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Mittwoch, 9. Januar 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

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dauernde Sicherung und Verbesserung der Pro- duktions- und Rentabilitätsgrundlagcn. das sind für die deutsche Wirtschaft, für Industrie und Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, Handwerk und Arbeiterschaft die allgemeinen Notwendig­keiten, aus denen alle Einzelwünsche abzuftiten sind. Nur so ist der Wiederaufstieg Deutschlands, ist stetige Wirtschaftsgründung möglich I

jfy mit einem sicheren Blick für die weltwirt- " verbinden. Jede Unter-

Ausflellung. Der König sagt:Bedankt eich scheue beim Gullusminister, daß diesmal lauter scheue Landschaften ausgestellt sind!"

l5; ist nicht Wesensart des deutschen Politikers in noch viel geringerem Maße Wesensart des uIschen Wirtschaftlers, pessimistisch zu sein. Im 'Anteil, die Führer der deutschen Wirtschaft D sich vollauf bewußt, daß es zur Ueberwindung r heutigen Wirtschastsnot allergrößter n e r g i e und eines gewissen Optimismus darf Dieser Optimismus muß auf einer gefunden :b klaren Erkenntnis fußen, er muß überlegene

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Eisbeinessen in Tokio.

. Von W. K. von Aohara.

Sines Tages sagt man sich:3um Teufel mit Seetang und rohen Fischfilets, zum Teufel mit doHypensalat und Sceohrcnragout jetzt will ich nal ein Eisbein essen und ein Glas Bier dazu hinten! Dieser Zustand kommt einem immer w4 wenigen Wochen in Japan an, selbst wenn Han zu Hause nicht dran denken würde, Eisbein a-zarühren er kommt einew unweigerlich an, heil nach all den delikaten halbrohen und nur Iticbt angeschmorten Speisen ein Eisbein als »griff deutscher Solidität und Defftgkert er- sheint.

Man begibt sich also in eines derFerman Style Restaurants", die es in Tokio gibt, man seiet eine Treppe hinunter, denn wahrhaftig! - das Nestaurant liegt stilgemäh in einem der vier oder fünf Keller, die ganz Tokio aufzuweiten frit, ist gekachelt und riecht, wie sich das ge- fcet durchdringend nach Bier und Zigarren. >nrmerhin ist es eine schlankeResan" im him- vclblauen Kimono mit Schmetterlingsschteife, die en cm die Speisekarte vorlegt: Da gibt es Linsen- Hwe mit Speck, Sauerkraut mit Frankfurter DLrstchen, Tournedos ä la Kempinski (Kem- sim'uki" sagt der Japaner und erinnert sich trau- perisch vergangener Studientage in Deutschland) |nl richtig! Eisbein mit Sauerkohl.

Die Ntzsan notiert:Ein Eisubein". Denn zwei tonfonanten hintereinander kann sie nicht aus- hrcchen. Uftb ob es auch O-Dier sein dürfte, chrmwertes Bier?

^Jawohl, eine Flasche ehrenwertes Bier." heil Es gibt Furanschisukanern und Holu- |den. ilnö es dauert eine Viertelstunde, bis nm Franziskaner" undHolsten" verstanden sab

.Weiß oder schwarz?" denn so nennen sie irüben hell und dunkel. Graziös in den Sn ien einknickend, rauscht sie fort, und wenn sie dieöerkvmmt, bricht sie fast zusammen unter der tast des Eisbeins, das sie mit beiden Händen auf tmer riesigen versilberten Platte hereinträgt.

an die Leinwand, und durch das Wippen käme dann ihr famoserDaumschlag" heraus. Eine sehr produktive Landschaftsmaler-Familie traf sein ganzer Haß:Man müßte der ganzen Fa­milie die Klauen abhacken." Von Menzel er­zählte er folgende GÄchichte: Liebermann kommk mit Israels und Frau mit Menzel zusammen. Liebermann stellt vor. Menzel fragt Israels: Sind Sie auch Maler?" Tableau. Frau Israels ist wütend." Als Liebermann zusammen mit Kalck- reuth die Ausstellung des Deutschen Künstler­bundes in Dresden organisierte, bestanden zwi­schen ihnen gewisse Gegensätze. Kalckreuth hatte! eine Dame vorgeschlagen, Liebermann eine andere. Liebermann erklärte:Die kratzt mir ja Re Augen aus, wenn Jbr Bild nicht gehängt wird. Die fällt mir ja tot hin!" Vor der Eröffnung der Ausstellung reiste Liebermann schleunigst ab. Er erzählte später, er hätte gleich geahnt, dah es dabei Krach geben würde, Hnd richtig, als der König im Schloß die Leiter ter Ausstellung empfing, da machte er dem Maler Kühl mit lauter Stimme Vorwürfe. Die Ausstellung wäre eine Schweinerei: das wäre keine Ausstellung, in die man seine Kinder führen könne, all die Nudi- täten usw. Kühl brach in Tränen aus. Kalck­reuth bewahrte seine Haltung: er sprach gerate mit der dicken Prinzessin Mathilde, die selbst malte. Bei der nächsten Dresdner Ausstellung erschien ein Bild im Kladderadatsch: Der König

Professor Dr. Friedrich J ertel in Graz , geborener Leipziger) hat den Ruf auf den Lehrstuhl der alten Geschichte in Bonn als Nachfolger des

mit seinen Söhnen _unb dem Kultusminister rn der mal

500 Wre Orden vsm Goldenen Vlies

Zum Gedächtnis der (Stiftung.

Von Dr. Stephan Kekule von Stradonih.

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Nein, 10 Prozent Tip waren inbegriffen." Hnb das ist nun wieder nicht ganz so wie in

Deutschland.

Neue Liebermann-Geschichten.

Der Düsseldorfer Maler Helmuth Liese- gang, der kürzlich seinen 70. Geburtstag feierte, ist seit seinen ersten Studienfahrten in Holland öfters mit Max Liebermann zusam­mengetroffen und veröffentlicht nun Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse im neuesten Heft von Kunst und Künstler". Im Jahre 1882 trafen sie sich zuerst in einem Dörfchen in der holländischen Provinz Drenthe. Liebermann lief in Holz­schuhen und in einem blauen Kittel umher, und die andern Maler hielten ihn zuerst für einen Viehhändler. Liebermann arbeitete unaufhörlich. Er malte damals an seinerWeberstube":Wir trafen ihn einmal Sonrrtags bei der Arbeit. Er hatte di« ganze Familie hinausgesetzt, um in Nutze das Interieur und die Webestühle malen zu können." Später waren sie dann in Katwyck on Zee zusammen. Liebermannkonnte sich gar nicht genug tun an Bewegungsstudien von der Frau, die die Ziegen zieht. Auch eine Uwmenge Zeichnungen und Studien zu den Nehflickerinnen entstanden. Er nahm mich einmal mit, und es war famos, wie er mit all den Weibern umging, obwohl sein Holländisch damals noch recht merk­würdig war. Er stand sich vorzüglich mit allen. Auf Schritt und Tritt zeichnete er kleine Land­schaften, alte Häuser mit schwarzer und weißer Kreide auf grauem Papier. Ich erinnere mich, wie er uns einst Sonntags ganz früh zu einem Spaziergang nach Nordwhck abholte, er war fabelhaft amüsant, begeistert bei jeder kleinen Ecke und zeichnete fast im Gehen, was ihm auffiel. Im Altmännerhaus zu Katwyck war ihm ein Alter, den er malte oder zeichnete, plötz­lich in der Nacht gestorben: da war er sehr un­glücklich, denn all die Alten waren nun miß­trauisch und meinten, sie müßten auch sterben, wenn er sie malte". Don den alten Meistern war außer Rembrandt Franz Hals sein Liebling: auf einige moderne Berliner hatte er einen Haß.Gr erzälte von einigen, die wippten mit dem Fuß gegen die Staffelei, hielten den Pinsel

6-ll die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft DcberbergeftcUt werden, so muß vor allen Dingen eine Revision des deutschen Steuersystems em- -ilcitet werden. Die Steigerung der steuer­liche n Belastung, wie wir sie im heutigen vwtschland kennen, wirkt sich naturgemäß auf dem Eege der allgemeinen Unkosten auch in der P r e i s> mlaltung aus, zumal die erhöhten General- ur.toften sich auf einen kleineren Umsatz ver- Wen müssen als vor dem Kriege. Die höheren Um- fi , die die meisten deutschen Unternehmungen vor hin/ Kriege zu erzielen in der Lage waren, ließen hniels die weit geringere steuerliche Belastung nicht h dem Maße fühlbar werden, wie dies heute bei wrringerten Umsätzen und erhöhter Besteuerung der gilt ist. Eine durchgreifende Vereinfachung der mlatnten deutschen Steuergesetzgebung wird daher ntt)t nur von deutschen Steuer- und Finanzkritikern g: ordert, sondern auch von ausländischen Wirt­stallsexperten und dem Reparationsagenten für pcckmäßig erachtet.

2Iu8 dem an sich wemg erfreulichen Gesamt- iidr der deutschen Gesamtwirtschaft heben sich eni ge dunkle Stellen besonders markant hervor. §ie schwierige Lage der deutschen Industrie ist Wannt. So haben z. B. die Schmalenbachschen kullachten über die deutsche Kohlen wirt- sj> a f t, die auch im Auslande große Beachtung fmlcn, klar erwiesen, mit welchen erheblichen Üealustfaktoren die deutschen Grubenbetriebe zu rchnen haben. Wesentlich verschlechtert hat sich

die Lage der deutschen Eisen- und kt a h l i n d u st r i e. die angesichts der außer- vrd-mtlichen inneren Vorbelastungen in einem zum StG schon aussichtslos gewordenen Weltwirtschaft- Ikfxn Konkurrenzkampf steht. Auch in der teut- jfrrn Textilindustrie, der Leder- sowie Kr Schuh- und Stiefelindustrie finden wir eine irit isckie Lage. Im allgemeinen sind folgende Tat-

Reh. Rats C. Cichorius angenommen.

Der durch die Emeritierung des Geheimrats D. Körner an der Universität Rostock frei werdende Lehrstuhl für Otiatrie, Rhtnologie und Larynaoloaie ist dem außerordenllichen Professor Dr.med. Otto (Steurer an der Untoerfttät Tübingen an». geboten worden. >

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Lustanßriffsgesahren und Lust- schuhmdglichletten inNeutschland.

Zum Kongreß gegen den Giflgaskricg in Frankfurt am Main.

Als ein Zeichen der zunehmenden Erkenntnis der hilflosen Sage Deutschlands ist der Kongreß der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, der vom 4. bis 6. Januar in Frankfurt a. M. tagte, zu werten. Der Kongreß war eine internationale Veranstaltung, der sich mit den modernen Kriegsmethoden und mit dem notwendigen Schutz der Zivilbevölkerung im Kriegs­fälle befaßte. Luft- und Gaskrieg bedrohen das bisher von feindlicher Einwirkung verschont ge­bliebene Hinterland. Es wurde berichtet, daß die Ausgaben für Rüstungen bei den meisten Staaten höher find als vor dem Kriege und daß die Poli­tiker der Militärstaaten mehr denn je auf die hinter ihnen stehende militärische Macht pochen. Referenten verschiedener Länder bestätigten, daß es den An­schein habe, als ob Europa eine nochmalige blutige Auseinandersetzung nicht erspart bleiben würde. Die. Erfindung des Flugzeugs fei fast ganz militärischen Zwecken dienstbar gemacht wor­den. Die Luftflotte fei nach Ansicht der Militärs für den Ausgang eines zukünftigen Krieges geradezu ausschlaggebend. Die Zahl der Kampf- und Bom­benflugzeuge sei heute 15 000, während nur 3000 Flugzeuge dem Sport und Verkehr dienen. 2(m meisten Flugzeuge besitze Frankreich, nämlich 3000. Die Reichweite derartiger Flugzeuge überdeckt das ganze deutsche Gebiet. Von den verschiedenen Grenzländern aus kann jede Stadt Deutschlands

Aufgaben deutscher Steuerpolitik

Von Or. Hermann Fischer, M. d. V., Präsidenten des Hansa-Äundes für Gewerbe, Handel und Industrie.

Ein Student am Nebentisch erkundigt sich, was das sei, was der Herr da esse. Lind Wichtig, mit ernstem Gesicht erklärt sie ihm, das wäre das Nationalgericht der Doitsu-Dschin, der Menschen in Deutschland: es wären Hufe von Schweinen, nicht ganz Hufe, aber' so ungefähr, und das Zeug, das wie Seetang aussähe, wäre sauer ge­wordenes Gras, schmeckte aber lange nicht so wie Seetang

Eine merkwürdige Vorstellung von Deutschland kriegt der Student.

An allen Tischen sitzen junge Leute, die sich aus Deutschland trainieren": da wird Erbsenpuree mit Zucker bestreut und mit Löffeln geschaufelt, da werden Brötchen kunstgerecht mit Gabel und Messer zerlegt, da wird aus Fingerbowls ge­trunken und gegurgelt, da nippt man O-Dier aus kleinen Gläsern, wie man Wein trinkt.

Denn O-Dier ist ein nobles Getränk hier draußen, viel vornehmer und fortschrittlicher als Sake, der alte Reiswein. Die -Liter-Flasche einheimisches (übrigens ausgezeichnetes) Dier kostet 1,20 Mark, deutsches Dier etwa 2 Mark bis 2.50 Mark. Daneben gibt es neuerdingsrohes Dier", Fahbier, das in gläsernen Karaffen ser­viert wird. Vom Dier.kriegen die Japaner, die sonst Sak6 in jeder Menge vertragen können, gleich einen r oten Kopf, wiegen sich hin und her, schließen die Augen und träumen von Deutsch­land, von deutschem Dier und von denwunder­schönen" Mädchen vom Tauenhien und vom Day- rischen Platz.

Die altenDeutschlandroutiniers" erzählen in vorgerückter Stimmung aus ihrer Studentenzeit und lassen die Jungen Sähe auswendiglernen, wie Sausen ist das Allerbeste", oderDummeln, bummeln, das ist schön",Ich. meiner, mir mich, du, deiner, dir, dich", die man als Deutscher bei erster Bekanntschaft mit Japanern gleich stolz vorgetragen bekommt.

Man bittet die Nhsan um die Rechnung: ganz wie in Deutschland werden 10 Prozent für die Bedienung erhoben: legt man aber noch ein kleines Trinkgeld hinzu, so lauft sie einem auf die Straße nach und drängt einem das Geld heftig wieder auf:

Am 10. Januar 1929 wird der ehrwürdige, 1429 zu Brügge gestifteteToisoir-Orden", wie jeder Leser rechnungsmäßig annehmen wird. 500 Jahre bestehen. In Wirklichkeit werden es nur 499 Jahre sein, denn die vorstehende Tages- und Jahres-Ausgabe istalter Stil". Zu jenen Zeiten wurde tn Burgund, Flandern, Brabant, dem Hennegau das neue Jahr erst vom Karsamstag an berechnet, und tn diesem Gebiete, den späteren Spanischen Niederlanden", ist erst 1575 der 1. Januar als Jahresbeginn eingeführt wor­den, ft» daß der 10. Januar 1429 in Wahrheit, nach den heutigen Begriffen, der 10. Januar 1430 gewesen ist. Sei es darum l Jedenfalls hat Philipp der Gute, Herzog von Bur- g u n d, an dem angegebenen Tage seiner Ver­mählung mit feiner dritten Gemahlin, der schö­nen Jsabeau (Isabella) von Portugal, eine ge­schichtlich denkwürdige Ordens grün düng oor ge­nommen, die des Ordens vom Goldenen Vlies, französisch:Toison d'Or" genannt. Kunst­geschichtlich deshalb von besonderer Bedeutung, weil es alsbald dauernde Hebung des burgundi­schen Hofes, der Großen des Landes, dann auch anderer Fürstlichkeiten usw., wurde Erzeugnisse der großen Künste, dann auch des Kunstgewerbes und des Kunsthandwerks, mit dem Abzeichen und den Sinnbildern des Ordens, dem goldenen Wid- dersell (in einem Ringe), dem schrägen Astkreuze des hl. Andreas, dem flammensprühenden Feuer­steine, dem zugehörigen Feuerstahle (aus der Halskette des Ordens) zu verzieren. Das hat zum Teile damit zusammengehangen, daß der bur­gundische damals der prunkvollste Hof seiner­zeit und für die anderen Höfe tonangebend war, und daß der Orden nachher, infolge der Ver­mählung der Maria von Burgund mit dem

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fachen feststellbar: Es besteht bereits eine ge­wisse Hebersättigung des Dinnen- marktes, eine allzu langsame und in ihren volkswirtschaftlichen Erträgnissen stark ge­hemmte Entwicklung der W a r e n a u s- f u h r und eine gefährliche, weil überreichliche Heberfüllung der Lagerbe st ände. Bei der Höhe der steuerlichen Abgaben ist die Gefahr einer forcierten Abstoßung dieser Lagerbestände zwecks Ermöglichung der Steuerzahlun'en durch­aus gegeben, also Zwangsverkäufe, welche die Betriebe aufs schwerste schädigen müssen.

Die Notlage des gewerblichen Mit­telstandes in Deutschland entspringt gleich­falls in weit höherem Maße den Irrwegen der Gesetzgebung auf wirtschastlichem, Handels-, finanz-- und steuerpolitischem Geb eie als der Hmformung des deutschen Wirtschaftss stems nach tem Kriege. Wie schwer die Belastung des gewerblichen Mit­telstandes in Deutschland ist, mag daraus her­vorgehen, daß die Gewerbesteuer im Jahre 1913/14 den deutschen Ländern etwa 16,2 Mill. Reichsmark einbrachte, im Jahre 1925/26 aber 82,1 Mill. Reichsmark ausgebracht werden muh- ten. Die Gemeinden bezogen aus der Gewerbe­steuer im Jahre 1913/14 etwa 161,3 Millionen Reichsmark, im Jahre 1925/26 dagegen 471.0 Millionen Reichsmark. Erst die Schwächung, die durch diese rigorose Steuerpolitik dem deutschen Mittelstände zugefügt wird, hat ihn in der Be­wältigung seiner neuen Aufgaben, vor die er durch die wirtschaftlichen Hmgruppierungsvor- gänge gestellt wurde, so gewaltig gehemmt. Es hieße ein entscheidendes Fundament großer Volks- und weltwirtschaftlicher Kraft bewußt zer­stören, wollte-man die Steigerung der Steuer­last auf dem deutschen Mittelstände aufbauen. Hier kann also nicht der Weg zur Steuererhöhung, sondern im Gegenteil nur die Notwendigkeit eines umfassenden Steuerabbaues in Frage kommen.

Aehnlich liegen die Verhältnisse in der deut­schen Landwirtschaft. Die Belastung die­ses Wirtschaftszweiges ist gleichfalls überaus übersteigert. So betragen z. D. die Ländererträg­nisse allein In der Grund- und Gebäudesteuer im Jahre 1913/14 etwa 26,6 Millio-ren Reichsmark, im Jahre 1925/26 dagegen 328,8 Mill. Reichs- mark. Die Gemeindeerträgnisse für die gleiche Steuerart betrugen im Jahre 1913/14 etwa 378,4 Millionen Reichsmark, im Jahre 1925/26 dagegen 509,4 Millionen Reichsmark. Auch in der Land­wirtschaft steht daher eine Erhöhung der steuer­lichen Einnahmen aus Quellen agrar wirtschaftli­cher Natur keineswegs zu erwarten. Es wird im Gegenteil sehr nachdrüÄich geprüft werden müs­sen, ob im Rahmen einer zielbewußten Neu­orientierung des deutschen Steuersystems nicht auch erhebliche Minderungen der von der Landwirtschaft zu tragenden Lasten erforderlich sind.

Angesichts der p riv a twirtschaftllchen Grund- lagen der deutschen Volkswirtschaft hat die deutsche Arbeitnehmerschaft ein ganz klares und zwingendes G em e i n s ch a f t s i n ter e s s e mit dem Unternehmertum daran, dah nicht durch eine Mißachtung des ProdukttonSfaktorS Ka­pital die Arbcitsrnöglichkeit der deutschen Volks­wirtschaft eingeengt und die Not der Arbeits­losigkeit auf immer weitere Schichten der Bevöl­kerung ausgedehnt wird. Die Zusammenhänge zwlsc^n Kapital und Arbeit im Sinne einer positiven Interessen- und 5!ebensgemeinschast, in der ein ausgeglichener Aufstieg beiden größten Nutzen, einteiliger Absturz oder einseitige Zer­mürbung aber beiden größten Schaden zu fügen würde, dürfen von einer vernünftigen Wirtschafts­und Finanz- und Sozialpolittk, die dem Dolls- ganzen dient, nicht übersehen und auch vom Auslande sicherlich anerkannt werden.

Die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft tn allen ihren Gliedern, die Vorsorge für den Fall eines Konjunkturum- schwunges, wie er sich jetzt bereits am Horizont des wirtschaftlichen Geschehens abhebt, die

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Beucht die Hudelt- eehile Kwelmm I LraoneS Mttta verloren. Abzuges auf dem iWbw be8jßolueiami6_

a jtliche Entwicklung

n u ng der Gefahren, vor denen die iiljdje Wirtschaft steht, würde höchst gefähr- ja unter Umständen verhängnisvoll fein.

Ws die beutfdje Wirtschaft zu Beginn des Jahres die Bilanz des vergangenen Jahres zog, um iraus ihre Wünsche für das kommende Jahr her- ilc-iten, erkannte sie, daß die Hoffnungen, die man ir eine Verallgemeinerung des (onjuntturel- m Aufschwunges in Deutschland eine "rite des englischen Bergarbeiterstreiks vom Jahre 126 gehegt hatte, in gewissem Grade i Erfüllung gegangen waren, insofern mmlid), als sich die Lage auf dem deutschen Jn- Icnbmarfte wesentlich gefestigt hatte. Die Hoffnun- emr die die deutsche Wittschaft dagegen bezüglich nrr Neuorientierung d er deutschen ln«anz- und Sozialpolitik gehegt hatte, iwren jedoch im ft arten Maße enttäuscht erben. Eine solche Neuorientierung der deutschen und Sozialpolitik war aber Voraus- 1-tz.ung für jede Vertiefung der Koniunktur-- Dirbefferungen, da eine kontinuierliche Auswärts- knavicklung der Gesarntgrundlage der deutschen l'IIswirtschafk sich nur durch eine ständige Ver- Wterung der Produktionsanlagen herbeifuhren jtM was wiederum nur erzielbar ist, wenn die iinend-- und Sozialpolitik des Reiches den Bedurf- rtien der freien Wirtschaft gerecht wird.

hierzu bedurfte es vor allen Dingen der Aus- [tnltunq aller vermeidbaren Belastungsfaktoren, W die'Widerstandskraft des deutschen Wirtschafts- Itrpers zu erhöhen. Nur so kann ja ein etwaiger jhn junkturumschwung in seinen schädlichen Wir- fonqen auf ein möglichst geringes Ausmaß reduziert

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durch Bombengeschwader erreicht werden, die nach ihrem Zerstörungswerk unbehindert in ihre Heimat zurückfahren können. Die Befürchtung, daß bei der­artigen Angriffen auch Giftgase angewen- d c t werden können, wurde bestätigt. Besonders er­schreckend wirkte die Festsiellung, daß das alte mili­tärische Gesetz, die Zivilbevölkerung nicht zum Gegenstand der Kriegsführung zu machen, nicht mehr gültig sei.

Die Konferenz der Liga hat somit ergeben, daß wir von einer wirklich pazifistischen Einstellung der Weltmächte viel weiter entfernt sind als jemals vor dem Weltkriege. Es zeigt sich deutlich, daß der Fortfall der deutschen Wehrmacht zu einer hem- mungslos gewordenen imperialistischen Machtpolitik der heutigen Militärstaaten geführt hat. Wieder droht die Gefahr eines neuen Weltkonflikts, so daß wir den schon so oft enttäuschten Optimismus, daß es immer wieder gelingen wird, durch Beschlüsse und Proteste die Militärmächte zu veranlassen, den Kriegabzuschaffen", nicht mehr aufbringen können.

Unter diesen Umständen muß man erwarten, daß man auch i n Deutschland jede zweckmäßig erscheinende Maßnahme ergreifen wird, um uns oder spätere Geschlechter davor zu bewahren, solchen Angriffen schutzlos preisgegeben zu sein. Der Wett­lauf zwischen Angriffsmitteln auf der einen und Schutzmöglichkeiten und Vernunft auf der anderen Seite hat begonnen. Da die Vernunft noch weit zu­rückliegt, sollte man dafür sorgen, daß wenigstens die Schutzmöglichkeiten voll von uns aus­geschöpft werden und daß durch einen zivilen Luftschutz, wie er im Auslände bereits besteht, die Zivilbevölkerung nach Möglichkeit von den Fol­gen militärischer Kriegsmaßnahmen frei gehalten wird. Ansätze zu einer solchen Organisation haben wir in dem Verein Deutscher Luftschutz E. V. in Berlin W. 35, der in einer bemerkenswerten, vom Reichsminister a. D. Dr. Kröhne verfaßten Bro­schüre das Problem nach seiner theoretischen und praktischen Seite ausftihrlich beleuchtet hat. Es wäre dankenswert, wenn sich die Oeffentlichkeit mit diesen I Dingen lebhafter beschäftigen würde, als sie es leider tut, denn ein jeder sollte sich klar machen, daß es hier heißt: tua res agitur!

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Erzherzog Maximilian von Oesterreich, auf das Kaiserhaus der Habsburger überging.

Im Jahre 1907 hat zu Brügge eine große kunst- geschichtliche Ausstellung, genanntvom Gold- nen Vlies, stattgefunden, die zu einer Sehenswür­digkeit ersten Ranges wurde. Sie erstreckte sich nur auf Gegenstände aus dem Zeiträume von 1429 bis 1523, dem Todesjahr« des Königs Phi­lipp II. von Spanien, imb füllt« trotzdem viele Säle. Geradezu fabelhafte Schätze waren dc» bei­einander. Landesherrliche und fürstliche Schatz­kammern, öffentliche Schausammlungen, viele ein­zelne Kunstsammler hatten dazu beigesteuert. Hn- zählige Oell>ildnisse von Ordensrittern, Oelge- mälde mit geschichtlichen, mit kirchlichen, mit Wap- pendarstellrmgen, Miniaturen, Handschriften, Bü­cher, Einbände, Kunstwebereien, -slickereien, Spitzen, Ordens abzeichen, Juwelem Schmuckstücke, Harnische, Waffen, Dildhauerarbeiten, Kunstwerks in Srzguh. Holzschnitzereien, Gegenstände aus Porzellan, Majolika, Töpferarbeiten, Schaumün­zen, Geldstücke, Hrkunden, Petschafte, Siegel, gra­phische Darstellungen aller Art waren hier auf einige Monate vereinigt worden. Soweit alle diese Dinge nämlich mit dem Orden irgendeinen! Zusammenhang hatten oder mit dessen Abzeichen oder mit seinen Sinnbildern irgendwie verziert waren. Wenn hier besonders erwähnt wird, daß unter den Oelgemälden der vorbezeichneten Art sich schon in der angegebenen Frühzeit des Ot­tens Werke Don Meistern, wie ten Niederländern! Roger van ter Lehden, Jan van Eyck, Hans Memling, Hugo van der Goß, Lucas van Ley­den beftnden, so kann man leicht ermessen, welche Gallerie von Meisterwerken der Malerei erst zu- sammenkäme. wenn man einmal die Bildnisse

Tonntag gölte». (Mdeft is m gefttzt.

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Heinrich Kalbfleisch Aebigftrahe 71, r-eleph, M, 345

Mal­kursus w Ufo in bet Zeit vom 14. Januar bis J. bebuiQt für Da- I wen und Herren m ^andjchasl, Figuren u. vlchjche Malerei sowie im Kopieren alter Meister,. Änmelbuugen iinb spätestens bis wa 10. Januar an mH zu rillten. >»« , Jlax Bombe, SunitniQler.Eniiiü Kreis tzlebenlovl.