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Nr. 135 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)Montag, 10. Zuni (929
Verbefferungsbedürstige Handelsverträge.
Man verrät kein Geheimnis, wenn man feft» stellt, Daß eine Reihe unserer laufenden und »um Teil unter sehr schwierigen politischen Verhältnissen abgeschlossenen Handelsvertrags den Hoffnungen nicht entsprochen haben, die auf sie gesetzt wurden. Dazu kommt, dah die Erfahrungen, die in den verschiedensten Ländern mit dem System der allgemeinen unbedingten Meistbegünstigung gemacht worden sind, eine grundsätzliche Veränderung dieses Systems zur Notwendigkeit machen.
Der Außenhandels verband, der seit 29 Jahren verdienstlich für die Verbesserung handelspolitischer Bestimmungen wirkt, hat sich der Mühe unterzogen, die einzelnen Mängel nachzuweisen, die durch die Aufrechterhaltung des bisherigen Systems in dem Verhältnis Deutschlands zu seinen verschiedenen Vertragspartnern ausgetreten sind. Er weist dabei nach, dah die allgemeine Meistbegünstigung für einige unserer wichtigsten Absatzmärkte, also die Vereinigten Staaten und England, eine geradezu protektionistische Wirkung gehabt hat, und dah die Handelspolitik beider Länder, aber auch diejenige z. D. Spaniens und Italiens bei ihrem Bestreben, freie Hand in der Zollpolitik zu erlangen, einen Zwang zur Veränderung des bisherigen Systems bedeutet. Der Vertrag mit den Vereinigten Staaten ist am 8. Dezember 1923 auf 10 Jahre mit einjähriger Kündigungsfrist geschlossen toorDen, derjenige mit England am 2. Dezember 1924 auf fünf Sahre, ebenfalls mit einjähriger Kündigungsfrist. Beide waren bei ihrer Schaffung als wichtige und große Abkommen nach einer fast zehnjährigen Vertragslosig- keit aufrichtig begrüßt worden: beide haben sich allmählich dahin ausgewirkt, daß sie ein Hindernis für ein gerechtes Gegenseitigkeitsverhältnis der Vertragspartner bilden. Die Ausfuhr der Vereinigten Staaten nach Deutschland ist von 304 Million- nen Dollar im Durchschnitt der letzten vier Dorkriegsjahre auf 481, bzw. 467 Mill. Dollar in den beiden letzten Jahren gestiegen, die Einfuhr Amerikas von 176,5 nur auf 206 bzw. 222 Mill. Dollar. Dabei hat sich das Verhältnis zwischen Rohstoffen und Fertigfabrikaten zu ilngunften Deutschlands stark verschoben. Mit England liegen die Dinge ähnlich: während es 1913 für 876 Millionen Mark nach Deutschland ausführte, und gleichzeitig für 1438 Mill, aus Deutschland einführte, beträgt die englische Ausfuhr nach Deutschland 1927: 963 Mill., 1928: 893 Mill., die britische Einfuhr aus Deutschland in den gleichen Jahren 1177, bzw. 1182 Mill. Das ist zwar immer noch ein deutscher Ausfuhrüberschuß, aber ein Verhältnis, das gegenüber der Vorkriegszeit wesentlich zurücksteht, und das auch eine proportionale Verringerung der deutschen Beteiligung an der britischen Einfuhr dartut; sie betrug 1914 gleich 10,5, 1927 nur 4,9 Prozent. Sn England ist inzwischen unter dem System der Schlüsselindustriezölle und der Mae Kenna-Zölle eine Zollbelastung vieler wichtiger deutscher Sndustrieerzeugnisse in Höhe von durchschnittlich 3 3'/3 Proz. des Wertes erfolgt. Dazu kommen schikanöse Bestimmungen über die Technik der Verzollung und die Schwierigkeiten für den direkten Verkehr mit den britischen Kolonien.
Die Denkschrift des Außenhandelsverbands, die an alle zuständigen Stellen im Sn- und Ausland versandt worden ist, fordert eine Vereinbarung der europäischen Staaten, grundsätzlich keine Meist begün st igungsver- träge in bezug auf ihren Zolltarif mit solchen Staaten abzuschlietzen, die s e lb st keine Tarifverträge eingehen, ferner Verzicht auf Tarifverträge mit Staaten, die einen Doppeltarif haben und als Meistbegünstigung nur den autonomen Minimaltarif ohne Bindungen bezüglich der Sähe eingehen. Ferner soll durch gemeinsames Vorgehen die Erhöhung von Zöllen auf dem V e r o r d nu n g s w e g e bekämpft und beseitigt werden. Es ist also ein Appell an die Gesamtheit der von solcher einseitigen Wirtschaftspolitik betroffenen Mächte.
Turnen, Sport und Spiel.
Fußball.
Die ersten Borrundenkämpsc um die Deutsche Meisterschaft.
B. f. B. Königsberg — $. C. 08 Breslau 1:2 (0:1).
Vor etwa 5000 Zuschauern verlor gestern der Meister trotz der lebhaften Unterstützung seitens des eigenen Publikums gegen den zweiten Vertreter des südostdeutschen Verbandes mit 1:2 Toren. Der Sieg her technisch und taktisch leicht überlegenen Gäste über den unter der erwarteten Form spielenden Baltenmeister war verdient. Bereits vor der Pause war der Südosten meistens im Angriff und kam infolge eines groben Abwehrfehlers durch Scheurell zum Führungstor. Die umgestellte Mannschaft konnte dann nach der Pause durch den Linksaußen Siegla den zweiten Treffer erzielen, während die Gegenseite durch verwandelten Elfmeter wegen Handspiels zum Ehrentor kam. Der Kampf war sehr fair und durchaus nicht uninteressant, trotzdem darf angenommen werden, daß sich auch der gestrige Sieger nicht allzu lange in der ferneren Konkurrenz halten wird. Seine Leistungen machten keinen schlechten, keinesfalls aber auch einen überzeugenden Eindruck.
Preußen Zaborze — herlha B. S. L. Berlin 1:8 (0:7).
Der Berliner Meister kam gestern in feinem ersten Treffen um die D. F. B.-Trophäe zu einem unerwartet hohen Sieg über den südostdeutschen Meister, der sich auf dem ungewohnten Grasboden in Gleiwitz nicht zurecht fand und bereits in den ersten 45 Minuten in regelmäßigen Abständen sieben Tore hinnehmen mußte. Sobeck schoß 3, Kirsey 2, Ruch und Lehmann je 1 Tor. Nach der Pause strengte sich Berlin absolut nicht mehr an. Zaborze kam durch seinen einen Verteidiger, der in den Sturm gegangen war, zum Ehrentor. Ruch stellte das Endresultat von 8:1 Toren her.
Die letzten Vertreter für die „Deutsche".
Am gestrigen Sonntag wurden auch die beiden noch fehlenden Vertreter für die Vorrunde um die Deutsche Fußballmeisterschaft ermittelt. Westdeut. scherDritter wurde FortunaDüsseldorf die in Wanne vor 12 000 Zuschauern einen glücklichen 1:0- (0:0) Sieg über Schwarz-Weiß Essen errang. — Norddeutscher Zweiter ist Holstein Kiel nach einem 4:1» (2:1) Sieg über Hannover 96.
Der Spielplan.
Für die sechs noch auszutragenden Vorrundenspiele zur Deutschen Fußballmeisterschaft ist der folgende Spielplan ausgestellt worden. Sonntag, 16. Juni:
in Hamburg: Holstein Kiel — 1. FC. Nürnberg, in Nürnberg: Sp.Vg. Fürth — FortunaDüsseldorf, in München: Bayern München — Dresdener SC., in Duisburg: Meidericher Spo. — Hamburger SV., in Berlin: Tennis-Borussia Berlin — Titania
Stettin,
in Leipzig: Wacker Leipzig — Schalke 04.
Ncpräscntativspicl
Westdeutschland—Süddeutschland 5:2 (3:1)
Zur Einweihung des Derbandsjugendheimes des Westdeutschen Futzballverbandes fand gestern in Duisburg vor etwa 35 000 Zuschauern ein Repräsentativspiel zwischen West- und Süddeutschland statt. Die für wesentlich stärker eingeschähte süddeutsche Elf erlitt hierbei eine überraschende Niederlage von 2:5 Toren. Wenn auch nicht in dieser Höhe, so war der westdeutsche Sieg doch berechtigt dank des größeren Eifers der Einheimischen. Der Süden lag anfangs durch Bretteville in Führung, doch fiel bald der Ausgleich durch Graf- fers. Der Linksaußen Sackenheim 11 fügte noch zwei weitere Tore vor der Pause an. Auch nach dem Seitenwechsel blieb der Westen leicht überlegen und stellte durch Berkele und einen verwandelten Elfmeter das Ergebnis auf 5:1. Dann erst kam Süddeutschland durch Hornauer zu seinem zweiten Tore.
Die westdeutsche Elf kämpfte sehr eifrig und einheitlich, ohne daß Schwächen auf einzelnen Posten wahrnehmbar waren, auf der Gegenseite hatte man sich gerade von den bekanntesten Spielern aus Nürnberg erheblich mehr versprochen.
Hochschul-Futzballmeisterschaft.
Sn der Vorrunde um die Deutsche Hochschulmeisterschaft im Fußball standen sich am Freitag in Frankfurt a. M. die Technische Hochschule München und die Universität Frankfurt gegenüber. Die Münchener siegten mit 2:0 (1:0) und qualifizierten sich damit für die Zwischenrunde gegen die Universität Bonn. Der Sieger aus diesem Treffen hat dann gegen die Universität Hamburg an^utreten.
Handballmeislerschast der D.S.V.
Pol. S. D. Darmstadt qualifiziert sich für das Endspiel.
Sn Worms wurde am gestrigen Sonntag zwischen den Polizeisportvereinen von Darmstadt und Hamburg das Dorschluhrunden- spiel um die Deutsche Handball- meiste r s ch a f t der D. S. D. ausgetragen. Die Darmstädter Polizisten hatten einen großen Tag, sie besiegten den norddeutschen Meister glatt mit 8: 4 Treffern, nachdem sie bereits bei der Pause 5:1 geführt hatten. Darmstadt trifft nun am nächsten Sonntag im Endspiel in Halle auf den mehrfachen deutschen Meister Pol. S. V. Berlin.
Tennis.
Deutschland siegt im Daviscup gegen Italien 3:2.
Deutschland hat im Tennis einen großen Erfolg errungen, es gelang ihm, die starke italienische Davispokalmannschaft au schlagen und sich damit für die Vorschlußrunde der europäischen Zone zu qualifizieren. Sn dieser Runde wird die Tschechoslowakei unser Gegner sein, gegen die wir eine reelle Siegeschance besitzen. Nachdem die Staliener am Samstag im Doppel das Gesamtresultat auf 2:1 gestellt hatten, konnte am Sonntag jede Partei noch einen Punkt buchen. Für Stalien gewann de Morpurgo gegen Dr. Land- mann 6:4, 6:0, 7:5. Der Kampf stand jetzt 2:2. Den entscheidenden Punkt für Deutschland sicherte Moldenhauer, der de Stefani in einem prächtigen Kampf 6:3, 3:6, 5:7, 6:4, 6:3 schlug.
Damenländerkampf Deutschland — Amerika 4:3.
Der Damenländerkampf Deutschland—Amerika im Tennis in Berlin am Samstag brachte folgendes Ergebnis: Während die beiden Kölnerinnen, Frl. Rost und Frl. A u ß e m, ihre Spiele gegen die amerikanischen Spielerinnen, Miß Morrill und Miß Croß, 8:10, 7:5, 6:2 bzw. 6:1, 6:2 gewannen, unterlag Frau v. Recz- nicek trotz heftiger Gegenwehr gegen die Weltmeisterin Helen Wills 2:6, 3:6. Deutschland hatte sich damit 2:1 die Führung gesichert.
Am gestrigen Sonntag feierten die deutschen Tennisvertreterinnen aber einen großen Erfolg. Nachdem unsere Damen bereits am Samstag 2:1 geführt hatten, gelang es ihnen am gestrigen Sonntag, mit 4:3 Punkten einen knappen Sieg sicherzustellen. Frl. Cilly Äußern verlor allerdings gegen die Weltmeisterin Helen Wills glatt 6:0, 6:1. Die übrigen Ergebnisse waren: Frau von Recznicek — Miß Edith Croß 6:2, 6:1, Frl. Krahwinkel — Miß Morill 3:6, 6:4, 6:3, Außem/Rost — Wills/Croß 3:6, 1:6.
Nurmi muß pausieren.
Eine schwere Knieverletzung.
N u r m i, das finnische Laufwunder, hat die Heimreise von Amerika angetreten, da ihn eine schwere Knieverlehung an der weiteren sportlichen Betätigung in Amerika hindert. Nach Ausheilung, die vermutlich mehrere Monate dauern wird, beabsichtigt der Finne wieder nach Amerika zurückzukehren.
Kanusport.
Kanu-Mcisterschastsregatta in Karlsruhe.
Der Oberrhein-Mainkreis hielt gestern im Karlsruher Rheinhafen feine 10. Meisterschafts- Kanuregatta ab, die nur einen schwachen Besuch zu verzeichnen hatte. Doch waren die Leistungen bei leichtem Rückenwind ausgezeichnet. Die Ergebnisse sind: Meisterschaften: Zweier- Kajak: 1. Kanuges. Neckerau. Zweier-Kanadier: 1. Kanuges. Neckerau. Einer-Kajak: 1. Wassersportverein Marxau (Cichfelder). Einer-Kanadier (Altersklasse): 1. Kanuclub Mannheim. Senioren: Zweier-Kajak: Kanuclub Rheinbrüder Karlsruhe. Einer-Kajak: Wassersportverein Marxau (Sich- felder).
Misterschastsrennen „Hunb um Schotten"
Der einzige Lauf um die Deutsche Meisterschaft für Motorradfahrer Mittel- und Westdeutfchla.td, das einzige große Straßenrennen in dem Gebiet zwischen Hannover (Eilenriede), Schleiz (Dreieck) und Stuttgart (Solitude) ist das Motorradrennen „Rund um Schotten" am 16. Suni, der Mersterschaftslauf für die Klassen 250 und 350 Kubikzentimeter. Das Rennen „Rund um Schotten", das dieses Sahr zum fünften Male startet, gewinnt als einziges Straßenrennen des rhein-marnischen Wirtschaftsgebietes eine stets wachsende Bedeutung. Sst doch die 17,6 Kilometer lange Rundstrecke über die Höhen des Dogelsberges eine geradezu ideale natürliche Prüfungsbahn, wie sie die mitteldeutschen Gebirge nicht mehr aufzuweisen haben. Don Schotten (204 Meter über dem Meeresspiegel) frrigt die Straße bis auf 620 Meter, der Höhenunterschied beträgt also über 400 Meter. Dazu kommt, daß die Landstraße, dem Gelände angepaht, 96 Kurven aufzuweisen hat, darunter sechs Haarnadelkurven und außerdem zwei große Schleifen. Die Strecke- stellt also an Den Fahrer und die Maschine sehr hohe Anforderungen, müssen doch in den Meisterschaftsläufen zwölf Runden durchfahren werden. Aber auch für den Zuschauer ist das Rennen sehr lohnend, kann er doch weite Strecken der Bahn von einem Punkte aus überblicken und so stets einen großen Teil deS Rennens mit dem Auge verfolgen. Durch Fern- sprechdienst auf der Strecke wird die jeweilige Lage der Fahrer nach dem Start und Ziel gemeldet und dort durch Riesenlautsprecher bekanntgegeben. Umsäumten im vergangenen Safjre etwa 12 000 Zuschauer die Strecke, so rechnet man Damit, daß diese Zahl sich am nächsten Sonntag wesentlich erhöhen wird. Der hessische Minister des Snnern, Leuschner, hat Den Ehrenvorsitz über Das einzige Straßenrennen Hessens übernommen unD fein Erscheinen zugesagt.
Bis jetzt liegen bereits 50 MelDungen vor. Die Meister Des StaDions und Der Opel-Bahn toerDen sich hier ein StellDichein geben unD ihr Können auf Der Bahn nun auch auf Der Land- straße unter Beweis stellen.
Menkampf im Frankfurter Zoo.
WSR. Fr a.n kf ur t a. M., 8. Sunt. Am heutigen Samstag mittag gegen 12 Uhr spielte sich im Zoologischen ©arten ein _ auf» rcgenDer Kampf zwischen zwei Bären ab. Der mit Dem ToDe Des einen Tieres enDete. Ein Augenzeuge erzählt uns folgende Einzelheiten: Der Zoologische Garten besitzt u. a. eine alte braune Bärin, Die auf Den Namen Sonja hört und vor allem bei Den Kindern sehr beliebt war, weil sie „lachen" konnte, wenn man das Verziehen der Schnauze bei Empfangnahme eines Leckerbissens als Lachen bezeichnen will. Dieser Tage bekam nun Sonja einen Gefährten, und zwar ein altes Männchen, dessen Käfig neu hergerichtet werden muß. Die beiden Bären, Die sich zuerst gut vertrugen, gerieten nun heute vormittag aus unbekannter Ursache im wahren Sinne des Wortes einander in die Haare, und als erst einmal Blut geflossen war, wurde der Kampf mit blinder Wut so lange fortgesetzt, bis Sonja aus zahlreichen Wunden blutend verendete. Das Personal suchte Die beiDen Kampfhähne zu
Marburger Festspiele.
,,Wilhelm Dell."
Die Festspiele in Marburg haben nach dem Re- sormationsspiel und dem Spiel von der heiligen Elisabeth, mit welchen man in den Vorjahren begann, den engeren Bezirk heimatlicher Geschichte, Sage und Landschaft verlassen und ziehen in der heurigen Saison den stehenden Spiclplan großer klassischer Dramatik in ihren Bereich. Mit Schil- lers „Teil" wurde am Sonntag die sommerliche Spielzeit der Freilichtbühne vor dem Schloß festlich eröffnet. *
Wir wohnten am Samstag der Generalprobe bei, und da die Ausführung nach wochenlangen, mühseligen Vorbereitungen zur Generalprobe wirklich „stand", wie es bei einer Premiöre auch nicht besser sein kann, so darf man wohl schon kritisch einiges dazu bemerken, auch wenn man nicht den vollen und abgeschlossenen Eindruck des Spieles mitnahm, das des einsctzenden Regens wegen im vierten Akt (Attinghausens Tod) abgebrochen werden mußte.
*
Die eigenartige Szenerie Der Marburger Festspielbühne, Die bei früheren Anlässen beschrieben wurde, gibt einen recht glücklich sich einfügenden äußeren Rahmen für das Drama her. Die drei hohen gotischen Bögen schaffen einen großzügig klaren Prospekt, und mit gelegentlicher Vorhangverkleidung und ganz geringen Versatzstücken ist die jeweilige , Szene in einfacher Stilisierung überzeugend und ausreichend angedeutet. (Nur stören hie und da Die im Mittelbogen angebrachten, schwenkbaren Vorhangträger durch eine unschöne Ueberschneidung des Durchblicks das Bild: was zu vermeiden wäre, wenn man sie bei geöffnetem Vorhang so weit zurücknehmen könnte, daß sie im rechten Winkel zum vorderen Bühnenrahmen stehen; allerdings entzieht es sich unserer Kenntnis, ob dies technisch erreichbar ist.) *
Die Regie des künstlerischen Leiters der Festspiele, Dr. Budde, hat mit sicherem Blick und liebevoll eindringendem Verständnis die vielseitigen Möglichkeiten der Bühne für die besonderen Erfordernisse des Schauspiels ausgenutzt. Es ist vor allem
bemerkenswert, mit wie' wenig Kürzungen er — nach dem bisher Gesehenen — diese Freilichtinszenierung bewältigt. Ein entschiedener Gewinn gegenüber den meisten „Tell"-Ausführungen im geschlossenen Theater ist die dürch fließende Verwandlungen und einen fast pausenlosen Szenenablauf sich ergebende Geschiossenheit des Gesamteindrucks.
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Im Ganzen machten die Ensembleszenen — wie das hier kaum anders zu erwarten war — infolge der nur auf ganz großen Bühnen in ähnlicher Form zu erzielenden, weiträumigen und großzügigen Gruppierung der repräsentativen Massenauftritte den besten Eindruck. Wogegen die Soloszenen (bei Stauffacher im zweiten Akt und später die Iagd- partie) von eben dem großen Rahmen des Spielfeldes ein wenig erdrückt wurden. Am stärksten und farbigsten gerieten unserem Gefühl nach die Apfelschußszene, welche hier in ihrer ganzen, glänzenden Theatralik zur Geltung kam, und jene vorhergehende in Teils Hause, die auch szenisch sehr stimmungsvoll — obwohl mit bescheidensten Mitteln — heraus- gearbeitet war.
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Die Zentralszene des Schauspiels, der Rütlischwur, wirkte demgegenüber, obwohl sie geschickt gestrichen war, etwas gestellt und nicht so großlinig in der Entfaltung der Massen, die vielleicht ein wenig mehr gegen den Hintergrund hätten gruppiert werden sollen. Dor allem hätte man gerade in dieser Szene einen weiten Prospekt mit tiefem Durchblick durch den Mittelbogen erwarten dürfen, der statt dessen, des gleichzeitigen Umbaus wegen, durch den Por- hang geschlossen war. Man sollte hier ruhig eine kleine Verwandlungspause zugunsten der Wirkung dieser Hauptszene in Kauf nehmen.
Die Apfelschußszene wurde mit einem nicht üblen Regieeinfall eröffnet: dem rhythmisch gegliederten, dekorativen Einzug der Söldner zur Aufrichtung des Geßlerhutes.: doch ist zu bedenken, ob die leicht ins Groteske abgleitende Wirkung hier erwünscht ist, und man sollte der ausgesprochenen Witterung jedes Publikums für komische Nuancen auch in ernsten Stücken nicht unnötig entgegenkommen.
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Darstellerisch steht und fällt die Aufführung mit der Besetzung der Hauptrolle. Der Tell ist Friedrich K a i ß l e r, und er beherrscht und bestimmt Den
Eindruck dieses Spieles in entscheidender Form. Man hätte kaum eine bessere Verkörperung finden können als diesen ausgezeichneten Sprecher, dem sein klangschönes, weittragendes und blendend geschultes Organ gerade auf einer Freilichtbühne mit schwieriger Akustik ungemein zustatten kommt.
Wir haben es sehr bedauert, den großen Monolog im vierten Akt nicht mehr gehört zu haben. So wurde, traft seines einfachen, menschlich und männ- lich zugleich sich äußernden Spieles die Apfelschuß- szene zum eindringlich nachwirkenden Kernstück der Aufführung.
*
Neben Kayßler tritt naturgemäß die übrige Besetzung ein wenig zurück. Aus dem weitläufigen Personal heben sich vor allem der kraftvoll und gut gesprochene Stauffacher und der mit einer gewissen Eleganz und unter Verzicht auf de Theatereffekte des augenrollenden Tyrannen alten Stils gegebene Geßler angenehm heraus.
Der Melchthal befriedigte, vor allem sprachlich, weniger. Von den Frauengestalten machten Bertha von Bruneck und die Hedwig, die ein wenig an die Frauen der Höflich erinnert, aber textlich nicht immer ganz sicher erschien, die beste Figur.
*
Es ist zu hoffen, daß die ferneren Aufführungen der Marburger Festspielbühne ein wenig mehr vom Wetter begünstigt sein werden als die Generalprobe. Möge der H-mmel ihnen gnädig sein. Es hängt so viel davon ab. -y-
Abschied vom Frühling.
Von Franz Hessel.
Verehrte Sahreszeit, von Shnen hat man nicht viel. Cs kommt mir bisweilen vor, als ob es Eie in unserer Sagend ausführlicher gegeben habe, damals, als wir Sie und Shre Drei Kollegen so deutlich unterschieden. Seht kann ich Sie oft nur auf dem Kalender konstatieren. Heuer zum Beispiel konnte ich Sie vor lauter Kälte kaum sehen, hören oder riechen. Die erforderlichen Wärmesendungen blieben einfach aus wie Kohle streikender Gruben. Wir leben offenbar in Zeiten, in denen man auch mit kosmischen Ausständen rechnen muß. »Auflassung fämtlicher
Herrenartikel" las ich in Wien an einem Schaufenster und fror. Das war im Mai. Snzwischen gab es ein paar plötzliche Begegnungen mit Shnen. Sn einem etwas spärlichen Garten des Berliner Weichbildes, da, wo die Straßen und Plätze nach Heidelberg, Deidesheim, Sohannis- berg und andern westlichen Glücksgegenden heißen, knieten Sie zwischen Beeten, die Sternchenblüten trugen. Sie waren als Mädchen verkleidet, aber Shre Knabennatur äußerte sich spöttisch: das Dlütenblätterzupsen überließen (Sie mir. Und vor kurzem, an einem schon etwas heißen Nachmittag, wurden Sie von einem Sportplatz fortgetragen. Shre Stirn blutete. Ein Ball hatte sie getroffen. Ganz blaß sahen Sie aus. Sch weiß nicht, ob Sie dn Spieler oder nur ein Balljunge waren. Sv jung waren Sie.
Sie waren schön wie jener Hyakinthos, von dem das Apollomärchen erzählt. Mit diesem Knaben jagte der Gott gern in Den WälDern, und auf den Feldern ergötzte ex sich mit ihm an Spielen. Einst um Mittag schleuderten sie Diskus. Apoll warf die eherne Scheibe hoch in die Wolken. Als sie wieder zur Erde fiel, eilte der Knabe hastig hinzu, um wetteifernd feinen Wurf zu tun. Da sprang die niedergefallene Scheibe vom Boden zurück. Die Erde selbst schleuderte sie dem Knaben ins Antlitz. Cs war um ihn geschehen. Wie Veilchen und Krokus imD Lilie, im Garten ab- gepslückt, das welkende Haupt senken, so welkte im Arm des armen unsterblichen Gottes das Gesicht des sterbenden Knaben.
Sa, dann kommt die Sage und rettet, was zu retten ist. Aus dem Dkut, das auf das Gras verströmt, läßt sie Die QMume sprießen, Die Des Knaben Namen trägt. HsD im Sommer feierten die Frommen in Sparta und Da herum ihm zu Ehren Feste. Am ersten Tage gab es ein Totenopfer ohne Sang und Klang, an den folgenden Tagen aber fröhliche Festzüge, Schmaus und Flötenspiel. Sn die Sterne wurde er wohl auch noch versetzt, der QJeriorentgangene. Aber was hilft's? Er ist immer wieder hin.
Als Der Flieder blühte, haben wir gefroren. Seht, Da uns enDlich toarm wird, steht Das Blattwerk blütenleer. Mau hat es nicht leicht mit Shnen, Herr Lenz, Monsieur Printemps, Mister Springtime. Das nächste Wal wollen wir besser auf Sie aufpassen.


