-
Nr. 289 Zweites Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverheffen)
Dienstag. (0. Dezember (929
liebenen;
OT9JI
Oie Anfängerin
Verfolgung und Klucht
Empfehlungen
1
>eö|iche Bb unseres cn' $ei aufs
geschloffen hinter ihm in der Verurteilung derjenigen Abgeordneten, die jetzt mitten im Kampf ohne genügende sachliche Begründung der Führung der Partei in den Rücken gefallen sind. Die Partei ist der Ucberzcugung, mit ihrem Programm nicht irgendwelchen besonderen Partei- zwecken zu dienen, sondern dem ganzen Bürgertum den einzig möglichen Weg zur Gewinnung der äußeren Freiheit und der inneren Geschlossenheit gezeigt zu haben."
Meint’
Mud
provinzial- Geflügelschau in Schotten.
a. Schotten, 9. Dez. Sn den Räumen der hiesigen Turnhalle wurde am Samstagvormittag die Provinzialgeflügelausstellung des oberhessischen Geflügelzucht- Verbandes eröffnet. Rach Begrüßungsworten des Vorsitzenden Eise vom Geflügelzuchtverein Schotten sprach der Protektor der Ausstellung, Kreisdirektor Dr. Sann (Schotten), über die Bedeutung der Geflügelschau und eröffnete die Ausstellung. Der Vorsitzende des Landwirtschaftskammerausschusses der Provinz Oberhessen, Oekonomierat Breidenbach, Herr Veit, Reichelsheim, der Vorsitzende des Hess. Geflügelzuchtvereins, und Herr Kolter, Dad- Rauheim, der Vorsitzende des Oberhessischen Verbandes, hielten Ansprachen und wiesen auf die Bedeutung der Geflügelzucht und der Ausstellung hin. Dem Geflügelzuchtverein Schotten, der damit die Feier seines 25jährigen Bestehens verband, wurden die besten Glückwünsche und ein Ehrendiplom überbracht. Von feiten des ilnl- versitäts-Tierzuchtinstituts wurde durch Dr. Lang (Gießen) Lob und Anerkennung für die schöne Ausstellung ausgesprochen. Besonders wurden auch die reichhaltigen, wertvollen Ehrenpreise und Geschenke bewundert. Ein Gang durch die Ausstellung schloß sich an. Sämtliche Räume der alten und neuen Turnhalle waren in praktischster Weise mit den einzelnen Käfigen bestellt. „Durch Rassezucht zur Höchstleistung", das ist das Bestreben der Zuchtvereine, Und die schönsten Rassen waren in den besten Exemplaren vertreten. Hähne, Leghühner, Enten, Gänse, Puten, Tauben in allen Farben und Rassen. Die Zwerg- hühner, die Pfauentauben fielen besonders auf. Zur Preisverteilung standen viele Preise und
Mademoiselle Docteur,
Vie größte Spionin Deutschlands
landbrol
Tieustaa a-_8rci- tag emhentiö (nidjt Wlonioa) itfreneffliM
[Verschieden^
Oie „antimarxistische Front".
Zu dem Aufsatz „Dürfen wir hoffen?" in Rr. 287 des G. A. vom 7. Dezember erhalten wir von Herrn Dr h. c. Paul Mersmann» Gießen, eine Zuschrift, der wir, ohne uns mit den hier niedcrg legten Gedankengängen irgendwie identifizieren zu wollen, folgendes entnehmen:
„Will man am Bürgertum nicht vollständig verzweifeln, so wird man sich doch einmal ernstlich fragen müssen, warum die antimarxistische Front eine Utopie sein soll? Dabei muh man sich erinnern, daß das bisherige Zusammengehen mit der Sozialdemokratie zu einem Fiasko geführt hat und daß andere Staaten, wie Italien und Spanien, nur durch die Ausschaltung der Sozialisten ihre Wiederaufrichtung erreicht haben. Man darf letztere Tatsache nicht mit dem Hinweis auf die größeren militärischen Kräfte, die den neuen Machthabern zur Der ügung standen, abtun, denn es handelt sich bei uns ja vorläufig gar nicht um einen Kampf mit den Waffen, sondern um die Erringung der Macht in dem Reichsparlament. Außerdem wird bekanntlich schon seit Jahren in mehreren deutschen Staaten, so in Bayern und Württemberg, ohne die Sozialdemokraten regiert. Schwindet f.rner im Bürgertum durch den Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien die jetzt herrschende Furcht vor dem entscheidenden Einfluß der Sozialdemokratie auf die Aemterbcsehung, so wird die Zahl der bürgerlichen Wähler noch erheblich anwachsen.
Run könnte man einwenden, daß ja auch die Deutschnationale Partei in den letzten Jahren einen starken Rückgang an Stimmen und Mandaten zu verzeichnen hatte und könnte hieraus folgern, daß ihr Rezept auch nichts Helsen werde. Darauf ist zu erwidern, daß diese Partei in den letzten fünf Jahren Fehler gemacht hat, die in der Richtung der Fehler der übrigen bürgerlichen Parteien lagen, daß sie aber zur Erkenntnis dieser Fehler gekommen ist. Die Partei hat im Jahre 1924 den Dawesplon durch Abschwenken eines Teiles ihrer Abgeordneten zur Annahme verholsen, sie ist darauf, um „positiv mitzuarbeiten", in die Regierung cingetreten, sie begab sich in das Schlepptau der Stresemannschen Außenpolitik und trat nach Locarno wieder aus, weil sie «diesen Kurs nicht mitmachen konnte, sie trat im Jahre 1927 unter Annahme der Wirth» scheu Richtlinien, d. h. unter Wicderanerkennung der bisherigen Außenpolitik, nochmals in die Regierung ein, um dann bei öir Reüb.ldung der Regierung wieder ausgcfchifft zu werden.
Diese Politik des Schwankens hat die Partei bei ihren Anhängern in Mißkredit gebracht und daraus ergab sich der starke Rückgang ihrer wtimmenza'hl. Daß diese Auslegung richtig ist, dafür ist der schlüs igste Beweis das Anwachsen der weiter vechts stehenden Parteien, insbesondere der Rationalsozialisten, die über ein positives wirtschaftliches Programm nicht verfügen. Seit älebernahme des Vorsitzes der Partei durch Geheimrat Hugenberg ist die Erkenntnis der Fehler der Partei bei ihren Anhängern durchgedrungen. Hugenberg hat also gar keine neue Richtung geschaffen, sondern er hat l diglich erkannt, daß aus der Mis:re unserer politischen Lage der Weg falscher Kompromisse mit den So ialisten nicht hinausführt, sondern nur eine geschloffene Front gegen d:n Marxismus, daß man ferner eine Politik nicht au3 Opportunität von Tag zu Tag ändern kann, sondern daß man, wenn auch mit wechselnden Mitteln, wie Bismarck das gelehrt hat. unverrückbar bestimmte Ziele anstreben muß. Diese Ziele liegen einfach genug zutage: nach außen Kampf gegen die dauernde älntcrw.r.ung unt r di:G walt uns r rFeinde, wie sie in den Locarnovcrtrögen, dem Dawcsplan und jetzt in verschärftem Maße dem Voungplan zu erblicken ist, und nach innen Kampf gegen den unsere Kultur und Wirtschaft untergrabenden Marxismus.
Wie sehr in der Deutschnationalen Partei die Erkenntnis von der Rotwendigk:it dicses klaren Programms Boden gefaßt hat, beweist ^die Tatsache, daß die gesamte Parteivertretung im Reich hinter Hugenberg steht, nicht infolge einer äleber- rumvelung des Parteitags. wie Manche glauben, sondern auf Grund sorgfältiger Prüfung der Verhältnisse. Die Partei im Lande st.ht auch
Regierungskrisis in polen.
Die Warschauer Regierung hat aus ihrer Riederlage im Sejm sofort die entsprechenden Konsequenzen gezogen: sie ist zurückgetreten und hat einem anderen Kabinett Platz gemacht, an dessen Spitze sehr wahrscheinlich der bisherige Finanzminister M a t u s z e w s k i stehen wird. Man spricht zwar auch davon, daß P i l s u d s k i die Ministerpräsidentschast übernehmen würde.
von *'
n W W
Eine gewisse natürliche Veranlagung für das Fach ist sicherlich unbedingt erforderlich, wenn auch der Stimmbildungslunst die Möglichkeit nicht verschlossen ist. kleine Hemmungen zu beseitigen. Kein weileres Stimmgebiet fordert eine deiariig gründliche Durchführung des Studiums und ein solches Maß an Klein- und Feinarbeit wie der Koloraturgesang: der Umfang Ler Koloraturstimme geht weit über das üoliche Maß hinaus: dann aber sprechen gerade in diesem Falle gewisse typologi.ch-konstitutionelle Rücksichten bestimmend mit
Da der Koloraturgefang quasi die instrumentalen F^h.gfcilen beo men.chuchen Stimmorganes in den Vordergrund stellt, so muß hier um so mehr auf eine durchgehende Egalisierung und Verschmelzung des ge,amten Stimmumfanges hin- gearbeitet werden: eine Tatsache, der eine ganze Reihe von funLionell begründeten Hemmnissen entgegenstehcn. Unwillkürlich ist jeder geneigt, das Erleben von Tonhöhe mit einem bestimmten Kraftgefüh. zu verbinden. Die dramatische Stimme darf dem nachgeben. Die Koloraturstimme dagegen muh gerade die Uebergangsstecken um das hohe C herum überaus vorsichtig behandeln, um lich nicht ihr eigenstes Gebiet, die dreigestrichene Oktave, zu verschließen. Da ist es zu verstehen, daß bei vielen Vertreterinnen des Ziergesanges nur eine geringe (Steigerung dhnamiicher Werte anzutreffen ist. Andrerseits bestätigt es sich mit dieser Tatsache, daß man zuweilen geneigt ist, der Koloraturstimme größere Ausdruckskraft abzustreiten. Wenn dann eine Stimme, wie die von Anny van Kruyswyk, gerade in der schwierigen Uebergangslage einer größeren tonlichen Expansion fähig ist, so ist das als ein ganz be- londeres P.us zu buchen. Aber mit dem stimmlichen Ausgleich allein ist die Wirkungsfähigkeit noch nicht erschöpft. Die Koloratursängerin muß eine Meisterin musikalischer Artikulationskunst fein: nicht daß sie die Töne bringt, sondern daß sie ihnen im Zusammenhang der musikalischen Phrase die sinngemäße Bedeutung zuweist. Rur bei peinlichst sauberer Durcharbeitung, bei durchdachtester und wohlerwogenster Abtönung erreicht die Koloratur die ihr vom Komponisten zugedachte
Jung« fra» SffÄ“ gsss SA
WM ■"SS
E
■ sSS r 10** .1 flfl,
- »uSw 1 ob1* inian*,
1 in^üS,M n
II.
Aus dem neuen Buche: „Spionage!" von H. R. B e r n d o r f f. Verlag Dieck & Co., Stuttgart.
Am nächsten Morgen, eine Stunde nach dem der Paris-Berliner Expreß in Berlin eingelaufen war, saß Wynanky Herrn I. Matthesius gegenüber.
„Ich habe gleich gesehen," sagte er, „daß die Pläne ein horrender Bockmist waren. Wenn man aus einem' Rohr so viel Schüsse in so kurzer Zeit hintereinander herausjagen will, dann muß man dieses Rohr ganz anders kühlen. Es gibt aber keine Kühlung, die so gut märe, und zweitens gibt es noch keine Glyzerin-Rücklaufbremse, die so etwas oushall, aber der Sicherheit halber habe ich den zuständigen fran- zösischcn Geniekapitän noch einmal gefragt--"
„Entschuldigen Sie," sagte nun Matthesius erschüttert, „wen haben Sie gefragt?"
„Wen? Mein Gott, ich sagte Ihnen doch, den zuständigen Sachreferenten im französischen General- stab." Und er erzählte, wie er das im einzelnen angefangen hatte.
I. Matthesius sah auf die Uhr und er entsann sich an eine wichtige Verabredung. Er bat den Hauptmann, sich nun erst einmal in Berlin eine Wohnung zu besorgen und die Adresse telephonisch in seinem Bureau anzusagen.
Am Abend saßen I. Matthesius und Monsieur Pissard zusammen.
„Ich bin eigens aus Paris herübergekommen," sagte Pissard, „um dir zu sagen, daß du da einen ganz verfluchten Kerl engagiert hast. Ich wette mit dir, daß er auf den ersten Blick gesehen hat, daß die Pläne Blödsinn waren. Weißt du schon, daß er zum französischen Generalstab gegangen ist? Er hat nicht gelogen, wenn er dir das erzählt hat, ich bin ihm nachgegangen. Der Mann hat seine Probe glänzend bestanden, und wir können jetzt mit ihm an- fangen. Aber bitte, sei vorsichtig, gnade mir Gott, wenn er erfährt, daß wir ein Theater gespielt Haden, um ihn zu prüfen. Ich glaube, er ist viel stärker als ich."
An d:esem Abend saß Wynanky am Bett seiner Freundin. Annemarie Lesser war krank. Es war nichts Bestimmtes, das ihr fehlte, das Alleinsein brachte sie zur Verzweiflung, sie wußte nicht ein noch aus, und der Hauptmann sah, daß dem geliebten Mädchen eine Katastrophe drohte, wenn nicht in ihrer Lebensweise eine grundlegende Aenderung eintreten würde. In der Nacht kommt ihm ein Gedanke. Nach fünf Tagen, als ihn Matthesius bittet, die Maas abwärts zu wandern von Sorcy bis Dinant und auf ganz bestimmte Dinge peinlichst zu achten, da fährt Annemarie mit. Aber in Straßburg, als Wynanln nach schwerstem inneren Kampf der Geliebten berichtet hat, was er jetzt treibt, ist noch Schweres zu überstehen. Annemarie Lesser, in schrecklicher Angst ob der Gefahren dieses Treibens, windet sich in Krämpfen, aber dann kommt die Genesung, und eine Woche später, als die beiden das Flußtal
Gilpin - Creme UDieBdlicli in. bil Flechte Will, Jnc.in.An- Llig.Hlcurrioldii
BilnsAiiin.
,u haben MM
W. EiNnger HachlM
S-lter-wez 71
Auswirkung. Daß bei der Koloratursängerin jede Phrase nur dann völlig gelingt, wenn das Muskelspiel einheitlich bis zur kleinsten Ruance hin souverän beherrscht wird, das sollte man bei ihrer Beurteilung und Würdigung vornehmlich berücksichtigen.
Anny van Kruyswyk bringt von Ratur aus eine ganz besonders glückliche Veranlagung für ihr Fach mit. So harmonisch ausgeglichen wie ihr Aeußeres erscheint, so bietet sich auch ihr Stlmmorgan in fast als vollendet anzusprechender, ausgeglichener Funktion dem Ohre dar. Die Höhe seht sie fast ausnahmslos in idealer Kopfton-- Mischung an, und so sind ihr die älebergänge in die letzte Höhe ihres Stimmumfanges stets sicher möglich. Fast als virtuos zu bezeichnen ist ihr rein technisches Können: perlende Läufe, glitzerndes Stakkato, ein ungemein leicht ansprechender Triller: in der Mittellage, besonders aoer in dec zweigestrichenen Oktave, ist ihr Organ sehr nachgiebig: vom verschwebenden Pianistimo an bis zu einem Aufglühen in der Kraft bis hart an_ die Grenze des für eine Koloratursängerin Möglichen. Selbst in der dreigestrichenen Oktave sind ihr treffliche Schlußakzente gegeben. Rur am Ende der Rosine-Arie und auch der Gilda- Arie lieh sie sich durch ein Hebe.maß innerer Begeisterung verleiten, den Aebergang zum drei- gestrichenen E weniger vorsichtig anzufassen, und so stellte sich eine leichte Versteifung des hohen Tones ein. Auf der Bühne, gestützt durch die Orchesterbegleitung, mag das weniger aufsallen als im Konzertsaal, wo das Ohr des Hörers in allererster Linie auf den Äimmklang gerichtet ist.
Anny van Kruyswyk ist in erster Linie Dühnensängerin: daher konnten auch hier die Arien als besondere Höhepunkte ihres Könnens angesprochen werden. An der Spitze des Programmes stand die von Mozart „der geläufigen Gurgel der Cavalieri" zugedachte Bravourarie der Konstanze aus der „Entführung": „Martern aller Arten". Hier schöpfte die Sängerin den reichen Stimmungsgehalt im fzenischen Erleben restlos aus, ohne sich an die Eitelkeit stimmlichen Könnens zu verlieren. Ein Kabinettstück
edlen Ziergesanges war die Arie der Rosine aus der Oper „Der Barbier von Sevilla" von Rossini. Die Arie der „Gilda" erhob sich stellenweise zu ganz besonderer Größe.
Der eigentliche Liederoortrag schien der Konzertgeberin weniger zu liegen; vielleicht, weil er für sie ein weniger oft betreutes Gebiet darstellt: nach der Abhängigkeit der Sängerin vom Notenblatt könnte man es annehmen. Daß sie in den Liedern andererseits jede Gelegenheit wahrnahm, ihre stimmliche Geschmackskultur in Auswirkung zu bringen, fei besonders anerkannt. Nur hätte man sich neben dem stimmlichen Wohllaut noch eine größere Geschlossenheit in der Gestaltung wünschen mjgen. Unter den Schubert- Liedern waren sicherlich noch einige zu finden gewesen, die der ausgeprägten Individualität der Konzertgeberin noch deutlicher entsprochen hätten als die gewählten. Für „Gretchen am Spinn» raöe" setzte sie alle Mittel ihres Könnens ein; im .Heidenröslein" gewann sie dem Refrain eine besondere Wirkung ab. Eine ganz besondere Gabe bot sie mit den Liedern von Joseph Marx, dem Wiener Akademiedirektor. Hier werden Wege erschlossen, die über Hugo Wolf hinaus unter Entfaltung reicher harmonischer Mittel und dem Ausstrahlen einer breiten melodischen Linie zum szenischen Texterleben hin- führen. An Stelle von Franz Liszts überaus interessanter „Loreley"-Vertonung wäre vielleicht im Interesse der Sängerin eine andere Wahl angebracht gewesen. Der Schluß der Dortragsfolge wandte sich der heiteren Muse zu: „G'schichten aus dem Wiener Wald" von Joh. Strauß ließen noch einmal alle Vorzüge der versierten Koloratursängerin im hellsten Lichte erstrahlen. Kein Wunder, daß bei solcher Vortragskunst das Publikum hingerissen, begeistert war. Nicht endenwollender Beifall rief die Künstlerin :m- mer wieder aufs Podium und zwang ihr eine Zugabe nach der andern ab.
Am Flügel hatte reichen Anteil an dem Erfolg Universitätsmusikdirektor Dr. Stefan Temes - D a r d. Mit bewunderungswürdiger Feinfühligkeir und Anpassung an die verschiedensten Stilarten er schloß er den namentlich in den Marxschen und Liszt- schen Liedern reich und charakteristisch bedachten Klavierpart. Dr. H.
abwärts gehen und fahren, da Hot sich Annemarie mit allem abgefunden. Die Tatsache, daß sie sich von dem Geliebten nicht mehr zu trennen braucht, hat sie mit jedem Schicksal versöhnt.
Wochen später empfängt I. Matthesius aenauefte Aufzeichnungen über die Anlage neuer Verschanzungen an den Forts der Maas und genaue Pläne über die vorhandenen und neuangelegten Feldbohnen, die auf feiner Karte verzeichnet sind.
Mit detailliertem Auftrag fahren wenige Zeit später die beiden noch Charleoille. „Wo beginnt die Linie der ersten Feldbefestigungen auf der Strecke Charleoille—Verdun in der Richtung von Norden nach Süden? Wo sind ihre Stärken und wo sind ihre Schwächen?" Bei dieser Reise weiß Annemarie Lesser schon ganz genau, um was es sich handelt, bei dieser Reise stellt es sich heraus, daß ihre aus- gezeichneten französischen Sprachkenntnisse, erworben in den guten Schweizer Pensionaten, denen des Hauptmanns ebenbürtig sind. Wynanky entdeckt mit Freude, aber auch mit Entsetzen, daß Annemarie über die Ggbe verfügt, mit den Bauern, den Postschaffnern, den Eisenbahnbeamten und ollen möglichen Menschen so zu plaudern, daß diese einfachen Leute, von ihr begeistert, alles erzählen, was das Mädchen wissen will. Sie hat sich in dem dauernden Zusammensein mit Wynanky schon die Kenntnisse erworben, auf welche Dinge es hauptsächlich ankommt, sie weiß sie zu erfassen und — zu erfun- den. Diele Wochen im Hochsommer wandern und fahren die beiden durch die Gegend. Wynanky, der den Schweizer Paß bei sich trägt, hot auf dem Rücken einen Rucksack mit Büchern über Pflanzenkunde mit Herbarium und Pinzetten, er botanisiert.
Einmal in der Nacht, in einem französischen kleinen Gasthof eines entlegenen Dörfchens, wacht Annemarie auf. Sie weckt den Geliebten:
„Wir werden verfolgt," flüstert sie. Ihr Herz klopft zum Zerspringen, sie findet keine Ruhe, sie steht leise auf. schaut aus dem Fenster und sie gerät in eine derartige Unruhe und in ein derartiges (Ent- setzen, daß sie den Hauptmann ansteckt, am nächsten Morgen fahren die beiden mit einem Wogen noch Charleoille und lösen Karten Charleoille—Köln. Im Grunde ist die Aufgabe ja auch gelöst, zahllose eng mit Zeichen und Zahlen deschrieoene Blätter trägt der Hauptmann bei sich im Futter der Weste.
In einer Viertelstunde läuft der Zug ein. Die beiden stehen auf dem Charleviller Bahnsteig, da sieht Annemarie Lesser vor sich einen Mann Im musterhaften grauen Anzug, ein schmales rotes Band im Knopfloch, den sie in der letzten Woche viermal gesehen Hot. Im Augenblick weiß sie, daß sie mit diesem Menschen, der vor einigen Togen die uniform eines Forstbeomten trug, gesprochen und ihn ausgefragt hatte, und sie weiß jetzt auch, daß sie ihn am letzten Abend, als sie in dem kleinen Gasthaus in der Nacht befürchtete, daß man sie verfolgte, daß sie ihn an diesem Abend gekleidet wie ein Landarbeiter in der Gaststube gesehen hatte.
Dieser Mann sieht um sich. Er kann Wynanky
Schön. Pnppenwim Preiswert zu veiL $?o? fotit d. GM i). QhOni OH
Kautgesuche /
Gebrailchltt
VM zu foulen (leludjt. Lchnitl. Med. mit Preis iint.MAl> an den Gien. An», erd.
und das Mädchen nicht sehen, denn die beiden fteljen AufäUig hinter einem Postkarren. Stumm faßt sie den Geliebten an der Hand. Er sieht in ihr Gesicht, das bleich ist wie ein Sterbetuch. Beide sehen jetzt, und auch Wynanky erkennt den verdächtigen Monn, wie dieser mit fünf Leuten spricht und wie er dann durch die Holle auf die Sperre zuaeht und bann sehen sie, immer aus sicherem, zufälligem Versteck, wie sich an der Sperre zwei Männer aufftellcn, unauffällig, wie sie groß und vierschrötig mit Knotenstöcken dort die Weiche halten. Dann geht der Mann mit dem roten Band im Knopfloch zurück, und nun verteilen sich an dem einen Ende des Bahnhofes die fünf Männer in Zivil und gehen langsam Schritt für Schritt den Bobnfteig ab. Noch sehen sie die beiden hinter dem Postkarren nicht, aber wenn sie nun näher kommen? — Da faßt Annemarie einen Entschluß. Sie flüstert dem Geliebten ein paar Worte zu, der ihr ohne Uebsrlegung folgt und bann yHt er langsam von links auf die Sperre zu, dahin, wo die beiden Männer mit den finotenftömm stehen. Annemarie aber läuft plötzlich eilig und hastig, von rechts schnell direkt auf diese beiden Männer zu, sie faßt den einen am Rock!ragen und zischt: „trfcs vite, man schickt mich, ich bin Agentin der Süretö, man verhaftet die Spionin und ihn, sie wehren sich, sie haben Revolver".
„Merci," stößt der eine Mann hervor, er nimmt sich noch so viel Zeit, um einen schnellen wohlwollenden Blick auf dos schöne junge Weib zu werfen, dos doch eine gute Französin ist, und dann rennt er mit seinen Genossen los, und als sie aus der Bahnhofshalle zum Perron cinbiegen, da passieren die beiden langsam die Sperre, und sie springen draußen jd)on etwas schneller in einen Landauer, der sie im Trab „zu einer Spazierfahrt" ins Land hinein trägt. Im nächsten Dorf bezahlt man den Kutscher, man geht ein Stück über Land, findet wieder ein Wogen, bann in dem Augenblick, als die Fahndungsdepeschen bei den Bürgermeistereien einzulaufen beginnen, ein Auto, das über die belgische Grenze fährt, und endlich gelangt man nach Charleroi und bann in einen v-Zug nach Köln. Die deutsche Grenze wird passiert, die beiden sind gerettet, und da gesteht Wynanky, daß er seit dem Morgen die entsetzlichsten Schmerzen im Leid verspürt.
Stöhnend steig er in Köln aus dem Zug, er kann nicht gehen, er fährt ins Vinzenzkrankenhous, und in dieser Nacht Erschlägt das Schicksal den kurzen glücklick)en Liebestraum der Annemarie Lesser mit brutalem Keulenschlag. In dieser Nacht stirbt der frühere Hauptmann Karl von Wynanky an einer eitrigen Blinddarmentzündung und läßt seine junge Geliebte zurück, hilflos und sinnlos vor Schmerz.
(Fortsetzung folgt.)
Siebener Konzertverein.
Arien- nnd
Liederabend Anny von Kruhswhk
Die Entwicklung der Oper im 19. Jahrhundert Aum Musicdroma bin ließ durch ihre Bevorzugung des dramatischen Gesanges den reinen Ziergesang, bas Fach der Koloratursängerin, ins Hintertreffen geraten, und eist die „Ariadne" von Richard Strauß und Braunfels' „Vögel" lenkten durch ihre Koloraturpartien wieder den Blick auf das vernachlässigte Fach. Eine Umschau unter den heutigen Vertretern des Koloraturfaches wird bestätigen können, daß augenblicklich nur wenige vorhanden sind, die allen Erfordernissen des klassischen Koloraturgesonges entsprechen können. Kleinere Bühnen werden meist auf eine unbedingt vollwertige Kraft verzichten und sich daher meist mit Gastspielen behelfen müssen.
Daß so wenige zuverlässige Vertreter nachweisbar sind, liegt zum Teil wohl an der Vernachlässigung der sog. Koloratur-Oper, zum andern aber war bas Bestreben der Stimmbildner zumeist daraus gerichtet, den Anforderungen des dramatischen Gesanges in bezug auf Größe, Durchschlagskraft und Ausdruckmöglichkeiten der Stimmen gerecht zu werden.
Wenn die eminenten Anforderungen der Zerbi- netta-Partie („Ariadne", R. Strauß) weiter keinen Erfolg zu buchen hätten, als daß ’fte das Problem des Koloratursoprans wieder in den Vordergrund gerückt haben, so "wäre dies doch schon von weit- tragender Bedeutung für unser Kunstgesangswesen. Denn der Zug zum dramatischen Gesang hin hat manche für den Koloraturgefang befähigte Stimme abgelenkt, und selbst bei einer unserer prominentesten Vertreterinnen ihres Faches, Maria Jvogün, zeigen sich schon leise Schatten als Folgen für das Verlassen des ureigensten Gebietes.
Vielleicht mag früher auch die Zahl der Koloratursängerinnen nicht viel größer gewesen sein als heute, aber damals entsprach die Zahl der Rachfrage. Augenblicklich aber erscheint die Zahl hinsichtlich der Ueberproduktion in der Heranbildung des Rachwuchses überraschend gering.
Damit ist aber kaum zu rechnen, weil der Marschall dann verpflichtet wäre, dauernd mit dem Parlament zusammen zu arbeiten, das er aus tiefster Seele haßt und dem er ständig seine ganze Verachtung zu spüren gibt. Es ist aber gar nicht so ausgeschlossen, daß S w i t a l s k i zurückkehrt. Schließlich ist es ja auch gleichgültig, wer von diesen drei genannten Persönlichkeiten die Regierungsverantwortung trägt. Solange Pilsudski der starke Mann in Polen ist, ist mit einem Systemwechsel nicht zu rechnen. Auf jeden Fall wird auch die neue Regierung sich nur aus Freunden des Marschalls zusammensetzen. Daß sich dadurch die innerpolitischen Q3er- hältnisse eher noch verschärfen, kann keinem Zweifel unterliegen. Aber Pilsudski hat es bisher verstanden, wie ein Diktator zu regieren, ohne selbst nach außen hin als Diktator in die Erscheinung zu treten. Er wird auch in Zukunft Mittel und Wege finden, trotz des parlamentarischen Systems gegen das Parlement zu regieren und seinen Willen durchzudrücken.


