Ausgabe 
10.1.1929
 
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Nr 8 Zweites Blatt

Eletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Donnerstag, 10. Zanuar (929

nämlich kurzerhand die Direktoren der französischen Schulen gleichzeitig mit der Wahrnehmung der Lei­tung der französischen Wohnungsämter be-i

i?nd wie sieht der Schlachtplan aus? Zunächst glaubte man, wenigstens auf eine gemeinde- weise Abtretung spekulieren zu können, wes­halb man auch ein besonderes Augenmerk auf den kohlenreichen Urwald des Warndt gerichtet hatte. Es sah auch olles sehr geschickt aus, wie man dabei vor- gehen wollte. Ueber die französischen Schulen hin- weg sollten die Bewohner der Gemeinden dieser Ge­gend für Frankreich gewonnen werden, indem man

fügung stellte, die die Kinder täglich in die Schulen brachten. Nachdem dieser Plan somit durchkreuzt war, griff man auf die Wirtschaftspolitik zurück. Territorial soll das Saargebiet noch der Ab­stimmung zwar an Deutschland zurückkommen, wirt­schaftlich will aber FrankreichdieOberhand behalten. Man argumentiert dabei folgender­maßen, was Gaston Roux in seinem Buche auch darlegt, was aber in der Oeffentlichkeit gor nicht richtig begriffen worden ist: die plötzliche Rückgliede­rung des Saargebietes sei unmöglich. Aus wirt­schaftlichen Interessen solle vielmehr ähnlich dem Stahlkartell, in dem doch bekanntlich Deutschland die Führung hat, eineinternationoleKohlen- g e s e l l s ch a s t gegründet werden, an der Frank­reich und Belgien einen kommanditierten Aktienanteil von 52 v. S). haben sollen, der übrige Teil dagegen auf die anderen Kohlenländer, u. a. auch auf Deutsch­land verteilt werden müßte. Auf diese Weife behielte Frankreich wirtschaftspolitisch die Führung im Saargebiet inne, hätte zu gleicher Zeit die Möglich­keit, einen Druck auf die Z o l l fragen auszuüben und wäre damit nochwievorHerrimLande.

Das ist der Plan, der gerade, weil er jetzt mit außerordentlicher Energie von Frankreich propagiert wird, in Deutschland nicht ernst genug geprüft werden kann. Die Gefahr ist im Anzuge. Gewch war es erfreulich, daß der Reichskanzler damals in Genf von der Saar und dem Rheinlande sprach, was man ihm in Frankreich besonders übel genommen hat. Es fehlt aber leider immer noch an einer inten­siven deutschen Gegenpropaganda. Man kümmert sich in Deutschland noch viel zu wenig um diese Dinge, weshalb man sich auch nicht wun­dern soll, wenn man eines Tages in der Saarfrage vor Verwicklungen steht, die sich in ihren Auswir­kungen heute noch gar nicht überblicken lassen. Die Reichsregierung hat deshalb die dringende Pflicht, unoerzüalich Gegenmaßnahmen gegen die französische Propaganda zu ergreifen, dam t man namentlich draußen im Auslande, insbesondere in England und Amerika, dem Sitz des internationalen Kapitals, die Augen geöffnet bekommt. Es I geht um deutsches Gebiet, und die Zeit drängt. I Deshalb muß sofort gehandelt werden.

Oberhessen.

Lrur-kreiS Gictzen.

CO Klein-Linden, 9. Ian. Im verflossenen Jahre waren in unserer rund 2000 Seelen zählenden Gemeinde 15 Sterbefälle (1927: 24) zu verzeichnen. Geburten wurden 23 gezählt (1927: 35), ohne die in den Gießener Kliniken zur Well gekommenen Kinder, Trauungen fanden 13 (1927: 11) statt, konfirmiert wurden 34 Kinder, nämlich 20 Knadev und 14 Mädchen (1927: 38).

'Daubringen.9. Ian. Am Samstag hielt der hiesige Männer- Turnvere in seine Generalversammlung ab, die sehr gut besucht war. Der 2. Dm-sitzende Heinrich Latsch erstattete den Jahresbericht. Dem Rechner Hem- rich Braun wurde für seine mustergültige Kas- sensührung der Dank ter Versammlung ausge- spwche:r. Der Verstand wurde fast einstimmig gewählt: er setzt sich wie folgt zusammen: 1. Dor- sitzender Heiirich Michel, 2. Vorsitzender Au­gust Erb, Rechner Heinrich Braun, Schrt b- führer Otto Reif, 1. Turnwart Ludwig Wal­ter II.. 2. Turnwart Otto Hofmann, Zeug- Wart Heinrich Brusius, Beisitzer Luteng Kraushaar, Veceinsdiener Ohs. Karle.Dos TLintervergnügen wurde auf den 26. 3anuar feftCTCfeflt

' Grvhen-Duseck, 9. Jan. Sine freudige rleberraschung hat die hiesige Spar- und Leih lass« ihren alten Spa retnlegern

Frankreichs Propaganda an der Saar Wo bleibt die deutsche Gegen-Aktion?

So hat denn nach dw neuesten Forschung über­all die Wlllenauf.asfung die Oberhand. Aber es wäre doch übertrieben, t.i der Welle schlechthin dos Wesen der Welt zu erblicken, also alles, was es überhaupt gibt Atome, Stofs, Licht in Wellen aufzu lösen. Dabei würden doch wichttge Eigenschaften, insbesondere des Lichtes, uner­klärt bleiben, und deswegen prägte Schrödinger den Aufdruck von der Kentaurennatur des Lich­tes: wie der Kentauer vorn ein Mensch und hinnten ein Pferd it und doch dabei als einheit­liches Geschöpf gedacht wird, so hat auch der Lichtvvrgang seine zwei Seiten: Die eine erin­nert an Wellen, die andere, nämlich die Quanten, an Geschosse.

Dies alles ist gewiß nicht leicht zu verstehen: aber die Schwierigkeit rührt wosil daher, test wir immer möglichste Anschaulichkeit verlangen, das heißt erwarten, es spiele sich alles in der Aatur eöenso oder ähnlich ab wie it den Grö- tze.rverhältnissen unserer alltäglichrn Erfahrung, nach denen wir unsere Vorstellung vonAn­schaulichkeit" geli det haben. Aber diesen Ge­fallen tut uns die Ratur nicht, und deshalb lassen sich die Raturersch.i mögen nicht vollständig in den Rahmen testen, was wiranschaulich" nen­nen, einspannen.

Hochschulnackrichten.

Der Oberarzt an der chirurgischen Klinik der Universität Frankfurt a. TL. nichtbeamteter a. o. Professor Dr. med. Otto Goetze hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Chirugie an der Uni­versität Erlangen als Nachfolger von Geheim­rat E. Graser angenommen und bereits seine Er­nennung zum etatsmäßigen ordentlichen Professor in der Erlanger Medizinischen Fakultät und zu­gleich zum Direktor der dortigen Chirurgischen Kli­nik erhallen. Professor Goetze tritt sein neues Lehr­amt zum 1. April d. I. an. Prof. Dr. O. Voß. Direktor der Univerfitäts-Ohrenkllnik in Frank­furt a. M., hat den Ruf an die Unioerfitat München abgelehnt. Zur Wiederbesetzung der durch das Ableben des Professors B. Heine erledigten Professur für Ohrenheilkunde an der Universität München ist ein Ruf an den ordent­lichen Professor Dr, WUHelm Brüning« in Jena ergangen.

Am Anfang war die Wette.

Don profeffor Dr. Paul Kirchberger.

(Rachdruck verboten l)

Die Festsitzungen des Elektrotechni sch en Der erns in Berlin, die er Semernsam mit der Heinrich-Hertz-Gesellschaft all­jährlich abzuhalten pflegt, entwickeln sich mehr und mehr nicht nur zu einer Qlrt

Physiker und der Elektrotechniker Berlins, sondern für bedeuten auch h-rvorragente Evergniise im aeistiaen Leben der Reichshauptstadt. Vor zwei K^n fprad) an in-,er Ste le Wert ® > n ft etn. vor einem Jahr Walter $e rn ft unb m 6i=fem 'kihre hat vor einigen Tagen der Mann ge sprachen. der augenblicklich vielleicht mehr ato iraentein anderer in Brennpunkt teS Interesscs d^deutschen Physiker steht. Zu dieser 55Ü0rer* rolle hat sich der feit Jahresfrist an der Derltner Universität wirkende Professor Erwin S ch r o- ding er nicht nur in seiner Eigenschaft als Rachfolger War Plancks emporgefchwungen, sondern deshalb. well er mit ungemem grobem Scharfsinn den schwierigsten und bedeutungsvoll sten Fragen der Raturforschung eine wesMtttch neue Seite abzugewinnen verstanden hat. Dabei W e? Me glückliche Gabe, diese.schwierigen Dinge Verhältnis natzig leicht verstanbllch und foaar mit einem gewissen Humor zu behandeln. S^n diesmaliger Dortrag galt den

Aenderungen unserer Vorstellungen vom Wesen des Lichtes sowie der mit ihnen eng verbunden«, Vorstellung vom Wrsen des Stoffe- und damit der sichtbaren Welt überhaupt. __

Der große Rewton hie t das Licht wenn wir der Verständlichkeit halber noch etwas toeüct ausholen wollen als Schrödingerm demoten erwähnteir Vortrag - für «ne ^k^ Trommel­feuer der winzig kleinen Lichtkorperchen. Diese Lichtkörperchen wurden nach seiner Wemung auS der Flamme geschleudert wie dieGeschosse einem Maschinengewehr. Mit Hrlse dteser Vor stellung konnte er vele Vorgänge vor allem me geradlinige Fortpflanzung deS Lichtes, dre Spi«' aekung usw. erklären. Aber tm ganzen 19. 2ahr- 8undät galt diese Ansicht als vollständig über­wunden. Die Wellenlehre deS Lichtes war un­gleich vollkommener, sie konnte in der Dal tnete

Erscheinungen verständlich machen, denen die alte Rewtonsche 2lnsicht ratlos gegenübergestanden hätte. Mindestens 80 Iahve lang schien ntchts umnögsicher zu fein, als daß man jemals erne Wiederannäherung an die alte Rewtonsche Wer- nung versuchen könnte. Da wir das Lrcht als besondere Art elektromagnettscher Wellen auf- faffen und uns diese durch den Rmrdsunk ver­traut geworden sind, ist es kaum notig, hieraus näher einzugehen. Aber gegen Ende des 19. und zu Anfang des 20. Iahryunterts wurden Tat­sachen bekannt, die diese Sachlage doch in ctnem etwas anderen Licht erscheinen liehen. Einmal lernte man nämlich in den Kathodenstraylen Strahlen kennen, die ganz nach der Rewtonschen Vorstellung aus schnell dahinsliegenden Geschossen, den sogenannten Elelkrönen, zu bestehen schlenen. Andererseits zeigte Max Planck, daß auch das gewöhnllche Licht aus einer Art Llchtbuntel besteht, die man sich als durchaus unteiloar oenken muß, die also auch eine gewisse Wiederannähe­rung an Ne Vorstellung der dahinssiegenden Ge­schosse enchielten. , .

Beide Gedanken reihen wirtten mm auch Hart auf unsere Vorstellungen vom Wesen der letzten Saufteine des Stosses, dec sogenannten Atome, ein Diese dachte man sich nach dem Vorgänge des dänischen Physikers Bobr als ein Planeten­system. dessen Ilmlaufkörperchen eben die von bat Kathodenstcahlen her bekannten Elektronen bil­deten. während für den 'Abstand der Umlauf­bahnen Größen maßgebend waren, die mit der Gröhe der Strahlen bündel im Licht, den to.ge- nanntcn ..Lichtquanten", zusammenhängen. Dieie Anschauung vom Wesen des Atoms und so­mit deS Stoffes überhaupt erwies sich, tote auch Schrödinger betonte, als ganz ungemem fruchtbar. Sie drückte der Physik deS letzten Jahrzehntes ihren Stempel auf.

Somit schien die Wellenauffassung überall zu­rückgedrängt zu sein. DaS Licht wurde zwar noch als Wrllenvorgang aufgefaßt aber doch nicht mehr ausschließlich: denn die Ltchtqucmten. die letzten, unteilbaren Einheiten des Lichts deren Bede '.tung immer größer wurde, ließen 1 ch auf Grund der Wellenaufsas.ung nicht recht ver­stehen. Sn den Kathotenstrah'.en sah man eine 2lrt Licht ohne Wellen. und im Atom war von Wellen überhaupt nicht mehr die Rede.

Aber nun hat sich ganz neuerdings das Bild wieder gründlich geändert! Zunächst erf^ton e8 sehr merkwürdig, daß Elesiro.ren im Atom ohne jede Spur von Wellen umlaufen sollten. Rach älteren und wohlbegründeten Anschauungen hätte ein solcher Umlauf elektrischer Ladung und eine solche führten doch die Elektronen Wel­len yervvrrufen müssen. Sodann konnte man wohl die Dahnen berechnen, in dmen dir Elek­tronen im Atom umlaufen, aber einen tve.eren Grund dafür, daß es gerate diese und keine an­deren Bahnen sein mußten, konnte man nicht angeben. Hier setzen nun die Arbeiten Schrödin­gers ein. Er faßte die Wellen nicht als einen Begleitvorgang der Elektronenumläufe In Atom auf, sondern gerate umgekehrt als die Haupts-oche. Don diesem Standpunkt aus gelang es i')m, den bisher vermißten interen Grund für die Bevor­zugung bestimmter Umlaufbahnen a izugebem Es ist, um einen Vergleich zu brauchen, ganz äbn- lich, wie wenn wir einen Ton hören. Der Ton klingt uns einfach, aber wir formen ihn doch in den Grundton und die Ooertöne zerlegen und dabei auch Regeln angeben, welche Obertöne vor­kommen können und welche nicht. So haben wir uns vielleicht auch das Atom als klangähnii.Yen Vorgang zu denken, und nur durch unsere Zer­legung kommen die verfchietenen silrnlaufbahnen im Atom zustande, ähnlich wie die Obertöne bei der Zerlegung eines Klangs.

Aber nun blieb noch eine sehr große Schwie­rigkeit. Wollte man nämlich die Elektronen nach Schrödingers Atomtheorto ix lauter Wellen auf­lösen. so bot die Auffassung der Kathvdenstrahlen Schwierigkeiten: denn oei diesen dachte man sich ja die Elektronen als feste Geschosse. Da,) aber die Elektronen ter Kathotenstrahlen und dre Elektronen der Atome dasselbe sind, ist kaum zu bestreiten: beim man kann aus allen Stoßen Kathoden Herstellen und somit Kathvdenstraylen auS ihnen erzeugen. ,, . , _. ,

Run aber kommt die allerwichttgste Destasigung der Schrödingerschen Auffassung. daß sich näm.ich in der Tat auch bei Katbodrnstrahlen Wellen­erscheinungen gezeigt haben. Auch bei ihnen tre­ten sogenannte In erferen,--e.sch:tnun^cm auf, It: abwechssi de ileberterfung von Wellenberg und Wellental, die immer als das sicherste Kenn­zeichen einer Wellenbewegung galt.

dadurch bereitet, daß sie die bereits vor zwei Jahren mit 15 Prozent aufgewerteten Spareinlagen jetzt mit 4 Prozent verzinst hat. Damit dürfte die hiesige Stoffe hinsichtlich der Verzinsung der Aufwertung im Kreise Gießen an erster Stelle stehen, da wie verlautet selbst die Dezirkssparkasse nur mit 3 Prozent verzinst. Dies legt wohl beredtes Zeugnis dafür ab. daß ter Vorstand der alten Stoffe mit größter Umsicht gearbeitet hat. Daß dies bei der hiesigen Bevölkerung voll anerkannt wuröe, beweist die Wiederwahl des Direktors Gans und des Stontrolleurs Stephan im Sabre 1924 bei der Umstellung der Kasse auf einen neuzeitlichen Bankbetrieb. Wegen hohen Alters legte Rechner Schmidt damals sein Amt nieder. Aber auch fein Rachfolger. Rechner Roll, hat sich großes Vertrauen erworben, wofür als bester Beweis der heutige Stand der Kasse dienen kann. Wie notwendig ein solches Geldinstitut für unsere Gemeinde ist. geht daraus hervor, daß sich die Kasse beveits heute, nach kaum vier Jahren. ;u den größten Kreditgenossen- scha'tskassen des K ei'es ®ieten zahlen darf.

Bg. Großen-Buseck, 9.3an. Die von Dem GesangvereinS ä n g e r k r a n z' veranstal­tete Abendunterhaltung nahm einen recht zufrieden­stellenden Verlauf. Unter Führung des Chorleiters Konrad Nicolai kamen sowohl die Chöre, wie die Solls zu schöner Geltung. Auch die Theaterstücke und lustigen Szenen fanden re.chen Beifall. Eine Verlosung und Tanz bildeten den Schluß der unter

Nachdem die Franzosen jetzt anscheinend eingesehen haben, daß sie mit einer Angliederung des Saar­gebietes an Frankreich nicht mehr rechnen können, haben sie in der letzten Zeit auf verschiedene Me­thoden sich geworfen, um wenigstens in irgendeiner Form auch über das Jahr 1935 hinaus die Herrschaft über das Saargediet zu bchatten. Dazu haben sie eine Propaganda organisiert, die an Groß­zügigkeit nichts zu wünschen übria läßt. An den Pariser Anschlagsäulen prangen Plakate, die in weithin sichtbaren Lettern auf das Saarproblem Hin­weisen. In Poincars und namentlich in Lau­ch e u r, die beide ein finanzielles Interesse an den Saargruben haben, hat sich die französische Schwer­industrie zwei politische Stützen geschaffen, über die sie ihren Kampf um die Saar orgamsiert. Die Publi­zistik wird dabei in immer stärkerem Umfange für diese Aufgabe herangezogen. Es fei nur auf die beiden jüngsten französischen Neuerscheinungen hin- gewiesen, dem Buche von Gaston Roux: Les Alpes ou le Rhin, in dem vor allem die Dr= ganisation des geplanten Kampfes an der Saar ent- wickell wird, und dann die Bücher von dem unter dem Pseudonym Jean Revir schreibenden Dr. H ö l s y, der als Materialienverwalter in einer Saargrube tätig ist und dort gleichsam einen I n - formationspo ft cn bezogen hat. Er ist es namentlich gewesen, der den Abbs Häggy angepran­gert hat. In diesem Zusammenhänge muß auch auf die bedeutsame Tatsache verwiesen werden, daß, wie uns unser saarländischer Dertrauensmann mit­teilt, erst kürzlich das Saarlouiser Jour- n a l von Frankreich durch eine Subvention von 600 000 Mark wieder flottgemacht worden ist, um den französischen Interessen gefügig zu sein. Die Association aes Amis de la Saar tut schließlich iyr übriges, um die französische Saarpropaganda zu

Leitung des Vorsitzenden W Seipp stehende« Veranstaltung.

§ Beuern. 9. Jan. 3n einem üblen Zustands bei intet sich schon seit Zahrsn die nachGrohen- B u s e ck führende Straße. Wenn auch durch die Straßenbauverwaltung anerkennenswer er­weise immer wieder Flickarbeiton vorgenommen werten, wie dies erst Qln.ang Dezember wieder geschah, so kann dadurch der völlige Zerfall ter Straße doch nicht au.gchalt.m werden. Hier kann nur eine völlige Reuwalzung dem Hebel abhelfen. 3m Interesse des starken Verkehrs von der Bahnstation Großen Bufeck aus und mit Rücksicht auf Menschen und Tiere, die diesen Wcg benutzen müssen, ist dringend zu wün­schen, daß in ten kommenden Monaten eine Ge­neralin st andsetzung der Straße vorge­nommen würde.

T Reiskirchen, 9. Ian. Ein Teil ter nach Gießen führenden großen Verkehrs st raße soll im kommenden Sommer mit Klein­st s 1 a st e r vergehen werden. Infolg: tes über­aus starken Durchgangsrerkrhr- auf c.i:,erSttaße hat sich diese Maßnahme ais untetengt nötig erwiesen. Von Gießen bts zum Ausgang des Gießener Waldes, kurz vor ter Gameburg, ist die Straße bekanntlich schon gepflastert worden. An dem neu zu pflasternden S.raßentell zwischen ter Ganscburg und dem Dahnwarierhaus an ter Gießener Straße, rund 2300 Meter, tourten in ten letzten Rtonaten große Mengen von Steinen angefahren.

Z Beltershain, 9.Jan. Da unser langjähri­ger, verdienter Gemeinde- und Kirchen rechner, S). Röhrig, ernstlich erkrankt ist, übernimmt die­ser Tage Bürgermeister Hornmann die Stell­vertretung des Genieinderechners und die Führung der Gemeindekasse. Die Bürgermeistergeschäfte fuhrt während ter Zeit ter Verhinderung tes Bürger- meisters unser Beigeordneter Reitz.

wn. Weickaresyarn, 8. Uan Bei der Gewerkschaft »Louise^ ereignete sich ge­stern ein schwerer Llnglückss all. Der Ar- beiter Otto Viehl aus Lauter war als Znn- mermann beschäftigt und machte Ausbesserungs­arbeiten an tesekt gewordenen D.atztseilböckn. Dabei stürzte er aus etwa 1215 Meter Höhe rückwärts auf die Erde ab. Sofort tourte ärzt­liche Hilfe von Laubach herbeigerufen. Der be- dauernswerte Wann wurde in das Hospital nach Laubach verbracht. Wie verlautet, soll er eine Verletzung ter Wirbelsäule mit leichter Gehirn­erschütterung davongetragen hoben.

^Hungen, 9. Jan. ImDarmstadter Hof" fand unter dem Vorsitz von Schäfer Philipp Wirth von Wetterfeld die diesjährige ordentllche Gene» raloersammlung des Oberhessischen Schäfervereins statt, zu der Bcrtrcter aus allen Teilen der Provinz erschienen waren. Im Hauptteil der Verhandlungen hielt der Vorsitzende des Süddeutschen Schäferverbandes, Körner, Stuttgart, einen Vortrag überSchafzucht", der eine rege Aussprache zeitigte. Der Schäfertag soll hier in Hungen zu einer historischenEinrich- 1 u n g werden und in diesem Jahr am 8. Februar gefeiert werden. Neben einem besonderen Festzug nach Schäfertradition findet die Vorführung eines Schäferfilms statt. Schon fetzt werden die Vordere,, tungen für dieses oberhessische Schäferfest getroffen. Die Dorstandswahl hatte folgendes Ergeb ms: Vov- sitzender Philipp Wirt, WetterfeL: Stelloertretcr des Vorsitzenden Pfannkuch, Nidda: Rechner und Schriftführer Köhler, Lauboch: Beisitzer Hof- mann, Steinheim-, Rohleder, Bleichenbach, Ha der mehl, Leihgestern, Traut, Glnuberg, und K u 11 m c r, Hochweisel. .

! Hungen, 9. Jan. Dieser Tage fand tnt .Solmfer Hof die erste ordentliche General­versammlung ter Reit- und Fahrgruppe des Hess. Landjugendbundes Hun­gen statt, die von Mitgliedern und Gästen von hier und aus der Umgegend recht zahlreich be­sucht war Rach kurzer Begrüßung gab ter 1 Vorsitzende. R. Schmidt (Steinheim), einen Rückblick über das erste Jahr des Vereins. Er schilderte dessen Entstehung aus lleinsten An­fängen heraus, weiterhin die ersten schönen Er­folge des Gesamtvereins. sowie einzelner Mtk- glieder bei dem letztjährigen Reiterfest in Hun­gen. dann die weitere Entwicklung im Laufe des Iah res, die recht zufriedenstellend ist. Auch die

traute. Diese Herren drohten nun, daß Die Eltern einfach keine Wohnung erhalten würden, wenn sie ihre Kinder nicht in die französischen Schulen schickten. Da griff man aber rechtzeitig deutscherseits em, in­tern man den Bewohnern sechs Autobusse zur Der-

Dölkerversöhnung.

Bei Durchsicht des Aufsatzes von Herrn Uni­versitäts-Professor Dr. Messer in Ihrer Rr. vom 4. d. Mts. steigen das Heidelberger Schloß, der Speyerer Dom, die Burgruinen am Rhein und vergilbte Chronikeinträge aus der Zeit von 16731796 vor mit auf. und Voltaires Aus- fpruch: ..Sie wissen nicht, daß eS im Grunde keine grausamere Ration gibt als die Fran­zosen."

Was Rapolevn HL 186770 nicht gelang, nämlich Besitzergreifung des linken Rheinufers und Knebelung Deutschlands, blieb der macchia- vellistischen Staatskunft Poincares Vorbehalten.

Sett der Annahme von Wilsons14 Punkten" am 5. Rovember 1918 und der Unterschrift unter ten Raubvertrag von Versailles am 28. Juni 1919 ist dieMacht" keineswegs demRecht" ge­wichen. Schnöde hat der VölkerbundSrat uns am 14. Oktober 1921 um Ober-Schlesien betrogen, und am 11. Ianuar 1923 erfolgte ter Ruhr­einbruch. Und trotz Annahme deS Dawes- planes durch den Reichstag am 29. August 1924 wurde die Kölner Zone am 10. Ianuar 1925 nicht geräumt, denn ein waffenloses Volk ist Vogelsrei. Sogar ter Vertrag von Locarno (16. Oktober 1925) und Deutschlands Eintritt in ten Völkerbund (8. September 1926) sowie die Llnterzenhnung teS KelloggpakteS (27. August 1928) brachten keinen Wandel, sondern die Rü­stungen ter Mächte rings um Deutschland wach­sen von Tag zu Tag. Eine unermeßliche Ge­fahr siir Deutschlands, das Reich der Mitte, deshalb, weil nach urewigem Gesetz jedes kraft­volle Volk sich ausdehut in der Richtung des geringsten WiterstandeS und des größten Ge­winnes. Hieran vermag kein Kriegsächtungspakt etwas zu ändern.

Und so erfreulich der Aufruf terüber 100" französischen Freunde für eine Revision des Ver­sailler Dittates ist. es sind einflußloseweihe Raten".

Wer wissen will, woher ter Wind weht, sei auf ten stenographischen Wortlaut ter Kammer- rede Driands vom 4. De-ember 1928 hingewiesen, deren Schluß dem deutschen Volle schamhaft ver­schwiegen wurde. 'Brianb verflieg sich zu folgen­der Heuchelei: .

Wenn man sieht, wie ein von seinen Lettern (1914) irregeführtes Doll heute versucht, dre Schuld am Kriege von sich abzuwäl­zen: wenn man sieht, wie dieses Voll mit allen Mitteln diese Verantwortlichkeit von sich abzuwälzen sucht, wenn man dre Aengste eines ganzen Volkes sieht und sein Be­streben. dieser moralische nDerur- teilung zu entgehen: was, meine Herren, würde morgen mit diesem Volke geschehen, wenn es den Pariser Vertrag (= Kellogg-Pakt) zer­reißen wollte?"

So sieht die französische Dersöhnungspoütrk in Wirklichkeit aus!

Das deutsche Voll wird vor aller Welt rote etn räudiger Hund behandelt, weil es sich feige treten, anspeien und beschuldigen läßt, obwohl der alten- mäßige Beweis erbracht ist, daß:

L Poinears den Russen bei feinem Besuch vom 20. bis 23. Juli 1914 Blanko-Vollmacht für dre Entfesselung eines europäischen Krieges gab da er einen Brief König Georgs V. von England in der Tasche hatte, der britische Hllse verhieß: und daß

2. Grey am 25. Juli 1914 von London nach Petersburg telegraphierte, die mit Deutschland und Oesterreich eingeleiteten Verhandlungen zur Bet- lequnq des Konfliktes zwischen Wien und Belgrad (eien lediglich eine List, um Rußland Zett für die Mobilmachung zu lassen.

Nicht Abrüstung und pazifistische Lehren werden dem friedliebenden deutschen Volke Rettung aus der Not bringen, sondern mannhaftes Eintreten für Wahrheit und unser gutes Recht.

Friede auf Erden" gibt es für uns so lange nicht bis wir wieder frei und ehrlich dastehen. Wir haben nichts zu sühnen, wir haben mchts gut- zumachen.

Friedberg (Hess.), 8. Januar 1929.

Professor F. Dreher.