ 429 und 430 des Versailler Vertrages gefordert (Besetzung der Rheinland«) und im §3 die Zustimmung zu dem ^oungplan ent­schieden abgelehnt. Damit nicht Abkommen unter­schrieben würden, die dem Parlament Vorgriffen und für das deutsche Volk schädlich seien, sei ber § 4 in dasFreiheitsgesctz" ausgenommen worden. Di« in diesem Paragraphen vorgesehene Strafbe­stimmung bezeichnete der Redner als unbedingt not­wendig, da ooch ein Abschreckungsmittel gegen et­waige Neigungen zu Handlungen nach der bisheri­gen Art der internationalen Abmachungen vorhan­den fein müsse. Der Redner beschäftigte sich weiter u.a. mit der Frage der Kommerzialisierung der deutschen Kriegsschuld, polemisierte gegen Severing und Braun, wie überhaupt gegen die Regierung, besprach die Abbröckelung in Der Deutschnationalen Volkspartei und erklärte schließlich, die im Reichs­ausschuß vereinigten Parteien und Bünde lehnten das bisherige Regierungssystem als ganzes ab. Sie wollten eine radikale Acnderung des politischen Kurses durch die Abschaffung dieses Systems. Wenn sie erklärten, sie wünschten einen anderen Staat, so bedeute das, daß sie andere Menschen in der Staats­führung, an di« Stelle der Etappe den Frontsolda­ten, anstatt Herrschaft der Minderwertigkeit Herr­schaft ber - hochwertigen Menschen setzen wollten. Eine andere Führcrauslese fei erforderlich, ebenso auch eine andere Fahne, für die Menschen wie­der sterben könnten. Alle Gruppen im Reichs- ausschuh seien einig in der Bekämpfung des heutigen Systems und in der Entschlossenheit, mit diesem System endgültig aufzuräumen. Die nationale völkische Opposition, die dem deutschen Volke zurufe, den Tributplan nicht zu unter­schreiben, habe den Glauben einer Minderheit, daß sie mit der Mehrheit fertig werden könne. Sie werde Severing und Braun herunterholen von ihrer Machthöhe, sie werde dem parlamen­tarischen System d.en Garaus machen und es durch eine andere Staatsordnung zu ersehen wissen, sie werde dem Klasfenkampfsystem ein Ende machen und einem neuen System freie Bahn bereiten. Sie werde bei dieser Säuberung auch Galgen bereitstellen, damit in Deutschland die Anständigkeit, die Tüchtigkeit, der Fleiß und die Bravheit wieder den Schutz des Staates ge­nießen könnten. Damit es dazu komme, müsse sich jeder einreihen in die kämpfende Front der na- tionalen Opposition, opfern und nur das Ziel im Auge haben:Nicht ich, sondern das Vater­land!" 3m Anschluß an den mit lebhaftem Bei­fall ausgenommenen Vortrag wurde eine Aus-

ein Eingeborener auf einer Südseeinsel eine Geschichte, di« er geschrieben hatte und di« einen recht wunderlichen Inhalt aufwies. Sie begann mit einem Streit zwischen zwei Einge­borenen um den Besitz einer Frau, schilderte dann, wie die Dorfbewohner Partei ergreifen und es zu einem wilden Kampfgemenge kommt, bei dem Keulen und Speere eine große Rolle spielen. Dies« Geschichte endete damit, daß die Frau beide Bewerber verschmähte und mit einem dritten davvnlief. Das alles war in einem höchst wunderlichen Englisch geschrieben: aber der Verfasser war sehr stolz darauf und ver­langte von mir, ich solle das Werkim Lande des weißen Mannes" veröffentlichen. Ein an­derer primitiver Schriftsteller lebte auf den Karolinen: er hatte eine Art Parabel versaßt, in der er die japanische Regierung, die die Karolinengruppe als Mandat verwaltet, wütend angrisf, weil sie die alten Sitten und Bräuche der Eingeborenen vernicht«. Er bat mich, ihm feinen Stil zu verbessern, aber nachdem dies geschehen war, blieb von seiner Arbeit kaum noch etwas übrig. Ein anderer dieser wilden Dichter, der auf den Salomo-Inseln heimisch war, hatte den Versuch gemacht, einen ganzen Roman zu schreiben. Er war auf einer Missions­anstalt unterrichtet worden und zeichnete seine Dichtung auf allen möglichen Papierfetzen, di« er sich zusammengesucht hatte, mit Stücken ge­spitzter Holzkohle auf. Das merkwürdig« Manu­skript bestand in einem großen Hausen solcher Papiere, die in einer Ecke feiner Grashütte aufgebäuft waren. Er riß einzelne Stücke dar­aus hervor und las sie mir Dor; ich entnahm daraus, daß es sich um eine Geschichte von Eingeborenen handelte, die von einem Schurken, eenem weißen Mann, betrogen wurden. Er war sehr stolz auf sein Werk, und wie er so auf einer Matte auf dem rohen Fußboden seines Hauses faft und in gebrochenem Pidgin-Englisch einzelne Stellen mit lauter Stimme deklamierte, schien mir dies Erlebnis eins der merkwürdigsten, die ich in meinem Leben gehabt habe. Er wurde aber im Dorf mit größtem Mißtrauen betrachtet, denn man glaubte, daß seine seltsame Schreib­arbeit irgend etwas mit Zauberei zu tun Hobe, und schließlich wurde fein Haus auf geheim­nisvolle Weise angesteckt, wobei das ganze Ma­nuskript verbrannt«. Ich habe guten Grund, anzunehmen, daß die Brandstiftung zu diesem Zwecke geschehen war."