hm ausgedrängt. Der Zeuge kann keinen der Angeklagten als Tater erkennen. Zwei, die ihn geschlagen hätten, habe er im Gedächtnis, sie seien aber nicht unter den Angeklagten.
Der Opernsänger Szerpatiebiz machte Ausführungen über die Bedrohung des polnischen Generalkonsuls, der der Opernausführung beiwohnte. Er selbst habe sich nach Verlassen des Theaters unter die johlende Menge gemischt und getan, als ob er Deutscher sei. 2lls er unterwegs einer polnischen Dame habe helfen wollen, sei ihm zugerufen worden: Raus aus Deutschland. Er habe auch zwei Hiebe mit einem Knüppel erhalten. Der Verteidiger Dr. Kluge wirs darauf hin, daß dieser Zeuge als einziger bekundete, daß ein Reichswehrhaupt mann eine Dame getreten und zu ihr gesagt habe: Raus du polnisches Schwein. Er, der Verteidiger, halte diese Bekundung des Zeugen für ungeheuerlich und durch nichts erwiesen. Der Staatsanwalt erklärte hierauf, daß er seinerseits in der Lage sei, diese Aussage des Zeugen zu widerlegen, er halte es aber nicht für angebracht, schon jetzt auf die Glaubwürdigkeit des Zeugen einzugehen. Der 74jährige Musiker Dirgilius bekundet, daß er nur durch seinen weihen Kopf vor Schlägen bewahrt wurde. Er sei angespuckt und die Treppe hinuntergestohen worden. Die Zeugin Frau Soli ch bekundet, dah sie von einem Gymnasiasten, der von einer Frau an» gefeuert wurde, getreten worden sei. Die Aussage der Zeugin wird widerlegt, zumal da sich ihre Angabe über die Farbe des Anzugs des vermeintlichen Täters als irrig herausstellt. Bahnarzt Dr. Wolf wurde aus Anforderung des Bahnhofsvorstehers an dem fraglichen Sonntag auf den Bahnhof gerufen. Er stellt ausdrücklich fest, dah er niemand auf dem Bahnsteig habe liegen sehen. Alle Verletzten seien schließlich in einem Raum versammelt gewesen. Seine Aufgabe habe lediglich darin bestanden, bis zur Abfahrt des Zuges festzustellen, ob Leute derart ältliche Hilfe benötigten, dah sie in Oppeln verbleiben mühten. Das war aber bei niemand der Fall. Dor Abfahrt des Zuges sei er noch aus dem Wartesaal, in den er sich bereits wieder begeben hatte, zu einer Dame gerufen worden, bei der er eine Art nervösen Zusammenbruchs festgestellt habe. Diese Dame hätte er gern in Oppeln behalten, dies wurde aber von allen strikt abgelehnt.
Folgen des Tuka-Prozeffes.
Austritt der slowakischen Minister aus der Prager Negierung.
Prag, 8. Okt. (Tel.-Un.) Die Verhandlungen, die am Dienstag zwischen dem Ministerpräsidenten Udrzal und den Führern der slowalischen Bauernpartei Hlinka und Minister Tiso über die Haltung der slowakischen Volkspartei in und nach dem Tuka-Prozeh stattfanden, endeten mit dem Austritt des Ministers für Gesundheitswesen und Körpererziehung Dr. T i s o und des Ministers für Gesetzangleichung Dr. L a b a y aus dem Kabinett. Der Präsident der Republik hat den Fürsorgeminister Dr. Schrämet und den Schulminister Dr. S t e f a n e k mit der Verwaltung der beiden Ministerien betraut.
In den Wandelgängen des Abgeordnetenhauses äußerte sich Pater Hlinka über die allgemeine Lage. Er machte aus seiner Erbitterung über das Urteil im Tuka-Prozeß keinen Hehl und teilte mit, daß die Aufstellung Tukas als Spitzenkandidat im Kafchauer Wahlkreis nicht widerrufen werde. Die slowakische Volkspartei sei hinsichtlich ihrer Kandidatenliste vollständig u n - abhängig. Die Partei werde ihre Haltung Tuka gegenüber nicht ändern, solange nicht die letzte Instanz gesprochen habe. Hlinka wies ferner darauf hin, daß aller Wahrscheinlichkeit nach auch die im ständigen Ausschuß sitzenden Vertreter der slowakischen Volkspartei abberufen würden. Die bürgerliche Koalition habe mit dem heutigen Tag« aufgehört zu existieren. Er, Hlinka, habe sich bereits mit dem Gedanken befaßt, mit seiner Partei dem neuen Parlament überhaupt fernzu bleiben und einen ähnlichen Weg zu gehen, wie ihn seinerzeit Raditsch in Südslawien mit der Kroatischen Bauernpartei eingeschlagen habe.
Tschechisch-ungarische Grenzrevision.
Präsident Masaryk zum Nationalitäten- problem.
Budapest, 8. Okt. (TL.) ..Pesti Raplo" ver- öffentUcht ein Gespräch, das der Vizepräsident des ungarischen Sozialinstituts, Franz Rajnieh, mit dem Präsidenten der Tschechoslowakei, Ma -> s a r h k, über die Frage der Revision der ungarisch-tschechoslowakischen Grenze führte. Mascrrhk erklärte danach u. a.: „Ich bin auch heute ' bereit, über eine friedliche Revision zu verhandeln. Ein D onauabschnitt ist für uns eine unerläßliche Lebensnotwendigkeit. Pretzburg und das dortige von Ungarn bewohnte Gebiet ist daher für uns absolut notwendig. Dagegen kann über die Revision aller Gebiete verhandelt werden, auf welchen mehr als 50 v. H. Ungarn wohnen. Es kann auch von einer Revision der von anderen Rationalitäten bewohnten Gebieten gesprochen werden. Wohl würden auf beiden Seiten Rationalitäten bleiben, aber das hätte nur zur Folge, daß wir gegenseitig unsere Rationalitäten gut behandeln würden. Wir würden evtl, in Prag ein ungarisches Ministerportefeuille schaffen. Ich bin bereit, meinen ganzen Einfluß in dieser Richtung zur Geltung zu bringen, nicht aus ethisch-philosophischen Gründen, sondern wegen der gegenseitigen Interessen."
Oer Reichsinnenminister über das Volksbegehren.
Berlin, 9. Okt. Auf am tliche Veranlassung erfährt das Programm der Berliner Funk stunde heute, Mittwoch, den 9. Oktober. eine Veränderung. In der Zeit von 19 bis 19.25 Uhr spricht der Reichsminister des Innern, Severing, über „Das Volksbegehren". Der Vortrag wird von sämtlichen deutschen Sendern übernommen. Laut „Deutscher Allgem. Zeitung" ist der Vortrag des Reichsinnenministers Severing nur der erste in einer Reihe von sechs Vorträgen über das Volksbegehren, die von Vertretern der Reichsregie, rung und der preußischen Staatsregierung auf der Deutschen Welle gehalten
Die Reichsbahn unter dem Aoungplan.'
Kampf um den Einfluß der Reichsregierung.
Berlin. 8. Okt. (Priv.-Tel.) lieber die in einem Pariser OrganisationskornitS schwebenden Verhandlungen zur Durchführung des Poungplans hinsichtlich der Reichsbahn dringen nur außerordentlich [pärlid>e Mitteilungen an die Öffentlichkeit. Tatsächlich scheinen die Verhandlungen äußerst schwierig zu sein. Roch vor ihrem Beginn hat S tre fern a n n gelegentlich geäußert, „in der Reichsbahn müssen die staatlichen Rechte noch sehr ausgebaut werden. Sie muß volkswirtschaftlich so gestaltet werden, wie es den Interessen des Staates entspricht", und ähnliche Ansichten sind nicht nur von der Volkspartei, sondern auch von den Demokraten und aus anderen Parteilagern geäußert worden. In Paris scheint man aber auf der Gegenseite wenig bereit zu fein, gerade in dieser Richtuna Entgegenkommen zu zeigen. Gewisse Zugeständnisse hinsichtlich des Verwaltungsrates, dessen Präsident nach seiner Wahl durch den Der- waltungsrat noch der Bestätigung durch den Reichspräsidenten bedürfen soll, find zwar gemacht worden, aber jede direkte Vertretung der Reichsregierung ist bisher vor allem durch das energische Auftreten des französischen Eisenbahnkommissars Leveroe a b g e l e h n t wor
den. Die Situation toiri> nun noch erschwert dadurch, daß Reichsbahn und Reichsregierung gerade in diesen Punkten verschiedener Ansicht sind, Ueberhaupt zeigt sich, wie von unterrichteter Seite verlautet, daß die Gläubigervertreter bestrebt sind, alle Fragen über das neue Eisenbahnstatut und über etwaige finanzielle Reuregelungen selber mit zu entscheiden. Auch die Frage der Beförderungssteuer, die neben den 660 Millionen die Reichsbahn noch zu tragen hat, wollen die Gläubigervertreten schon jetzt in Paris entscheiden, während man auf deutscher Seite den Standpunkt vertritt, daß es sich hier um eine rein innerbeut» s ch e Angelegenheit handelt. Ein weiteres sehr schwieriges Derhandlungsobjekt, das auch schon in der innerdeutschen Diskussion eine große Rolle gespielt hat, ist die Stellung der Reichsbahn gegenüber dem Staate in sozialpolitischen Fragen und vor allem hinsichtlich des Schlichtungswesens. Hosien:l:ch wird die deutsche Oeffentlichkeit durch das Ergebnis der Pariser Verhandlungen nicht unangenehm überrascht werden.
Die WersuHuug des Sklmekskandals.
Berlin, 9. Okt. (Wolff.) Die Staatsanwalt- schäft hat im Laufe des Dienstag bei fünf Berliner Firmen im Zusammenhang mit der Angelegenheit Skläret Haussuchungen abgehalten. Der Dernehmungsrichter hat heute ebenfalls die Gebrüder Sklarek vernommen. Fast in allen Punkten widersprechen ihre Aussagen denen des Buchhalters Lehmann. Sie wollen von den Fälschungen nichts wissen. Lehmann hatte angegeben, daß die Brüder Skla- ret in den letzten Tagen vor der Verhaftung annähernd 7 5 0000 Mark beiseite schafften, um das Geld bei einer anderen Firma unterzubringen und es so dem Zugriff der Behörden zu entziehen. Der älntersuchungs- richter hat ungeordnet, daß die Brüder Sklarek nunmehr dem Buchhalter Lehmann gegen» übergestellt werden sollen. Auch die älnter- suchung über die Verbindung en derSklareks mit und zu Mitgliedern der städtischen Körperschaften und Gesellschaften werden vom Magistrat und vom Gericht fortgeführt. Die von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Bücher der Brüder Sklarek füllen ein ganzes Zimmer. Von den Beamten scheint der Bürgermeister des Bezirksamts Mitte Schneider bisher am meisten belastet, da er nach der „Voss. Ztg." wiederholt bewußt unwahre Darstellungen gegeben und der Wahrheit zuwider bis zuletzt erklärt hat, fein Kunde der Sklareks gewesen zu sein. In Wirklichkeit hat er feinste Garderobe zu niedrigen Preisen bezogen und ist wiederholt in öffentlichen Lokalen mit den Brüdern Sklarek zus ammengekommen.
Einem Mitarbeiter des „Berliner Tageblatts" antwortete Bürgermeister Scholz auf die Frage, welche Bewandtnis es mit der sog. Kundenliste der Sklareks habe: „lieber diese Liste weiß ich selbst noch nichts Authentisches. Wir haben bis heute noch nicht Gelegenheit gehabt, in die Bücher der Firma Sklarek Einsicht zu nehmen. Diese sog. Kundenlisten bedecken, wie uns die Staatsanwaltschaft mitteilt, die gesamten Wände eines großen Raumes." Im Hinblick auf die Information des Oberbürgermeisters Böß teilte Bürgermeister Scholz dem Mitarbeiter des „D. T." mit. er habe am Tage der Aufdeckung der Sklarekschen Verfehlungen ein Kabeltelegramm folgenden Inhalts an den Oberbürgermeister gesandt: „Kontoüberziehungen Sklareks aufgedeckt. Größerer Schaden wahrscheinlich. Untersuchung eingeleitet." — Darauf habe Oberbürgermeister Böß geantwortet: „Danke für Benachrichtigung Sklarek. Ersuche schärfstes Eingreifen."
Wie eine Berliner Korrespondenz meldet, wiederholte Leo Sklarek bei der Vernehmung vor dem Richter seine Behauptung, vorn kaufmännischen Geschäftsbetrieb der Firma fast überhaupt nichts gewußt zu haben. Rach der gleichen Quelle hat Mar Sklarek am Dienstag in seiner Eigenschaft als kaufmännischer Leiter des Unternehmens vor dem Vernehmungsrichter Bekundungen gemacht, durch die die Leiter der Berliner Stadtbank nicht unerheblich belastet werden. Diese sollen nach seinen Angaben völlig im Bilde
gewesen sein. Die Stadtbank habe in all den Jahren keine ernsthafte Prüfung der Rechnungen vorgenommen, sondern die Millionen auf der Grundlage des Monopolvertrages den Brüdern Sklarek, die sie genau kannte, gegeben. Auch über den Wert der Wechsel, die sie einreichten, sei sich die Stadtbank im Klaren gewesen. Eine Anfrage bei einem Auskunftsbureau hätte die Stadtbank z. B. darüber aufklären müssen, ob die Wechsel seines Verwandten Kleczewski auch nur irgend einen Wert hätten. Auf der Stadtbank habe man ihm immer gesagt, es handele sich letzten Endes doch nur um Formalitäten, die man nun einmal erfüllen müsse.
Oie Schulden der Sklareks.
Auch Heine Geschäftsleute und Handwerker geschädigt.
Berlin. 9. Oft. (Wolff.) Wie „Tempo" meldet. (teilen sich die Privatfchulden der Sklareks aus laufenden Geschäftsverbindlichkeiten nach vorläufiger Schätzung auf etwas mehr als eine Million Mark, aber in diesem Betrag sind die Wechselschulden der Brüder nicht berücksichtigt.. Einer der größten Gläubiger der Sklareks ist ein süddeutscher Schuhfabrikant, der runb 150 000 Mark zu fordern hat. Es folgt eine Berliner Firma mit etwa 120 000 Mark. Auch kleine Geschäftsleute und Handwerker mit Forderungen von 100 bis 1000 Mark sind unter den Sklarek-Gläubigem. Einschließlich des erschwindelten Zehnmillionenkredits wird „ die ®ecfung der Verbindlichkeiten der Gebrüder Sklarek auf 7 bis 8 Millionen Mark geschäht, doch muh berücksichtigt werden, daß eine Konkursmasse in der Regel nur stark unter dem Werte abzustoßen ist. Banknoten waren bisher noch immer nicht zu finden; man vermutet, dah sie, wenn nicht im Auslande, unter Deckn amen in Deutschland versteckt sind. Unter ihrem eigenen Ramen konnten die Sklareks im Inland« feine Bankkonten unterhalten, weil sie sich beim Abschluh des Vertrages mit der Stadt Berlin hatten verpflichten müssen, ihre gesamten Finanzgeschäfte durch die Stadtbank abzuwickeln.
Oie Kundenliste der Sklareks.
Berlin, 8. Okt. (WB.) Das Städtische Nachrichtenamt veröffentlicht heute die Sklarek- Kundenliste, die folgende Namen höherer Beamten und Angestellten enthüll: Stadtbaurat Dr. Adler, Stadtrat Benecke, Stadtrat Gäbel, Stadtschulrat Mydahl, Stadtrat Dr. Treitel, Bürgermeister Kohl, Bürgermeister Schneider, Stadtrat Gottschalk, Stadtrat Gütig, Stadtrat Radtke, Stadtrat Weber, Verwaltungsdirektor D y n o w , Verwaltungsdirektor S u ck e r , Direktor Brokat, Obermagistratsrat S ch a l l d a ch, Obermagistratsrat Dr. K u n o w f k,i, Stadtamtsrat S o - k o l o w f k y sowie die Herren Siebert und Heinrich von der B. A. G. Außerdem hatte ein Herr Böß jun. ein Konto.
und auf alle Sender des Reiches übernommen werden sollen.
Die Jank für internationale Zahlungen.
DasOrganifatwnskomitee in Baden-Baden.
Baden-Baden, 8. Oft. (TU.) Die Verhandlungen des Organisations-Ausschusses der Dank für internationalen Zahlungsausgleich haben, wie erklärt wird, in den Sitzungen am heutigen Dienstag gute Fortschritte gemacht. Das Kapitel I der Satzungen, das im wesentlichen das Grundkapital behandelt, ist in erster Lesung abgeschlossen. Man ist sodann dazu übergegangen, die „Einlagen" zu behandeln. Hier hat man sich ziemlich streng an die Richtlinien gehalten, in denen bekanntlich bereits eine Klassifizierung der Einlagen, die die Dank entgegenzunehmen das Recht haben soll, vorgenommen worden ist. Dei Behandlung dieser Frage entsteht bereits die Schwierigkeit, dah ein Wettbewerb der Bank mit bereits bestehenden Einrichtungen soweit als möglich ausgeschaltet werden soll. Einerseits wird erklärt, dah man sich diese Auf- gäbe immer vor Augen halte und bemüht sei, Kautelen zu schaffen, die einen derartigen Wettbewerb ausschalten. Auf der anderen Seite wird jedoch zugegeben, daß eine völlige Ausschaltung jeglichen Wettbewerbes unmöglich fei, es sei denn, man wolle die Bank auf eine ihrer Hauptaufgaben als Treuhänder für die Verteilung der deutschen Reparationszahlungen zu wirken, beschränken. Denn über diese Aufgabe hinaus gibt es praktisch keine • Danktätigkeit, deren Ausübung sich nicht durch
eine bereits bestehende Einrichtung erledigen ließe. Es entsteht höchstens die weitere Frage, ob nicht gewisse Kreditoperationen sich durch die äu gründende Dank einfacher und erfolgreicher durchführen lassen, als lediglich durch eine jeit- weilige Zusammenarbeit bereits bestehender Einrichtungen. Zugegeben wird, daß die Dank, da sie kein Rotenprivileg erhält, nicht in der Lage ist, zusätzlichen Kredit zu schaffen, sondern, sich daraus beschränken müsse, sich in die Kreditverteilung einx.uschalten. Iedenfalls will man verhindern, daß durch die Zusammenarbeit der Rotenbanken in der Internationalen Bank für letztere ein Privileg geschaffen wird, das die anderen Rotenbanken auch nicht haben. Von einer ilebereinftimmung der Meinungen der einzelnen Abordnungen auf diesem Gebiete scheint man noch reichlich weit entfernt zu fein.
Die Reichsanleihe des schwedischen Zündholzirusts.
Berlin, 9. Okt. (Pr.-Tel.) Der „Berliner Börsen- courier" meldet: Der schwedische Zündholzinduftrielle Ivar Kreuzer trifft in diesen Tagen in Berlin ein, um die A n l e i h e v e r h a n d l u n a e n mit der Reichsregierung fortzufetzen. Man weist darauf hin, daß von einem Verkauf des Zündholzmonopols an Schweden keineswegs die Rede ist, sondern daß es sich lediglich um Öen 21 u 5 b a u einer bestehenden gesetzlichen Regelung zum Schutz der deutschen Zündholzproduktion gegen eine Schleuderkonkurrenz handelt. Die Aufsicht des Reichswirtschaftsministeriums über die Kleinverkaufspreise würde in vollem Umfange bestehen bleiben.
Aus aller Welk.
Die sozialen Folgen der Großbankenfusion.
Im Reichsarbeitsministerium sand unter Vorsitz des Ministerialrates Dr. Beisiegel eine Verhandlung der Angestelltenvertreter über die Folgen der Bankenfusion statt. Dabei stellten die Angestelltenoerbände die Forderung auf, das ArbeitsMinisterium möge dahin intervenieren, daß der übereilte Abbau von Ange st eilten, ehe noch die Auswirkungen der Fusion sich über- sehen ließen, verhindert werde. Sie beantragten, daß darüber hinaus eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 42 Stunden wöchentlich und für Buchungsmaschinenpersonal auf sechs Stunden pro Tag in Aussicht genommen werde, bevor weitere Kündigungen vorgenommen würden. Ueberarbeit dürfe infolge der Fusion nicht geduldet werden. Darüber hinaus sei durch Gewährung eines Abkehrgeldes an alle sich freiwillig zum Abbau Meldenden, speziell für die jüngeren Kräfte, der Anreiz für das Verlassen dec Bankkarriere zu schaffen. Ueber 50 Jahre alten Arbeitskräfte sollten nur mit einer auskömmlichen Pension genötigt werden, den Betrieb zu ver- lassen. Neueinstellungen während des Fusionsprozesses dürften nur in Frage kommen, wenn vorher alle Wartegeldempfänger wieder eingestellt seien.
Verzweiflungstat im Reichsentschüdigungsamt.
Eine aufregende Szene spielte sich im Reic-S- entschädigungsamt in der Rheinstraße in Frie- genau ab. Dori war ein Auslanddeutscher von den Beamten mit seinen Ansprüchen abgewiesen worden. Der Betreffend« zog einen Revolver und brachte sich damit einen Schuh in den Kopf bei. Es handelt sich um den 46 Iahre alten Bäckermeister Wilhelm Krümmel aus Bad Wildungen, dem eine Entschädigung durch das Reichsentschädigungsamt in Höhe von insgesamt 34 758 Mk. zu gebi l- l i g t worden ist. Davon sind 23 100 Mark in Reichsschuldbuchforderungen gewährt worden. Krümmel hatte auf das Rechtsmittel der Beschwerde verzichtet; die Abfindung war also endgültig. Seine heutige mündliche Anfrage im Reichsentschädigungsamt nach weiteren Zuwendungen muhte daher verneint werden. Hierauf verließ Krümmel ohne sichtbare Erregung das Dienstzimmer. Erst nach einiger Zeit wurde er im Toilettenraum des Reichsentschädigungsamtes mit einem Kopfschuh aufgefunden. Der noch Lebende wurde in ein Krankenhaus gebracht. Im Entschädigungsverfahren hat Krümmel alles erhalten, was ihm nach den gesetzlichen Bestimmungen zustand.
Der Schmuck des französischen Botschafters gefunden.
Zu dem Juwelendiebstahl in der französischen Botschaft in Berlin wird mitgeteilt, daß die gesamten Schmucksachen auf demPodest einer Treppe im Botschaftsgebäude gefunden wurden. Die Treppe führte vom Hof zu den Räumlichkeiten der Angestellten, so daß man annimmt, daß ein auswärtiger Einbrecher nicht in Frage kommen dürfte. Von den Schmucksachen fehlt kein einziges Stück.
Lei einem Einbruchsversuch tödlich verunglückt.
In einem Haufe im Norden Berlins beobachtete ein Hausbewohner einen Mann, der von dem hof- wärts gelegenen Flurfenster des dritten Stockwerkes auf einen anschließenden Balkon hinüberkletterte und in die dortige Wohnung eindrang. Als der Hausbewohner unb. die von einer Besorgung zurückkehrende Inhaberin dos Balkonzimmer betraten, flüchtete der Eindringling auf den Balkon unb sprang in den H o f hinab. Er wurde so schwer verletzt, daß er auf dem Transport ins Krankenhaus starb. Bei dem noch unbekannten 24jährigen Manne wurden DietricheundEin- bruchswerkzeuge vorgefunden.
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Wettervoraussage.
Der gestern über England gelegene Wirbel hat sich ostwärts nach Dänemark bewegt und dabei erneut unbeständiges Wetter mit Niederschlägen verursacht. Sehr rasch dringt an seiner Rückseite kühle maritime Luft vor, die bereits das Festland erreicht hat unb zunächst unter Abkühlung zu weiter unbeständigem Wetter führen wird. Einzelne Schauer treten dabei noch auf. Da jedoch gleichzeitig kräftiger Druckanstieg damit verbunden ist, so wird sich späte.- der Witterungscharakter ruhiger gestatten und 1. hr auffjei- terndes Wetter eintreten.
Wettervoraussage für Donnerstag: Nach anfänglich noch unbeständigem Wetter mit einzelnen Regenschauern später ruhiger und mehr aus- heiternd, kühler.
Lufttemperaturen am 8. Oktober: mittags 14,1 Grad Celsius, abends "1,9 Grad: am 9. Oktober: morgens 11,7 Grad. Maximum 14,2 Grad, Minimum 10,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 8. Oktober: abends 12,1 Grad; am 9. Oktober: morgens 11,4 Grad Celsius. — Niederschlag 4,7 mm. — Sonnenscheindauer % Stunden.


