Einzelbild herunterladen

Graf Zeppelin" tritt den Rückflug nach Friedrichshafen an.

Kurch Vie Behörden in Vie Wälder geflüchtet Hot. Die große Zahl der Verwundeten und Toten wird dadurch erklärt, daß das Militär, ohne eine Scbrecksalve abzugeben, direkt in die Menge schob aus der vorher Schüsse gefallen waren. Der Lohnkonflikt der Arbeiter im Kohlendistrikt dauert schon sechs Monate an, wobei auch von feiten der Regierung zugegeben wird, dah die Lohnverhältnisse unbedingt gebessert werden muh­ten Von einigen Seiten wird hervorgehoben, daß das Arbeitsministerium schon lange zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hätte vermit­teln sollen. Der Llntersuchungskommission, die sich sofort an Ort und Stelle begeben hat. ge­hören Vertreter des Kriegsministeriums, des Ar­beitsministeriums und des Ministeriums des Innern an. Wie verlautet, ist es nicht ausge­schlossen, dah sich auch der Ministerpräsident ms Streikgebiet begibt.

Chinas Rüstungskosten.

Berlin, 8. Aug. Der chinesische Finanz­minister droht mit seinem Rücktritt, weil er dre Verantwortung für die Kosten des 5yeertoe^Tl3 im Betrage von etwa 7 0 0 M i ll i one n jähr­lich nicht mehr übernehmen will. Im Vergleich zu den Summen, die heute in dem angeblich ab­rüstenden Europa von den Grohmächten und den kleineren Ländern aufgebracht werden, ist das kein überwältigender Betrag. Allerdings ist China durch die Revolutionen der letzten Iahre ver­armt, und Tschiangkaischeck macht mit Recht darauf aufmerksam, daß er ohne ein starkes Heer die Ordnung nach innen wie nach auhen nicht ausrechterhalten kann. Gr will dafür über eine Million unter Waffen halten, das ist bei den 300400 Millionen Einwohnern des Reiches recht wenig, allerdings wohl ziemlich das Maximum, weil an eine Einberufung von Reserven in China nicht zu denken ist. Praktisch ist das Ziel, das der chinesische Diktator im Auge hat, offenbar ein Berufsheer, wie es nach dem Kriege von vielen früheren Militärs empfohlen ist, und wie es ja auch Deutschland aufgezwungen wurde.

Amerikanische Kriegsteilnehmer an deutsche Soldaten.

Berlin. 8. Aug. (Priv.-Tel.) Eine Abord­nung ehemaliger amerikanischer Kriegsteilnehmer ist soeben, von Rußland kommend, in Deutsch­land eingetroffen. Ihr Führer Captain Bet- telheim, hatte die Aufgabe, die gefallenen Soldaten der amerikanischen Armee, die in Ruß­land begraben sind, von Rußland nach Amerika zu holen. Die Kommission sollte in Deutschland am Grabe des Unbekannten Soldaten am Ver­fassungstage einen Kranz niederlegen. Da ein solches Denkmal in Deutschland bekannt­lich noch nicht besteht, ist der dafür ausgeworfene Betrag der Hindenburg-Spendeüber- wiesen worden. Gleichzeitig ist dieser Spende ein Schreiben für die gefallenen Soldaten des Weltkrieges und für alle Teilnehmer des Weltkrieges beigegeben worden. Darin heißt es u. a.:Deutsche Soldaten, lebende und gefallene, wir amerikanischen Soldaten grüßen Euch. Wir ehren Euren Mut und Eure Vaterlandsliebe und neigen das Haupt in Ehrfurcht vor Eurem Tode. Wir fochten einen schweren Kampf und kamen aus diesem Konflikt als aufrichtige Freunde mit größter Hochachtung füreinander heraus. Möge diese Freundschaft und Hochachtung für kommende Jahrhunderte andauern."

Internationalisierung der Landstraße.

Verkehrsbezeichnungen in freuidenSPrachen

Berlin, 8. Aug. (Priv.-Tel.) Im Zusammen­hang mit den gegenwärtig in Gang befindlichen Erörterungen über die Schaffung großer Automobil st raßen quer durch das ganze Reichsgebiet mit Reichsmitteln, wodurch die Län- derlompetenzen in gewisser Beziehung aufgehoben würden, da diese ja bis jetzt allein für den Stra­ßenbau zuständig sind, wird jetzt auch in inter­essierten Kreisen eine andere Frage eingehend behandelt, die sich mit der Internationalisierung

Start zur Reise um die Welt.

Mit dem Start zur Weltfahrt, die über Fried­richshafen, Tokio und San 3>iego wieder nach Lakehurst zurückführen soll, hat Dr. Eckener Öen letzten entscheidenden Schritt getan, um den Rach- weis für die Lieberlegenheit des Luftschiffes zu erbringen. Die Reise um die Welt in sechzig Tagen, die vor einem Menschenalter noch als phantastische Eile anmutete, ist längst überholt. 5>eute halten zwei Amerikaner mit etwa fünf­undzwanzig Tagen den Rekord. Dr. Eckener will sie unterbieten. Er will vor allem aus der irr­sinnigen Hetzjagd, mit der dieses Tempo erreicht wurde, eine Vergnügungsreise machen, die noch Zeit genug für gründliche Lieberholung des Luft­schiffes vorsieht. Denn an den Landungsplätzen werden jeweils mehrere Tage Aufent­halt vorgesehen. Ganz Deutschland wünscht dem Luftschiff, seinem Führer und seiner Besatzung Glück auf die Fahrt zu dem kühnen Llnternehrnen der Llrnkreisung der Erde. Wenn das Experiment gelingt, wird wieder einmal der Ruhm deutscher Tüchtigkeit durch alle Lande gehen. Wir dürfen nicht vergessen, mit welchen Schwierigkeiten dank der internationalen Kontrolle der Luftschiffbau in den Rachkriegsjahren zu kämpfen gehabt hat. Trotzdem vermochte niemand den Vorsprung ein­zuholen, denn die Engländer, die mit ihren Rie­senluftschiffen vor dem Zeppelin fertig werden wollten, krebsen immer noch an den Werft­arbeiten herum.

Die Abfahrt von Lakehurst.

c a k e h u r st , 8. Aug. (WTV. Kunkspruch.)Graf Zeppelin" ist um 12.39 Uhr nachmittags amerika­nischer Sommerzeit (5.39 Uhr früh 2NLZ.) zur Rückfahrt nach Friedrichshafen gestartet. Drei Stun­den vor der für den Start desGraf Zeppelin" vorgesehenen Zeit versuchten zwei junge Leute, sich an Bord des Luftschiffes zu schleichen, während die Lebensmittel verladen wurden. Der eine der beiden wurde an der Tür zum Frachiraum abgefaht, der andere entschlüpfte ins Innere des Luftschiffes, wo die Suche nach ihm begann. Obwohl tagsüber zahl­reiche Personen denGraf Zeppelin" besichtigten, war der Flugplatz abends von Zuschauern fast ver­lassen.

Die revidierte Passagierliste weist 19 Hamen auf: Kapitän Schätz (Berlin), Schlatter (Phila­delphia), Rleriane Cooper (Heuyork), ein Nach­komme des Verfassers desLederstrumpf", Robert Hartmann (Heuyork). Eine Kabine trägt den Hamen G o d f r o y (offenbar ein Pseudonym), ferner William B. Leeds, amerikanischer Multi­millionär, 3ohn L a r n e y, Sir Hubert W i l k i n s, der bekannte Polarforscher, Lady Drummond- Ha y, Graf M o n t g e l a s, Karl h. von Wie­gand, Commander Rosendahl, C.P. Bür­ge tz, Marinesachoerständiger, I.C.Richardson, Dr. K i e p von der hapag, R. S p i e h, Vertreter des Reichsverkehrsministeriums, Heinz von Csch-

ber Landstraße beschäftigt. Es handelt sich hierbei in erster Linie um die Schaffung international anerkannter und gemeinsam aufgestellter Ver­kehrsbezeichnungen. So wird es z. D. als absolut erforderlich angesehen, daß in allen Ländern solche Verkehrsbezeichnungen nicht nur in der Landessprache, sondern auch in den anderen geläufigen Sprachen ange­bracht werden. Aus einflußreichen Autoinobilisten- kreisen ist angeregt worden, alle Hinweise gleich­zeitig auch mit französischen Auf­schriften zu versehen und es ist infolgedessen an die großen Automobilklubs die Anregung ergangen, in diesem Sinne ihren Einfluß bei den Behörden geltend zu machen. Wie wir hören, haben inzwischen auch in dieser Richtung bereits unverbindliche Vorbesprechungen stattgefunden, in denen der aufgeworfene Fragenkomplex zur Be­handlung gestanden hat. Don feiten des Reichs­

wege, ferner die Herren Hafan wechler, Wil­liam Weber, Moris S h u m o f s k y.

Die Ladung desGraf Zeppelin" ist die man­nigfaltigste, die je in der Luft befördert wurde. 11. a. sind darunter 16 Pfund Lammkoteletts und 50 Pfund Trockeneis, in Glaspapier ge­wickelt, welches wieder in Asphallpapier und im­prägnierter Wellpappe verpackt ist; das Paket ist für Henry Stcmton, den Delegierten der Reklame­sachleute auf dem Berliner Reklamekongretz, und ist für das Kongrehbankett bestimmt. Es ist dies die erste derartige Frischsleischsendung. An Bord befindet sich auch ein lebendiger Alligator und eine 9monalige Bulldogge namenshappy".

Um 11.30 Uhr Osi-Horrnalzeit (4.30 Uhr früh MCZ.) wurden die Motoren des Luftschiffes Graf Zeppelin" angeworsen. Der Heuyorker Sonderzug mit den Passagieren war kurz zuvor in Lakehurst eingetroffen. Während die Passagiere das Luftschiff bestiegen, wurde die ganze Luft- schifshalle noch einmal nach dem blinden Passa­gier durchsucht. Gleichzeitig nahmen 400 Matrosen Aufstellung, um das Luftschiff aus der Halle zu ziehen. Eine Stunde später war der Start glück­lich vollzogen.

Das Klugwetter.

Zunächst trübe, regnerisch und neblig.

Hamburg, 7. August. (WB.) Das Seeflug­referat der Deutschen Seewarte zu Hamburg gibt über das Ozeanwetter auf der Fahrtroute desGraf Zeppelin" folgenden Lieberblick aus: Lieber Labrador liegt ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet, das sich nur langsam in nordwestlicher Richtung verlagert. Don ihm aus reichen mehrere Ausläufer fast parallel zur ame­rikanischen Küste wieder südwärts, die über dem Golfstromgebiet Strichregen bringen. An der ame­rikanischen Küste herrscht bis Reufundland böi­ger nördlicher Wind unter dem Einfluß eines Hochdruckgebietes, das über den amerikani­schen Seen liegt. Don Reuschottland bis Reufund­land wehen mäßige, zeitweise östliche bis südöst­liche Winde, die die Fcchrt des Luftschiffes sicher­lich fördern werden. Oestlich von Reufundland wehen die Winde aus Südost bis Süd, wobei das Wetter zunächst trübe, regnerisch und neblig wird. Von dem Azorenhoch aus, das sich verstärkt hat und von den Bermuden bis zu den Azoren reicht, hat sich auf ungefähr 30 Grad ein Keil mit Luftdruckwert über 765 bis zu 70 Grad Rordbreite vorgeschoben. Auf seiner West­seite herrschen bei ruhigem Wetter südliche Winde, während auf seiner Ostseite die Winde aus nördlicher Richtung kommen. Mit Annähe­rung an das europäische Festland drehen die Rordwinde mehr auf westliche Richtung hin, wo­bei unter dem Einfluß des Tiefdruckgebietes über der Rordsee und Mn Rordmeer strichweise Regenschauer niedergehen.

Verkehrsministeriums hat man sich grundsätzlich für die Anregung ausgesprochen, jedoch gleich­zeitig darauf hingewiesen, daß der Verwirklichung dieser Pläne eine Reihe wesentlicher Schwierigkeiten entgegenstehen. Diese Schwierigkeiten sind einmal darin zu suchen, daß es bisher nicht zu den Kompetenzen des Reichs­verkehrsministeriums gehört hat, über solche Fra­gen eine Entscheidung zu treffen, da diese aus­schließlich von den großen Automobilklubs be­handelt und gelost worden sind, zum anderen wohl auch darin, daß eine gesetzlicheHand- h a b e fehlt, auf die Kommunen entsprechend einzuwirken. Trotz alledem hofft man in den interessierten Kreisen doch auf eine baldige Lö­sung dieses schwierigen Verkehrsproblems, an dem der AutomobiNsmus und auch die Verwal­tung gleichermaßen interessiert sind.

Reichsfürsorge für Kleinrentner.

Eine crsteZehnmillioncnrate an die Länder.

Berlin, 7. Aua. (WB.) Der Reichstag hat im Haushalt des Reichsarbeitsministeriums für 1929 f ü r die Beteiligung des Reichs an der Kleinrentnerfürsorge einen Be­trag von 35 Millionen Mark zur Verfügung ge­stellt. Die Mittel sind zum Ausgleich der Mehrkosten bestimmt, die den Ländern und Fürsorgeverbänden durch die vom Reich angeordneten Verbesserungen der Kleinrentnerfürsorge entstehen. Für den gleichen Zweck waren im Haushaltsplan 1929 25 Millionen Mark vorgesehen. Die Erhöhung um 10 Millionen Mark soll zugleich zur Durch­führung der vom Reichstag gewünschten weiteren Verbesserung der Kleinrentnerfürsorge dienen. Die Mittel werden schlüfselmäßig auf die Länder verteilt, die über die zweckmäßige Verteilung der Mittel ihrerseits Bestimmung treffen. Als erste Rate sind in diesen Tagen 10 Millionen Mark den Ländern überwiesen wor­den. Die Weiterleitung an die Fürsorgaverbände wird mit möglichster Beschleunigung erfolgen. Für allgemeine Einrichtungen der Klein­rentnerfürsorge und für Einzelbeihilfen an Klein­rentner dürfen die Mittel bestimmungsgemäß nicht verwendet werden.

Die Kaffenkage des Reichs.

Vorläufig keine Veräußerung von Reichs- bahnvorzugSakticn.

Berlin, 8. Aug. (Priv.-Tel.) Aus Washing­ton kommt die Rachricht, daß das Reichsfinanz- ministerium gezwungen sei, 400 Millionen Mark Schahanweisungen auszugeben, und ferner einen Teil der im Besitze des Reiches befindlichen Vorzugsaktien der Reichs­bahn auf den Markt zu werfen. Diese Rach­richten entsprechen jedoch, wie wir aus guter Quelle erfahren, nicht den Tatsachen. Eine Reu­ausgabe von Schahanweisungen ist zur Zeit über­haupt nicht in Erwägung gezogen worden. Was die Frage der Reichsbahnaktien betrifft, so ist es wohl richfig, daß man seinerzeit, als das Er­gebnis von dem Mißerfolg der Reichsanleihe be­kannt wurde, daran dachte, von den im Besitze des Reiches befindlichen Vorzugsaktien, die sich auf 700 Millionen Mark belaufen, einen Teil an öffentliche Institute usw. zu begeben. Dieser Gedanke wurde jedoch damals wieder fal­len gelassen, da es gelang, über eine Gruppe von Banken hinweg einen 50-Millionen-Dollar- Kredit in Amerika aufzunehmen.

Inzwischen ist der Plan der Veräußerung von Vorzugsaktien aber noch nicht wieder auf­gegriffen worden. Auch zur Zeit sind noch keine berartigen Erörterungen gepflogen worden. Der Reichsfinanzminister hofft vielmehr, auch über den kommenden Llltimo mit den einkommen­den Geldern auszukommen. Eine andere Frage ist es allerdings, ob er am Quartalsultimo alle Gelder beisammen haben wird. Da auch der damalige Auslandkredit nur kurzfristig war, wird es sich gewiß als notwendig erweisen, um eine Generalsanierung der Reichskasse vorzunehmen, auf irgendeine Weise Kapital zu beschaffen. In politischen Kreisen nimmt man aber an, daß diese Fragen von dem Ergebnis der Haager Konferenz abringen, da der Reichsfinanzminister selbstverständlich erst die feste Grundlage der neuen Reparationsregelung haben will, ehe er zu seinen weiteren Plänen der Sa­nierung seiner Kasse schreitet.

Lockerung der Wohnungszwangs- wirtschaft in Mecklenburg.

Schwerin, 7. Aug. (WB.) Bisher bestand in Mecklenburg noch im Gegensatz zu allen übrigen Ländern des Reichs ungemildertc Wohnungszwangs. wirtschaft, da bis zum Antritt der Rechtsregierung am 10. Iuli die Linksparteien und ihre Regie­rung sich jeder Lockerung der Zwangswirtschaft widersehten. Wie das Staatsministerium mit­teilt, hat das mecklenburgische Ministerium des Innern nunmehr das Wohnungsmangel­gesetz für größere Wohnungen und für alle kleineren Gemeinden auf»

Die wunderbare Lüge der Rina Petrowna."

Lichtspielhaus Bahnhofstraße.

Dieser Film, der sogleich nach seinem Er­scheinen und auf der Reise durch die deutsche Provinz ungewöhnliches Aufsehen erregt hat, ist sehr lehrreich. Dor allem deswegen, weil er auffallend gut gemacht ist, und weil man immer noch eine Menge Spielfilme zu sehen bekommen kann, die erheblich ungeschickter gearbeitet sind, und welche ziemlich elementare Mängel auf- weisen; Mängel, die nur aus Llnkenntnis der organischen Gesetze eines Filmkunstwerkes zu er­klären sind, und deren Beseitigung oder Lieber­windung uns ein für die Entwicklung und das zukünftige Schicksal der Lichtspielbühnen wichtigeres Problem zu sein scheint, als etwa der Tonfilm.

Der Streifen ist filmisch richtig, ehrlich, exakt und folglich gut gemacht. Beinahe zu gut. Man kann jedenfalls an ihm lernen, was ein Film für seine künstlerische Wirkung braucht, was er geben mutz, und ganz gelegentlich auch: was er vermeiden sollte. Der Film hat eine durch­aus romanhafte Handlung. Der selbe Stoff würde aber als Roman (oder als Rovelle) unmöglich wirken; es sei denn, er geriete in die Hände eines erzählerischen Genies. Wenn man sich den Film betrachtet und den angedeuteten Vergleich dabei durchführt, wird man begreifen, worin die inne­ren Qualitäten dieses Werkes begründet sind.

Wollte man die Handlung in ihren Grund­motiven angeben, so würde der Zuhörer vermut­lich enttäuscht sein. Sie ereignet sich in Peters­burg, vor dem Kriege, und wird nur von drei Personen getragen, zwei Männern und einer Frau. Die beiden Männer sind Offiziere eines feudalen Reiterregiments: der Oberst und der Kornett. Die Frau, Rina Petrowna, ist die Geliebte des Obersten, die sich bei der ersten Be­gegnung in den jungen Fähnrich verliebt und den Obersten verläßt. Der, eifersüchtig und ent­täuscht, ertappt den Kornett bei einer unbedach­ten Handlung; er hält damit die Entscheidung über die Existenz und das Lebensglück des jungen Menschen in seiner Hand. Rina rettet den Ge­liebten mit einem ungeheuerlichen Opfer, indem

sie zum Obersten zurückkehrt und noch ehe der des wiedergewonnenen Besitzes fioh werden kann sich das Leben nimmt.

So, in großen Zügen, die Handlung; mit einem alten, einem handgreiflichen, einem blen­dend wirksamen Konflikt, immer hart an der Grenze der Kolportageliteratur. Aber nun muß man den Film sehen und was die Regie (von Schwarz) daraus gemacht hat; eine Inszenie­rung mit Fingerspitzengefühl, mit glänzenden Einfällen, mit einem Minimum an Text aud- kommend (was stets ein Prüfstein für filmische Qualität ist), und einer suggestiven Wirkung auf den Beschauer. Rur manchmal wird man leise gestört, weil man fühlt, wie bewußt diese, Wirkung hervorgerufen ist, wie absichtlich und oft raffiniert die Bildimpressionen und Hand­lungselemente aneinandergereiht sind. (Man be­achte z. D., wie bestechend die erste und die letzte Szene miteinander korrespondieren und das Ganze zusammenschliehen.)

Zu solcher Regie kommt die fast ebenbürtige Besetzung. Brigitte Helm als Rina Petrowna. Ausgezeichnet; es ist »die beste Rolle, die wir von ihr gesehen habmr. Sie ist hier so etwas wie eine deutsche Garbo, an derenKarenina" erinnernd. Sie ist schön und sie wirft hier ihr ganzes Gefühl in die Rolle hinein, erzwingt mit sparsamen Mitteln einen beseelten Ausdruck ihrer großen Leidenschaft und hat alle Kühle und Starrheit verloren, die man in ihren früheren Filmen oft empfand.

Den Kornett gibt Franz Lederer, ein in Berlin kürzlich entdeckter, sehr begabter junger Schauspieler. Ausgesprochener Moissi-Typus. Er hat (als Partner der Dergner) den Romeo ge­spielt. Man müßte ihn sprechen hören. Obwohl man die Stimme hier nicht vermitzt. Zuerst denkt man, diesen jungen und fast jungenhaften, rüh­rend ungeschickten, ahnungslosen und unerfahre­nen Fähnrich würden viele andere ebenso leicht und mit so unbestreitbarer Echtheit herausbrin­gen; aber später, in einer Reihe von Szenen, merkt man, was er wirklich kann, dah er mehr als einen flachen Durchschnittstyp darzustellen vermag und daß er schauspielerisch aus einer sehr gepflegten Schule kommt.

Der Oberst: Warwick Ward; man kennt ihn aus vielen Filmen; als ausgesprochenen Intri­ganten; Franz Moor im Frack oder in Uniform.

Er gibt die Rolle nicht ohne Spielkultur und mit viel Routine aber eben vollkommen im Stil seinesFachs", und deshalb fällt er neben den beiden Partnern ein wenig ab. (Zumal an seiner Rolle die einzigen leichten Mängel des Drehbuches und der Regie am klarsten hervor­treten.)

Es wäre noch manches zu diesem Film zu be­merken; es würde zu weit führen. Jedenfalls sollte man ihn sich ansehen. Es lohnt sich. -r-

Wildpferdefang in Westfalen.

Don Wilhelm Schönwald.

Wer glaubt wohl, daß es in Deutschland noch Pferde gibt, die absolut in der Freiheit auf­wachsen, keinen Stall und keine Futterkrippe kennen? Llnd doch gibt es das auch noch bei uns. Der Herzog von Croy besitzt in Westfalen im Mehrfelder Bruch einen großen Wildpark. In diesem wachsen zwischen allem andern wilden Getier, zwischen Hirschen, Rehen und Wildschwei­nen auch ganze Herden wilder Pferde heran. Riemand kümmert sich um ihre Pflege. Rur in den kältesten Wintertagen erhalten sie an Futter­plätzen, wie das übrige Wild, etwas Futter.

Aber alle zwei Jahre einmal werden sie bei Dülmen in Westfalen zusammengetrieben. Das ist für die ganze Gegend und weit darüber hinaus ein Anziehungspunkt, wie ein internatio­nales Pferderennen, ein großes sportliches Er­eignis, ihn nicht größer bieten kann. In langen Kolonnen kommen die Autos herangerollt. In Autobussen werden die Zuschauer herangefahren, um sich das einzigartige Schauspiel anzusehen.

Ende Mai hat der letzte Wildpferdefang statt- gefunden. Wat hat Tribünen errichtet, die schnell bis auf den letzten Platz gefüllt sind. Wer keinen Tribünenplatz erhaschen konnte, stellt sich mög­lichst in der Rühe der Fangstelle an der Lim- zäunung auf.

In der Ferne sieht man ruhig grasende Grup­pen von Pferden, die noch nicht ahnen, dah es in wenigen Stunden um ihre Freiheit geschehen ist, daß der Mensch sie bald zur nützlichen Arbeit zwingen wird. Zu bestimmter Stunde stellen sich die versammelten Treiber in Schützenlinie auf und umgehen in weitem Bogen das Gelände. Mit Stöcken werden die Tiere von den Treibern zu­

sammengetrieben. Immer enger werden sie ein­geschlossen und aus den Wäldern herausgeholt. Räher und näher kommen sie der Einzäunung. Aengstlich versuchen sie sich den Blicken der vielen neugierigen Augen zu entziehen. Hier und dort macht ein mutiges Pferd einen Durchbruchsver­such durch die Treiberkette. Aber alles mißlingt, unerbittlich werden sie der Einfang fiel le, dem Graal, zugetrieben. Die Herde zählt ungefähr 150 Köpfe. Es ist ein ungewöhnlich reizvolles Bild, wie die ganz jungen Füllen, oft nur Tage alt, sich eng an die Mutterstute drücken. Beim Drängen und Stoßen der andern kommen, sie oft zu Fall. Man sieht ihnen allen an, daß sie keinen Striegel kennen. Ihr Fell ist von Wind und Wetter gegerbt, ihre Mähnen wild und ihre Schweife reichen fast bis zur Erde. Durchweg sind es besonders kräftige Tiere, denen man nicht anmerkt, daß sie einen so harten Winter wie den letzten überstehen muhten.

Wenn alle endlich im Graal zusammengetrieben sind, kommt der Hegemeister und mustert die zweijährigen Hengste, die zum Verkauf kommen sollen, aus. Es waren diesmal zwanzig Stück. Zwei davon wurden verlost und die übrigen acht­zehn meistbietend versteigert. Die widerstands­fähigen Tiere, die sich in acht bis vierzehn Ta­gen zahmen und zur Arbeit verwenden lassen, finden schnell ihre Käufer.

Aber ehe es soweit ist, müssen die vom Hege­meister ausgewählten Tiere von den Treibern erst gefangen und in einen Rebengraal geführt werden, wo ihnen ein Zeichen eingebrannt wird. Das ist ein schweres Stück Arbeit. Die kräftigen Tiere wehren sich, und oft wälzen sich Pferd und Treiber auf dem Boden, bis Hilfskräfte hinzu­springen und das Pferd an Kopf, Schwanz und Beinen packen, so dah es keine Bewegung mehr machen kann. Zum Schluß siegt immer der mensch­liche Wille.

Die übrigen Tiere werden wieder freigelas­sen, und schneller als sie gekommen ist, jagt die ganze Herde aus dem Graal hinaus. Zuletzt folgen die jungen Füllen. Die Mutterstuten stehen wartend und nehmen sie wieder unter ihrem Schuh mit in die Freiheit.

Zur Dlutauffiischung werden zwei schottische Hengste bet Herde einverleibt, und wieder zwei Iahre lang kann sie ungestört in der Wildnis leben.