Einzelbild herunterladen

Dienstag, 9. April |929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 82 Zweites Blatt

MO

U

1

chierchens

l.«pri(1929

020w:

Augenblick ihre Grenzen überschreitet, wenn sie sich I greifen oder als Rechenexempel ansehen^ihre Ge- selbst aufhebt. Wo es keine Luft mehr gibt, hört stalten lassen sich nur mit der Seele erfassen.

Grenzen der Musik

bösen

Hosen

madjer

ortt)

Also auch in ethischer Beziehung erheben sich die Grenzen der Musik von selbst; jenseits der äußeren Ersä)einungen l)at Musik das Wesen der Welt zu erfassen, jede äußere Schilderung ist ihres tiefsten Wertes unwürdig; Musik soll visionär sein, die Offenbarung einer anderen Welt.

Innerhalb der Grenzen der Musik sind noch un­gezählte Möglichkeiten zum Ausbau und zum Auf­finden neuer Ausdrucksmittel; es ist jedoch ein Irr­tum, daß das Genie keine Grenzen zu kennen brauche. Ein Genie wird immer aufbauend wirken, niemals zerstörend, insofern ist Grenzenlosigkeit in der Musik ein Zeichen des Verfalls.

fordern will. Im Monat wird in Deutschland aller- höchstens ein Anstieg der Spareinlagen von 60 bis 70, manchmal vielleicht von rund 100 Millionen er­reicht. Damit würde Frankreich keineswegs zufrie­den sein, wenn nian dies als Reparationsleistung ansehen wollte. Und schließlich darf man nicht ver­gessen. daß es sich bei der deutschen Spareinlage um ab gesparte Pfennige handelt, die der kleine Mann auf die Sparkasse schafft, der wahr- hastig nichts übrig hat, um sich auch nur den geringsten Luxus zu gönnen. Wenn man also in Frankreich glaubt, diesen kühnen Schluß von der deutschen Spartätigkeit zur deutschen Leistungs­fähigkeit maä)en zu können, so ist das eben nur da­durch möglich, daß man sich drüben, wie zumeist, blindlings über die tatsächlichen Verhältnisse hin­wegsetzt.

dann sehr viel .ungünstiger aussähe. Schon aus dem Gesichtspunkt des kleineren Hebels also würden auch diejenigen Teile der Fraktion, die gern noch mehr erreicht hätten, zufrieden sein müssen. Die Fußangel liegt nur darin, daß das Zentrum wieder sehr geschickt die Regie­rungsbildung mit den Steuern ver­quickt hat, indem es die Erklärung abgab, daß es sich aus diese ganzen Vorschläge nur festlegen könne, wenn gleichzeitig dieVindungandie Regierung von allen Parteien vollzogen würde, nicht nur durch Gründung eines inter­fraktionellen Ausschusses, gegen dessen Votum keine Partei irgendwelche Anträge stellen darf, sondern auch durch den Eintritt des Zentrums in die Regierung; selbstver­ständlich mit drei Ministern.

Stimmt also die Volkspartei den Vorschlägen zu, dann ist der politische Erfolg auf feiten des Zentrums, das mit seiner Politik Recht behält, während die Volkspartei die Linie aufgibt, die sie seit dem Mai vorigen Jahres durchhielt; sie verzichtet auf die Verbindung der Reurege­lung im Reich und in Preußen, opfert also ihre preußischen Forderungen. Sicherlich keine leichte Entscheidung, denn die Aussicht, daß die Par­teien der löeimarer Koalition von sich aus der Volkspartei gegenüber in Preußen Entgegenkom­men zeigen würden, ist nach den bisherigen Er­fahrungen denkbar gering. Während auf der anderen Seite die Wahrscheinlichkeit, daß ein Zusammenarbeiten mit der Sozialdemokratie in der Großen Koalition von Dauer sein kann, kaum größer ist. Vielleicht aber liegt hier auch der Ausweg: kein Zweifel, daß bei dem End­kampf um die Reparationen in Paris eine deutsche Regierung, die sich auf eine feste Mehrheit stützt, nicht nur finanziell, sondern auch politisch sehr viel mehr erreichen kann. Aus diesem außenpolitischen Grund könnte deshalb die Volkspartei auf den Voden des Kompromisses treten mit dem Vorbehalt, daß sie nach Abschluß der Pariser Verhandlun­gen und nach der Auswenung ihres Ergebnisses für ihre innenpolitischen Entscheidungen ihre volle Handlungsfreiheit zurückgewinnt.

Uraufführung in Darmstadt.

In dem dramatischen Erstlingswerk des Ro- vellisten Bruno Wellenkamp, das im Hes­sischen Landestheater in Darmstadt ur­auf geführt wurde, verrät sich überall die epische Reigung des Autors.D i e O g a r o to s' lassen wohl ein starkes Wollen erkennen, aber man vermißt das Gestaltenkönnen. 3n oft un­erträglicher Breite schleppt sich die durstige Handlung dahin, die sich auf die weder neue noch originelle Idee der Gegenüberstellung ost- und westeuropäischer Kultur gründet. Ob die ange- führten Lebensansichten, die sich im wesentlichen um das Problem Weib und Dirne drehen, be= sonders charakteristische Kulturkennzeichen dar­stellen, bleibt eine offene Frage, deren Beant­wortung dem Zuschauer überlassen werden muß. Wellenkamp wollte wohl zeigen, wie verheerend der Krieg auf die Moral der Menschen emgewirlt hat Aber es ist ihm nicht gelungen, diese Be° weislinie klar und verständlich zu ziehen. Strecken­weise weiß man überhaupt gar nicht, worum es sich da oben guf der Bühne dreht, weite Räume hindurch ahnt man die Zusammenhänge nur. Daß da kein Interesse am Stück aufkommen kann, versteht sich eigentlich von selbst, und man ist nicht böse, wenn der völlig überraschende Schluß, den kein Mensch für das Ende des Werkes er- kannte, der Pein ein Ende bereitet. Es mag sein daß auch die Aufführung unter der Regie Günther H a e n e l s und Wilhelm R ein-

kings nicht ganz unschuldig an der lastenden »

Hochschulnachrichten.

Es sind ernannt worden: der Privatdozent Dr. Percy Schramm in Heidelberg zum ordent lichen Professor der mittleren Geschichte an der Uni­versität Göttingen als Nachfolger von Professor Andreas Walther und Professor Dr. Julius Wal­decker von der Universität Göttingen zum ordentlichen Professor für öffentliches Recht an der Universität Breslau.

Der Professor der Aegyptologie an der Ber­liner Universität, Siurt Sethe, der Professor der Zoologie an der Universität München Ludwig Döderlein und der Vorsteher des Biochemischen Laboratoriums am Kaiser Wilhelm-Institut für ex­perimentelle Therapie in Berlin-Dahlem, Professor Karl Neuberg, wurden zu Mitgliedern der Königlich dänischen Gesellschaft der Wissenschaften in K o p e n 1) a g e n ernannt.

Amtlich wird die Ernennung des ao. Proselsors der alten Geschichte Dr. Victor E h r e n b e r g an der Universität Frankfurt a. M. zum außer­ordentlichen Professor der griechischen Geschichte und Epigraphik in der philosophischen Fakultät der deut­schen Universität in Prag als Nachfolger von Pro fessor H. Swoboda bestätigt. Dr. Ehrenberg über­nimmt sein neues Lehramt zum bevorstehenden Sommersemester.

Im Lehrkörper der Universität Leipzig sind, wie amtlich bestätigt wird, folgende Veränderungen zu Beginn des Sommersemesters 1929 eingetreten: 3« ordentlichen Professoren wurden ernannt Professor Dr. Herbert Koch von der Universität Jena für klassische Archäologie, Professor Dr. Walther von Wartburg von den Universitäten Bern und Lausanne für das Fach der romanischen Philo­logie, ferner zum persönlichen Ordinarius Professor Dr. Friedrich Hund von der Universität R o st o ck für das Fach der mathematischen Physik.

winden sein. Ist es doch in den letzten Jahren häufig vorgekommen, daß Banknotenfälscher be­haupten, Münzverbrechen aus politischen Mo­tiven verübt zu haben. Die Falschmünzer wollten sich auf diese Weise die Vergünstigungen ver­schaffen. die in vielen Ländern dem politischen Verbrecher eingeräumt werden. Gibt es doch eine Anzahl von Staaten, die wegen politischer Ver­gehen Verfolgte grundsätzlich nicht ausliefern. Die neue Konvention wird nun wahrscheinlich be­schließen, daß Falschmünzer niemals als politische Verbrecher gelten.

Zu den Aufgaben der Konferenz wird es außerdem gehören, jedes größere Land zur Er­richtung einer Zentralstelle aufzufordern, die nur der Bekämpfung der internationalen Geldfälscher dient. Jedes nationale Dezernat wird mit dem entsprechenden Ressort der anderen Länder in enger Verbindung stehen. Vielleicht wird sogar eine internationale Zentrale geschaffen, bei der die Berichte aller Länder gesammelt werden. Selbstverständlich müssen alle diese Institute zur Bekämpfung der Falschmünzerei eng mit den Rotendanken ihrer Länder zusammen arbeiten, unb die Polizeiämter jedes Landes sollen in enger Verbindung mit den neuen Zentralstellen stehen. Die Konferenz wird also eine internatio­nale lückenlose Bekämpfung de r Falschmünzer cinleiten, die in vielen Län­dern nur durch Abänderung der nationalen Gesetz­gebung ermöglicht werden kann. Da Deutschland bereits seit langer Zeit auch die Fälscher fremder Währungen verfolgt und bestraft, wird bei uns eine Aendcrung des Gesetzbuches nicht notwendig

Ilmfangreicher Vorarbeiten hat es bedurft, um die bevorstehende Konferenz zustande zu bringen. Man kann sich von dem Instanzenweg, den die Angelegenheit durchlaufen muhte, einen Begriff machen, wenn man erfährt, daß die erste An­regung zum gemeinsamen Vorgehen gegen die Falschmünzer im Juni 1926 durch Frankreich erfolgt ist. Damals war die französische Oesfent- lichkeU durch die ungarischen Franken­fälschungen aufs höchste beunruhigt, und die französische Regierung wandte sich mit der Bitte an den Völkerbundsrat, eine internationale Kon­vention zur Verfolgung der Falschmünzer aus­zuarbeiten. Allmählich setzte sich der ungeheure Apparat der Völkerbundsbureaukralie in Bewe­gung. Am 10. Juli antwortete der Rat, daß er die französische Anregung angenommen und der Finanzkommission überwiesen habe. Vierzehn Tage später versandte diese Kommission an die Rotenbanken aller größeren Länder Fragebogen, um ihre Stellungnahme kennenzulernen. Am 8. Dezember waren die Antworten vollzählich ein- getroffen, und nun konnte die Finanzlommission ihre Anregungen ausarbeiten. Diese bestanden aber vorläufig nur aus einem einzigen Vor­schlag, demzufolge der Rat eine Unter- 1 kommission einsehen sollte, die aus Reprä-

Weltbund gegen Falschmünzerei!

$ür ISO Millionen Mark Falschgeld in drei Jahren beschlagnahmt.

Von Siegfried Ascher.

Langeweile war; das Tempo war ermüdend und schleppend, und starke Kürzungen hätten den dramatischen Ablauf des undramatischen Stückes immerhin beschleunigen tonnen. Die schauspiele­rischen Leistungen Fritz Volks (Ogaroto), Bern­hard Mine11is IIgors. Hermann Gollin- gers (Fjodors und Käthe Göthes «Anna) verdienten den Beifall, der ihnen gespendet wurde. \V. W. Gg.

Ließen

11,1 l'S 1er

Die Volkspartei am Scheidewege

Von unserer Berliner Redaktion.

DaS schwierige Werk ist also geglädt. Die Finanzsachverständigen der fünf großen Parteien haben die ihnen übertragene Aufgab« erfüllt und über 180 Millionen aus dem Etat: heraus- gestrichen. Sie haben gleichzeitig die Ginnahmen um 70 Millionen erhöht und da fie sich daraus berufen können, daß die Branntweinsteuernovelle formell keine neue Steuer enthält, daß auch die 40 Millionen aus der Vermögenssteuer schon vor drei Jahren beschlossen waren, können sie dem Buch st oben nach darauf verweisen, daß die Ausbalanzierung des Etats ohne neue Steuern gelungen ist. In Einzelheiten frei­lich laßt sich mancherlei dagegen vinwenden. Selbst wenn die Post und der Tabak mehr er­geben sollten, die Höherfchraubung der Etats- ansähe also berechtigt wäre, werden vermutlich im Zeichen der sinkenden Konjunktur nicht alle Steuern ihr Soll erreichen; mit Ausfällen muß daher gerechnet werden und eine vorsichtige Wirtschaft täte gut daran, sich für solche Zwecke bestimmte Reserven rechtzeitig zurückzu­stellen. Auch die Abstriche selbst sind zum großen Teil nur unechte Ersparnisse. Sie bedeuten nicht das endgültige Verschwinden der Ausgaben, sondern nur das Z u r ü ck st e l l e n. Die Forde­rungen für die Neubauten der Finanzämter wer­den im nächsten Etat wiederkomrnen, auch die Summen für die Marinebauten und die Kanäle kann man wohl strecken, indem man diesmal einige Millionen streicht und das Tempo der Fertigstellung verlangsamt. Bewilligt werden aber müssen die Gelder doch einmal. Dadurch schrumpfen die eigentlichen Abstriche wahrschein­lich auf 100 Millionen zusammen. Immerhin, es bleibt ein Erfolg der Volkspartei, daß sie ge­gen den Widerstand des Finanzministers und ge­gen den Widerstand der anderen Parteien ihre Forderung durchgefetzt hat. Der Beweis von der Möglichkeit größerer Sparsamkeit ist damit erbracht. Er wird hoffentlich sich ver­vielfältigen und auch für die nächsten Jahre

L.M

,*»**

MS*

Krieg den Falschmünzern!" Das ist die Parole , der Konferenz, die am 9. April in Genf die I Vertreter aller größeren Staaten vereint. Unter dem Vorsitz des Gouverneurs der tschechoslowaki­schen Landesbank soll die Internationale Konfe­renz zur Bekämpfung der Falschmünzerei tagen; die beteiligten Regierungen wollen eine Art Heilige Allianz gegen die Verbrecher ab- schließen, die sich durch geschickt ausgeführte Fäl­schungen ein müheloses Einkommen verschaffen. Eifriger als je waren die Falschmünzer gerade jetzt an der Arbeit; denn allein in den letzten drei Jahren sind falsche Geldscheine im Wert von ir Millionen Mark beschlagnahmt worden. Weit umfangreicher waren aber die Fälschungen von Geldstücken, da der Wert der beschlagnahmten Münzen nicht weniger als 140 Millionen Mark betrug. Wieviel falsche Banknoten und Münzen mögen aber noch im Umlauf sein? Oft sind die Fälschungen so raffiniert ausgeführt, daß der Laie sie kaum erkennen kann. Besonders bei klei­neren Münzen wird man sich gewöhnlich kaum die Mühe nehmen, den Klang der Geldstücke und ihre Prägung sorgfältig zu prüfen.

Deutschland wird auf derInternationalen Konferenz zur Bekämpfung der Falschmünzerei durch brpi Delegierte vertreten. Ein hoher Be­amter des Justizministeriums und ein Mitglied des Reichsbankdirektoriums werden mit dem Be­vollmächtigten des Auswärtigen Amtes, Lega­tionsrat Dr. Kraske, an den wichtigen Ver­handlungen teilnehmen.Ich glaube mit Be­stimmtheit, daß die Konferenz zu einem positiven Ergebnis führen wird, meint Der Delegierte des Auswärtigen Amtes.Die meisten Staaten ha­ben schon ihre Bereitwilligkeit zur Schaffung internationaler Abmachungen ausgesprochen, denn es liegt ja im Interesse einer jeden Regierung, ihre Währung gegen verbrecherische Anschläge zu schützen. Man will in Genf beschließen, daß in jedem Staat nicht nur die Fälscher bestraft wer­den, wenn sie die Zahlungsmittel des Landes fälschen, in dem sie sich gerade aufhalten. Jede Fälschung, auch die einer fremden Währung muß verfolgt und bestraft werden. Leider bestehen augenblicklich noch große Lücken in den Gesetzen einzelner Staaten; aber diese Mängel sollen durch die neuen Vereinbarungen beseitigt werden. Wenn man beispielsweise in China deutsche Bank­noten nachahmt, wird der Verbrecher in Zukunft genau so schwer bestraft, als hätte er chinesisches Geld gefälscht."

Ratürlich wird es einige Zeit dauern, bis alle größeren Staaten die neue Konvention an­genommen haben, denn in einigen Ländern ist eine Aenderung der bestehenden Gesetze not­wendig. Wenn sich ein Staat aber durchaus nicht dazu entschließen sollte, sein Gesetzbuch abzu­ändern, muß er sich wenigstens verpflichten, den Fälscher an das Land auszuliefern, in dem er bestraft werden kann. Bei der Auslieferungsfrage werden ebenfalls einige Schwierigkeiten zu über-

Von Felix Weintzartner.

Jin Auditorium Maximum der Universität Zürich sprach unlängftj)er beb^ Diri­gent, Komponist und Musikschnfstteller Felix Weingartner über dieGrenzen der Musik". Weingartner war früher Leiter der ehein. Hofoper und später der Bottsoper in Wien, wirkt jetzt in Basel als Direktor des Konservatoriums und der Allgemeinen Musik- gefellfchafk. Seine mit großem Beifall aus- genoinmene Rede hatte ungefähr folgenden Inhalt.

Wir leben in einer Welt, in der jede Wirklichkeit zeitlich, räumlich und inhaltlich begrenzt ist. Es liegt daher die Frage nahe, ob auch die Ausstrah- lungen des menschlichen Geistes und some Schöp­fungen, solchen Grenzen unterliegen, ob_fidji aunj Wissenschaft und Kunst begrenzen lassen Die Ersah rung lehrt wohl, daß jeder schöpferische öeift stinktiv diese Grenzen fühlt und sie mnehalt. schon äußerlich abgegrenztes Gebiet fallt der^ Bau­kunst und Skulptur zik, unbeschwerter schon bewegl sich die Malerei und am wenigsten begrenzt 'st o.e Dichtkunst, deren Möglichkeiten tm Bereiche unendlichen Phantasie liegen.

Versucht man nun die Grenzen der Musik festzu- legen, so erhebt sich zuerst die ?rage: was ist über­haupt Musik? Die Frage muß verschieden bean^ wartet werden, je nachdem, ob wir die Mußt äußere Geräuscherscheinung oder als '

lebnis, ob wir ihre Erscheinung, ihr Wesenoder ihre Wirkung betrachten wollen. Die Wirkung ist für jeden Menschen eine andere es Qib: fo «elj Möglichkeiten wie verschiedene seel'1^ ^msteu gen, denn in der Musik verlassen w.r d.e Welt der Vorstellungen und stehen ganz un Bereich der Ei sindungen der Seele. Von allen Künste s Musik diejenige, die am unmittelbarsten I wirkt, sie umschließt das ganze Diesseits aus dem das Jenseits erwacht, und aus diesem I I menbet sie sich direkt an uns, ohne Umwege über Begriffe Da? Wesen jeder Kunst ist überirdisch, ator keine der Künste ist so wenig erdgebunden wie die Musik, deren Wurzeln zutiefst m der Erde lieg und deren Blüte hinaufreicht ms Transzendente

Ein kühner Schluß.

Deutsche Spartätigkeit soll Reparationsleistungen rechtfertigen.

In der Pariser Presse glaubt man auf einmal den Beleg für die Ansicht Frankreichs über die deutsche Leistungsfähigkeit in den Reparationszah­lungen darin zu finden, daß die deutfcheSpar- tätigtet! wieder zu genommen hat. Man operiert dabei allerdings mit Zahlen, die, aus der Vorkriegszeit genommen, auch nicht einmal annähernd den tatsächlichen Verhältnissen ent- | sprechen. Dazu kommt noch, daß man drüben völlig außer acht läßt, daß es sich bei den deutschen Spar­einlagen um in der Neubildung begrif­fene kleine Kapitalien handelt, die hinter sich n i ch t s mehr stehen haben, da Krieg und Inflation auch jeglichen Kapitalbesitz in Deutschland so gut wie zerrieben haben. Man kann also nie­mals deutsche und französische Spartätigkeit mitein­ander vergleichen, weil eben drüben ein Kapital­bestand auch über de n Krieg hinweg bis zum heutigen Tage gerettet werden konnte, der heute sogar größer ist, wie er es vor dem Kriege war.

Gewiß hat Deutschland heute mit seinen 7,25 Mil­liarden Mark Spareinlagen, die wahrscheinlich nach dem jetzigen Stand sogar noch etwas höher sein werden, schon ein Drittel seiner letzten Vor­kriegsspareinlagen, die, auf das jetzige Reichsgebiet berechnet, rund 19 Milliarden Mark betrugen, er­reicht. Das kommt aber im wesentlichen daher, daß in Anbetracht der unsicheren Wirtschaftslage jeder einzelne in Deutschland, soweit es möglich ist, bemüht ist, Rücklagen für die Not zu machen, denn cs hat in Deutschland beinahe jeder gelernt, wie furchtbar die finanzielle Notlage ist. Dies zeigt sich schon daraus, daß, während vor dem Kriege der jährliche Einzahlungsüberschuß 380 Millionen Mk. betrug, er jetzt auf weit über eine Milliarde im Jahre gestiegen ist. An der Hand der Statistik nach­gewiesen, stellt sich damit die Entwicklung der Spar-

iflt Hklirn könn. out bürocilidic»

«Innen. M' ^buerrttj^- Der leiht

Leibe" l">d W "'en toion

OL »?£ d. Hiebenelw^

einlagen als ein kontinuierlicherAuf stieg bar, der seit August 1925 von Monat zu Monat gestiegen ist. Damals betrugen die Spareinlagen 1315 Millionen, so daß sie im Durchschnitt jährlich um 100 v. H. angestiegen sind.

Man sieht also, daß Frankreich, äußerlich betrach­tet, seine Argumente zu motivieren weiß. Geht man aber der Sache auf den Kern, so muß man fest- stellen, daß die Schlüsse, die man französischerseits daraus zieht, völlig falsch sind. Die deutsche Spartätigkeit, so erfreulich sie ist, und so sehr sie ^eigt, daß das deutsche Volk emportommt, hat auch noch nicht das Geringste mit der Prosperität Deutschlands an sich zu tun. Die wenigen Milliar­den, die man sich jetzt in Deutschland erspart hat, stellen ja schließlich nur einen geradezu lächerlichen Bruchteil von dem bar, was man in Paris als Gesamtleistung in der Entschädigungsfrage von uns |

weiterwirken. ....

Trotzdem aber ist noch kemeswegs gesagt, daß damit der Etat mit den neuen Vorschlägen end­gültig unter Dach ist. Die Unterhändler haben sich darauf verständigt, sämtliche Vorschläge als ein einheitliches Ganzes zu behandeln. Die Fraktionen haben also nicht mehr die Mög­lichkeit, im einzelnen Aenderungen zu treffen, , sondern nur ja oder nein zu sagen. Das be­deutet für die Sozialdemokraten einen harten Brocken. Fast 50 Millionen beim Sozialetat her­zugeben, fällt ihnen aus propagandistischen Grün­den nicht leicht, und auch die alte Relation zwi­schen direkten und indirekten Steuern ist nur so mühsam hergestellt, daß sie den Kommumsten hinreichend Handhaben zum Eingreifen gibt. Da­zu kommt, daß die Sozialdemokraten sich ver­pflichten müssen, nicht gegen die zweite Rate für den Panzerkreuzer zu stimmen. Auch das wird ihnen nach ihrer bisherigen Haltung nicht leicht lallen. Es ist also unschwer vorauszusehen, Laß der linke Flügel der Fraktion Sturm laufen wird, und der Kanzler wird Mühe haben, die Fraktion zur Zustimmung zu bewegen, selbst wenn den Sozialdemokraten von den bürgerlichen Par­teien gestattet Wird, bei der Qlbftimmung über Len Panzerkreuzer sich der Stimme zu enthalten.

Aber vor die schwierigste Entscheidung sieht sich doch die V o l k s p a r t e i selbst gestellt. Richt um des Steuerkompromisses selbst willen, sondern wegen der politischen Folgen. Mit dem finanzpolitischen Ergebnis wird sich die Fraktion soweit die Dinge sich bisher überblicken lassen vermutlich abfinden können. Sie hat nicht alles erreicht, aber doch das meiste. Sie hat neue Steuern verhindert, hat auch der Wirtschaft eine kleine Entlastung gebracht, dadurch, daß allen Betrieben gestattet wird, bei der Einkommen­steuer die Verluste früherer Jahre anzurechnen. Sie hat weiter in Aussicht, daß im Herbst die Steuerskala sür die mittleren Einkommen aus­einandergezogen wird. Sie muß sich hudem sa­gen, daß, wenn sie bei einem Rein bleibt, wahr­scheinlich die übrigen Parteien sich zu einem Steuerkompromih zusammenfinden würden, der

das Fliegen auf, im übertragenen Sinne kann man das auch abf die Musik anwenden. Der Inhalt der Musik lebt vom Transzendenten und Realen, aber auch ein Tonstück bedarf einer Form, einer Konstruktion, obwohl es zeit- und raumlos ist. Die Musk ist plastisch, aber nicht statisch, alles in ihr ist ein stets bewegtes Spiel lebendiger Kraft. Als solche unterliegt sie den Gesetzen der Natur und hat sich einzufügen in den ewigen Rahmen des Welt- aanzen. Es besteht wohl die Möglichkeit, sich die Naturkräfte dienstbar zu machen, sie sogar zum Teil zu beherrschen, niemals aber lassen sie sich aus- beben Aus diesem Grunde unterliegt auch der Mu­siker diesen Gesetzen, obwohl er Schöpfer und Er- inder ist. Er kann nicht über die Grundlagen der Natur hinausgehen, ohne dem Ganzen zu schaden.

Wir legten damit eine organische Grenze fest. Wenn an Stelle der weisen Beschränkung das Zu­viel tritt, und das Unmögliche an Stelle des Mög­lichen, wird die Musik ihres innersten Wesens be­raubt Aus dem Geräusch entwickelte sich der Ton nd damit die Musik. Die neue Musik scheint den Weg rückwärts gehen zu wollen. Damit aber hebt sie sich selbst auf!

Und nun das Wesen der Musik, ihre innere, ethische Seite. . Was soll und kann Musik aus­drücken? Alles und nichts! Nichts in bezug auf die reale Einzelerscheinung, alles m bezug auf bie Ideen des Weltganzen, aus d,e Metaphysik des Lebens. Mit der gleichen Wahrhaftigkeit und ohne Umwege fagt uns die Musik das Tiefste und das .höchste. Auf dem ganzen Wege wird unsere Seele berührt durch die Musik, so nahe, roie uns das Wart kaum jemals kommen kann. Das einzelne inft sich auf im Gesamtbewußtsein eines höheren Daseins. Musik ist eine jenseitige Welt, im Dies­seits enthalten, auch wenn wir es nicht suhlen. Und dieses Jenseits wird mit den Mitteln des Dies­seits dargestellt, das ist das große Raste und die große Einfachheit zugleich, die in der Musik entha - ien ist Denn mandenkt' nicht Musik, man grü­belt nicht dabei, man lauscht. Und aus diesem Lau­schen und Auflösen der Seele erwachst uns die jen- seitige Welt. Das ganze Leben, laßt sich in Tonen ausdrücken, solange der Schöpfer die Idee Guter ch deren Blüte hinaufreicht ins xrans3eriueu^ den ^»8^. fuhttund^'m^ (fl^ sie die Ä M Ä I EinzeLing^ieht. MM läßt W nicht nut fanden