Ausgabe 
10.12.1929
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

Gießen, den 10. Dezember 1929.

-Aus dem Deutschen Sängerbund.

Nachdem der Deutsche Sängerbund die schwere Krise vom Sommer d. 3. glücklich über­standen, hat er seinen gewaltigen Bau neu ge­krönt. Als 1. Vorsitzender ist Geheimer Rat Dr. Karl Hammerschmidt (München) an die Spitze dieser großen Kulturbewegung getreten, während das Schahmeisteramt in Bürgermeister a. D. Friedrich Roth (Leipzig) einen treff­lichen Führer gesunden hat. Beide Persönlich­keiten stehen seit Jahrzehnten in der Männer­gesangsbewegung, und die deutsche Sängerschaft darf voll Vertrauen auf die neuen Führer blicken. Große Aufgaben stehen den neuen Männern be­vor. Reben der Festigung und Weiterentwicklung nach innen, stehen die Vorbereitungen für das 1 9 3 2 in Frankfurt a. M. stattfindende große D u n d e s f e st, das gleich Wien die kul­turelle Bedeutung des Deutschen Sängerbundes aufs neue zum Bewußtsein bringen soll. Ein gleiches Ziel verfolgt der am letzten Sonn­tag im Monat 3uni 1930 zum erstenmgl stattfindende und dann sich jährlich wieder- holende allgemeine Deutsche Liedertag, der folgendermaßen gedacht ist: Um möglichst weiten Kreisen unseres Volkes den kostbaren Schah des deutschen Liedes in seiner erhebenden Schönheit zum Bewußtsein zu bringen und da­durch auch die Lust zu aktiver Betätigung im Singen zu Wecken, sollen alljährlich am letzten Sonntag im 3uni durch die im Dt. Sängerbund vereinigten Chore Platzkonzerte veranstaltet werden, und zwar je nach den Verhältnissen auf dem Marktplatze, im Parke, unter der Dorf- linde oder anderen geeigneten Oertlichkeiten. 3n größeren Orten und Städten mit mehreren oder gar vielen Vereinen sollen diese nicht etwa in Massenchören zusammenwirken, sondern sich zu E i nzeldarbietungen an verschiede­nen Plätzen des Ortes oder der Stadt verteilen, um so die Gesamtbevölkerung mit ihren Liedern zu erfreuen. Als geeigneter Zeitpunkt wird die letzte Vormittagsstunde (11 bis 12 Uhr) empfohlen. Bei der Chorauswahl sind in erster Linie das Volkslied und das volkstümliche Lied zu berücksichtigen. Besondere Bedeutung bekommt dieser Liedertag dadurch, daß er nicht auf die reichsdeutschen und österreichischen Vereine be­schränkt bleibt, sondern auch unsere deutschen Gesangvereine im Ausland am gleichen Tage zur selben Stunde ihre deutschen Weisen erklingen lassen. Z-

Wer macht den erblindeten Kriegern eine Wrihnachtsfreude?

Wie alljährlich, gibt es auch dieses Jahr eine Weihnachtsfeier f ü r die Kriegsblin­den. Es ist beabsichtigt, jedem der 41 Blinden, die der Ortsgruppe Gießen angehören, eine Weihnachts- aabe zu überreichen. Dies ist jedoch nur dann durch­führbar, wenn die Sehenden den Vorstand der Un­tergruppe durch Stiftung von Geldspenden, oder pas­sender Gaben dazu in die Lage versetzen. Unsere Kriegsblinden sind von dem Kriege am schwersten betroffen worden. Es sollte daher niemand zurück­stehen, sein Scherfkein zu dem guten Werke beizu­steuern. Eine rege Beteiligung an diesem Liebeswerk wäre um so erfreulicher, als die bis jetzt einge­gangenen Spenden nicht genügen, um sämtliche Kriegsblinden zu beschenken. Da die Feier bereits am Sonntag, 29. d. M., stattfindet, tut Eile not. Gaben nimmt die städtische Oberfürjorgeschwester Anita Hermanni) im Stadthaus, Gartenstraße 2, Zim­mer 12, gern entgegen. Geldspenden können an die gleiche Adresse oder auf das Konto der erblindeten Krieger bei der Bezirksfparkasse Gießen eingezahlt werden.

Gictzcncr Wochenmarrtpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 210 bis 220 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 15 bis 20 (pro Zentner 10 bis 12 Mk.), Weißkraut 10 bis 15 (pro Zentner 5 bis 6 Mk.), Rotkraut 15 bis 20 (pro Zentner 10 bis 12 Mk.), gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüben 12 bis 15, Spinat 25 bis 35, Unterkohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 50 bis 80, Zwiebeln 10 bis 15, Meer­rettich 50 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4,5 bis 5 (pro Zentner 3,80 bis 4 Mk.), Aepfel 10 bis 15 (pro Zentner 10 bis 12 Mk.), Birnen 10 bis 15 (Pro Zentner 8 bis 10 Mk.), Dörrobst 30 bis 35. Russe 50 bis 80, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppen­hühner 100 bis 120, Gänse 103 bis 130 pro Pfund: Tauben 70 bis 90, Kisten iec 17 bis 18, frische Landeier 19 bis 20, Blun^nlohl 50 bis 100, Endivien 10 bis 40, Oberkohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pfennig pro Stück.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadtihcaler: ^Hochzeitsreise", 20 bis 22 Uhr. Christliche Versammlung, Gießen: Oesfentl. Vortrag des Evangelisten Paul Schwe el (Berlin) überSie zukünftigen Ereignisse im Lichte der Bibel", 20.15 Uhr. Lindenplatz 1. Lichtspiel­haus Bahnhofstraße:3$ hab' dich lieb" und 3ct> habe im Mai von der Liebe geträumt...". Astoria-Lichts.i.le:Subrrkrnigs letzter Sieg" undKaltes Blut".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Als diesjähriges Weih- nachtsmärchm kommt am M ttwoch, 11. Dezember, Das tapfere Schniiderlein" von Alois P r a s ch. Vater des derzeitigen 3ntenda..ten Dr. Rolf Drasch, zur Erstausführung. Das Stück ist von V o l ck inszeniert, mit Kinderballett, einer eigens dazu komponierten Musik und allen rneg ichen Ueberraschungen ausgestattet. Di? Tanzelnlagen sind von Herrn Ewald Bäulke und Partnerin einstudiert. Die Vorstellung beginnt um 15.30 Uhr. Die Musik ist von Ludwig von Röh.er kompo­niert. Die TitelroUe spielt Kurt D o m m i s ch.

Die Volkshochschule bittet uns, darauf hinzuweilen, daß die KurseCharakterkunde" und Mozart' erst nach Neujahr fortgesetzt werden. (Siehe heutige Anzeige.)

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Donnerstag, 12. d. M., 20 Uhr, imPostkeller" öffentliche Versammlung. Siehe heutige Anzeige.

** Reichsbahnpersonalien. Ernannt wurde Reichsbahnassistent Friedrich G i e s l e r bei der Fahrkartenausgabe Gießen zum Reichsbahnsekre­tär. Befördert: die Oberladeschaffner Wilh. Luh II. und Ludwig Wagner bei der Güterabfertigung Gießen zu Lademeister und Hilfsweichenwärter

Mord und Selbstmord in Gießen.

Am Samstagnachmittag hat sich in dem Geschäfts­lokale der Firma Fritz Hübner, Bahnhofstraße 92, das dem verkauf von chirurgischen Instrumenten, ürankenpslegeartikeln ufro. dient, ein Drama zwischen den beiden Geschäftsinha­bern, dem Kaufmann Fritz Hübner und seiner Geschäststeiihaberin, Frl. Else Lukas, abgespielt. Frl. Lukas Hal dort nach einer heftigen Ausein­andersetzung ihren Teilhaber durch zwei Re­volverschüsse in den Kopf gelötet und daraus sich selbst einen 5 chuß in den Kopf beigebracht, der sie schwer verletzte und besin­nungslos zu Boden sinken ließ. Erst am gestrigen Monlagnachmiltag wurde die grausige Tat entdeckt und die sehr schwer verletzte Täterin sofort der Chirurgischen Klinik zugeführt.

Der Kaufmann Fritz Hübner, 33 3ahre alt, ist aus Oppenheim gebürtig, die Täterin Else Lukas ist 29 3ahre alt und stammt aus Worms. Beide betrieben hier gemeinschaftlich seit etwa 2 3ahren ihr Geschäft des Verkaufs von Krankenpflegeartikeln usw., das zunächst als Etagengcschäft in der Hillebrandtstraße unter­gebracht war, vor etwa l1/* 3ahren aber in einen Laden der Schwär schen Ko'onnaden gegen­über dem Hauptpostamt v.rlegt wurde und dort ganz gut ging, so daß beide Geschäftsteilhaber ohne geschäftliche Sorgen waren und ein gutes Auskommen hatten. Anfänglich soll zwischen Hübner und Fräulein Lukas die beiderfe'.t ge Absicht der Eheschließung be­standen haben. Hübner ist aber dann von diesem Plane ab gekommen, da er zu der Ansicht gelangt war, daß die Lukas nicht die richtige Frau für ihn sein werde. Aus dieser Entfremdung entstanden nun allmählich Zwistigk.iten, die in den letzten Wochen immer schärfere Formen an­nahmen und wenige Tage vor der grauenvollen Tat ganz besonders tiefgehmd gewesen sein sollen. Hübner faßte schließlich den Entschluß, sich von seiner Geschäftsteilhaberin da­durch zu trennen, daß er den Teilhaber­vertrag auflösen und die Lukas auszahlen wollte. Zu diesem Zwecke erwirkte er einen ge­richtlichen Termin, der am morgigen Mittwoch vor dem Amtsgericht stattfinden sollte und von dem natürlich die Lukas in Kenntnis gesetzt wurde. Hierdurch geriet die ohnehin schwer ge­reizte Teilhaberin in noch stärkere Erregung, die sie aucy zu der Aeußerung gegenüber ihren Wirtsleuten veranlaßte, sie werde sich n o ch vor

Weihnachten erschießen und dadurch ihren Eltern und Hübner eineWeihnachts­freude" bereiten.

Am Samstagvormittag weilten Hübner und Fräulein Lukas, wie üblich, in ihrem Ge­schäft, das sie am Samstagmittag, wie auch sonst stets geschehen, für das Wochenende schlossen. Am Rachmittag zwischen 3 und 4 Uhr wurden in dem nebenan liegenden Laden heftige Streitigkeiten aus dem Hübnerschrn Geschäft ge­hört, denen man jedoch keine Bedeutung bei­legte, da man derartige Auftritte gewöhnt war und schließlich auch bald wieder Ruhe eintrat. Offenbar hat die Lukas im Verlaufe dieses Streites die Tat begangen. Als sie und auch Hübner bis Montagmi'.tag noch nicht wieder in ihre Wohnungen z irückgekehrt waren, wurde die Poliz i verständigt, die daraufhin nach ver­schiedenen Umfragen wegen etwaiger anderweiti­ger Anwesenheit der Vermißten am gestrigen Rachmittag das Ladenlokal öffnen ließ und hier die Entdeckung der Tat machte. Hübner ist, an seinem Schreibtisch sitzend und in Geschäfts- papieren arbeitend, aus etwa einem Meter Ent­fernung von seiner Teilhaberin durch zwei Schüsse in die linke Schläfe auf der Stelle getötet worden. Die Polizei fand die Leiche des Mannes im Schreibtisc.)sessel vor. Die Lukas wurde un­mittelbar zu Füßen des Toten auf dem Fuß­boden liegend besinnungslos und mit einem schweren Kopfschuß ausgesunden: sie hatte sich selbst einen Schuß indielinkeSchläfe beigebracht, vorher aber noch einen Abschieds­brief geschrieben, den die Polizei teilweise mit Blut bedeckt, das jedenfalls von iem Erschossenen herrührte, auf dem Schreibtisch liegend vorfand. Zu der Tat hat die Mörderin eine kleine Liliput- pistole benützt.

Besonders tragisch ist noch bei dem Vorfall, daß die Eltern der Lukas am Sonntag in Gießen weilten, um ihre Tochter zu besuchen, die von dem Kommen ihrer Angehörigen gewußt hat. Die Eltern sind darm am Sonntagabend nach Worms zurüügereist, ohne von ihrer Tochter auch nur das geringste Lebenszeichen zu haben.

Die Leiche Hübners wurde gestern nach­mittag noch von der Staatsanwaltschaft zur Be­stattung freigegeben und dem Reuen Friedhof zugesührt.

Wie wir heute vormittag auf Anfrage in der Chirurgischen Klinik hören, ist die Täterin gestern abend gegen 9 Uhr ihrer schweren Verletzung gleichfalls erlegen.

Heinrich B r ö m e r beim Bahnhof Lollar zum Weichenwärter. Versetzt: Reichsbahr.betriebsassistent Christian Klotz beim Bahnhof Gießen als Bahn­hofsaufseher nach Treis (Hessen). Gestorben: Kassen­inspektor August M ö b u s in Wetzlar, Rottenauf­seher Wilhelm B u ß w e i l e r in Laubach und Ed. M e b u s in Gießen.

" Das Rauchen in Eisenbahnzügen. Die immer noch vorkommenden Belästigungen der Reisenden durch Richtbeachtung des Rauchver­bots in den Eisenbahnzügen lassen es angezeigt erscheinen, die hierüber erlassenen Bestimmungen nochmals in Erinnerung zu bringen. 3n jeder Wagenklasse wird eine angemessene Zahl von Ab­teilen für Richtraucher Vorbehalten. Wenn nur ein Abteil der betreffenden Wagenklasse vor­handen ist, darf in diesem nur mit Zustimmung aller Mitreisenden geraucht werden. Richt ge­raucht werden darf auch nicht mit Zustimmung der Mitreisenden in den Richtraucher- und Frauenabteilungen und in den Triebwagen ohne Raucherabteil, sowie in den Gängen, in denen durch Anschlag das Rauchen verboten ist. Ferner nicht in den Aborten und auf den Plattformen der mitRichtraucher" beschilderten Wagen. Bei Uebertretung des Rauchverbots im Zuge wird ohne vorherige Verwarnung eine Rauchbuße von 2 Mk. erhoben, worüber dem Reisenden eine Zahlungsbestätigung ausgehändigt wird. Raucht der Reisende nach Erhebung der Buße weiter, so wird er wegen Uebertretung bahnpolizeilicher Vorschriften belangt.

** Stenographische Wettkämpfe. Als Abschluß der diesjährigen Vereinstätigkeit veranstal­tete die 1. ReichskurzschriftgesellschaftGabelsberger" und Damenabteilung ein Wettschreiben, dem auch ein Schön- und Nichtigschreiben ungegliedert war. Geschrieben wurde nur nach der Einheitskurzschrift, und zwar in den Abteilungen 60 bis 260 Silben. Insgesamt wurden 80 Arbeiten abgeliefert. Fol­gende Arbeiten konnten mit Preisen ausgezeichnet werden: A. Schnellschreiben: 260 Silben: 1. und Ehrenpreis Georg Wahl und Ottilie Treser: 180 Silben: 1. und Ehrenkreis Heinr. Preußer: 1 Preis Friedrich von Lemmers: 160 Silben: 1. und Ehren­preis Fritz Dörfner; 140 Silben: 1. und Ehrenpreis Dora Nickel: 1. Preis Dora Heß: 120 Silben 1. und Ehrenpreise Irma Büxler, A. Schott, H. Buchner, Richard Heinbuch: 1. Preise: Erich Hock, Max Kutz, Aenne Thein, Hans Bellos, Klaus Wachsen: 3. Preis Wilhelm Albach: 100 Silben: 1. und Ehrenpreise Käthe Demuth, Willi Volland, Elli Volland, Minni Schmitz, Heinrich Schmieder: 1. Preise Johanna Bohl, Hermann Kräcker, Minna Gerbig, Wilhelm Arnold, Walter Volpert, Heinrich Ochs: 2. Preise Luise Reinhardt, Heinz Theisebach: 80 Silben 1. und Ehrenpreise Georg Herbert, Hans Gg. Steuerwald, Elisabeth Paul: 1. Preise Erna Reininger, Erwin Weber, Karl Euler, Hermann Benzler, Emmi Over­beck, Minna Nachtigall, Willi Momberger: 2. Preis Emma Lotz: 60 Silben: 1. und Ehrenpreise Irma Volk, Karl Geller, Fritz Hederich, Else Linkmann: 1. Preise Alfons Klein, Hans Fuhr, Gertrud Schäfer, Käthe Judt, Karl Scheid, Albert Seefelder, Otto Wilhelm, Karl Brückel: 2. Preise Albert Pitz: 3. Preis Karl Bree. B. Schön- und Richtigschrei - ben: Verkehrsschrift: 1. und Ehrenpreise Friedrich von Lemmers, Erna Reininger, Kathi Keller, Irma Volk: 1. Preise Max Katz, Albert Seefelder, Johanna Bohl, Hans Fuhr: 2. Preise Richard Hembach, Minna Gerbig, Minna Nachtigall, Hermann Buch­ner, Else Linkmann: 3. Preise Luise Reinhardt, Wilhelm Arnold. Redeschrift: 1. Preis Friedrich von Lemmers: 3. Preise Fritz Dörfner, Luise Reinhardt.

Suchhundeprüfung und Krimi­nalhundprüfung in Gießen. Am Sonn­tag veranstaltete der Polizei- und Schuhhund- Verein in Gießen im Auftrag des Rhein-Main- Landesverbandes, Sitz in Frankfurt a. M., in Anwesenheit von Vertretern des Polizeiamts Gießen und zahlreichen Publikums eine Such­hundprüfung, bei der vier Polizeihunde zur Vor­führung gelangten. Die Prüfungsleitung lag in den Händen des Herrn Wilh. Derzbach in Gießen. Als Richter fungierten der Landesver­bandsvorsitzende Meiners aus Frankfurt a. M. und die Herren Heinr. Matheis und Karl

Wiedmeyer in Gießen. Den ersten Preis und die goldene Verbandsmedaille erhielt Kriminal- Hauptwachtmeister Rienhardt in Gießen; an zweite Stelle trat Herr Aug. Rieß, eben­falls in Gießen. Die nächsten Stellen nahmen zwei Polizeibeamte aus Offenbach a. M. ein. Der Erfolg des Gießener Vereins ist um so er­freulicher, als auch im vergangenen 3ahre die erstmals vergebene goldene Medaille des Ver­bandes von Herrn Heinr. Matheis vom Gießener Verein eingeholt werden konnte. Bei dieser Gelegenheit sei aus die Dressurstunden be­sonders hingewiesen, die in der heutigen An­zeige zu ersehen sind.

Oberhessen.

Schwerer Auiounsall einer Fußballmannschaft.

1 Toter, 8 verletzte.

A Lauterbach, 9. Dez. Gestern abend kurz nach 7 Uhr ereignete sich in der Vogelsberg» straße ein schweres Autounglück. Der Schnellastwugen der Firma Traut in Fulda war mit einer Fußballmannschaft aus Eichenzell, die in Blihenrod gespiett hatte, auf der Heimfahrt nach Fulda bzw. Eichenzell be­griffen und fuhr etwa 300 Meter oberhalb ter Gastwirtschaft Mül er auf einen Chaussee­baum auf. Während sich der Chauffeur wäh­rend der Fahrt an dem Kilometerzähfer zu schaffen machte, weil dieser nicht funktionieren wollte, kam der Wagen der linken Straßenseite zu nahe, so daß der hinten übergebaute Lade­raum an einem Chausfeebaum hangen blieb und vollständig abgerissen wurde. Wahr­scheinlich hatte der Wagen auch eine ziemlich hohe Geschwindig.eit. Schon beim Anfahren des ersten Baumes wurde die gesamte Mann- chaft Hera usgeschleudert, einer sogar vis auf die über der Straße liege.rde Wiese. R e u n Mann wurden dabei verletzt, dar­unter vier schwer. Der C.auf.eur selöst kam mit dem Schrecken davon. Von den Schwer­verletzten ist bereits einer in der vergangenen Rächt im hiesigen Krankenhaus verstorben, ein anderer liegt noch bewußtlos darnieder. Zwei Verletzte konnten, nachdem sie im Krankenhaus I verbunden worden waren, die Heimreise an­treten, während die übrig:n vorerst noch in ärzt­licher Behänd.u. g verbleiben müssen.

Landkreis Gies;en.

£ Wieseck, 9. Dez. Die am Samstagabend bei Gastwirt Gg. Keller stattgehabte General­versammlung des Landwirtschaftli­chen Ko n s u m ve re i n s G. m. b. H. war im Verhältnis zu früheren Versammlungen stark besucht. Nach Eröffnung durch den Vorsitzenden des Auf­sichtsrates erstattete zunächst Verbandsrevisor I o l k Bericht über die Arbeiten und Erfolge der Verwal­tung im laufenden Geschäftsjahre. Er stellte fest, daß d.e Gesamtoerwaltung durch ihr gutes Zusammen­arbeiten wieder einen schönen geschäftlichen Erfolg zu verzeichnen habe. Konnte doch der monatliche Um­satz bis Ende Oktober durchschnittlich auf 25 000 bis ' 30 000 Mark gesteigert werden. Diese Zahlen berech­tigen zu der Annahme, daß auch für 1929 minde­stens 7 v. H. an Rückvergütung gewährt werden kön­nen. Im Geschäftsjahr 1928 wurden an Rückver­gütung an die Mitglieder 19 921,02 Mk. ausgezuhlt, das sind durchschnittlich zirka 35 Mark. Außerdem wurden den Mitgliedern noch wesentliche zinslose Kredite gewährt. Wie der Redner weiter feststellte, steht das Unternehmen auf gesunder Grundlage. Nach ihm sprach Geschäftsführer Haack von der Raiffeisen-Hauptgenossenschaft überRationalisie­rung im Genossenschaftswesen". Nach allgemeinen Erklärungen über die Rationalisierung kam der Redner auf den vor 8 Tagen in Frankfurt a. M. erfolgten Zusammenschluß von 40 500 selbständigen landwirtschaftlichen Genossenschaften unter der Be­zeichnungDeutscher Raiffeisen-Verband e. V." zu sprechen. Dieser Zusammenschluß solle durch seine wirtjchaflliche Macht mit zur Gesundung iin deut­

schen Genossenschaftswesen und darüber hinaus Ift der deutschen Wirtschaft beitragen. In der Aus- sprack)e wurden noch verschiedene Fragen geklärt. Die notwendige Ersatzwahl im Vorstand ergab die Wiederwahl von Landwirt Heinrich Benner. Für den Aufsichtsrat wurde der sehr verdiente Vorsitzende Karl Nodenhausen, sowie die Mitglieder Wil­helm H o f und Heinrich Hofmann wiedergewählt. Neugewählt wurde Otto Deibel. In der folgenden allgemeinen Aussprache wurden noch verschiedene geschäftliche Angelegenheiten besprochen. Die zum Weiterausbau des Geschäftes notwendigen Maßnah­men wurden ebenfalls zur Spruche gebracht und manche gute Vorschläge gemacht, deren Verwirkli­chung in den nächsten Jahren entgegcngesehen wird.

ch W i e s e ck, 8. Dez. Gestern abend veranstaltete Lehrer Burk im dichtbcsetzten Braunschen Saale einen Elternabend, der einerseits beredtes Zeugnis ablcgte von der hohen Leistungsfähigkeit der Klaffe in der Vortragstunst, andererseits den Eltern wieder einmal die alten schlichten und gemüt­vollen Gedichte, Fabeln und Erzählungen ins Ge­dächtnis zurückrief, die heute leider oft in der Schul­arbeit in den Hintergrund treten. Lehrer Burk selbst zeigte sich als Meister im Märchenerzählen, erheiterte die Zuhörer durch Preisgabe von selbster­lebten lustigen Episoden im ersten Schuljahr und um- riß schließlich mit kurzen Worten den Sinn moderner Schularbeit, der auf Lust und Freude und Eigen­betätigung des Schülers abgestellt ist.

* Alten-Duseck, 9. Dez. Wie alljährlich, so hatte auch gestern abend unser Frauenchor einen Familienabend veranstaltet, der aus Alten-Duseck und Trohe, sowie aus benachbarten Gemeinden gut besucht war. Rach einem ein­leitenden Musikstück eröffnete der Ortspfarrer den Abend mit einer Begrüßung, es folgte ein poetischer Dorspruch, vorgetragen von Frl. Marg. Körber, dann im Wechsel Musikvorträge, Chöre und zwei jugendlich frische, frohe Einakter. Alle Darbietungen zeugten von sorgfältiger Vorbe­reitung und wurden mit herzlichem Deifall aus­genommen. Cs war zu erkennen, wie der Frauen­chor unter der Leitung seines bewährten Diri­genten Konrad R i e o I a i (Großen-Duseck) sich seiner Aufgabe, das gute christliche und weltliche Lied zu pflegen, und die Gemeindeglieder zu gemeinsamer Erholung und persönlicher Annähe­rung zusammenzuführen, mit Erfolg angelegen sein läßt. Es wird ihm deshalb doch auch immer die Anerkennung und Förderung Futeil, die er als ein erfreulicher und wertvoller Faktor im Gemeindeleben erwarten darf.

)( Grohen-Linden, 10. Dez. Wwe. P o ftt WirtinZur Sonne" dahier, vollendet heute das 7 2. Lebensjahr.

U Großen-Linden, 9. Dez. Das Mobiliar unserer Kleinkinderschule hat in diesen Tagen eine wesentliche Verbesserung erfahren, die alten Bänke und Tische, die teilweise 30 3ahre und länger in Benutzung und nicht mehr ge­brauchsfähig waren, sind durch neue Garnituren 92 Stühlchen mit Rückenlehnen und 13 Tische in stabiler und geschmackvoller Ausführung erseht worden. Die Deckung der nicht unerheb­lichen Kosten hofft man mit einem hierfür vor­gesehenen Fonds der Kleinkinderschule, durch Spenden der örtlichen Vereine (namhafte Sum­men wurden von die^--, in dankenswerter Weise schon zur Verfügung gestellt) und durch Samm­lungen zu erreichen. Die Kleinkinderschule wird zur Zeit von 108 Kindern besucht.

Kreis Schotten.

v. Schotten, 9. Dez. Aus dcm Gemeinde­rat. Die Stadt hat ihre Vorkriegsschul­den mit 17,5 Prozent aufgetoertet. Auf der gleichen Grundlage verständigte man sich mit einem Armenfonds, der eine größere For­derung an die Stadt zu stellen hatte. Eine alte Kaufgeldforderung über den Ankauf eines Grund­stücks durch die Stadt wurde mit 90 Prozent auf­gewertet. Der Vertrag mit dem Friedhofswärter wurde vorsorglich gekündigt, der neue Gemeinde­rat soll sich mit der Vergebung der Fried- hofsUnterhaltung befassen. Der Prä- miierungsmarkt in 1930 wird in der alten Form, Verlosung usw. abgehalten, die Vorschläge hierzu wurden genehmigt. Die Stadt hat sich zur Errichtung einer Autohalle für die P o st bereiterklärt, eine Ortsbesichtigung zur Bestim­mung des Platzes findet statt. Der Gemeinde Meiches wurde ein Betrag zur Aufrecht- erhaltung ihrer Autolinie bewilligt. Mehrere Straßen und Stellen in der Stadt werden hergestellt, die Kosten hierfür genehmigt.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

> Wißmar, 9. Dez. 3n der ersten Sitzung der neuen Gemeindevertretung wurde mit sieden Stimmen der Hüttenarbeiter Ludwig D i 11 e n d o r f von der S. P. D. zum Vor­steher gewählt, (fünf weiße Zettel wurden abgegeben): mit denselben Stimmen der Wagner- meister Heinrich B i 11 e n d o r f zum st.l.vrrtre- tenden Vorsteher. Rach Bestätigung des neuen Vorstehers tritt der jetzige Vorsteher Schwalm von dem Posten zurück, den er aus gesundheit­lichen Gründen und wegen seines Alters nicht wieder übernommen hätte. Mit ihm scheidet ein Rkann aus dem Gemeindedienst, der sich um fein Heimatdorf große Verdienste erworben hat. Von 1911 bis 1917 war er Vorsteher, in den fol­ge Öen Ca'jren stellv. Vorsteher, der bei Krank­heit und Tod immer wieder feine Kraft und feine Kenntnisse der Allgemeinheit zur Ver­fügung stellte. Deshalb hatte ihn das Vertrauen seiner Mitbürger in diesem Frühjahr, als der bisherige Vorsteher starb, noch einmal gewählt. Gange 3ahre hat er auch die hiesige Postagentur verwaltet, insbesondere in den Zeiten, da diese Arbeit nichts einbrachte und gewaltige Anforde­rungen stellte, während des Krieges und der Inflation. Das Amt des Ortsgerichtsvorstehers, das er fd)on lange bekleidet, wird er weiter be­halten. Er hat es in seiner langen Dienstzeit immer verstanden, die politischen Gegensätze im kommunalen Leben zu überbrücken und Wert­volles für seine Gemeinde zu schaffen. Möge ihm em schöner Lebensabend deschieden fein

)( Hörnsheim, 10. Dez. Landwirt' Ludwig Lenz dahier, der auf dem Gebiete der Vieh­zucht, Dienen- und Obstkulturen Hervorragendes leistete, wird morgen 80 3 ahre alt