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und fam als Bettler nach China, er besah nichts als einen guten Konstruktionsentwurf für neue Mörsergefchütze. Cs gelang ihm, zu Tschangtfolin vorzudringen, der sofort die Bedeutung der Kon­struktion erkannte, den Offizier in seine Armee einreihte und ihn zum Vizefeldherrn ernannte, als Peking eingenommen wurde. Gleichzeitig er­hielt er ein Geldgeschenk von 20 000 Pfund, und als er weitere 25 000 Pfund in der Lotterie ge­wann, zog er sich im Jahre 1927 nach England zurück. Einen europäischen Bizefeldherrn be­schäftigte auch Tschiangkaischek in dem bolsche­wistischen General Galen, der behauptete, ein Rachkornrne des Fürsten Blücher zu sein. Galen muhte seinen Posten gleichzeitig mit Michael Borodin aufgeben, einem Diplomaten von großen Fähigkeiten, der im Auftrag der Sow­jetunion den Kanton-Aufstand leitete, und sich dadurch bei den Vertretern der europäischen Mächte sehr verhaßt machte.

Wie ein Abenteurerfilm mutet das Leben des russischen Generals Baron von Ungern» Sternberg an, der die russischen Weihen Truppen in der Mongolei befehligte. Vielleicht schwebte das Bild dieses Mannes dem russischen Regisseur vor, der den FilmSturm über Asien" drehte, denn auch dieser nannte seinen Helden Generalissimus des Lebenden Bud- d h a", verlieh ihm also einen Titel, den von Ungern-Sternberg führte. Der baltische Baron erliefe ein Manifest an alle asiatischen Völker, in dem er sie im Rainen Buddhas zum Kampf gegen die Bolschewisten aufrief. Aach einigen Anfangserfolgen wurde Ungern-Sternberg von seinen eigenen Offizieren verraten und an die Sowjetregierung ausgeliefert. Glücklicher war dagegen jener schwedische Bauernjunge, -der im Jahre 1880 nach China auswanderte und sich an der Grenze der Mongolei niederlieh. Zusam­men mit 21 Europäern wurde er während des Doxeraufstandes gefangen genommen, konnte je­doch nach Urda entfliehen, der heiligen Stadt der Mongolei, in der er später großen politischen Einfluß gewann. Als es ihm gelang, das Ober­haupt der mongolischen Truppen für einen Frie­densschluß geneigt zu machen, wurde ihm der Titel eines Herzogs der Mongolei verliehen. L a r s s o n war der bürgerliche Aame dieses asiatischen Herzogs, der einige Zeit darauf nach seiner schwedischen Heimat zurückkehrte, und dort vor wenigen Tagen im schwedischen Rundfunk einen Bortrag über seine abenteuerliche Laufbahn gehalten hat. Aber weder Larsson noch Ungern- Sternberg noch Trebitsch-Linevln noch Oberst Bauer haben für China so gewaltige Bedeutung gehabt wie Michael Borodin, der fließend chinesisch sprach, und dem es die augenblicklichen Machthaber Chinas vielleicht in erster Linie zu danken haben, daß sich die füdchinesische Bewe­gung, wenn auch in gemäßigter Form, das ganze Reich der Mitte erobert hat.

Oberheffen.

Sitzung -es Knedberger Kreistages.

WSA. Friedberg, 10. Mai. In der letzten Sitzung des Kreistages stand u. a. der Voranschlag der K r e i s v e r w a l t u n g z'ur Beratung. KreisdirektorR e ch t h i e n, welcher in feiner Eröffnungsansprache besonders darauf hinwies, daß es fein Bestreben sei, in strengster Reutralität sein Amt zu führen, widmete feinem Amtsvorgeher, dem jetzigen Provinzialdirektor von Starkenburg. Gebhardt, warme Worte ehrenden Gedenkens. Die Beratungen ergaben die Annahme des Voranschlages mit allen gegen eine Stimme. Der Voranschlag für 1929 ist in Einnahmen und Ausgaben mit 11019187 Mark festgesetzt. Eine Erhöhung der Kreisumlagen er­folgt nicht.

Voranschlagsberatung in Butzbach.

pb. Butzbach, 8. Mai. In der gestrigen Sitzung des S t a d t r a t s wurden, wie schon kurz gemeldet, die Voranschläge derStadt für das Rechnungsjahr 1929 beraten. Bürgermeister D r. Jansen gab vorher einen kurzen Derwaltungsbericht, worauf zu­nächst der Voranschlag des Elektrizitäts­werks, der in Einnahmen und Ausgaben mit 270 400 Mk. abschließt, ohne weitere Debatte an­genommen wurde. Gleichzeitig wurden hierbei folgende S t r o m t a r i f e beschlossen: 1. Groß­abnehmer (Originattarife des Ueberland- werks): Vamag-Meguin Sondertarif Grundge­bühr 5.20 Mk. je Kilowatt Höchstlast, Arbeits­preis 5,5 Pf. je abgenommene Kilowattstunde, garantierte Abnahme von über 200 ODO Kilowatt­stunden Grundgebühr 5,50 Mk., Arbeitspreis 6 Pf., garantierte Abnahme über 50 000 Kilowatt­stunden Grundgebühr 6,70 Mk., Arbeitspreis 6 Pf., garantierte Abnahme über 20 000 Kilo­wattstunden Grundgebühr 10 Mk., Arbeitspreis 6 Pf.. 2. Kleinabnehmer: monatlicher Grundpreis für Kraftbetriebe mit einer gesamten Motorenleistung: Gruppe 1 bis 0,75 Kilowatt 0.50 Mk.: Gruppe 2 über 0,75 bis 3 Kilowatt 1,50 Mk.: Gruppe 3 über 3 bis 4 Kilowatt 2.50 Mk.: Gruppe 4 über 4 bis 5 Kilowatt 3,50 Mk. ufto. Der Arbeitspreis für die Kilowattstunde für Kleinmotorenbetrieb beträgt 15 Pf. Zähler­miete wird nicht erhoben. Rächt-Tarif: Der zur Zeit bestehende Tarif mit 12 Pf. bleibt unter Beibehaltung der monatlichen Zählerge­bühr von 2 Mk. bestehen. L i ch 11 a r i f : der seitherige Satz von 45 Pf. für den Rormal- verbrauch bleibt bestehen. Der Sah für den Haushaltstarif wird auf 18 Pf. je Kilowattstunde ermäßigt.

Sodann wurde der Voranschlag des Wasser­werks in Einnahme und Ausgabe mit 48 000 Mk. genehmigt. Der Preis für 1 Kubikmeter Wasser muß von 40 auf 45 Pf. erhöht werden, mit Rücksicht darauf, daß eine neue Pumpe nebst Ueberbau für die abgängige Pumpe > beschafft werden muß, und weiterhin, daß über 100 Was­sermesser infolge des starken Frostes aufgefroren und unbrauchbar geworden sind, ebenfalls neu beschafft werden müssen.

Der Voranschlag des A r m e n f o n d s , der in Einnahme und Ausgabe mit 13 500 Mk. ab­schließt, wurde ohne Debatte genehmigt.

Ueber den Voranschlag der Stadtverwal- t u n g der in Einnahme und Ausgabe mit 538 250 Mk. abschliefet, entspann sich eine längere Debatte. Der Gesamtumlagebedarf be­trägt 171 000 Mark. Dieser Betrag soll wie folgt aufgebracht und als Gemeindesteuer ausgeschlagen werden: 1. von Gebäuden Er­höhung von 12 auf 17 Pf. Ausschlag von 100 Mk. Wert: 2. von Grundstücken Erhöhung von 24 auf 34 Pf. von 100 Mk. Wert: 3. Sonder- aebäudesteuer Erhöhung von 36,7 Prozent des staatl. Solls auf 37,43 Prozent: 4- vom Gewerbe,

Oer Kein- -es Krie-ens.

Don unserem Warschauer Mitarbeiter.

Warschau, Mai 1929.

Ganz Polen steht im Zeichen eines erneuten Ausbruchs handgreiflicher Deutschfeindlichkeit. Am 28. April fand in Thorn eine Tagung des polnischen Westmarkenvereins statt, die als Protestkundgebung gegen die angeblichen Forderungen Schachts auf der Pariser Konferenz gedacht war. Dabei hielt der Wojewode von Pomereilen eine jener politischen Reden, wie sie nur ein polnischer Beamter zu riskieren pflegt. Es ist nicht ganz leicht, die Merkmale der politi­schen Beredsamkeit derjenigen, die sich hier als Herren im Haufe fühlen, zu schildern. Wenn man sagt, es würde frischweg darauflos gelogen, bann ist das ebenso unrichtig, als wenn man sagt, hier würde die Wahrheit gesprochen. Beide Behauptungen sind, so seltsam das auch Hingen mag, eine Beleidigung Dieser stolzen Beamten. Man muß einen neuen Ausdruck erfinden, um das zu kennzeichnen, wovon hier die Rede ist.

Wenn man einen berufsmäßigen Phantasten auf Irrwegen ertappt, so wird man in der Regel.finden, daß alle Märchen, die er erzählt, von ihm als subjektive Wahrheiten empfunden werden. Fehler, Irrtümer, Unrichtigkeiten wird er nur zugeben, wenn er sich zufällig im Ein­klang mit der Wirklichkeit und der Wahrheit befinden sollte. Hierzu ein Beispiel, nämlich den ersten Sah der- Wojewodenrede, wobei wir die Empfehlung anbringen wollen, dies Gemisch aus undefinierbaren politischen Substanzen, diese Traumgespräche, die nicht Wahrheit und nicht Lüge sind, mitWojewodenreden" zu bezeichnen. Also dieser Wojewode sagte:

Das Versailler Traktat hat bedeutende ethno­graphisch-polnische Landgebiete, die eine um das Zehnfache stärkere Zahl von Polen aufweisen, als es die deutsche Minderheit in Polen dar» stellt, unter der Herrschaft des Deutschen Reiches belassen. In der Erkenntnis, daß kein Werk der menschlichen Hände und Gedanken vollkommen sein kann und daß die nicht gelösten Grenz­konflikte durch den guten Willen und auf neuen Grundlagen der zusammenarbeitenden Völker ge­löst werden können und müssen, haben sich das polnische Volk und die jedesmaligen polnischen Regierungen auf den Boden der loyalen Aus­führung der Traktate als einer unerschütter­lichen Grundlage des Zusammenlebens der Völker gestellt, den nationalen Minderheiten aber hat man in diesem Staate im Sinne der stets tole­ranten Tradition der polnischen Politik den Genuß aller Wohltaten der polnischen Gesetz­gebung. einer der liberalsten der ganzen Welt, zugesichert."

Wer im übrigen Sinn für Tragik, ein Gefühl der Dinge hat, die das Thema von Geschichten bilden, wie sie E. T. A. Hoffmann erzählte, dem ser berichtet, daß in dem gleichen Augenblick, als der Wojewode den Schlußsatz seiner An­sprache hielt, der als höchster Kreisbeamter an­wesende Landesstarost Dr. Whbicki tot zu - s a m m e n st ü r z t e. Er hatte einen Schlaganfall erlitten.

Dazu ein zweites seltsames Bild: Als man den verstorbenen Starosten beerdigte, hatte die Stadt Thorn schwarzweißrot geflaggt, und das war so gekommen: die Farben Polens lind weißrot. An den Fahnen hatte man indessen schwarzen Trauerflor angebracht, so entstand die Wirkung, die man sicherlich nicht bedacht hatte.

Inzwischen ist mit dem Beginn der warmen Jahreszeit dis Drachensaat des Deutschenhasses in voller Pracht auf gegangen. Von größter Be­deutung ist dabei der Vorstoß in der Liquida- t i o n ö f r a g e. Einige dreißig deutsche Guter, deren Liquidation vorläufig eingestellt war, sollen nunmehr, widerrechtlich, enteignet werden. Liquidation in Polen ist bekanntlich gleichbedeutend mit Enteignung. Der Besitzer er­hält 'pur einen Bruchteil des Gegenwertes seiner Habe ausgezahlt, wenn er überhaupt etwas er­hält. Sonst wäre die Liquidation viel zu kost­

spielig. Diese Aktion ist selbstverständlich als Druckmittel auf die deutsche Regierung gedacht. Man will damit nicht nur die Handelsvertrags- Verhandlungen wieder in Gang bringen, son­dern auch gleichzeitig ein gutes Geschäft machen.

Bedauerlich bleibt, daß immer nur diese grö­ßeren Raubzüge gegen deutschen Besitz, gegen deutsche Kulturwerte in Deutschland, öffentlich zur Erörterung gelangen. Der eigentliche Kampf gegen das deutsche Volkstum wird seit zehn Jahren ohne Unterbrechung und ohne Ermü­dung geführt. Der ritterliche Pole kämpft dabei vornehmlich gegen die Aerm sten und Schwächsten. Man entläßt Chausseearbeiter, weil der Gendarm das Kind mit einer deutschen Fibel beobachtet hat. Man verlangt von deutschen Ansiedlern, daß ihre Töchter Polen heiraten, wenn das Gut im Besitze der Familie bleiben soll. Man kündigt Angestellten, weil ihre Ver­wandten die Minderheitenschule besuchen, man seht Prämien aus, um die Postbeamten zu ge­nauester Kontrolle der Briefschaften zu veran­lassen, man tut, was man kann, um die Existenz des einzelnen oder der Familie zu untergraben oder unhaltbar zu machen.

Von diesen Dingen erfährt die Welt nichts. Sie sind zu geringfügig, sie sind vor allen Din­gen meist nicht einmal aktenmäßig nachweisbar. Recht und Gesetz kennt man nicht. Es wird von oben her mißachtet. Ein Dispositionsfonds für den Kriegsminister, den der Sejm abgelehnt hat, wird im Wege einer Umlage beim Militär und der Beamtenschaft von oben herab ge­schaffen. An die Stelle der Steuern tritt der dekretierte ober erzwungene GehaltSabz u g. Das sind Rechtsbegriffe, mit denen ein Deutscher eben auf die Dauer nicht fertig zu werden vermag.

Prüfen wir nun die Massenliquidation, die heute über das Deutschtum hineingebrochen ist, dann bleibt nur eine Bestätigung unserer Be­hauptung. Hier ein paar Stichproben der letzten Enteignungen: Im Kreise W oll st ein Liquida­tion Liebig, 6,6840 Hektar Größe. Entschädigungs­betrag 5346 Zloty abzüglich 361 Zloty zur Deckung der Hypotheken und Liquidierungskosten. Ge­schwister Schiemann, Größe 0,1170 Hektar, Ent­schädigung 95 Zloty, Abzug 23 Zloty. So geht es weiter. Fall nach Fall. Die Entschädigungen werden endgültig erst vom Liquidationskomitee in Posen festgestellt werden.

Ratürlich sind auch größere Objekte darunter. So werden die Güter des Herrn von Hardt zum Liquidationsverkauf ausgeboten. Preis 4 300 000 Zloty. Größe 5912 Hektar oder rund 24 000 Morgen. Der Wert eines Zloty beträgt rund 47 Pfennig. Also noch nicht einmal eine halbe Mark. Daraus ergibt sich die Höhe der Ent­schädigungszahlung. Hier mag darauf hingewiesen werden, daß der Preußische Staat bei den vier von ihm enteigneten Gütern einen Entschädi­gungspreis von über 2000 Mark für den Hektar erlegte. Das sind über 4000 Zloty pro Hektar. Dahingegen erhält zum Beispiel Herr Paul Robke im Kreise Adelnau für einen Besitz in Größe von 5,2 Hektar 4190 Zloty, wovon noch 1542 Zloty als Liquidation und sonstige Unkosten in Abzug gebracht werden. Würde er nach preußischer Methode enteignet worden fein, dann hätte er etwa 20 000 Zloty erhalten.

In dieses ganze Bild gehören die deutsch­feindlichen Demonstrationen, die allenthalben in Polen ftattgefunden haben. Sie sind aber nur der Rauch, der von dem E>rennen­den Feuer aufsteigt. Der eigentliche Kampf, die wirklich wesentlichen Vorgänge werden dadurch nicht berührt. Die Polizei hat in Warschau durch energisches Eingreifen ernsthafte Ausschreitungen verhindert. Gewiß, das soll anerkannt werden. Aber die Liquidationsliste, der oben geschilderte Kampf gegen das Deutschtum, sind weit wich­tigere Dinge als der randalierende politische Pöbel.

a) vom Anlage- und Betriebskapital Ausschlag Ermäßigung von 1.20 auf 1,10 Mk., b) vom Ertrag Erhöhung des Ausschlags von 1.20 auf 2 Mk. von 100 Marl. Die Erhöhungen sind erforderlich, weil aus vorliegenden Rechnungs­jahren an verschiedene Großfirmen Steuererlasse zurückgczahlt werden müssen und eine weitere Ersparnis in der Betriebsrechnung, bei welcher schon rund 16 000 Mk. abgestrichen wurden, nicht zu verantworten ist. Aus dem Voranschlag seien noch folgende Angaben gemacht: das Vermö­gen der Stadt beträgt 2 143 226,13 Mk. des Elek­trizitätswerks 284 482,30 Mk., des Wasserwerks 148 012,65 Mk.. des Armenfonds 254,622,84 Mk., sonach insgesamt 2 830 343,92 Mk. Diesem stehen an Schulden gegenüber a) Stadt 1 075 622,37 Mk.. b) Elektrizitätswerk 59 471,06 Mk. und c) Wasserwerk 91 392,50 Mk.. insgesamt 1 226 485.93 Mark. Für öffentliche Wohlfahrtspflege sind 70 000 Mk.. für die Stadtschule 21 000 Mk.. für die Fortbildungsschule 4000 und die Weidig- Oberrealschule 33 000 Mk. vorgesehen.

Der Bund ehern. Hess. Leib-Drago­ner will hier einen Gedenkstein sehen zur Erinnerung an die gefallenen Dragoner und die ehemalige Garnisonstadt der Leibdragoner. Rach Verhandlungen mit dem Denkmalpfleger ist für die Aufstellung des Denkmals die Anlage in der Ludwigstraße zwischen Guldengasse und Roß- brunnengasse geeignet. Der Stadtrat stellte den Platz kostenlos zur Verfügung und genehmigte die Aufstellung des Denkmals nach dem vorhan­denen Modell. Ferner beschloß der Stadtrat dem Turn- und Sportverein Butzbach zur Deckung der Kosten für den Plattenbelag oes Fußsteigs ein Darlehen in Höhe von 1500 Mk. zu gewähren. Das Darlehen soll mit jährlich 4 Prozent verzinst und mit mindestens 6 Prozent getilgt werden.

Landkreis Gießen.

* Klein-Linden. 10. Mai. Als am Mitt­wochvormittag der Landwirt Karl Glaum mit feinem Kuhsuhrwerk die Frankfurter Straße entlang fuhr, wurde er von einem von hinten I kommenden Auto, das das Fuhrwerk überholen wollte, derart stark angerannt, daß er vom ;~B-a££,n heruntergeschleudert und ein ©tud Wegs weit geschleift wurde. Der Auto­fahrer wollte noch vor einem entgegenkommenden Motorradfahrer das Fuhrwerk in größerer Ge­schwindigkeit überholen, wodurch das Unglück her- beigesuhrt wurde. DaS Auto wurde leicht be­schädigt, konnte aber seine Fahrt fortsetzen. Die Rümmer des Autos und die Personalien des 1 Autoführers gönnten inzwischen festgestellt wer­

den. Glücklicherweise sind die Verletzungen des verunglückten Mannes nicht schlimm. Außer eini­gen Prellungen und Hautabschürfungen kam er mit dem Schrecken davon.

CO Klein-Linden, 10. Mai. In der Zeit vom 6. bis 8. Mai würbe vom Verband der weiblichen evangelischen Jugenb in Hessen unter Beteiligung von Jugenboereinlem aus Gießen und Allendorf (Lahn) in unserem Dorfe eine Freizeit abgehalten. Die Leiterin war die Sekretärin des Verbandes der evangelischen weib­lichen Jugend in Hessen, Fräulein Ecker (Orbis- höhe) bei Zwingenberg. In der Schlußversammlung am Mittwochabend in unserer Kirche, zu der unsere Kirchengemeinde eingeladen ivar, sprach Fräulein Ecker über Zweck und Ziele des Verbandes, die in der Hauptsache darin bestehen, die evangelische lveib- liche Jugend zu echtem Frauentum zu erziehen. Eine große Anzahl Lichtbilder aus dem Leben und Trei­ben der dem Verband angeschlossenen Vereine er­gänzten die Ausführungen der Rednerin. Der Orts­geistliche, Pfarrer Bremmer, sprach der Redne­rin den Dank für ihre segensreiche Arbeit aus und gab der Hoffnung Ausdruck, das der zu Ende gehen­den Freizeit ein dauernder Erfolg befchieden fei.

£ Wieseck, 10. Mai. Wenn sich auch der Wettergott am Himmelfahrtstag nicht von seiner besten Seite zeigte, so ließ es sich der Mangel- ff einer Höhenklub doch nicht nehmen, sein diesjähriges Waldfest am Fuße des Hangel­steins im Walde abzuhalten. Sehr viele Ein­wohner und Freunde des Waldes hatten sich dazu eingefunden, um einige Stunden im Kreise Gleichgesinnter zu verleben. Die Kapelle M a n t hatte den musikalischen Teil übernommen, während die Mitglieder des Vereins die An­wesenden durch einige Volkslieder unterhielten. Mit Recht konnte der Ehrenvorsitzende des Han« gelsteiner Höhenklubs, Adam Kümmel, darauf Hinweisen, daß gerade durch solche Veranstal­tungen und durch die Förderung des Zieles des Vereins (Pflege der Wanderungen durch Fluren und Wald) echte Kameradschaft und Freundschaft erreicht werde. Er überreichte zugleich verschie­denen Mitgliedern die Radeln für die Teilnahme an Wanderungen, wobei besonders hervorzu­heben ist, daß Ludwig D a u p e r t, Wilhelm Körber und Wilhelm Schäfer die silberne Rabel erhielten.^ Ludwig D a u p e r t als älte­stes Mitglied überreichte hierauf dem Ehren­vorsitzenden Adam Kümmel die Medaille für hervorragende Dienste für den Verein. Die Dretzelverteilung an die Kinder war eine sehr schöne Ueberraschung. Rach einigen Konzert­stücken trennte gmn sich vom Zvalö? unb plieb

noch mehrere Stunden kn Gemütlichkeit km Der» einslokal Wellersburg beifammen.

0 Grüningen, 10. Mai. Gestern feierte Alt­bürgermeister Gilbert im Kreise seiner Angehöri­gen bei körperlicher und geistiger Frische seinen 8 5. Geburtstag. In seiner 27jährigen Tätig­keit als Bürgermeister hat er in hohem Maße zum Segen unserer Gemeinde gewirkt und sich allge­meine Beliebtheit und Anhänglichkeit erworben.

)( Lieh, 10. Mai. StiftSpfarrer Lic. Schor­le mm er wurde durch bas Ministerium mit ber Versetzung einer Religionslehrer stelle an dem Gymnasium in Mainz beauftragt unb wirb sein neues Amt bereits am nächsten Montag antreten. Damit bürste bas enbgültige Scheiden des allseits beliebten Geistlichen, ber 10 Jahre hier und in Rieder »Bessingen wirkte, von seinen beiden Gemeinden noch in diesem Jahvx erfolgen. Man sieht den beliebten Prediger und Seelsorger nur mit größtem Bedauern aus feinen beiden Ge­meinden scheiden.

* Lich . 11. Mai. Am 3. Pfingstfeiertag findet in Lich ber sogenannte Psing st markt (Ziegen-, Lämmer- unb Schweinernartt) verbunden mit einer Ziegenschau und Prämiierung statt. Da die hiesigen Märkte in den letzten Jahren sich eines zunehmenden Besuchs erfreuten, ist auch jetzt wieder mit einem starken Arrftrieb zu rechnen. Auf die Bekanntmachung der Bürger­meisterei Lich im heutigen Anzeigenteil sei 'beson­ders hingewiesen.

* Lang-Göns, 10. Mai. Linser Turn­verein begeht vom 13. bis- 15. Juli sein 3 0- jähriges Jubiläum. Er verbindet damit ein Schau- unb Musterriegenturnen für die Vereine ber näheren Umgebung, das als Hauptprobe für bas am bar auf folgenden Sonntag in Alsfeld ftattfinbende große Gau- turnfeft des Gaues Hessen gelten soll. Lang-GönS wirb seinen guten Ruf als Festort auch biesmal in turnerischer wie in gastlicher Beziehung zu rechtfertigen wissen. Als Festmusik ist die Ka­pelle ber Freiwilligen Feuerwehr Butzbach ge­wonnen worden.

Kreis Friedberg.

WSR. Friedberg, 10. Mai. In der vor­gestrigen Sitzung der Stadtverwaltung wurde der städtische Voranschlag durch den Stadtrat beraten und mit allen gegen eine Stimme an­genommen. Durch Eryöhung der Gewerbe­steuer soll das verbleibende Defizit von 28 000 Mark hereingebracht werden. Die Beratungen nahmen teilweise erregte Formen an, da von demokratischer Seite auf die Unmöglichkeit hinge­wiesen wurde, von Handel unb Wirtschaft erhöhte Steuern einzuzietzen. Der Voranschlag für 1929 schließt in Einnahmen unb Ausgaben mit einem Betrage von 2 263 180 Mk. ab. Der vorjährige Haushalt beanspruchte 1568 650 Mk.

Butzbach, 10. Mai. Dieser Tage veran­staltete'die hiesige Ortsgruppe der Deutsch- nationalen Volkspartei einen Vor­tragsabend, auf bem ber Provinz-Vorsitzende Dr. ^Lenz, Gießen, in längerer, mit Beifall aufgenommener Rede über die wichtigsten aufeen» und innenpolitischen Fragen sprach. Dabei be­schäftigte er sich eingehend mit den Verhandlun­gen in Paris und Genf und begründete die ab­lehnende Stellung der Partei gegenüber den ver­nichtenden Forderungen ber Gegenseite unb bes viel zu hohen Angebots von Dr. Schacht. Die Verhandlungen in Genf zeigen aufs deutlichste, daß Frankreich und feine Bundesgenossen an eine Abrüstung überhaupt nicht dächten. So­wohl in Paris, als auch in Genf trete immer wieder der unveränderte Wille der Gegenseite hervor, Deutschland auf ewig niederzuhalten. Die Verständigungspolitik mit Frankreich habe bankerott gemacht. Also müßten wir uns an­ders orientieren. Wer uns zur Freiheit ver­helfe, fei uns willkommen. In der Innenpolitik spitze sich der Kampf immer mehr auf die Frage: Rechts- oder Lintsregierung? zu. Kleine Parteigruppen im bürgerlichen Lager hätten an­gesichts des Ansturms von links keine Existenz­berechtigung. In der Frage der Reichsreform habe uns Bismarck, der Baumeister des Kaiser­reiches, noch viel zu sagen. Wie er Preußen und das Reich zusammcngeführt habe, so müsse auch heute der Gegensatz zwischen dem größten Bundesstaat und dem Gesamtstaat beseitigt wer­den. In der folgenden Ansprache wurde noch manche wichtige Frage klärend besprochen.

Kreis Büdingen.

* Nidda, 10. Mai. Die hiesige gewerbliche F o r t b i l d u n g s s ch n 1 e hat in dem neuen Schul­jahr einen beträchtlichen Zuwachs an Schülern aus den benachbarten Orten erhalten. Es besuchen über 130 Lehrlinge in jeder Woche einen vollen Tag den Unterricht, so daß nun sechs Klassen von einem Berufsschullehrer und zwei Gewerbe­lehrern unterrichtet werden. An einem jetzt beendeten Kursus für Kandidaten der Meisterprüfung haben zehn junge Handwerker von hier und den Nachbar­orten teilgenommen. Die Unterweisungen erfolgten durch den Leiter der Gewerbeschule, Rektor Vitt/ unb Gewerbelehrer Wilhelm Geiger.

A Ridda, 10. Mai. Dieser Tage fand hier im GasthausZur Traube" die diesjährige Mitgliederversammlung der Be- zirkssparkassc Rid da statt, zu de? sich sämtliche Vertreter ber Bezirksgemeinden und die Mitglieder des Aufsichtsrats und Vorstandes eingebunden hatten. Don der Verwaltungsbe­hörde nahm Kreisbirektor Dr. Gaßner von Bübingen, vom Sparkasscgiroverbanb Dr. Reh und von der Girozentrale Direktor Henkel von Darmstadt an den Verhandlungen teil. Der Direktor der Sparkasse, Rektor i. R. Gatzert, begrüßte in herzlichen Worten die Erschienenen, besonders die Vertreter der Verwaltungsbehörde und des Verbandes, und erstattete 'hierauf den Jahresbericht für 1 928, der eine sehr gute Weiterentwicklung ber Kassengeschäfte auf- wies. Der Jahresumsatz betrug über 18 Mil­lionen, je 9 200 000 Mk. in Einnahme unb Aus­gabe. Der Reingewi n n beläuft sich auf 12161 Mk. 11 Pf., bie Bilanzsumme ist auf 1 926 703 Mark gestiegen. Die Zahl der Sparbücher nahm in 1928 um 378 Stück zu, die Spareinlagen stiegen auf 1 357293 Mk. Durchschnittlich kommen 636 Mark auf einen Sparer. Die Rechnung für 1928 war von Auf­sichtsrat unb Vorstanb geprüft unb nicht bean» ft anbet worben. Sie würbe von ber Versamm­lung genehmigt unb bem Rechner unb Vorstand vorbehaltlich ber Revision durch bie Oberrech- nungskammer Entlastung erteilt. Vor kurzem hat eine eingehende Revision der Kasse durch den Revisor des hessischen Sparkassen- unb Giro- verbanbes Kochendörfer aus Darmstadt ftattgefunben und einen musterhaften Geschäfts­betrieb sestgestellt, so baß baS Resultat dec Revision tn jeder Hinsicht sehr gtznstig war,