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KrJ84 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Donnerstag, 8. August (929

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Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Qange. Verantwortlich für wlitid Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

Schluß der Generaldebatte auf der Haager Konferenz.

Das Fell des Löwen.

Der Kampf um die Verteilung der deutschen Reparationszahlungen hat auf der Haager Kon­ferenz gleich in sehr scharfer Form eingesetzt. Mr. Snowden hat ihn eröffnet mit der ganzen Rück ichtslosigkeit. die ihn auszeichnet. Die Pariser Presse wirft ihm vor, daft er sich von seinem Haft gegen Frankreich hat leiten lassen. Das ist natürlich Llnsinn. Tatsächlich ist Herr Snowden der Wortführer des gesamten Eng­land, das von den Konservativen über die Libe­ralen bis zur Arbeiterpartei hinter ihm steht, wobei es nicht ohne grimmigen Humor ist, daft gerade der Vertreter einer international soziali­stisch orientierten Partei hochkapitalistische Forde­rungen vertritt. Er hat dabei rein technisch eine ziemlich schwierige Position, weil die Pariser Sachverständigen einschließlich der Engländer sich darauf festgelegt haben, daft der Voungplan e i n unteilbares Ganzes ist, daft Aenderungen nicht möglich sind, er also nur entweder insge­samt angenommen oder abgelehnt werden kann. Politisch ist aber seine Stellung doch wesentlich stärker, eben weil hinter ihm die öffentliche Meinung ganz Englands steht und weil er darauf aufmerksam machen kann, daß er ohne einen Erfolg, also ohne eine Erhöhung des engli­schen Anteils, nicht nach Hause kommen darf. Er hat auch dafür gesorgt, daft er nicht ganz ohne Bundesgenossen bleibt: die europäischen Freund­schaftsverhältnisse hatten sich ja schon bei der Einladung zur Konferenz stark verschoben. Eng­land war es, das für die Zulassung der kleinen Reparationsgläubiaer eintrat, während Frank­reich sehr wenig damit einverstanden war und apch den Klagen dieser Mächt-e, die ihm sonst doch politisch recht nahestehen, sein Ohr nicht leihen wollte. Beim Geld hört nun einmal die Freund­schaft auf, und Herr Vriand ist viel zu klug, um nicht zu wissen, daft er bei einem neuen Streit um die schlüsselmäftige Verteilung der deutschen Zahlungen nur verlieren kann.

Es hat sich also im Haag bereift so etwas, wie eine Front herausgebildet. Auf der einen Seite Frankreich, Italien und Bel­gien, die alle drei recht gut weggekommen sind, auf der anderen Seite England, Rumä­nien, Portugal und die anderen kleinen Reparationsmächte, die in beweglichen Tönen von den Opfern erzählen, die sie im Kriege gebracht haben und nun mit ihrem finanziellen Ruin drohen, wenn ihnen nicht als Pflaster auf die Wunde einige Millionen mehr bewilligt werden. Ein unerfreuliches Schauspiel, bei dem Deutsch­land zunächst als Zuschauer unbeteiligt bleibt. Wir können die Gläubigerstaaten den Zank recht wohl unter sich austragen lassen, allerdings wenn es etwas mehr Unbefangenheit in der Welt gäbe, dann sollte doch eigentlich ein Ge­fühl dafür vorhanden sein, wie lächerlich und peinlich es wirkt, daß diese Mächte, die nun an der groben Erpressung gegen Deutschland sich seit Jahren mehr oder minder stark beteiligt haben, um wenige Millionen feilschen. Daft Deutschland nach dem Verlust seiner Kolonien und seiner gesamten Handelsflotte, nach dem Raub des ganzen deutschen Auslandvermögens, nachdem wir schlecht gerechnet fünfundzwanzig Milliarden bezahlt haben, noch auf zwei Gene­rationen hinaus über zwei Milliarden jährlich sich absparen soll, halten sie alle für selbstver­ständlich. Niemand von ihnen aber ist bereit, auch nur auf eine Million zu verzichten, und das Ganze nennt man dann die Liquidierung des Krieges! Es ist wirklich sehr schwer, keine Satire dazu zu schreiben.

So ganz unbeteiligt freilich ist Deutschland an der Entwicklung dieses Streites nicht. Wir verzeichnen die Tatsache, daß Frankreich, ob­wohl es angeblich nur wenige Prozente seiner Kosten aus der deutschen Kriegsentschädigung decken kann, nun plötzlich zum warmen Ver­fechter des Voungplanes wird, wir verkennen aber auch nicht die Gefahr, daß die Gläubiger, wenn sie sich genügend gestritten haben, den Versuch unternehmen werden, ein Geschäft unter sich zu machen und ihre Ansprüche durch neue Erhöhung der deutschen Zah­lungen sich gegenseitig zu bewilligen. Darauf kann sich die deutsche Delegation selbstverständ­lich nicht einlassen. Auf diesem Wege ist eine Lösung nicht zu finden. Bleibt also nur der Ausweg, daß Finanz und Politik ver­koppelt wird, daß Herr Snowden sich von Frankreich eine etwas höhere Rate bewilligen läßt, dafür aber den französischen Forderungen nach der verewigten Kontrollkommission zustimmt. Das ist die Klippe, der Dr. Stresemann aus­weichen muß. Er hätte die Möglichkeit, sich eine Rückendeckung bei England zu schaffen. Er könnte vielleicht auch mit den Franzosen ins Reine kommen, indem er einem der beiden für die Bewilligung des deutschen Mindest Programms seine älnterstühung zusagt. In diesem Spiel liegen aber so viel Gefahren, eben weil hinter der deutschen Politik keine reale Macht steht, daß in jedem Falle die Risikoprämie zu hoch ist. Die deutsche Delegation muß sich daher darauf beschränken, den aufmerksamen Be­obachter zu spielen, um im entscheidenden Augenblick eingreifen zu können und zu ver­hindern, daß der große Kuhhandel zwischen Eng­land und Frankreich zustande kommt. Leicht ist diese Aufgabe nicht, wir brauchen uns nicht

davon bluffen zu lassen, daß vorläufig alle Teile mit dem Scheitern des Poungplans drohen, wenn sie ihre Forderungen nicht durchsetzen. Ein Lebensinteresse an dem Boungplan haben schließ­lich auch wir nicht. Wir können nur nicht oft genug betonen, was Dr. Stresemann bereits jetzt schon mit voller Absicht zweimal getan hat, daß unser Rein in demselben Augenblick aus­gesprochen werden muß, wo nicht als Voraus­setzung der Ratifikation des Poungplans die Räumung des Rheinlandes gesichert ist.

Ein Berliner Kommentar zur Snowden-Rede.

Die deutsche Leistungsfähigkeit.

Berlin, 7.Aug. (Privatmeldung.) 3n hiesigen unterrichteten Kreisen wird in Bezug auf die Aeuherung des britischen Schahkanzlers Snowden im Haag, daß der Voung-Plan die deutsche Leistungsfähigkeit be­rücksichtige, darauf hingewiesen, daß d i e deutschen Sachverständigen über die

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Oer 8oung-plan als unteilbares Ganz Oie Llnzufrieder

Haag, 7. Aug. (WTD.) Die allgemeine Aus­sprache über den TZoungplan ist um 10 ilfjr wieder eröffnet worden, und zwar mit einer Rede Titulescus (Rumänien), der die An­sprüche Rumäniens anmeldete und behauptete, daß die an Rumänien zu zahlenden Summen nicht seinen Verpflichtungen entsprächen. 3n ähnlichem Sinne sprach sodann auch der Ver­treter Portugals. 3n beiden Reden wurde sehr nachdrücklich auf die großen Opfer hingewiesen, die die beiden Länder angeblich gebracht hätten. Der _ .französische Ä femer aber Darauf hin, daß der Voungplan ein unteilba.es Ganzes sei und unterstrich stark die Kompromißform des Voungplanes, d. h. also, daft jeder Abstriche von seinen An­sprüchen hätte machen müssen.

Auch der italienische Finanzminister Mos­coni legte den größten Nachdruck darauf, daß der TZoung-Plan einen Kompromitzcharakter trage und stellte die Frage, ob die Sachverständigen, falls man sich nicht über die Annahme des TZoung-Planes einigen könnte, noch einmal zusammentrete n sollten. Zum Schluß wies er noch den Vorwurf zurück, daß die kleinen Staaten bei der Aufstellung des Voung- Planes nicht gebührend berüHichtigt worden seien. Die Tendenz seiner Rede, in der er ziem­lich deutlich von dem gestern von Snowden be­kanntgegebenen englischen Standpunkt abrückt, ging auf die Annahme des Planes als Gan­ges hinaus. Sowohl V e n i z e l o s, wie auch der lugoslawische Außenminister Marinkowitsch führten dann ihrerseits aus, daß sie durch die jetzt in Aussicht genommene Regelung nicht befriedigt werden könnten, weil die Ver­pflichtungen ihrer eigenen Länder dadurch nicht gedeckt würden. Als letzter Redner der Vor- mittagssihung führte Reichsauhenminister Dr. Stresemann u. a. aus. 3ch glaube, daß ich mich in der Generaldiskussion darauf beschränken kann, auf die seinerzeit von der Reichsregierung veröffentlichte Erklärung hinzuweisen, die dahin- geht, daß Deutschland bereit ist, auf der Grundlage des Planes zu einer Lösung des Reparationsproblems zu gelangen. Da unsere Generaldiskussion sich lediglich auf den Voung- Plan und nicht auf die politischen Fragen er­streckt, kann ich auch davon absehen, näher darauf einzugehen, welche politischen Fragen

Haag, 7. Aug. (Funkspruch.) Rach dem Abschluß der allgemeinen Aussprache veröffentlicht das Ge- neralsekretariat der Konferenz eine amtliche Ver­lautbarung, in der hinsichtlich der Arbeiten des heute eingesetzten politischen Ausschusses die Formulierung gewählt wird, daß der politische Ausschuß sich mit allen Fragen beschäftigen werde, mit denen die Kon­ferenz befaßt sei. Damit ist ein weiterer Rahmen für die Erörterungen sämtlicher großen Deutschland be­rührenden politischen Fragen gegeben. Der politische Ausschuß wird nach dem nunmehr festgesetzten Ar­beitsplan sich zu allererst mit der Frage der Rhein- landräumung befassen und sodann anschließend mit der Frage der Vergleichs - und Fe st st e l - lungskommission. Die Saarfrage dürfte hingegen zunächst nur Gegenstand von direkten Ver­handlungen zwischen der deutschen und der fran­zösischen Abordnung sein.

Man erwartet allgemein, daß es im politischen Ausschuß den schärfsten Kamps um den von der französischen Preffe noch immer in entschiedenster Weise vertretenen Gedanken einer ständigen Festsiellungskommission im Rhein­land gehen wird. Ebenso muß mit langwierigen Verhandlungen über die von Frankreich anscheinend

Leistungsfähigkeit Deutschlands anderer Mei­nung seien. Zu der Bemerkung Snowdens über die Verwendung eines Lieberschusses von 380 Millionen erinnert man in hiesigen politi­schen Kreisen daran, daß es sich bei diesem Be­trag um die Summe handele, die aus der Lleberschneidung des Dawes-Planes und des Voung-Planes entstehe. In Deutschland habe man jedoch nur eine Summe von ins­gesamt 30 0 Millionen aus dieser Lleber- schneidung errechnet. Weiter weist man drauf hin, daß die 48 Millionen, die England durch die neuen Verteilungssähe weniger bekommen soll, nur etwa drei pro Mille des englischen Haushalts darstellen. Bezugnehmend auf eine wei­tere Aeuherung Snowdens über die Herab­setzung der Sachlieferungen auf Grund des Voung-Planes auf 750 Millionen, von denen 28 Prozent auf den Reparations-Recoverh-Act entfallen, so daß für Deutschland nur Sachliefe­rungen in Höhe von 540 Millionen bestehen bleiben, betont man, daß diese Herabsetzung der Sachlieferungen schon einen schweren Schlag für die deutsche Wirtschaft bedeutet. Fronten im Haag, s. Englands Abänderungswünsche, »eit der Kleinen.

nach Auffassung der deutschen Regierung mit der Regelung der Reparationsfrage in einem Zusammenhänge stehen. Ich kann es mir Vor­behalten, darauf in der politischen Kom­mission zurückzukommen, die ihre Arbeiten ja gleichzeitig mit der finanziellen Kommission aufnehmen wird.

Der Vorsitzende Iaspar las dann der Konferenz ein Telegramm der Königin der Niederlande vor. Namens aller Delegierten hatte Minister­präsident Iaspar an die Königin Wilhel- vr i n c» ft>iQO<t-2« Tekcyramm geeichter: , .Dank­bar für die liebenswürdige Gastfreundschaft, die ihr im Haag geboten wird, bittet die Konferenz Ew. Majestät, $re ehrfurchtsvollen Grüße ent­gegenzunehmen." Die Antwort der Kö­nigin lautet:Ich bin glücklich, in meiner Hauptstadt die Internationale Konferenz zusam­mentreten zu sehen. Ich bitte Ew. Exzellenz, der Konferenz für die Gefühle, die in Ihrem liebens­würdigen Telegramm ausgedrückt sind, meinen Dank zu übermitteln, gez. W i l h e l m i n e."

Es folgten dann die geschäftsordnungsmähigen Vorschläge Iaspars. Es wurden ein finan­zieller und ein politischer Ausschuß gebildet. 3m finanziellen Ausschuh sollen alle Mächte durch je zwei Delegierte vertreten sein. Die finanziellen Probleme, die nur die einladen­den Mächte betreffen, sollen von deren Vertreter allein behandelt werden. Titulescu, durch Ma­rinkowitsch unterstützt, verlangte Klarstellung, ob die sechs einladenden Mächte gegebenenfalls einen besonderen Ausschuh bilden wollen, worauf fest- gestellt wurde, daß nur ein Ausschuh gebil­det werden solle, bei dessen Arbeiten die Materie nach 3nteressen geteilt werden soll. An den Be­ratungen, die nur die 3ntereffen der einladenden Mächte berühren, sollen die übrigen Mächte nicht teilnehmen.

Die politische Kommission besteht gleichfalls aus je zwei Delegierten, jedoch nur der einladenden Mächte. Snowden (Eng­land) schlug unter allgemeiner Zustimmung für den Finanzausschuß den belgischen Finanzminister H o u t a r d als Vorsitzenden vor, der die Wahl dankend annahm. Für die politische Kommission wurde von Briand Henderson als Vorsitzen­der vorgeschlagen. Auch dieser Vorschlag wurde angenommen.

noch immer geltend gemachte Forderung gerechnet werden, nach öeröieKäujnungoon derMo - b i l i f i er u n g und Kommerzialisierung des ungeschützten Teiles der deutschen Tributzahlungen abhängig sein soll.

Der politische Ausschuß, dem ausschließlich die sechs Großmächte angehören, nimmt insofern eine Sonderstellung ein, als die Ergebnisse dieses Ausschusses einen endgültigen Lharak- t e r tragen. Der politische Ausschuß wird somit seine Beschlüsse lediglich bekanntgeben, die dadurch endgültig werden. Die Hinzuziehung der sechs kleinen Mächte ist somit ausschließlich auf die Teilnahme an den Verhandlungen über den Doungplan beschränkt, die im Finanzausschuß slattfinden. Irgendeine Beteiligung der Kleinen Entente, Polens, Griechenlands und Portugals an den politischen Fragen ist somit durch die von der Konferenz geschaffene Kompetenz des polistschen Ausschusses endgültig ausgeschaltet worden. Es ist also nicht damit zu rechnen, daß nach Ab­schluß der Arbeiten des politischen Ausschusses in der vollkonferen; eine allgemeine Aussprache über die politischen Fragen ftaftfinben wird.

Das Ergebnis der Generaldebatte.

Haag, 7. Aug. (TLl. Funkfpruch.) Das Er­gebnis der Generaldebatte ist, daß sich die Mächte in weitgehendem Maße auf zunächst noch kaum überbrückbare Gegensätze festgelegt haben. Die englische Abordnung hat mit allergrößter Ent­schiedenheit und in einer derart schroffen Form eine neue Verteilung der deutschen Tri­butzahlungen gefordert, daß zunächst an ein Nach­geben der englischen Regierung nicht zu denken ist. 3nsbesondere, da die englische Regierung sich in Presseerklärungen weitgehend festgelegt hat und außerdem in dieser Frage aufs schärfste von der englischen Oppositionspresse unterstützt wird. 3n gleicher Weise haben sich die fran­zösische und italienische Abordnung auf das ent­schiedenste auf eine uneingeschränkte Annahme d<Ä TZoungplans als eines geschlossenen Ganzen festgelegt.

Unter diesen Llmständen wird in sämtlichen Kreisen der Konferenz mit außerordentlich lang­wierigen und schwierigen Verhandlungen ge­rechnet, die kaum innerhalb zwei bis drei Wochen zu Ende geführt werden können. Man neigt der Auffassung zu, daß auch die Tagung des Völkerbundsrates am 30. August keiner­lei Veranlassung zu einer Unterbrechung der Verhandlungen gibt, insbesondere, da eine Unter- brechung der Konferenz die Gefahr einer wesent­lichen Verschleppung und Erschwerung der Ver­handlungen mit sich bringen würde. Es wird erwartet, daß die großen grundsätzlichen Diffe­renzen über die Verteilung der deutschen Tribut­zahlungen im Finanzausschuß von neuem in allerschärfster Form wieder auftauchen werden. Man hält es jedoch für denkbar, daß diese Gegensätze durch Entgegenkommen in gewissen Fragen ausgeglichen werden können.

Als Punkte, die für Zugeständnisse in Frage kommen, werden in den Kreisen der Konferenz nach der gt gentoärtigen Lage der Dinge fol­gende Fragen angesehen: Der Sih der inter­nationalen Bank, die Zusammensetzung des Verwaltungsrates, die Präsidentschaft der Dank, ferner Aenderungen in der Form der Abnahme der Sachlieferungen. So hält man es für möglich, daß Frankreich einzelne Arten der Sachlieferun­gen in Zukunft schärfer aufnimmt, als England, daß z. B. die Kohlenlieferungen nach England eine Abänderung erfahren, da bekanntlich die deutschen Sachlieferungen in Kohle von England als eine schwere Konkurrenz für den englischen Kohlenmarkt empfunden werden. Es handelt sich bei diesen Fragen jedoch um Angelegenheiten, die ausschließlich die Gläubigermächte treffen, da die im Voungplan feftgelegten Be­stimmungen über die deutschen Sachlieferungen kaum einet Abänderung unterzogen werden dürften.

Polen und die Rheinlandräumung

KeinerleiJnteresseandenPolitischcnFragcn

Berlin, 8. Aug. (Priv.-Lel.) Daß Polen nicht nur wegen der Reparationsfrage, sondern auch wegen der politischen Fragen nach dem Haag gekommen ist, war vorauszusehen. 3n der pol­nischen Öffentlichkeit macht sich deshalb jetzt wie­der einmal die Ansicht geltend, daß Polen außer­ordentlich an der Rheinlandräumung interessiert sei. Demgegenüber kann aber nicht eindringlich genug darauf hingewiesen werden, daß bereits am 7. November v. 3. der polnische Auftemini- ster Zaleski in einem 3nterview einem Vertreter der Ostpreuhischen Zeitung erklärte, daß Polen nicht grundsätzlich gegen die Rheinlandräumung sei. Es wolle nur vermieden wissen, daß durch die Rheinlandräumung Polens Stellung ge­schwächt würde. Zaleski wird sich also auch heute nicht in Widerspruch zu seinen seinerzeitigen Aeußerungen stellen können. 3m übrigen hat Zaleski ja auch erklärt, daft die ursprünglich in einem sogenannten Ost-Locarno aufgestellten Forderungen im Kellogg Pakt erfüllt worden wären. Damit i entfallen also auch die übrigen polnischen Dektznken, und das polnische 3nteresse an der Haager Konferenz wird sich demnach nur auf die Reparationsfrage zu kon­zentrieren haben. Es wäre gut, wenn sich in Polen Diese Ansicht durchsetzen würde, da eine andere Einstellung viel eher zum Schaden Polens selber werden würde.

Die Streikunruhen in Rumänien.

3m Kohlenrevier von Lupeni herrscht zur Zeit Ruhe und Ordnung. Die Arbeiter der be­nachbarten Gruben haben sich den Streikenden nicht angeschlossen. Die Zahl der beim Kampf zwischen Militär und Streikenden Getöteten hat fi(b_ nach den amtlichen Feststellungen auf 19 erhöht, da mehrere Verwundete ihren Ver­letzungen erlegen sind. Das Elektrizitätswerk hat den Betrieb wieder auf genommen. Die gesamte Presse gibt ihr Bedauern über die Vorfälle zum Ausdruck, daß durch die schlecht beratene Hal­tung der Streikenden das Leben der Bergleute, die sich unter Tag befanden, gefährdet worden war.

3n Lupeni selbst konnte die Arbeit nicht wie­der aufgenommen werden, da ein großer Teil der Arbeiter sich aus Furcht vor Verfolgung