Ausgabe 
10.5.1929
 
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Nr. M Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Zreitag, 10. Mai (929

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VeiderdeutschenIlotteinSpamen

Don unserem v..-Berichterstatter.

Rachdruck auch mit Quellenangabe verboten! Dillagarcia, Ende April 1929.

Die Ducht von Arosa, im landschaftlich wun­derschönen Rordwcstzipsel Spaniens, liegt als riesiges Decken leuchtend im Morgensonnenschein. Die Häuser von Dillagarcia, einem kleinen, sauberen Städtchen, stehen in strahlendem Weih vor dem saftgrünen Hintergrund der Hügelketten mit ihren satten Wiesen und Kastanienwäldern. Draußen auf dem blauen Wasser ruhen zwei graue Kolosse, dieSchleswig-Holstein", das Flaggschiff des Flottenchefs mit Admiral Oldekopp an Bord, und dieElsaß". Weit drüben steigt leichter Rauch auf: er kommt von derSchlesien", die mit derHessen" und der zweiten und vierten Torpedobootshaibflotille vor dem kleinen Dorfe Puebla de Caraminal ankert. Ein Bild des Friedens, i n das die Motor­boote Leben bringen, die mit Blaujacken beladen, in komischer Hast über das Wasser jagen. Land­urlaub nach dem nahen Santiago de Com­postela. wo die alten ehrwürdigen Bauten, vor allem die berühmte Kathedrale, von der ruhm­bedeckten Geschichte vieler Jahrhunderte, von Unternehmungsgeist. Mut und Gottesfurcht er­zählen.

Prachtvolle Kerle sind es, unsere Matrosen: schlanke, junge Menschen, sauber, wie aus dem Ei geschält, frisch und fröhlich, mit ausgezeich­neter Haltung, selbstverständlicher Disziplin. Freu­dig begrüßt und begeistert beklatscht, ziehen sie in gleichem Schritt und Tritt singend durch die Stadt. Heiß steigt es in unseren Herzen auf und eine mächtige Sehnsucht nach der Heimat ersaht uns. Deutsche Besucher, die wir aus Madrid her­übergekommen sind. Rasch wird ein Fisch^boot gechartert, und in schneller Fahrt geht's hinüber zurSchlesien", wo uns alte Bekannte erwarten. Fast zaghaft betreten wir diesen schwimmenden deutschen Boden, vom Wachoffizier werden wir dem ersten Offizierin die Hand gedrückt", einem lieben, prächtigen Menschen, der uns einem jüngeren Offizier zur Besichtigung des Kreuzers anvertraut. Wir fühlen uns gut auf- gehoben. Ein kurzer Besuch bei dem Komman­danten des Schiffes, Kapitän z. S. D a st i a n, und dem ebenfalls auf derSchlesien" einge­schifften Befehlshaber der Rordseestreitkräste, Dizeadmiral Franz. Rach einem einfachen, kräf­tigen Essen in der Messe ziehen wir ros. Dom Kvmmandoturm bis in die Maschinenräume, vom Heck bis zum Bug durchstreifen wir das alte, brave Schiff, das in blitzender Sauberkeit strahlt. Wir sehen, fragen, hören und wir finden: pein­lichste Ordnung in den engsten Räumen, reibungsloses Jneinandergreifen all der so über­aus vielfältigen Bewegungen des täglichen Le­bens an Bord, kein einziges verdrossenes Ge­sicht bei der Mannschaft, Dienstfreudigkeit, Glaube an die Zukunft unseres Vaterlandes, frei von innerpolitischen Meinungen und Beeinflussungen. Die dienstfreien Mannschaften tummeln sich im Wasser oder segeln unter der Leitung ihrer Offiziere. Ein buntes, frühsommerliches Bild, das bei dir, von der Kälte geplagter lieber Leser in der Heimat, Reid erwecken dürfte.

Bevor wir das Schiff verlassen, um auch noch den Torpedobooten einen Besuch abzu­statten. überbringt uns ein Admiralstabsoffizier die Einladung zum Abendessen an Bord: eine liebenswürdige Aufmerksamkeit, die wir natür­lich mit Freuden annehmen. Schon liegt das Boot bereit, das uns in kurzer Fahrt zu dem Führerschiff der Torpedobootdflotille, dem W o l f" bringt, wo wir dem Flotillenchef, Korv.- Kapitän S ch n i e w i n d die Hand drücken. Bei der Besichtigung dieses neuesten deutschen Bootes fällt mir plötzlich ein Artikel ein, den ich vor kurzem in einer spanischen Zeitung las, und der mit dem Satze endigteWas nützt es den Fein­den Deutschlands, wenn sie sich in ihrer un­begründeten, hysterischen Angst dazu verleiten lassen. Deutschland zu knebeln und zu demütigen: mögen sie es an Händen und Füßen binden, den Geist seiner Wissenschaftler und Ingenieure werden sie nie fesseln können." Sie werden uns auch den Glauben an uns

Oer Dank der Nachwelt.

Von Or. Zrch Adolf Hünich.

Als der Thomaskantor Johann Sebastian Bach am 28. Juli 1750 ein Viertel auf 9 Uhr abends im sechsundsechzigsten Jahre seines Le­bens gottergeben und von den himmlischen Klän­gen erfüllt, deren Bekenntnis er in demütiger Dienstbarkeit sein Leben lang gewesen war, die erblindeten Augen für immer schloß, hinterließ er an Geld und Geldwert, einbegriffen neunzehn musikalische Instrumente, eine Erbschaft von 1155 Talern 12 Groschen, in die sich die neun überlebenden von neunzehn Kindern aus zwei E^n zu teilen hatten. Das jüngste war eine Tochter, Regina Susanna. bei des Va­ters Tode etwas über acht Jahre alt. Diese Tochter, der olle Geschwister im Tode voran­gingen, ist es. die unser Mitgefühl erregt. Sie war unverheiratet geblieben, jahrzehntelang ist sie von dem tiefen Dunkel der Vergessenheit um­geben, in dem, vom Wandel des Geschmacks ver­drängt, auch die großen Schöpfungen ihres Va­ters versunken waren, niemand weiß, wo und wovon sie gelebt hat. vielleicht durch ihrer Hande Arbeit, vielleicht von dem, was ihr die Brüder aus Berlin, Hamburg, Bückeburg oder London zukommen ließen, plötzlich erhellt eine Zeitungs­nachricht die Tragik ihres Lebens und rückt die Achtundfünfzigjährige in den Geschichtskreis der öffentlichen Aufmerksamkeit. 2m Mai 1800 trat Friedrich Rochlitz, der Herausgeber der bei Dreitkopf & Härtel in Leipzig erscheinenden Allgemeinen Musikalischen Zeitung" in deren Intelligenz-Blatt" mit folgender Bitte vor seine Leser:Fast noch nie habe ich die Feder mit so viel Freudigkeit ergriffen, als jetzt: denn fast noch nie durfte ich, im Vertrauen auf gute Men­schen. so fest überzeugt seyn, etwas Rützliches damit zu schaffen, als jetzt. Die Familie der Bache, die, seit zweh Jahrhunderten, Deutsch­land (doch diesem nicht allein) Meister und Meisterwerke der Tonkunst aufstellte: aus wel­cher abstammete Sebastian Bach, der größte Har- moniker neuerer Zeit, der das Vaterland durch Lehren. Muster, und eine Menge Schüler für die höhere Kunst zu bllden anfing: in welcher gebohren ward Philipp ©man. Dach, dem

Europa in Waffen.

Zur Illustrierung der Probleme, um beten Lösung sich die in Genf gegenwärlig tagende vorbereitende Abrüstungskonferenz bemüht, lassen wir folgende Statistik folgen. Sie stellt den europäischen kompli­zierten Ausschnitt des allgemeinen Wettrüstens dar. Als Dcrgleichszahl wurde die Größe des augenblick­

Staat

Italien Litauen Portugal Südflawien

Jährlich unter Soldaten auf Waffen 1000 Einwohner 293 000 7

20 000 17

56 000 9

122 000 10

Ein Soldat

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1929.

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^POLEN

1 Armeen der Entente u. M

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lich Dienst leistenden Militärs und Marine (ohne Reserve) genommen, da die Angaben über die tech­nische Ausrüstung und Verwendung der Militärbud­gets widersprechend und unzuverlässig sind.

Armeen der Entente und ihrer Vasallenstaaten.

Staat

Jährlich unter Waffen

Soldaten auf 1000 Einwohner

Albanien

10 000

13

Finnland

28 000

8

Großbritannien

320 00

7

Griechenland

67 000

11

Lettland

20 000

11

Polen

261 000

10

Rumänien

156 000

10

Tschechoslowakei

120 000

9

Belgien

61000

8

Estland

17 000

15

Frankreich

700 000

17

Armeen der

im Weltkrieg besiegten Staaten:

Staat

Jährlich unter

Soldaten auf

Waffen

1000 Einwohner

Deutschland

100 000

2

Oesterreich

21000

3

Bulgarien

20 000

4

Ungarn

35 000

4

Uebrige europäische Staaten:

Staat

Jährlich unter Waffen

Soldaten auf 1000 Einwohner

Dänemark

12 000

3

Norwegen

10 000

4

Schweiz

35 000

9

Spanien

162 000

7

Niederlande

50 000

. 7

Schweden

39 000

7

Sowjetunion

562 000

4

Türkei

120 000

9

selbst nicht nehmen können, solange der Geist herrscht, von dem die Offiziers und Mannschaften auf diesen Schiffen beseelt find. Desonders auf­fällig ist die wohnliche Ausstattung der Unter» kunftsräume der Besatzung, die der Mannschaft den Aufenthalt auf den neuen Schiffen ganz wesentlich angenehmer gestalten als auf den alten Booten. Gerade als wir uns nach einem kurzen Willkommcntrunk verabschieden wollen, kehren die beurlaubten Mannschaften von Land zurück. Sie bringen einen kleinen, braunen Stoffbären in Matrosenuniform, den ihnen ein kleines Mädchen in Puebla geschenkt hat. Feierlich wird der kleine Bär noch am selben 'Abend zum Obermatrosen befördert.

Die Sonne senkt sich schon langsam ins Meer, rotgold leuchten die Heidekrautfelder auf den Bergen, als wir wieder an derSchlesien" an­legen, wo uns Admiral Franz zu Tisch ge­beten hat. Einen schöneren Abschluß des Flotten­besuches hatte man sich nicht wünschen können, als diese paar Stunden in dem kleinen Kreis am Tisch des Admirals, bei Männern, die das Herz auf dem richtigen Fleck tragen. Um 10 Llhr gab der erste Offizier das Zeichen zum Aufbruch viel zu früh für uns zu spät für die Offiziere, deren angestrengter Dienst die Rachtruhe ge­bieterisch erheischt. Das Schnellboot des Admi­rals bringt uns in flotter Fahrt zurück nach dem noch immer wachen Dillagarcia. Hochbefriedigt gehen wir an Land, beglückt, einige Stunden in der Heimat verbracht zu haben.

Ein Wort als Auslanddeutscher sei mir ge­stattet: Helft und, ihr Landsleute zu Hause, daß diese wunderbaren Sendboten des deutschen Dolles, die Schiffe unserer lleinen Marine, heute mehr denn je ohne Geiz und falsche Spar­samkeit in die Welt hinausgeschickt wer­den. Die Linkosten sind verhältnismäßig gering und der Ruhen ist riesengroß. Wenn Linien­schiffe und Kreuzer zu teuer sein sollten, dann schickt uns wenigstens unsere ranken Torpedo­boote. die diesmal man sollte es kaum für möglich halten zum e r st e n Male seit 1900 zu Besuch im Atlantik waren.

Hell leuchtet der Bollmond über der Bucht, südliche Luft umschmeichell uns, Stille liegt auf dem Wasser vereinzelt leuchten die Blink­lichter auf, Leuchtraketen steigen als Signale von dem Flaggschiff aus' entfernten Gassen der Stadt dröhnt der RufViva A l e m a n i a": Gitarren zirpen in die Sommernacht hinaus weit dehnt sich unsere Brust: Gottlob, man sah ein Stück Heimat. Herr laß uns siegen über lleinliche Sonderinteressen und unverständliche Streitereien im eigenen Hause!

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Ahr. 16 bis 17 Uhr. Samskag nachmittag geschlossen.

Jür unverlangt eingefanbte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen.

Vater folgend in Lehren und Arbeiten, dessen Schüler in gar mancher bedeutenden Rücksicht zu sehn jeder wahrhaft gute Klavierspieler ge­stehet, wie selbst Mozart es gestand: aus wel­cher ein Friedemann Dach umherzog. al­lem entsagend, mit nichts ausgerüstet und be­glückt, als mit himmelhoher Phantasie, sein Ein und Alles findend in den Tiefen seiner Kunst: aus welcher ein Johann Christian Dach auch die Blume der Anmuth und Galanterie auf llossischem Boden zu tragen und anzubauen pflegte: diese Familie ist nun ausgestorben'), bis auf eine einzige Tochter des großen Se - b a st i a n Bach. Lind diese Tochter, jetzt im hohen Alter, diese Tochter darbt. Sehr wenige wissen es: denn sie kann nein, sie soll, sie wird auch nicht betteln! Sie wird es nicht: denn gewiß hört man auf dies bittende Wort um ihre Llntcrstühung: gewiß giebt es noch gute Menschen, welche, nicht auf mich, wie könnte ich das verlangen: aber auf eine anständige Veranlassung achten, den letzten Zweig eines so fruchtreichen Stammes nicht ohne Pflege eingehen zu lassen. Gäbe nur jeder, der von den Ba­chen gelernet hat, die geringste Klei­nigkeit: wie sorglos und bequem würde das gute Weib ihre letzten Jahre hinbringen kön­nen! Die Derlagshandlung der musik. Zeitung und ich wir erbieten uns, das, was man uns vielleicht anvertrauen möchte, auf das pünkt­lichste an seine Bestimmung zu befördern, und Rechenschaft darüber in diesen Jntelligenzblättern abzulegen."

Es fand sich kein Mäzen, der diesem Fräulein Bach durch eine großherzige Stiftung einen sorgen­freien Lebensabend beschert hätte, es waren nur wenige, ganze 16 Menschen, die in den Beutel griffen und ein Scherfleinfür die gute Alte" beisteuerten. Wie rührend klingt trotzdem der schlichteDank", mit dem sie im Dezember 1800 über die empfangenen Beträge quittiert:

Es ist mir durch die Verwendung der Herren Dreitkopf & Härtel, und Herrn F r. R o ch» I i tz beym Publikum gelungen, eine so ansehnliche und gütige Llnterstützung meines Alters und

i) Wörtlich genommen, ist die Angabe unrich­tig: es lebten noch zwei Rachkommen desBücke­burgers", Johann Christoph Friedrich Ba<ch,

meiner Schwäche zu erhalten, daß mein inniger Dank dafür nur mit mir selbst aufhören kann. 96 Taler 5 Groschen^) sind es. die ich von der Güte meiner Llnterstützer durch die Hände jener Herren erhalten habe. Wenn es den Geistern meines verdienten Vaters und meiner verdienten Brüder vergönnet ist, an meinen Schicksalen Antheil zu nehmen: wie sehr muß ihr bisheriges Mitleid in Mitfreude ver­wandelt worden sehn!"

Mit tiefer Bewegung hatte Beethoven von dem Ergebnis erfahren und an Breitkvpf & Härtel sein Erstaunen über die geringe Summe ausgedrückt, die Deutschland dieser ihm ver­ehrungswürdigen Person durch ihren Vater zu­erkannt habe. Das bringe ihn auf den Gedanken, zu ihrem Besten etwas auf Pränumeration her­auszugeben und die Summe sowie den 'Betrag, der alle Jahre einkäme, dem Publikum vorzu­legen,um sich gegen jeden Angriff festzusetzen". Schreiben Sie mir geschwind", fuhr er fort,wie das am besten möglich sei, damit es geschehe, ehe und diese Bach stirbt, ehe dieser Dach austrocknet und wir ihn nicht mehr tränken können. Daß Sie dieses Werk verlegen müssen, versteht sich von selbst..." Diese Anregung ist jedoch von keiner Seite verwirklicht worden.

Aber in Wien ist aus dem Kreise um Beet­hoven, angeregt durch dessen treuen Freund, den Musiler und Klavierfabrikanten Andreas Streicher, eine Aktion zustande gekommen, vor deren Erlös sich der für Deutschland fläg- liche Ertrag der ersten Sammlung beschämt ver­stecken mußte. Indem er Dreitkopf L Härtel am 10. Mai 1801 die Summe von 307 Fl. Wiener Courant übersandte, die von dem Bankier Löhr in uneigennütziger Weise zum vollen Kurswert vergütet wurde, hatte Streicher geschrieben:Der geringe Erfolg, welchen die schöne Aufforderung des Herrn Rochlitz hatte, spornte mich an, noch einen Versuch zu wagen, um der Tochter des Erschaffers unseres musikalischen Rational-Ruhmes einige Erleichterung ihrer noch übrigen Lebens-Lage zu verschaffen.

Ich berge es Ihnen nicht, daß. als ich die ge­druckte Rechnung der eingesandten Beiträge eini-

2) wovon allein auf Wien über 59 Taler ent­fielen!

Aus der pwvinzralhauptstadi.

Gießen, den 10. Mai 1929.

Nachbarn aus her Reise.

Ludwig Thoma erzählt irgendwo eine amüsante Geschichte, die uns den Llnterschied zwischen Süd» und Rorddeutschland vor Augen stellt. In Wirk­lichkeit ist ja dieser Llnterschied gar nicht so groß, aber der Satiriker Thoma liebt es nun einmal, etwas dick aufzutragen. Er gibt ein Bild der Unterhaltung in der Elektrischen in München, wie da die Mitfahrenden sich gegen­seitig ihre Erlebnisse austauschen. Der Schaffner unterhält sich mit dem Geschichtsprofessor und hilft ihm beim AuSsteigen. Als Gegenstück bringt dann Thoma die Fahrt in einer Berliner Vorort­bahn. Zwei Reisende sitzen sich gegenüber. Durchs Fenster erblickt man Arbeiter, die schöne Park­bäume fällen. Der redselige Herr spricht sein Bedauern über die gefällten Bäume aus, der andere schweigt. Don neuem fängt der erste an und möchte gern ein Gespräch anknüpfen. Aber alle "Versuche sind vergeblich. Zuletzt sagt der kühle Berliner nur:Ich wünsche nicht, mit Ihnen in Konversation zu treten!"

Die Geschichte fällt mir immer ein, wenn ich in der Bahn oder sonstwo einem zugeknöpften Herrn oder dem abweisenden Gesicht einer Dame be­gegne. Da sitzt man dann oft viele Stunden in einem engen Raum zusammen und langweilt sich besonders bei Rachfahrten im Zuge. Könn­ten da ein wenig Entgegenkommen, ein wenig Freundlichkeit nicht einen Weg zeigen, daß man sich die Zeit verkürzte Das unschuldigste Ge­sprächsthema ist ja immer noch das Wetter, und ein Witzbold hat einmal gesagt:Ich möchte nur wissen, worüber sich die Leute am Aequator unterhalten, die doch jeden Tag dasselbe Wetter haben?

Bei und aber gibt es ja alle Tage etwas Reues, einmal ist es zu falt, dann wieder zu warm. Dom Wetter kommt man auf die Arbeit, von der Arbeit auf die Grnteaussichten usw. Eine Bahnfahrt unter munterem Gefpräch fliegt ganz anders dahin, als wenn wir unsreserviert" benehmen.

Oft ist es ein einziger Reisender, der den ganzen Wagen unterhält. Das ist ja nicht jeder­manns Sache, aber man soll sich dann doch mit­freuen. Wenn nur nicht die Politik breitgetreten und Standesinteressen gegenseitig abgewogen wer­den, kann man schließlich über alles sprechen.

Wie oft haben wir eine schwere, entscheidungs­volle Fahrt vor uns. Irgendeine Rachricht, ir­gendein Plan halten uns gefangen. Wir denken nach, wir grübeln und machen uns das Leben schwer auf solchen Fahrten. Sollten wir deshalb unserem gelegentlichen Rachbarn nicht entgegen­kommen, wenn er ein Gespräch sucht? Das gibt doch eine Ablenkung. Rührend ist der Sachse, der kurz hinter Dresden in den Zug steigt und sich bei den Mitreisenden entschuldigt, indem er sagt: Sie dürfen mirs nicht für übel nehmen, wenn ich nicht viel sprechen kann, ich muß nämlich schon auf der nächsten Station aussteigen."

Zeigen wir unseren gelegentlichen Rachbarn ein freundliches Gesicht, erwidern vor allem den Gruß, mit dem der neu Angekommene eintritt. Dann kommt ein ganz anderer Geist in das Ab­teil, Gespräche leben auf, und unsere Mitmenschen fühlen, daß wir doch etwas Anteilnahme für chr Schicksal haben.

Bei einer Rachtfahrt im Bummelzug nach Hamburg lernten wir einst einen Herrn kennen, der uns beim Kartenspiel (was sollten wir auch sonst machen?) einige Winke gab. Wir besuchten dann Helgoland, Hamburg und den Harz. Aach 14 Sagen sahen wir im Drockenhotel und tranken Kaffee. Da nickt uns von einem entfernten Tische ein Herr beständig zu. Er kam uns auch bekannt vor, aber wir wußten ihn nirgends hinzutun. Endlich ging uns ein Licht auf: Das war ja der Ratgeber bei unserem Kartenspiel. Wir setzten uns zusammen, und es wurde ein köstlicher Abend.

Das sind so ganz kleine, unschuldige Reiseerleb­nisse, aber solche Kleinigkeiten soll man sich nicht entgehen lassen, man lernt da oft die trefflichsten Menschen kennen und schätzen. B.

gen Freunden vorlas, uns allen die Thränen des Llnwilleirs in die Augen traten, als wir 16 und 17 Groschen angemerkt fanden.

Gerechter Himmel! welchem Künstler müssen nicht die Hände jucken, wenn er sieht, daß die Rachwelt, für welche er doch arbeitet, s o lohnt!

Haben diese geringen Gaben Arme gegeben, so vergelte es ihnen Gott: waren es aber Wohl­habende oder gar Reiche, so möge et ihnen auch die Schande verzeihen, welche sie dadurch auf Deutschland gebracht.

Beiliegende Summe habe ich größten Shells der gütigen Verwendung des Herrn Grafen Fries zu verdanken, welcher mit der innigsten Teil­nahme die Mühe der Einsammlung über sich genommen."

Mit Thränen der Freude" bestätigte Regina Susanna 'Bach in derAllgemeinen Musikali­schen Zeitung" den Empfang dieseralle ihre Erwartungen weit übersteigenden Summe" von 200 Talern.Keiner von den Sagen, die mir die Vorsehung noch schenkt, soll vergehen, ohne daß ich dieser meiner Wohlthäter mit innigem Danke gedächte." Sie starb am 14. Dezember 1809.

Hochschulnachrichten.

Es sind ernannt worden: der o. Professor für römi­sches Recht, bürgerliches Recht und Rechtsphilosophie Dr. Hans Albrecht Fischer in I e n a zum ordent­lichen Professor in der rechts- und staatswissenschaft- lichen Fakultät der Universität Breslau als Nach­folger von Professor E. Bruck: der o. Professor Dr. Arthur Franz in Würzburg zum ordentlichen Professor der romanischen Philologie an der Uni­versität Königsberg als Nachfolger des ver­storbenen Professors A. Pillet, und der o. Professor für römisches und bürgerliches Recht Dr. Wolfgang Kunkel von der Universität Freiburg i. Br. zum ordentlichen Professor in der rechts- und staats­wissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttin­gen als Nachfolger Fritz Pringsheims. Die Be­rufung des Honorarprofessors Dr. rer. pol. Sven Helander von der Universität Kiel auf das Or­dinariat der Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Handels- Hochschule) in N ü r n b e r g als Nachfolger von Prof. Emil Wehrle ist vom bayrischen Kultusministerium genehmigt worden.