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Nr. 34 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 9, H:bruar (929

Drei Verträge.

Außenpolitische Umschau.

Von Dr.OttoHoehsch, o. 6. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. X

Drei wichtige Vorlagen über internationale Verträge sind soeben im Reichstag erledigt wor­den. Der Handels- und Schiffahrts- vertrag mit Litauen ist die erste Aus­wirkung einte Verständigung, die bei einem Be­suche des litauischen Ml.nsterprä, identen in Ber­lin angebahnt worden war und der weitere Ver­träge zwischen beiden Staaten folgen werden. Bei der Deurtei.ung stehen hier wirtlich einmal diegeopolitiichen" Gesichtspunkte durchaus im Vordergründe. Zwar ist ßitauen ein k.einer und nicht besonders mächtiger Staat, aber seine Lage macht ihn für Deutschland wichtig, als eine Brücke zwischen Ruß - land und Deutschland und auch für die Beziehungen mit den soge-.annten Randstaaten, denen an der Ostsee fe bst. Die Gemeinsamkeit der In:« e.sen gegenüber Polen liegt ja so auf der Hand, daß darüber nichts gesagt zu werden braucht. Andererseits stand und stehl die Memel- froge zwischen den beiden Staaten. Der Vertrag verletzt in keiner Weise wirtschaftliche Interest. Deutschlands und bahnt «ine wirtschaftliche Ge­meinsamkeit an. Einen vollen Sinn kann er erst bekommen, wenn er durch die folgenden Konven­tionen abgeschlossen ist, und vor allem, wenn Litauen in der Behandlung Memels und in der Beobachtung des Memel­statut« die nur zu berechtigten deutschen Kla­gen und Beschwerden abstellt. Wan kann nicht gut in Kowno mit Deutschland gute Beziehungen pflegen und gleichzeitig in Memel mit Hilfe eine« immer noch bestehenden Kriegszustandes aus die Deutschen dort drücken. Wird diese Vor­aussetzung erfüllt, so ist dieser Vertrag wirklich zu begrüben, und wir glauben, daß auch Ost­preußen allen Grund hat, damit zufrieden zu sein.

Die zweite Vorlage betrifft die Veziehun- aen au Rumänien. Sie beendet jahrelange finanzielle Streitigkeiten. Sie bringt den Ver­zicht Rumäniens auf di« bekannt« Destimmung de« Versailler Vertrages in Bezug aus di« Li­quidierung des Privat-Cigentums, auf die Rumänien bisher noch nicht verzichtet Ei. Sie macht die Bahn frei zur Wiederher-

mfl der wirtschaftlichen Beziehungen, die zwi- Rumänien und Deutschland vor dem Kriege bestanden hatten, und bringt Den großen Vorteil für Rumänien, Daß dieses nun die Hände auch aanz tret bekommt, um seine Währung zu stabilisieren. Die internationale Finanzanleihe dafür ist in Pari« beschlossen, und Deutschland wird sich daran auch beteiligen. Der Vertrag ist von der alten Regierung Rumäniens abge­schlossen und wird von der neuen Regierung, die damals Opposition war. ratifiziert: er ist also In Rumänien selbst gut gesichert. Deutschland hat mit Rumänien, vorausgesetzt, daß dieses die zahl­reichen Deutschen in seinem Lande nicht unter­drückt. kein« Reibungsflächen. Rumänien weih selbst am besten, wie wenig sicher eS in sich selbst ist, dah seine Verbindung mit Polen und mit Frankreich nicht allzu viel realen Wert hat: und wa« e« zu seinem wirtschaftlichen Wieder- aufbau braucht, können ihm dies« beiden Länder auch nicht geben.

Mit der Ratifikation de» Kellogg- ?) a k t e « hat Deutschland noch einmal nachdrück- ich anctlannt, dah es diese amerikanische Aktion durchaus würdigt, sowohl in ihrer allgemeinen Bedeutung, wie um deswillen, dah die erste Macht der Welt diese Aktion bis zum Ende Durchgeführt hat. Dabei ist festzustellen, dah die langwierigen diploma i.chen Verhandlungen den Pakt selb st nicht geändert haben. Es existieren keine förmlichen Vorbehalte. Auch aus amerilanisch«: Steite ist nichts dergleichen bs- fchlossen Kellogg hat seinen Standpunkt durch- gesetzt, dah das alles nur Interpreta­tionen seien. Aber gerade darauS. dah die Mächte so lange hin und her verhandelten, er­gibt sich, welche Bedeutung s'.e diesem Pakte beileaen. Gleichwohl bleibt richtig, dah er so

Das große Grauen.

Vornan von H. A. von Byern. älrheber-Rechtsfchutz d. rch Verlag Oskar Meister.

Werdau.

3 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Eigcntllch schade, dah alle d.ese Kostbarkeiten der Allgemeinste.t unzugänglich sind," meinte ich, davor rann sich manche staatliche und städtische Bücherei verstecken!"

Vinzenz lächelte ein wenig resigniert:

Wann i a.nal nimmer bin, nachher können be g'.ehrten Herrn in Wien ihre Freud' dran haben ...

Oho! Und dein« Rachkommen?"

,.I heirat net." m t

Den Kehrreim kannte ich schon, aber Graf Pürkstci'i erk.ärtr ph.lo.ophlsch: . k

Vergeb' nix. ma.t soll n ama fa£rn. mit da L.ab is 's wie mit 'd Tod, da hs-t.fr fa Sträud'n ..

Schließlich sahen wir doch wieder an dem Spiellisch. aber mein Freund war zerstreut und nach ein paar Sta läen warf er die Karten zu­sammen :

3 patz heut', mir will do Geschieht' mit dem Schuh no net aus 'm Sinn, wenn i b.oh wüht..

.Ein Schuh?! Wo denn? Wann denn?"

Drob'n im 6;e.ar, kann fei, dah 's a 3agd- g'hi.f war, drüoen im Aeiarischen, kann aoer a fern, cs san wieder Lumpen im Revier."

Glaub i net." Graf Vernegg lehnte sich zurück. ,da hätt' mei' Perio.'.al doch auch was g spannt , aber, frag doch amal an, am End' war s a Iagd- gast ..."

,Lm. wär net ausg'schloss'n."

Es wollte keine rechte Stimmung aufkommen an dem A-end, und wir gingen zeitig zur Ruhe. Der Regen halte nachgr.a.sen, als ich an das Fenster trat, nur aas dem von.se schweren Weir.s oll i.e e.i no^j llat chende Trop.en hinunter auf den gep,.asterten Hof. Am Firmament brann­ten die S.erne, a s unvollkommene Scheibe schob sich die Sichel des abnehmenden Mondes herauf und das blaßblaue Licht rann wie ein Strom von Silber über die Aeste der am Burgsried

nur eine Geste oder eine Proklamation ist. Er wird wenig Legaten, wenn er nicht weiter- gebildet wird. Immerhin hat er doch schon heut« die Bedeutung, dah künftig in jedem großen KonfllktSsalle die Vereinigten Staaten sich nicht einer Stellungnahme zu der bekannten Frage entziehen kön.en. wer der Angreiser sei. Die,er berühmten Frage nach der Des.nition de« Angreifers, die in Genf immer so viel Kopfzev- brechen macht. ES liegt auf der Hand, was «3 bei einem solchen Konilikt bedeuten würde, wenn di« erste Macht der Well sich dann zu dieser Frage ihrerseits äufoert.

Das wird und muh dann von selbst toeiten» führen. So wie er ist, kann der Palt nicht bleiben. Er muh eine Maschinerie er­halten, durch die er wirksam gemacht wird, und er muh auf bestimmt« Fragen zurückwirken. Das hat seinerzeit die deutsche Antwortnol« vom 27. April 1628 hervorgehoben. Die Abrüstung muh darauS einen Anstoß erhalten, und ebenso müssen für die Fragen, zu deren Austragung auf die Massen vernichtet werden so.l, die Mittel fried­licher Austragung bereit sein. Denn wie immer wieder ju sagen ist, mit der Erklärung, es dürfe kein Kr:eg mehr sein, schasst man doch nicht auS der Welt, dah zwischen den Staaten, genau wie zwischen den Menschen, Streitigkeiten entstehen. Findet man keine Mittel, dah sie friedlich bei­gelegt werden, so werden eben trotz aller Der- träge und Verzichte die Kanonen doch wieder loSg.hen. Das wurde bei der Ratifikation von deutscher Seite erneut betont. Das sind unsere BoraiL ehungen ober Vorbehalte. 2n diesem Sinne hat nun die deutsche Politik sowohl bei den Vereinigten Staa en wie beim Völlerbunde mit aller Aktivität, rück.ichtslos und im Angriff vor­zugehen. UnD wir stellen fest, dah em Mann wie Lord Robert Cecil, als praktische Folgerun­gen auS dem Kellogg-Pakt genau d ie glei­chen Forderungen erhebt wir Deutschland: Abrüstung. Möglichkeiten friedlicher Revi­sion der Verträge (der bekannte Art. 19

deS Völkerbundes). Wir begrühen es auch, dah der engllsche Staatsmann dem ebenso selbstver­ständlich die Rheinlandräumung und die Minderheltenfrage hinzufügt.

Gerade in Deutschland wird niemand diesen Pakt überschätzen. Mit Redensarten, dah er eine neu« Qlera einleite, ist gar nichts ge-an. ilnb wenn man gieichzeitig liest, dah der amerikanische Senat die grobe Vorlag« auf Dau von Kreuzern angenommen hat, so wird ja jeder sozusagen mir der Rase Daraufgestoßen. wie weit die Wirklich­keit von den Idealen des Kcllogg-PalteS entfernt ist. Wir beurteilen ihn ganz nüchtern und un­befangen und sehen desha b das Wesentlichste in ihm darin, dah er «inschlleht die Beschäftigung der Vereinigten Staaten mit den Angelegenheiten einer Friedensordnung, um die Europa auch heute noch, zehn Jahre nach Kriegsende, ringt und zu der es ohne die Vereinigten Slawen bestimmt nicht kommt. Dah diese Folgerung aus dem Pakt in Amerika selbst durchaus noch nicht allgemein aufgenommen wird, dah man sich drüben noch in weiten Kreisen durchaus von den Angelegenheiten Europas fernhalten will, das wissen wir. Darum wird in Amerika in der öffentlichen Meinung und in den Parteien noch gekämpft. Wenn gleichwohl der Pakt im Senat beinahe einstimmig angenommen wurde, wenn somit diese Aktion drüben bis zum Ende durchgeführt wurde, so ist das ein Zeichen für die Zunahme der tlleberzeugung. dah sich die Ver­einigten Staaten von einer Friedensordnung in der Welt und damit in Europa gar nicht fern­halten können.

In diesem Sinne und mit seinen Voraus­setzungen hat Deutschland mit alserster den Pakt ratifiziert, indem es dir Parallelität seiner Interessen und seiner politischen Absichten mit denen der Vereinigten Staaten betont. Ge­rade im Augenblick, da die Reparationskonferenz in Paris beginnt. Ist es von Ruhen für Deutsch­land, das zu unterstreichen und hervorzuheben.

Mreffenausgleich Mischen Aori> und Süd."

Bon Dr. Ernst Müller-Meiningen, ehem. bayerischem Staaisminister der Justiz und ehcm. Senakspräsidenten am Obersten Landgericht, München.

Eine einigermaßen erfchöpfende allgemeine Dar- ftellung der Frage des Interessenausgleichs zwischen Nord und Sud, dieser aktuellsten innerpolitischen deutschen Frage würde die Abfassung eines um- fangreichen Buches erfordern. Im Rahmen eines kurzen Zeitungsartikels kann der Derfaster nur einige, vielleicht gerade im jetzigen Zeitpunkt inter­essierende kurze Randbemerlungen darüber machen, warum gerade jetzt dieser Ausgleich eine Le- bensnotwendigkeit Deutschlands ist oder wäre.

Wir stehen an der großen Schicksals- wende: Bald erfahren wir, ob Paris, London, Locarno, Thoiry und Genf nur die Selbsttäuschun­gen waren, die die Pessimisten vorauszusagen wag­ten. Die Verhandlungen in Paris über unsere zu- künftigen Tributzahlungen Geraten uns nicht nur, ob wir weiter bis zum Weißbluten ausgepowert werden sollen, sondern in der Folge auch, was au» unseren Hoffnungen auf Räumung der Rhein- lande usw. werden wird, ob wir mit völliger Ab­rüstung, mit derErfüllung bis an die Grenzen der Möglichkeit" und mit dem Eintritt in den Völ­kerbund etwas erreicht oder ob wir uns allüberall selbst betrogen haben: In solcher Zeit müßte die große und einige Schicksalsgemeinschaft des deutschen Volkes Evangelium fein: Heiliger na­tionaler Glaubenssatz.

Und in dem Augenblicke, in dem wir dieses Glau­bensbekenntnis zur endlichen Einigkeit abgeben müßten, bietet das deutsche Volk bzw. feine Regie­rungen das Bild traurig ft er Uneinig­keit, einer selbst für unsere Verhältnisse anor­malen Zerrissenheit, eines Kampfes aller gegen alle: der Regierungen der Einzelstaaten gegeneinander, gegen das Reich, der Einzelstaaten und des Reichs gegen das höchste Gericht, der Behörden gegen Be­hörden usw. Kurzum ein Bild trostloser germani­scher Streitsucht, die selbst den hilfsbereiten Freund abzustotzen geeignet ist. ___________________

Wie das all«« so kam. wie «3 A. D. mit den Vorwürfenbayerischer traditioneller Preußen- scindschaft" sich verhält. di« einzelnen Stadien der Entwicklung die.es selbstmörderischen Kampfe« bi« zu den tragikomischen Presleunterhaltungen der letzten Tage in Berlin und München, können hier nicht dargestellt werden, so wenig wie di« Schuldfrage au erörtern Ist. E« genügt hier, festzustellen, daß di« Verhältnisse unerträg­lich geworden sind, baß die Cänberfonfereitlen die Gegensätze nicht verringert haben, dah der Ton und di« Form der Austragung der Gegen­sätze Dimensionen angenommen haben, die fast den Komödiendichter reizen könnten, die aber da« Volk Im Rorden wie Im Süden sich nicht mehr gefallen lassen bürste, da sie Reichs- und Landesinteressen verletzen. Don den neben* her lau, endennormalen" Regierungskrisen brau­chen wir hier nicht weiter au sprechen: Der Kamps um dieMachtkrippe" ist ja bei un« polr- tische« System. Dauerzustand geworden, ohne den wir un« diesen »Freistaat" nicht mehr gut denken können.

Die groß« Gefahr scheint mir dabei darin zu bestehen, dah der Kamps um den aktuellen wirt­schaftlichen und politischen Interessenausgleich, mit dem wir un« hier zunächst allein zu befassen haben, bereit« mit Den großen Welt- anschauungSsragen der Parteien verquickt wlld. Hi« Marxismus, hie Kleri- kausmus oderSeparatismus" so tönt es bereits Die rein sachliche Tendenz droht vom wirtschaft­lichen und finanziellen Gebiet auf das Gebiet L:r großen, geistigen weltanschaulichen Kämpfe hinübergespielt au werden. Es ist mitunter, als wenn der teuflische Geist de« Dreißigjährigen Krieges hinter mancher Zeitmaske lauert und da« einfache politische Ziel vergiftet, das da lautet: Der Süden will nach der dort herrschen­

stehenden Steineichen hin. zaubert« tiefschwarz-r. grotesk verzerrte Schlagschatten. Dann hob auf dem Flur draußen die altmodische Kastenuhr aus zehn Uhr. Fröstelnd schloß ich das Fenster morgen würde ein schöner Tag werden. Dirschwetter. und ich griff nach einem gebundenen Jahrgang desDeutschen Jägers", brannte mir eine Zigarette an ... Die Erlebnisse der ver­gangenen Stunden waren vergessen, leicht und duftig ringe.ten sich die blaugrauen Rauchwöllchen empor, trugen mich auf unsichtbaren Schwingen in das Reich der Phantasie, und blutrote Reflexe deS Kaminseuers huschten über das schnee'.gweiße Elsäärense.l, die dunklen, ledergepreßren Tapeten.

Was, zum Donnerwetter, ist denn nur los?!" Gegen meine Tür raste, von -Wei Fäusten gehämmert, ein Tromm«lloirbcl.

I bin*«!

Wer ist. ,,i, i"?I

D'r 3adl ..."

So, nun war ich im Btlde, machte Licht, ein rascher Blick auf die Uhr zehn M kuien nach Drei. Dann öffnete ich die Tür:

Kommen Sie nur herein!"

Vor mir stand der Jäger, ein untersetzter, breitschuttriger Gebirgler mit fuchsrotem Haar und Bart, über dem ein paar kindergute, treu­herzige D auaugen leuch.elen.

Also, Iackl, wollen wir beide es mal pro­bieren?"

Is recht, Herr, un' entschuldigen S' nur, wenn i a büferl grob war, aber 's is a weita' Weg ..."

Schon gut. Iackl, da braucht's keine Entschul­digung hier stecken Sie sich ein paar Zigarren ein ...

In wenigen Minuten war ich marschferttg: Haben S.« schon Kassee getrunken?" Kassce. Ra. dös tua i n'.a net. nimmt ma halt an Sch.uck Enzian un' a Trumm Brot."

Schön, dann wo.l n wir mal los. 1.«sein, aber müifen ein bißchen Rachsicht mit mir haben, ich bin das Berge st eigen nicht mehr so gewöhnt, habe noch nie einen Gams geschossen."

Der Iackl schmunzelte:

Wann ma Die andern Iagdgäst' hört, Die Die- toeil aus Da StaDt oder vom Riederland femma

o du mei, do hat a jeder schon g'fahr- lichsten Partien g'macht, un' Gams ham's Derlcgt, mehr als wia in ganzen Tiroler Berg steh'n ..."

Ja. mit dem Mund, nicht wahr?" Ich lachte und wir hatten uns verstanden. Wenn mancher 3agDga|t wüßte, wie lächerlich er sich macht mit seinen Aufschneidereien und dem doch stets miß­glückten Versuch, Dialekt zu reden! Da ist es dann freilich kein Wunder, wenn Die Derufsjäger und Geoirg er auf damischen, gladaugaten Stadt,rück' nicht gut zu sprechen sind!

Wieder stiegen wir wie am Morgen des vor­hergehenden Tage« dura- oen Hochwald empor. Der Wind wehte talwärts, über uns, im Gezweig regle ein sch.aftrunkener Vogel die Schwingen, und in der hellhörigen Lust klang vom Dorf hev- über Der Stundensang des Wächters:

Hört ihr Leut' und laßt euch sagen: Die Glocke hat vier Ußr geschlagenl Morgenrot am Hunmel schwebt, ünD wer den neuen Tag erlebt, Der lobe Gott den Herrn!"

Leise Harste Der Südvest in den Wipfeln der Tannen, deren schwarze Stämme wie Säulen auf» ragten, hin und wieder fiel ein vom Nachtfrost gewilltes Blatt taumelnd zu Boden. Mein Füh­rer blieb stehen:

Kunnt leicht fei', daß a Rudel von Dera Alm- lichten abwärts ziagt, haben S' schon g lad n?'

Ich nickte nur, unj wieder ging es weiter, quer Durch schüchtern stehenden Bestand, eine Stein- reiße aufwärts.

La! Irgendwo in Dunkel und Dämmern flog ein Ton auf, ein kurzes Knören, Anstößen, bann ein zorniger Groner . . . Iackl packte meinen Arm:

Richten S' Eahna!"

Ich prüfte über Kom und Kimme hin das Ab­kommen keine Mög.ichkeit, einen sicheren Schuß anzubringen, frühestens in zehn Minuten mochte das.yfenlicht zur Rot hi.irihen. Bon paibcr Dergeshöhe her hallte ein Schrei, machtvoll und dröhnend wie Orgelklang, weckte lang nach.^al- lendes Echo ...

Kommen S'I Der Hirsch steht drob n m Die Latsch'n, bal' r a Stuck treibt, linna ma uns an- birsch'n, i woaß an Richtweg . . . Es blieb

den föderalistischen Anschauung keine bloße P r o v i n z", lein« auf origina e Eigenen twick- lung ver' ichtei'.de Filiale sein, sondern nach seinem alten 6o.,«.i deutschen Kulturzustande und seiner von der Ratur und der Geschichte ihm zukommen­den Stellung eine Staalsauf.assung bewahren, die chr als Synthese zwischen dem Drange nach Selbständigkeit und Selbstverwaltung und der Rotwendig.eit, sich in ein großes Ganzes ein* zuschalten, richtig erscheint.

Solche Staatsaufsa.sung kann und Darf nie­mals mit Zwang belegt werden. Das Reich hat feierlich gelobt, sie zu achten. Sie ist a.s echt deutsch ach.ungswert. Das Reich kann sich nicht nachsagen laßen, daß esgegen Treu un. O auben, C.cr reg tre e unu Rell.ts.mpfmdcn verstosse", muß vielmehr durch. Die Tat beweisen, Daß cs sich hier um Mißverständnisse handele, Die sch zum Teil In unschönen Pole­miken zwischen den Vertretern Der beiden größten Staaten abspie.en. Massen, Zahlen, Mehrheiten geben Dabei ke.n Recht auf Brutalisierung. Auch Der Ausspruch, Daßes gegen das Reich keinen älrtei.svollstvecker gebe", ist höchst mißverständlich, kann und Darf nie dahin gedeutet werden, DaH ..Macht vor Recht" gehe. Die Anerkennung eines solchen brutalen Herrenstandpunktes wäre Der Untergang des Rechtsstaates unD Damit Des Reiches unD Der Lander. Recht muß Recht blei­ben. Am meisten in Der Demokratischen Republik, die ohne solche RechtsgrunDlage Die Herrschaft der zügellosen Massen, des Proletariats Der Masse proklamieren würde. Unvorsichtige Aus­sprüche vermehren beiderseits Das leibet vor­handen« Mißtrauen, stärken Die Furcht vor Der systematischenAushöhlungspolitik" gegen die Eigenstaatlichkeit Der süddeutschen Staaten, die dann im Rorden alstraditionelle Feindschaft gegen Preußen" ausgemunzt wird. Hüten wir uns auf beiden Seiten vor Schlagworten, Die Die Einigleit vergiften!

Es ist Sache des Reiches, fca vielleicht sogar Des Reichspräsidenten, alles auf- zubieten, um den Streit um so reale wirtschaft­liche Dinge wie die Entschädigung auS Der ver­traglichen Hebcrgabe der bayerischen Post und Eisenbahnen an das Reich und den Anteil Bayerns an Der Diersteuer auf diesem Boden rein wirtschaftlicher und rechtlicher Tatsachen zu belassen. Hüten wir uns, ihn nicht nach Der Art der homerischenHelden" mit gegenteiligen Invektiven und Beleidigungen Würzen und ver­giften zu lassen.

Bei einigem guten Willen muß es ohne be­sondere Schwierigleiten gelingen, Bayern in Der, Post- und Biersteuerfrage zu befriedigen. Dev ütaatSücrtrag von 1920 hat Die Entschädigung! für die bayerischen Eisenbahnen von einer Be­lassung im damaligen staatsrechllichen Zustande nicht abhängig gemacht. Aber alle diese Fragen sind elgentllch Sache des Reiches, nicht Preu^ ß e n s. das hier die Rolle De« Vormund« des Reiches spielt. Preußen sollte hier vielmehr sich bemühen, einen Ausgleich zwischen Dem Reiche und dem Süden, vor allem Bayern zst vermitteln, weil es doch ohne weiteres zugebenk muß, daß die wirtschaftliche Lage Süddeutsch­lands weit schlechter ist al« Die be« Rorden«^ Bayern ist weit ärmer als Der Westen unD Rorden des Reiches Da« sind doch Dinsenwahr^ heilen, die jeden Reid und jede Scheelsucht vor­scheuchen müßten, so wenig wir selbst eine un­gerechte Bevorzugung des Südens wünschen. Del kluger Betrachtung wurden gerade jetzt sich zahl­reiche gemeinsame Interessen für die zwei größten Bundesstaaten ergeben, die jetzt, vom Parteisanalismus ihrer politischen Führer geblendet, auseinander lossch^agen zur größten Freude unserer westlichen Rachbarn und Gegnerl Also das Reichsinleresse fordert, dah die Reichs­verantwortlichen hier energisch nach dem Rechten sehen und den Frieden raschestens vermitteln, be­vor Der Brand weiterfrißl. Das eine Gute hat Die gegenseitige Aussprache jedenfalls gehabt, daß über die rechtliche Grundlage der einzelnen aktuellen Fragen vollkommen Klarheit auch sür die öffentliche Meinung geschaffen worden ist. Die Hauptsache bleibt, im großen wie Im kleinen, die bundesireundliche Bereitwilligkeit, sich gegen' fettig zu verstehen und sich bewußt entgegen*,u* kommen, wo die Interessen tatsächlich ober schein-

mir nichts anderes übrig, als blindlings zu fol­gen. Der Wind kesselte, aber jetzt mußten wir alles auf eine Karte sehen', Denn Dem Melden nach entfernte sich der Geweihte Immer mehr von uns.

»Ist cs Denn auch Der Zehner?"

Kenn' ealjm scho an Dera Stimm'," Iackl kroch wie ein Indianer vorwärts, bog vorsichtig Die schwebenden Latschenzweige zur Seite. Von Minute zu Minute wurde es heller. Die tief* violetten Schatten gingen in ein fahles Grau über, färbten sich rosig, purpurn. . .

Am Hang fteinelte es. Ich kniete hinter eine Lärche, äugte mit Dem lichtstarken Glas Da« Almseld ab. Ein zwei - Drei vier fünf graubraune Klumpen Hochwild! Das Herz schlug mir bis zum Halse, am Gaumen spürte ich einen faden, gallbitteren Geschmack. Aber wo mochte Der Hirsch sein? Wo?! Da preschte es heraus aus Dem Latschengewirre, ein Schmal­st ück. hart Dahinter Der Geweihte . . .

Echiaß'n 21!"

Die gestochene Buchse lag langst im Anschlag, nein, noch nicht, Diesen Anblick wollte ich genießen, festhalten fürs Leben! Der Zehner wandt« sich, stand wannenbreit auf kaum hun* dertzwanzig Gänge, Den Träger mit Der zackigen, dunklen Brunstmähne weit vorg streckt, das Ge­weih. dessen lange Enden wie Elfenbein schim­merten, zurückgelegt.

Weißlicher Brodern stieg aus dem Geäse.

Ahua . . . ahua . . . o-o-o-ah!!"

Silberschimmernd hob sich das Perlkvrn von der harschen Delle, tastete zögernd nach Dem Blatt . . . Ein leichter Druck am Abzug:

Pang klatsch!'

Wie ein bäumendes Pferd schnellte Der Hirsch mit den Vorderläufen in die Luft, krachte auf der Hinterhand zusammen, wurde wieder hoch und nahm in langen, niedrigen Fluchten Die Lat­schen an: t n ,

Pang!" Ein Feuerstrahl zuckle aus dem Lauf, Dann schlugen Die grünen Zweige zusammen. . . stilles Schweigen.

Iackl sprang auf.

Hai n Po. i gratulier!"

.Tanke schön, gut abyekommen bin ich jeden­falls aber wir wollen mit Der Rachsuche Dock