Ausgabe 
11.12.1929
 
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Der Hessische Landtag billigt den Vertrag mit der Evangelischen Kirche.

Darmstadt, 10. Dez. Präsident Delp er­öffnet die Sitzung bei schwach be'etztem Haus. Debattelos Mrd das Gesetz über die Derläng:- rung der Amtödauer der im Jahre 1925 cewöhl- ten Beigeordneten auf neun Jahre in zweiter Lesung gebilligt. Ohne Aussprache genehmigt werden ebenso die Beschaffung von Badewäsche und bauliche Herst llungen in Bad- Nauheim und Bad Salzhausen, eine Aenderung des Llrfundmstcm e gefetzes (Erm hi- gung der Wassmh nd lsg'r n) und der Cu- sammensch^ der Kommunalen Landesbanr und der Hessischen Girozentrale. Der Bau rnbund- Antrag, betr. Einschlepvung von Vieh­seuchen durch auh rh ssische Viehh rden auf fiskalischen Wiesen wird für erledigt er.lärt. doch soll die Regierung größte Zurückhaltung bei der Zulassung solcher Herden beobachten und ent­sprechend auf die Gemeinden einwirien.

Zu einer Großen Anfrage des Abg. Dr. Wer­ner stellt b't Arbeit ^Minister Korell fest, daß in der Frage der Verunreinigung der Hor­loff schon gew'sse Drb ss rangen cr o gi seien. Abg. Fenchel (Dbd.) und 2lbg. Dr. Werner (fraktionslos) fordere erneut dringend Ab­hilfe. da sich die Zustände kaum gebessert hätten. Arbeitsminister Korell sagt das zu, doch dürfe anderseits eine Beeinträchtigung des Betriebes der Jndustriewerke mit ihrer g.otzen Arbeiterschaft nicht eintreten. Die Verhältnisse würden auch wegen der Verpestung der Luft dauernd kontrolliert.

Es wird dann das Steuervorauszah­lung s g e s e h in der Ausschußessung ohne De­batte verabschiedet.

Die Regierungsvorlage über die Aenderung der Gebührenordnung für die hessi­schen Notare und des hessischen Gerichts- kostengesehes (Eintragungen in die Register der freiwilligen Gerichtsbarkeit) wird mit den Ab­änderungsbeschlüssen des Ausschusses verab­schiedet. Das Haus genehmigt noch die Gobührenfreiheit für die Eintragung von S-icher- heitshypotheken des Staates bei der Umstellung der Landwirtschaft im Hohen Vogelsberg. Wegen der Aufhebung des Finanz­amtes Homberg (Oberhessen) erklärt die Regierung, in dieser Angelegenheit sei seit an­derthalb Jahren vom Reichsfinanzminister nichts mehr geschehen, und es dürfe angenommen wer­den, daß sie aufgeschoben worden ist. Der Arbeitsminister erklärt, ihm sei von Absichten der Reichsregierung auf Erhöhung der Mieten für Altwohnungen über 120 Prozent hinaus nichts bekannt.

Es folgt dann in einer Abendsitzung die Bera­tung der Regierungsvorlage über

die Vereinbarung

mit der Evangelischen Landeskirche

Abg. Dr. Keller (DVP.) spricht im Namen sei­ner Fraktion dem Kultusminister den Dank dafür aus, daß das Verhältnis zwischen Staat und Kirche endlich der Lösung nähergebracht werde. Mit dem gleichen Wohlwollen werde seine Fraktion auch der demnächstigen Vorlage über die Auseinander­setzung mit der katholischen Ki rche ge- aenüberstehen. In anderen Ländern sei für die Kirche bisher mehr geleistet worden als in Hessen. Seine Fraktion stimme der Vorlage trotz mancher Bedenken zu einzelnen Punkten im vorliegenden Wortlaut zu.

Staatspräsident Dr. Adelung erklärt, die Regierung habe sich bei ihrer Vorlage nur von rein realpolitischen Gesichtspunkten leiten lassen. Die Frage der bisher den Kirchen zugeführten Darlehen und Zuschüsse habe dringend einmal der Nachprüfung bedurft. Die Staats- Zuschüsse betragen für die evangelische Kirche seityer jährlich 483 720 Mark, die Staatsdar - lehen 388970 Mark. Damit glaube der Staat, alle Ansprüche der Kirche erfüllt zu haben, die aus Artikel 173 der Reichsverfassung gestellt wer­den könnten. Wenn die evangelische Kirche ge­glaubt habe, höhere Ansprüche vertreten zu können, hätte sie die ordentlichen Gerichte anrufen können. Man habe sich jedoch gütlich auf eine zwischenzeit­liche schiedsgerichtliche Behandlung der Frage ge­einigt. Der Staatspräsident legt dann nochmals ein­gehend die rechtliche Seite der Verhandlungen dar, wie sie in der Vorlage schon kurz enthalten ist.

Oie Abgeordneten Koch und Neichert treten aus.

Im Einvernehmen mit ihrem Wahlkreis Düsseldorf-Ost.

Düsseldorf. 10. Dez. (WB.) Der Parteitag der Deutschnationalen Volkspartei, Landes­verband Düsseldorf-Ost, beschäftigte sich mit den Austritten aus der Fraktion und der Partei und erklärte, er stehe fest zu den Ab­geordneten seines Wahlkreises. Die beiden Abgeordneten, denen der Parteivorstand sein Vertrauen aussprach, sind Minister a. D. Dr. Koch und Dr. Reichert, die aus derFrak- tion austraten.

Der Deutschnationale Arbeiterbund im Wahl­kreis Düsseldorf-Ost faßte eine Entschließung, in der es u. a. heißt: Wenn es noch eine Möglich­keit geben sollte, im Rahmen und im Sinne des deutschnationalen Parteiprogramms die Kräfte erneut zu einer großen Bewegung zusammenzu- fassen, so hat der Versuch nur Zweck, wenn 1. der gegenwärtige Parteivorsihende sofort von seinem Amt zurücktritt, 2. die Parteileitung neugestaltet wird, 3. die Partei auf der ganzen Linie zurück­kehrt zu ihrer alten Grundlage: für Vaterland, für Christentum und für gesunde Sozialreform!, und 4. die Bedeutung der Arbeitnehmerschaft als eines in jeder Beziehung gleichberechtigten Teiles der Volksgemeinschaft grundsätzlich und praktisch anerkennt.

Protestkundgebung der Zentner.

Berlin, 10. Dez. (WTB.) In der Phil­harmonie fand eine stark besuchte Protest­kundgebung des Deutschen Rentner­bundes statt. Im Anschluß an eine Reihe von Reden wurde eine Entschließung gefaßt, in der schärfster Protest gegen die Maßnahmen der Reichsregierung, die ihre Gläubiger noch weiter-

Abg. Schreiber (Dem.) stimmt der Vorlage zu, wenn er auch zahlreiche Bedenken gegen einzelne Bestimmungen geltend macht. Er be­dauert das Versagen der Rechtsfakultät der Llniversität Gießen bei der Erstattung des an- geforderten Rechtsgutachtens. Er fordert außer­dem. daß die Erstattung von Anwaltskosten aus­geschlossen sei.

Ministerialrat Dr. Hesse weist die Angriffe gegen die Gießener Llniversität zurück. Die Frage der Rückzahlung der echten Darlehen an die Kirchen könne nur durch eine Entscheidung ge­löst werden. Hier könne ein Gutachten nicht weiterhelfen.

Abg. Dr. Müller (Bauernbund) bedauert, daß es nicht möglich sei, die Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche gleichzeitig zu behan­deln. Er polemisiert dann gegen einzelne Be­hauptungen des demokratischen Redners und stimmt schließlich der Vorlage zu.

Auch der Abg. Axt (Vrp.) und Heräus (Dntl.) stimmten der Vorlage zu.

Abg. Kaul (Soz.) erklärt, daß die Mehrheit seiner Fraktion sich für den Vertragsentwurf bereiterklärt habe in der Lieberzeugung, daß ein Schiedsgerichtsverfahren für den Staat immer noch günstiger fei als eine Entscheidung des Reichsgerichts.

Abg. Dr. Werner (wild) nimmt Anstoß daran, daß für die Demokraten ein Katholik gesprochen habe.

216g.Dr.Reiber (Dem.) bedauert das we­nig geschmackvolle Aovum, daß die kon­fessionelle Zugehörigkeit eines Fraktionsredners hervorgehoben wird. Er als Protestant mache sich die Ausführungen des Abg. Schreiber aus­drücklich zu eigen.

Abg. Heinstadt (Zentr.) erklärt, weil er von dem Abg. Werner zitiert worden sei, das Zen­trum habe es nie daran fehlen lassen, konfessio­nelle Parität zu wahren, was in den Kreisen um Dr. Werner nicht immer der Fall sei. Selbst­verständlich trete das Zentrum auch für die Rechte der evangelischen Kirche ein.

In der Abstimmung wird die Vorlage in der Fassung der Regierung unter Ablehnung aller Abänderungsanträge auch mit den Stim­men der noch anwesenden Sozial­demokraten angenommen. Annahme fand auch ein demokratischer Antrag, daß anfallende Anwaltskosten zu Lasten der bestellenden Par­teien gehen sollen.

Um 20,30 Llhr entläßt Präsident Delp die Abgeordneten und die Presse mit den besten Wünschen für froh« Festtage.

Der Prozeß gegen den Grafen Gio'Herg- Wernigerode.

Oie Vernehmung der Schießsachverständ gen. Oie Gutachten der Psychiater.

Hirschberg, 10. Dez. (WTB.) In der heutigen Sitzung wurden die Polizei- und Kri­minalbeamten vernommen, die die Ermittlungen über die Todesursache des Grafen Eber­hard vorgenommen haben. Der Jannowiher Ober­landjäger Beier, der sofort am Tatabend zu der Leiche gerufen wurde, kam zu der Auffassung, daß nur Graf Christian die Hand im Spiel haben konnte. Er habe nie etwas ge­merkt^ daß ein gespann es Verhältnis zwischen Vater und Sohn bestand. Der nächste Zeuge, Kriminalrat Hoppe, Berlin, schilderte, wie der Angeklagte zu dem Geständnis kam. Er habe endlich auf die klare Frage, er solle doch nun endlich sagen, ob er den Schuß ab­gegeben hätte, offen erklärt: ,,Ja!" Auf die Frage, warum er die Wahrheit nicht schon längst gesagt habe, erwiderte er: Man hat mich falsch behandelt. Auf die Frage: War es nicht ein Mord? antwortete er: Das kommt nicht in Frage. Erst bei seiner zweiten Vernehmung durch die Berliner Kriminacholizisten habe er seine Aussage ergänzt, und zwar im wesentlichen in der Form seiner jetzigen Darstellung. Kriminal- rat Hoppe hatte nicht den Eindruck, daß der Angeklagte absichtlich log, sondern daß diese Ab- weichungen in seiner Ratur lagen.

Der Berliner Krimina.tommissar Braschwitz schilderte den Angeklagten als einen sprunghaften Menschen, der, je mehr er redet, sich um so mehr vom Kern der Sache und damit von der Wahr­heit entfernt, aber nicht bewußt lügt. Der Zeuge hielt den Angeklagten auch für fähig, einen Mord zu begehen, zumal sich keine Motive dafür finden. Auch für eine Affekthandlung habe sich kein Anhaltspunkt ergeben.

Schießsachverständiger P r e u fj, Leiter der waffenlechnischen Llntersuchungsanstalt in Bad Saarow, führte sodann aus: Die Handhabung des Gewehrs durch den Angeklagten ist faselig. Der Angeklagte muß entweder an den Abzug ge­kommen sein oder das Gewehr war gestochen. Auf die Frage des beisihenden Richters erklärt der Sachverständige, er sehe nicht Fahrlässigkeit, sondern Llngeschicklichkeit. Ingenieur Schmutz er er, der zweite Schietzsachverständige, wies auf eine weitere Möglichkeit hin, nämlich, daß das ungestochene Gewehr durch einen Schlag von rückwärts gegen den Ste­cher losgeht. Er betonte ferner, daß beim ersten Lokaltermin dem Angeklagten mehrmals die Lösung des Schusses durch einfachen Schlag auf das Gewehr gelungen sei. Ein gezielter Schuh würde nach Ansicht des Sachverständigen

tiefer gegangen sein. Die tatsächliche Schußverletzung sei aber beinahe nur ein hoher Streifschuß geworden. Da sich keine Verbrennung und keine Pulverspuren gefunden haben, kamen beide Sachverständige zu dem Ergebnis, daß es sich nicht um einen Nahschuß handele.

Es kamen dann die psychiatrischen Sachverstän­digen zu Wort. Llniversitätsprofessor Dr. Schultze (Göttingen), der den Angeklagten etwa ICO Tage bei sich hatte, führte u. a. aus: In der Familie ist eine Reihe Geisteskrank­heiten festzustcllen. Dem Mangel anSchul- kenntnissen steht beim Angeklagten ein ver­hältnismäßig großes praktisches Wissen gegenüber. Im Wesen ist er höflich, liebenswürdig, zuvorkommend und bescheiden. Von der Anwend­barkeit des Paragraphen 51 kann gar keine Rede sein. Man ist auch nicht berechtigt, ihn auch nur für berminfcert zurechnungsfähig zu halten. Der Angeklagte istsürseine Tatverantwort- l i ch. Ein schwacher und infantiler Mensch wie er muhte die Besinnung nach dieser Tat ver­lieren. Infantile Menschen neigen auch dazu, sich selbst von Schultz freizusprechen und andere zu beschuldigen. Berücksichtigt man, daß der Ange- klagte etwas ganz Ungewöhnliches erlebte, so ist es Wohl verständlich, dah ihn die genaue Er­innerung in die Vorgänge bei der Tat verlieh. Es ist mir übrigens auch noch nie vorgekommen, dah sich ein Angeschuldigter selbst so belastet hätte. Er sagte: Ich habe gekämpft wie ein wildes Sier! War es gegen einen Entschlich zum Morde? Er selbst sagt, es sei der Heberfall gewesen, gegen den er sich wie ein wildes Tier hätte wehren müssen. Vielleicht war es ein Kampf, in dem er sich wehrte gegen die eigene Einbildung. Ich halte ihn nicht für fähig, dah er alles das ge­schwindelt haben könnte, was er sagte.

Sanitätsrat Dr. Colla hat den Angeklagten nach der Tat lange Zeit beobachtet. Er bekundet u. a.: 2m Anfänge meiner Llntersuchung des Angeschuldigten siel mir mitunter ein momen­tanes, aber auch minutenlanges Versagen der gei­stigen Kräfte auf. Er war für alles sehr inter­essiert. Seine Aufnahmefähigkeit belferte sich von Tag zu Tag: doch ennüdete er immer noch bei längeren Besprechungen. Ich habe den Ange­klagten nur als streng wahrheitsliebend kennen­gelernt. Es kommt oft auf die Persönlichkeit an, die plötzlich ein Geständnis herausholt. In die­sem Falle ist das vielleicht Kriminalrat Hoppe oder die Art seiner Fragestellung gewesen. Zu dem langen Leugnen gehört also feine besondere Energie.

hin im Gegensatz zu Grundsätzen von Recht und Gerechtigkeit als Almosenempfänger be­handeln wolle, erhoben wird. Es wird sch'.e lste Anerk.nnung des Rechtsanspruchs an Stelle der jedes wahren Mitleides baren Für­sorge gefordert. Die Versammlung müsse vom Reichskanzler fordern, daß er sein vor dem Reichstag abg g b:nes Verspreche r einlöfe. Ins­besondere mühten in erster Linie die bedürftigen, alten oder erwerbsunfäh gen Gläubiger berück­sichtigt werden. Dies habe zu geschehen durch die schleunigste Schaffung eines Rent­nerversorgungsgesetzes.

Das neue Kabinett in Prag.

Nach ungefähr sechswöchigen Bemühungen ist es dem früheren Ministerpräsidenten LIdrzal gelungen, eine Regierung auf die Beine zu stellen. Aus bet grünroten Front ist aller­dings nichts geworden. Lldrzal hat eine ganze Reihe bürgerlicher Parteien heranziehen müssen, hat aber auch auf die Sozialisten nicht verzichten können. Infolgedessen ist eine bür­gerlich-sozialistische Konzentra­tionsregierung zustande gekommen, hinter der 46 tschechische uno 16 deutsche Agrarier, 25 klerikale Volksparteiler, 14 Nationaldemo­kraten, 12 Gewerbeparteiler, 43 tschechische und 21 deutsche Sozialdemokraten, 32 tschechische Na­tionalsozialisten, zusammen also 113 bürgerliche und 96 sozialistische Abgeordnete stehen. Nicht herein genommen sind die deut­schen Ch r i st l i ch s oz i a le n, die im vorigen Kabinett waren und die slowakische Volks- Partei, die in der früheren Regierung eine maßgebende Rolle spielte. Wie das Kabinett, das an Buntscheckigkeit nichts zu wünschen übrig läßt, praktisch arbeiten will, läßt sich im Augen­blick noch nicht übersehen. Das Deutschtum wird auch diesmal so gut wie gar nichts von der Regierung Lldrzal zu erwarten haben. Der Agrarier S v i n a erhält das Gesundheits­

ministerium, der Sozialdemokrat Czech das So­zialministerium, zwei Ressorts die für das Deutschtum selbstverständlich von nicht allzu- großer Bedeutung sind.

Aus aller Wett.

Die feierliche Uebecreichung der Nobelpreise.

Im Großen Saal des Konzerthauses in Stock­holm fand in Anwesenheit des Königs, des Kronprinzenpaares und anderer Mitglieder der -königlichen Familie, der Mitglieder des Nobelinstituts, der Akademie der Wissenschaften und anderer wissenschaftlicher Körperschaf en so­wie der Spitzen der Behörden die feierliche Lieberreichung der Nobelpreise für 1929 statt. Die sechs Nobelpreisträger Louis Dietor.de Broglie, A. Harden, H. von Euler-Chelpin, F. G. Hopkins und Thomas Mann waren erschienen. Der ehema­lige Ministerpräsident Hammerskjoeld hielt, ass Vorsitzender des Verwaltung l-rates ter Nobelstiftung, die Begrüßungsansprache. Hier­aus richtete Llniversitätsprofessor O s e e n aus Llpsala eine Ansprache an die Träger des Physik­preises, die sodann aus der Hand des Königs das Diplom, die Medaille und den Preis emp­fingen. In gleicher Weise wurden nach Anspra­chen des Sekretärs der Akademie der Wissen­schaften, Professor Soederbaum und von Professor L i l j e st r a n d die Preise für Chemie und Physiologie überreicht. Hierauf hielt der schwedische Literaturhistoriker Pros. Dr. D 5 ö k, Mitglied der Schwedischen Academie, in deut­scher Sprache eine Rete, in der cr öie Ver­dienste des deutschen Trägers des ßiteratur- preifes Thomas Mann eingehend würdigte. Den Abschluß der Feier bildete der Gesang der schwedischen NationalhymneDu gam(a, fria". Der König unterhielt sich noch längere Zeit mit den Preisträgern und den Mitgliedern der Nobelstiftung. Später fand das traditionelle F e st b a n k e 11 statt. Den Toast auf die neuen Nobelpreisträger brachte

Professor I. G. Johansson aus, der u.a. sagte, er sei davon überzeugt, daß sich Thomas Mann in dem Lande, das seiner eigenen Heimat so nahe liegt, wie zu Hause fühle.

Brandkalastrophe in einem Neuyorker Jilmafelier.

In dem dreistöckigen Backsteinatelier der Man­hattan Studios Company und der Paths- Filmverleihgesellschaft in Neuyork brach ein Brand aus, der mit großer Schnelligkeit um sich griff und das Gebäude zum größten Teil zerstörte. Das Ate­liergebäude liegt inmitten mehrerer Mietskasernen am Harlemfluß in dem dicht bevölkerten, größten­teils von Negern bewohnten Stadtteil Harlem. Zur­zeit des Brandes befanden sich etwa 75 Perso­nen in dem Gebäude. Etwa 50 Schauspieler und Schauspielerinnen waren um 10 Uhr vormit­tags mit den Aufnahmen zu einem Tonfilm beschäf­tigt, als plötzlich aus einem Samtvorhang im hin­teren Teile der Bühne Flammen schlugen. Das Feuer, das in dem Filmmateriab.reiche Nah­rung fand, breitete sich mit größter Schnelligkeit aus. In kurzer Zeit waren alle Ausgänge durch die Flammen zerstört. Zahlreiche Personen retteten sich mit knapper Not durch einen Sprung aus dem Fen st er, wobei mehrere von ihnen Verletzungen erlitten. Neun Personen kamen bei dem Brand um.

Der Bxand wird darauf zurückgeführt, daß einer der bei den Aufnahmen beschäftigten Darsteller heimlich eine Zigarette zurauchen ver­sucht hat. Die Sicherungseinrichtungen entsprachen nicht den Anforderungen der Bau- und Feuerpolizei. Das Unglück wurde noch dadurch verschlimmert, daß bei Ausbruch des Brandesalles heraus" ge­rufen wurde. Da dies die Übliche Formel ist, mit der die Schauspieler täglich auf die Szene ge­rufen werden, hielten die meisten Darsteller die Wiederholung des Rufes für einen Scherz und beeilten sich nicht, ihre Ankleidezimmer zu verlassen.

Umfangreiche Unterschlagungen beim kreis VII des Deutschen Schwimmverbandes.

Der erste Vorsitzende des Kreises VII des Deut­schen Schwimmverbandes, Dr. LI n n e r, Dresden, hat umfangreiche Llnterschfagungen begangen. Dr. Linner lieh sich bei der sächsischen Wohl­fahrtshilfe Kredite in Höhe von 250 000 Mark für Vereine geben, die überhaupt nicht existieren. Das auf diese Weise erlangte Geld verwandte Dr. Linner für s i ch. Außerdem hat er sich schwerer Llr- kundenfätschung schuldig gemacht. Die von Dr. Linner unterschlagenen Beträge lassen sich heute noch nicht übersehen, jedoch werden Summen bis zu einer halben Million genannt Das unter großen Opfern geschaffene Schwim­merheim des Kreises VII in Dresden ^irö dem Kreis nun wahrscheinlich verloren gehen.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Nachdem durch die Zufuhr kühler Luft und dem ansteigenden Luftdruck die Herausbildung von ruhigerem und kälterem Wetter gegeben war, zeigt sich heute wieder eine Störung über den britischen Inseln, die Anlaß zur Fortdauer des unbeständigen Wetters gibt. Erneute Warmluft verursacht von Westen her kräftigen Temperaturanstieg, lieber Frankreich und England waren die heutigen Mor- gentcmperaturen 4 bis 6 Grad höher als vor vier­undzwanzig Stunden. Auch bei uns macht sich die Warmluftwelle bereits bemerkbar, und hat ein Auf- gleitregengebiet verursacht, das sich über Norddeutsch­land erstreckt und bis in unseren Bezirk vorgreift. Die Bewölkung gestaltet sich wechselhaft, wobei zeit­weise mit Niederschlägen zu rechnen ist. Vorüber­gehend tritt auch Bewölkungsabnahme ein. Die Tem­peraturen steigen zunächst an.

Wettervoraussage f ü r Donnerstag: Unbeständiges Wetter mit vorübergehender Aufhei­terung, milder, zeitweise Niederschläge, südwestliche bis westliche Winde.

Witterungsaussichten für Freitag: Noch kein beständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 10. Dezember: mittags 5,1 Grad Celsius^ abends 3,1 Grad: am 11. Dezember: morgens 5 Grad. Maximum 7,8 Grad, Minimum 1.7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. Dezember: abends 4,8 Grad: am 11. Dezember: morgens 3,2 Grad Celsius. Niederschlag 4,8 mm. Sonnenscheindauer aA Stunden.

Mnlersporkmeldungen.

Vogelsberg (Hohcrodskopf): Wetter: Schneetreiben, 5 cm Schnee, Pappschnee, Sport­möglichkeit: keine

Sauerland (Winterberg): Schneetreiben minus 10° Celsius. 12 cm Schnee, Neuschnee 3 bis 5 cm, Pulverschnee. Sportmöglichkeit: keine.

Berchtesgaden: Bewölkt, minus 3 Grob Celsius. 7 Zentimeter Neuschnee, gekörnt; Ski: mäßig, Rodel: gut.

Harz (Braunlage): Bewölkt, minus 0 Grad Celsius. 3 Zentimeter Schnee, Pulverschnee. Sportmöglichkeit: nur Sli möglich.