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Nr. 256 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Dienstag. 8. Moder 1929

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Die Illustrierte Gießener Familienblätter

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GieMer Anzeiger

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Das Provisorium.

Don unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 8.Dtt. (Prio.-Tel.) Wenn auch die Be­trauung von Dr. (Turtius mit der vorläufigen Wahrung der Geschäfte des Reichsaußenministers nur als ein Provisorium gedacht ist, so ist doch damit ein sehr wichtiger und notwendiger Schritt zur Wahrung der Kontinuität geschehen. Das zeigen bereits die aus diesem Anlaß vor­liegenden Auslandstimmen das hat auch, rein negativ, die zunächst vorsichtige Kritik gezeigt, die an dieser Betrauung im Lager anderer poli­tischer Parteien geübt wurde. Denn ohne die Entschlußkraft des Reichskanzlers zur Wahrneh­mung seiner verfassungsmäßigen Rechte in dieser Form würde vermutlich schon in diesen Tagen ein Kampf um dieses Portefeuille entstanden sein, bei dem sich der Ehrgeiz ein­zelner mit dem politischen Machtstreben der Parteien vielleicht zu einem wenig erfreulichen Schauspiel über dem kaum geschlossenen Grabe Stresemanns entwickelt hätte.

Besser als alles andere wird solchen Bestrebungen die Tatsache den Faden abschneiden, daß der oer- st o r b e n e Reichsaußenmini st er selbst nicht nur diese Lösung zweifellos gewünscht haben würde, sondern daß er bereits zu Lebzeiten sie vorbe­reitet und f e st gelegt hatte. Er war sich ja über die Wahrscheinlichkeit seines baldigen Todes ober mindestens seiner Arbeitsunfähigkeit durchaus im klaren und hat ihr heldenmütig ins Auge ge­blickt. Deshalb hat er den ihm menschlich und poli­tisch am nächsten Stehenden, seinen Freund und Parteifreund (Turtius, vor, in und seit dem Haag in immer steigendem Maße zu den außenpolitischen Fragen herangezogen und ihm die Delega­tionsführung für die zweite, abschließende Haager Konferenz in Aussicht aestellt, falls seine eiaene Ge­sundheit einer solchen Aufgabe nicht gewachsen sein sollte. Dabei kommen neben den persönlichen auch noch sehr starke parteipolitische Elemente in Betracht. Denn gleichviel, ob an einem zukünftigen Zeitpunkt einmal eine umfassende Umgruppierung innerhalb des Kabinetts oder irgendeine andere Regierungs- konftellation in Frage kommt; jedenfalls ist für den gegenwärtigen Zeitpunkt, mitten zwischen dem vorläufigen Abschluß des neuen Re­parationsabkommens und seiner endgültigen Kodifi­zierung ein derartiger Wandel im höchsten Grade unerwünscht, schon weil er natürlich die Einig­keit innerhalb der Koalition durch die Ansprüche auf bestimmte Portefeuilles beeinträchtigen würde.

Dazu kommt weiter, daß gerade die jetzt schwe­benden außenpolitischen Fragen in besonders ho­hem Maße wirtschaftliche Bedeutung ha­ben, so daß die Homogenität der Führung bei der auswärtigen und der wirtschaftlichen Politik, wie sie bisher durch die gemeinsame Parteizugehörig­keit und die intime persönliche Vertrautheit der beiden volrsparteilichen Minister gewahrt war, durch ein Derbleiben beider Ministerien in einer Hand am sichersten gewährleistet ist, jedenfalls sicherer als durch irgendeine andere mögliche Kombination. Man darf also damit rechnen, daß die Erkenntnis dieser Tatsachen zu einer Auf­rechterhaltung des jetzt getroffenen Provisoriums jedenfalls bis nach der zweiten Haager Kon­ferenz führen wird, d. h. also, soweit man bis­her übersehen kann, bis in den Monat De­zember hinein. Diese Tatsache sichert zugleich die nötige Zeit für eine Behandlung des Definitivums in aller Ruhe.

Die Sozialdemokraten gegen eine Regierungsumbildung.

Gegen einen Berufsdiplomaten als Außen- Minister.

Berlin, 8. OH. (Priv.-Tel.) Der Sozial­demokratische Pressedienst geht auf die Presse­erörterungen über die Rachfolge Stresemanns ein und wendet sich scharf gegen eine Um* bildung des gesamten Kabinetts: Es wird gut sein, von vornherein klarzustellen, daß die Sozialdemokratie solchen Bestrebungen durchaus' abgeneigt ist. Sie denkt nicht daran, irgendwelchem Drängen nachzugeben und einen ihrer Dertreter im Kabinett zu opfern, selbst wenn man ihr dasür ein anderes Ressort zur Der- fügung stellen wollte. Ganz abgesehen davon, daß nach ihrer Ansicht jeder,ihrer vier Minister den Ansprüchen genügt, die sie zu stellen hat, würde sie es für verhängnisvoll halten, wenn in diesem Augenblick eine Regierungskrise und auf eine solche würde jeder Dersuch einer Um­gruppierung hinauslaufen ohne Rot herauf­beschworen würde. Ueber die Person des zu­künftigen Außenministers wird man sich noch zu unterhalten haben. Es ist richtig, daß ge­rade dieser Posten nicht nach den Grundsätzen der Fr a k t i on s a r i t h - metit besetzt werden sollte, und nur au eine Gefahr sei schon jetzt aufmerksam ge­macht, auf die nämlich, die in der Ernennung eines Berufsdiplomaten liegt.

Das Zentrum und die Nachfolge Stresemanns.

Prälat Kaas verzichtet, aber das Zentrum will gehört werden.

Köln, 7. OEL (WTB.) 3n der Herbsttagung des Provinzialausschusses der rheinischen Zen­trumspartei widmeten Justizrat M ö n n i g und Prälat Kaas dem Andenken Dr. Strese­manns tief empfundene Worte. Das Referat von Reichsminister Dr. Wirth über TZoungplan

Die britisch-amerikanischen Abrüstungsbesprechungen.

Die Wochenendaussprache.

Die Flottenpolitik

und Fragen des Fernen Ostens.

Washington, 7. OH. (WTB.) Der Prä­ident der Vereinigten Staaten Hoover und der englische Ministerpräsident Macdonald kehrten heute mit dem Staatssekretär Stimson und dem Unterstaatssekretär Cotton vom Staatsdepartement nach dem Wochenende in den Dirginia-Bergen hierher zurück und gaben bald darauf ein gemeinsames Communique aus, in dem sie sagen, sie hätten in freier Aussprache alle Fragen erörtert, die zu Reibungen zwi- chen beiden Ländern Anlaß geben könnten, hätten hierbei einen erfreulichen Fortschritt erzielt und setzten ihre Besprechungen fort.

Mittags waren Macdonald und Tochter Hoo­vers Gäste, am Abend gibt Präsident Hoover ein S t a a t s b a n k e t t für 90 Personen. Die Mitglieder des diplomatischen Korps sind für morgen abend zum Empfang in die britische Botschaft geladen.

2m Staatsdepartement wurde in Bestätigung der am Freitag im Weißen Hause abgegebenen Erklärung betont, daß der Zolltarif und die britischen Kriegsschulden nicht auf dem Diskussionsprogramm stehen. Die Blätter nehmen daher an, daß did Flottenpolitik, die Freiheit der Meere und das Verhältnis zu China und Rußland die Hauptthemata seien.

Macdonald

im amerikanischen Kongreß.

Ter britische Premier ehrt Stresemann.

Washington, 7. OH. (WB.) Der englische Ministerpräsident Macdonald stattete heute dem Kongreß seinen Besuch ab. Zunächst begab er sich ins Repräsentantenhaus. Von dort wurde er von vier Senatoren in den voll­besetzten Senat geleitet, nachdem die Sitzung vertagt war. Die Tribünen waren dicht gefüllt, der französische Botschafter saß in der Diplo­matenloge. Als Macdonald eintrat, wurde er durch langanhaltendes Händeklatschen gefeiert. Vizepräsident Curtis begrüßte Macdonald durch eine Ansprache, in der er u. a. sagte, er erhoffe die Lösung der Flottenfrage von diesem Besuche. Macdonald, der hierauf das Wort erhielt, dankte für das Willkommen und erklärte, er finde viele gemeinsame Züge in den Parlamenten der Vereinigten Staaten und Eng­lands, und er wundere sich darüber, daß die Ver­ständigung zwischen den beiden Ländern so lange verzögert wurde. Er fei hier, um Mißverständ­nisse auszurotten. Weder Großbritannien noch die Vereinigten Staaten würden ein Bündnis abschließen, das sich gegen ein anderes Volk oder gegen eine Gruppe von Rationen richte. Man müsse jetzt an die Friedensarbeit gehen, nachdem Kellogg und D r i a n d den historischen Frie­denspakt geschaffen hätten. Einen Ramen, den er in diesem Zusammenhang noch nennen wolle, sei der Gustav Stresemanns, ein stiller, heldenhafter Kämpfer für die Friedenssache, der im Ausland und in der Heimat von Feinden umgeben für Deutschland und die Weltbefriedung

und Westprogramm wurde infolge des unerwar­teten Ablebens des Reichsaußenministers nicht gehalten. Der Parteivorsihende, Prälat Kaas, streifte in einem Schlußwort die Frage der Rachfolgeschaft Stresemanns nach der grundsätzlichen Seite hin. Er erklärte mit Rück­sicht darauf, daß in der Öffentlichkeit auch sein Rame genannt worden sei, für ihn als Par­teiführer komme die Uebernahme eines Ministeriums nicht in Frage. Trotzdem könne es aber dem Zentrum nach der fachlichen Seite hin nicht gleichgültig sein, wie dieses Ministerium besetzt werde. Die Lücke, die Stresemanns Tod geschaffen habe, sei groß, und vielleicht innenpolitisch größer als außenpolitisch. Deshalb müsse das Zentrum bei der endgültigen Besetzung des Außenministeriums in welcher Person lasse er ebenso dahingestellt wie die Frage, ob Parla­mentarier oder Beamter verlangen, daß alle Mitglieder des Kabinetts die Gewähr für die innere Konsistenz des Kabinetts in seinen innen- und außenpolitischen Aufgaben böten. Diese rein sachlichen Fragen seien für das Zentrum allein maßgebend. Rur von diesem Gesichtspunkt aus würde das Zentrum an die Prüfung der Vorschläge des Kanzlers heran­treten, müsse aber deshalb auch den Anspruch anmelden, bei der endgültigen Beset­zung sachlich gehört zu werden.

Sie andere Seite."

Berlin, 8. Dtt. (Prio.-Tel.) Die gestrige Ber­liner Vorstellung von Sheriffs SchauspielD i e anbere Seit e", die zugunsten der Kriegsblinden­fürsorge öeranftaltet war, wurde eingeleitet durch einen Vorspruch, den der Schauspieler Paul Otto auf den verstorbenen Außenminister Dr. Gustav Stresemann hielt, der das Protektorat über die Vorstellung übernommen hatte. Die tief empfundenen Worte wurden von dem Hause stehend angehört. Anwesend waren die anderen Protektoren, die Botschafter der Vereinigten Staa-

fair gekämpft habe. Er wolle durch die Erwäh­nung der großen Verdienste Stresemanns an dieser Stelle gleichsam einen Kranz auf sein Grab legen. Die Rede, der minutenlanges Klatschen folgte, hinterließ einen tiefen Eindruck.

Das Programm der Seeabrüstungskonferenz.

Die Parität in allen Schiffsklassen. Abschaffung der U-Bootwaffe.

London, 8. Dtt. (WTB. Funkspruch.) Hebet die an die vereinigten Staaten Frankreich, Italien und Japan ergangenen Einladungen z u einer Seeabrüstungskonserenz meldetTimes": Das Dokument enthält ungefähr tausend Worte: Zu Beginn werden die punkte aufgezählt, in denen die Regierungen Großbritanniens und der vereinigten Staaten im Laufe der Besprechungen zwi­schen Macdonald und dem amerikani­schen Botschafter, General Dawes, zu einer vorläufigen Verständigung gelangt sind. Da­nach besteht Einigkeit darüber, erstens, daß die gegenwärtigen Verhandlungen das Ergebnis und die direkte Fortsetzung des fiel- loggpaktes sind. Zweitens, daß der Grund­satz der Parität der Flotten st ärken für alle kriegsschisfarten akzeptiert wird, die nicht durch den Washingtoner vertrag erfaßt wer­den, und daß diese Parität am ZI. Dezember

19 3 6 erreicht sein soll. Die britische Regierung hat über diese Punkte mit den Regierungen bet Dominions beraten und es verlautet, über die Defi­nition der Parität, daß sämtliche 2U a r Ine­ft r e i t ( r ä f t e des britischen Reiches in Rechnung gestellt werden sollen. Drittens daß es wünschenswert ist, auch die Frage einer Revi­sion der Dlenst;eit von Schlachtschis- f e n auszuwersen, um die Durchführung des Ton- nenersahprogramms zu vermeiden, das im Washing­toner vertrag von 1922 vorgesehen ist. viertens, daß beide Regierungen der Ansicht sind, daß U-Boote völlig abgeschafst werden sollten, daß aber diese Maßnahmen nicht ohne die Zu- stimmung aller beteiligten Mächte durchgeführt werden kann.

Im allgemeinen wird anerkannt, daß eine end­gültige Vereinbarung nur durch eine Konferenz mit den anderen Seemächten erreicht werden kann. In­folgedessen lädt die britische Regierung die vier an­deren Regierungen zu einer Konferenz ein. Man hofft, daß die eingeladenen Regierungen sofort zu einem Meinungsaustausch über die aufgeworfenen Fragen schreiten werden. In der Rote wird aus­drücklich erklärt, es fei nicht geplant, einen neuen Mechanismus zur Behandlung der Seeabrüstung zu schaffen, im Gegenteil hoffe man, die Arbeit der Konferenz derart zu gestalten, daß dadurch die Aus­gabe des Völkerbundes, der das gesamte Ab- rüstungsproblem zu behandeln hat, erleichtert wird.

tinletgang eines norwegischen Mendainpsers.

Auf ein Riff aufgelaufen. Vermutlich 35 Todesopfer.

Bergen, 7. Oft (WB.) Der norwegische Kii- ftenbampferHaakon VII." geriet in der Rähe von Florö auf Grund und sank innerhalb drei Minuten. Das Schisf fuhr, als es auf- stieh, mit 12 Seemeilen Geschwindigkeit. Der über- lebnbe Teil der Passagiere und Besatzung rettete sich auf ein kleines in der Rähe der Unglücksstelle gelegenes Eiland, von wo sie später durch ein Schiss abgeholt und nach Florö gebracht wurden. Da die Liste der Passagiere, die sich zur Zeit des Unglücks an Bord desHaakon VII." befanden, bei der Katastrophe verloren ging, liegt noch keine genaue Aufstellung über die Zahl der 21m- gekornmenen vor. Man muß jedoch jetzt mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, daß 35 Menschen i h r Leben verloren haben, darunter neun Mitglieder der Besatzung.

Die Katastrophe ereignete sich dadurch, daß das Schiff bei einer Geschwindigkeit von zwölf See­meilen auf ein Riff auffuhr. Der Anprall war so heftig, daß der Kapitän, der sich auf der Kommandobrücke befand, ins Meer geschleu­dert wurde. Er wurde später sehr ermattet ge­rettet und hat noch kein Erklärung über den Her­gang des Unglücks abgeben können, verschiedene Passagiere hatten sich bereits zur Ruhe be­geben, als die Katastrophe eintraf. Das elektrische

Licht erlosch sofort. Die Passagiere stürzten, teilweise in Rachtgewändern, an Bord. Einer der überleben­den Passagiere äußerte, daß von einer eigentlichen Panik nicht die Rede sein könne. Denn der ganze Vorfall hätte sich so schnell abgespielt, daß, ehe man richtig zur Besinnung kam, der Dampfer mit Aus­nahme des Vorschiffes bereits gekentert war. Mann­schaft und Passagiere sprangen in die See oder krochen nach vorn. Es glückte schließlich dem Bootsmann, eine Leine vom Schisf nach einem Felsenriff zu spannen. Rach und nach sammelten sich dann etwa 50 Menschen auf dem Riff an, wo sie etwa vier Stunden in ftren- g e r Kälte zubringen mußten, bis sie von dem DampferSt. Lukas" gerettet werden konnten. Eine Reihe von Personen hielt sich, wie oben geschildert, auf dem Vorschiff auf. In einer Kabine dritter Klasse des Vorschiffes waren mehrere Passa­giere eingesperrt. Glücklicherweise blieb die Kabine über Wasser, so daß auch diese Lingesperrten später noch gerettet werden konnten. Linern bekannten Geschäftsmann aus Bergen, Konsul Dan hunn, der selbst verletzt wurde, gelang es, eine Tür zu einem der Salons aufzureihen, als das Schiff Schlagseite bekommen hatte, und durch diese Tür dann sieben Menschen herauszuholen.

ten und Englands, sowie der preußische Kul­tusminister Dr. B e ck e r, Generaloberst v. S e e ck t, Professor E i n st e i n und Thomas Mann.

Staatsoberhäupter bei der Trauerfeier für Stresemann.

Berlin, 7. Dtt. (Privatmeldung.) Von unter­richteter Seite wird darauf hingewiesen, daß die Botschafter von Großbritannien und Spanien an der gestrigen Trauenrseier für Dr. Stresemann nicht nur als Vertreter ihrer Regierun­gen, sondern auch als persönliche Vertre­ter der Monarchen ihrer Länder teilge­nommen haben. Weiter haben, wie ergänzend be­richtet wird, an der Trauerfeier teilgenommen der Präsident des Senats der Freien Stadt Danzig, Dr. S a h m , das deutsche Mitglied der Saarkommission, Dr. E o ß m a n n , und der Präsident des Landesrats des Saargebiets, Scheuer.

Das Volksbegehren.

Eine amtliche Erklärung über das Eintragungsverfahren.

Berlin, 7. Oft. (TU.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, veröf­fentlicht der preußische Minister des Innern so­eben einen Runderlaß, in dem er das Ein­tragungsverfahren für das unter dem Stichwort Freiheitsgeetz" eingebrachte Volksbegehren ge­gen den Houngplan im einzelnen regelt. Eine förmliche ^leberwachung des Eintragungs­verfahrens durch Beauftragte der An­tragsteller wäre mit den Bestimmungen der Reichsstimmordnung nicht vereinbar, auch mit der hoheitlichen Stellung der Gemeinde­behörden bei dem Eintragungsverfahren nicht verträglich. Eine dauernde Besetzung der Eintragungsräume mit Obleuten von Parteien kommt hiernach nicht in Frage. Es bestehen aber keine Bedenken, wenn Beauftragten I der Parteien auf Wunsch allgemeine Aus­

künfte über den Fortgang der Eintragungen gegeben werden. Die Ausrüstung der Gemeinden mit den für die Eintragung nötigen Eintragungs­listen ist Sache der Antragsteller. Die Gemeinde­behörden dürfen die Annahme der Eintragungs­listen nicht verweigern, sie sind verpflichtet, die Listen in der Zeit vom 16. Oktober bis 29. Ok­tober 1929 zur Einzeichnung aufzule - gen. Die Gemeindebehörden haben unverzüglich nach Eingang der Vordrucke in ortsüblicher Weise bekanntzugeben, wo, an welchen Tagen und zu welchen Tagesstunden die Unter* ichriften in die Liste eingetragen werden können. Reichs- und Staatsregierung legen großes Ge­wicht auf äußerlich glatten und reibungs* losenVerlauf des Volksbegehrens. Niemand darf Anlaß zu berechtigter Klage haben, daß ihm die Ausübung des versaisungsmäßigen Ein­tragungsrechts durch mangelhafte Maßnahmen unmöglich gemacht oder erschwert worden sei, an­dernfalls muß aber jeder mittelbare oder unmittelbare Zwang, sich am Eintra­gungsverfahren zu beteiligen, unterbleiben.

Die neue Form der Arbeitslosenversicherung.

Berlin, 7. Ott. (WTB.) Reichsarbeitsminister Wissell veranstaltete im Rahmen einer Besprechung über Form und Inhalt der Arbeitslosenversicherung einen Presse-Tee, auf dem Ministerialrat Dr. Leh- f e l d t zunächst in kurzen Worten auf die Vorge­schichte der Gesetzesresorm einging, um dann das Reformwerk nach dem Stande des vom Reichstag beschlossenen Gesetzes noch einmal im einzelnen dar­zulegen. Hierbei führte er vor allem die verschie­denen Maßnahmen auf, die getroffen wurden, um Mißstände und Mißbräuche der Der« s i ch e r u n g zu beseitigen. In diesem Zusammen­hang verweilte er besonders eingehend bei der neu- gefundenen Festlegung des Begriffes der Ar­beitslosigkeit. Er betonte sodann, daß fünf«