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Konzert derNeap 01ita" und der Harmonie-Gemütlichkeit". ?u dem am Sonntci" 10. November, 16.30 Uhr, in der Neuen Aula der Universität Gießen stattfindenden Konzert des Mandolinen- und GitarrenvereinsNeapolita" und des GesangvereinsHarmonie-Gemütlichkeit" ist noch zu berichten, daß die beiden Vereine dem Publi­kum einige sehr genußreiche Stunden verschaffen wollen. Es kommen u. a. Werke von Beethoven, Wölki, Angerer, Breu, Salvetti, Strauß, Th. Ritter und Sonnet zum Vortrag. Die Leitung des Konzerts liegt in den Händen des bewährten Dirigenten Hans Sonntag. Man beachte die heutige Anzeige.

Fort mit den Vorurteilen!

Von Hanü Schrader, Köln.

Die Zeit ist nicht stillgestanden in den ver­gangenen zehn Friedensjahren. Es sind grund­legende Dernäderungen in unserer Wirtschaft ge­schehen. Eine davon ist die völlige Umstellung, die sich in der Rekläme vollzogen hat. War sie einst ein anreißerisches Mittel der Jahr- marktsrufer. war sie die Morphiumspritze, mit der kranke Unternehmen noch in letzter Stunde wieder hochgepeitscht werden sollten heute ist Reklame überhaupt nicht mehr Reklame im alten Sinn, heute ist sieKundenwerbun g.

Kunden-Werben heißt: ein wohlorganisiertes System wahrheitsgemäßer Ankündigungen, ein ausgebildeter Dienst am Kunden, der eine Atmosphäre der Höflichkeit, Bequemlichkeit, Be­haglichkeit, Schnelligkeit lohne Hast) um sich breitet, wie sie uns bislang ungewohnt war, eine Atmosphäre, die wieder den Menschen zum Menschen bringt, kurzum: ein in dieser Art ganz neues Wirtschaftssystem, das lOOproz. Vertrauen der Käuferschaft verdient.

Leicht ist das, was die aufrechten Kunden­werber für das nächste Vierteljahrhundert auf ihr Programm gesetzt haben, nicht! Sie müssen gegen Halbbildung und gegen Mißtrauen an­kämpfen. Niemand hat das Recht, zu behaupten, Kundenwerbung seiMassensuggestion", seiEin­wickeln" auf besonders raffinierte Art. Niemand hat das Recht, mit überlegener Desserwisser- mienc auf ein Wirtschaftssystem herabzusehen, in das die gesamte deutsche Volkswirtschaft ge­führt von ihren klügsten Köpfen, gegenwärtig jährlich weit mehr als eine Milliarde Goldmark hineinsteckt.

Nur wer die Dinge ganz genau studiert hat, darf sich ein Urteil erlauben und um dieses Urteil ist keinem praktischen Werber bange. Natürlich ist es billig, wenn das Geschäft nicht geht, zu klagen: Die Zeit ist schlecht! Den ersten, der auf diese Weise, durch tatenloses Klagen, seinen Umsatz gesteigert hätte, müssen wir noch finden. Aber Tausende von Beispielen zählt die Wirtschaftsgeschichte dafür, daß, wo ein ernster Wille ist, sich auch ein Weg findet, daß herzhafte, überlegsame Männer und Frauen unter den un­glaublichsten Schwierigkeiten zu Gröhe und An­sehen heranwuchsen. Keinem ist etwas in den Schoß gefallen. Mühe, Arbeit und vor allem Nachdenken hat es erfordert, mitunter jahre­langes, zähes Kämpfen aber es ging!

Weg auch mit Neid und kleinlichen Bedenken! Raum für alle hat die Erde! Weg darum auch mit allen absprechenden Bemerkungen über den lieben Wettbewerber, durch die jeder Kaufmann nur sich selber schadet!Bedarf steigern" sei das Losungswort! Fort mit den Vorurteilen! Freie Bahn dem klaren Denken!

** Bibliothek de s G e s e l l s ch a f t s ve r - eins. Im Lesezimmer des Gesellschaftsvereins (Sonnenstraße) fand gestern die Wiedereröffnung der neugeordneten Bibliothek statt. Sie umfaßt zur Zeit annähernd 3000 Werke der Unterhaltungslite­ratur, Romane, Novellen, Erzählungen, Reisebe­schreibungen und solche naturwissenschaftlichen In­halts. Infolge freundlicher Stiftungen konnte der Bücherbestand auf allen Gebieten wesentlich ergänzt werden. Der neu erschienene Katalog wird den Be­nutzern der Bücherei von besonderem Vorteil sein. Außer den in ihm aufgenommenen neueren Werken besitzt der Verein in seiner im Jahre 1816 begonnenen Büchersammlung noch eine außerordentlich große Anzahl älterer Werke von zum Teil heute noch sehr schätzbarem Werte, deren Sichtung und Neuord­nung hoffentlich in absehbarer Zeit gleichfalls er­folgen kann. Im Verein mit den bedeutenden Schätzen der Universitätsbibliothek und dem Besitz­stand der Oeffentlichen Lesehalle bildet so auch die Bücherei des Gesellschaftsoereins in unserer Stadt Gießen eine Quelle der Unterhaltung, des Wissens und edler Bildung für viele.

* Rundfunk-Vortrag aus einem vberhessischen Gutshof. DieStunde des Landes" im Frankfurter Rundfunk, veran­staltet am kommenden Sonntag, 10. November, eine Liebertragung aus Hof Zwiefalten, äleber die Geschichte des Hofes, der als landgräf­lich hessisches Jagdschloß im Jahre 1722 erbaut wurde und unter den Landgrafen Ernst Ludwig und Ludwig VIII. glänzende Hofjagden erlebte, aber auch die Ursache unendlichen Ilnglücks für die Bevölkerung der ganzen Gegend wurde, wird Lehrer Sauer aus Ober-Lais in einem kurzen einleitenden Vortrage sprechen. Ein Rund­gang durch den Hof mit dem Mikrophon wird sich dann anschliehen. Dabei werden in einem Wcchfelgespräch die heute mehr als je brennen­den Fragen der Umstellung der Landwirtschaft des Vogelsbergs und insbesondere der Hoch­züchtung der Vogelsberger Rindviehrasse be­sprochen werden.

**Dom kommenden Christentu m". Man schreibt uns: äleber dieses Thema läßt die Bewegung für religiöse Erneuerung, die Christen­gemeinschaft, in den drei nächsten Wochen drei allgemein orientierende Vorträge hier halten,

deren Themen aus verschiedenen Lebensgebieten I (das Abendmahl: neue Raturgrkenntnis; Schick­salsfragen) entnommen sind und die von drei | verschiedenen Mitarbeitern der Bewegung be­handelt werden. Jeder Gegenwartsmensch emp­findet die Wandlungen, die sich in den letzten Jahrzehnten gerade auf geistigem Gebiet voll­zogen haben: mehr oder weniger deutlich weiß man: ein neuer Mensch und ein neues Weltbild sind im Heraufkommen. An diesen Wandlungen hat aber auch das Christentum teil, insofern es mit den Forderungen und Erwartungen der Gegenwart mitlcbt. Deswegen kann von einem kommenden Christentum gesprochen werden, das in einer ganz freien und zugleich weltweiten Weise, abhängig von Staat und einzelner Kon­fession, in den allerersten Ansätzen Gestalt zu gewinnen beginnt. An der Spitze dieser Bewe­gung, die in anderen Städten schon seit mehreren Jahren arbeitet, steht der frühere evangelische Pfarrer und berühmte Berliner Kanzelredner Lic. Dr. Friedrich Rittelmeyer, jetzt in Stutt­gart, der auch durch seine schriftstellerische Tätig­keit in ganz Deutschland bekannt ist. Als erster Redner wird am Montagabend der frühere Mit­arbeiter von Johannes Müller, Pfarrer A u g u st Pauli (München), über das Thema sprechen: Das Abendmahl in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft". Man beachte die morgige Anzeige.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

* Heuchelheim, 7. Rov. Der hiesige Ge­sangvereinTeutonia" kann im kommen­den Jahre auf sein 75jähriges Bestehen zurückblicken. Er hat aus diesem Anlaß die Feier des 75. Stiftungsfestes für den 12., 13. und 14. Juli 1930 beschlossen. In einer Ausschuß- sihung erfolgte bereits die Einsetzung der älnter- ausschüsse, die nach der anschließenden Wahl ihrer Vorsitzenden ihre Tätigkeit aufnahmen. Der GesangvereinTeutonia" ist der älteste Verein am Platze: seine Gründung fällt'in die vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Rach wenigen Jahren seines Bestehens wurde der Verein in den politisch unruhigen Jahren 1848/49 polizei­lich aufgelöst, und zwar auf Betreiben von Geg­nern des Vereins, die ihm ungerechterweise nach­sagten, er verfolge demokratisch-republikanische Ziele, obwohl dieTeutonia" seit ihrer Grün­dung bis in die neueste Zeit sich nie mit Politik befaßt hat. Im Jahre 1855 lebte der Verein wieder neu auf und besteht seit dieser Zeit un­unterbrochen. Dank der guten Leitung des Ver­eins und der ihm schon seit der Gründung zur Seite gestandenen ausgezeichneten Dirigenten ist der VereinTeutonia" immer mit der Zeit ge­gangen und gesanglich auf der Höhe geblieben. Es dürfte für alle Sangesfreunde aus nah und fern ein genußreiches Fest zu erwarten fein, zumal auf die Mitwirkung der anderen drei hiesi­gen, gutgeleiteten Gesangvereine gerechnet werden kann.

X Wieseck, 7. Rov. Gestern abend, genau zehn Jahre nach der Begründung desAus­schusses für Volkshochschule Wiefeck" unter Lei­tung von Pfarrer Sattler, trat ein Kreis von Volkshochschulsreunden zu einem ersten Volks­hochschulabend zusammen. Rektor Petri, dessen Schulklasse mit dem ChorAus der Ju­gendzeit" eröffnete, begrüßte und bereitete dar­auf vor, daß der Gang der nun zehnjährigen Wiesecker Volkshochschule anders in der nächsten Zeit sein werde, als er in den letzten Jahren unter Rektor Dr. Rein sich gestaltet hatte. Alsdann sprach Lehrer Michel über Geschichte und Ziele der Volkshochschularbeit. Er zeigte klar die geschichtliche Bedingtheit der Kluft zwi­schenGebildeten" undeingebildeten", die sich im 19. Jahrhundert auftat. Das Nachahmen der Hochschule, das Vorfetzen von unverdauter Wissen­schaft war mit schuld daran, daß manche der nach dem Krieg wie Pilze aus der Erde geschossenen Volkshochschulen wieder einging. Auf Persönlich­keitsbildung ist der Wert zu legen; sie schwebt der Volksschularbeit als Ziel vor: nicht Beleh­rung, sondern Belebung, nicht Aufklärung, son­dern Vertiefung, nicht Verflachung, sondern Be­reicherung, nicht Wissen, sondern Weisheit. Der Stoff der Volkshochschule muh lebensnah fein. Die Volkshochschule arbeitet vom Leben her, an­dere Anstalten aufs Leben hin: sie wendet sich an alle Kreise, wenn sie nur guten Willens sind. Die Frau, vielfach entlastet durch die fortschrei­tende Technik, soll, ebenso wie das junge Mädchen, auch hier zu ihrem Rechte kommen. Eine deut­liche schematische Darstellung an der Schultafel zeigte am Schlüsse noch einmal sichtlich, wie eine rechte Volkshochschule geeignet ist zur Erzielung eines einigen Volkes von Brüdern. Die Aus­führungen wurden mit lebhaftem Beifall aus­genommen. Für das neue Semester wurden fol­gende Gegenstände in Vorschlag gebracht und einmütig gutgeheißen: Dr. med. M a l e ch, Gie­ßen: Gesundheitspflege: Fräulein Leyerzapf: Du und dein Heim, vielleicht auch nochalkohol­freie Jugenderziehung": Dr. phil. Johs. Neu­mann, Gießen: Schwererziehbare Kinder und ihre Behandlung: Lehrer Michel: Die wirt­schaftliche Entwicklung Wiesecks, Traum und Traumdeutung: Rektor Petri: die Kriegsschuld­lüge: Prof. Hüter, Gießen: Faustsage. Ge­dacht wird auch int Frühjahr an einen Gang mit elniversitäts-Garteninspektor i. R. R e h n e l t in den Hangelstein. Bei der Aussprache gedachte Pfarrer Sattler der Gründungszeit der Volks­hochschule, unterstrich den Namen Grundtvigs und begrüßte in den von den Rednern des Abends ausgesprochenen Gedanken ein Anknüpfen an das, was die Begründer in Wiefeck damals gewollt: er äußerte Bedenken gegen eine Herrschaft des

Lichtbildes und wünschte, daß genügend Zeit zur Aussprache bleibe und so eine Arbeitsge­meinschaft entstehe. Aus diesem Grunde re­dete er auch dem Fragekasten das Wort. An dem Mittwoch wird als Volkshochschulabend fest­gehalten werden, und als Beitrag für das Se­mester wurden 3 Mk., auch in Raten zahlbar, fest­gesetzt. ihn Weihnachten soll ein Volkshochschul­abend über die Geschichte des Volkslieds mit Chören der obersten Schulklasse ftattsinden, die den Abend mit den LiedernIn einem kühlen Grunde" undDroben stehet die Kapelle" be­schloß.

cZ Allendorf a. d. Lda., 7. Nov. Am nächsten Mittwoch (13. d. M.) sinket hier der diesjährige, Jahrhunderte alte und allseits beliebte N i k e l s° markt statt. Die Vorbereitungen dazu sind in vollem Gange. Für den Krämermarkt sind bereits eine Menge Verkaufsstände angemeldet. Der I u x p l a tz wird durch einen Zirkus und verschiedene andere Lustbarkeiten besetzt. Damit auch die tanzlustige Jugend zu ihrem Rechte kommt, findet in zwei Wirtschaften Tanzbelusti- gung statt. Das von mittags 12,30 bis 13,50 ilhr in der Marktstrahe stattfindende Platzkon­zert wird von der Grünberger Feuerwehr­kapelle ausgeführt. Eifrig gearbeitet wird auch an der Verbindung mit dem Markte durch die Arbeitsgemeinschaft hiesiger Vereine ins Leben gerufenen Gewerbeschau. Diese findet in den Räumen des Bahnhofsrestaurants (Eb. Ranft) vom 10. bis 17. d. M. statt, ilnfere Handwerker und Gewerbetreibende sind bestrebt, hier nur das Beste vom Besten auszustellen. Die Schau findet bei vollständig freiem Eintritt für jeder­mann statt, ihr Besuch kann nur wärmstens empfohlen werden. Damit auch denjenigen Per­sonen, die unsere Stadt mit der Bahn nicht er­reichen können, wie z. B. aus dem Dusecker Tal und Ebsdorfer Grund, die Möglichkeit zum Marktbesuch gegeben ist, sind entsprechende Auto-Omnibusverbindungen einge­richtet. Am den V i e h m a r k t neu zu beleben und zu erweitern, hat man neben dem Schweinemarkt den früher stark befahrenen, weit über die Grenzen Hessens bekannten Schaf­markt wieder ins Leben gerufen, und es steht auch hier diesmal eine starke Zufuhr zu er­warten. Wenn das Wetter einigermaßen günstig ist, dürfte mit einem überaus starken Besuch des Marktes zu rechnen sein.

Watzenborn-Steinberg, 6.Rov. Jrn verflossenen Sommer machte sich auch hier Wassermangel in recht empfindlicher Weise bemerkbar. Wenn auch die anhaltende Trocken­heit in erster Linie die Ursache war, so war die seit Erbauung der Wasserleitung eingctr:t:-ne Be­völkerungszunahme und die hierdurch bedingte Errichtung von neuen Wohnungen doch von nicht zu unterschätzendem Einfluß. Seit Kriegsende sind einschließlich der vorgenommenen Umbauten hier 85 Wohnhäuser errichtet: der nach dem Bahnhof zu gelegene Ortsteil hat allein einen Zuwachs von 32 Häusern aufzuweisen. Die Einwohnerzahl hat sich in den letzten fünf Jahren allein um rund 250 vermehrt und beträgt jetzt 2366. Um einem künftigen Wassermangel vorzubeugen, beschloß der Gemeinderat in aner­kennenswerter Weise die Erbohrung einer neuen Quelle, die inzwischen erfolgt ist. Der durchschnittliche Tagesgesamtbedarf der Ge­meinde von 240 Kubikmeter dürfte durch die Fassung dieser Quelle auch bei trockener Jahres­zeit gedeckt sein und einschränkende Anordnun­gen hinsichtlich des Wasserverbrauchs sich für die Folge erübrigen. Für die zuletzt erbohrte Quelle muß allerdings eine Pumpstati on errichtet werden, da sie nicht im Bereich der übrigen Quellen liegt. Die Pumpstation wird bei beginnender Wasserknappheit zur Ergänzung der übrigen Quellen in Tätigkeit gesetzt. Durch die Vergrößerung der Gemeinde machten sich auch wiederholt Störungen im Lichtlei­tungsnetz der Ueberlandanlage be­merkbar, die ihre Ursache in der Ueberlastung des Netzes hatten. Durch die Errichtung einer zweiten Transformatoren st ation werden diese Störungen beseitigt sein. Die Sta­tion ist bereits errichtet. Nach dem Einbau der erforderlichen Apparate wird auch die noch nicht ausgeführte Beleuchtung nach dem Bahn-- hof fertiggestellt werden.

Schöffengericht Gießen.

* Gießen, 6. Nov. Ein schon mehrfach vor­bestrafter Metzgergeselle aus der Wetterau hatte im Frühjahr 1929 in einer Butzbacher Wirtschaft einen Möbelträger von Offenbach kennengelernt, der sich in der Zellenstrafanstalt zum Antritt einer Gefängnisstrafe melden wollte. Er über­redete ihn, damit noch zu warten. Nachdem sie noch mehrere Wirtschaften besucht hatten, fuhren sie mit einem schnell gemieteten Auto nach Gie­ßen. Geld, um den Chauffeur zu bezahlen, hatten sie nicht: doch genügte es noch, um auch in Gießen eine kleine Bierreise zu machen. Offenbar um für einige Zeit unterzukommen, täuschten sie einem Arzt einen Autounfall vor, bei dem der Metzger verletzt worden sei. Der Arzt konnte nichts fest­stellen, und so fuhren die beiden Freunde bann mit dem Sanitätsauto in ein Kranlenhaus. Dort kam dann der Schwindel heraus. Einige Zeit vor­her hatte sich der Metzgergeselle auf ähnliche Art in ein Offenbacher Krankenhaus aufnehmen las­sen, selbstverständlich in die 2. Klasse, obwohl er völlig mittellos war und ist. Nur hatte er dort einen anderen Unfall erlitten; er war dies­mal von einem Pferd geschlagen worden. Wegen Betrugs erhielten der Metzgergeselle 10 Mo­nate Gefängnis (er war rückfällig), und sein Mitläufer 6 Wochen Gefängnis.

Ein Gärtnergefelle hatte seinem Dienstherrn Gelder in Höhe von über 400 Mark die er an die Krankenkasse einzahlen sollte, unterschlagen und ihn um einen Betrag etwa gleicher Höhe, betrogen. Strafe: sechs Monate Gefängnis.

Ein Schlosserge'elle hatte der Tochter seines Arbeitgebers in Ortenberg das Fahrrad ge- stöhlen; ferner hatte er ohne Auftrag Gelder einkassiert und für sich behalten und schließlich Beträge, die er für seine Firma an Dritte bezahlen sollte, unterschlagen. Das Gericht erkannte auf eine Gesamtstrafe von acht Monaten Gefängnis.

Der Vertreter einer Firma hatte mehrere Be­stell scheine gefälscht und auf sie Provi­sion erhalten. Wegen Rücksallbetrugs und Ur­kundenfälschung erhielt er fünf Monate Gefängnis.

Unter Ausschluß der Öffentlichkeit fand eine sehr u.fangreiche Verhandlung gegen einen Ar­beiter aus der Umgegend wegen Sittlichkeitsver­brechens statt. Das Gericht kam mangels aus­reichenden Beweises zu seiner Freispre­chung.

Amtsgericht Gießen.

* Gießen, 1. Nov. Die letzten Sitzungen in Strafsachen waren wiederum vorwiegend durch Verhandlungen über Unfälle ausge üllt, die durch Führer von Kraftfahrzeugen infolge 3 u k widerhandelns gegenVerkehrs-, ins­besondere Ueberholungsvorschrif- t e n veranlaßt worden sein sollen. Die Fahrer sind verpflichtet, eingeholte andere Wegebenuher auf der linken Seite zu überholen und dabei so weit nach links auszuweichen, daß der Uebcr- holte nicht angefahren wird. Sie müssen beim Ueberholen zwischen den beiden Fahrzeugen einen mäßigen Zwischenraum lassen, um jedes gegen­seitige Berühren zu vermeiden, dies erst recht, wenn die Straße genügend breit ist und keinerlei Verkehrshindernis entgegensteht. Trifft dies nicht zu, also namentlich auch bei unübersichtlichen Wegestellen und an Stellen, an denen die Fahr­bahn durch andere Wegebenutzer u. dgl. beengt ist, muß das Ueberholen zunächst überhaupt unterlassen werden. Drei Unfälle der eine ereignete sich in Gießen, die beiden anderen auf der Straße SteinbachGießen sind auf derartige Verstöße zurückzuführen, und die Ange­fahrenen, die z. T. nicht unerheblich verletzt wur­den, stellten Strafantrag wegen fahrlässig ger Körperverletzung. Die Angeklagten, zwei Autoführer und ein Motorradler, wurden daher auf Grund der Beweisaufnahmen und Ortsbesichtigungen für schuldig erachtet und zu ansehnlichen Geldstrafen verurteilt.

Ein auswärtiger Autoführer hatte seinen Wa­gen gegenüber dem Cafe Heikler in der Frank­furter Straße, nahe der Einmündung der West­anlage, ausgestellt und sich kurze Zeit als Gast in genanntes Cafe begeben. Diese Aufstellung bildete fraglos ein Verkehrshindernis, allein schon, wenn man erwägt, daß dort sich eine Haltestelle der Straßenbahn befindet und zwei Schienengleise nebeneinander laufe Ob tatsäch­lich der Verkehr behindert wurde, auf kommt es nicht an; es genügt, wenn die glatte Ab­wicklung des Verkehrs beeinträchtigt werden konnte, und dies war hier der Fall. Der Autoführer, der Einspruch gegen den ihm zuge­gangenen Strafbefehl erhoben hatte, zog diesen nach Belehrung zurück.

In einem etwas abgelegenen Stadtteil betreibt die Frau eines Artisten eine Flaschenbierhand­lung. Das gekaufte Flaschenbier darf in dem Verkaufsraum nicht getrunken werden. Dies soll aber von den Käufern in einer Reihe von Fällen doch geschehen fein, und die Angeklagte erhielt auf beträchtliche Geldstrafen lautende Strafbefehle wegen Verstoßes gegen die Gewerbeordnung. Auf Einspruch wurde festgestellt, daß das Flaschen­bier zwar nicht in dem Verkaufsraum getrunken wurde, sondern außerhalb des Hauses im Freien, und zwar auf Grund und Boden, der nicht der Angeklagten gehörte. Das Trinken artete in eini­gen Fällen zu kleinen Trinkgelagen aus. Da der Angeklagten auch nicht nachgewiesen werden konnte, daß sie solchen Trinkereien Vorschub leistete, etwa durch die Hergabe von Gläsern oder durch Verschaffen von Sitzgelegenheiten und dergleichen, muhte Freisprechung erfolgen.

Schuld

hat das Wasser!

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