Ausgabe 
9.10.1929
 
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hm ausgedrängt. Der Zeuge kann keinen der Angeklagten als Tater erkennen. Zwei, die ihn geschlagen hätten, habe er im Gedächtnis, sie seien aber nicht unter den Angeklagten.

Der Opernsänger Szerpatiebiz machte Ausführungen über die Bedrohung des polni­schen Generalkonsuls, der der Opernausführung beiwohnte. Er selbst habe sich nach Verlassen des Theaters unter die johlende Menge gemischt und getan, als ob er Deutscher sei. 2lls er unterwegs einer polnischen Dame habe helfen wollen, sei ihm zugerufen worden: Raus aus Deutschland. Er habe auch zwei Hiebe mit einem Knüppel erhalten. Der Verteidiger Dr. Kluge wirs darauf hin, daß dieser Zeuge als einziger bekundete, daß ein Reichswehrhaupt mann eine Dame getreten und zu ihr gesagt habe: Raus du polnisches Schwein. Er, der Vertei­diger, halte diese Bekundung des Zeugen für ungeheuerlich und durch nichts er­wiesen. Der Staatsanwalt erklärte hierauf, daß er seinerseits in der Lage sei, diese Aus­sage des Zeugen zu widerlegen, er halte es aber nicht für angebracht, schon jetzt auf die Glaubwürdigkeit des Zeugen einzugehen. Der 74jährige Musiker Dirgilius bekundet, daß er nur durch seinen weihen Kopf vor Schlä­gen bewahrt wurde. Er sei angespuckt und die Treppe hinuntergestohen worden. Die Zeugin Frau Soli ch bekundet, dah sie von einem Gymnasiasten, der von einer Frau an» gefeuert wurde, getreten worden sei. Die Aus­sage der Zeugin wird widerlegt, zumal da sich ihre Angabe über die Farbe des Anzugs des vermeintlichen Täters als irrig herausstellt. Bahnarzt Dr. Wolf wurde aus Anforderung des Bahnhofsvorstehers an dem fraglichen Sonn­tag auf den Bahnhof gerufen. Er stellt ausdrück­lich fest, dah er niemand auf dem Bahn­steig habe liegen sehen. Alle Verletzten seien schließlich in einem Raum versammelt ge­wesen. Seine Aufgabe habe lediglich darin be­standen, bis zur Abfahrt des Zuges festzu­stellen, ob Leute derart ältliche Hilfe benötigten, dah sie in Oppeln verbleiben mühten. Das war aber bei niemand der Fall. Dor Abfahrt des Zuges sei er noch aus dem Wartesaal, in den er sich bereits wieder begeben hatte, zu einer Dame gerufen worden, bei der er eine Art nervösen Zusammenbruchs fest­gestellt habe. Diese Dame hätte er gern in Oppeln behalten, dies wurde aber von allen strikt abgelehnt.

Folgen des Tuka-Prozeffes.

Austritt der slowakischen Minister aus der Prager Negierung.

Prag, 8. Okt. (Tel.-Un.) Die Verhandlungen, die am Dienstag zwischen dem Ministerpräsidenten Udrzal und den Führern der slowalischen Bauern­partei Hlinka und Minister Tiso über die Hal­tung der slowakischen Volkspartei in und nach dem Tuka-Prozeh stattfanden, endeten mit dem Aus­tritt des Ministers für Gesundheitswesen und Körpererziehung Dr. T i s o und des Ministers für Gesetzangleichung Dr. L a b a y aus dem Kabinett. Der Präsident der Republik hat den Fürsorgemini­ster Dr. Schrämet und den Schulminister Dr. S t e f a n e k mit der Verwaltung der beiden Mini­sterien betraut.

In den Wandelgängen des Abgeordnetenhauses äußerte sich Pater Hlinka über die allgemeine Lage. Er machte aus seiner Erbitterung über das Urteil im Tuka-Prozeß keinen Hehl und teilte mit, daß die Aufstellung Tukas als Spitzen­kandidat im Kafchauer Wahlkreis nicht wi­derrufen werde. Die slowakische Volkspartei sei hinsichtlich ihrer Kandidatenliste vollständig u n - abhängig. Die Partei werde ihre Haltung Tuka gegenüber nicht ändern, solange nicht die letzte In­stanz gesprochen habe. Hlinka wies ferner darauf hin, daß aller Wahrscheinlichkeit nach auch die im ständigen Ausschuß sitzenden Vertreter der slowa­kischen Volkspartei abberufen würden. Die bürgerliche Koalition habe mit dem heutigen Tag« aufgehört zu existieren. Er, Hlinka, habe sich be­reits mit dem Gedanken befaßt, mit seiner Partei dem neuen Parlament überhaupt fernzu bleiben und einen ähnlichen Weg zu gehen, wie ihn seinerzeit Raditsch in Südslawien mit der Kroatischen Bauernpartei eingeschlagen habe.

Tschechisch-ungarische Grenzrevision.

Präsident Masaryk zum Nationalitäten- problem.

Budapest, 8. Okt. (TL.) ..Pesti Raplo" ver- öffentUcht ein Gespräch, das der Vizepräsident des ungarischen Sozialinstituts, Franz Rajnieh, mit dem Präsidenten der Tschechoslowakei, Ma -> s a r h k, über die Frage der Revision der ungarisch-tschechoslowakischen Grenze führte. Mascrrhk erklärte danach u. a.: Ich bin auch heute ' bereit, über eine friedliche Revision zu verhandeln. Ein D onauabschnitt ist für uns eine unerläßliche Lebens­notwendigkeit. Pretzburg und das dortige von Ungarn bewohnte Gebiet ist daher für uns absolut notwendig. Dagegen kann über die Re­vision aller Gebiete verhandelt werden, auf wel­chen mehr als 50 v. H. Ungarn wohnen. Es kann auch von einer Revision der von an­deren Rationalitäten bewohnten Gebieten ge­sprochen werden. Wohl würden auf beiden Seiten Rationalitäten bleiben, aber das hätte nur zur Folge, daß wir gegenseitig unsere Ra­tionalitäten gut behandeln würden. Wir würden evtl, in Prag ein ungarisches Ministerportefeuille schaffen. Ich bin bereit, meinen ganzen Einfluß in dieser Richtung zur Geltung zu bringen, nicht aus ethisch-philo­sophischen Gründen, sondern wegen der gegen­seitigen Interessen."

Oer Reichsinnenminister über das Volksbegehren.

Berlin, 9. Okt. Auf am tliche Ver­anlassung erfährt das Programm der Ber­liner Funk stunde heute, Mittwoch, den 9. Ok­tober. eine Veränderung. In der Zeit von 19 bis 19.25 Uhr spricht der Reichsminister des Innern, Severing, überDas Volksbegeh­ren". Der Vortrag wird von sämtlichen deutschen Sendern übernommen. LautDeutscher Allgem. Zeitung" ist der Vortrag des Reichsinnenmini­sters Severing nur der erste in einer Reihe von sechs Vorträgen über das Volksbegehren, die von Vertretern der Reichsregie, rung und der preußischen Staats­regierung auf der Deutschen Welle gehalten

Die Reichsbahn unter dem Aoungplan.'

Kampf um den Einfluß der Reichsregierung.

Berlin. 8. Okt. (Priv.-Tel.) lieber die in einem Pariser OrganisationskornitS schwebenden Verhand­lungen zur Durchführung des Poungplans hinsicht­lich der Reichsbahn dringen nur außerordentlich [pärlid>e Mitteilungen an die Öffentlichkeit. Tat­sächlich scheinen die Verhandlungen äußerst schwie­rig zu sein. Roch vor ihrem Beginn hat S tre fe­rn a n n gelegentlich geäußert,in der Reichsbahn müssen die staatlichen Rechte noch sehr ausgebaut werden. Sie muß volkswirtschaftlich so gestaltet werden, wie es den Interessen des Staates entspricht", und ähnliche Ansichten sind nicht nur von der Volkspartei, sondern auch von den Demokraten und aus anderen Parteilagern ge­äußert worden. In Paris scheint man aber auf der Gegenseite wenig bereit zu fein, gerade in die­ser Richtuna Entgegenkommen zu zeigen. Gewisse Zugeständnisse hinsichtlich des Verwaltungsrates, dessen Präsident nach seiner Wahl durch den Der- waltungsrat noch der Bestätigung durch den Reichs­präsidenten bedürfen soll, find zwar gemacht wor­den, aber jede direkte Vertretung der Reichsregierung ist bisher vor allem durch das energische Auftreten des französischen Eisenbahnkommissars Leveroe a b g e l e h n t wor­

den. Die Situation toiri> nun noch erschwert da­durch, daß Reichsbahn und Reichsregierung ge­rade in diesen Punkten verschiedener An­sicht sind, Ueberhaupt zeigt sich, wie von unter­richteter Seite verlautet, daß die Gläubigerver­treter bestrebt sind, alle Fragen über das neue Eisenbahnstatut und über etwaige finanzielle Reuregelungen selber mit zu entscheiden. Auch die Frage der Beförderungssteuer, die neben den 660 Millionen die Reichsbahn noch zu tragen hat, wollen die Gläubigervertreten schon jetzt in Paris entscheiden, während man auf deutscher Seite den Standpunkt vertritt, daß es sich hier um eine rein innerbeut» s ch e Angelegenheit handelt. Ein weiteres sehr schwieriges Derhandlungsobjekt, das auch schon in der innerdeutschen Diskussion eine große Rolle gespielt hat, ist die Stellung der Reichs­bahn gegenüber dem Staate in sozialpoli­tischen Fragen und vor allem hinsichtlich des Schlichtungswesens. Hosien:l:ch wird die deutsche Oeffentlichkeit durch das Ergebnis der Pariser Verhandlungen nicht unangenehm überrascht werden.

Die WersuHuug des Sklmekskandals.

Berlin, 9. Okt. (Wolff.) Die Staatsanwalt- schäft hat im Laufe des Dienstag bei fünf Ber­liner Firmen im Zusammenhang mit der An­gelegenheit Skläret Haussuchungen abge­halten. Der Dernehmungsrichter hat heute eben­falls die Gebrüder Sklarek vernommen. Fast in allen Punkten widersprechen ihre Aussagen denen des Buchhalters Lehmann. Sie wollen von den Fälschungen nichts wissen. Lehmann hatte angegeben, daß die Brüder Skla- ret in den letzten Tagen vor der Verhaftung annähernd 7 5 0000 Mark beiseite schafften, um das Geld bei einer anderen Firma unterzubringen und es so dem Zugriff der Behörden zu entziehen. Der älntersuchungs- richter hat ungeordnet, daß die Brüder Sklarek nunmehr dem Buchhalter Lehmann gegen» übergestellt werden sollen. Auch die älnter- suchung über die Verbindung en derSklareks mit und zu Mitgliedern der städtischen Körperschaften und Gesellschaften werden vom Magistrat und vom Gericht fortgeführt. Die von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Bücher der Brüder Sklarek füllen ein ganzes Zimmer. Von den Beamten scheint der Bürger­meister des Bezirksamts Mitte Schneider bis­her am meisten belastet, da er nach derVoss. Ztg." wiederholt bewußt unwahre Darstellungen gegeben und der Wahr­heit zuwider bis zuletzt erklärt hat, fein Kunde der Sklareks gewesen zu sein. In Wirklichkeit hat er feinste Garderobe zu niedrigen Preisen bezogen und ist wiederholt in öffentlichen Lokalen mit den Brüdern Sklarek zus ammengekommen.

Einem Mitarbeiter desBerliner Tageblatts" antwortete Bürgermeister Scholz auf die Frage, welche Bewandtnis es mit der sog. Kunden­liste der Sklareks habe:lieber diese Liste weiß ich selbst noch nichts Authentisches. Wir haben bis heute noch nicht Gelegenheit gehabt, in die Bücher der Firma Sklarek Einsicht zu nehmen. Diese sog. Kundenlisten bedecken, wie uns die Staatsanwaltschaft mitteilt, die gesamten Wände eines großen Raumes." Im Hinblick auf die Information des Oberbürgermei­sters Böß teilte Bürgermeister Scholz dem Mitarbeiter desD. T." mit. er habe am Tage der Aufdeckung der Sklarekschen Verfehlungen ein Kabeltelegramm folgenden Inhalts an den Oberbürgermeister gesandt:Kontoüberzie­hungen Sklareks aufgedeckt. Größerer Schaden wahrscheinlich. Untersuchung eingeleitet." Dar­auf habe Oberbürgermeister Böß geantwortet: Danke für Benachrichtigung Skla­rek. Ersuche schärfstes Eingreifen."

Wie eine Berliner Korrespondenz meldet, wieder­holte Leo Sklarek bei der Vernehmung vor dem Richter seine Behauptung, vorn kaufmännischen Ge­schäftsbetrieb der Firma fast überhaupt nichts ge­wußt zu haben. Rach der gleichen Quelle hat Mar Sklarek am Dienstag in seiner Eigenschaft als kauf­männischer Leiter des Unternehmens vor dem Ver­nehmungsrichter Bekundungen gemacht, durch die die Leiter der Berliner Stadtbank nicht unerheblich belastet werden. Diese sollen nach seinen Angaben völlig im Bilde

gewesen sein. Die Stadtbank habe in all den Jahren keine ernsthafte Prüfung der Rechnungen vorgenommen, sondern die Millio­nen auf der Grundlage des Monopolvertrages den Brüdern Sklarek, die sie genau kannte, gegeben. Auch über den Wert der Wechsel, die sie einreichten, sei sich die Stadtbank im Klaren gewesen. Eine An­frage bei einem Auskunftsbureau hätte die Stadt­bank z. B. darüber aufklären müssen, ob die Wech­sel seines Verwandten Kleczewski auch nur irgend einen Wert hätten. Auf der Stadtbank habe man ihm immer gesagt, es handele sich letzten Endes doch nur um Formalitäten, die man nun einmal erfüllen müsse.

Oie Schulden der Sklareks.

Auch Heine Geschäftsleute und Handwerker geschädigt.

Berlin. 9. Oft. (Wolff.) WieTempo" mel­det. (teilen sich die Privatfchulden der Sklareks aus laufenden Geschäftsverbindlich­keiten nach vorläufiger Schätzung auf etwas mehr als eine Million Mark, aber in diesem Betrag sind die Wechselschulden der Brüder nicht berücksichtigt.. Einer der größten Gläubiger der Sklareks ist ein süd­deutscher Schuhfabrikant, der runb 150 000 Mark zu fordern hat. Es folgt eine Berliner Firma mit etwa 120 000 Mark. Auch kleine Ge­schäftsleute und Handwerker mit Forderungen von 100 bis 1000 Mark sind unter den Sklarek-Gläubigem. Einschließlich des er­schwindelten Zehnmillionenkredits wird die ®ecfung der Verbindlichkeiten der Gebrüder Sklarek auf 7 bis 8 Millionen Mark geschäht, doch muh berücksichtigt werden, daß eine Kon­kursmasse in der Regel nur stark unter dem Werte abzustoßen ist. Banknoten waren bisher noch immer nicht zu finden; man vermutet, dah sie, wenn nicht im Auslande, unter Deckn amen in Deutschland versteckt sind. Unter ihrem eigenen Ramen konnten die Sklareks im Inland« feine Bankkonten unter­halten, weil sie sich beim Abschluh des Ver­trages mit der Stadt Berlin hatten verpflich­ten müssen, ihre gesamten Finanzgeschäfte durch die Stadtbank abzuwickeln.

Oie Kundenliste der Sklareks.

Berlin, 8. Okt. (WB.) Das Städtische Nachrichtenamt veröffentlicht heute die Sklarek- Kundenliste, die folgende Namen höherer Beamten und Angestellten enthüll: Stadtbaurat Dr. Adler, Stadtrat Benecke, Stadtrat Gäbel, Stadtschul­rat Mydahl, Stadtrat Dr. Treitel, Bürger­meister Kohl, Bürgermeister Schneider, Stadt­rat Gottschalk, Stadtrat Gütig, Stadtrat Radtke, Stadtrat Weber, Verwaltungsdirektor D y n o w , Verwaltungsdirektor S u ck e r , Direktor Brokat, Obermagistratsrat S ch a l l d a ch, Ober­magistratsrat Dr. K u n o w f k,i, Stadtamtsrat S o - k o l o w f k y sowie die Herren Siebert und Heinrich von der B. A. G. Außerdem hatte ein Herr Böß jun. ein Konto.

und auf alle Sender des Reiches übernommen werden sollen.

Die Jank für internationale Zahlungen.

DasOrganifatwnskomitee in Baden-Baden.

Baden-Baden, 8. Oft. (TU.) Die Ver­handlungen des Organisations-Ausschusses der Dank für internationalen Zahlungsausgleich ha­ben, wie erklärt wird, in den Sitzungen am heutigen Dienstag gute Fortschritte ge­macht. Das Kapitel I der Satzungen, das im wesentlichen das Grundkapital behandelt, ist in erster Lesung abgeschlossen. Man ist sodann dazu übergegangen, dieEinlagen" zu behan­deln. Hier hat man sich ziemlich streng an die Richtlinien gehalten, in denen bekanntlich bereits eine Klassifizierung der Einlagen, die die Dank entgegenzunehmen das Recht haben soll, vorgenommen worden ist. Dei Behandlung dieser Frage entsteht bereits die Schwierigkeit, dah ein Wettbewerb der Bank mit be­reits bestehenden Einrichtungen so­weit als möglich ausgeschaltet werden soll. Einerseits wird erklärt, dah man sich diese Auf- gäbe immer vor Augen halte und bemüht sei, Kautelen zu schaffen, die einen derartigen Wett­bewerb ausschalten. Auf der anderen Seite wird jedoch zugegeben, daß eine völlige Ausschaltung jeglichen Wettbewerbes unmöglich fei, es sei denn, man wolle die Bank auf eine ihrer Haupt­aufgaben als Treuhänder für die Ver­teilung der deutschen Reparations­zahlungen zu wirken, beschränken. Denn über diese Aufgabe hinaus gibt es praktisch keine Danktätigkeit, deren Ausübung sich nicht durch

eine bereits bestehende Einrichtung erledigen ließe. Es entsteht höchstens die weitere Frage, ob nicht gewisse Kreditoperationen sich durch die äu gründende Dank einfacher und erfolgreicher durchführen lassen, als lediglich durch eine jeit- weilige Zusammenarbeit bereits bestehender Ein­richtungen. Zugegeben wird, daß die Dank, da sie kein Rotenprivileg erhält, nicht in der Lage ist, zusätzlichen Kredit zu schaffen, sondern, sich daraus beschränken müsse, sich in die Kreditverteilung einx.uschalten. Iedenfalls will man verhindern, daß durch die Zusammenarbeit der Rotenbanken in der Inter­nationalen Bank für letztere ein Privileg ge­schaffen wird, das die anderen Rotenbanken auch nicht haben. Von einer ilebereinftimmung der Meinungen der einzelnen Abordnungen auf diesem Gebiete scheint man noch reichlich weit entfernt zu fein.

Die Reichsanleihe des schwedischen Zündholzirusts.

Berlin, 9. Okt. (Pr.-Tel.) DerBerliner Börsen- courier" meldet: Der schwedische Zündholzinduftrielle Ivar Kreuzer trifft in diesen Tagen in Berlin ein, um die A n l e i h e v e r h a n d l u n a e n mit der Reichsregierung fortzufetzen. Man weist darauf hin, daß von einem Verkauf des Zündholzmonopols an Schweden kei­neswegs die Rede ist, sondern daß es sich lediglich um Öen 21 u 5 b a u einer bestehenden gesetz­lichen Regelung zum Schutz der deutschen Zündholzproduktion gegen eine Schleuderkonkurrenz handelt. Die Aufsicht des Reichswirtschaftsministeriums über die Klein­verkaufspreise würde in vollem Umfange bestehen bleiben.

Aus aller Welk.

Die sozialen Folgen der Großbankenfusion.

Im Reichsarbeitsministerium sand unter Vorsitz des Ministerialrates Dr. Beisiegel eine Verhand­lung der Angestelltenvertreter über die Folgen der Bankenfusion statt. Dabei stellten die Angestelltenoerbände die Forderung auf, das ArbeitsMinisterium möge dahin intervenieren, daß der übereilte Abbau von Ange st eilten, ehe noch die Auswirkungen der Fusion sich über- sehen ließen, verhindert werde. Sie beantrag­ten, daß darüber hinaus eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 42 Stunden wöchentlich und für Buchungsmaschinenpersonal auf sechs Stunden pro Tag in Aussicht genommen werde, bevor weitere Kündigungen vorgenommen würden. Ueberarbeit dürfe infolge der Fusion nicht geduldet werden. Darüber hinaus sei durch Ge­währung eines Abkehrgeldes an alle sich freiwillig zum Abbau Meldenden, speziell für die jüngeren Kräfte, der Anreiz für das Verlassen dec Bankkarriere zu schaffen. Ueber 50 Jahre alten Arbeitskräfte sollten nur mit einer auskömmlichen Pension genötigt werden, den Betrieb zu ver- lassen. Neueinstellungen während des Fusionspro­zesses dürften nur in Frage kommen, wenn vorher alle Wartegeldempfänger wieder eingestellt seien.

Verzweiflungstat im Reichsentschüdigungsamt.

Eine aufregende Szene spielte sich im Reic-S- entschädigungsamt in der Rheinstraße in Frie- genau ab. Dori war ein Auslanddeutscher von den Beamten mit seinen Ansprüchen ab­gewiesen worden. Der Betreffend« zog einen Revolver und brachte sich damit einen Schuh in den Kopf bei. Es handelt sich um den 46 Iahre alten Bäckermeister Wilhelm Krüm­mel aus Bad Wildungen, dem eine Ent­schädigung durch das Reichsentschädigungsamt in Höhe von insgesamt 34 758 Mk. zu gebi l- l i g t worden ist. Davon sind 23 100 Mark in Reichsschuldbuchforderungen gewährt worden. Krümmel hatte auf das Rechtsmittel der Be­schwerde verzichtet; die Abfindung war also endgültig. Seine heutige mündliche Anfrage im Reichsentschädigungsamt nach weiteren Zuwendungen muhte daher verneint werden. Hierauf verließ Krümmel ohne sichtbare Erregung das Dienstzimmer. Erst nach einiger Zeit wurde er im Toilettenraum des Reichsent­schädigungsamtes mit einem Kopfschuh aufgefunden. Der noch Lebende wurde in ein Krankenhaus gebracht. Im Entschädigungs­verfahren hat Krümmel alles erhalten, was ihm nach den gesetzlichen Bestimmungen zustand.

Der Schmuck des französischen Botschafters gefunden.

Zu dem Juwelendiebstahl in der französischen Botschaft in Berlin wird mitgeteilt, daß die gesam­ten Schmucksachen auf demPodest einer Treppe im Botschaftsgebäude gefunden wur­den. Die Treppe führte vom Hof zu den Räumlich­keiten der Angestellten, so daß man annimmt, daß ein auswärtiger Einbrecher nicht in Frage kommen dürfte. Von den Schmucksachen fehlt kein einziges Stück.

Lei einem Einbruchsversuch tödlich verunglückt.

In einem Haufe im Norden Berlins beobachtete ein Hausbewohner einen Mann, der von dem hof- wärts gelegenen Flurfenster des dritten Stockwerkes auf einen anschließenden Balkon hinüberkletterte und in die dortige Wohnung eindrang. Als der Hausbewohner unb. die von einer Besorgung zu­rückkehrende Inhaberin dos Balkonzimmer betraten, flüchtete der Eindringling auf den Balkon unb sprang in den H o f hinab. Er wurde so schwer verletzt, daß er auf dem Transport ins Krankenhaus starb. Bei dem noch unbekannten 24jährigen Manne wurden DietricheundEin- bruchswerkzeuge vorgefunden.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der gestern über England gelegene Wirbel hat sich ostwärts nach Dänemark bewegt und dabei erneut unbeständiges Wetter mit Niederschlägen verursacht. Sehr rasch dringt an seiner Rückseite kühle maritime Luft vor, die bereits das Festland erreicht hat unb zunächst unter Abkühlung zu weiter unbeständigem Wetter führen wird. Einzelne Schauer treten dabei noch auf. Da jedoch gleichzeitig kräftiger Druckanstieg damit verbunden ist, so wird sich späte.- der Witte­rungscharakter ruhiger gestatten und 1. hr auffjei- terndes Wetter eintreten.

Wettervoraussage für Donnerstag: Nach anfänglich noch unbeständigem Wetter mit ein­zelnen Regenschauern später ruhiger und mehr aus- heiternd, kühler.

Lufttemperaturen am 8. Oktober: mittags 14,1 Grad Celsius, abends "1,9 Grad: am 9. Oktober: morgens 11,7 Grad. Maximum 14,2 Grad, Mini­mum 10,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 8. Oktober: abends 12,1 Grad; am 9. Okto­ber: morgens 11,4 Grad Celsius. Niederschlag 4,7 mm. Sonnenscheindauer % Stunden.