Ausgabe 
9.1.1929
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 7 Drittes Blatt ii 1 "I .

Mittwoch,9. Januar 1929

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Aus dem Neiche der Krau.

flatternden Rechnungen, Quittungen und Belege. Im Haushall Festbesoldeter mag solch ein erweitertes Kontobuch nicht nur der Hausfrau, sondern g e meinjam mit dem Hausherrn der gesam­ten Wirtschaftsführung dienen. Welchen Wert man vonoben tjer' einer geordneten hauswirtschaft- lichen Buchführung beilegt, dafür zeugt der Um­stand, daß das Rs chsamt für Statist k Tausende von Haushaltungsbüchern gegen Prämien an Fa­milien der verschiedenen Schichten ausg:gebcn hat, um auf Grund genauer Eintragungen Material für volkswirtschaftlich? Studien zu gew.nnen.

So ist die Frage, ob die Hausfrau ein W'rt- . schaftsbuch führen soll, im Interesse der Gesamtw.rt- I schäft und im eigensten Hausfraueninteresse mit einem entschiedenenJa" zu beantworten.

Die Frau am Theater Bühnenbildnerin und Kosiumzelchnenn Von Jonny Behm.

Kinder-Anekdoten.

Von Or. Hans Hajek.

Sie werden erzählt und werden belacht und werden wieder vergessen. Gleich anderen An^- boten die von den Kindern aber sind dre fluch- tiaften. ilnö das ist sehr schade. Denn es gibt so viel aus diesen Anekdoten zu lernen und zu erfahren von den Kindern! Wie lebendig wäre eine Kinder-Psychologie. die sich nur auf Kinder, anekdoten aufbaut! Und s>e wäre vom Klein- linde an möglich! Wenn wir an unser eigenes Kinder leben denken, wissen wir jeder und rede kleine Geschichten zu erzählen Die lur den be­treffenden Menschen höchst charakteristisch smd. Modernste psychologische Formung, die Psycho­analyse Freuds, ist der Bedeutung solcher Kindererinnerungen nachgcgangen und hat ge­zeigt. daß auch hinter den unscheinbaren ein Sinn steckt, wenn auch nur vielleicht Der, einen andern viel wesentlicheren zu verdecken (Deck- erinnerungen). Aber es ist nicht notwendig und nicht nützlich, alle diese Aeuherungen des Kin­des aus sexuelle Triebkräfte zurückzuführen selbst wenn es möglich wäre. Was hier gar nicht zur Erörterung steht. Freuds Schüler und tehiger Gegner Adler ist Damit Recht weiter gegangen, wenn er zeigte. Daß sich in jeder solcher kleinen Handlungen einLebensplan", das heißt eine gewisse. Dem betreffenden Menschen selbst gar nicht bewußte Einstellung zum Leben verrät.

Die fünfjährige Gisela und Der Dreijährige Winand sind Geschwister. Sie sind beide in Tante Erna verliebt, aber auch eifersüchtig auf sie, die für einige Wochen mit im Hause lebt. Gi'sela nennt ihre Patentante. Die siedrücke­lieb" haben muß, geradezu chre Mutti toaö hier übrigens keinen Abfall von der wirklichen Mutter, nur einen hohen Rang für Die Tante bezeichnet! Als Tante Erna mit Den Kindern ins OöeibnaÄtSmärdjen gehen will, weigert sich Wi­nand standhaft: Tante Erna ist Giselas Mutti also soll sie auch mit Der allein gehen. Erp als Die Tante ihm klarmacht, daß sie dafür doch feine" Xante Erna fei, geht er mit und ist be-

samkeit auf erlegte.

Auch für die Hauswirtschaft ist Rationalisierung das Losungswort geworden. Mil einem Mindest­maß von ^eit, Geld und Kraft soll ein H chstmah von Leistung und Wirkung erzielt werden. Das ist nur m glich bei völliger Klarheit über Die Kräfte, Mittel und Werte, die zur Verfügung stehen. Rur die absolute Klarheit über das Können, Mussen und Dürfen gibt auch bei enger gewordenen Verhält­nissen das Gefühl, über den Dingen zu stehen. Sie verhindert die größte Gefahr aller Wirtschaftsführung, daß die D.nge uns über den Kopf wachsen. Solche Klarheit und Sicherheit aber gibt nur eine geordnete Buchführung.

Sie Durchzuführen ist weniger eine Frage Der 3eit als Des Willens. Die Gewohnheit wirD zur Helferin Und Die Freude am klaren Uederdlick macht die Gewohnheit zum Bedürfnis. Wie soll aber haus- wirtschaftliche Buchführung geschehen? Ein ein­faches Kontobuch genügt, wenn man nur Einnah­

men und Ausgaben aneinander messen will. Heule ist es aber auch wichtig zu wissen, wie sich die Aus­gaben auf die verschiedenen Lebensgebiete ver­teilen, ob die Ausgaben für Kleidung, Anschaffun­gen im rechten Verhältnis zueinander stehen, ob nicht mehr für Kulturzwecke, Gesell gkeit und Reifen ausgegeben wird, als sich mit dem Ganzen vertragt. Solchem Bedürfnis nach spezialisierter Buchführu g kommen eine Reihe von Wirtschaftsbüchern ent­gegen, Die aus praktischer Erfahrung entstanden sind und jeweils ein übersichtliches Schma für Die ein­zelnen Teilgebiete der Haushaltsführung bieten. Rasch ist sowohl nach der Zeit wie nach den ein­zelnen Warengattungen der Verbrauch ftstzustellen und zu vergleichen. Nützl ch ist eine Ta,ch? am Um­schlag des Haushaltsbuches für Die so leicht zer-

führung ober nicht?"

Ganz abgesehen von Der praktischen Bedeutung sind m r D.e alten Wirtschaftsbücher ein lieber und lehrreicher Besitz. Eine Welt von Erleben spricht aus Den nüchternen Zahlen und Notizen. Feste und Krankheiten, Ausflüge, liebe Gäste, wirtschaftliche Krisen, behördliche Eingriffe in das Ernährungs­wesen sonst längst vergessen sind fcstgehalten, weil bei erhöhten Ausgaben die Ursache mit st ch- wortartigen Notizen angegeben ist. D.e Aufzeich­nungen lassen erkennen, wann und zu welchem Preise Anschaffungen gemacht sind zur Ergänzung des Haushalts aus dem, wasübrig" war. Die Bücher geben ein fesselndes B ID vom Schwanken und Sie gen der Preise, von der jeweiligen Um- st llung Der ganzen Haushaltsführung. Sie zeigen, wie sich unter Dem Druck der Verhältnisse die Aus-

Einer der aussichtsreichen und toen'g't began- I genen Frauenberufe ist der d?r Dühne..ldnerin. Hebctal! Da, wo künstlerisches Empf nden sich mit s Farben- und gormrniinn und kunsth-ndwrrkl.cher Technik Derein gt, entsteht ein dem We.en und der Begabung der Frau besonders entsprechendes Arbeitsgebiet Allerdings muß d.e Bühnmbild- nerin über vielseitig? Fähigkeiten verfügen, die sich nicht nur im Formalen und Malerischen ausdrücken, sondern vor allem ein Höhrs Maß an Phantasie und ein feines Ginfühlen in das Dich­terische. feinen Stil, sein Tempo, seins Sprache verlangen. Das Handwrr liche b darf e.ner ad'o- luten Beherrschung, und auch der rein prall sche Sinn, der über eine gewisse Findigkeit im Der- werlen alter ober beschränkter Mittel verfügt, ist einer der wichtigsten Faktoren. Rein charakter­lich braucht Die Bühnen ö.ldnerin eine -starke Energie. Beherr chung und Konzentriert'eit, um ihren Posten in stetem Kampf mit den Mann zu behaupten und so drr grasten Anzahl Männer die ihr unterstellt sind, mit denen sie dauernd Hand in Hand zu arbeiten hat. wie Bühnen - arbeitcr, Schieirer, Te cuchlung-techn ler. ,-Ser" zu werden. Es ist eine nicht immer ganz leichte Arbeit, da D e Frau von h ute le.Der noch nicht überall ais die selbsiänd gr Ar «ilsiraft.elrachtet wird die sie in Wirllichke t ist. In der Zusammen­arbeit mit Regis,eur und Schauspieler muß sie viel Takt und trotz aller Destimmth.it ferne An- pasiung zeigen.

Dem eigentlichen Studium würde zweckmäßig eine praktische Lehrzeit an der Dähne Doran- gehen. um alle rein bühnentechnischen Fragen der Beleuchtung, des K llisienausbaus und der szeni­schen Gruppierung kennen za lernen. Das Stu­dium selbst spielt sich in der Dühnrnttas.e einer staatlichen Kunstakademie ab, wie sie z.B. in Berlin. Dresden. Düs.eldorf. im staatlichen Bau­haus in Weimar usw. existieren Zur Aufnahme lind Eniwürse als Bef äh gungsnachweis. Lebens­lauf und Führungszeugnis mitzubringen. Der Unterricht wird g führt von D:r Idee, die Büh­nenbildnerin mit dem Gesamt o nplex des Thea­ters. dem Schauspieler. Regi.seur. Dem techni­schen Apparat, Dem Dühnmraum. dem Zuschauer in Fühlung zu bringen, um das Bühnenbild in absoluter Einheit mit dem dramatischen Werk zu gestalten. Ties erfordert eine ganze Anzahl re.n theoretischer Fächer, Prrspell De. Rauim und Flächengestaltung, mit Rücksicht auf d e Beare- gungen der Schauspieler, ferner die le andere Zarbentechnik der Bühne, Te'-uchtungsw? L'.. Derwa tungis)stem, Ma.er a'rerrendun^, allge­meine Borlesungen über das Wesen archsiellom- schen und künstlerischen Gestaltens, künstl.r fche Eniwicklungsgeschichle, Llleraturgeschich e und mit ihr besonderes Eingehen auf den geisti ei Inia.t und die Form einzelner Dichtungen. Gleichzeit g mit den theoretischen lln erisichtsstunden finden prall sche Arbeiten an Probebühnen m t Sperr­holz. Karton, Papier und Staffen statt oder:D;e Ausführung von Preisaufgaben und von Ent­geistert. Wie Der Muttititel bei Gisela einen tRang. drückt Die ihm suggerierte Auffassung vonfeiner Tante Erna eine Sonderbezieyung aus. Die ihn ganz zufriedenstellt. Wieviel Le­bensweisheit wäre aus dieser Alltagsanekdote, die keineswegs originell ist, abzuspinnen! An­dere Anekdoten charaktcrisieren das kindliche Alter an sich und geben Dem Erwachsenen wich­tige Hilfen zur Korrektur.Du kannst ganz richtig mit mir sprechen" sagte einmal ein kleines Mädel, um Die ..Kindersprache" eines Er- wachsenen abzulehnen. Das ist ganz wahr: Denn Kindersprache (nach Der berühmten Definitions­formel!) ist. wenn Erwachsene so töricht reden, wie sie meinen, daß Kinder es tun oder wün­schen. Wenn sie Kindern untereinander öuhorten, ohne sie zu beeinflussen, würden sie bekehrt

Es gibt aber wirllich eine Kindersprache, und die kennen wir noch viel zu wenig. Welche Fülle schöpferischer Kraft wohnt in ihr! Welche beneidenswerte Anschaulichkeit! Hier können wir meist von den Kindern mehr lernen als sie Don uns. Die sprachliche Differenzierung ist ja bet Den Kindern oft größer als bei uns Erwach­senen. Die wir nicht mehr fo primitiv fein ton­nen und daher immer stärker verallgemeinern, was Die Sprache leider abstrakter, grauer, bläfscr macht. Wenn ein Kind ..das Kleb" sagt für Syndetikon und ..die Knete" für Plastilina dann müssen wir zugeben. Daß beide Sprachblldurigen unvergleichlich Diel wirkungsvoller sind als un­sere Ausdrücke: hören Sie nicht, wie Dieses eine Wort wirklich klebt und wie die gläubige Sehn­sucht Des KinDes nach Dem WunDermittel Darin liegt? Wie knetbar wirklich Das andere Wort fast hätte ich gesagt sich anfühlt? Die Dichter müssen Diese Kraft Der urtümlichen Sprache, die Dinge sinnlich zu bezeichnen, erst toieDergetom- nen. und wie oft mißlingt es ihnen, wenn sie nicht selbst Kinder geblieben sind!

Wir müssen Darum Das Kind nicht überschätzen, natürlich hat es auch Don unS zu lernen, um einmal ein erwachsener Mensch auch im Seeli­schen zu werden. Aber wir Dergeffen leicht und zu unserem Schaden, Daß Das Lernen im Ber-

wie , -..... , - -

gaben verschoben, wie Ansprüche wuchsen oder zu- rückgeschraubt werden mußten, wie Die einzelnen ßebensgebiete um Ausgleich rangen Hier haben e.nmal Deutlich Kulturausgaben zurücktrcten muffen vor nackten Notwendigkeiten, dort hat eine gluck- kichere Wirtschaftslage und geschickte Haushaltsstra- tegie außergewöhnliche Freuden und Genüsse ge­stattet. Und über den engen eigenen Kreis hinaus geben die Bücher ein Bild volkswirtschaftlich r Ent- Wicklung, aus dem Behagen der Vorkriegszeit über Die Rationierung der Ernährung und die zweifel- hafteflenErsatzmittel" zu den fünfzehnstelligen Zahlen und zum Zusammenschrumpfen aller Ein­nahmen im Zeichen der Rentenmark, die dem groß- ten Teil der deutschen Hausfrauen strengste Spar-

Echte Spitzen.

Von Louise Freifrau von Reibnih-Malhan.

Es gibt nur drei große Stile unter den echten, Das heißt handgearbeiteten Spitzen, nämlich den italienischen. Den französischen und den flämischen. England hat niemals einen eigenen Stil gehabt, sondern kopierte Die flämischen, Brüsseler und Mechelner Muster. Auch Die schönen sog. Point dAngleterre sind eine Nachahmung der Point dAlen$on. Flüchlinge aus Flandern, Die unter der Regierung der Königin Anna sich in Devonshire niederliehen, waren die Hersteller derBoniton lace, welche sie nach heimatlichen Mustern arbeite­ten. In alten englischen Romanen wird der Leser stets eine vornehme Dame ftnden, die einen Kragen ober Manschetten aus Honiton lace trägt. Ver­gebens versuchte die Königin Viktoria, die Honiton lace zur typisch englischen Spitze zu machen. Es ge­lang ihr zwar, sie in -den Handel zu bringen, doch wurde sie niemals so hoch bewertet wie Die italie­nische und Brüsseler Spitze.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nahm die Spitzenindustrie ihren Aufschwung in Italien Durch die Herstellung der Point de Vemse, die bald ihren Weg nach Deutschland und Frankre ch fand S e war nicht auf Tüll gearbeitet, sondern das Muster wurde mit sog. Knopflochstichen geschürzt und verbunden. Aus ihr entwickelte sich dann die Point-dc-Rose"- undPoint-de-Neige^-Spine. Be­sonders kostbar ist die letztere. Da das fertige Muster noch einmal mit winzigen Sternen übersät wirb und

stunde".

Es mag Ihnen vielleicht überflüssig erscheinen, über die Teestunde zu reden? Dem, der sie pflegt und der seinen Freunden am Telephon sagt:Kom­men Sie doch heute zum Tee!" und der keine La­kaien dazu benötigt, jemand um fünf Uhr eine gute Taffe Tee vorzusetzen, gewiß aber in den größ­ten, reichsten Häusern findet man fo selten einen hübsch und anmutig gedeckten Teetisch ohne Um­stände, und bekommt meist einen so dünnen. Dem Zufall in der Küche lieblos überlassenen Tee, daß jeder einzelne mit einer feinen Nadel hergestellt ist. Als eine Der größten Förderinnen Der Sp.tzenindu- ftrie ist Marie von Medicis anzusehen. Sie erfand den hochstehenden Mediciskragen, der überall Mode wurde und die Schönheit der Spitze besonders zur Geltung brachte. Auch in Genua und Mailand arbeitete man Spitzen, die hauptsächlich für Kirchen - und Priestergewänder Verwen­dung fanden. Meistens waren sie auf gewebtem Grund hergestellt und das Muster wurde ebenfalls aus gewebtem Material aufgenäht. Die Franzosen veralteten diele Arbeit so sehr, daß sie ihr den Namen Point ae Canaille gaben.

Tolbert, der mit Sorgen beobachtete, welcher großer Luxus mit Spitzen getrieben wurde und welch große Summen Geldes von Frankreich nach Italien für diese flössen, verbot ihre Einfuhr. Dann aber bestach er italienische Arbeiter, und gründete unter ihrer Leitung Die erste Spitzenfchule in Alen?on.

Die Alenconspiye (sie wird über Roßhaar ge­arbeitet), wie auch Die Brüsseler Point ä FAiguil1.-» find besonders wertvoll, weil der Grund (raiseau), den man gewöhnlich mit Tüll bezeichnet, ebenfalls mit der Nadel hergestellt wirb. Interessant ist, daß mehrere Arbeiterinnen dazu gehören, um ein Stück Point ä PAiguille herzustellen. Denn jede arbeitet wie beim Taylorsystem, nur einen Teil des Mu­sters, so beispielsweise Blätter, Blüten, Bordüren u|w. Erst in Der Manufaktur werden Die einzelnen Teile des Nlusters auf Dem Grund zusammengestellt. Es ist dadurch unmöglich, sich bei den Heimarbeite­rinnen auch nur ein einziges fertiges Stück er» stehen zu können.

Es klingt fast unwahrscheinlich, daß zur Herstel­lung der schönen Spitzenmuster nur zwei Arien von Stichen erforderlich find, nämlich der einfache und der Doppelt geschürzte Knopflochst ch So leicht die* auch erscheinen mag, gehört doch ungewöhnliche Fertigkeit dazu. Diese Arbeit auszuführen. Heute wird die echte Spitze durch Die Industrie verdrängt, die mit Maschinen die herrlichsten alten Muster kopiert. , _ _

Aber ein geübtes Auge wird stets die echte Spitze erkennen und durch sie Den Zauber vergangener Zeit empfinden. '

FünfuHriee."

Don Lieebet Dill.

Nachdruck verboten.

Der Unterschied zwischen Dem Kaffeetisch und dem Teetisch bestehl Darin, daß ersterer gedeckt wird, der andere aber immer bereitstehen muß und her­eingetragen wird: auf den Ballon, an das Bett, neben Die Chaiselongue, in Die Bibl.othek, kurz, wo­hin man ihn haben will. Ich habe gefunden, daß Der Kaffecllsch eigentlich nicht mehr zeitgemäß ist, well er mehr Platz, mehr Umstände uiü> Bedienung braucht. Der Tcetlsch ist ein stummer Diener, auf dem bas Teegeschirr Der Gäste harrt: und zu einem Fünfuhrtee ist so wenig nötig, er ist so rasch fet­tig, wenn man Die erforderlichen Sachen Im Hause hat: ein paar Brötchen, Butter, Anchovis, Zucker und Tee, ein paar Zigaretten, ein paar Blumen, das ist alles. Es gehört dazu nur eine leichte Hand und etwas Grazie. Die neuesten Teestunden sind die improvisierten. Ein ganz grober Verstoß gegen die Behaglichkeit der Teestunde ist das weiße Tisch­tuch, wenn denn durchaus ein Tisch dazu gedeckt werben muß, und das goldgeränderte oder aar Zwicbelmusterseroice. Der Tee mundet nur in fei­nen chinesischen ober bunten Teeschalen, und es ge­hört eigentlich dazu, daß er im Zimmer bereitet wird und nicht in Der Küche Der Geschicklichkeit Irgendeiner Küchenfee überlassen wird. Tee ist eine subtile Sache. Es ist augenblicklich, wie alle Tee- trinker wissen werden, schwer, eine gute Sorte Tee zu bekommen. Was man meist kauft, schmeckt wie Heu, ob es nun russischer Tee, fiarawanentee, Five odock tea ober Breakfast tea genannt wird, es ist, als ob die aromatischen Sorten ausgeftorben seien oder man sie uns nicht mehr bringt Und was uns oft geboten wirb sei es in Familien, sei cs in einem Hotel an Tee, ist kaum zu beschreiben; es ist immer bieselbe schmutzig-graue, lauwarme Limonade, die nach allem anderen als nach Tee schmeckt ...

Das Tee-Ei verbanne man ganz zur Bereitung eines anständigen Tees. Der Tee verstopft nur Die Dehnungen, das kochende Wasser kann nicht einbringen und die TeebläUer gehen nicht ganz auf; außerdem, Da es meist blitzblank geputzt wird, schmeckt Der Tee Dann oft nach Putzpomade, und das ist selbst unempsindlichen TeeUinkern nicht angenehm.

Der geschmackoolle Teetisch bedingt auch eine ganz andere Unterhaltung. Am Kaffeetisch wird ge­klatscht, gestrickt, werden Familiengeschichten zum besten gegeben. Der Teetisch verlangt etwas Geist und Stimmung, die schon mit Den Blumen, den Kissen, Den verschleierten Lampen zu kommen pfle­gen ... Die fünfte Stunde hat ihren ganz beson­deren Zauber. Der Teetisch verlangt auch Kultur; ohne sie sieht er kümmerlich, grotesk ober überladen aus. Es ist zu verwundern, daß es viele Häuser gibt, in Denen man keinen Teetisch um fünf Uhr gedeckt findet und wo er noch ,41mftände" be­deutet, wo man dazueingelaben" wirb, feierlich wie zu einem Diner ...

Süße Kuchen paffen nicht zum Tee; auch keine Zwiebäcke, bie man überhaupt aus Dem Berich des Tees verbanne, Denn es kann sie niemanD zerklei­nern und sie in Den Tee zu tauchen, ist ge­schmacklos. Man reiche pikante, leichte kleine Bröt­chen, Keks, butterbestrichene Toaste. Auch sinb Glas­teller sehr häßlich zum Tee, sie stören Die Atmo- sphäre. Es geboren Die zur Tasse paffenden Unter- teUer Dazu. Wenn man kleine Brötchen, Salz­brezeln und Teestangen Dazu gibt, braucht man nur kleine Teller. Doch stelle man immer Rauchzeug bereit, Denn die fünfte Stunde ist die ,Ligaretten-

Würfen, Die bie einzelnen Theater bei brr Düh° ncnlafie anfordern.

An eine bestimmte Zeit ist Der Unterricht nicht gebunden. Begabung und Intensität Der Arbeit entscheiden. Durchschnittlich l,'t eine Stu- Dienzeit von 2 bis 3 Jahren anzuse.en. Die Vrroienstm gllchkcitm sind gut, neöen Der ie'ien Anstellung besteht jederzeit die Möglich eit, Ein- zelin'zsnicrungrn zu verlausen. Durch Die voll­kommene Umgesta.t üg der ganzen";nenvrr- hällnisse, Die von den einzelnen Theatern au5» geht und D:r sich Die andern an Wie gen müssen, ist eine ungeheure Nachfrage nach guten Bühnen­bildern, und gerade Der Frau wird e? Dank ih em Einfühlungsvermögen liegen, Die.es ti Per i e Ge­biet auszufüllrn uni vor allem Mirchen, Opern und Lichtungen in bnt Art Der Shake peareschen Werke, in taufend Formen und Farben neues Leben zu schenken.

Die Leitung Der Kostümabteilung ruht bei fast allen Theatern in Den Händen einer Frau, unD Die Rach'ragr gerade nach künstlerisch Durch ge­bildeten Kr sten ist au'erg?W hnlich groß. Liegt schon an sich Das große moo sche Gesanitgebiet Der Phant sie und For.nengesta Lang e ne: Frau sehr nahe, so ist g-rade Das Thea'.erkostüm Das eine Unbegrenzih.it des Farblichen und Fo.mal.n, ein Schweigen Im Außergew hnlichen, das Äaiti- vieren e.ner bestimmten JD.e nach tausend Rich­tungen hin, eine unendliche Wand unq und Be­tonung eines bestimmten Typus zuläßt, ein be­sonders erfreuliches Schaf'ensie'D. Die Anleh­nung an Das Stück unD Das Bühnmbild, Die na­türlich Forderungen an Stil und Farbe stellt, ist nur Die Basis, auf Der ungemein brwcgäch und variabel Wunder Des Kostüms au'blühen können. Reben einer absoluten 0t"Kenntnis ist auch hier Phantasie und ein gewisser Schick, Der mit ein paar Stichen einem Kostüm Die richtige Line zu geben weiß, erste Forderung. Begehrt ist auch Die Fähigkeit, auS Altem Reues zu schaffen, und wer einmal Gelegenheit hatte. Die Spar- melhoden Der Theater kennen zu lernen, weiß, wie sehr Der Kostümzeichnerin, Die ja bis zu einem gewissen Grade auch an Der Ausführung teilnimmt, Diese praktische Okrcn agung von Ruycn ift Es ist gut, doch nicht unödingt erforderlich, wenn Dem Besuch einer Kunstschule ein rein prak­tischer Lehrgang Des Schne.Dereigewerbes voran- geht. Die eigentliche Aus'ri'.dunz für Den künst­lerischen Entwurf Dauert ein bis Drei Jahre, je nach Fähigkeit und Intens.tat Des Stadiums, und sieht neben Der Erlernung Der Wal- und Stick­techniken. Des Saitentour es und prckt schen Ver­suchen an Puppen, die an Probebühnen Dem Gesamtbühncabild eingefügt werden, Anatomie, Aktzcichn n, Bewegengsstu. len. Stil- und Kostüm- lunde, Literaturgeschichte a's wicht ge th oreMche Fächer vor. Der Schule schließt sich Die soforiige Praxis an. es besteht Die Möglichkeit, gut be­zahlte Stellungen anzuiwhmen oder auch frei für Den Film, für einzelne Kanstier. Tänzer, Schau- spieler und Artisten zu arbeiten.

LU um IIWIIIM THTTHmiTHIT TT1 II ' !

kehr mit Kindern auf Gegenseitigkeit beruht. Es ist jetzt wieder Sitte geworden, Kindertagebücher zu führen; aber sie sollten nicht bloß Die Ge­wichtszunahme und Die Magenverstimmungen ent­halten. überhaupt nicht so sehr naturtoiffen- schastlich als geschichtsfchreiberisch gerichtet fein. Cs ist ein Verdienst. Die KinDeranekdoten und Kinderaussprüche zu sammeln, Begleitumstibrde zur Erklärung und Deutung zu vermerken uifj sie fo einer kritischen Hand vorzulegen. Aus mehreren solcher individuellen Sammlungen kann ein entzückendes Buch werden.

Goll bie Hausfrau ein Wirtschaftsbuch führen?

Von öennt? pleimes.

Bor mir liegen die Haushallungsbücher aus Den letzten fünfzehn Jahren meiner Wirtschaftsführung, lieber Krieg und Inflation hinaus geben sie Mo- | not für Monat, Jahr für Jahr, Zeugnis von dem, I was der Haushalt an Mitteln forderte, was im ! Laufe dieser buntbewegten Jahre e.ngenoinmen, oer- 1 braucht und erübrigt wurde. Schichte Kontobücher sind es mit den Spuren des täglichen Gebrauchs. | Ein einfaches Gegenüber der Einnahmen und Aus­gaben. einfache lllonois- und Jahresabschlüsse als Ergänzung.

Viel Kleinarbeit steckt in diesen alten Buchern, meist geschehen am Ende müder Arbeitstage Hat sie Sinn und Zweck? Viele Hausfrauen jagen: Nein! Das wirtschaftliche Gleichgewicht ist auch zu erhalten ohne Die Mühe täglicher Buchführung. Warum Zeit und Kraft an eine Arbeit verschwen- den, die nur Aergcr bringt, weil es dochmeistens nicht stimmt"? Bei festabgemessenem Haushai- tungsgcld, das für einen best.mmten Zeitraum reichen muß, mag diese Anschauung aelten, auch da, wo reiche Mittel zur Verfügung stehen Für die meisten HaushaUe aber macht es die ständig wach­sende Spannung zwischen Einnahmen und Aus­gaben den Hausfrauen zur Pft.chh über das W-rt- fchaftsgeld hinaus die Mlloerverantwortung am Ganzen zu fordern und zu tragen. Darüber hinaus zwingt heute die enge Verflechtung der Prwatwtrt- schäft m.t Dem volkswirtschaftlichen Geschehen zu einer Auseinandersetzung mit der Frage:Buch-