Oer Zapfenstreich.
Berlin, 10. 3uni. (WB.) Der Abschluß des Festessens, das der Reichspräsident heute abend zu Ehren des ägyptischen Königs Fuad gab, bildete ein großer Zapfenstreich, der unter der Leitung des Armeemusikinspizienten Professor Hackenberger stand, und an dem drei Spielmannszüge sowie elf Musikkorps teilnahmen. Schon lange, bevor die Militärkapellen anrückten, umsäumte die Wilhelmstraße eine dichte Menschenmenge. Unter den Klängen des Vork- schen Marsches rückten die Musikkorps heran, begleitet von zahlreichen Fackelträgern, die ein imposantes Bild boten. Die Kapellen nahmen in dem Garten des Reichspräfidenten-Palais Aufstellung, während Reichspräsident von Hindenburg mit König Fuad von dem Balkon des Hauses dem Zapfenstreich zuhörte. Zunächst spielten die Kapellen eine von Professor Hackenberger komponierte Zusammenstellung historischer Märsche, die einen Ueberblick des deutschen Militärmarsches vom Mittelalter bis zur Gegenwart gaben. Darauf intonierten sie die ägyptische Königshymne, woraufhin die Spielleute den Auftakt zum großen Zapfenstreich gaben. Rach dem Deutschland-Lied erfolgte der Abmarsch der Truppen.
Volkspariei und Konkordat.
Braun bietet der Bolkspartei den Eintritt in das Kabinett an.
Berlin, 11. Juni. (Priv.-Tel.) Der preußische Ministerpräsident Braun scheint doch wohl um das Zustandebringen einer Mehrheit für sein Konkordat besorgt zu sein, da er damit rechnen muß, daß eine Reihe von Demokraten ausbrechen werden und daß vor allem auch eine ganze Anzahl, seiner eigenen Parteifreunde ihm einen Korb geben werden. In seiner Verzweiflung hat er der Fraktion der Deutschen Bolkspartei den Eintritt in die Preußenregierung angebvten, wollte allerdings dabei über seinen alten Vorschlag nicht hinausgehen, wonach der Volkspartei das Handelsministerium zufallen soll, während gleichzeitig der Reichswirtschaftsminister Curtius als Minister ohne Portefeuille in die Erscheinung zu treten hätte. Auf diesen Vorschlag hat die D. Dp. mit einem glatten Rein geantwortet. lind das war gut so, da Herr Braun ja doch nichts anderes im Sinn hatte, als sich auf dem llmwege über die Regierungsbeteiligung die Zu - st i m m u n g der volksparteilichen Landtagsfraktion zum Konkordat zu erkaufen. Für Herrn Braun ist diese Ablehnung natürlich ein empfindlicher Schlag, da er bisher den Anschein zu erwecken versuchte, als hätte es die Weimarer Koalition in Preußen nicht nötig, sich der Mitarbeit der Volkspartei zu bedienen. Jetzt ist sie in großer Bedrängnis: man kann aber nicht behauchten, daß der Ministerpräsident sonderlich geschickt zu Werte gegangen ist. Obendrein ist ihm noch von fetten der Volkspartei schriftlich bestätigt worden, daß sie diesem Konkordat ihre Zustimmung nicht erteilen kann, bevor sie nicht den Wortlaut des Vertrages kennenlernt und bevor nicht Sicherheiten für ein ähnliches Abkommen mit der evangelischen Kirche gegeben sind.
Jestgottesdienst am Verfassungstage.
Eisenach, 10. Juni. (WTB.) Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß beschloß, den 28 evangelischen Landeskirchen in Deutschland die feierliche Begehung des Tages des zehnjährigen Bestehens der Weimarer Verfassung am 11. August zu empfehlen. Das Ausschußmitglied Dr. D. Kahl, M. d. R., hat diesen Beschluß angeregt. Er bezieht sich damit auf die vom letzten Deutschen Evangelischen Kirchentag in Königsberg beschlossene Kundgebung, die nach einem Referat von Professor Dr. Kahl über Staat und Kirche gefaßt worden war.
Oer Prozeß Roos.
Paris, 10. Juni. (WB.) Heute vormittag hat in Besan^on der Prozeß Roos, also die Wiederaufnahme des Kontumazverfahrens, in dem der 50 Jahre alte Professor Roos zu 15 Jahren 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden war, begonnen. Zu Beginn der Sitzung fragte der Vorsitzende Professor Roos, ob er sich der französischen oder der deutschen Sprache bedienen wolle. Professor Roos erwiderte: Grundsätzlich würde er lieber öie deutsche Sprache gebrauchen. Als der Vorsitzende Danion zusammenfassend erklärte, Professor Roos stehe unter der Anklage, mit den im Colmarer Prozeß An- geschuldigten eine separatistische Bewegung verabredet und vorbereitet zu haben, wand Rechtsanwalt Berthon ein, da die Mehrzahl der Angeklagten des Colmarer Prozesses freigesprochen seien, könne Prof. Roos nicht der Mittäterschaft mit diesen Frei- gesprochenen beschuldigt werden.
Oberstaatsanwalt Mettas erklärte, das Ziel der Verschwörung sei der Separatismus in den wiedergewonnenen Provinzen und in Frankreich gewesen. Er werde den Beweis dafür erbringen, und zwar werde er sich dabei mehr auf beschlagnahmte Dokumente als auf Zeugenaussagen stützen. Professor Roos sei einer der Hauptführer der Bewegung gewesen.
Kunst und Wissenschaft.
Professor Erwin Zschokke f.
2m Alter von 74 Jahren ist Professor Erwin Zschokke gestorben. Don 1877 bis 1925 war er Lehrer an der tierärztlichen Schule bzw. veterinär-medizinischen Fakultät der Universität Z ü ■ rich. Professor Zschokke nahm in der tierärztlichen Wissenschaft eine sehr maßgebende Stellung ein und erhielt auch zahlreiche Ehrungen, so den Ehrendoktor der medizinischen Fakultät der Uniberfität Zürich, der veterinärmedizinischen Fakultät von Budapest und Gießen.
Eine hindemilh-Uraufführung in Berlin.
2lm Sonntag fand in Berlin im Rahmen der Berliner Fe st spiele unter der musikalischen Leitung von Otto Klemperer die Uraufführung von Paul Hindemiths „R e u e s vom Tage" statt. Die Hauptrollen waren besetzt von Grete Stückgold, Fritz Krenn und Erik Wirk. Die Aufführung — eine lustige Oper der Gegenwart — wurde von dem vollbesetzten Hause nach dem ersten Teil mit lebhaftem Beifall ausgenommen, der sich am Schluß der Dor- stellung wiederholte.
Kulturpolitische Kritik im Reichstag.
Schulgesetz und Konkordat. — Oie Aotgemeinschast der deutschen Wissenschaft.
Berlin, 10. 3uni. Die zweite Beratung des Haushalts des Reichsinnenministeriums wird fortgesetzt. Damit wird verbunden die erste Beratung der Vorlage, durch die die Geltungsdauer des Gesetzes zum Schutze der Republik um drei 3ahre verlängert werden soll.
Abg. Dr. Hellpach (Dem.) bezeichnet es als notwendig, die Gegensätze zwischen Katholiken, Evangelischen und Freidenkern zu schließen. Diese tragische Zerreißung des deutschen Volkes habe andererseits auch eine große Bereicherung des deutschen Kulturlebens herbeigeführt. Das Scheitern des Schulgesetzes ist zum großen Teil auf die fehlerhafte Anlage zurückzuführen, die ihm vom Zentrum in Verbindung mit den Deutschnationalen gegeben wurde. Eine ähnliche Fehlrechnung wie beim Schulgesetz scheint in der Konkordatsfrage gemacht zu werden. Bedenklich ist hierbei, daß das Konkordat von Cin- zelländern abgeschlossen wird, statt vom Reiche. Diese Länderkonkordate sind ein schweres Hindernis für die ünitarifierung des Reiches. Bedenklich genug ist schon die Verschiedenartigkeit der Lehrerbildung in den verschiedenen Ländern. Unsere 3ugend fühlt sich heute mehr deutsch als bayerisch, preußisch oder badisch. Dieses Gefühl sollte gefördert werden. Das Schulwesen muß zur Sache des Reiches werden. Bedauerlich ist der neuerdings geführte Kampf gegen die Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft. Der Ersatz dieser Organisation durch die Ministerialbureau- fratie der Länder würde ein Rückschritt sein.
Abg. Dr. Löwenstein (S.) dankt dem Minister dafür, daß er für die Erziehungs- beihilfen eingetreten sei. Die soziale Frage dürfe bei den Schulfragen nicht vergessen werden. Das Bildungsprivileg des Besitzes müsse verschwinden, auch in seinen Wirkungen beim Berechtigungswesen.
Abg. Dr. Spahn (Dn.) bedauert das Scheitern des Reichsschulgesetzes. Ohne ein solches Gesetz sei eine erfolgreiche Kulturpolitik nicht möglich. Die marxistische Auffassung veranlasse den Minister, sein Augenmerk mehr auf die Verfassung als auf die Kultur zu richten. Don dem .sozialdemokratischen Parteimann sei das Bekenntnis zum Weltbürgertum zu verstehen, nicht aber vom deutschen Innenminister. Dolksgedenktag werde in diesem 3ahre nur der 28.3uni sein, der 3ahrestag des Versailler Diktats, nicht der 3ahrestag der Weimarer Verfassung.
Abg. Dr. Moses (Soz.) verteidigt den Abstrich von einer Million bei der Unterstützung der Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft. Ein großer Teil der Mittel sei von dieser Rotgemeinschaft zur Herausgabe von Schrif- ten verwandt worden, die für das Volksganze bedeutungslos waren, während bessere Arbeiten vernachlässigt wurden. Warum soll aus Mitteln der Allgemeinheit die Herausgabe von Werken ermöglicht werden, wie „Die Kirchenfürsten aus dem Hause Schweinsburg" und so viele ähnliche Spezialismen? Warum muß einem Gießener Professor aus diesen Mitteln eine Studienreise nach Wien bewilligt werden zur Untersuchung der Röntgeneinwirkung auf Ratten? Das konnte man auch in Gießen untersuchen. Die Soziologie wird dagegen von dieser Rotgemeinschaft vernachlässigt zugunsten spezialistischer Spielereien. Unter den 200 Professoren der Rotgemeinschaft ist in den Fachausschüssen nicht ein einziger Sozialdemokrat. Unsere Kritik soll nur sein ein Signal zur Selbstbesinnung in diesen Kreisen. Wir haben zu viele wissenschaftliche Organisationen und Universitäten. Hier wäre Rationalisierung angebracht.
Weiterberatung Dienstag.
DieMdriderLagungdesVölkerbundsrats
Oie Eröffnungssitzung.
Madrid, 10.3uni. (WTB.) Die 55. Tagung des Volkerbundsrates ist unter dem neuen Ratspräsidenten Adatschi (3apan) mit der üblichen vertraulichen Sitzung eröffnet worden. Der Eröffnung ging eine Begrüßung durch den spanischen Ministerpräsidenten Primo de Rivera voraus, der die Ratsmitglieder persönlich begrüßte und für die Annahme der Einladung der spanischen Regierung dankte. Rachdem die Sitzung als öffentlich erklärt worden war dankte Adatschi als Ratspräsident der spanischen Regierung und sprach für König Alfons XIII. die Ehrerbietung des Rates aus. Die Tagesordnung weist nur zwei Punkte^ auf, nämlich die Optantenverhandlungen Rumäniens mit Ungarn und 3ugoslawien, von denen die ersten vom Ratspräsidenten mit Rücksicht auf die schwebenden Verhandlungen auf September vertagt wurden, während die zweiten in der Weise erledigt wurden, daß die südslawische Regierung auf Grund einer Vereinbarung mit Ungarn sich nunmehr bereit erklärt hat, wieder einen Richter in das gemischte Schiedsgericht zu entsenden.
Das Minderhsitenproblem.
Keine Aussicht auf zufriedenstellende Regelung.
Madrid, 10. Juni. (WTB.) In der morgen stattfindenden voraussichtlich letzten Sitzung des Ratskomitees wird wahrscheinlich die Entscheidung darüber fallen, ob und in welcher Form vom Ratskomitee ein Bericht über die Minderheitenfrage an den Rat gerichtet werden soll. In der Sitzung dürste Adatschi einen Berichtsentwurf vorlegen, und es wird sich bann zeigen müssen, ob irgendeine Ueber- cmftimmung in bezug auf diesen Entwurf erzielt werden kann. Die bisherige Aussprache im Ratskomitee läßt bekanntlich die Erörterung der grundsätzlichen Fragen des Minderheitenproblems, vor allem die Jnitiativgarantie des Völkerbundes zum Schutze der Rechte der Minderheiten, vollkommen vermissen, während andererseits in der Verfahrensfrage selbst wichtige grund- ätzliche Anregungen der Reichsregierung zum Teil ohne Debatte a b g e l e h n t worden find. Es er- chcint ungewiß, ob in dieser Frage noch eine andere Auffassung des Ratskomitees zu erzielen sein
wird. Wenn nicht noch eine grundsätzliche Aende- rung der Auffassungen einzelner Vertreter im Ratskomitee eintreten sollte, bestehen nur geringe Erwartungen für die Möglichkeit einer Einigung. Die Entscheidung über die Gesamtheit der Fragen steht bekanntlich aber nicht dem Ratskomitee, sondern einzig und allein dem Völkerbundsrat selbst zu. Daher kann auch die Entscheidung über die Vertagung der Frage auf September erst vom Völkerbundsrat selbst getroffen werden.
Ein deutscher Antrag.
Die Enteignung deutschen Grundbesitzes durchPolen auf derTagesordnungdesRats.
Madrid, 10. Juni. (TU.) Reichsaußenminister Dr. Skrefemann hat am Montag an den Generalsekretär des Völkerbundes das amtliche Er- suchen gerichtet, die von den deutschen Abgeordneten im polnischen Sejm, Graefe und llaumann, unterzeichnete Beschwerde wegen der Verletzung des Minderheitenvertrages durch die polnische Regierung durch Enteignung des deutschen Grundbesitzes in Polen auf die Tagesordnung der gegenwärtigen Ratstagung zu sehen. Dr. Sfrefemann hat auf Grund des geltenden Minderheitenverfahrens sich die Beschwerde zu tfgen gemacht und sie als Mitglied des Völkerbund srates vor den Rat gebracht. Um eine Erörterung der Beschwerde noch auf dieser Ratstagung zu ermöglichen, hat Dr. Sfrefemann das Dringlichkeitsverfahren beantragt. Dem Antrag Dr. Stresemanns ist vom Völkerbundsrat entsprochen worden.
Die Erklärungen des polnischen Außenministers Zaleski in der spanischen Presse, die einen stark gegen Deutschland gerichteten Charakter tragen, haben hier allgemein einen wenig günstigen Eindruck hervorgerufen. Man empfindet es als Mangel an politischem Takt und Mißbrauch der Gastfreundschaft, die Einladung der spanischen Regierung nach Madrid zu Angriffen gegen ein Rachbarland in der spanischen Presse zu benutzen. Es versteht sich von selbst, daß von deutscher Seife aus Gründen der infernationalen Höflichkeit Zaleski auf dem weg der Prefsepropaganda in einem fremden Land nicht erwidert werden wird.
Briand über die RheinLandräunmng.
Paris, 11. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die „Chicago Tribüne" meldet, der französische Außenminister B r i a n d habe Reichsaußenminister Dr. Sfrefemann wissen lassen, daß er mit ihm eine private Begegnung verabreden wolle unter zwei Bedingungen, nämlich erstens, daß keinerlei Entscheidung über die Zurückziehung der alliierten Truppen aus dem Rheinlande in Abwesenheit eines für derartige Verhandlungen besonders beglaubigten Vertreters der neuen englischen Regierung ge- ührt werde. Der englische Botschafter Sir George Graham sei lediglich nominell der Vertreter der englischen Regierung. Briand wolle, daß man eine Zu- ammentunfl der Vertreter der englischen und der belgischen Regierung abroarte, bevor man Entscheidungen treffe. Zweitens empfehle er, eine internationale Konferenz im Juli oder August, ohne einen Verhandlungsort vorzuschlagen. Frankreich würde mit London einoerffanben sein, wenn )ie englische Regierung diesen Vorschlag machen ollte. Außer Deutschland, Frankreich, Belgien, fallen und Japan würden folgende Länder Delegierte entsenden: Polen, Rumänien, Südslawien und Ungarn, da Fragen, die die Rachfolgestaaten betreffen, zu regeln seien. Die amerikanische Regierung würde ebenfalls eingeladen werden, und mit Rücksicht auf sie scheine die Wahl Londons als verhandlungsorf besonders günstig. In der Zwischenzeit würden Pläne für die Zurückziehung *>€C attWeüen Bejahung struppen vorbereitet werden.
so daß das deutsche Gebiet, entsprechend dem Poung-Plan, falls er angenommen werde, am 1. September von fremden Truppen befreit sein könnte.
Es scheint, daß der in Madrid weilende Auhen- polififer des „Matin" die Möglichkeit für eine Verhandlung auch über die Saarfrage offen lassen will, denn er zählt die Schwierigkeiten einer solchen Verhandlung nur auf, um anzudeufen, daß Frankreich, falls diese Schwierigkeiten befriedigend gelöst würden, einer Behandlung auch der Saarfrage nichts mehr entgegenstellen würde. Er schreibt: Könne man, ohne bis 1935 zu warten, es Deutschland ermöglichen, hie Saarbergwerke zurückzukaufen? Diese wäre vielleicht möglich, wenn es sich nur um Zahlen handeln würde. Aber würde man, wenn man Deutschland für die kommenden 6 Jahre bereits die restlose wirtschaftliche Oberhoheit über das Saargebiet wiedergegeben würde, nicht den Grundsatz der Volksabstimmung verfälschen. Die französische Industrie und der französische handel erzielten aus ihren Geschäftsbeziehungen mit dem Saargebiet große Gewinne. Könne man von ihnen verlangen, daß sie ohne Entschädigungen 6 Jahre früher darauf verzichteten? Dis Schwierigkeiten seien so groß und so augenscheinlich, daß Dr. Strefemann es ohne Zweifel vorzieheu werde, mit Briand nicht einen Gesprächsgegenstand in Angriff zu nehmen, über den Briand ihn mit dem besten willen kaum eine nützliche Antwort geben tönna - v . . . . w „
Aus aller Welt.
Schweres Bootsunglück auf der (Elbe.
während der Ueberfahrt über die (Elbe wurde das Fährboot „Forelle" bei Meißen gestern mittag von dem Lilfrachtdampfer ,Pirna" der Bereinigten (Elbe - Schiffahrtsgesellschaften gerammt und überrannt. Es dürften nach Zeugenaussagen 8 bis 10 Person en im Augenblick der Katastrophe auf dem Fährboot gewesen sein. Gerettet wurden der Fährmann, der schwimmend das Ufer erreichen konnte, sowie 4 Fahrgäste. (Eine 55 Jahre alte Frau verstarb, nachdem sie aus dem Wasser gefischt war, im Krankenhaus. Bestimmt vermißt werden weiter ein Steinsetzer aus Gollma bei Leipzig und ein Kaufmann aus Meißen. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß das Unglück noch ein ober Zwei weitere Opfer gefordert hat, deren Persönlichkeit noch nicht feststeht. Rach dem Bericht von Augenzeugen wurde durch den Stoß des stromabwärts fahrenden Dampfers die Bordwand des Fährbootes vollkommen eingedrückt. Alle an Bord befindlichen Personen fielen oder sprangen unter Schreckensrufen ins Wasser, von allen Seiten eilten sofort Boote zur Hilfeleistung herbei, so daß die verunglückten, soweit sie nicht sofort untergegangen waren, geborgen werden tonnten. Das Fährboot „Forelle" wurde später durch Meißener Fischer gehoben und geborgen. Die Versuche, die vermißten Insassen oder deren Leichen zu bergen, wurden bis in die späten Abendstunden ergebnislos fortgesetzt.
Die „Soerige“ unversehrt in Reykjavik.
Reykjavik, 10.Juni. (WB.) Das schwedische Flugzeug „Soerige", das auf dem Fluge von Schweden nach Amerika vor der Küste von Island niedergehen mußte, ist vollkommen unversehrt 19.48 Uhr wohlbehalten im Schlepptau des Jnspektions- schiffes „Odin" eingetroffen.
Zwei Todesopfer eines Bootsunfalles.
In der Südostecke des in der Umgebung Brant benburgs liegenden Plauer Sees kam gestern infolge des stürmischen Wetters ein mit drei Dran- benburgern besetztes Pabbelboot zum Kentern. Zwei von den Paddlern fanben den Tob in be n Wellen, währenb ber brüte Insasse sich an das treibende Boot klammerte und einige Zeit später an Land getrieben wurde.
Oie Wetterlage.
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Montag, lO.Jiinl 1929,
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len gehen die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichen} •ul Meeresniveau umocrechneleo Luftdruck
Wettervoraussage.
Der hohe Luftdruck hat sich weiter nach dem Kontinent ausgebreitet, und unter Druckanstieg weist er in seinem Kern Barometerstände von 770 Millimeter auf. Das Kerngebiet erstreckt sich heute morgen über den größten Teil Deutschlands hinweg. Infolgedessen hat sich die Bewölkung weiter aufgelöst, und vielfach herrscht heiteres Wetter. Die Wetterlage erfährt zunächst keine Aenderung, jedoch dürfte später das neue isländische Tiefdruckgebiet mit seinen Randstörungen Anlaß zu Gewitterbildungen geben.
Wettervoraussage für Mittwochs Meist heiter, weitere Erwärmung, trocken.
Wettervoraussage für Donnerstag." Aufkommende Bewölkung, warm, Neigung zu Ge- witterstörungen.
Lufttemperaturen am 10.3uni: mittags 20,1 Grad Celsius, abends 14 Grad: am 11.3uni: morgens 13 Grad. Maximum 20,2 Grad, Minimum 6,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 10.3uni: abends 19,9 Grad; am 11.3uni: morgens 14,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer: 6x/< Stunden.
Amtlicher Reisewetterdienst der öffentlichen Wetterdienststelle Gießen.
Bayern (Garmisch-Partenkirchen): Gestern warmer Tag, veränderlich mit Schauern: heute morgen 13 Grad, Eüdwestwind, Regen.
Küste (Westerland a. Sylt): Gestern kühle Rächt, teils heiter, teils wolkig: heute morgen 12 Grad, Westwind, heiter.
(Swinemünde): Gestern vorherrschend kühl. Wetter besser geworden: heute morgen 13 Grad, Rordwestwind, heiter.
(Borkum): Gestern kühle Rächt, teils heiter, teils wolkig: heute morgen 15 Grad, Südwestwind, heiter.
Baden (Baden-Baden): Gestern kühle Nacht, meist trübe: heute morgen 14 Grad, Ostwind, heiter. — Freiburg: Gestern der 3ahreszeit angemessene Temperatur, meist trübe: heute morgen 15 Grad, Rordwestwind, wolkig.
Rheingebiet (Köln): Gestern rasche Erwarmung, meist heiter: heute morgen 13 Grad. Windstille, heiter.
Schlesien (Schveiberhau): Gestern kühle Rächt, meist trübe; heute morgen 10 Grad. Wind- tiüe, wolkig. ' " v" v v r v-**


