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Lebenshaltung.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Gerade dieser Grundsatz muhte bekanntlich im Dezember des vergangenen Iahres dem Generalagenten Parker Gilbert vorgehalten werden, der feststellen zu können glaubte, dah Deutschlands Wohlstand in einem Mähe zugenommen habe, das zu einer Fortführung des Dawesplanes alle Veranlassung gäbe. Dabei hatte sich Parker Gilbert, gewohnt, die Reihen der Statistiken zu überfliegen, von den glänzenden Fassaden und den hos^n Zahlen täuschen lassen, die rm Grunde genommen eben nur für ganz kleine Teile Deutschlands maßgebend sind, während die Lebenshaltung der Massen des deutschen Volkes immer noch außerordentlich ungünstig ist. Ohne Frage ist seit der Inflation eine Stabilisierung der Verhältnisse eingetreten, doch darf man dabet nicht vergessen, dah im Iahre 1924 völlig anormale Verhältnisse vorlagen und dah der heutige Stand höchstens 75 Proz. des Vorkriegsstandes erreicht hat.
Die Statistiker bedienen sich zur Feststellung eines Llrtcils über die Lebenshaltung vor allem des Verbrauches an Genuhmitteln. Da der Reparationsagent in Anbetracht der Tatsache, dah die Erträge aus den Verbrauchsabgaben für Branntwein, Bier, Tabak und Zucker für die deutschen Zahlungsverpflichtungen verpfändet sind, die Bewegungen im Verbrauch dieser Genußmittel in seinen Statistiken verfolgt, kann man sich auch dieser Zahlen bedienen. Run geht daraus hervor, dah der Verbrauch dieser Genuhmittel zugenommen hat. Die Zunahme steht aber in keinem Verhältnis zur Vorkriegszeit. Rur der Z u ck e r wird heute in gröberen Mengen verwendet als vor dem Kriege, was aber darauf zurückzuführen ist, dah die Ernährungsmethoden andere geworden sind. Während im Jahre 1913/14 rund 19 Kilogramm auf den Kopf der Bevölkerung kamen, beträgt für das Jahr 1927/28 die entsprechende Zahl 23 Kilogramm. Auch der T a b a k v e r b r a u ch hat den Vorkriegsstand überschritten, denn während im Jahre 1912/13 1,7 Kilogramm auf den Kopf der Bevölkerung kamen, sind im Jahre 1927/28 2 Kilogramm berechnet worden. Dies liegt zum großen Teil daran, daß jetzt auch die weibliche Bevölkerung nicht mehr ohne obligater Zigarette leben kann, und daß im übrigen heute durch die anderen Lebensgewohnheiten mehr geraucht wird. Dagegen hat der Bierverbrauch erst 81 Proz. • der Vorkriegszeit erreicht. Im Jahre 1913/14 kamen 102- Liter Bier auf den Kopf der Bevölkerung, und im Jahre 1927/28 nur 83 Liter. Einen ganz erfreulichen Rückgang hat der Branntweinverbrauch zu verzeich- nen, der heute nur noch 50 Proz. des Verbrauches vor dem Kriege beträgt. Im Jahre 1912/13 trank jeder Deutsche durchschnittlich 2,8 Liter, während er im Jahre 1927/28 nur 1,4 Liter trank.
Selbstverständlich wäre es verfehlt, allem aus diesen Zahlen Schlüsse über den Wohlstand der deutschen Bevölkerung zu ziehen. Man muh nämlich berücksichtigen, daß die Lebenshaltungsindexzahlen immer weiter ansteigen, während die Einnahmen der deutschen Bevölkerung nach dieser Richtung hin kaum Schritt halten können. Die Kluft wird dadurch immer größer, und die Möglichkeiten der Kapitalbildung immer geringer. Die Last der Reparationen sorgt zudem noch dasür, daß keine Lieberschüsse zustande kommen, so dah bei näherer Betrachtung das Urteil über die Lebenshaltung des deutschen Volkes außerordentlich ungünstig ausfallen muß.
Talen für Samsttag, 10. August.
Sonnenaufgang 4.37 Uhr, Sonnenuntergang 19.33 Uhr. — Mondaufgang 11.10 Uhr, Monduntergang 21.48 Uhr.
955: Otto der Große schlägt die Ungarn auf dem Lechfclde; — 1792: Revolution in Paris, Erstürmung der Tuilerien, Absetzung Ludwigs XV.; — 1912: der Architekt Paul Wallot in Langenschwal- bad) gestorben; — 1914: Kriegserklärung Frankreichs an Oesterreich.
Stirnen, Sport und Spiel.
Deutsche Tennismeisterschaften.
Im weiteren Verlaufe der Tennismeister- ch a f t e n gab es auf der ganzen Linie spannende Kämpfe, besonders das Zusammentreffen von Moldenhauer und Kuhlmann begeisterte die Zuschauer. Kuhlmann war in b'en- Iiender Form; er konnte den Kampf nicht nur offen gestalten, sondern im entscheidenden fünften Sah sogar mit 3:1 in Führung gehen. Dann aber riß sich Woldenhauer zusammen und, eine Schwäche seines Gegners ausnuhend, entschied er den Kampf 3:6, 6:2, 10:8, 5:7, 6:3. Auch der Hamburger Frenz und der Franzose d e Du - zelet lieferten sich einen scharfen Kampf. Der Franzose mußte sein ganzes Können einsetzen, um in vier Sähen 4:6, 6:2, 6:4, 9:7 zu gewinnen.
Bei den Damen wäre besonders der glatte 6:3-, 7:5-Sieg von Frau v. Reznicek über die Engländerin Mrs. Haylock hervorzuheben.
In den Doppelspielen konnten sich besonders die englischen Damen weiter erfolgreich durchsetzen. 3m Damendoppel errangen Frl. Fry- Colyer einen leichten Sieg über Fr. P l ü - macher—Fr. Dormann 6:1, 6:2, und im Gemischten Doppel behaupteten sich die Engländer Frl. Colyer —Lee über Fr. Stihel —Zander 6:2, 6:4, ferner schlug die englisch-französische Kombination Frl. Thomas— Landry das Ehepaar LI hl 6:2, 6:2. Im Herrendoppel griffen erstmalig die Franzosen Drugnon — Boussus ein, die un ersten Spiel Remmert —Zander 6:3, 6:8, 6:1, 6:4 und anschließend Lorenz —Heydenreich 6:2, 6:2, 7:5 ausschalteten. Auch das zweite französische Paar de Buzelet — Glosse r kam durch einen Sieg über Ohta—Rogers mit 6:3, 5:7, 7:5, 6:3 in die dritte Runde.
Die weiteren Ergebnisse: Herreneinzel: Froihheim-Marsalek 6:1, 6:1, 6:4, Landry— Lindenstaedt 7:5, 6:3, 6:4, Dr. Fuchs-Mikhailoff 8:6, 6:4, 6:3, Malecek—Lund 6:4, 6:1, 6:3, du Plair—Chiesa 6:2, 6:1, 6:1. Dameneinzel: Fr. Reppach—Frl. Reufeld (Frankreich) 6:0, 9:11, 6:2, Frl. Rost-Fr. Deutsch (Tsch.) 6:2, 6:4, Fr. Schomburgk—Fr. Holzschuh (Frankreich) 4:6, 6:2, 6:3. Herrendoppel: Lee—David—Chiesa— Bräuer 6:3, 6:0, 6:4, Dr. Dessart—Frenz—Bergmann—Rahe 6:4, 6:3, 4:6, 6:4, Spence—Landry- Mackenthun—Eberstein 6:3 6:1, 6:3. Gem.
Doppel: Frl. Kallmeyer—Hartz—Frl. Lorentz— Mackenthun 6:3, 6:3, Fr. Plümacher—Ohta—Fr. Fritsch—Lorenz 7:5, 2:6, 6:2, Fr. v. Schreder— Menzel—Frl. Hoffmann—Rahe 6:3, 7:5, Frl. Buh—Dr. Dessart—Frl. Sander—Tübben 6:2, 6:4, Frl. Weihe—Heydenreich—Fr. Dam—Mar- salek 3:6, 11:9, 6:2. Damendoppel: Frl. Kallmeyer—Frl. Hoffmann—Frl. Swane— Frl. Esche 6:1, 6:2, Frl. Hammer—Frl. Menges—Fr. Dubienska—Frl. Reufeld 6:0, 6:1, Frl. Peitz— Frl. Krahwinkel—Fr. Dam—Frl. Stoeckel 6:1, 4:6, 6:0.
Radklub „Germania" 1899 Gießen.
Der Radklub „Germania" empfängt am kommenden Sonntag den „Radfahrerklub 1895" Frankfurt-Oberrad zur Austragung eines Gesellschaftsspieles im Sechser-Rasenradball. Oberrad ist Gaumeister des Gaues 72 im B.D.R. Auch stehen Spieler in seinen Reihen, die bereits mehrmals gegen Spieler des Auslandes im Kampf gestanden haben und fast immer siegreich bleiben konnten. „Germania" tritt Oberrad möglichst in stärkster Aufstellung gegenüber, und es ist hier ein spannender Kampf zu erwarten. Die beiden Mannschaften standen sich im vorigen Jahr schon einmal in Gießen gegenüber und zwar im Vorspiel zur „Deutschen Meisterschaft".
V. f. B.
Am Samstag tritt die Ligamannschaft zum erstenmal nach der allgemeinen Fuhballsperre auf den Plan. Als Gegner hat sie sich die Liga- mannschast des Sportvereins Klein-Steinheim bei Hanau verpflichtet. Die Gäste gehören der Ost
mainkreisliga an und gelten dort als recht spielstarke Mannschaft. In welcher Aufstellung die D.f.D.-Elf spielen wird, ist noch nicht bekannt; jedenfalls kann man auf Grund des bisherigen intensiven Trainings annehmen, dah die Mannschaft imstande sein wird, ein gutes Spiel zu liefern. Man darf auf den Ausgang des Treffens gespannt sein.
Die Ligareserve fährt nach Homberg, um dort eine Rückspielverpflichtung einzulöfen. Das Vorspiel verlor Homberg mit 3:6; ob es ihm diesmal gelingt, auf eigenem Platz die Riederlage wieder wettzumachen, wird davon abhängen, in welcher Besetzung V.f.D. antritt.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
ö. Am Samstag hat die Ligamannschaft der Spielvereinigung 1900 den Spielverein Germania 09 Fulda zum Gegner. Die Siebener erledigen hiermit eine alte Rückipielverpflichtung. Die Mannschaft der Gäste gefiel seinerzeit durch ihr sympathisches Auftreten. Technisch gutes Können, dazu sehr faires Spiel verschafften den Fuldaern die Zuneigung des Publikums, obwohl die Elf beidemale in Gießen unterlag. Seitdem untersteht die Fuldaer Elf einem intensiven Training und soll gute Fortschritte gemacht habqn. Für die Dlauweißen wird die Begegnung am Samstag also eine erneute große Kraftprobe für die kommenden Derbandsspiele sein. Die 1900er gehen aber, auf Grund der seitherigen Leistungen, nicht ohne Chancen in den Kampf, wenn auch vielleicht einiger Ersatz in den Reihen steht.
Die Ligareserve und dritte Mannschaft fahren zu Gesellschaftsspielen nach Cappel bei Marburg, um alte freundschaftliche Beziehungen wieder aufzuftischen. Bei den letzten Begegnungen in Gießen blieb 1900 nach schönen fairen Wettkämpfen in beiden Treffen Sieger. Diesmal hält man den Ausgang jedoch vollständig offen. Die Gießener können wegen der Ferien zur Zeit noch nicht die stärksten Vertretungen entsenden, was sehr ins Gewicht fallen dürfte.
Die aus ehemaligen Iugendlichen gebildete vierte Mannschaft ist spielfrei.
Die Iugendfußballabteilung bestreitet auch die ersten Spiele.
Die 1. Jugend und eine kombinierte Iugend- mannschaft spielen auf dem 1900-Plah an der Liebigshöhe Schiedsrichterbelehrungsspiele gegen den Wetzlarer Sportverein für Jugendliche, die sich diesem verantwortungsvollen Beruf widmen wollen.
Die 2. Jugend empfängt nachmittags die 1. Jugend vom Sportverein Lollar hx einem Gesellschaftsspiel.
Fußballklub 1926 Sroßen-Buseck.
Es ist zwar schon lange her, dah Grohen- Buseck mit seiner ersten und zweiten Mannschaft in Burg (Äillkreis) weilte, um gegen die beiden Mannschaften des Spiel- und Sportllubs 1921 Burg zu spielen. Rach verschiedenen Verhandlungen wegen der eingegangenen Rückspielverpflichtung ist nun endlich der Termin zustande gekommen, dah Burg mit beiden Mannschaften am kommenden Sonntag in Grohen-Duseck antritt. Burg hat sich inzwischen zur Ligaklasse emporgearbeitet und wird selbstverständlich einen härteren Gegner abgeben als damals, als Gro- Hen-Duseck mit seiner ersten Elf das Spiel, das -mit zu den schönsten seit Bestehen des Vereins gehört, für sich entscheiden konnte. Burg hat durch seinen Aufstieg in die befähigte Klasse an Spielaufbau und systemvollen Arbeiten bedeutend gewonnen. Besonders tüchtig zeigte sich von jeher die Verteidigung, der Sturm wird hauptsächlich von den beiden Flügelstürmern nach vorne geschickt. Der F. C. 1926 Grvhen-Buseck hat sich eine schwere Verpflichtung auferlegt, doch darf man sagen, dah auch dieses Spiel gut zu Ende gehen wird, wenn alle auf dem Damm sind und alles aufbieten, um zu zeigen, dah auch gegen stärkere Gegner gespielt werden kann.
Dor diesem Spiel treten die zweiten Mann- schasten an, um ebenfalls einer zurückliegenden Verpflichtung zu genügen.
$. G. Teutonia Steinberg.
Steinberg l — Leihgestern l 1:0 (0:0).
Am vergangenen Sonntag weihte der Fußballklub Teutonia Steinberg seinen Sportplatz ein. Als Gegner verpflichtete er sich den 6-Klassen- meister der Gaullasse II, Spielvereinigung Leihgestern I. Bon Anfang an war das Spiel sehr hart. Die Gästemannschaft war körperlich überlegen, aber die Einheimischen stellten eine junge und flinke Mannschaft ins Feld; nur der Sturm vergaß oft das Schießen.
Die 1. Jugend der Teutonen trugen em Gesellschaftsspiel gegen die gleiche Mannschaft des Sportvereins 1926 Steinbach aus. Die Steinberger waren technisch besser und konnten das Spiel mit 2:1 für sich buchen.
Schiedsrichter Kreiling war bei beiden Spielen ein gerechter Leiter.
Sportverein 1928 Garbenteich.
Garbenteich H — Ettingshausen II 10:1.
Am letzten Sonntag weilte die 2. Mannschaft des Sportvereins 1921 Ettingshausen in Garbenteich. Sie lieferte der dortigen zweiten Elf das noch fällige Gesellschaftsrückspiel. In Ettingshausen muhte Garbenteich eine 3:l°Riederlcge einstecken, worauf sie sich hier durch einen 10:1- Sieg revanchierten. Bei dem Gastgeber konnte dieses Mal die Stürmerreihe gut gefallen, welche durch das aufopfernde Spiel der Läuserreihe zehnmal einsenden konnte. Hauptsächlich tat sich hier der Halblinke Stürmer hervor, der durch seine reife Spielweise dem Schluhmann von Ettingshausen sechsmal das Rachsehen gab. In der ersten Halbzeit svielte Garbenteich gegen den Wind und konnte hier das Spiel 2:1 für sich gestalten. Rach der Pause hatte Garbenleich den Wind zum Bundesgenossen, worauf die Mannschaft noch acht schöne Erfolge erzielte. Zu erwähnen ist, dah die Gäste zu diesem Spiel nur mit zehn Mann antraten.
Leichtathletik der Sp.-Dg. 1900.
b. Rach 14tägiger Pause treten am kommenden Sonntag die 1900er Leichtathleten wieder bei den vom V. f. B. Diez (Lahn) veranstalteten 2. O r a n i e n - K a m p f s p i e 1 e n auf den Plan. Die Wettkämpfe erhalten in diesem Jahr eine besondere Bedeutung dadurch, dah sie im Rahmen der 600-Jahrfeier der Stadt Diez abgehalten werden. 2m Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Olympische Staffel, für die der Prinz der Riederlande, Herzog zu Mecklenburg, einen wertvollen Wanderpreis gestiftet hat. Die Spielvereinigungsleute können diese Staffel zwar nicht in stärkster Aufstellung bestreiten, ih.er Vertretung wird man aber trotzdem eine gute Rolle zutrauen dürfen. In den Cinzelkonkurren- zen sind in Anbetracht der Tatsache, dah die Wettkämpfe nur nachmittags abgewickelt werden, von feiten der 1900er verhältnismäßig wenig Meldungen abgegeben worden. Bon den Sprintern sind G u y o t und Hopfenmüller mit von der Partie, über die Mittelstrecken gehen Beppe rling und T ö n g e s. P au l bestreitet die 3000 Meter, Seipp den Weitsprung.
Da in das Programm der Oranienkampfspiele auch einige Damenkonkurrenzen (100-Meter-Lauf, Hochsprung, Kugelstoßen und 4X100-Meter-Staf- fel) ausgenommen sind, hat man sich auf Grund des guten Abschneidens der Frauenabteilung der Sp.-Vg. 1900 bei den Dezirksmeisterschaften entschlossen. einige Vertreterinnen in die alte Oranierstadt zu entsenden. Eine Voraussage läßt sich kaum treffen, da keine Anhaltspunkte für die Stärke der Gegner vorhanden sind. Immerhin ist bei dem Eifer, mit dem die 1900erinnen bei der Sache sind, zum mindesten mit Achtungserfolgen zu rechnen.
Sprechstunden der Liedaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16* bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen
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Eindrücke tm Haag.
Besuch im Mauritshuis.
Don Hans Bethge.
Der Haag gehört in seinem Aeuheren nicht zu den vornehmen und eleganten Residenzstädten Europas. Er gehört auch durchaus nicht zu den interessantesten Städten Hollands. Er ist eine ziemlich nüchterne, rötliche Häusermasse, in der das Wasser, im Gegensatz zu den anderen holländischen Städten, nur eine geringe Rolle spielt. Der Haag hat nichts Repräsentatives oder Ehrwürdiges, er besitzt keine durch die Geschichte des Landes geadelten Gebäude. Er macht den Eindruck einer etwas trägen Provinzstadt mittlerer Gröhe. Er besitzt den „Haagschen Dusch", eine weitläufige, alte Parkanlage mit schönen Bäumen, aber dieser Dusch entschädigt nicht für das Reizlose der Stadt. Dennoch blieb ich einen Tag länger im Haag, als ich mir vorgenommen hatte. Das bewirkte die berühmte Gemäldegalerie im „M auritshuis" oder besser: die Malereien Rembrandts in dieser Galerie bewirkten es.
Die Sammlung des Wauritshuis ist schon deshalb so sympathisch, weil sie nur mäßig groß, also leicht zu übersehen ist. Das in Holland populärste Dild der Galerie ist „Der junge Stier" von Potter. Es ist eine große, freilich etwas monotone Tafel, von dem Künstler gemalt, als er 22 Jahre alt war. Cs gibt schönere Dilder von Potter, aber feind, das in Holland so volkstümlich wäre. Es gibt kaum ein Haus, in dem ed fehlte, man sieht Kopien bei allen Kunsthändlern, und in meinem Hotelzimmer hing es, als Gobelin schlecht gewebt, über dem Sofa.
Die Galerie hat schöne, holde Dilder von dem so lange verkannten 3an Vermeer aus Delft. Man sieht gute Sachen von 3an Steen, 2er« bord) Ruisdael und den anderen Holländern der klassischen Zeit. Aber das Größte, was das Mauritshuis besitzt, alles überstrahlend, sind die Dilder von Rembrandt.
Es sind sechzehn an der Zahl. Elf davon fallen in die frühere Periode des Meisters und bringen sie glänzend zur Anschauung. Zu ihnen gehört die bekannte „Anatomie des Doktor Tulp", jene figurenreiche Malerei, die das Publikum unter Rembrandts Werken im Haag sichtlich bevorzugt.
Aber so vortrefflich sie ist, sie ragt nicht an die wundersamen, unergründlichen Werke des QUterd, die in einem anderen Saale hängen, und nicht so nach dem Geschmack der Leute zu fein scheinen, denn viele gehen an ihnen vorüber, während man vor der Anatomie sich drängt. Von diesen Werken des Alters ergreifen besonders drei: ein Homer; ein Porträt von Rembrandts Bru- der unb vor allem eine biblische Darstellung: „David, vor Saul die Harfe spielend", zum Größten und Tiefsten gehörig, was Menschenhände je gebildet haben.
Saul sitzt erhöht, David hockt ihm zu Füßen und spielt die Harfe. Da greift Saul voll tiefer Melancholie in den Vorhang, der hinter ihm wallt, zieht ihn vor das Gesicht und weint hinein. Rur den weinenden König und den harfespielen- den 3üngling enthält das große Dild, aber wie sind diese ©eftalten gemalt, und besonders der König. Wenn wir vor diesem Dilde sitzen, sehen wir viel mehr als die beiden Gestalten. Wir tun voll Ergriffenheit durch alle Schwermut des Lebens hindurch einen Dlick in die Schauer der Ewigkeit. 3a, wir meinen, wenn wir dieses Dild betrachten, für einen Moment, daß sich die letzten Dinge und enthüllen wollen, denen wir immer vergebens mit dem Verstände beizukommen suchten hier taucht es blitzhaft wie ein Verstehen auf, rein in dem Andrang heftigen Gefühls. Wir sind hingenommen von einem Werk, das als Malerei vollendet ist, und das doch viel mehr ist als vollendete Malerei. Denn es ist höchstes Men- schentum zugleich, es ist eine Erhellung des Unnennbaren, ein Mysterium.
Der Homer und das Porträt von Rembrandts greisem Bruder lösen ähnliche Gefühle aus. Auch hier scheinen die Schleier des Lebens zu versinken, und eine schwermütige Aussicht in das Lin- endliche scheint sich aufzutun. Der Homer ist leider in verstümmelter Gestalt auf und gekommen. Rembrandt malte ihn nach einer antiken Düste, die sich in seinem Besitz befand.
Man verläßt den Haag mit schwerem Herzen, denn wer weih, ob man die Dilder Rembrandtd, die er in seinen Mauern birgt, je Wiedersehen wird. Um ihretwegen wird man sich immer nach dieser Stadt aurüdfefjnen, die einem sonst so gleichgültig ist.
Striegel, Oel und Shanwooinü.
Vom römischen Badeleben.
Von Gustav W. Eberlein, Rom.
Ein teures Vergnügen ist es nicht, wohl aber das schönste, das der Römer kennt. Man zahlt am Eingang einen Soldo, das ist ungefähr ein Pfennig, und erhält dafür eine Marke für zwei Dädcr. Richts von Stundenberechnung und ähnlichen Schikanen, um 3 Llhr nachmittags wird geöffnet und erst in der Dämmerung geht man nach Hause. Auch riesige Freibäder sind vorhanden und auch dort findet man Badegäste, die eigene Diener mitbringen, muskulöse Kerle, die außer Essen keinen Lohn verlangen.
Das Bad ist in Rom keine Angelegenheit der Sauberkeit, es gehört zu den Lüsten des Mannes, wie Wein und Frauen. Bäder, Wein und Frauen sind es nach dem Sprichwort, die unseren Leib zersehenl Venari, lavare, ludere, ridere — hoc est vivere — sagten schon die Alten. Lieben und baden, spielen und lachen — das heißt leben.
Ein Tag in den römischen Bädern lehrt das Wort in seinem ganzen Umfang verstehen. Das sind keine spielerischen Schwimmhallen, in denen sich die Begeisterung zwischen Aus- und Ankleiden in einem mehr oder minder langen Geplätscher erschöpft, das sind riesige Anlagen, größer als das Kolosseum, in denen man von Himmel zu Himmel schreitet. Wer weiß, ob sie nicht nach den sieben Himmeln Allahs entstanden sind. Wenn man die Kleider abgegeben hat, ist man nicht mehr Herr Lehmann oder Signor Scävola, sondern einer der vielen Seligen im Paradiese. Alles, was gefällt, ist auch gestattet.
Die Besucher haben verschiedene Gewohnheiten und meistens die Lust bis zum Raffinement gesteigert. Man kann mit einem Hechtsprung im kalten Schwimmbecken — es ist 2400 Quadratmeter groß — untertauchen oder auf den Wellen treiben, Blau um sich, Blau über sich, ober im Warmbad schwitzen und langsam ins Laue übergleiten, man kann sich kneten und ölen und par- siimieren lassen, nach einem gründlichen Sham- pooing unter die Dusche eilen, ober auch nur durchs Diumo bummeln, spielen und lachen und was sonst das Sprichwort empfiehlt.
Die eigentliche Körpersäuberung wird freilich auch nicht vergessen. Die meisten Besucher bringen ihre Wäsche, Oel, Striegel unb Seifen mit. Den Striegel, einen Schaber, den wir aus der bekannten antiken 3ünglingsstatue kennen, benützt vor allem die sportlustige 3ugenb, um die Oel- und Sandschicht, die sick) beim Ringkampf anseht, vor dem Betreten des Wassers abzu- krahen. Auf die Haarpflege wird das größte Gewicht gelegt, die Männer geben da den Frauen, deren Abteilungen übrigens streng getrennt von den Männerhallen liegen, nichts nach.
Reich und arm sind in den Thermen des Lebens versammelt. Als dieser Tage einmal Mussolini einen alten Veteranen erblickte, der wegen seiner vielen Rarben Mühe hatte, sich richtig zu pflegen, fragte er ihn, warum er sich keinen Badediener nehme. Weil er nichts als Wunden äud dem Kriege heimgebracht habe, antwortete der Soldat schlagfertig. Ratürlich gab ihm der Cäsar darauf seine Börse, und ebenso natürlich standen am andern Tag die alten Männer Kops an Kopf, die sich unter schrecklichen Mühen selber massierten. Als Mussolini das sah, wies er sie ab: Soll eben einer dem andern helfen!
Auch für Leute, die einsam bleiben wollen, ist durch Privatbäder gesorgt. Wer will, kann seine Geschäfte im Bademantel abwickeln, in Bibliotheken sich vertiefen, Vorstellungen und Konzerte anhören, in die Bar gehen. Man braucht im Sommer nie ein Stelldichein zu verabreden, es ist selbstverständlich, daß sich alles im Bade trifft.
Ein Leben voller Wonne, So badete man in Rom. Bade t e, der Ton liegt leider Gottes auf der letzten Silbe. Statt Mussolini muh Hadrian gesetzt werden. Die heutigen Römer, die den Fremden vor die gewaltigen Ruinen der Thermen führen, merken kaum, wie unangebracht ihr Stolz ist, wie bitter diese alten Mauern den Rückschritt der Zeit ironisieren. 3n ganz Rom gibt es nicht eine einzige Schwimmhalle. Wer baden will, der muß in die einzigen Wasserbecken gehen, die den Verfall der Zivilisation überdauernd, seit zwei 3ahrtausenden unverändert geblieben sind: in den offenen Tiber oder ins Meer.


