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Oberhesfen.

Landkreis Gießen.

* Saubringen, 9. Tlpril. Am Sonntag­nachmittag fand bei Gastwirt Erb die diesjährige Generalversammlung des Obst'- und Gartenbauvereins statt. Ser Vorsitzende. Wilhelm Walther VII., erstattete den Jahres­bericht. Sem Verein haben sich nunmehr auch Obst- und Gartenbaufreunde aus Lollar und Staufenberg angeschlossen. Sie Rechnungsablage ergab einen Ueberschuh von 70 Mk. Ser seit­herige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. □teuer Beisitzer wurde Lehrer Beppler. Reges Interesse sand eine Verlosung von Stachel-, 5o- hannisbeer-, Rosensträuchern u. a. Eine längere Aussprache entspann sich über das Bespritzen der Obstbäume im Vorfrühjahr. Allgemein wurde betont, daß dies nur dann von durchgreifendem Erfolg sein könne, wenn alle Obstbaumbesitzer der Gemeinde sich daran beteiligten. Von beson­derer Bedeutung ist der Beschluß, daß der Ver­ein in diesem Herbste eine Obstausstellung ver­anstalten will. Run wird der Frühling doch bald kommenl Am Montagnachmittag überflogen 16 Störche unser Sorf weiter in das Lumda­tal hinein.

s. Allendorf a. d. Lda., 8. April. In einem Gehöft der Marktstraße zeigt sich seit den war­men Tagen vor Ostern wieder ein weißer Star, der in einem dort hängenden Ristkasten mit dem Restbau begonnen hat. Merkwürdig ist, daß dieser Vogel nun schon im dritten Jahre in demselben Kasten nistet, und daß er auch aus einer Brut stammt, die in dem gleichen Rist­kasten ausgebrütet wurde. Sie übrigen Jungen dieser Brut hatten normale Farbe. Man hat es hier mit einem sogenannten Albino zu tun, eine Erscheinung, die man fast bei allen Tier­gattungen trifft, die aber bei Vögeln sehr selten auftritt. Sie ist auf das Fehlen eines gewissen Farbstoffs, des Pigments, zurückzuführen.

§ Beuern, 9. April. Bei der Konfir­mation in unserem Orte, die Pfarrer Kalb- Henn von Großen-Duseck vollzog, wurden zehn Kinder, und zwar sieben Knaben unb drei Mäd­chen, eingesegnet. Aach langen Verhandlungen zwischen dem Bäckermeister und Gastwirt Karl Dietrich und der Gemeinde über den An­kauf eines Gemeindebackhauses, das in­mitten der Hofreite Dietrichs gelegen ist, kam nun­mehr der Kaufabschluß zustande, durch den das Gemeindebackhaus in den Besitz Dietrichs übergeht. Das Backhaus, das den Zutritt zum Dietrichschen Saale abschloh, wird durch ein neues Backhaus ersetzt, das von Dietrich auf seine Kosten an der Ecke Dersröder Weg-Untergasse errichtet wird. Die Dauarbei- ten sind bereits in Angriff genommen.

ft. Stockhausen. 9. April. Dieser Tage fand im hiesigen Schulsaal die Ausstellung der Handarbeiten der Volks- und ^Fortbildungsschule statt. Es war das erste Mal, daß unsere Gemeinde Einblick in die Arbeit des Handarbeitsunterrichts nehmen konnte. Der Besuch der Ausstellung war im allgemeinen recht gut. Die Besucher kamen vollauf auf ihre Rechnung. Es war wirllich sehenswert, was die Schülerinnen von den jüngsten Jahrgängen bis hinauf zu den Pflichtjahrgängen der Fortbildungs­schule alles geleistet hatten. Die Handarbetts- leljrerin, Frau Hartmann, fand volle An- erfennung für das, was sie den Mädchen bei­gebracht hatte.

.* 2) o r f - (3 111, 9. Avril. In der hiesigen, 76 Mit­glieder zählenden Landwirtschaftlichen Kredit-Bezugs- und A b s a tz g e n o s s e n - sch a f t e. G. m. b. $). sind durch die Verbandsrevision vor einigen Wochen erhebliche Verfehlun­gen festgestellt worden, die dem seitherigen Rechner

Die Liebe derBn'gitta Hollermann

Vornan von (Elisabeth Ney.

Oop/rixht by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale).

(Schluß.)

»Rein, mein Lieber, Sie werden staunen, ja ganz einfach starr sein. Jetzt aber erst einmal zum Diner, ich habe von da oben einen Mordshunger mitgebracht."

Am Spätnachmittag, als die Hitze etwas nach­gelassen hatte, fufjr ein Auto die Anhöhe zum Missionshaus hinan. Drinnen saßen Amery, Hans-Jörg Eggenbrecht mit der englischen Amme und dem Kind.

Eggenbrecht brach ein über daS andere Mal in hellstes Entzücken über die herrliche Fernsicht aus.

..Herrgott, Amery, weshalb habe ich mich all die Zeit, die ich in Hongkong weilte, nicht ein einziges Mal nach diesem herrlichen Stückchen Erde verirrt I" rief er aus.

»Wir holen das ja nun gründlich nach. Außer­dem hätten wir damals noch nicht die Krone dieses Gipfels kennengelernt: die blonde, zarte Schwester Brigitta; denn, wie ich hörte, wellt sie erst hirxe Zeit hier in China."

Wieder hatte Eggenbrecht ein seltsam beun­ruhigtes Gefühl.

Je mehr sich der Wagen der Anhöhe näherte, desto stärker bemächtigte sich seiner eine unerklär­liche Unruhe.

Endlich hielt das Auto.

Eggenbrechts Hände zitterten, als er den Wagenschlag auf ritz, um sein Kind zu halten, damit die Amme ausfteigen konnte.

An der Pforte des Missionshauses empfing sie Boldenkamp, auf einen Stock gestützt. Er war durch die Rachricht von Christiane Lührmanns Tod in kurzer Zeit zum Greis geworden.

Bitte, treten Sie ein, meine Herren." bat er in seiner gütigen Weise,ich werde Schwester Brigitta sofort rufen lassen, damit die das Kleine in ihre schützenden Arme nimmt. Sie dürfen ver­sichert sein, Herr Doktor Eggenbrecht, daß Sie Ihr Kind in sichere, treue Obhut geben. Schwester Brigitta ist zwar noch sehr jung, aber ein treuer, braver, zuverlässiger Mcnsch mit gutem Herzen."

Die kühle Halle des beinah klösterlichen Baues nahm sie auf. Boldenkamp führte seine Gäste auf die Terrasse, die nach dem Park zu ge­legen war.

Man sah, zwanglos plaudernd, zusammen, als Hans-Jörg Eggenbrecht plötzlich mit einem lauten 2lusrus aufsprang und verständnislos, mit blas­sem Gesicht und beinah entsetztem Blick nach der linken Pärksette starrte, auf deren Kiesweg lang­samen Schrittes eine blonde, zierliche Schwester daherkaw

zur Last fallen und auch von diesem und besten Burgen gedeckt werden müssen. Bei der Staats­anwaltschaft ist Anzeige erstattet. Die Genossen- schäft s e I b ft hat keinen Verlust ; ihre Bilanz für 1928 schließt mit 750 Mark Gewinn ab. Da die Ausstände verhältnismäßig hoch find, hat die letzte Generalversammlung beschlossen, alle 3000 Mk. übersteigenden Beträge bis 1. Juli d. I. einzuziehen. Der neugewählle Rechner fuhtt die Geschäfte seit dem 23. Februar.

i. L i ch, 9. April. Am Sonntag fand hier die Konfirmation statt. Es wurden 52Kin­der konfirmiert, und zwar 33 Mädchen und 19 Knaben. Unter den Mädchen befanden sich -13 Pflegekinder aus dem nahen Kloster Arnsburg. Stiftsdechant Kahn hielt die Konfirmations­predigt. Die Feier wurde verschönt durch einige Lieder, die von den Kindern unter Leitung von Lehrer und Organist Stein vorgetragen wurden. Das Gotteshaus war, wie alljährlich, bis zum letzten Platz gefüllt.

1 Aus dem südöstlichen Teile des Kreises Gießen, 9. April. Die wirtschaftliche Bedrängnis veranlaßt viele Landwirte unserer Gegend, neuerdings ihr Interesse einem beson­deren Zweige der Landwirtschaft, der Hühner­zucht, mehr als bisher zuzuwenden. Wenn man seither in einer ganzen Anzahl landwirtschaft­licher Betriebe kaum mehr als den Eierbedarf für den eigenen Haushalt produzierte, so ist man heute in vielen Gehöften daran, den Bestand an Hühnern wesentlich zu vermehren, um sich durch erhöhte Eierproduktion eine neue Einnahmequelle zu schaffen. Auch zu alte, zum Legen kaum noch geeignete Tiere werden nicht mehr geduldet und durch jüngere ersetzt. Selbst die Einrichtung von

ordentliche Generalversammlung der Spar- und Darlehenskasse statt. Sie von dem Rechner K. Hofmann erstattete Rech­nungsablage zeigte folgendes Bild: Aktiva: Kafsenbestand 1397,34 Mk.; Wertpapiere 19 500 Mark; Geschäftsguthaben bei Genossenschaften 6000 Mk.; Geschäftsmobilien und Utenfilien 100 Mark; Guthaben in laufender Rechnung bei Ge­nossen 74 257,37 Mk.; Darlehen auf Schuldscheine (alt) 149,70 Mk.; Hypotheken (alt) 4750 Mk.; Summa 106 154,41 Mk. Passiva: Reservefonds 1900 Mk.; Detriebsrücklage 1562,35 Mk.; Ge­schäftsguthaben der Genossen 2020 Mk.; Spar­einlagen 53 395,81 Mk.; Bankschuld a) laufende Rechnung 6848 Mk., b) Abwicklungskonto und Abzahlungskredite 16 976,25 Mk.; Schuld in lau­fender Rechnung an Genossen 5732,81 Mk.; Wech­sel 17 000 Mk.; Summa 105 435,22 Mk. Rein­gewinn 719,19 Mk. Bei einem Abgäng von fünf und einem Zugang von sechs Mitgliedern beträgt die gegenwärtige Mitgliederzahl 126. Dem Vorstand und Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt Vom Reingewinn sollen 10 Prozent auf Geschäftsanteil vergütet werden, der Rest wird dem Reservefonds und der Detriebsrücklage zu- getoiefen. Sie nach Verlesung des Revisionsbe­richtes vorgenommene Ergänzungswahl ergab die Wiederwahl der seitherigen Mitglieder Karl Zoll und Wilh. Reichhardt in den Vor­stand und Ferdinand Hofmann (Steinheim) und Otto R a g e l I. in den Aufsichtsrat. Sie der Kasse angegliederten Schulsparkassen von Rodheim, Steinhelm und Rabertshausen sind dem Vorjahre gegenüber in ihren Einlagen zurück­gegangen. Zur Auszahlung an die Schulsparkasse Rodheim kamen an Ostern 513,78 Mk. Rach

VON MORGEN AN ERSCHEINT IM GIESSENER ANZEIGER

EINER

Nacht

VON PAUL ROSENHAYN

größeren Geflügelfarmen kann man hier und da beobachten. Der geplante Zusammenschluß zum genossenschaftlichen Eierabsatz, durch den man eine bessere Bezahlung der Gier erzielen will, wird in den landwirtschaftlichen Kreisen unserer Gegend sehr begrüßt.

LJ Rodheim bei Hungen, 9. April. Am Sonntag fand bei Gastwirt ioth die diesjährige

Schluß der Beratungen folgten noch einige Stun­den gemütlichen Beisammenseins. Sie Zahl der aus der Schule entlassenen Kinder betrug 6 (4 Knaben und 2 Mädchen). Sa wieder sechs Abc-Schützen der Schule zugeführt werden, bleibt die seitherige Älaffenftärfe bestehen.

s. Utphe, 8. April. Ein Zufqll will es, daß unsere beiden ältesten Männer im

gleichen Jahre, im gleichen Monat und an zwei aufeinanderfolgenden Tagen geboren und oben­drein noch Hausnachbarn sind. Es sind dies der Drechsler Georg Friedrich Beiher, der am 4. April, und der Landwirt Johannes Ost- Heim, der am 5. April seinen 88. Geburtstag feiern konnte. Beide haben sich bis in ihr hohes Greisenalter eine erstaunliche Gesundheit und Frische bewahrt, obwohl sie beide von schweren Schiasalsschlägen betrogen wurden. So mußte der letztere erleben, wie seine beiden Enkel auf dem Felde der Ehre blieben, und sein Schwieger­sohn deren Vater kurz nach dem Kriege starb. Auch Deltzer sah mehrere erwachsene Enkel­kinder ins Grab sinken. Er selbst ist auch in der weiteren Umgebung bekannt geworden, als in der Kriegszeit die Spinnräder wieder zu Ehren kamen und man sie von hier u d den Rachbaroe ten ihm zur Instandsetzung brachte, gab es doch nicht mehr viele Drechsler, die davon noch etwas ver­standen.

Kreis Büdingen.

Nidda, 9. April. Unter der Leitung des Vor­sitzenden des Aufsichtsrats, Ober-Reällehrer i. R. Küfer, hielt die Niddaer Bank A. - G. im Gasthaus zur Krone" hier, ihre diesjährige G e - neralversammlung ab und feierte gleich­zeitig ihr 60jähriges Bestehen. Nicht nur fast alle Aktionäre, sondern auch zahlreiche Ehren­gäste waren zu dieser Versammlung erschienen. Sie wurden von dem Vorstandsoorsitzenden August Mann herzlich willkommen geheißen. Aus dem hierauf vom Bankvorstand Seum vorgetragenen eingehenden Geschäftsbericht ist ein steter, gesunder Fortschritt im Geschäftsgang der Bank auch in dem letzten Jahre zu ersehen. Der Umsatz stieg auf 22 Millionen, die Aktiva beläuft sich höher als eine Million. Das nach der Inflation auf 30 v. H. um­gestellte Aktienkapital ist wieder um einen größeren Betrag eingezahlt worden und soll nach und nach wieder auf 100 v. H. ergänzt werden. Die alten Spareinlagen wurden zu 12 j v. H. aufgeroertet und erforderten 138 424 Mark. Im letzten Jahre wurde von Oberreoisor Hartmann eine eingehende Revision der Kaste vorgenommen, die eine muster­hafte Geschäftsführung feststellte. Der Bericht wurde verlesen. Nach der Bilanz verblieb ein Rein­gewinn von 13 831,23 Mark, wovon 10 v. H. Dividende den Aktionären, 200 Mark dem Ver­ein Krankenpflege hier und 300 Mark dem Ge­werbeverein zugewiesen wurden. Ferner wurden dem Reservefonds 6000 Mark und dem Beamten­pensionsfonds 1000 Mark gutgeschrieben. Nach den üblichen Abschreibungen verblieb noch ein Vortrag auf neue Rechnung von 1269.92 Mk. Die satzungs­gemäß ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrats, Oberreallehreri.R. Küfer, Kaufmann H. Roth und Bauunternehmer H. Drott wurden wieder­gewählt. Nach Erledigung des geschäftlichen Teils ging man zur 60jährigen Jubelfeier der Bank über, die sich aus dem 1869 gegründeten Vorschuß- und Kreditverein im Laufe der Zeit zur jetzigen Größe und zu einem für unsere Stadt und weiteren Umgebung, besonders für den gewerblichen und landwirtschaftlichen Mittelstand, äußerst segens­reich wirkenden Institut entwickelt hat. Bei dem Festmahl überbrachte zunächst der Jubilarin Direk­tor Mager herzliche Grüße und Glückwünsche der Genossenschaftsbank, ebenso Dr. Struck vom Re­visionsverband. Bürgermeister Ringshausen würdigte die großen Verdienste der Bank um das Wirtschaftsleben der Bewohner Niddas und sorach ihr im Namen der Stadtverwaltung warme Glück­wünsche aus. Im Auftrag des Vorstandes der Be­zirkssparkasse gratulierte August L a m p a s ^um 60. Geburtstag der Schwesterkaste, und Spengler- meister H. Wolf übermittelte die Glückwünsche des Gewerbevereins, der sich besonderer Gunst der Bank stets erfeuen konnte. Die Generalversamm­lung bewies, daß man den hohen Wert und d'.s

Das ist Schwester Brigitta", sagte Amery, über des Freundes Fassungslosigkeit lächelnd.

Eggenbrecht aber hörte es nicht.

Sein Gesicht war jetzt beinah blutleer, und nun taumelte er unsicher einige Schritte vorwärts.

Hm Gottes willen, Eggenbrecht, sind Sie plötzlich krank geworden!?" rief Amery hinzu­springend, und auch Boldenkamp hatte sich er­hoben.

»Brigitta Hollermann, mein Gott, Brigitta Hollermann! Ich täusche mich nicht! Sie ist es, sie ist es!" stöhnte Eggenbrecht, sie in vollster Ver­wirrung über die Augen streichend, als suche er die Halluzination zu bannen.

Brigitta Hollermann war indessen ahnungslos die Stufen der Terrasse emporgestiegen.

Plötzlich aber blieb sie wie gebannt stehen.

»Brigitta, liebe Brigitta!" entfuhr es da Hans- Jörg in unsagbarem Iubelton.Su bist es wirk­lich? Ich habe dich wieder! Mein Gott, das Glück! Ist es denn wahr, oder träume ich? Kann es denn möglich fein? Su hier in Hongkong, in China?"

»Hans-Jörg, Hans-Jörg I" klang es da fast tonlos von Brigitta Hollermanns zitternden Lippen. Dann wankte sie, und Eggenbrecht ver­mochte sie noch im letzten Moment in seinen Armen aufzufangen.

Mtt geschlossenen Augen, am ganzen Körper bebend, lehnte sie an seiner Brust, und langsam rollten große Tränen über ihre Wangen.

Stumm, in tiefster Ergriffenheit, standen Amery und Boldenkamp dabei, und vermochten sich doch die seltsame Situation nicht zu erklären.

Amery war der erste, der den wahren Sach­verhalt zu ahnen begann, und er zog Boldenkamp mit sich ins Haus.

Der dünne Schrei eines zarten Kinderstimm- chens zerriß die Stille.

Da schlug Brigitta Hollermann die Augen auf und sah in die des heißgeliebten Mannes.

»Mein Traum, so geht er doch in Erfüllung!" hauchte sie selbstvergessen.Hans-Jörg, Hans- Jörg, so hast du mich noch lieb; so bist du doch endlich zu mir gekommen?"

»Kind, liebes, armes, törichtes Kind, wie kannst du noch fragen", stammelte dieser mit vor Glück zitternder Stimme. »Sag' mir, um Himmels willen, wie kommst du hierher? Sprich, Gitta, ich kann es ja noch immer nicht fassen, daß ich dich so unerwartet wiederfand."

Sa berichtete Brigitta Hollermann dem Ge­liebten in kurzen Worten, wie sie nach Hongkong gekommen war, und daß sie schon längst gewußt hatte, wie. nahe er ihr gewesen sei.

Oh, du böses, liebes Mädel," entgegnete Hans-Jörg Eggenbrecht erschüttert,hätte mich nicht ein glücklicher Zufall nach hier geführt, so befände ich mich schon feit Tagen auf der Fahrt nach der Heimat, um dich zu suchen."

Wie kamst du so plötzlich darauf?" fragte Drigttta erstaunt.

»Durch Isa", antwortete Eggenbrecht jetzt et­was beklommen.

Isa!, ist sie hier?" rief Brigitta, erstaunt aufhorchend.

Rein, Kind, Isa konnte mich nicht begleiten. Sie ist gestorben; aber sie schickt dir etwas, nämlich ihr kleines Mädelchen,. dem du eine Mut­ter sein sollst," entgegnete jetzt Hans-2örg Eggen­brecht, scheu über ihr Haar streichend.

Da ging ein großes Verstehen über Drigttta Hollermanns Züge.

Sie erbleichte jäh, und trat unwillkürlich einen Schritt von ihm fort.

Hans-Jörg, Isa das Kind," stammelte sie ängstlich.

Rimm es auf, Drigttta, es ist auch das meine, denn Isa war ein kurzes Jahr meine Frau. Es ist eine traurige Geschichte."

..So ist Isa tot, so ist jenes Kind das mutter­lose, das man mir heute bringen wollte?" fragte Drigttta, noch immer fassungslos.

Eggenbrecht nickte nur stumm, aber in seinem Gesicht malten sich jetzt deutlich Qual und Angst.

Da eilte Drigttta Hollermann plötzlich leicht­füßig davon, hinab zu der Pflegerin, die Isas Kind, das jetzt leise weinte, im Park spazieren trug.

Sanft nahm sie es ihr fort und sah es lange, mit tränenfeuchten Augen an.

Isa, liebe, arme, kleine Isa, ich will dich lieb haben, von ganzem Herzen," murmelte sie dabei ergriffen.

Plötzlich fühlte sie sich von zwei starken Männerarmen sanft umschlungen.

Hans-Jörg Eggenbrecht war ihr unbemerkt ge­folgt, und hatte sie in überströmender Rührung, ob ihres großen, gütigen Herzens, an sich ge­zogen.

Dank, heißen, innigen Dank, liebe, kleine Gitta, für deine lieben Worte für das arme, kleine Ge- schöpfchen. Willst du mich nun auch noch von Herzen lieb haben? Kannst du mir verzeihen, daß ich dich einmal vergaß?"

Hans-Jörg, du liebster Mensch!" stammelte sie unter heißem Erröten.Ich liebe dich und dein Isa-Kind."

Gitta, wie glücklich du mich mit deinen Wor­ten machst. Su liebes, holdes Wesen, habe Dank."

Komm, Liebster, laß uns dort nach jener Dank gehen, damit du mir alles erzählen kannst," bat sie jetzt leise.

Eggenbrecht nickte stumm.

Still vor sich hin schluchzend, vernahm Dri- gitta dann die Geschichte seines großen Leides.

Als er geendet hatte und sie bittend ansah, strich sie ihm. unter Tränen lächelnd, das Haar aus der feuchten Stirn.

Da riß er sie in überströmendem Glück fest an seine Brust, und ihre Lippen fanden sich endlich in langem, heißem Kuß.

Sanft machte sich Drigttta Hollermann bann von ihm fr et

Komm nun, Liebster," hauchte sie beseligt, laß uns zu Herrn Boldenkamp und deinem Freund gehen. Deide werden sicherlich gar nicht wissen, was dies alles zu bedeuten hat."

Hand in Hand schritten die beiden glücklichen Menschen der Terrasse zu, auf der Boldenkamp und Amery bereits ungeduldig nach ihnen Aus­schau hielten.

Amery, lieber alter Freund!" rief Eggenbrecht jubelnd aus.Ich habe sie gefunden! Schwester Brigitta, von der Sie mir so schwärmten, ist ja keine andere, als Brigitta Hollermann, die ich suchte."

Wortlos, ergriffen drückte ihm Amery die Hand und sagte:

So habe ich wenigstens alles wieder gut­gemacht," und Eggenbrecht verstand ihn.

Ein Jahr später nahmen Brigitta Hollermann, die inzwischen Frau Soltor Eggenbrecht gewor­den war, und ihr überglücklicher Mann für im­mer von China Abschied.

Diele gute Segen.wünsche der Freunde beglei­teten sie, und vor allem Amery vermochte sei­nen Schmerz über die Trennung kaum zurückzu­halten.

Unb wieder war es dieKöln", die Brigitta Hollermann in ein neues Leben trug, zurück in das geliebte Heimatland.

Fest an ihren Mann geschmiegt, lehnten sie zusammen an der Reling und' sahen, wie das letzte Streifchen Land entschwand, bat ihnen nach schwerem Leid so unendlich viel Glück gebracht hatte.

Klein-Isa aber lag auf dem Deck, betreut von einer Wärterin, und lallte vergnügt die ersten deutschen Laute.

Hans-Jörg, wie glücklich ich bin! flüsterte Brigitta ergriffen.

Er aber küßte sie innig auf die Stirn, und in seinen Augen leuchtete ein stilles, heiliges Glück.

Und einen Großpapa bekommt Klein-Isa nun auch noch", sagte Brigitta, schnell die auffteigen- den Tränen bekämpfend und sich über ihren klei­nen Liebling beugend.Onkel Lührmann ist schon ganz stolz auf seine Großvaterwürde. Ach, Han-"- Iörg, wie freue ich mich, seine alte liebe Hand noch einmal drücken zu dürfen. Verdanke ich ihm doch auch alles!"

Als der Dampfer endlich in Hamburg einlief, stand auch wirklich dec alte Santtätsrat am Lan­dungssteg. und hinter ihm, würdig und wichtig, die alte Jürgens mit einem rotleuchtenden Ta­schentuch, mit dem sie sich nach Kräften die Augen rieb.

Ra, Gitta, du Satansmäbel!" rief der alte Herr pollemd aus, als sie ihm mit einem Iu- belschrei in die Arme flog,Zeit wurde es. daß du mir endlich dein Glück bringst, sonst, bei Gott, ich wäre doch noch gekommen!" Unb dicke Trä­nen rollten ihm dabei über seine runzlig gewor­denen Wangen.