Nr. M Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Donnerstag. April (929
Die Diktatur -er Kupferkönige.
Von Herbert 3Ru(oni>.
Wer eine elektrische Leitung legen oder reparieren läßt, wer Glühbirnen, Steckdosen, Lei- tungsdrähte, Radioapparate oder andere cleklrv- technische Gegenstände kaufen will, wird bald eine ebenso unangenehme Lleberraschung erleben wie Die Bauunternehmer; denn alle Gegenstände, in Denen Kupfer oder Messing enthalten ist, wer- Den jetzt beträchtlich im Preis steigen. Wenn Die erhöhten Rechnungen vorgelegt werden, wird sich auch Der Privatmann, „Den Die Börsennachrichten nichts angehen", der Tatsache bewußt werden. Daß in Den letzten Wochen der Kupferpreis stark erhöht worden ist. Richt nur von Den Messingfabrikanten oder Den Kabelwerken, von allen Rationen und auch vom ganzen Deutschen Volk fordert das große internationale Küpferlartell einen Tribut. Die Kupfer- iönige Der Welt sind nicht stolz, sie verachten auch Den Pfennig des Aermften nicht, Denn aus Den vielen kleinen Beträgen seht sich der gewaltige Goldstrom zusammen, Der seit Monaten in ihre Kassen strömt.
1200 Mark kostete die Tonne Kupfer zu Beginn Des vorigen Jahres — 1800 Mark muß man heute für dieselbe Menge zahlen. Der Kupferpreis ist also in etwas mehr als einem Iahr um 50 Prozent gediegen. Da Deutschland sehr viel Kupfer verbraucht, Die Deutsche Kupfererzeugung aber nur geringfügig ist, wirD sich Die Herrschaft des Kupferkartells bald sehr unangenehm bemerkbar machen. Lieber 100 000 Tonnen Kupfer hat Deutschland im Jahre 1927 eingeführt. noch höher wird Wohl die Einfuhrziffer von 1928 sein. Die Preiserhöhung zwingt also Deutschland, das auf Den wichtigen Rohstoff nicht verzichten kann, jährlich für feinen Kupferimport jetzt 180 Millionen Mark mehr zu bezahlen. Bei Der wichtigen Rolle, Die Das Kupfer im deutschen Wirtschaftsleben spielt, fit^D Die Folgen noch nicht abzusehen. Die Industrie, Die große Lieferverträge für Maschinen ktnD elektrotechnische Artikel zu festen Preisen abgeschlossen hat, muh durch Die Steigerung des Kupferpreises große Verluste erleiDen. Die Drahtzieher Dieser Bewegung, Die großen Kupferproduzenten, haben ganze Arbeit geleistet.
Drer Männern ist es gelungen, Der ganzen Welt ihren Willen aufzuzwingen. Zielbewußte, kühl rechnende Amerikaner sind Die Kupferkönige, Die Brüder Simon und Daniel Guggenheim sowie W. A. Harriman. Ihnen gehören die größten Kupfergruben Der Welt. Schon einmal, im Iahre 1923, schlossen sich Die Kupferkönige zusammen, um Den Preis rücksichtslos heraufzusehen. Damals scheiterte Dieser Versuch an dem Starrsinn einer belgischen Gesellschaft, die Union Miniöre Du Haut Katanga. Dieses Unternehmen, dessen Kupfergruben in Afrika liegen, wollte seine Produktion nicht nach den Vorschriften Der Amerikaner einschränken. Die belgische Gesellschaft trat aus Dem Kartell aus und sprengte es damit. Grst im Iahre 1926, als Der Kupferbedarf Der Welt größer geworden war, und auch eine erhöhte Produktion aufgenommen werden konnte, wurde ein neues Kartell gegründet, das sämtliche maßgebenden Kupferproduzenten der Welt unter amerikanischer Führung zuscunmenschloh.
W. A. Harriman, der rührigste der amerikanischen Kupferdiktatoren ist in Deutschland kein Allbekannter. 3m August vorigen Jahres gelang es ihm, maßgebenden Einfluß auf die ober- schlesische Industrie zu gewinnen, nachdem er bereits vorher in Den oberschlesischen Gische-Kon- zern eingedrungen war. Harrimans erstes deut-
sches Geschäft war Die Gewährung eines Darlehens an die Hapag. Der Harrimansche Reichtum stammt von Dem Vater des Kupfertönigs, Dem kaufmännisch nicht ganz einwandfreien Eisenbahnkönig, der es sich seinerzeit gefallen lassen mußte, daß Roosevelt ihn „einen unerwünschten Bürger und verbrecherischen Reichen" nannte. Der alle Harriman hatte sich mit Dem Amerikaner Clark verbunden, der als armseliger Goldsucher nach Montana gegangen war und Dort die größten Kupferminen Der Welt entdeckte. Mit dem Geld des Eisenbahnkönigs wurden die Gruben ausgebaut, es entstand nach und nach einer Der größten amerikanischen Kupferkonzerne, Die Anaconda-Gruppe, Die heute noch ihre Gruben in Montana ausbeutet. Außerdem wurden große Kupferlager in Chile erworben, und die Chile- Copper ist jetzt das größte Kupferbergwerk der Well. Die ausgedehnten Kupferbergwerke in Peru gehören ebenfalls zur Anaconda, von der man vermutet, daß sie jetzt auch unter dem Einfluß Rockefellers steht.
Kennecott Copper Corporation nennt sich der Konzern der Brüder Guggenheim, Dem große Kupfergruben in 11.0.21. und in Südamerika gehören. Daneben besitzen sie riesige Verhüttungsanlagen, Die vielleicht die größten der Welt sind, fast ein Viertel der gesamten Kupferproduktion der Welt wird dort gewonnen. Auch der Guggenheimsche Reichtum ist nicht sehr alt; um Die Mitte des vorigen Iahrhunderts wanderte Meyer Guggenheim mit seiner Frau aus Süddeutschland aus, um in Amerika sein Glück zu versuchen. Ein großes Vermögen verschaffte ihm fein kleiner Altmetall- Handel nicht. Erst feine Söhne brachten das Geschäft in die Höhe, erwarben später Verhüttungsanlagen für Kupfer und kauften schließlich selbst umfangreiche Kupfergruben.
Reben den Guggenheims und Harriman nimmt sich Die Dritte amerikanische Gruppe, der Dodge- Konzern, bescheiden aus. Auch Dodge ist ein Selfmademan. Er begann als Laufbursche, gründete 1825 eine eigene Firma, fand einen Geldgeber und macht mit diesem 1833 eine neue Firma auf, die er Phelpe Dodge nannte. Vor einiger Zeit hat dieser Konzern große Hüttenanlagen in Den Südstaaten von Rordamerika gebaut. Er beschäftigt sich im Gegensatz zu Den beiden schon genannten Gruppen überwiegend mit Der Verhüttung von Kupfer. Wenn auch dem Kupferkartell noch einige andere bedeutende Unternehmen wie die belgische Katanga-Gesell- fchaft und Die unter englischem Einfluß stehende Dio Tinto-Gesellschaft angehören, geben doch Die Harriman und Guggenheims den Ton an. Diesen Kupferkönigen müssen sich Die kleineren Fürsten fügen; auf ihren Wink verschwindet Die Ware vom Markt und schnellen Die Preise empor. Drei Männer bestimmen, wieviel Kupfer in Der Welt gewonnen wird, und wenn sie es wünschen, geht Die Weltproduktion, Die augenblich ungefähr 1,9 Millionen Tonnen jährlich beträgt, sofort beträchtlich zurück. Dann stockt die Arbeit im „reichsten Hügel der Welt", wie man noch heute jenen Bergabhang in Montana nennt, den der Goldsucher Clark damals entdeckte. Roch müheloser wird das Kupfer an einer anderen Stelle Der Vereinigten Staaten gewonnen, in Den Bergen von Utah, wo sich ein gewaltiger Hügel erhebt, der ganz aus Kupfererzen besteht. Dort brauchen keine unterirdischen Stollen gegraben zu werden; riesige mechanische Schaufeln kratzen das Erz aus den Abhängen heraus. 2Tber nicht nur in
Roman einer Aachi
Von Paul Rosenhayn.
Rachdruck verboten!
„Totentanz Der Liebe."
Der Herr und Die Dame, Die an Dem kleinen Tischchen des Speisewagens saßen, blickten sich lächelnd in Die Augen.
Die Dame war sehr schön. Sie mochte im Anfang Der Zwanzig stehen; man stellte sich ihre Erscheinung unwillkürlich in einem Salon Der großen Gesellschaft vor, vielleicht in Den Appartements eines Ministers. Sie war blond. Das typische Blond der Dänin: mit jenem leisen weißlichen Hauch, den Die herbe Seeluft des Rordens gibt. Ihre Qtugen, dunkelblau, groß, mit Dem Ausdruck einer tiefen und gütigen Klugheit, wanderten Durch Den Raum. Der Wagen glitt federnd Durch die Landschaft, über der schon das Gold des scheidenden Tages lag. Ein paar Gäste, Die beim Mokka saßen, blickten interessiert hinüber, aber schon wandten sich ihre Augen von neuem Dem 6ernt zu, Der ihr gegenüber saß.
I Er war, schon auf Den ersten Blick, in fast Illen Dingen Das Gegenteil seiner (Begleiterin: haar und Augen von dunllem TYP, im Blick fnes lächelnde Glimmen, Das Den Frauen gellst — und das aus Dem Hinterhalt Der Geankert zu kommen scheint.
sMan konnte bei seinem Anblick an einen Mann fnken. Der eben aus Monte Carlo kam unD t vielleicht mit klugen und kühlen Berechnungen t neues System erprobt hatte.
Mit Erfolg. Das Lächeln in feinen Augen war \ Siegerlächeln.
sIn einer Stunde", sagte er mit einer Stimme, ^gleichfalls seltsam Dunkelgetönt war, „in einer mde sind wir in Kopenhagen."
lie Dame nickte, und fast schien es, als ob sie
werden Sie am Bahnhof erwartet?" fragte sie. I schüttelte Den Kopf.
Jr Kellner ging vorbei; er nahm Die Sekt- i*le aus Dem Kübel und füllte Die beiden Glä- ■Spn neuem. Die Tür öffnete sich; Der Zug- ging mit bedächtigen Schritten durch Den ~Vn. Er blickte, saft ohne den Kovf zu wen- dem Paar hinüber; Der junge Herr, Der AJugcn des Beobachtenden auf sich ruhen lUYt sah auf; schon ging der Zugführer wei- ^'Vieder blieb er stehen, jenseits Der kleinen 5?-S? wieder wandte er den Kopf zurück. Die nr nl.t>rt d^be" flüsterten miteinander; ihre Aug^^tten sich zärtlich ineinander versenkt.
-st fcinc Rechte einen Moment lang cu' 1 ianD Der Dame; sie wandte unruhig Den
Kopf, aber alle ihre Bewegungen schienen von einer seltsam verhaltenen Zärtlichkeit.
Der Telegraphist rollte die Tür des Marconi- raumes zurück und lief über Den Teppich Des KorriDors. Die Wagen schaukelten in Den Kurven; er tastete sich haltsuchend vorwärts, in Der Linken Das kleine Telegrammcouvert.
In Der Tür zum Speisewagen prallte er mit Dem jungen Paar zusammen; mit einer flüchtigen Entschuldigung stürmte er weiter.
„Wo ist Der Zugführer?"
Der Kellner Deutete mit Dem Daumen nach vorn.
Der Telegraphist riß Die Gangtür auf; es war Der direkte Wagen Paris—Oslo.
„Ein Telegramm, Herr Zugführer!"
„Für wen?"
„Für Sie."
Der zuckte Die Achseln und riß Den Umschlag auf. Der Telegraphist sah Dem Beamten verstohlen ins Gesicht, wie um den Eindruck zu erspähen, den Die Depesche auf ihn machte. Aber Der GesichtsausDruck Des Beamten veränderte sich nicht; Der Marconimann wandte sich enttäuscht um und ging schlenkernd Den Weg zurück, Den er gekommen war.
Der Zugführer hielt Das Telegramm nachdenklich in Der Hand; er wandte Den Kopf in Der Richtung nach Dem Speisewagen.
Eben ging grüßend ein Schaffner vorüber. Der Zugführer winkte ihn mit Den Augen heran. „Ist Das nun ein schlechter Scherz?" fragte er.
Der Schaffner nahm Die Depesche in Die Hand und las:
„Zug soll bei Dlockstation Dreiundvierzig halten."
Die beiden, Der Herr und Die Same, saßen sich von neuem gegenüber: in einem Coupe erster Klasse des Kontinentwagens. Die Dame hatte ein kleines, elfenbeinernes Etui gezogen; russische Zigaretten.
„Wollen Sie nicht rauchen?" fragte sie. In ihrer Stimme klang heimliches Lachen.
„Danke. Gern."
„Sie Dürfen mich nicht falsch beurteilen," sagte sie leise. „Es ist das erstemal in meinem Leben. Roch nie habe ich mich auf Der Reise in eine Unterhaltung mit einem fremden Herrn eingelassen."
Er antwortete nicht; er machte lediglich ein Gesicht, so, als ob das, was Die Dame sage, eine gewichtige SelbstverstänDlichkeit sei.
„Sie müssen es mir glauben.“ fuhr die Dame fort. „Rur Der Zufall bat es gefügt . .
„Ich bin sehr glücklich," antwortete Der Herr. „Dieser Zufall hat sich sehr sreunDschastlich gegen mich benommen.“
Sie schüttelte Den Kops. „In einer halben Stunde ist es zu Ende."
Den Bergen ruht Das wertvolle Kupfererz: an den Ufern des riesigen Michigansees findet man es sogar in reiner metallischer Form. Dieser ungeheure See ist Der einzige Ort Der Welt, an Dem Kupfer in großen Mengen als reines Metall gefunden toirD. Riesige Kupferblöcke, die manchmal bis zu 500 Tonnen wiegen, würben dort schon ausgegraben.
In Den letzten Iahren ist die Kupfererzeugung dauernd gestiegen, aber noch immer ist Der Kupferhunger der Welt nicht gestillt. Mit Der zunehmenden Elektrifizierung ist Der Kupferbedars in fast allen Ländern Der Welt gestiegen. Man braucht das Metall auch bei Der Herstellung mancher Automobilteile, und tausend andere Gegenstände des täglichen Bedarfs werden ebenfalls aus Kupfer oder Kupferlegierungen her- gestellt. In den letzten Iahren hat man in Deutschland versucht, Obstbäume und wertvolle Wälder dadurch zu schützen, daß man aus Flugzeugen Pulver und Säuren über Die von schädlichen Insekten beDrohten Bäume schüttete. Der größte Teil dieser Insektenschuhmittel enthält ebenfalls Kupferprodukte. Als einer Der größten Kupferverbraucher der Welt muh Deutschland Die sprunghafte Preissteigerung mit größter Besorgnis betrachten. Daher befaßt man sich jetzt mit Der Frage, wie weit andere Metalle als Ersah für das kostbare Kupfer zu verwenden sind. Besonders geeignet für diesen Zweck ist das Aluminium, das heute schon billiger als Kupfer ist. Schon versucht man, Aluminium im Haushalt, im Verkehrswesen und in der Maschinenindustrie an die Stelle des Kupfers zu setzen, und zahlreiche Hausgegenstände, wie Staubsauger und Lautsprecher, hat man bereits aus diesem Leichtmetall angefertigt. Wenn der Kupferpreis durch rücksichtslose Maßnahmen des Kartells noch weiter steigen sollte, kann man Dem Aluminium einen ungeahnten Siegeszug prophezeien.
Das Deutschtum im Ausland.
Trotz der Beschränkungen, Denen das Deutschtum im Auslande auf Grund der Friedensver- träge noch immer unterworfen ist, zeigt dieses in Den vergangenen Iahren eine erfreuliche und stetige Aufwärtsentwicklung. In allen Ländern und Erdteilen, in denen es vor Dem Kriege eine Rolle gespielt hat, hat es sich auch nach Dem Kriege wieder Durchzusetzen vermocht, wenn auch seine BeDeutung an Die Der Vorkriegszeit bei weitem nicht heranreicht. Die deutschen Vereine, Verbände und Organisationen, die sich allenthalben auf der Welt wieder gebildet haben, und in denen sich das Deutschtum verkörpert, haben bereits wieder nach.den vorsichtigen Schätzungen der deutschen Zentralstellen die Zahl von 150 erreicht. Dabei sind noch nicht einmal alle die deutschen Organisationen mit einbezogen worden, die bei den Zentralstellen nicht offiziell eingetragen sind.
Die Mehrzahl Der deutschen Vereine befinden sich in Südamerika. Dort werden gegenwärtig schon wieder etwa 50 deutsche Clubs gezählt. 2lllein in Argentinien und Brasilien werben 25 deutsche Vereine, Clubs und Hilss- vereine für das Deutschtum. Rund 20 deutsche Clubs haben ihren Sih in Chile und auch alle anderen südamerikanischen Staaten weisen Verbände, in denen das Deutschtum gepflegt wird, auf. Ecuador, Columbien, Uruguay und Paraguay, Peru und Venezuela find bereits heute wieder in hohem Maße dem Deutschtum zugänglich, das sich dort in deutschen Verbänden zusammengeschlossen hat. Ebenso haben die deutschen Vereine in Asien an Zahl in Den letzten Iahren nicht unbeträchtlich zuge- nommen. Allein in China werden heute be-
„Wenn ich doch nur wüßte, wann Der Zeitungsverkäufer auf dem Bahnhof von Gjedser Geburtstag hat," sagte Der Herr.
„Mein Gott, wie interessant!"
„Ich würde ihm ein herrliches Geschenk machen."
„Das ist reizend von Ihnen," sagte Die Dame. „Sind Sie mit ihm verwandt?"
Er lachte. „Er hat mich für Ihren Mann gehalten. Das war die größte Schmeichelei, die man mir in meinem Leben erwiesen hat."
„Sie müssen mir erlauben, Ihnen Die zwei Kronen wiederzugeben." .
Er nickte düster. „Vorher mühten Sie mich töten."
„Ich kann unmöglich annehmen, daß Sie für mich. . .“
„Sie scheinen es Darauf abgesehen zu haben, gnädige Frau, alle meine Träume zu zerstören. Er hat Ihnen ein Magazin verkauft — er hat mir ein Magazin verkauft. Er hat uns für Mann und Frau gehalten. . ."
„ . . . und hat die zwei Kronen, die mein Magazin kostet, von dem Zehnkronenschein abgezogen, Den Sie ihm gegeben haben."
„War das nicht Die herrlichste Idee, Die ein Zeitungshändler haben konnte? Er hat unsere Gedanken eine Stunde lang um Die gleichen Dinge kreisen lassen."
„Woher wissen Sie Das?"
Der Herr wart einen Blick auf das bunte Heft, das aufgeschlagen, Titelblatt und Schlußblatt nach oben, neben der Dame lag — und er zeigte mit per Hand auf ein zweites Heft, das genau wie jenes, Titelblatt und Schlußblatt nach oben, neben ihm lag. „Bitte: wie heißt die Rovelle, die Sie lesen?"
Sie griff nach dem Buch und wandte es herum: „Totentanz Der Liebe" stand über der Rovelle. Der Herr nahm stumm fein Magazin, drehte es herum und hielt es der Dame unter die Augen.
„Totentanz der Liebe" las sie — und wieder, wohl gegen ihren eigenen Willen, errötete sie: so wie jemand errötet. Der sich, in einer kleinen zärtlichen Intimität, plötzlich im Spiegel erblickt.
„Wir beide haben eine Stunde lang die gleichen Dinge gedacht." fuhr Der junge Herr fort. „Können Sie begreifen, welch ein glückliches Bewußtsein das für mich ist?"
„Sie meinen: weil Die Situation Der Rovelle . . .?"
Er nickte. „Haben Sie nicht dasselbe gedacht, als Sie anfingen, diese Rovelle zu lesen? Ist es nicht, als ob Der Autor von uns beiden spräche?"
Die Dame nahm das Heft und überflog schweigend Die ersten Zeilen. - v > < *
reits wieder 10 deutsche Clubs gezählt, in 3 a- p a n 2 und auf Den Niederländischen Inseln 8. Die Mehrzahl dieser deutschen Verbände in Asien enthält außerdem noch eine Reihe von Unterorganisationen, Die in den Hauptstädten ihren Sih haben.
Rur in Afrika hat das Deutschtum nach Dem Kriege nicht wieder den gleichen Eingang wie in den anderen Erdteilen gefunden, Denn Dort werden augenblicklich nur 7 deutsche Vereine gezählt. Ebenso verhält es sich mit Austra 1 ien. das gar nur 3 deutsche Vereine besitzt. Sehr stark ist Dafür das Deutschtum natürlich in Rord- ametifa vertreten, wo sich die Zahl der einzelnen deutschen Vereine und Verbände kaum feststellen läßt. Dort verfügt fast jede größere Stadt über deutsche Vereine und Organisationen, deren Mitgliedszahl vielfach recht respektabel ist.
Reben den lleberfeeorgamfationen, Deren Mitgliederzahl von Iahr zu Iahr im Anwachsen begriffen ist, ist das Deutschtum aber auch in Den europäischen Staaten selbst in Gestalt von Vereinen und Verbänden recht zahlreich vertreten. So findet man eingetragene deutsche Kolonien in Bulgarien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland. Großbritannien, Italien, Spanien, Portugal, Lettland, Litauen, ßuxemburg, Holland, Norwegen, Schweden, in der Schweiz, in Sndslawien, in Kroatien, Der Tschechoslowakei und in Ungarn. Italien allein zählt 8 deutsche Vereinigungen in Den verschiedenen Großstädten. Die Zahl der Mitglieder läßt sich naturgemäß nur schwer feststellen und authentisches Zahlenmaterial Darüber liegt nicht vor. Immerhin zeigt das Anwachsen und die Zunahme der deutschen Vereine, welche steigende Bedeutung dem deutschen Vereinswesen im Aus- land wieder zukommt.
Vor -er Entscheidung in -er hessischen Gasfernversorgung.
WSR. Darmstadt. 10. April. Wie wir von unterrichteter Seite hören, steht in Der Frage Der hessischen Gasfernversorgung in Kürze eine Entscheidung bevor. Bereits Ende Februar ist von dem Aufsichtsrat der H e k o g a (Hessische Kommunal-Gas-A.-G.) eingehend Bericht über die Ergebnisse der Verhandlungen erstattet worden, die vom Vorstand in Sachen Der Errichtung einer eigenen Gaserzeugungsstätte bzw. des Femgasbezuges mit Der Südwestdeutschen Gas-A.-G., Der Ruhrgas-A.-G. und Der Saar- gas-A.-G. gepflogen und Die gleich nach Der GrünDung Der Hekoga im vorigen Sommer zur erneuten Klärung der für Die hessischen Kommunen und Grohbezieher vorteilhaftesten Regelung eingeleitet worden sind. In einem einstimmig gefaßten Beschluß sprach der Aufsichtsrat Dem Vorstand neben Dem Dank für feine bisherige vorbilDliche Geschäftsführung vorbehaltlos das Vertrauen aus. Ieht sind Die Verhandlungen in Das Endstadium getreten, so daß mit Sicherheit in den nächsten Wochen endgültige Beschlüsse zu erwarten sind.
Kassel kaust ein Autoomnibusunternehmen.
WSR. K a s s e l, 10. April. Die Firma Auto- Peter, die seit etwa anderthalb Iahren eine Stadt-Omnibuslinie eingerichtet und um Die Genehmigung weiterer Linien nachgesucht hat. Die aber bisher nicht erteilt worben ist, hat nunmehr Der Stadt Kassel über Den Verkauf ihres gesamten Omnibusunternehmens ein bindendes Angebot gemacht, Das die Stadtverwaltung vorbehaltlich Der Zustimmung Der stäDtischen Körperschaften angenommen
Die Rypelle begann mit folgenden Worten: „Totentanz Der Liebe.
In einem Abteil des Luxuszuges. Der Den Kontinent mit dem Norden verbindet, saßen ein junger Herr und eine junge Dame. Der Herr richtete zärtliche Blicke auf feine schone Reisegefährtin, Die seine stumme Bewunderung nicht zu bemerken schien. Plötzlich stand Der junge Herr auf . .
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Der dunkle Herr betrachtete lächelnd die blonde Frau, Die vielleicht erst jetzt den seltsamen Zusammenhang begriff. Ein Abteil. . . des Luxus- zuges, Der Den Kontinent mit Dem Norden verband ... ein junger Herr . . . eine junge Dame . . . Der junge Herr zärtliche Blicke auf seine schone Reisegefährtin richtend . . .
Sie hob Den Blick; Der Herr. Der sie unverwandt angesehen hatte, ließ sch '.(Dbetoufjt seine Augen zur Seite gleiten; sie senkte den Blick wieder; schon fühlte sie von neuem seine stumme Bewunderung. Rein: mit Dem Instinkt Der Frau fühlte sie: Das war mehr als Bewunderung: das war Verliebtheit, vielleicht sogar eine gewisse begehrliche Verliebtheit.
Ein Schatten fiel plötzlich über Das Buch.
Sie hob Den Kopf; Der Herr war aufgeftanben.
Erstaunt folgte sie ihm mit Den Augen. Er ging zur Tür und zog Die Vorhänge vor.
Während er zurückkehrte, sah sie ihn fragend, wie mit einem leichten Kopfschütteln, entgegen.
„Warum tun Sie das?"
Der Herr stand einen Augenblick stumm vor ihr, so, als ob er auf diese Frage keine Antwort wisse. Der kleine Raum zitterte im leisen Takt der Räder, wie in einer sanften und streichelnden Melodie. Ienseits Der Fenster lagen schon die Schatten des jungen Abends; Die grünen und roten Lichter der Semaphore glitten vorüber; in rhythmischem 2Iilf und Ab rasten Telegraphendrähte vorbei. Alles klang zusammen wie zu einer weichen und lockenden Melodie: die bläuliche Dämmerung — die Lichter der Stadt, Die zusehends wuchsen; und dieser klingende, flirrende Zug. der ihn und sie in eine Nacht hineintrug, erfüllt von erregenden Geheimnissen.
Ein glückliches Lächeln trat in sein Gesicht. Sie sah ihm forschend in Die Augen; aber wie unter der suggestiven Gewalt feiner Gegenwart begann auch sie zu lächeln. Er beugte sich zu ihr nieder; sie ließ es geschehen, indem sie, vielleicht um ihm den Ausdruck ihres Gesichts nicht zu zeigen, den Kopf ein wenig senkte. Er schob Das Magazin zur Seite und setzte sich neben sie. In stummer Zärtlichkeit, nahm er ihre Hand und legte sie an seine Wange; Das Magarin glitt auf Den Fußboden. Er küßte ihre Hand mit einer scheuen, fast kindlichen Gebärde; langsam wandte er sich.zu ihr herum, ihren Blick JudjenD.
. (Fortsetzung folgt.)


