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Ur. 265 Zweiter Blatt
Siebener Anzeiger <AeneraI-)ln;eiger für Gderhesten)Montag, ll. Navemder (020
Krankreichs neuer Mann.
2-Unifterpräsident AndrL Tardieu. - Oer Freund ded,TigerS^. - Als Zäg<r- Hauptmann im Schützengraben. — Verbindungsmann zu Amerika. - Als jüngster Oe.egiertcr aus der Friedenskonferenz.
23cm Werner Falcke.
feiner zehnten Satire beschreibt der franzossiche dichter Baiieau ein Pariser Ehepaar, da» den Rainen Tardieu führt, und da» wegen feine» großen Geizes in der französischen Hauptstadt berühmt »nb berüchtigt war. Ob dieser Tardieu. der da» Amt eine» Pasizewfslzler» bekleidete und im Jahr« 1665 zusammen mit seiner Frau von Dieben ermordet wurde, zu den Vorfahren de» neuen Mi- nisterprafidenten gehört, ist ebcnio zweifelhaft wie die Frage, ob der franzosifche Politiker au» der berühmten Parif er Gravhikerfa mitte Tardieu stammt, die im 17. und im 18. Jahrhundert acht bedeutende Künstler hcrvorgebracht hat. Da aber die Tardieu» wahrscheinlich alle miteinander verwandt find, kann man sowohl diese Träger de» alten französischen Namen» wie auch einige berühmte Wissenschaftler — Mediziner und Geographen — zu den Ahnen von AnbrS Pierre Gabriel Auiödöe Tardieu rechnen, der am 22. September 1876 in Pari- geboren wurde und also heute 53 Fahre alt ift. Niemand wird ihm nachsagen, daß er im privaten Leben sparsamer al» die an sich recht haushälterischen Franzosen sei; aber wenn jener Polizeiofsizier de» 17. Jahrhunderts vor feder Minderung feiner Privatschatulle allzu ängstlich zurückschreckte, so geizte der Tardieu des 20. Jahrhunderts um fedes tatsächliche oder vermeintliche Recht seines Landes, dessen Ansprüche aus Macht, territorialen Beslß und europäische Vorherrschaft gerade von dem neuen Ntz- nisterpräsidenten mit besonderer Hartnäckigkeit und Verbissenheit verteidigt worden sind.
Als Sproß eines Patrizierhauses genoß Andrt Tardieu eine sorgsältige Erziehung die im Lyede Condorcct begann und in der Ecolc Normale Su- pöricure endete Dank seinen Beziehungen brauchte er seine Zeit nicht mit Warten totzuschlagen, sondern konnte von der Hochschule weg in den d i v l o in a - tischen Dien st eintreten, in dem er seitdem ohne jede Unterbrechung von Stufe zu Stufe aufgestiegen ist, bis er jetzt den höchsten Gipset erklonunen hat. Im Fahre 1897 wird der Linundzwanzigjährige schon A 11 a ch 6 e der französischen Botschaft in Berlin: ein verheißungsvoller Anfang seiner Karriere! Aber er hielt sich nicht lange in Deutschland auf, dessen Freund Andrö Zarbleu niemals gewesen ist. Von Berlin wurde er in da» Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten nm Quai d'Orsah verseht, und im Fahre 1899 erhielt er, erst 23 Fahre alt, einen der verantwortungsvollsten Posten, den die sranzosische Republik zu vergeben hatte: er wurde chcf de cabinet bei Waideck- Rousseau, ein Amt, da» man in Deutschland vielleicht 01) e s der Reichskanzlei nennen würde. Diese einslusireiche Stellung behielt Tardieu bis zum Fahre 1902. Ala er aus Ihr ausschied, schien seine Lausbahn im Staatsdienst zunächst abgeschlossen zu sein, denn erst im Fahre 1914 entschloß er sich wieder, aktiv in die Politik einzugreisen.
Der junge Tardieu, der so schnell in der Diplomatie Karriere getnacht hatte, widmete sich nun dem F o u r- n a l i s m ii s. 0 r wurde Redakteur der ,.R e v u e desDeux Monde s“ und ging dann zur Tageszeitung über. Im „T e m p s" wies man ihm das Ressort her auswärtigen Politik zu, und wer Frankreichs 'Außenpolitik verfolgt hat, wird sich iiod) lebhaft der fühlen und dennoch schneidigen Leitartikel erinnern, die Tardieu damals versaßt hat, und durch die er die Aufmerksamkeit der wichtigsten Männer in der Weltpolitik aus sich zog. Reben seiner schrist- stellerischen Arbeit betätigte er sich auch als Dozent an der französischen Hochschule für Politik und an der Kriegohochschule. Im Fahre 1905 verössentlichle er sein erstes Buch unter dem Titel „Diplomatische Fragen". Drei Fahre daraus unternahm er eine Reise, die für Ihn später sehr wichtig werden sollte; er fuhr nach den Vereinigten Staaten — auch darüber ist von Ihm ein Buch erschienen — interviewte den Präsidenten Roosevelt und unterrichtete sich über den geistigen und wirlschasllichen
Charakter dieses Landes, das damals in der Welt- volitik noch nicht entscheidend mitzusprechen hatte. Als Amerlla wahrend de» Kriege» ständig an Bedeutung gewann, wurde Tardieu infolge dieser Reife vorn Fahre 190s zu dem französischen Fachmann für politische Angelegenheiten in den Vereinigten Staaten und zu dem Verbindungsmann zwischen Pari» und Washington.
Kurz vor dem Kriege ließ sich Tardieu, ohne irgendein«« Partei onzugedüren. bei den Wahlen als Kandidat ausstellen. er siegte und zog im Fahre 1914 In d i e Karniner ein, deren Abgeordneter er bi» zum Fahre 1924 ununterbrochen geblieben ift. Als der Kriea aitsbrach, wurde er zum Oderzenior ernannt, ein Amt. um das er wenig beneidet wurde. Bald darauf zog er |ebod) die Uniform an — er war Hauptmanii eines Klägerregiments uiid machte Frontdienst. Bis 1916 lag er in den Schößengloben, wurde verwundet lind wegen seiner Tapferkeit dreimal im Tagesbefehl erwähnt. Eine Lungenentzün- dung trennte Ihn von feinem Regiment. Als die V ereinigten Staate » in den Krieg eintraten, erinnerte man sich in Paris des Abgeordneten Tardieu, der fo nut über die amerikanifchen Verhällniffe Bescheid wußte, uiid fdiickte ihn lin Fahre 1917 als Sondergefandtei» Über den Ozean, wo es seine Vluf- gäbe war, die Amerikaner zu ökonomischer unb mlll- tärischer Hilfeleistung anzufeuern. Or entledigte [Id) seiner Aufgabe mit großem Gefchick und trug dazu bei, die Weltstimmung soweit al» möglich gegen Deutsd)land zu beeinflußen. Bald nachdem Olein e n c e a u sein Kriegskablnett gebildet Halle, kehrte Tardieu aus Amerika zurück und schloß fld) nun so eng wie möglid) an den „Tiger" an, der ihn' stet» Vorbild und Meister gewesen Ist. Clömenceau schickte seinen mehr als drei Jahrzehnte jüngeren Mitarbeiter nachmals In die Vereinigten Staaten und ernannte Ihn dann und) dem Waffenstillstand zum sranzöslfchen (D e ii erat b e voll m ä d) 11 g t e n a u s der F r l e d e n » k o n s e r e n z. Tardieu war damals 43 Fahre alt, da» jüngste Mitglied der Kommission. die den Vertrag von Versailles entworfen hat. Mit scharfen Augen hat er die Vertreter her Rationen gemustert, die dort zusammenkamen, ihre Schwächen erkannt und auvzunüßen verstanden, um einen Vertrag zustande zu bringen, her 0 lömenceaus hartherzigen Wün|d)en entsprach. Wilson nannte er vertraulich einen „prodeutschen Utopisten"; aber hen- noch gelang e» Tardieu. gerade mit Wilson» Hilse Lloyd George» Fetndidwsl gegen die Rlieinland- beseßung zu besiegen. Fn den widiligslen Kommissionen halte Tardieu ein entscheidende» Wort mftzu» sprechen; er führte den Bo111 h >u den Ausschüssen, die fld) mit dem Schicksal Elsaß Lothringen» und des Saargebiet» besdiäsligten, er präsidierte dem Komitee für die Ausführung des Friedensoertrage» und war Vorflßender der Fünferkommlssion. die hie alliierte Antwort auf deutsche Borschläge füt bestimmte Ab änderungen des Friedensvartragev z>> entwerfen hatte. Zusarnmenfassend kann man sagen, haß Tardieu bei heu Verhandlungen tn Versailles in her Hauntsache dl.- Vorschläge für die politischen und territorialen Bestimmungen de» Friedensvertrages entworfen '">i
Rachhem her Vertrag von Versailles unterzeichnet war, fehle sich Tardieu die Ausgabe, gemeinsam mit Q-IÄntcnecrtU dieses Dokument überall zu verteidigen und zu Verbindern, daß c« auch mir In der geringsten Weise abgeändert iverde. Von 1919 bl» 1924 verweigerte Tardieu dreimal den (Slntrllt In die Regierung, um sich die Freiheit zu bewahren, ohne je>' Konzession auf bei rigorosen Durchführung d.-s .v\vb<\\t- vcitrages zu bestehen. Wenn Tardieu In seinen Büchern, a. V. In dem Werk „Die VVibrbett über den Frieden" oder In ..Amerika und wir", Mn Llönienceau spricht, so wird der küble, vorsichtige und nüchterne Politiker sogar senti- nunttn, denn der „Tiger" bini'i inr ibn ha«
Muster eine# patriotischen französischen ölaat«- manne», der von dem Ausland ließ !>utlch- iand nicht einen Schritt zurückweicht Um diese Politik zu unterstüden, gründete er zusammen mit Eiemeneeau das T <D o Vati o n a l, eine Tageszeitung. die einen ieidenschasllichen Kampf gegen die Revision des Friedensvertrages führte und innenpolitisch auf jede Vkl,e versuchte, den Di eg he# Kartells der Linken zu verbluhern. 3m Fahre 1923 wurde Tardieu in der Kammer der Führer einer nationalistifvhen Druppe, die Poin- care l>ekämvfte. weil er zu lasch, zu nachgiebig gegen die deutschen seil Dennoch ist Tardieu in einem Kabinett Poineare einmal Minister der „befreiten Gebiete" gewesen. - Wenn Tardieu
auch beim besten Willen nicht als Freund LXutfchlands l^-zeichnet werden kann, fo wüst man ihn bod) als aufrichtigen Menschen achten, der stets ehrlich seine Uederzeugung geäußert hat sobald bei stattliche Mann, ein breiter, entschlossener, ursrairzdfsicher Typ. die Redner- kanzel der Kammer betrat, folgten die -ll>ge- orbnelen stets aufmerksam Nn klaren .'huMüb* mngen nicht nur, weil der Redner repräsentativ wie ein rKeneraidirektor wirkte und durch die Runzeln über dem linken Auge einen nachdenklichen Oliihrud hervorries. sondern Uxil Tardieu dem Hau» stets wirklich etwas mitzuteilen butte.
„Gras Zeppelin" in Frankfurt.
3w<iflün»ifltr RasenlhaU auf dem Aluaplah. - tfntbütlimfl cincs Zcp tlin- ^edenksteincet.
WSR. Frankfurts. Olt., 10. Von F anksuri halte beule e neu großen Tag. i\is Luftschiff u0'r n f Zepp « l l n stattete ih n einen Besuch ab und, was diesem Besuch eine befonbeve Bedeutung gab, er landete auf dem Fluavlah und verweilte zwei volle Stunden auf dem.xlug- geläii'X'. Vel per Popularität des Luftschiffes war vorauszusehen, rsifl an die Hunderttausend Blenschen bati Luftschiff auf dem Flngpiah grüßen würden. And in der Tat, es wäre ein kübnes Aii.erlangen. wollte man e ne Ist* stimmte .lab> für die riesigen Vkenschemnasien nennen, die sich am Sonnlaginoraen zu Fuß, mit der Slra- ßenbabn. den Omnibussen und in nnzähiigen Autos aufmachten, um bei der Landung des Luftfchifles mit babel zu sein. 3e näher der Zeil Punkt der beabsichllg'eu Ankunft heranrÜckte, desto mehr verstopften |lch die Zugangsstraßen au dem Fiuaplaß, desto beängflitiender Ivar der Sturm auf die 'ÄerkehrSmittel, die alles verfügbare Material aufgeboten ballen, um nur einigermaßen den 'Andrang beinülHuen au können.
r a s Zeppelin mar um 7.50 Ubr in Friedrichshafen mit 35 Passagieren an vord unter Führung von Kapiän Fi em ml ng gestartet. Dr G-dcntr konnte leider an der Fahrt nicht Mlnebmen, Ni er zur Zeit in 'Ikrlln weilt. Das Lisitschsis passierte In schneller Fahrt um 9 Ubr Stuttgart und um 10 Uhr D a v in - stabt. 'MS hierher mußte das Lustschifs. wie Kapitän Flemming cillürle, über Ist*m llcbelniecr sahven, und erst bei Darmstadt erwsichie es ein Loch, huixb das es Hindu,chaesübrt werden konnte und man nun wieder 'Bodenslcht bekam. Bereits um 10.25 Uhr erschien das Lisitschsis über Frankfurt, ohne le doch In der dunstigen Lust sichtbar zu sein. Rachfem es sich etwas von her Stahl entfernt halte, hellte es den Flughasensender an. um die Vichtung nach kstin Flughafen sestzustellen.
Um 10.32 Uhr erfdilen re wieher über brr Stuhl, zog ciuc Schleife und erschien 11.15 Nhr über hem Flugplah. mit Hur arufsn unb lüdwr- schivenkeu her begeisterten Massen begrüßt. Etwa eine Dlerlelflunhf kreuzte ha» Luftschiff über hem Ftngplaß, bann stoppten hie Motoren, hie Haltetane fielen, unb, von einem Schnh- imiiiii-nommonhü zur Erde gelogen, ble Landung ivar glatt vollzogen.
Fejzt ließen fld) hie Menschenmassen iildjt mehr halten, sie vurchbiachen die posizeisiihe Absperrung und drängten bl» dicht an das Lnslfd)iff heran Wh erste entfliegen Kapitän Flemming und Dr. Dürr her Gondel, begrüßt von Bürgermeister Gräf. Die Mannschajt begab fld) sofort In Automobilen nach hem Rebsiäckei Wäldchen, um an der 0 n I h ü l. I u ii g e Ine» G e h e n f |l e 1 n » z u r 0 r I u n e • r u n g a n hl e e r ft e Land u n g ei n e o Z e p p e- 11 ii I u f 11 d) l f | e » v a r 2 0 F a I) r e ii aus Anlaß der Fnterntionalen Luftfahrtausftellung teilzunehmen. Hier halte fld) eine Reihe von O'hrengäften einaefunden, an Ihrer Splße der Boiflßende he» Luftschiffbaues Zeppelin, Walter vom Rath. Die- fer begrüßte ble Zoppelinmannfchaft namens he»
Komitees unb erinnerte an bie Fahrt he« „Z 11’ vor '20 Fahien, die zum erstenmal mit einem be- stimmten Ziel unb mit bei* bestimmten Absicht zu tauben ausgesilhrt wurde. Zur «rlniieruiiQ an blei» benkwiliblge Landung fei her Gedenkste in, helfen 011iditung private, Fnitiative entsprungen fei, an her damaligen Landungsstelle auf gestellt worden. Bürgermeister Gräs nahm mit hem Auodiuck iihinnflen Dankes bei, Gedenkstein mimen» he» Magistrat» unb he» durch Krankheit verhinderten Dberbüiaermeister» in die Obhut bei Stabt.
Oni 2inschluß an die iSntdisilungsjeier i^'galvn sich die Tesiiwhmer In die Flughasenkantlne zur Einnahme eines von der Stadt gegel>eiieu F r ü b- sl ü ck s Hier linkte Bürgeiinetster D v ä | der Lufsichisileltnna nochmals für dle der Stadt Frankfurt erwiefene O'bre des Besuchs des Vuft- fchisies und wünfchle diesem eine alückllüx* Hüd- fahrt nach dem Heimathafen ^Ieich.witig ülwv- ivichte er einer Reihe von K^*> fonen, die mit der Fahrt des Zepvelinlisitschlsfe« vor SO Zahlen In Beziehung stunden, eine von der <stadi Frank- furt aeftiflele Plakette vorn Oln-rPräsidenten ts-r Provinz Hesfen-Aasian war ans Kassel ein Telearamm folgenden Fnhails elnm*hülfen „Zch lvgrüße mit l»erzllcher Freude das Lufsichsis „Gras Zeppelin" In der Provinz ^-ffen-stasiau und wünsche ihm noch viel gltukhaf le Fahrt." lischt lange dauerte das Frühstück, fremi Kapitän ;S I e m m l u g mahnte zum AusVruch, die M'iant- wortung für das Lisitschsis erhesiche "och vor SouiieilUNtergang Wieder in Filedrichsstafen zu sein. Dle 'lh*|abung und 45 Passagiere bestiegen Has Lnftschisi. dann erhob es sich unter flüv- mischeni 'Avschledswinken N*v Menschenmengen In ble Lust, die Motoren wurden angelasien, und nach nx'iiigen 'Minuten war N*r Mu4> Blicken entschwunden. Gewaltig wie der"Aiimnrs^ war auch ^r Abmarsch der Massen 0's dauerte Stundeu. ble sich die Menschensiiil etwas verebbt hatte und wieder einigermaßen normaler Der- kehr rlnlivtvn konnte.
Wieder daheim.
Wie au» 'Filedrichshafen gemeldet wird, ist da» Lust schiss ..0>raf Zeppelin" von seiner Franksurl-Fahil um 5.0« Ubr in F e« e d- i l ch s h a s e n glatt gelandet. 'M a r b <i ch, wo heute eine vchlllerseier sialsiand. wurde von hem Lisitschsis aus diesem 'Anlaß ülxillown Die lstellersahrt ging ilivr Ludwigsburg und S t u 11 g a r t.
Berliner Börse.
Berlin. 11 Aov. (WTV. Funsi -ruch.l SXr Wort>nbeg>nii brachte einen gvschäsl. lo|eo ;Srül>- iH-rrebv LAi Kurse noch nicht zu b'ien find, muß hie Tendenz nie abwartend bezeichnet weiden. Anregungen irgendwelcher Aki liegen nicht vor. Am Dr-vifenmarkt nannte man London gegen Paris 123.8750. London g g- n 'Mailand 03,1150, London gegen Spanien 31,45 zu 34.50. London gegen Kabel 4,6790, London gegen ß-rlln 20,30 zu 20,3025, Kabel gegen Berlin 4.1H zirka.
Gießener Gtavttheater.
Franz Löhar: „Die Uistigc Witwe".
Ai, das Genie dcS Schöpfers der klasftschen Wiener Operette reichten feine VLibetocrber um die Siegespalme, Franz v. Suppe. Karl Zeller und Karl Blillöcker, zwar nicht heran, wenn auch ihre Werke weit über dem stehen, waS heute auf dem Gebiet der Operette Im allgemefnen geboten wird. Seit Strauß, dessen Blusik im Wiener Walzer gipselte, geriet die Operette immer mehr unter den Einfluß der jeweiligen Modetänze und fonk einerseits zur Posse mit Gelang (Berliner Operette) herab, teils näherte sie sich aber auch der Oper, ohne jedoch ihren Grundcharakter zu verlieren. Diesem lebten Zweig gehören die Werke von Leo Fall und Franz L ö h a r an, der als erster daS Gesangsstück mit Tanzevolutionen verband und so die Form her Tanzoperette schus. Seine Blelodik ist ost slawisch gefärbt, aber seine Rhythmik pslegt noch den schwungvollen Walzer. Der Dialog ist kurz, die Musik tritt stark In den Vordergrund und Die ganze Struktur weist aus da» Singspiel bin. LöharS populärste Operette Ist die „Lustige Witwe" (Libretto von Viktor (ibn und Leo 6 t ein), ein Werk von übersvrühender Lustigkeit und bunter Ausgelassenheit. Dazu blut- volle und feurige Musik.
Die gestrige Ausführung, al» „modernffierte" Veuinsz.'nierung ongcfüitDlgt, war ein großer Erfolg. Die Regie von Han» V a a r« lieferte Tempo, Spannung und Schmiß. Die ^^llenbefet-' Aimg erwies sich allgemein als sehr glücklich. Meta Liebermann spielte Mc fymna 01a- wari mit ebensoviel Wärme al- Elan, stimmlich sehr gut. Ihr Gegenspieler, HanS Schneider (Gras Danilo), stand ihr in seinem vornehmen posensreien Spiel und der gesanglidzon Leistung keineSivegS nach. Fra z M e n a r(ponle- vedrlnifdxr Gesandter) war eine ebenso aut geraten, Figur wie der Kromow (Hans Löwenstein) unb der RjeguS (Walter Schramm). Die abwechslungsreichen Balletteinlagcni waren von Trude Strauß mit viel Geschick und gutem Geschmack ctnftuMcrt. Mit der „Modernisierung des ordyeftralen Teils der Operette könnM wir uns nicht einverstanden erklären. Zur Wiener
Operette gehört der Walzer, der in ihr seine höchste Vlüte erreldite und mit dem sie von allem Ansang an fest verwurz-Zt war. 'Der ihr wesenSsremde Jazz gehört nicht hierher.
Mit viel Umsicht und (Kesd)lck leitete Kapellmeister Rias svilci vom Flügel aus ben musikalischen Teil. Menu ans Mnbcn der llel>cr- flchtllchkelt da» Orchester so hoch sihen muß, wie eS gestern der Fall war, so müßte bei bero VeglcHungen der Gesänge etwa» mclyr dynamische Zurückhaltung geübt werden.
DaS ersreulicheiweise anSverkaisite Haus spendete berhleiitcrniaben lebhasten Beifall unb erzwang einige Wiederholungen. ».
Goethe-Bund.
15 Fahrcvscst.
Die von der Leitung des Gießener Goethe- DundeS zur Feier des 15jährigen Dc-slehens vorgeses>eiien Veranstaltungen touren am Samstag mit einem Festabend In der dicht besetzten Reuen Aula der Universität eingele t I Die Gi- össnungsmisprache hielt der Ehrenvorsibende be ■ Goelbe-'DuudeS, Walter von VI o I o, Der lebt wiedergewählle PräsiDent Der Dichtei-AkuDemie. über Das Thema „Der Dichter und feine Zeit". Der Bund begehe, fo führte er aus, fein ZahreSfest In einer schweren Zeit. I" einer Epoche deS Riederganges und der Umfchichlung aller seelischen Werte; Die Leitung bekunde damit einen begrüßenswerten Glauben an die Zukunft; wie der Bund lebt fünf ehn 3cihre lang einen tapfren Kampf gekämpft habe um daS Recht der feelifchen Kräfte des deutschen Rlenschen. In sei auch diese Feier nicht nur eine lokale Angelegenheit, sondern zugleich auch eine Dache deS ganzen deutschen Volkes und daintt der Vieiifdj- hett Wenn jede deulsd)« St.idl einen solchen Goelhe-Vund belässt*, stünde es besser um die geistige Lage In Deutschland; nur von Der Dünnen geistigen Fühierfchichi könne neu« Kraft kom- men; Diese sührenden Kräste zu sammeln, sei die Ausgabe de« Go-.-the-VundeS. Gerade die Dichtkunst, die er. Molo, al« Dienerin am deutschen Menschentum betrachte, fei eine Versöb'iersii. sie habe die verbindende Krost, die heute Im
Volke klafsenden Gkgeiifäbe zu überbrücken; zu Ihrer Pflege und Sammlung möge der Owetlst*- Biind ferner wirken für die vßikiusit nuferer Klndc*r unb Enkel.
Fm Anfdstuß an hlf mit ftarkm Belfast begrüßten Auoführunsten Mala» hielt bei bekannte stölner Ib»oü*rii)lHeu|d)iiIIIer Di Nies) e n Den Feftvor- trag (mit CldjtollDei i ) über da» Im Fulilläumojahr her elften Failflauffühning 19. Fnnnar 1H2I) befonbero aktuelle Thema „0 I n F a I) r I) Hubert B n I) n e n | .!> i d* | ii I he » i( n n |l" .'n nm |lil)i lichsn, non gediegenster 6lol|bel)err|d)imfl getragenen, Intcrcffmiten unb iilelfallln am egenden VIii»- Ilihrnnaen, hie durch eine Reihe sehr Instruktiver 'Bilder belebt und ueidentlicht murkst'n. fd)llooite Dr. Rieften die Bühneiigeftaltung der Dlchtnug auf dem beuifdien Theater von den ersten tastenden Vterfu- d)(n bll zur jüngsten Gegenluart Vlnogebeiid von Den mannigfachen inneren unb äußeren Schusterfg- felicii einer Blihnengestciltuna he» „Faust" wie» bei Vortragende darauf bin, wie ble bl Iben he Kunst und telliuelfe und) ble Musik hier iDegberellenD und anregend auf» Theater geiulrkt Ihibcii, |d)llberle die Fisizenieriingsgc'ßlstäste von der Biaiiiifd)me>gei Ur- aufsührung de» eisten Teile» unter Ksingemann, die ein 'llhigulo und eine Tat war, dann die Fnfze- iilenniflvn non Hannover, Dresden (7 ieckfche Bear- b.cltung), Weimar und Berlin (IH.'IH; Seybelmann) Auch auf die Wandlungen der |d)mi|plekrl|d)rii und der fzensid)in Vlnffaffnngen wurde hfngewlefen, be» ferneren die merriuürblne 3eii|urae|d)ld)l« her „Faust"-Aisiführnngen gestreift. Auch her zweite Ueli fstit lange auf eine fSÜHnengestaltimg nxirlen müssen (ble 1854; Hamburg) Die Vh-rMenfk Dito Deurient», beo Herzog» Georg von Meiningen und de» Tlh'iitcrblreflor» Vlloijo Prafd) In 'Berlin um die „Faust".Fii|zenierniig mürben geivllrbigt. MU einem Ueberbsick über bk wldstfasten modernen ,.Faust"-AussühkUNgen unb einem Vhioblld In bk Zukunft schloß der Vortragenkst' feine fehr beifällig aiifflenoinmeneii Darlegungen.
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Qhn Sonntagvorinltlag versammelle sich bk stattliche Gemeinde he« Goetbe-'Bunhe« im Stadt- tbcoler zu einer Goethe-Morgenfeier 3m Mittelpunkt stand ein Festvortrag des hier In Gießen bereit- bekannten Rezilalor« Dr. Frie- brld) (Ja ft «He, Dlsiselhors. über ..Goethe und bl« Staue n". 3n freiem Vortrag fchil-
beite t er Redner, hi einer Folge klicipver Ollm- miinnflbllhvv. ble vornehmsten Fiaueiigestallsn um Goethe, von fenen her Dichter einmal gesagt Hal: nicht Ich habe sie, sie haben mich gedichtet, I e mö- rten sich cnl|d)iilbcn ober leiben. Do Pasiieilen ole Frauen um Goelbe Revue Frau 'Aja, hie miutkr, als Ikule teiin und Erlöserin; Ooriw'.ici, ble fchüchler» e itlagenbe S.hwestei; Kälchen In Leipzig, Friberike In Seelen bei in. Volle In Weblar. das Urbild Mim ..Weicher", ftraii von Slein, bla in Vichsi । ä। in luiig i'' bi Hi-1 Edrisiian......
Ihn In eine Wirrnis feine« Lebens stürzt; 'Marianne von Will em er. bas Ui’bllh bei* Snlelka, unb endlich leflgnlerenber AuSllang in KarlS- bnb Ulrike von Levebow.
Eine Ergänzung zum Feflvorlrage blldeie ftelle» klangvoüe Rezttallon von Oy»eche-Dlch- iuugen von den entzückenden aiiakreontifchen 'Berten a» ..Annette" über Die Lieder für Volle. Vllb und Frau von Stein und Die Tolenklage nm LVrlstlane bis zur Karlsbader Elegie Eine Ergänzung bebeutele auch her szensiche 'Ibfchlnß her Feier ..Halern imh Sulelka". Zwlegelpräch unb Wcchfeirezitasion aus Dem „Divan", von Den Vortragsmeiftern Dr II n fl e I l e unb Frida H U ni in e l au« Düsieldorl mit befeeUer Heiterkeit und zärllichein Gefühl gesvrachen. Die Vor- lrä-g<* würben von miisikalifcheii Vurbleliingn! be« Orchester-'BereinS Gießen umrahmt, her sich für ble Feier zur Verfügung gestellt hatte und unter her Vel hing bes Dirigenten H 'stiel l«r bsi- ..Egmont"- und ..'Mignon"-Ouvertüre, sowie Hymne und Driumphmarsch - Aiba" mit anervennenswertem 'Bemühen zu Gehör brachte und ebenfo wie die 'stortrageuben reichen Beifall sank».
Ein Gesellschaft« abenb b*rfhilql« zum Abschluß be« ZahreSfesles am Sonntag ble Mitglieder hi heu 'jtäumen be« Gvfellfcha1lsi»ei'eliis; Der erste 'Vorslhcnbe, Dr Henning, hieß bk Auwefenfen willkommen unh gab einen Rückblick über bie Tätigkeit he« Bundes In btn lebten süisizehii 'Fahren. 'Der Sänger unb TU* zsialor Robert Koppel unferbkU bk Iwl- fallssreudige unb animierte Gesellsd^aft mit einer Reih« vorliesillcher, hellerer '»orträge aul« bell*.


