„Hände hoch - Kriminalpolizei!"
Was ich in IS jährigem Kampf gegen das internationale Verbrechertum erlebte.
Von Kriminalkommissar Ernst Engelbrecht.
Copyright by Greiner & Co., Berlin NW 6.
VII.
Oie „Aachtfeuche"
und der „Kaiser von Marokko^.
Die eleganteren Nachtlokale der Friedrichs- stadt hatten nicht nur unter den polizeilichen Aushebungen zu leiden, sondern waren auch dem verbrecherischen Treiben von Erpressern, die sich die Zwangslage der Wirte zunutze machten, ausgesetzt. Fünf oder sechs gewalttätige Gesellen erzwangen sich im Arbeitsanzag, ohne Kragen, Eingang in den Nachtbetrieb und erschien überraschend in der sonst hocheleganten Gesellschaft. Nach kurzer Musterung der erschrockenen Gäste nahmen sie am nächsten Tische Platz und riefen durch wuchtiges Aufschlagen mitgeführter groher Ziegelsteine die Bedienung heran. Bon den ängstlich herbe'.eilenden Kellnern forderten sie einige Flaschen guten Sekt und stellten auch nach der ihnen auf ausdrückliches Verlangen gereichten Speisekarte ein leckeres Menü zusammen. Dann beäugten sie ungeniert ihre Umgebung, und ihre provozierenden Blicke erregten natürlich heillosen Schrecken. Man denke sich auch, fünf oder sechs Riesen, der kleinste von ihnen 1,80 Meter groß, in wenig einwar''freier Kleidung, unter den eleganten Prassern, schmächtigen Lebemännern und ihren Damen. Die ängstlichsten der Gäste flüchteten schon aus dem Lokal. Bon der Ecke her spannt der Geschäftsführer mißtrauisch zu den Riesen herüber, denn das dies keine zahlenden Gäste sind, sondern Leute, die besondere Absichten im Schilde führen, leuchtet ihm ohne weiteres ein. Kurz entschlossen läßt er durch den Kellner einen von ihnen zu sich bitten und schlägt ihm vor, gegen guten Abstand sein Lokal möglichst schnell wieder zu verlassen. Als dieses „Trinkgeld" aber lächelnd abgewiesen wird, verdoppelt und verdreifacht er schnell sein Angebot und erreicht schließlich auch, daß die Gesellen wieder abziehen. Die wandern weiter in den nächsten Betrieb und treiben es in derselben Weise. Auch hier wird ihnen eine größere Summe Geld in die Hand gedrückt, und dann geht es in ein drittes oder viertes Lokal. Die „Nachtseuche"
nennen die Lokalinhaber diese Erpresser, aber niemand wagt es, gegen sie die Hilfe der Polizei in Anspruch zu nehmen, denn jeder der Betriebe ist ja ein unerlaubtes Nachtlokal, auf die schlimmste Nepperei der Gäste zugeschnitten. Die Geschäftsinhaber sind in einer sehr uunangeneh- mcn Lage, auf der einen Seit« die dauernde Ausbeutung durch diese Erpresserbande und auf der andern Seite die Angst vor der Polizei, die durch die Aufhebung des Betriebes ihnen einen weit größeren Schaden zufügen würde.
Zufälligerweise bekam die Kriminalpolizei von diesem Treiben aber dennoch Wind, und es gelang ihr bald, die verbrecherischen Gesellen größtenteils als altbekannte und besonders gefürchtete Berliner Gannoven festzustellen und fünf von ihnen in kürzester Zeit zu ermitteln. Nur der sechste fehlte und war auch nirgends aufzufinden. Schließlich erfuhr die Krinnralpolizei mehrere Wochen später, daß in der Edelschen Irrenanstalt in Charlottenburg ein Geisteskranker sitze der dort eines Tages als „Kaiser von Marollo" erschienen sei und Aufnahme gefordert habe. Das Interessanteste an diesem „hohen" Gaste sei gewesen, daß er, um seine kaiserliche Macht zu beweisen, die in der Anstalt üblichen Fenstergitter ohne weitere Anstrengung mit feinen Händen auseinandergebogen habe. Das konnte nur unser Freund sein, den wir suchten. Wir machten uns deshalb auf den Weg zur Edelschen Anstalt, um uns von seiner Identität zu überzeugen. „Kopf ab, ihr Hunde müßt sterben," das war die Begrüßung des „Kaisers von Marokko" gelegentlich der uns durch Bermittlung der Anstaltsleitung „gnädigst gewährten Audienz". Wir erkannten in ihm natürlich sofort unseren Freund und versuchten, ihn zum freiwilligen Mitgehen zu veranlassen. Er schien es einzusehen, daß ein Widerstand doch aussichtslos war, und folgte uns auch gutwillig zum Polizeipräsidium. Erst in der Autodrofchke, in der wir ihn ab» transporfierten, verlor er feine kaiserliche Würde und wollte sich totlachen über seine Streiche und Possen, mit denen er die Anstalt angeführt hatte.
(Fortsetzung folgt.)
von 250 bis 400 Meter rechts und links vom plebergang durch Holzlaschen vom weiterlaufen- den Gleis isoliert sind, lieber diese Schienrn- stücke fließt dauernd ein elektrischer ©txom aus einer Batterie, wodurch das Weiße Licht erscheint. Fährt nun ein von rechts kommender Zug auf diese Isolierstrecke, so schließen seine Räder und Achsen die beiden Schienen kurz, wodurch eine rote Blende im Innern des Gehäuses vorfällt und das Licht auf schnelleres Blinken umgeschaltet wird. Sobald der letzte Wogen die Isolierstrecke am Wegübergang überfahren hat, erscheint wieder das weiße Licht. Die Isolierstrecken werden also nur dann wirksam, wenn der Zug in der Richtung auf den D^nübergang zu fährt.
Versagt dos Licht aus irgendeinem Grunde trotz aller Vorsichtsmaßregeln, so zeigt der selbstleuchtend« Rand der schwarzen Scheibe dem Kraftfahrer an, daß hier eigentlich eine Lampe leuchten müßte, daß er also doppelt vorsichtig sein muh. Im übrigen ist die Einrichtung so getroffen, daß beim Versagen von Einzelteilen, solange das Licht noch brennt, immer das rote Licht erscheint, so z. B., wenn der Gleisstrom etwa durch Beschädigung oder Erschöpfung der Batterie ausbleiben sollte.
Wie man sich bei der Besichfigung überzeugen konnte, wirken die Signale sowohl bei Tage wie namentlich auch bei der Nacht ganz vorzüglich, und es wäre dringend zu wünschen, daß man sie allgemein einführen könnte. Freilich stehen dem vorläufig noch die außerordentlich hohen Kosten entgegen.
Bei Gelegenheit der Besichtigung wurden noch zwei andere Warnsignale gezeigt, nämlich ein an einem Warnkreuz angebrachtes Warnschild mit der selbstleuchtenden Inschrift „Zug kommt" (Bild 1), das mit der Schranke verbunden ist und selbst tätig aufgezogen wird, wenn die Schranke geschlossen wird. Es soll an „beschrankten" Bahnübergängen aufgestellt werden, auf die die Straße im Bogen zuführt, so daß man die Schranke erst im letzten Augenblick sehen kann, während man das gelbe Schild „Zug kommt" schon von weitem erblickt. Das zweite Signal ist ein aus Amerika bezogenes Wig-Wag- Signal, das an einer Zugbrücke über einen Kanal in Storkow aufgestellt ist (Bild 4). In der Scheibe des Pendels sitzt eine rote Glühlampe. Wenn der Schlagbaum vor der zu öffnenden Zugbrücke geschlossen wird, so leuchtet die Lampe und pendelt hin und her. Das Signal entspricht nicht den deutschen Vorschriften, da es im Ruhezustand kein Licht gibt. Wir sahen es auf der Hinfahrt nach Storkow; als wir dann aber hingingen, um es eingehend zu besichtigen, blieb gerade in Storkow der elektrische Strom aus, und damit versagte auch das Signal in einem Augenblick, wo sein Arbeiten besonders wichtig gewesen wäre (Bild 5), da es keine Sammlerbatterie hat wie die Blinklichtsignale. Die vom Allgemeinen Deutschen Auto- mobilllub an der Bahn aufgestellten Signale hätten in diesem Falle nicht versagt. Es ist eben nicht alles gut, was aus Amerika kommt.
Wohl alle Teilnehmer an der Besichtigung hatten den Eindruck, daß mit den Signalen an den Wegübergängen etwas Borbildliches geschaffen worden ist, das geeignet ist, zahlreiche Unfälle zu vermeiden. Wie freilich die Kosten aufgebracht werden sollen, das ist eine andere Frage; aber darüber werde ich mir die Köpf« 1
d«r Leute nicht zerbrechen, die diese Frage beantworten müssen. Ihre Lösung scheint mir unter dem Versailler Friedensvertrag bedeutend schwieriger zu sein, als die technische Lösung der Aufgabe.
Preußen.
Kreis Marburg.
4 Marburg, 6. Noo. Heut« abend verunglückte bei dem benachbarten Wittelsberg mit einem Motorrad der aus Holzhausen (Kr. Kirchhain) gebürtige Maler Karl Battenfeld. In dem Augenblick, als er den unübersichtlichen Bahnübergang überqueren wollte, fuhr di« Kreisbahn über die Straße. Battenfeld rannte wider die
Lokomotive, wurde eine Strecke mitgeschleift und blieb tot auf der Stelle liegen. Das Motorrad ging in Trümmer. Um den Verunglückten trauern seine junge Frau und sein Kind.
Kreis Biedenkopf
(D Hartenrod, 8. Nov. Auf der hiesigen Schwerspatgrube verunglückte der Arbeiter Albert I n t e r t h a l beim Bedienen der Kreissäge so schwer, daß ihm nach seiner Ueberfüh- rung in die Gießener Klinik zwei Finger der rechten Hand amputiert werden mußten. — Zur Gemeindewahl sind hier elf L i st e n eingegangen, ein bißchen viel im Vergleich zu unserer Nachbargemeinde Schlierbach, die eine Liste aufgebracht hat.
Spielplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus. Sonntag, 10. Nov., von 20 bis nach 22.30 llfjr: Maschinist Hopkins. Montag, 11., von 20 bis 22.30: Schwanda der Dudelsackpfeifer. Dienstag, 12., von 20 bis 22.30 Fra Diavolo. Mittwoch, 13., von 19.30 bis 21.30: 2. Opernhaus-Konzert. Donnerstag, 14., von 20 bis nach 22.30: Maschinist Hopkins. Freitag, 15., von 20 bis 22.30. Fra Diavolo. Samstag,
Schauspielhaus. Sonntag, 10. Nov., von 15 bis nach 17.15 älhr: Das Gerücht; von 20 bis nach 22.15: Chankali. Montag, 11., von 20 bis gegen 23: Die andere Seite. Dienstag, 12., von 20 bis nach 22: Brülle China. Mittwoch. 13., von 20 bis nach 22: Brülle China. Donnerstag, 14., von 20 bis nach 22.15: Cyankali. Freitag, 15., von 20 bis nach 22: Brülle China. •
Nundfunkprogramm.
Sonntag, 10. November.
7: Don Hamburg: Hafenkonzert. 8.15 bis 9.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Evangelischen Gemeinschaft (Freikirche), Frankfurt a. M. 10.30: Stunde der Iugendbewegung: „Der Iugendtag in Schwalenberg", Dortrag von Rektor K. Wehr- han. 11: Elternstunde: Erziehung und Bildung: „Kind und Arbeit", Dortrag von Mittelfchul- lehrer Lorenz Knierim. 12: Stunde des Chorgesangs: Konzert des Männergesangvereins Gu- stavsburg. 13.10: Don Kassel: Llebertragung aus der Gmäldegaleri«: Rokoko-Maler vor dem Mikrophon. 14: Stunde der Iugend: „Bunter Nachmittag". 15: Stunde des Landes: 1. „Was geht in der Welt vor und was geht es mich an?", eine Betrachtung von Dr. Herbert Kranz, Frankfurt a. M. 2. „Der Hof Zwiefalten im Vogelsberg, einst Iagdschloß, jetzt Mustergut", einleitender Vortrag von Lehrer Sauer in Ober-LaiS. Ein Gang mit dem Mikrophon durch den Hof Zwiefalten und Bericht über di« Hochzüchtung d«S Rindviehs, von Landwirt Fischer auf Zwiefalten. 16.30: Nach Köln: Konzert des Rundfunkorchesters. 18: Stund« des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Szenen aus dem Volks- theater von Karl Malß". 18.45: Sportnachrichten. 19.15: Don Stuttgart: Theodor Däubler liest aus eigenen Werken. 20: Wogelaweia: Kabarett- Abend. 22.30: Tanzmusik.
TUonlag, 11. November.
12.15: Schallplattenkonzert: G. Verdi. 15.15 bis 15.45: Stund« der Iugend: „Durchs Lander Amalekiter", Vortrag nach eigenen Erlebnissen von Karl Hilberger. — Für Kinder vom 12. Iahre ab. 16: Hausfrauen-Rachmittag, veranstaltet vom Frankfurter Hausfrauenverein. 17: Vortragszyklus des Frauenverbandes Hessen- Nassau und Waldeck: „Wie schütze ich mein Kind vor den Gefahren des Winters?", Vortrag von Frau Dr. Käthe Neumark. 17.30: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18: „Von deutscher Redekunst (III.)“, Vortrag von Oberstudien- rat Dr. Binder. 18.20: Englische Literaturproben. 18.35: Englischer Sprachunterricht. 19: Gespräch zwischen Walter v. Molo und älniversitätslektor Roedemeyer. 19.30: Konzert von Rex Pose auf Hawai-Gitarre. 20: Aus dem Frankfurter Opcrn- haus: Schwa nda, der Dudelsackpfeifer. Bolksoper in zwei Akten von Minos Kares. 22.30: Bon Kassel: Gesangs-Konzert: In der Musik durch Italien, Ungarn, Rumänien. 23.30: Tanzmusik.
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