Ausgabe 
11.1.1929
 
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Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

greitag, si. Januar 1929

Amerika erhebt keinen Einwand."

Don unterem A. G. A.Zöeridjterftatter.

Dachbruck auch mit Quellenangabe verboten! Washington, Januar 1929.

»Die amerikanische Regierung erhebt keinen Einwand dagegen, das; amerikanische Sachver­ständige in den Ausschuß zur endgültigen Re­gelung des Reparationsproblems ausgenommen werden" . . . »Pariser Blätter ergehen sich in geradezu enthusiastischen Lobeshymnen aus die Bereitwilligkeit der amerifanHcfcen Regierung zur aktiven Teilnahme an den ReparatiouSberatun- gcn.

. . . erhebt keinen Ciitwand." Man möchte lachen, handelte es sich nicht um eine so ernste Sache. Als ob das nicht so ungefähr das mindeste wäre, was die Washingtoner Re­gierung tun könnte. Man fragt sich, ob Europa wirklich guten Grund hat, Onkel Sams Selbst­losigkeit und Großmut über den grünen Klee zu loben. Denn es stimmt auf keinen Fall, daß Amerikas Zusage nichts weiter als der uneigen­nützige Ausdruck seiner freundschaftlichen Ge­fühle für die in Frage kommenden europäischen Rationen ist. Rur die die Sprache der Dema­gogen sprechenden Politiker behaupten noch, Amerika sei »nicht interessiert". Sie wissen es besser. Amerika ist sogar sehr stark inter­essiert. An den Anleihen, die es Eu­ropa bewilligt hat. An der vollständigen Re- habilliierung der europäischen Absatzgebiete für amerikanische Waren. Hnt> mit diesen ist die Regelung der Reparationsfrage auss engste ver­knüpft.

Das wäre ein wunderlicher Gläubiger, der Einwände" gegen die Erörterung eines Planes erbeben würde, der ihm zu seinem Gelde ver­helfen soll . . .

Washingtonwarnt", heißt es weiter, daß die amerikanischen Vertreter in keiner Weise als .amtliche" Beauftragte anzusprechen sind, daß die Regierung sie nicht Vorschlägen, nicht ernennen, sondern ihre Auswahl den euro­päischen Rationell überlassen wird. Daß die amerikanischen Sachverständigen mit dem Er­gebnis der Kommissi^nsberatungen die Washing­toner Regierung zu nichts verpflichten, usw. Damit beharrt Amerika bei der Haltung, die es eingenommen, als die Daweskommission sich konstituierte. Es vermeidet behutsam jede amtliche Verbindung mit der an­zustellenden Hntersuchung und jede Verantwort­lichkeit für die Empfehlungen, die gemacht wer­den mögen. Damit glaubt Washington auch jeder Möglic^eit die Spitze abzubrechen, daß seinem Staatsdepartement Zudringlichkeit, Einmischung in fremde Angelegenheiten vorgeworssn werden konnte. Wenn die Arbeit der Kommission zu einem diese oder jene Partei unbefriedigendsn Ergebnis führen sollte, kann niemant) behaupten, amerikanisch-einheimischePolitik" habe die Kom­missare ungünstig beeinflußt. Also haben die Vereinigten Staaken wieder einmal vor aller Welt ihrDesinteressement" glänzend bewiesen.

Dabei gibt es wahrlich keine Ration, die am Ausland, an auswärtigen Finanzen, am aus­wärtigen Handel mehr interessiert ist als ge­rade die Vereinigten Staaten, solange sie Geld auszuleihen haben und es ausleihen, solange sie Lieberschuß an Bodenerzeugnissen und Fa­brikwaren haben und ihn im Ausland absehen wollen. Warum dann diese Heuchelei? Es ist ja allerdings wahr, daß die amerikanische Regie­rung stets den Standpunkt eingenommen hat, die deutschen Reparationen gingen sie nichts an und hätten keinerlei Beziehung zu Englands, Frankreichs und der anderen Alliier­ten K r i e g s s ch u l d e n. Es ist auch wahr, daß das Schatzamt diese beiden Konten nicht auf ein and derselben Seite seines Hauptbuches einge­tragen hat. Aber ebenso wahr ist es, daß sie, wenn es schließlich zur endgültigen Verrechnung kommt, nicht auseinandergehalten

Pfandleihe am laufenden Band.

Von Heinz Medefind.

Mitten in den Betrieb der Berliner Eith hinein tagt in der Iägerstrahe das SchildStaat­liches Leihhaus". Das alte, nur dreistöckige Gebäude, an dem es hängt, muß irgendwann einmal gründlich repariert worden fein. - Denn die Fußböden sind mit blankem Linoleum belegt und der Fuß spürt darunter etwas wie Beton; in dem einen Teil des Hauses wenigstens. 3m andern tritt man auf alte Holzbohlen und läuft über winklige Treppen, durch dunkle Räume, die ein wenig Licht aus kleinen hochgelegenen Fenstern bekommen. Früher war dieser Teil ein Kurfürstliches Jagdschloß heute ist er das Lager für 1300 verpfändete Räder, die in Rech und Glied den Tag erwarten, da ihre Besitzer sie zurückkaufen, oder da sie für billiges Geld versteigert werden.

1300 Räder, verpfändete Räder in Räumen, die ständen sie leer an Spuk glauben lassen könnten. Aber jeder gegenwartsferne Gedanke wird verscheucht: bald wird ein lausendes Band die Gegenstände vom Verpsändungsschalter ins Lager schassen, wird modernste Technik in diesem alten Hause endgültig die Oberhand gewinnen.

Laufendes Band im Leihhaus? 3a auch das Pfandhaus wird modern, muh auf rationelle Arbeitsweisen sinnen. denn scheint kaum alaublich seinKundenkreis" wird größer. Seit dem Ende der 3nflation ist die Kurve der Pfänderzahl immer mehr gestiegen.

Die Rot ist größer geworden, muß man daraus schließen. Aber beruhigen kann wiederum die es: Das Geschäft wurde gleichmäßiger: was ver­pfändet ist. wird zum weitaus größten Teil wieder eingclöft. Vor dem Kriege kamen 6 bis 8.5 v. H. der beliehenen Gegenstände zur Ver­steigerung, 1926 nur 4.73 v. H. und 1927 sogar nur U6 d.H.

Dorn am Schalter steht ein 3ngenieur. Er weiß nicht ein noch auS ist stellungslos und verseht seinen Trauring. Der Taxator schätzt den Ring ab, der nur vier Gramm wiegt: vier Mark höch­stens kann man daraus geben. Der Be izer läßt ihn da obwohl ihm mit vier Mark kaum ge­holfen ist. Ein Mechaniker bringt ein altes Bild. Stolz früherer Zeiten, heute wertlos, nie­mand würde etwas dafür geben.Aber der Rahmen ist aus Silber." Man schätzt den Metall­

werden können. England zahlt Amerika alles abgesehen von ein paar tausend Dollar was es von Deutschland erhält. Frankreich hat von allem Anfang an daran festgehalten, daß die Tilgung feiner äußeren Kriegsschuld von den deutschen Zahlungen abhänge. So daß die Arbeit, an der die amerikanischen Sachverstän­digen sich beteiligen sollen, schon jetzt und auf unabsehbare Zeit hinaus Amerika ganz un­mittelbar angeht, daß man in Washingtons Haltung nichts anderes als eine Pose zu erblicken vermag, ein Kompromiß zwischen genauer Be­folgung der gesetzlichen Vorschriften und der Wirklichkeit, ber die jeder Verstrickung in fremde Angelegenheiten abholden3solationisten" im amerikanischen Senat beschwichtigem soll.

Wenn es dazu kommen sollte, daß die Repa- rationsschuldverschreibungen der deutschen Reichs­bahn oder der deutschen Industrie oder beide auf den Markt gebracht werden, als Folge der Entsche düngen der neuen Revisionsbehörde, dann wird Amerika er ft recht in teref fiert sein, denn die Aufnahmefähigkeit der amerikanischen Anlagesucher dürste gerade für diesen Beschluß der Kommission ausschlaggebend sein und in den Vereinigten Staaten wird der größte Teil dieser Obligationen untergebracht werden müssen. Wenn Amerika sich 1924 der Rormierung der deutschen Zahlungen nicht femhalten konnte, um wie viel weniger ist es dazu im 3ahre 1929 im Standei Es handelt sich hier nicht um eine idealistische, selbstlose Hilfe für Europa, sondern um ausgesprochenstes, unmittelbarstes Ei gen - intereffe des lieben Onkels aus oder in Amerika.

3n hiesigen amtlichen Kreisen grassiert eine wahre Kreuzworträtselwut mit den Ramen der Männer, die sich mit den Vertretern von sechs anderen Rationen zur Revision des Dawesplanes an den grünen Tisch setzen werden. Das Staats­departement weist immer wieder mit Rachdruck darauf hin, daß es mit der Auswahl nichts äu tun hat, läßt aber deutlich genug durchblicken, daß niemand auserkoren werden wird, der der Regierung nicht genehm ist.

Die Gerüchterstaller haben ausbaldowert, daß Charles G. Dawes sein Amt als Vize- Präsident niederlegen und die Ernennung zum Mitarbeiter an der Reuformulierung des seinen (Hamen tragenden Plans annehmen wird. Dawes selbst war nicht in Washington. Sein Sekretär erfiärie, bis jetzt sei ihm nichts von einer etwaigen Einladung seitens des Deutschen Reiches und der Alliierlen bekannt. 3m Staatsdepartement hielt man es für höchst wahrscheinlich, dah General Dawes also geehrt werden würde. Seine Amts­zeit läuft ohnehin am 4. März ab, auch hat er niemals besondere Begeisterung für fein Amt an den Tag gelegt, und wenn er auch bereits an die Spitze der neuen Konsolidierung der Central Trust Company in Chrkago berufen ist. so dürsten die Direktoren dieser Großbank ihm doch Hrlaub geben. And wenn Dawes ein zweites Mal sich alsRetter Europas" bewähren sollte, wer weiß, waS ihm die Zukunft dann noch bringen mag.

Daß neben DaweS Owen D Voung am meisten genannt wird, ist selbstverständlich. Er war mit seinem Kollegen Hauptgestalter des ersten Reparationsplanes, und wenn dieser auch nicht feinen Rainen trägt, so weiß man doch hier ebenso gut wie in Europa, daß er genau so dafür verantwortlich ist wie Dawes. Auch ihm dürste die General Electic Company, in deren Direktorium er den Vorsitz führt, Urlaub geben.

Zu diesen beiden Prominenten kommt noch eine ganze Anzahl anderer Romen. Da ist Henry M. Robinson, der Bankier aus Los Angeles, der gleichfalls an der Formulierung des Dawes- planes mitbeteiligt war. Da ist der Reuyorker Bankier 3ohn Pierpont Morgan an

wert und beleiht ihn. Gin anderer kommt mit drei neuen Fahrrädern. 90 Mark werden ihm ge­geben, wenn er die Eigen tumsbescheini Zungen bringt. Dis dahin stehen die Räder im Kassen- raum.

So kommen täglich 260 2eute.~ Frauen und Männer mit Pelzmänteln und Wäsche, mit An­zügen und Koffern, mit alten Uhren und Geigen, mit anderen Sachen, die sie gern oder ungern entbehren. Uni) jedes Stück schätzt der Taxator ab, für jedes schreibt man auf der Maschine einen Pfandschein, für jedes zahlt man etwas, und jedes wandert ins Lager, liegt da fünf Mo­nate, und einen Monat, der feinem Besitzer als Schutzfrist gegeben wird. Liegt dann noch weiter ein viertel oder ein halbes 3ahr und kommt schließlich, wenn der Eigentümer es immer noch nicht cingelöst hat, in den Auktionssaal.

Heute muß man die Hunderte von Sachen, die tagtäglich versetzt werden, in die Lagerräume tragen. Bald wird ein laufendes Band diese Ar­beit übernehmen. Mit 34 Mann Personal ist einfach nicht mehr auszukommen. Zunächst wird dan das Tand vom Schalter in den Tresor laufen lassen, denn zwei Drittel aller Dinge, die versetzt werden, sind Silber- und Goldfachen und 3u- welen.

In schweren Geldschränken liegen in zahl­reichen Schubfächern 40 000 Papierbeutel, die Schmuckstücke Ringe, Medaillons. Radeln. Edelsteine. Ketten, auch Stücke Gold, kurz: was überhaupt je in einem 3uwelierladen verkauft worden ist, enthalten. Jedes Teil hat seine Rümmer und seinen Eigeiitumszellel. auf dem vermerkt ist, wie hoch das Pfand belieben wurde. Hnb jedes Stück ist in diken Kartothekbüchern verzeichnet. Auf hohen Regalen stehen In die­sem Raum Kartons, in denen die gröberen Ge­genstände verwahrt werden: Kelche, Schalen, De­cher, Gläser und Karaffen, an denen Gold und Silber ist. Vorsichtig wird all dies behandelt, registriert, aufbewahrt.

Mehr Arbeit für das Leihamt machen die Kleider. Große Keller hängen voll von Pelzen, die gepflegt werden müssen. Was eingeht, muß mit der Maschine grflopft und auf Motten unter­sucht und gegebenenfalls in einem besonderen Raum untergebracht werden. Helle Pelze werden in Leinentüchern verpackt. Hier hängt ein Per­sianer. auf den man 400 Mark gab, drüben ein anderer, der nur mit 70 Mark beließen wurde. Sieht man genauer hin, erkennt man bei dem

europäischen Finanzangelegenheiten so stark inter­essiert wie wenige. Da ist oder war bis heute Dwight W. Morrow, Botschafter in Mexiko und vordem Mitglied des Moraan-Dank- hauses, der wie kaum ein zweiter das Vertrauen des Präsidenten Covlidge und seines Rachfolgers Hoover genießt. Aber Morrow kommt heute kaum mehr in De tracht. Staatssekretär Kellogg hat erklärt, Morrow werde zumindest bis zum Ausscheiden Cookidges aus dem Präsidm.enamte seine so außerordentlich erfolgreiche Tätigkeit in Mexiko fortsetzen. Ferner ist da Roland W. Doyden aus Boston. der mehrere 3ahre lang nichtamtlicher amerikan scher Deolachter bei der Repareckionskommifsion war. Ferner 3 e r e m i a h Smith fr. au« Doston. 1924 Eeneralkommissar des Völkerbundes in Ungarn. Und schließlich noch

3c r e m i a b Millbank. Reuyorker Bankier, der im letzten Präsidentschastsfeldzuge Schatz­meister für die Oststaaten beim republikanischen Rationalkomitee war.

Seymour Parker Gilbert. Generalagent für Reparationen, ist augenblicklich in Wähinaton zur Konferenz mit Coolidge, Hoover und Schatz­sekretär Mellon. Wenn er sich wieder verab­schiedet, wird er über die Stellungnahme nicht nur der jetzigen, sondern auch der kommenden Regierung voll unterrichtet sein. Wenn er auch vornehmlich an der Durchführung des alten Dawesplanes und voraussichtlich auch des neuen interessiert ist, so geht man doch wohl kaum fehl mit der Annahme, daß seine 3nftru(tionen, seine Erfahrungen und Kenntnisse wesentlich zur Reu- gestaltungd es Planes beitragen werden.

Landwirtschaftliche Woche in Darmstadt.

Der dritte Tag.

WSR. Darmstadt. 10. 3an. Am dritten Tage der Hessischen Landwirtschasllichen Woche sprach im Rummelbräu zunächst Professor Dr. Schmidt von der Universität Göttingen über Die bäuerliche Schweinezucht und die Ansprüche dcs Marktes an die Fleifchqualitäl".

Der Redner stellte fest, daß im vergangenen 3ahr die Schweineproduktion die der Vorkriegszeit wieder erreicht hätte. Der Gesamtverbrauch an Fleisch betrage allein über 60 Prozent an Schweinefleisch. Die heutigen Schweinepreise wür­den durch den großen derzeitigen Bestand an Jungtieren kaum über Februar/März hinaus an­halten. Marktregulierung durch genossenschaft­liche Erfassung der Produktion und deren kon­junkturelle Anpassung sei zunächst noch nicht er­folgreich möglich; die große Zahl der Klein- erzeuger und die Konkurrenz der Oststaaten werde dem ebenfalls ent gegen flehen. Auf die Dauer sei eine rentable Zucht nur bei günstiger Futter­basis, Verwendung passender Mastmittel und deren intensive Auswertung, Auswahl richtiger schillere und Schaffung zweckentsprechender Stallungen mit Auslauf, sowie bei verschiedener Behandlung von Mast- und Zuchttieren mög­lich. Der Redner empfiehlt für die hessischen Ver­hältnisse einen Typ. der so sein muß, daß er den weitgehenden Bedürfnissen des städtischen Kon­sums entspreche, also ein Ladenschwrin von etwa zwei Zentnern bei einem Schlachtverlust von etwa 20 Prozent. Auf dem Frankfurter Markt habe 1926 der Auftrieb an Tieren bis zu zwei Zentnern Gewicht allein über 80 Prozent be­tragen. Daneben könne für Dauerware ein Fett­schwein gezogen werden. Bei Edel- und Land­schweinen brächten die Heineren und tieferen Ty­pen bei zwei Zentnern etwas mehr Fett, als die grüneren Typen; er empfiehlt daher einen mitt­leren tiefen Typ, der nicht allzu frühreif fern dürfe, weil mit der Frühreife die Anfälligkeit und Empsindlichkell steige. Die Kreuzungen der verschiedenen Typen möge man unterlassen. Der Redner behandelte dann eingehend die Zucht- ersordemisse bei männlichen und besonders weib­lichen Tieren, zu deren Herausarbeitung die Lei­stungsprüfungen und LÄstungsringe eingerichtet wurden. @tn Fehler fei es. Fleischtiere über zwei Zentner hinaus zu mästen, weil dadurch alles vorher Gewonnene wieder verlorengehe durch nicht genügende Futterausnuhung. Auf verschiedene Fragen erfärte der Vortragende u. a., daß sich bei der Trockenfütterung die Bei­gabe von Wasser oder Dünnmilch empfehle, um die Zucht rascher vorwärts zu bringen. Der Vorteil der Trockenfütterung liege in der Er­sparnis von Arbeitskräften.

Präsident Hensel begrüßte in herzlicher Weise die zahlreich erschienenen Frauen und 3ungf rauen, die mit lebhaftem Beifall die folgende Rednerin, die Vorsitzende des Reichsverbandes landwirt­schaftlicher Hausfrauenvereine, Frau E. Boehm (Halle) begrüßten, die über

Die Bedeutung der Hausfrauenarbeit" referierte. Durch die Industrialisierung sei die Wichtigkeit eines Teils der fraulichen Heimarbeit verlorengegangen, da viele Erzeugnisse jetzt im Laden fertig und billiger zu haben seien. 3n den 1600 landwirts chaftlichen Hausfrauenvereinen werde größter Wert darauf gelegt, den Land­frauen nur den Einkauf deutscher Waren und Er­zeugnisse nahczulegen und mindestens ihre nächste Umgebung mit den ländlichen Erzeugnissen zu versorgen. Leider forme diese Aufklärungsarbeit nur sehr schwer an die Mehrzahl der Landfrauen heran. 3n den landwirtschaftlichen Hausfrauen­vereinen gelte es, von der Majoratsfrau bis zur Kätnerfrau, für letzte Dcrussauftlärung ü er Obst­und Gemüsebau, Geflügelzucht und Viehhaltung zu sorgen, Wirischaftsbevatung vvrzunehmen und Lehrgänge abzuhalten. Mit in den veralteten hausfraulichen Arbeitsmethoden und in dem Vor­kommen ter Haushalte fei iüe Flucht der Land­wirtstöchter nach der Stadt begründet. Auch dem Personal müsse der Aufenthalt im Landhaushalt zur Freude werden. Die Rednerin befürwortete warm die Haushaltungsschu'.en der landwirtschaft­lichen Organisationen, in denen besonders die Mehrproduktion und die anzuwendenden Metho­den gezeitigt würden. 3n den eigenen Verkaufs­stellen der ostpreußischen Hausfrauenvereine sei in dem letzten Jahre einejährliche Hmsatzsteigo- rung von einer halben Million Mark zu ver­zeichnen gewesen. Die Mitarbeit der Hausfrau müsse sich vor allem auf die Erzeugung und marktfähige Verpackung von Standardwaren aus­wirken. Durch die 6 ewußte und wissende Mit­arbeit der Landfrau fei ihr Ansehen in den Augen ihrer Familie und ihrer Mitwelt außer­ordentlich gestiegen. Die Reichsverbände der Land- und Stadtfrauen arbeiteten treulich und ehrlich zusammen. Die Rednerin regte die Ein­richtungDeutscher Wochen" an, in denen nur deutsche Erzeugnisse ge- und OerEauft werden sollen.

Tagung der Raiffeisengenossenschaften. Am Rachmittag fand im Aummelbräu unter großer Beteiligung eine gemeinsame Tagung der Raiffeisen-GenossenschaftenoerDe- zirke Ludwigshafen und Frankfurt statt. Aehnlich wie gestern bei der Tagung der landwirtschaftlichen Genossenschaften wurde auch heute zunächst von dem Hauptgeschäftsführer 3olk, Frankfurt a. M., über genossen­schaftliche Finanzprobleme gesprochen. Als wesentlich stellte er heraus, man möge die Genossenschaftskassen energisch unterstützen und das Geld nicht aufspeichern, sondern in den Kassen arbeiten lassen. Die Genossenschasts- kassen seien dazu da, Reinere Kredite an Land­wirte zu gewähren und langfristige Kredite bei den zuständigen Danken (Hypothekenbanken« Pfandbriefbanken ufto.) zu vermitteln.

geringer beliehenen schadhafte Stellen es wird genau gearbeitet ii diesem Hause.

3n anderen Räumen hängen Anzüge und Män­tel.Für Cuts können wir nicht viel geben höchstens 10 bis 15 Mark, denn sie sind un­modern und niemand will sie kaufen." Hnd Smokings und Fracks? Sie können doch nicht von jedem getragen werden und bringen doch auf Auktionen nur wenig ein?O nein, im Gegen­teil, Gefellschaftöanzüge sind sehr begehrt. Kell­ner kaufen so etwas sehr gern. Man kann, einen Fracks getrost mit 50 bis 80 Mark be­leihen." So spielt die Konjunktur, durch Mode und manches andere begründet, eine große Rolle. Sur einen hellen Sportdreß mit Kniehosen wird nie soviel gegeben wie für einen soliden blauen Anzug, und ein Mantel, der für einen besonderen Geschmack bestimmt war, kann nicht so hoch be­lieben werden wie ein dunkler Paletot, der der allgemeinen Mode entspricht.

Vier Abteilungen hat das Lager des Leih­amts:Kleider und Wäsche",Fahrräder" (zu denen auch Krafträder gezählt werden),Sil­ber, Gold, 3uweleu" und als vierteStutz­uhren". Diese letzte Abteilung ist die interessan- leste und amüsanteste. Was hier alles auf bewahrt wird, ist unglaublich.Stutzuhren" ist der Sam­melname. Man könnte auchVerschiedenes" sa­gen. Denn Stutzuhren machen den geringsten Teil dieses Lagers aus. An den Wänden hängen Dilder Gemälde und Drucke, deren Wert zum größten Teil nur im Rahmen besteht. An der Wand zwei Oelgemälde, die einmal Kritisier gehörten. Aber was sind die Dilder in diesem Tohuwabohu, in das man mit Mühe einiger­maßen Ordnung hält. Ganze Regale stecken voll von Photographieapparaten, unten an der Wand steht eine Sprechmaschine neben der anb:m, stehen Schreib- und Rähmaschinen, Koffer mit und ohne 3nhalt. Unter der Decke liegen ©eigen und zwischendurch unechtes Porzellan. Kristall, Dron- zen und Akabasterbüsten, vorn Diskuswerser bis Äum Fußballspieler und Kegelbruder, von Homer bis Wagner. Unb dann wieder sieht man neben einem künstlerischen Stück Hunderte, bei deren Anbllck einem die Augen weh tun.

Was je an Kitsch fabriziert wurde, hier ist es zu finden. Für alles hat man noch ein paar Mark gegeben, um dem unglücklichen Besitzer aus der Rot zu helfen. Unb man wird, wenn das Herz des Eigentümers nicht allzu sehr an feinem Besitz hangt, schon jemand finiwn, der gerne fein Dertikow damit bereichert.

Heber 71 000 Gegenstände lagern so im Staat­lichen Leihamt. Wem gehören Sie? 5>/2 Mil­lionen Mark hat man im vorigen 3ahre ver­liehen. Wer hat sie bekommen? Man sieht aus der Statistik, daß die Kreise, die als die am meisten notleidenden gelten, den höchsten Prozent­satz bilden. Die in den Sparkassenstatistiken in geringer Zahl vertreten sind, findet man hier in großer. 30 v. H. der Versetzenden waren Rent­ner undPersonen ohne Dererf". Etwa 19 v. H. selbständige Gewerbetreibende, Händler, Kauf­leute, Handwerker, Landwirte. Etwa 17 v. H. kaufmännische und Bureau angestellte, Handlungs­gehilfen, Ingenieure, Techniker. Handwerker, Ge­sellen, Lehrlinge und Kellner bilden 12 v. H. Dagegen sind Arbeiter, Hausdiener, Kutscher nur mit 4,9 v. H. vertreten. Fast 57 v. H. aller Geld­suchenden erhielten Darlehen unter 20 Mark, 26 v. H. bis 50 Mark und 11 v. H. bis 100, nur 0,36 v. H. von 501 bis 1000 und nur 0,13 über 1000 Mark. Man sieht: die weitaus größte Zahl derKunden" kommt nur in der äußersten Rot, um ihr Eigentum ins Leihamt zu bringen um 2 bis 20 Mark wird der letzte Besitz ver­pfändet. Hm 2 bis 20 Mark gehen sie den schweren Weg zum Pfandhaus täglich 200 Leute. Man spürt die Rot an diesen Zahlen.

Das entdeckte Stradivanus-Geheimnis

Nach Berichten Mailänder Blätter ist jetzt das so lange gesuchte Geheimnis des berühmten Geigen­bauers Antonio Stradioarius, das dieser bei seinem Tode 1737 mit ins Grab genommen zu haben schien, entdeckt worden. Ein Antiquar in Bergamo erhielt einen alten Schreibtisch, der aus dem Nachlaß der Familie Stradioarius stammt, zur Ausbesserung und entdeckte in einem geheimen Schubfach, von dem man bisher keine Ahnung ge­habt hatte, einige alte Papiere. Bei ihrer Durchsicht fand er, daß sich darunter eine eingehende Auf­zeichnung von Antonio Stradioarius befand, in der die Einzelheiten der in seiner Familie vererbten Geigenbaukunst angegeben finb, darunter auch das Geheimnis des Firnisses für das Holz der Vio­linen, durch den sie ihren einzigartigen Wohlklang erhielten. Der Antiquar versuchte, diesen Fund im geheimen zu verwerten, und stand bereits mit einem bedeutenden Mailänder Geigenbauer in Un- : terhandlungen, als die Polizei dahinterkam unb I den Schreibtisch nebst den darin gefundenen Doku» I menten vorläufig beschlagnahmte.